Best of: Weiblich, verheiratet, sucht …

Es sind Sommerferien, auch für unsere Autorinnen und Autoren. Deshalb publizieren wir während zweier Wochen einige Beiträge, die besonders viel zu reden gaben. Dieses Posting erschien erstmals am 11. Mai 2017.

Sympathische Mutter auf dem Spielplatz gesichtet – und dann? Foto: iStock

Wo sind die coolen Mütter in Schaffhausen? Im eigenen Wohnquartier. Richtig? Nur, wenn ich mit meinem Sohn vor die Tür trete, finden wir uns inmitten von fröhlichen Touristen wieder. Mütter auf der Durchreise. Da ergeben sich höchstens Brieffreundschaften.

Schüchtern hilft nicht

Auf dem Spielplatz? Naheliegend. Nur benehme ich mich in Gegenwart von sympathischen Müttern wie ein schüchterner Teenager. Ich lächle sie an und in meinem Kopf ruft eine Stimme: «Staaalker! Du bist ein Staaalker! Lass die arme Frau in Ruhe!», und der Mut ist verflogen. Auch schön, meine platten Anmachoffensiven wie «Ihr Sohn hält sich aber gut auf der Schaukel» oder noch einfallsreicher «Ganz schön kalt heute, was?». Ist die Mutter nicht ganz abgeschreckt von der Kontaktaufnahme, unterbricht ein schreiendes Kind oder der nächste Termin das Gespräch und somit die Chance auf ein gediegenes Kaffeekränzchen.

Dann gibt es die Spielgruppe oder in unserem Fall die Krippe. Theoretisch ein gutes Jagdrevier. Doch ergibt sich dort selten ein Gespräch. Am Morgen springe ich in die Krippe rein (weil zu spät) und am Abend raus (weil Stalldrang). Es ist, als sässe ich in einem Schnellzug und die Umrisse der anderen Eltern ziehen an mir vorbei.

Gemeinschaftszentren, wie man sie in Zürich kennt, wären optimal. Spoiler alert. Gibt es nicht in Schaffhausen. Ein Lichtblick ist das geplante Familienzentrum im Schulhaus Kirchhofplatz. Und überhaupt! Was ist, wenn alle coolen Mamas 100 Prozent arbeiten? Oder genau an den Tagen frei haben, an denen ich arbeite?

Aufgewärmte Liebe

Zum Glück gibt es Bekanntschaften aus früheren Zeiten, welche noch in Schaffhausen leben – inklusive Kinder. Es ist, als wärmte man eine alte Liebe auf. Die Treffen sind schön, fremd und vertraut zugleich. Die Interessen sind nicht mehr dieselben, weshalb hauptsächlich über die Kleinen gesprochen wird. Nicht schlimm, aber langfristig unbefriedigend.

Fertig gejammert, jetzt werde ich aktiv. Den ersten Schritt habe ich bereits getan. Aushang in der Krippe zum Kindergeburtstag und es sind drei coole Mamis aufgetaucht. Zweiter Schritt: mutig fremde Mütter ansprechen und auf einen Kaffee einladen. Dritter Schritt: Ich entwickle eine Tinder-App für Mütter. Aufruf an alle Schaffhauser App-Entwicklerinnen mit Kindern! Meldet euch!

2 Kommentare zu «Best of: Weiblich, verheiratet, sucht …»

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