Familienvater und Alkoholiker

Dem Manager, der gern ab und zu an seinem Drink nippt, sieht man den Alkoholiker auf den ersten Blick nicht an. Foto: Yakobchuk Olena (iStock)

Alkoholismus hat bekanntlich viele Seiten; die Betroffenen verlieren oft erst die Kontrolle über sich, bevor Familie, Job und Sozialleben vor die Hunde gehen. Wieso ein Mensch so weit kommt, dafür gibt es diverse Gründe; Muster aus der eigenen Kindheit, geringes Selbstwertgefühl oder die Unfähigkeit, eigene – auch negative – Gefühle auszuhalten und zu verarbeiten. Keine Selbstreflexion sozusagen.

Aber das Wichtigste – und das kann ich heute, nach jahrelanger Erfahrung beurteilen: Es braucht immer mindestens zwei dazu. Co-Alkoholiker sind das ganze nahe Umfeld des Betroffenen. Ein Alkoholiker wird oft unbewusst unterstützt in seinem Tun, von seiner Familie, seinen Freunden und seinem Arbeitgeber. Und jeder Alkoholiker hat auch oft gute Strategien, sich durchs Leben zu lügen.

Ich lernte meinen Mann vor mehr als 20 Jahren kennen, er sah super aus, war charmant, erfolgreich im Job, hatte dieselben Ideen vom Leben wie ich. Ein Blender war er nicht, er hat bis 30 viel erreicht, seine Jugend war nicht nur einfach. Er hatte Biss und kämpfte für das, was er wollte, einerseits. Doch seine Schwäche fing dort an, wo seine Gefühle zu stark wurden, diese wurden runtergespült. Emotionaler Stress wurde und wird im Bier ertränkt.

Dann kam ich, eine junge Frau aus einem gesunden Elternhaus, wo geredet, gelacht, geweint und gestritten wurde. Mit einem Vater, der stark war und die Familie zusammenhielt, für den die Familie über alles, selbst über seine Karriere, hinausging.

Aber ich war auch naiv, total. Noch lange war ich überzeugt, ich könne ihn heilen, umerziehen, auf einen besseren Weg bringen. Doch einen besseren Weg …? Er hatte ja alles; war erfolgreich im Job, hatte eine Freundin und sah gut aus. Was will man mehr in diesem Alter. Und, er war nicht mehr dauernd unterwegs, wegen mir. Was mir natürlich hoch angerechnet wurde in seinem Umfeld. Meine Naivität ging noch weiter; er hat(te) die Begabung, in Gesellschaft sehr charmant und unterhaltend unterwegs zu sein. Er machte Komplimente, beherrschte den Small Talk in allen Themen, hörte zu, ob bei Alt oder Jung, die Leute fühlten sich wohl, wenn er im Raum war. Dazu war er ein guter, sehr grosszügiger Gastgeber; das ist er heute noch.

Wie würde er auf eine Trennung reagieren?

Was hast du auch; er ist so lustig und nett, ja klar, er hat vielleicht etwas viel getrunken, aber jeder hat doch irgendeinen Rucksack zu tragen. Ja, ich war naiv, solche Aussagen trösteten mich über die Jahre hinweg. Es folgten schlimme Streitereien, Drohungen, Versöhnungen, Versprechen, Abmachungen, «Verträge» … und alles lief ins Leere.

Die Kinder: Ohne ihn, sprich: wäre ich damals vor Jahren konsequent gewesen, hätte ich ihn vor die Wahl gestellt, mich oder die Büchse Bier, hätte ich heute meine zwei wunderbaren Kinder nicht. Was ich allerdings nicht weiss: Ob sie mir irgendwann einen Vorwurf machen werden, dass ich sie nicht besser geschützt habe vor so einem Umfeld.

Ich war naiv einerseits, bin aber auch extrem stark geworden. Die typische Co-Alkoholikerin; entschuldigen, vertuschen, beschwichtigen, vermitteln. Ein Scheiss-Spiel, das mich an den Rand einer Depression und eines Familien-Burn-outs gebracht hat. Ich kenne einige Therapeuten – die Therapien mit ihm endeten nach zwei Sitzungen, da kein Bedarf bestand, weil er ja kein Problem hatte und ich meine selbst lösen musste. Die Therapeuten bringen dir nur insofern etwas, als dass du Mut bekommst und dein Selbstvertrauen nicht noch mehr mit Füssen getreten wird. Handeln musst du selbst, keiner nimmt dir eine Entscheidung ab. Du allein trennst dich von deinem Partner, du musst die Kinder aufbauen, du hast Streit mit ihm, du musst Wohnsituation, Geld etc. managen.

Und ja, es gibt Paare, die sich im Guten trennen. Aber einem Alkoholiker und vor allem dem Vater der gemeinsamen Kinder zu sagen, dass er gehen soll, das ist nochmals ein anderes Kapitel. Stürzt er komplett ab und du landest auf dem Sozialamt? Tickt er komplett aus und stürmt deine Wohnung? Besinnt er sich und wird trocken? Drei mögliche Szenarien und zwei davon machen mir heute noch Angst.

Meine Kinder, mittlerweile junge Erwachsene, sehen die ganze Sache eben als Kind eines Vaters, den sie lieben. Sie sind brutal ehrlich zu ihm, ignorieren ihn, wenn er zu viel getrunken hat und verheimlichen seine Sucht und Krankheit gegenüber Familie und Freunden immer weniger. Er tut ihnen aber auch leid, und sie würden nie wollen, dass wir ihn rausschmeissen, wohl aus Angst um ihn. Ich möchte aber auch betonen, er war und ist ein guter Vater. Innere Stimmen werden laut: Ein Alki ist nie ein guter Vater. Ja und nein! Er ist krank und trotzdem noch ein guter Vater, und er ist Alki und drum kein guter Vater!

Weshalb ich es (noch) nicht tue

Seine Freunde versuchten über Jahre, ihm einen besseren Weg zu zeigen, ohne Erfolg. Sämtliche Versuche ihrerseits endeten in Streit, eine Besserung trat nie ein. Seine Uneinsichtigkeit ist nicht zu besiegen. Sein Arbeitgeber hat ihn einige Male verwarnt, aber nie die Konsequenzen gezogen. Ganz einfach; er macht seinen Job immer noch zum Guten der Firma, und solange der Gaul rackert, behält man ihn.

Was tust du deinen Kindern und dir nur an! Verantwortungslos bin und war ich, den Kids gegenüber, zu wenig auf mein eigenes Wohl bedacht. Meinungen, ob ausgesprochen oder nicht, die ich oft hörte. Auf die Frage, wieso ich den Schritt noch nicht getan habe – Betonung auf NOCH –, habe ich verschiedene Antworten: Vielleicht ist es Angst, oder die Not ist noch nicht gross genug. Oder Egoismus? Ich melke die Kuh, solange sie noch Milch gibt?

Eine schwierige Situation. Doch ich habe kein Mitleid mehr mit mir, denn ich wollte es so, sonst hätte ich mich damals vor Jahren bereits gegen ihn entschieden. Die Kinder und ich sind ein super Team geworden, zusammengewachsen, beide intelligent, gesund und sportlich, sozialkompetent, weder dem Alkohol noch anderen Drogen verfallen. Ich bin gesund, sozial gut eingebunden, habe einen tollen Job.

Und er? Wir ziehen ihn mit, solange er noch mit uns Schritt halten mag, um ihm etwas Lebensstruktur und -inhalt zu geben. Und ihn vielleicht vor dem kompletten Absturz zu bewahren.

151 Kommentare zu «Familienvater und Alkoholiker»

  • Marco Singer sagt:

    Ich sehe in dem Artikel auch das Bild eines liebenden, wenn auch zerrissenen Mannes. Eines Mannes, der seine Familie liebt, und mit Sicherheit nur das Beste für sie will und alles gibt was er kann. Was mich in dem Text jedoch auch aufwühlt und fast wütend macht, ist die Idealiserung des Schwiegervaters und der Herkunftsfamilie. Da kann man nur noch verlieren. Und doch wird nicht gesagt, welche Kriterien der Partner denn erfüllen muss. Die damit einhergehenden Erwartungshaltung, kann sehr schwierig werden. Ich bin selber Familienvater und wüsste sehr gerne, wie man sein muss, um privat und beruflich immer alles in der Balance zu halten. Aus meinem Umfeld weiss ich, dass diese Erhöhten Erwartungen zu sehr viel Druck führen können. Was für allerlei Süchte natürlich eher förderlich ist.

  • Irina sagt:

    Dieser Artikel hat mich zu Tränen gerührt.

    Ein brutal ehrliches Kind.

  • Gramm sagt:

    All die apodiktischen Aussagen zur Sucht… ML, zur Lebenserwartung: ein Bekannter hat vor über zehn Jahren eine Oesophagusvarizenblutung überlebt und trinkt immer noch. Unter dem Titel „The opposite of addiction is connection“ geisterten kürzlich ein paar hochinteressante Ideen und Geschichten umher, von Ratten bis Menschen. Versuche ich hier nicht zu verlinken, in der Annahme, das gehe nicht. Lohnt sich aber nachzuschauen, z.B. in Psychology Today.

  • Roland Stuber sagt:

    Als er in jungen Jahren seine Dämonen nicht aushalten konnte fand er Zuflucht in einer gesellschaftlich tolerierten Substanz. So konnte er seine Angst regulieren. Wo waren die, die ihm geholfen hätten einen besseren Weg zu finden? Seine „brutal ehrlichen“ Kinder sind wohl seine beste Medizin! Ich wünsche ihm viel Glück und Einsicht in die Möglichkeiten die ihm noch offen sind! Ich wünsche seiner Frau, seiner Familie viel Glück auf dueser Entdeckungsreise!!

  • Roland Stuber sagt:

    Als er in jungen Jahren seine Dämonen nicht aushalten konnte fand er Zuflucht in einer gesellschaftlich tolerierten Substanz. So konnte er seine Angst regulieren. Wo waren die, die ihm geholfen hätten einen besseren Weg zu finden? Seine „brutal ehrlichen“ Kinder sind wohl seine beste Medizin! Ich wünsche ihm viel Glück und Einsicht in die Möglichkeiten die ihm noch offen sind! Ich wünsche seiner Frau, seiner Familie viel Glück auf dueser Entdeckungsreise!!

  • Struppi sagt:

    Die Autorin setzt sich mit allen Facetten auseinander und bringt es auch an die Öffentlichkeit, konfrontiert sich also – Kompliment! Sie managt sich und die Familie, probiert verschiedene Sichten zu sehen und sich in dieser schwierigen Situation zu bewegen.
    Meiner Ansicht nach gibt es keine guten oder schlechten Entscheidungen, sondern nur Entscheidungen. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Die Vergangenheit können wir nicht mehr verändern, die Zukunft ist uns verborgen. So bleibt uns nichts anderes übrig, als im Hier und Jetzt so zu Handeln, wie es für uns richtig erscheint. Und somit ist auch die „Schuld“ hinfällig. Weder die Autorin soll sich schuldig fühlen für ihre Entscheidungen, noch ist der Mann schuld an seinem Alkoholproblem. Das Leiden sollte angegangen werden.

  • Carl sagt:

    Was ist das Problem im Alltag?

    Es gibt Sucht und Sucht – Sucht als Extremhobby wie Bergsteigen.

    Am schlimmsten trifft oft die vom Umfeld konstruierte Ablehnung und dann geht es richtig los – mit dem Wegmachen der ausbleibenden Liebe. Der Kampf gegen die Inszenierung der moralischen Überlegenheit – und da kann Gewalt aus Gewalt entstehen, und hat dann nur indirekt mit dem Hobby zu tun – sondern mit dem Partner.

    Wie in allem geht es darum, sollte man ganz präzise das Grau definieren das nicht geht. Dabei aber das Hobby belassen.

    Oder sich vielleicht fragen ob die Partnerschaft auch so ausgelutscht ist – und dann nicht so feige ist dem Hobby die Schuld zu geben.

    „wider dem Stereotyp agieren“

  • Martin sagt:

    Ist er wirklich ein Alki? Ich frage mich das nur, da Alkis normalerweise schon Vormittags anfangen zu trinken. Oder gilt er einfach als Alki, weil er gerne mal trinkt und der Rest der Familie überempfindlich darauf reagiert? Ein richtig Alkohlkranker, der kann kaum einen ganzen Arbeitstag durcharbeiten, wenn er wirklich süchtig ist.

    • Susanne sagt:

      Er trinkt nicht gerne,er muss trinken!Es gibt verschieden Arten des Alkoholismus.Es gibt sehr viele Alkoholiker die erst ab einer bestimmten Zeit trinken.Kenne sehr viele Geschäftsleute die abends Ihre 2-3 Flaschen reinkippen,z.t noch Kokain reinziehen.Der Finanzplatz Zürich ist voller solcher Menschen,leider!

      • Kolia sagt:

        Für mich beginnt der Alkoholismus dort, wo ein Vater seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommt und/oder sein Verhalten +/- täglich nicht mehr unter Kontrolle hat und so pöbelt, aggressiv o.ä. ist. Ein paar Bier am Abend vertragen einige gut, andere nicht. Kenne verschiedene Menschen, die in den Augen vieler Alkoholiker sind, jedoch beruflich und familiär absolut gut zu Rande kommen oder sogar erfolgreich sind. In solchen Fällen ist es eher eine nahestehende Person, die das einfach nicht erträgt und in manchen Augen zu sensibel sind.

  • Martina sagt:

    Ich empfehle Ihnen Al-Anon.

  • Rosa Sordo Meier sagt:

    Eine vor Jahren beim blauen Kreuz arbeitende Freundin, hat mir seinerzeit erklärt, dass Alkoholiker oft erst zu einer Therapie bereit sind, wenn sie von der Familie verlassen und wegen der Sucht den Arbeitsplatz verloren haben. Erst zuunterst und auf tiefster Stufe, ohne Freunde, Angehörige, Zuhause und einem regulären Salär gelingt es einigen sich zwecks Wiedererlangen ihrer Würde in eine Suchtbehandlung zu begeben.
    Den Ehemann auf diese Weise fallen zu lassen ist sicherlich eine schwere Entscheidung. Ich verstehe die Frau, hat sie den Mann doch einst geliebt, fühlt sich ihm vielleicht noch immer verbunden und hält vorerst trotz allem die Infrastruktur aufrecht.

    • Carl sagt:

      Einige gängige Empfehlung von Berater – nur dass dann die Partnerschaft flöten ist. Wenn man das will – also, das tun was man will – ist der Partner unerträglich, egal wieso, muss man agieren.

      Besser taugt der sichere Hafen. Der Hafenmeister soll auch klar kritisieren aber dabei die Liebe nicht vergessen. Liebe? Aha 😉

  • Theo Paschmek sagt:

    „Familienvater und Alkoholiker“ Das Eine muss das Andere nicht ausschliessen.
    Mein Vater hat es auch geschafft beides unter einen Hut zu bringen. Ich will nicht immer dieses Gejammer hören, Oh wegen der Kinder komme ich gar nicht mehr zum saufen. Wenn Frauen Familie und Beruf unter eine Hut kriegen, dann klappt das auch verdammt noch eins mit Alkohol und Familie. Man muss sich nur ein bisschen zusammenreissen. Saufende Familienväter dienen ausserdem als abschreckende Beispiele für die Kinder. Eine bessere Suchtprävention kann man sich gar nicht mehr vorstellen. Darauf sag ich nur noch : „Hoch die Tassen versoffene Massen“. „Promille statt Pille“. „Lieber besoffen, als betroffen“ 🙂

  • Hans Minder sagt:

    Kein Mensch ist verpflichtet, ein Leben Lang unter der Last einer süchtigen Person zu leiden. Wer dies tut, der hilft dem Süchtigen oftmals lediglich zur Weiterführung seiner Sucht.
    Doch die Trennung ist nicht ein Freispruch. Wer trotz eindeutigen Vorzeichen mit einem Süchtigen eine Familie gründete, der sollte nun als Geschiedener/Getrennter mit dem Ex-Partner so gut wie möglich eine funktionierende Erziehungs-Einheit bilden.
    Wiederheirat kann problematisch werden, auch wenn sich der neue Ehepartner als Segen zu entpuppen scheint. Die Kinder lernen nämlich dadurch, dass man vorbehaltslos mit jedem (süchtigen etc.) Partner eine Familie gründen darf und im Falle eines Suchtproblems/Auseinanderlebens wieder getrennte Wege gehen darf, um sich den nächsten Hoffnungsträger zu schnappen.

  • Ludin Deborah sagt:

    Wàre gut den Mann frei zu geben, SOLANGE ER NOCH EINE
    üBERLEBENSCHANCE HAT.

  • Franturella sagt:

    Dieser Text hat mich fast umgehauen. Er beschreibt fast 1:1 meine Situation. Unser Sohn ist jedoch noch nicht erwachesen und er liebt seinen Vater abgöttisch. Ich habe auch drei ähnliche Szenarien im Kopf wie die Autorin.. Es ist kein freies Leben mit einem Mann der täglich seine Alkoholration braucht, der nichts mehr auf die Reihe kriegt was das Familienleben betrifft. Zum Glück ist er nicht gewalttätig wenn er getrunken hat – physisch gewalttätig jedoch schon..
    Vielen Dank für den Text

  • Jennifer sagt:

    Total illusorisch, einem Trinker „helfen“ zu wollen, und erst noch als Angehörige, d.h. Partnerin, Tochter, Sohn usw. Die gute Frau hier hat ihre Grenzen auch nicht so klar. Sie redet vom Team, das sie jetzt mit den Kindern bildet. An denen hält sie sich fest, und der Gatte ist Patient! Toll.
    Alkohol ist Europas Droge Nr. 1, seit den Dionysien der Antike und früher. Sogar Tiere fressen vergorene Früchte und geniessen den Schwips. Mohammed hat Alkohol verboten, was auch wieder extrem ist, eben weil seinerzeit die Leute wohl zünftig gesoffen haben! Doppelmoral ist Folge des Verbots. Wer trinkt, hat dafür Gründe. Sucht hat mit Traumabewältigung und Stressabbau zu tun. Einen Alkoholiker kontrollieren wollen und Besserung erwarten stresst ihn und stärkt daher die Suchtdynamik. Besser gehen.

  • Anocha sagt:

    Ich hab das Gefühl, dass sie mich und meine Situation beschreiben. Nur sind meine Kinder noch klein. Und ich habe extrem Angst davor, was geschehen könnte, wenn ich ihn wegschicken würde. NOCH habe ich es nicht getan.
    Danke für Ihren Text.

    • Ruedi Meier sagt:

      Würde ihnen empfehlen, professionelle Hilfe zu holen. Es gibt nur eine Lösung: entweder ihr Partner tritt in eine medizinische Behandlung ein oder sie müssen ihren Weg mit den Kindern alleine gehen. Andernfalls werden sie die Hölle erleben. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Ich sage das als Sohn eines Alkoholikers. Später hatte ich Bekanntschaften mit Frauen, die ebenfalls alkoholabhängig waren und habe mich, als ich das feststellte, umgehend distanziert. Auch wenn man kranke Menschen nicht im Stich lassen sollte, aber man muss sich selber schützen. Wünsche Ihnen viel Kraft dazu.

    • tm sagt:

      habe die Situation in umgekehrter Richtung erlebt, psychisch krank, suizidal und Alkohol/Tabletten. Irgendwann wars zuviel, kein Mensch hält das ewig aus. Die Angst um die Kinder ist enorm, schlussendlich klappte es erst als meine Kinder 14 erreichten. Sie lieben ihre Mutter und verstehen es, auch wenn sie immer noch leugnet. Theater, Wut-Anfälle usw programiert. Das wichtigste ist dass die Kinder wissen wie reagieren und immer einen Schutzhort haben wo sofort hingegangen werden kann. Es ist und bleibt aber eine enorm belastende Situation. Kann nicht mehr als Kraft und Energie wünschen. Professionelle Hilfe hat nichts – aber gar nichts gebracht. Sie als Frau könnten noch Schutz bei der Behörde finden, als Mann – keine Chance.

  • Maura Hailey sagt:

    @Schon mal etwas von Alanon (Gruppe für Co-Abhängige) gehört? Gegründet vor einigen Jahrzehnten für Angehörige von Alkoholikern, im Anschluss von ‚alcoholics anonymous‘, AA). Wie hoch ist der Druck für den Vater, der ein Alki sein soll? Ist er abhängig oder süchtig? Wichtig für die Frau und Halbwüchsige – nicht verdrängen, auch wenn vordergründig einfacherer Weg. Der Weg führt nicht über Verdrängung, sondern über die Bereitschaft, zu ändern, was ich ändern kann. Viel Kraft und Mut dazu! Finanzielle Abgängigkeit, Gewohnheitsabhängigkeit schaffen oft die berühmte ‚Comfort zone‘, in der alle Beteiligten ersticken!

  • Jänu sagt:

    „Wir ziehen ihn mit, solange er noch mit uns Schritt halten mag, um ihm etwas Lebensstruktur und -inhalt zu geben.“
    Das empfinde ich als problematisch. Mutter und Kinder sind Wir, der Vater nicht?
    Im Beitrag steht klar und deutlich, dass er den Job gut macht, auch seine soziale Rolle gegenüber anderen mehr als gut ausfüllt. Da ist sehr viel Struktur, ja da ist eigentlich genug Struktur im Leben.
    Die Autorin scheint in ihrer Rolle gefangen zu sein und bemitleidet ganz offen ihren Mann, auch vor den Kindern, die sie mit dem Wir von ihm entfernt. Das wird zu keiner Lösung führen. So wird seine emotionale Gefangenheit, wie beschrieben, erst recht verfestigt. Es sieht mir trotz aller Bekundigungen nicht so aus, als sei Hilfe das oberste Ziel, sondern Umformung. Das muss scheitern

    • Kolia sagt:

      Bin absolut einverstanden mit ihrem Statement. Mir ist auch nicht klar, was „nicht mithalten“ heissen soll, offenbar kommt er ganz gut zurecht im Leben. Vielleicht nur eine subjektive Meinung der Ehefrau bzw. eine Rechtfertigung ihren Mann umzuformen? Für mich nicht klar.

  • Frank Zuffnik sagt:

    Das ist der genetische Irrglaube, der Menschen seit Jahrhunderten daran galuben laesst, vorallem Maenner taeten sich irgendwie aendern wenn man die heiratet und so ein Ring am Finger mache dann aus dem „Es Gleschli Boscholää het no keim gschadet“-Humperich einen Plastikbecherfruchtsaeftling.

    • Ruedi Meier sagt:

      Ein Alkoholiker ist ein kranker Mensch. Da hilft nur professionelle Behandlung. Häufig bleibt es ja nicht beim Alkohol, es sind meist auch Raucher und in fortgeschrittenem Stadium kommt Tablettensucht dazu. Das überfordert jede Familie, jeden Partner. Es ist eine Drogensucht, meist psychisch bedingt genauso wie Heroin etc. Diese Menschen dürfen, bei erfolgreicher Behandlung niemals mehr mit Alkohol in Berührung kommen, denn das führt zum sofortigen Rückfall.

  • Überlebende sagt:

    Immer interessant die Kommentare zu lesen. ICH HABE ÜBERLEBT Mein Vater war (ist?) auch so ein Alkoholiker, funktioniert im Job + ausserhalb der engsten Familie. Meine Mutter war/ist Co-Abhängig – heute ist sie ein Frack – seelisch+körperlich. Und das Beste?! sie leben immer noch zusammen+bereiten sich gegenseitig die Hölle. Was wäre ich froh gewesen, wenn sie die Kraft aufgebracht hätte, sich von diesem Mann zu trennen und uns endlich eine Ruhige, stetige Umgebung zu bieten, stattdessen ständige Unsicherheit, Übervorsicht und beschränkte Möglichkeiten aller Art. Finanziell hätte es uns nicht schlechter gehen können, als in dieser Situation zu verharren. Unbekannte hatten Essen vor die Türe gestellt und mehrmals wären wir fast auf der Strasse gelandet. Habe nur noch den nötigsten Kontakt.

  • M.B. sagt:

    Mein Vater hat meine Mutter verlassen, als ich 7 und mein Bruder 6 Jahre alt war, weil er mit ihrer Alkoholsucht nicht klar kam. Was danach folgte, lässt sich kaum in Worte fassen. Jeden Tag standen wir nach der Schule vor unserer Wohnungstür und hatten Angst vor dem, was uns erwartet. Von einer verwüsteten Wohnungen bis zu einer Mutter, die sich im Rausch die Pulsadern aufgeschnitten hat, haben wir alles erlebt, was man sich (nicht) vorstellen kann. Dann kamen die Aufenthalte in Heimen und Pflegefamilien und dann wieder die Rückkehr zur Mutter bis zum nächsten Rückfall oder Suizidversuch. Liebe Autorin: Ich wäre unheimlich stolz auf eine Mutter/Vater wie sie, die ihre Kinder nie im Stich liess. Nicht-Betroffene werden eh nie verstehen, was sie und ihre Kinder durchmachen.

    • Sportpapi sagt:

      Darüber hatte ich auch nachgedacht. Was, wenn der Alkoholsüchtige die Mutter ist? (so erlebt bei meiner Grossmutter). Und was, wenn die Kinder dann dort verbleiben müssen, was ja in der Schweiz zu erwarten wäre?

      • Marc Holdener sagt:

        Nein, der Wind hat gekehrt. Bin Alleinerziehender mit zwei kl. Kindern, habe gerichtlich die alleinige Obhut erhalten ohne Erziehungsfähigkeitsgutachten. Eine Bezugsperson genügt den Kindern. Dort holen sie Stabilität und Verbindlichkeit, die kranke Mutter lieben sie und geniessen die Zeit mit ihr, immer wenn es möglich ist. Die Situation bedarf viel Aufmerksamkeit, ist aber für alle besser als hätte man so weitergemacht wie vorher.

      • Sportpapi sagt:

        @Marc Holdener: Das ist gut zu hören. Ich erlebe es ja meist nach wie vor anders.

  • Peter Hablützel sagt:

    Ich lese nichts über sein Verhalten aufgrund seiner Alkoholsucht, nur dass er alkoholsüchtig ist.
    Wie zeigt sich dies, wie wirkt sich dies aus? Geht er jeden Abend in die Beiz und kommt stockhagelvoll zurück? Trinkt er am Wochende? Trinkt er auf der Arbeit? Schlägt er sich die Nächte um die Ohren? Ist er unzuverlässig? Psychisch instabil? Gibt er zuviel Geld für Alkohol aus? Schulden? Benimmt er sich in Gesellschaft daneben? Aggressiv wird er ja nicht, auch nicht den Kindern gegenüber. Den Job hat er noch. In der Gesellschaft ist er ja anscheinend auch nicht neben den Schuhen.
    Ich lese einfach, dass er gemäss seiner Frau zuviel Alkohol trinkt, die Auswirkungen des Alkoholkonsums sind weder lesbar noch spürbar in dem Artikel. Sehr komisch.

    • Muttis Liebling sagt:

      Gern noch zum dritten Mal: Der Blog handelt nicht vom Alkoholismus des Mannes, der wird nur unterstellt, sondern vom Co- Alkoholismus der Frau. Den kann es auch geben, wenn der Mann gar kein Alkoholiker ist, die Frau das aber so empfindet.

      • Martin sagt:

        @Muttis Liebling: „Den kann es auch geben, wenn der Mann gar kein Alkoholiker ist, die Frau das aber so empfindet.“ Dann sollte aber die Frau in die Klapse und nicht er! Frauen und ihre Empfindungen treiben Männer manchmal wirklich in den Wahnsinn und am Ende wird er noch wirklich Alkoholiker! In dem Fall bringt die Frau die Kinder gegen den Vater auf, was eigentlich sehr perfide und hinterhältig ist.

  • Sportpapi sagt:

    Ich verstehe gar nicht, wie man hier bei diesen eher spärlichen Informationen so klare Ratschläge erteilen kann. Es ist ja kaum ersichtlich, wie sich die Suchtkrankheit äussert (beschrieben wurde Bier trinken?), und wo sie die Familie beeinträchtigt.
    Was klar ist: Das Problem wurde von der Frau längst erkannt und benannt, während er es nicht sieht. Da würde man doch gerne mehr wissen.
    Ist denn eine Trennung richtig? Beendet man eine Beziehung, wenn der Partner erkrankt, sich verletzt, vielleicht behindert ist? Wie wird das gesellschaftlich anerkannt? Oder macht man das bei einer Sucht, weil man es als selbst verschuldet bewertet?
    Und was, wenn es nicht der Partner ist, sondern vielleicht der Sohn oder die Tochter? Trennen, damit es der Familie gut geht?

    • M.B. sagt:

      Wenn man keine Ahnung hat, sollte man vielleicht besser auch mal auf den Griff in die Tasten verzichten. Alkoholismus ist nicht Krebs oder HIV, sondern eine Suchtkrankheit die mit auf den übermässigen Konsum von Drogen/Alkohol zurückzuführen ist. Jeder Süchtige kann aufhören, die Frage ist nur, wie gross seine Motivation zum Aufhören ist. Wenn ein Alkoholiker aber nicht nicht einmal bereit ist, für seine Frau und Kinder aufzuhören und den harten Gang durch einen Entzug zu gehen, dann ist die Trennung die letzte Möglichkeit bei ihm ein Umdenken zu erreichen. Sie haben anscheinend keine Ahnung wie es ist, wenn man über Jahrzehnte zusehen muss, wie ein geliebter Mensch im Suff zu einem ganz anderen Menschen wird und sich und die Familie langsam zu Grunde richtet.

      • Sportpapi sagt:

        Interessant. „Alkoholismus ist nicht Krebs oder HIV, sondern eine Suchtkrankheit die mit auf den übermässigen Konsum von Drogen/Alkohol zurückzuführen ist.“ Sucht ist also die Folge, nicht die Ursache von übermässigem Alkoholkonsum?
        „Jeder Süchtige kann aufhören, die Frage ist nur, wie gross seine Motivation zum Aufhören ist.“
        Ok, nehme ich mal so zur Kenntnis.

      • Muttis Liebling sagt:

        @SP
        Es stimmt natürlich alles nicht, was der Vorredner schreibt. Erstens muss man zwischen Sucht und Abhängigkeit unterscheiden, zweitens korreliert Sucht bei Alkoholismus nicht mit Trinkmenge.

        Abhängigkeit ist unheilbar und Sucht kann man nur kontrollieren, bevor die zur Abhängigkeit führt. Danach nicht mehr. Deshalb liegt die 1- Jahres- Erfolgsrate bei den etablierten Suchtkliniken unter 2%.

        5 %- Jahres- Raten kennen wir nicht. Richtige Alkoholiker überleben keine 5 Jahre. 2 Jahre nach der ersten intensivmedizinischen Intervention lebt praktisch keiner mehr.

        Ich würde sagen, alle geheilten Alkoholiker sind nicht geheilt, sondern hatten eine Fehldiagnose. Sie waren nie Alkoholiker, sind nur mal langzeitlich auffällig geworden.

    • Muttis Liebling sagt:

      Der Text gibt die Diagnose ‚Alkoholismus‘ nicht her, aber darum geht es anscheinend nicht. Es geht um die Frau, welche sich subjektiv als Co- Alkoholikerin fühlt, ohne Gründe dafür benennen zu können oder zu wollen.

      Ein Alkoholiker, welcher 20 Jahre Familie und guten Job bewahrt ist so wahrscheinlich, wie ein braungebrannter Eskimo.

      • Jennifer sagt:

        Es gibt Alkoholiker, die zuhause regelmässig sehr viel trinken, was dem Privatleben abträglich ist, und die es beruflich trotzdem schaffen, unauffällig zu bleiben und such ihre Kompetenz zu bewahren. Es sind ja nicht nur diejenigen Alkoholiker, die täglich lallend aus der Kneipe stolpern und Strassenlaternen umarmen. Es kann jemand sozial weitgehend unauffällig, anerkannt und erfolgreich und doch ein richtiger Trinker sein und ein massives Problem mit Alkohol haben, resp. eins ohne. ; )

    • Jänu sagt:

      Aufgrund all der weg gelassenen, aber wichtigen Begleitumstände und der offen gelassenen Fragen, entsteht bei mir der Eindruck, als suche sich hier eine Frau ein Echo aus der Öffentlichkeit, damit sie den Mut und die Begründung für eine Trennung aufbringt. Es fehlt vor allem ihre Rolle in der Beziehung. Man weiss nur, dass sie umerziehen wollte. Aber alleine das schon ist eine der grössten Beziehungsfallen. Umerziehen bedeutet das Einnehmen einer dominanten Haltung gegenüber dem anderen. Hintergrund ist vielleicht der eigene starke, dominante, „perfekte“ Vater, dessen Rolle sie nun einnimt, einnehmen möchte. Bei ihm ist es vielleicht die Liebe (und Blindheit), die eine direkte Auseinandersetzung mit ihr vermeidet, die wohl zur angedrohten Trennung führen würde.

    • EX- tochter eines alkis sagt:

      Ja, genau. Egal um welches Familien-Mitglied es sich handelt. Seit ich mit meinem Vater Schluss gemacht habe, geht es mir gut, vorher war das nicht so.Aber durch die Co-Abhängigkeit merkt man das nicht einmal. Weshalb sollte das Wohlbefinden eines Familienmitgliedes über dem eigenen stehen? Ist es wirklich notwendig sein leben vereinnahmen lassen, von einer Person, die einem mehr Leid als Freude bringt? Weshalb muss man sich verpflichtet fühlen? Weil es Familie ist? Kein gutes Argument, wenn man selbst auch ein schönes leben hätte haben können aber unfreiwillig darauf hat verzichten müssen. Weil man aus lauter Liebe nicht merkt wie man Stück für Stück kaputt gemacht und demontiert wird.Werde heute noch dafür kritisiert diesen Schritt getan zu haben, aber das beste was ich je für mich tat

      • EX- Sohn eines Alkis sagt:

        Sie haben genau das Richtige getan. Ich bin zuspät abgesprungen und habe leider immer noch die Eisenkugel am Bein.
        Viele Kommentatoren haben keine Ahnung, wie viele Jahre da zerstört werden. Wieviele Schmerzen es all die Jahren gibt.

      • Marc Holdener sagt:

        Ich finde auch, das war das einzig Richtige, das Sie beide tun konnten. Dummheit und Vorurteile von aussen gibt es viel, das muss man ignorieren. Man muss sich selber Sorge tragen und eine gute Beziehung zu sich selber wieder aufbauen, damit die innere Stimme wieder stark wird. Von den Süchtigen geht ein Missbrauch aus, das ist ganz klar, davor muss man sich schützen, das ist man sich selber schuldig, sonst wird man aufgefressen.

  • Seppi sagt:

    Schlimmer als Alkoholiker sind nur noch Persönlichkeitsgestörte. Egal ob Narzisstisch, Borderline, Ängstlich-Vermeidend oder Dissozial: Sie machen aus der Familienidylle eine Hölle. Bei der hohen Zahl von alleinerziehenden Müttern, und aus der persönlichen Beobachtung heraus, dass besonders viele Ex-Ehefrauen von Persönlichkeitsstörungen betroffen sind, habe ich eine schlechte Prognose für unsere Gesellschaft, denn Gestörte erziehen ihre Kinder zu Gestörten. Gegen aussen sieht alles „ganz normal“ aus, und hinter verschlossenen Türen wird gelogen, manipuliert, unter Druck gesetzt, beleidigt, abgewertet, verachtet, gegeneinander ausgespielt etc. Mir tun die Kindergärtnerinnen, Lehrer und Lehrmeister leid, welche dann aus diesem „Material“ ehrbare Mitmenschen machen müssen.

    • tina sagt:

      um ehrlich zu sein: ich dachte auch an all die anderen kranken. wenn allein 10% aller leute depressionen haben, was ist mit all den anderen psychisch kranken und gestörten? und was ist mit all den körperlich kranken? es ist ja nicht so, dass das ohne auswirkung auf kinder wäre. all die verschuldeten und all die leute, die einfach nur idioten sind. unterm strich bleiben da nicht viele übrig, die weder krank, noch gestört noch idioten sind.

    • mila sagt:

      Eine gute Freundin von mir ist mit einem phasenweise schwerdepressiven Vater aufgewachsen. Es prägt ihr (Beziehungs-)Leben bis heute, auch wenn sie vieles unternommen hat, um ihr Leben diesem prägenden Ein-Fluss Stück für Stück zu entziehen. Aber die Prägungen sind teils so unter-schwellig, dass man sie erst einmal bewusst realisieren muss. Bevor man gegen sie an-gehen kann. Dieses ‚Erbe‘ einer halbwegs funktionalen Familie scheint mir langfristig fast perfider, als die sicherlich harten Konsequenzen, die ein klarer Familienbruch mit sich bringt. Aber das kann man auch snders sehen.

      • tina sagt:

        was stellst du dir denn vor, ist ein klarer familienbruch? auch nach einer trennung haben die kinder eine beziehung zu beiden elternteilen, verbringen zeit bei beiden. nur dann eben allein, ohne den anderen elternteil. je nach krankheit ist das wirklich wirklich schwierig

      • Hans Müller sagt:

        Also, kurz zusammengefasst: Schuld an den Problemen ihrer guten Freundin ist der Vater, aber der wiederum ist irgendwie selbst schuld an seinen Problemen, weshalb ein klarer Bruch das einzig Vernünftige wäre. Hoffen wir, dass niemand mit Ihrer guten Freundin eines Tages den klaren Bruch wagt.

      • mila sagt:

        @tina: Ja, es ist schwierig, aber bei ganz schwierigen Verhältnissen gibt es auch die Möglichkeit einer Familien- bzw. Besuchsbegleitung. Es gibt Kranke, Süchtige, die es sich in ihrer Krankheit, Sucht einrichten (in beidem spreche ich aus Erfahrung). Auf Kosten des Umfelds. Und das ist nicht fair.

        @Hans Müller: Da interperetieren Sie etwas gar frei Ihre eigenen Gedanken zwischen meine Zeilen.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @tina

        eben gerade weil es sehr schwierig ist, wäre für mich der wichtige Punkt dass Unterstützung von aussen erwähnt wird.
        Ziemlich egal ob eine körperliche oder psychische Erkrankung vorliegt, wichtig ist dass Kinder/Jugendliche eine Anlaufstelle haben. Eine Stelle welche kompetent ist und weiss worauf besonders geachtet werden muss, denn genauso wie mila beschreibt ist es oft, das wirklich destruktive welches man mitnimmt zeigt sich oft erst sehr viel später, da man jahrelang perfekt „funktioniert“, weil man das verinnerlicht hat.

      • tina sagt:

        habt ihr erfahrung mit diesen beratungsstellen, anlaufstellen und begleitungen? ich schon. man kann glück haben und jemanden kompetentes erwischen. aber man kann auch das super angebot bekommen, in hinterpfupfingen freitag um 15.00 an einem workshop teilzunehmen. oder man hat die übliche beratungsstelle mit 200klienten pro berater. oder die üblichen „wir müssen uns erstmal selber ein bild machen“ (2 jahre lang. dann wechselt der berater). oder die, die sich nicht trauen, dann auch mal vorbeizuschauen

    • tststs sagt:

      …sprach Seppi, das Kind einer Alleinerziehenden. 😉

      • Seppi sagt:

        Sprach Seppi, Sohn eines ebensolchen Wochenend-Alkoholikers, der seine Mutter vergötterte und darum blind in seinem Helfersyndrom eine vermeintlich starke und selbstbewusste Borderline-Frau heiratete, mit ihr zwei kleine Kinder hat, und nun kurz vor der Scheidung steht. Den Alkoholikern sieht man ihre Krankheit an, den Persönlichkeitsgestörten jedoch nicht. Diese offenbaren erst nach vielen Monaten ihr kaputtes Innerstes, aber für eine Flucht ist man nach den vielen „bleib hier / geh weg“ Zyklen zu schwach.

      • Marc Holdener sagt:

        Seppi, sie schreiben meine Gedanken. Gehen sie und nehmen Sie die Kinder mit!! Sie können nichts Besseres tun. Sie werden einen Missbrauchs-Entzug durchmachen, sehr schmerzhaft, bis jede Zelle ihres Körpers den Missbrauch herausgeschwitzt hat. Dann finden Sie zu sich selbst und erkennen, dass die Familie ihre Liebe und ihre Schwächen ausgenutzt hat. Nehmen Sie die Geschenke des Lebens wieder für sich an und tun sie den Kindern den grössten Gefallen ihres Lebens. Ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber es klappt, es kommt gut, die Kraft kommt zurück, glauben Sie mir! Ihre Kinder werden glücklich sein und es ihnen früher als erwartet verdanken.

  • Anh Toàn sagt:

    Jeden Krankheit eines Familienmitgliedes ist belastend, Suchtkrankheiten besonders, da diese oft nicht als Krankheit gesehen werden, sondern als selbstverschuldet: Er soll sich halt ein wenig zusammen nehmen, Bemühen, einen Entzug machen. Alkohol ist häufig für das Umfeld besonders, unerträglich belastend, weil viele Alkoholiker aggressiv werden, der Rest der Familie sich zu Hause nicht mehr sicher fühlt, weil der Kranke unberechenbar ist. Einen zwingenden Trennungsgrund sehe ich nicht in der Sucht an sich, sondern nur, wenn diese zu sozial unverträglichem Verhalten führt, sei es innerhalb der Familie, sei diese für die Familie als Ganzes in der Gesellschaft. Hier scheint mir dies nicht der Fall zu sein.

    • Anh Toàn sagt:

      Depressionen sind genauso belastend für das familiäre Umfeld. Soll man den depressiven Partner einfach verlassen?

      • Seppi sagt:

        Ja, man muss. Sich selbst zuliebe. Ebenso bei Drogenabhängigen und Persönlichkeitsgestörten. Wobei zwischen den beiden Gruppen mehr Zusammenhänge bestehen als einem lieb ist.

      • Anh Toàn sagt:

        „Sich selbst zuliebe“

        Beziehungen sind Selbstgefährdung!

    • Muttis Liebling sagt:

      Wie ich unten schon erwähnte, geht die Tendenz in der Psychiatrie eher in die Richtung, Sucht nicht als Krankheit zu betrachten.

      Als Krankheit gilt Alkoholismus erst seit der 8. Revision des ICD 1976 und die Gründe dafür sind eindeutig: Ohne Krankheitszuweisung kommt man nicht an die fetten Töpfe der Krankenkassen.

      Dabei ist Alkoholismus bereits im AT beschreiben, vor den meisten echten und schlimmen Krankheiten. Auch der Koran thematisiert und verbietet Alkoholgenuss als Ganzes. Wäre es wirklich eine Krankheit, dann stünde die schon lange, spätestens seit der allgemeinen Krankheitslehre Virchows in den Lehrbüchern. So ist es eine ökonomisch getriebene Klassifikation.

    • Anh Toàn sagt:

      @ML Faulheit gilt auch nicht als Krankheit, aber ich frage mich, ob sich die Faulen tatsächlich anders verhalten könnten. Ich denke, die wollen gar nicht faul sein, leiden selber darunter, wären lieber als fleissig anerkannt.

      Ob jetzt Sucht Krankheit, oder eine charakterliche Neigung ist, erscheint mir irrelevant. Ich würde dann Krankheit sagen, wenn eben die Sucht entweder die körperliche oder die „soziale Gesundheit“ (Arbeitsplatzverlust, Partnerverkust, Kinderverlust, soziale Isolation bzw. Sozialisation unter anderen Süchtigen) massiv beeinträchtigt.

      • Muttis Liebling sagt:

        Für die Familie und auch für die Medizin ist egal, ob Krankheit oder nicht. Das ist nur für die KK von Belang. Aber Sie schreiben:

        ‚Jeden Krankheit eines Familienmitgliedes ist belastend, Suchtkrankheiten besonders, da diese oft nicht als Krankheit gesehen werden, sondern als selbstverschuldet‘

        und das stimmt so nicht. Alkoholismus ist auch nicht selbstverschuldet, da steckt ziemlich viel Genetik drin. Man wird nicht durch Vieltrinken zum Alkoholiker, oft sind die prädefinierten Personen bereits ab dem ersten Kontakt abhängig, während andere saufen können wie ein Loch und dennoch nie Alkoholiker werden.

  • Jänu sagt:

    Heilen? Umerziehen? Das Umfeld als Co-Alkoholiker? Ansonsten ein liebevoller, interessanter Mensch? Aggressionen scheint er nicht zu haben.
    Mir ist der Beitrag zu einseitig. Es wird wenig bis nicht darauf eingegangen, was die Gründe für die Alkoholsucht sind. Vielleicht liegen sie ja auch im Verhalten der Partnerin, die sehr hohe Anforderungen an ihren Partner setzt, die umerzieht und heilen will. Wo sind ihre Fehler? Was kritisiert er an ihr?
    Ein grosser Fehler ist mit Sicherheit die konstanten Drohungen, den Partner zu verlassen.
    Frauen trinken übrigens auch viel. Als nächstes dann bitte einen Bericht über „Familienmutter und Alkoholikerin“, vielleicht mit etwas mehr Tiefgang als dieser hier.

    • Kolia sagt:

      Nicht nur die Gründe fehlen (die sind manchmal schwierig zu nennen). Aber wie verhält er sich zu Hause, wenn er getrunken hat? Beginnt er zu lallen, Blödsinn zu erzählen, die Frau anzupöbeln, Kinder anzuschreien? Ausser dass er trinkt (was nicht viel aussagt), steht nichts, in welcher (unangenehmen) Form sich dies äussert.

  • Steiner sagt:

    Rausschmeissen! Ich bin als Kind so aufewachsen. Heute 20 Jahre später, erkenne ich an mir Verhaltensmuster daraus, die mir oft ein Beinstellen (vermeide jeden Streit/Konflikt, extremst hatmoniebedürftig und schliesse daher oft Kompromisse, die ich gar nicht will).
    Auch die Sache mit dem „wir sind ein gutes Team“ ist sehr gefährlich: ich habe einen Teil meiner Kundheit/Jugend verpasst, weil ich statt mit Kumpels zu spielen/in den Ausgang gehen, doch auf meine arme Mutter achten musste – oder sie mich „beschlagnamte“ und als Partnerersatz ansah für Freizeitaktivitäten (tolles Team, oder?). Unsere Beziehung ist seit dieser Zeit bis heute schwierig. Und der Alki? Sie schmiss ihn Jahre später raus, er machte einen kalten Entzug und zog wieder ein. Seit da clean. Was half? Messer am Hals!

  • XY sagt:

    Ich erlaube mir einen Kommentar, da ich aus persönlicher Erfahrung spreche, allerdings der Erfahrung Ihres Mannes. Falls er mit dem Trinken aufhören möchte, sprich wirklich den Wunsch dazu verspürt und sich selber eingesteht, dass er Alkoholiker ist, gibt es Möglichkeiten. Mir haben die AA geholfen, in einem ersten Schritt, und später, Sie erwähnen es am Anfang, eine Menge an Selbstreflektion und Arbeit an mir selber. Entscheidend war jedoch immer das Bedürfnis, nicht das Leben eines Alkoholikers zu führen. Nicht für andere, nur für mich. Ganz egoistisch ein anderer, besserer Mensch zu sein. Hat er diesen Wunsch, diese Motiviation nicht, bleiben Ihnen mMn zwei Möglichkeiten: Sie akzeptieren seine Sucht und alle Konsequenzen für ihn und für sein Umfeld oder Sie trennen sich. Viel Kraft!

    • Jasi sagt:

      Um einen Schritt aus der Alkoholsucht zu versuchen, muss der Süchtige erstmal eingestehen, dass er überhaupt süchtig ist und ein Problem hat. Dies ist nämlich oft nicht der Fall. Und wenn er es erkannt hat, dann muss ER das wollen und ER muss die Schritte unternehmen. Der Partner kann dabei rein gar nichts tun. Das musste ich vor langer Zeit auch mal einsehen. Zum Glück waren damals keine Kinder vorhanden, die mit ansehen mussten, wie mein (Ex)Partner buchstäblich in der Gosse landete. Ist übrigens auch nicht einfach, denn man fühlt sich als Versager, weil man es nicht geschafft hat, den geliebten Menschen aus seiner Sucht zu helfen.

  • Peter Freudig sagt:

    Alkohol ist ein Zellgift. Nur scheinbar geht das am Thema vorbei. In der Genuss- und Kulturzone, setzt das freie Handlungskompetenz voraus.
    Der geschilderte „Luxusfall“ (Gewaltfrei?), bewirkt also „nur“ seelische Not.
    Manche würden tauschen. Kaum ein Leben ohne Sorgen. Auch in der Komfortzone. Es scheint, die Autorin hat diesen Kampf recht gut geführt. Immerhin hat kaum jemand eine passende Lebens-Ausbildung. Veteranen tragen wohl Wunden, aber sie Leben und können sich über ihre (bestandene) „Kraftanstrengung“ freuen. Weil, sie haben unter Schwierigkeiten bestanden.

  • Richard Löwenherz sagt:

    Immer diese Ferndiagnosen…
    Was liegt denn für eine Abhängigkeit vor? Eine psychische (wie 90 % der Alkoholtrinkenden) oder eine körperliche? Wenn eine körperliche, in welcher Ausprägung? Spiegeltrinker? Quartalstrinker? Trinkt er also morgens schon einen Viertelliter Kognak um überhaupt in die Gänge zu kommen und im weiteren Verlauf weitere 1-2 Liter oder geht monatelang alles gut, er ist trocken, fängt an zu trinken und er muss nach einer Woche aus der Klinik abgeholt werden?

    Oder ist es „nur“ die psychische Abhängigkeit? Er trinkt immer mal wieder viel, auch zu viel, könnte aber jederzeit anders und hätte dann nur ein bißchen schlechte Laune (im Gegensatz zum köperlich Abhängigen, der ohne Entzug nicht anders kann).
    Das sind vollkommen unterschiedliche Voraussetzungen.

    • Muttis Liebling sagt:

      Ihre Fragen zielen am Thema vorbei. Der Blog ist ein subjektiver, kein Fallbericht.

    • Peter Freudig sagt:

      Sie können das recht detailliert angehen und mit Übersicht. Also, verschiedene Wege, aber das selbe Ziel: Abstinenz. Oder?

  • Charles Louis sagt:

    Unsere ganze Gesellschaft ist „süchtig“ nach: Zucker, Fett, Alkohol, Status, likes, Aufmerksamkeit, Glotze, Smartphone, Internet, Mobilität, Sex, Sport, Religion, Geld, Fetischobjekten, …
    Dies sind die gesellschaftlich „sanktionierten“ oder „akzeptierten“ Süchte und daher so erfolgreich.
    Damit will ich die Alkoholiker und ihre Sucht nicht in Schutz nehmen – aber sie stellen nur eine „Gruppe von Süchtigen“ vor. Meistens wird eine Sucht gegen eine andere getauscht – z.B. vom Alki zum christlichen Fanatiker und der outcome ist meist genau so katastrophal.

    • Gerhard Engler sagt:

      Ihre Liste von „Süchten“ ist sinnlos. Genau wie beim Alkohol ist eine Sucht erst dann ein Problem, wenn davon zu viel konsumiert wird, und der Süchtige viele wichtige Entscheidungen in seinem Leben der Sucht unterordnet. Es geht nicht um die Frage, ob dies gesellschaftlich akzeptiert wird, sondern um die Frage, ob der Süchtige bezüglich seines Konsums noch vernünftig entscheiden kann.

      • Charles Louis sagt:

        @Engler
        Freilich gibt es Unterschiede im Konsumverhalten – nur ist trotzdem relevant WAS unsere Gesellschaft als „legitime Stimulantien“ einstuft und was nicht. Der Hefepilz ist o.k. – aber Psilocybin „des Teufels“, Nikotin ist o.k. – aber THC verboten,…,
        Die Diät einer Gesellschaft ist ein wichtiger Schlüssel um sie zu verstehen.
        Abgesehen davon: Alkohol ist knapp hinter Heroin und Kokain die süchtigmachenste Droge. Da können Sie noch so viele Suchtpräventionskampagnen starten oder den Leuten ins Gewissen reden – vor allem wenn an jedem gesellschaftlichen Anlass der Alk in Strömen fliesst.

      • Martin Frey sagt:

        „Abgesehen davon: Alkohol ist knapp hinter Heroin und Kokain die süchtigmachenste Droge.“
        …was natürlich Unsinn ist, Herr Louis. Ohne Alkohol irgendwie schönreden zu wollen. Aber wenn es so wäre, würden Abermillionen Menschen mit komplett normaler Nutzung von Alkohol als reinem Genussmittel umgehend der Abhängigkeit verfallen…. Mich inklusive. 🙂
        Aber auch klar, woher der Wind bei Ihnen weht.

      • Charles Louis sagt:

        @Frey
        Nun – Zig Millionen sind abhängig von Alkohol und zig Millionen sind auch schon am Alk gestorben.
        Ich genehmige mir selber gerne ein / zwei Bierchen am Abend – aber verharmlosen muss ich die Geschichte deswegen nicht.
        Übrigens müssen Sie nicht mir glauben was das hohe Risiko punkto „Abhängigkeit“ anbelangt – unzählige wissenschaftliche Studien bestätigen dies seit Jahrzehnten! Suchen Sie sich eine aus.

      • Martin Frey sagt:

        @Louis
        Nun, Sie können sich gerne ein / zwei Barbiturate jeden Abend reinziehen, und dann schauen ob das über die Jahre ebenso harmlos geht wie bei ein / zwei Bier… 😉 Oder zb. Methadon. Oder Metamphetamine…
        Aber Sie können mir auch gerne alternativ Ihre „unzähligen wissenschaftlichen Studien“ vorstellen, die etwas anderes belegen.. 🙂 Suchen Sie sich wenigstens eine aus!

      • Charles Louis sagt:

        @Frei
        Barbiturate sind in der Schweiz seit Anfang 90er Jahre nicht mehr im Handel und sicherlich nicht mehr „das Schlafmittel der Wahl“.
        Methadon ist ein Opioid und freilich nicht als „Bierersatz“ zu empfehlen.
        Aber was wollen Sie mir damit sagen? Dass es noch ein paar Sachen auf dem Markt gibt die „schlimmer“ als ne Flasche Hochprozentiger sind? Freilich Herr Frei…-

      • Martin Frey sagt:

        @louis
        Sie haben von Drogen gesprochen und sich mit Ihren Aussagen aus dem Fenster gelehnt, nicht ich. Ich habe Sie nur bei Ihrer Aussage behaftet und widerlegt, das ist alles. Gute Nacht.

      • Charles Louis sagt:

        @Frey
        David Nutt hat 2010 eine oft zitierte Studie in GB veröffentlicht punkto „Schadenspotential“ geläufiger Drogen. Dort wird auch zwischen Selbstschädigung und Fremdschädigung unterschieden.
        Resultat: Wenn man Selbstschädigung und Fremdschädigung zusammennimt ist Alkohol auf der Schadenspotentialliste einsamer Spitzenreiter. Heroin und Crack kommen auf Platz zwei und drei (mit höherer Selbstschädigung als bei Alkohol – aber tieferer Fremdschädigung). Methamphetamin besitzt zwar eine höhere Selbstschädigung – aber kaum Fremdschädigung. Cannabis ist auf 8. Platz und besitzt etwa ein Drittel der Eigenschädigung des Alkohols und etwa gleich viel Fremdschädigung wie Tabak. Methadon besitzt übrigens noch weniger Eigenschädigung als Cannabis und kaum nennenswerte Fremdschädignung.

      • Martin Frey sagt:

        Sie sagen es ja selber, Herr Louis. Schadenspotenzial ist nicht dasselbe wie Suchtpotenzial. Sie haben von letzterem gesprochen. Unter dem Schadenspotenzial werden diverse Dinge subsumiert, so auch zB eben die sozialen Folgen auf Familien, Sozial- und Gesundheitswesen. Beim Suchtpotenzial geht es nur um die Abhängigkeit, psychisch und/oder körperlich. Das ist etwas völlig anderes.

      • Charles Louis sagt:

        @Martin Frey
        Das Suchtpotential von Alkohol ist auch sehr hoch. Freilich wird dies von Opioiden oder Crack noch geschlagen.
        Wussten Sie wo das grösste Suchtpotential schlummert: Nikotin.

      • Martin Frey sagt:

        @Louis
        „Wussten Sie wo das grösste Suchtpotential schlummert: Nikotin.“
        Wieder falsch. Auch wenn das Suchtpotential von Nikotin etwas höher einzustufen ist als das von Alkohol.
        „Das Suchtpotential von Alkohol ist auch sehr hoch. Freilich wird dies von Opioiden oder Crack noch geschlagen.“
        Und von Barbituraten, wäre da noch anzufügen. Und von Metamphetaminen. Und von Kokain.
        Aber lassen wir das. Glauben Sie mir, ich kenne mich mit den Substanzen gut genug aus.

      • Charles Louis sagt:

        @Martin Frey
        Sie mit ihrem „wieder falsch“…
        Spitzen Sie die Ohren: 75% aller Menschen, die jemals eine ganze Zigarette geraucht haben wurden mindestens einmal in ihrem Leben von Nikotin abhängig.
        Gerade mal 21% aller Menschen, die jemals eine Line Cokes gezogen haben wurden mindestens einmal in ihrem Leben Kokainabhängig (bei Crack – geraucht – gehts freilich schneller).
        Bei Alkohohl sind es immerhin 23 %.

      • Charles Louis sagt:

        @Frey
        Entschuldigen Sie: Tabakprodukte machen süchtig – aber nicht reines Nikotin (als Pflaster u.s.w.).

      • Charles Louis sagt:

        @Frey
        Und um noch genauer zu sein: Die Inhaltsstoffe des verbrannten Tabaks sind dafür verantwortlich – u.a. Acetaldehyd, Salsolinol und Alkaloide oder eine Mischung dieser Substanzen.

      • Charles Louis sagt:

        @Frey
        Entschuldigung: Tabak rauchen war „nur“ 68%.
        Alles nachzulesen bei der NESARC-Studie – falls man die ganzen Fakten will.

  • Even McCone sagt:

    Wow. Sehr gut beschrieben, wie es in den meisten Fällen abläuft. Es gibt jemand in meinem Leben, der mir sehr nahe steht und der auch mit einem Alkoholiker-Vater aufgewachsen ist. Die Details hören sich genau gleich an. Wenn man intensiv zuhört, über ein wenig Empathie verfügt und einfach mal Mensch ist (statt Roboter, um immer gleich alle zu verurteilen, die nicht umgehend nach Schema X im Bestseller-Psychologie-Buch XY handeln), wird man hoffentlich rasch feststellen, dass man selbst auch in einer Zwickmühle wäre. Oft ist die Liebe zum Partner und zur Familie so gross (zum Glück), dass man einfach alles tut, um den Süchtigen/die Familie nicht noch mehr fallen zu lassen. Man sollte, meines Erachtens, nicht urteilen, und vielleicht auch zugeben, dass man es selbst nicht besser könnte.

    • mila sagt:

      Die Co-Abhängigkeit selbst ist auch ein Sucht-Verhalten (so wie jedes Helfersyndrom im Grunde eine Sucht ist). Die Frage, die sich mir stellt, ist eher die: wieso Kinder mit einem bereits Suchtkranken bekommen? Das ist meiner Meinung nach doch noch etwas anderes als eine Sucht, die sich erst im Verlauf der Beziehung entwickelt, bzw. ausbricht. So oder so gilt aber: einen Suchtkreislauf kann nur der Süchtige allein durchbrechen. Kein Aussenstehender (Partner, Eltern, Kinder…) kann das für ihn (oder sie) übernehmen. Und solange dieser Schritt nicht vollzogen wird, gilt: die Sucht, das Suchtmittel, ist im Endeffekt wichtiger als alles andere, wird im Zweifelsfall über alles andere gestellt – auch über die Familie. Ohne die Au*to*rin ver-urteilen zu wollen, kann man somit sagen:

    • mila sagt:

      sie trägt mit ihrem Verhalten dazu bei, dass ihr Mann in der Sucht verharrt. Er muss ja nichts ändern – sie bleibt. Und das ist die Konsequenz, zu der sie selbst stehen muss. Nämlich, dass sie sehr wohl ihren Beitrag in dieser Co-Beziehung mit-leistet. So etwas würde ich Kindern (im Sinne einer Beziehungs-Prägung) nicht vorleben wollen.

      • Anonym sagt:

        Ich war auch ein kind von eimem alkoholiker und wo meine mutter ihn verlassen wollte, hatte er sich das leben genommen.
        Ist das die lösung?
        Ich verstand da zu mal nicht warum sie gegangen ist mit uns. Für mich war alles in ordnung.
        Ich war 8 jahre alt wo mein vater gegangen ist, und hatte jahre lang zu kämpfen mit dem verlust.

      • Peter Freudig sagt:

        Gar nicht! So werden Hexenprozesse geführt. Der Typ ist erwachsen.
        Er wird sich partiell ruinieren und teilweise Leid verbreiten. Was aber er zu verantworten hat.
        Familienangelegenheit! Die Mitmenschen müssen auch etwas aushalten. Im Gesetzesrahmen.

      • Steiner sagt:

        Danke Mila, die Lösung auf den Punkt gebracht.

        Und selbst realisiert sie nicht, was sie den Kindern antut und ihnen unangesprochen abverlangt. Eine verantwortungslose, Co-abhängige Mutter, die einen Teil ihrer Rolle nicht erfüllt: die Kinder zu schützen. Schützen hiesse die Beziehung zum Partner zu beenden. Das können nunmal die Kinder nicht bzw. tun siej es a soweit sie können: sie bestrafen den betrunkenen Vater mit Nicht-Beachtung. Und die Mutter erkennt die Signale nicht. Tragisch für alle beteiligten.

      • tina sagt:

        die mutter kann wohl die beziehung zum vater beenden, aber sie kann nicht die beziehung zwischen vater und kindern beenden. wenn sie also behaupten, die mutter hätte die beziehung beenden müssen, was nützt das den kindern?

      • Carolina sagt:

        Steiner, Sie machen den Bock zum Gärtner, in dem sie der Frau die Schuld für die Situation zuweisen. Dabei erklärt sie lang und breit, wie sie – oft unzulänglich, das weiss sie auch – versuchte, mit der Situation zu leben und immer wieder die Entscheidung zu treffen hatte, ob sie geht oder bleibt.
        Sie ist nicht dafür verantwortlich, die Sucht des Mannes zu heilen – hat sich aber entschieden, trotz seiner Nicht-Einsicht damit zu leben und das System Familie aufrechtzuerhalten, solange die Vorteile überwiegen.
        Nicht in jedem Fall ist die Trennung und damit auch – in diesem Fall – die Separierung der Kinder vom Problemelternteil die Lösung. Oder würden sie das bei einem chronisch schwerkranken Familienmitglied auch pauschal empfehlen?

      • herbert meier sagt:

        ziemlich überheblich, was Sie da von sich geben. wenn Sie selbst erfahrung hätten mit einer solchen konstellation, dann wüssten Sie, in wie vielen dilematta man selber steckt.

      • mila sagt:

        Anonym, ich habe tiefes Mitleid für Menschen wie Ihren Vater. Aber mein Mitgefühl liegt bei Ihrer Mutter, die ein besseres Leben als das neben einem Süchtigen haben und ihren Kindern bieten wollte. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ihr der Entscheid leicht fiel, respektive dass er knall-auf-fall ausfiel. Und sie hatte ein Recht darauf.

    • Martin Frey sagt:

      @mila
      Da verwenden Sie sehr klare Worte mit unmissverständlicher Ansage.
      „So oder so gilt aber: einen Suchtkreislauf kann nur der Süchtige allein durchbrechen.“
      Die Tragik dabei ist, dass es ohne die Abstützung des Umfeldes zumeist noch weniger geht, das Kartenhaus früher zusammenbricht, die Leute aus eigenem Antrieb das Durchbrechen des Suchtkreislaufes ohne ‚Co-Abhängigkeit‘ wie Sie das nennen, noch weniger schaffen. Sich selber wie Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Morast ziehen ist schwierig.
      Dann haben Sie als Umfeld die Wahl, jemanden fallen zu lassen mit allen Konsequenzen, oder mit- und weiterzuwursteln aus humanitären Gründen und in der Hoffnung, dass es irgendwann irgendwie doch besser kommt. Wenn Ihnen jemand aber viel bedeutet, ist das eine schreckliche Wahl.

      • mila sagt:

        Wissen Sie, MF, ich spreche aus sehr persönlicher Erfahrung hier. Ich weiss, wie es ist, wenn das – ein – Kartenhaus zusammenbricht, und die Verzweiflung zunächst boden-los ist. Aber manchmal muss es das tun, das Kartenhaus, damit der Süchtige, vor die Wahl gestellt, (ganz) unterzugehen oder sich frei zu schwimmen, diesen Entscheid für sich fällen kann. Er kann in beide Richtungen ausfallen, aber ohne den Entscheid ist keine Heilung, kein Leben möglich. Nur ein Über-Leben in der Sucht. Und nein, ich spreche nicht davon, die Reissleine ohne vorherige Unterstützungsversuche zu ziehen. Doch irgendwann muss, sollte Schluss sein. Ich selbst musste die Reissleine für einen Menschen ziehen, der mich geliebt hat und mir helfen wollte. Und den ich dabei fast zerstört hätte. Ich wünschte,

      • mila sagt:

        für ihn, er hätte es schon vorher getan. Vorher sein Leben wieder aufgenommen. Die Zeit, die er mit mir, zu lange, in der Dunkelheit gelebt hat, kann ich ihm nicht zurückbringen – diese Schuld wog lange bei mir. Und würde immer noch schwer wiegen, wenn er nicht inzwischen sein Glück wieder-gefunden hätte. Der Weg zurück war für beide hart. Doch ich bin froh, dass wir ihn gegangen sind, und heute beide ein besseres Leben, ein echtes nämlich, führen.

      • Martin Frey sagt:

        Tut mir leid für Sie, mila.
        „Er kann in beide Richtungen ausfallen, aber ohne den Entscheid ist keine Heilung, kein Leben möglich. Nur ein Über-Leben in der Sucht.“
        Das stimmt natürlich. Als Gesellschaft haben wir, nicht zuletzt auch bei anderen Süchten, uns weitgehend für die Ueberlebenshilfe entschieden. Weil wir gesehen haben, dass vor dieser Wahl viele überfordert sind und demzufolge zumeist das Pendel Richtung Abgrund ausschlägt. Aber ja, in der Sache liegen Sie an sich richtig. Und wenn man „die Kurve kriegt“ wie Sie, ist das natürlich umso erfreulicher und prägt einen selber fürs Leben.
        Aber vergessen Sie bitte nicht, Sie können nicht zwingend von sich auf andere schliessen. Jeder Mensch ist anders, und hat auch seine ganz eigene Geschichte.

      • mila sagt:

        Mir ist durchaus klar, dass Menschen unterschiedliche Erfahrungen machen, und in unterschiedlichen Abstufungen. Es sollte einfach jedem Co-Abhängigen klar sein, dass die Sucht für (je)den Süchtigen immer an erster Stelle steht. Und wenn selbst Kinder an dem nichts ändern… Ich habe in meinem Leben genug nicht-durchbrochene, zu-gefütterte Kreisläufe gesehen (nicht nur suchtbedingte), um selbst keinen einzigen mehr mit-füttern zu wollen. Bei allem Verständnis, und aller Liebe. Das Ziel einer Behandlung sollte in meinen Augen immer die Sucht-Freiheit sein, nicht die Stabilisierung. Denn die Sucht ist für alle, die damit in Berührung kommen, destruktiv. Wäre nur der Süchtige betroffen, und allenfalls ein mündiger Partner, der die Situation mitträgt, würde ich sagen: ok, ihr seid erwachsen.

      • mila sagt:

        Kinder haben diese Wahl nicht. Und niemand von uns, auch die Textverfasserin nicht, kann wissen, wo die Grenzen des (noch) Zumutbaren liegen. Und wo neue Kreisläufe geprägt werden (die vielleicht erst Jahre später ersichtlich sind).

  • Brunhild Steiner sagt:

    Empfinde diesen Bericht als schwierig,
    für mich wirkt die Schreibende noch sehr in der Co-Abhängigkeit gefangen.
    Ist es ein wünschbares Ziel mit den Kindern ein „super Team“ geworden zu sein- und ua dank dieser Teamfähigkeit nicht die Reissleine gezogen zu haben?
    Den kranken Partner mitziehen und ihn so „vor dem Absturz bewahren“, also Verantwortung für ihn übernehmen wo er selber laufen müsste?

    Was wird daraus unbewusst für die eigenen Partnerschaften mitgenommen werden? Auch wenn sie als Mutter diesen Punkt hundertmal mit ihnen besprochen hat, das vorleben wird das „vorreden“ immer toppen.

    • Brunhild Steiner sagt:

      2/
      Auch fehlen mir Hinweise für Anlaufstellen wie bspw das Blaue K reuz,
      irgendwie eine verpasste Chance- ausser dass überdeutlich vor Augen geführt wird wie sehr man in so einem System gefangen ist und sich wirklich alles-
      selbst das Eingeständnis dass etwas ganz massiv aus dem Ruder gelaufen ist-
      schönredet…

      • Even McCone sagt:

        Die Autorin schreibt nicht, dass sie Verantwortung für ihren Mann übernimmt. Er läuft in der Familie nebenher. Sie lässt ihn einfach nur nicht fallen, damit er nicht noch tiefer fällt und sich und seiner Familie etwas antut. Und sie redet rein gar nichts schön, sonst wäre sie wohl gar nicht so weit gekommen, einen öffentlichen Artikel darüber zu verfassen. Das Leben ist nicht programmierbar, schon gar nicht, dass man sofort nach Schema X handelt. Wer weiss, wie schwer es in der Realität ist, urteilt nicht derart scharf oder stellt sich selbst nicht auf ein Podest, nach dem Motto, „ich könnte/wüsste es besser“. Scheint aber doll in Mode zu sein, heutzutage.

      • Hans Hintermeier sagt:

        Schliesse mich auch hier Ihnen an. Vor allem brauchen auch Kinder von alkoholkranken Eltern professionelle Begleitung, damit sie auch ihre Kindheit leben können, nicht dass sich daraus auch ungesunde Muster entwickeln. Z.B. Übernahme der Rolle des „Helden“. Sie dienen dem nicht-süchtigen Elternteil als Ersatzpartner, den Geschwistern als Ersatzvater. Diese Kinder sind überverantwortlich, sehr leistungsorientiert und sind sehr auf Anerkennung bedacht. Können oft keinen Spass mehr empfinden. Schuldgefühle, kann niemals genügen…

      • Carolina sagt:

        Even McCone: Schön geschrieben!

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Even McCone

        „dafür sorgen dass jemand nicht tiefer fällt“ ist Verantwortung übernehmen.

        Bloss weil sie nun darüber schreibt macht sie alle unguten Auswirkungen auf bspw ihre Kinder nicht ungeschehen, deshalb plädiere ich hier durchaus für „klare Kante“ im Sinne von: betroffene Familien brauchen dringend Unterstützung von aussen, weiterführende Adressen wäre angebracht gewesen.

    • tina sagt:

      brunhild: das ist extrem hart bewertet. wenn er eben nicht selber laufen kann, dann lässt man ihn fallen und zugrunde gehen ist halt nicht unbedingt das bessere vorbild. auch erwachsene sind nunmal nicht immer in der lage vollumfänglich verantwortung zu tragen. in einer partnerschaft hilft man sich dann eben. es ist extrem schwierig zu entscheiden, wann man sich trennen muss und das die bessere lösung ist.
      eine trennung macht ja auch nicht alles gut

      • Carolina sagt:

        Auch hier stimme ich Ihnen wieder zu, tina! Wenn sich die Frau früh von ihrem alkoholkranken Mann getrennt hätte, stellen sich auch Fragen, die gerade die Kinder und ihre zukünftigen Partnerschaften angehen: vielleicht zu schnell aufgegeben, Widrigkeiten des Lebens aus dem Weg gegangen, den Vater in der Not alleingelassen etc – wir können alle nicht in die Zukunft schauen. So hat sie immer wieder entschieden, zu bleiben und ich finde – in diesem Fall – verdient sie Respekt dafür!
        Ganz klar werden Kinder von einem Alkoholiker in der Familie beeinflusst – es scheint mir aber, dass die Frau hier immer abgewogen hat, ob das noch gutgeht oder nicht. So ist es auch mit anderen ‚Problemfällen‘ in der Familie, z.B. mit einem schwerstbehinderten Kind leben, das überproportional viel

      • Carolina sagt:

        /2 Aufmerksamkeit bekommt – ist das etwas, was die anderen Kinder mal positiv bewerten können oder werden sie immer unter dem Druck leiden? Wir können das alle nicht wissen, wie unsere Kinder einmal unsere Entschlüsse bewerten werden – wir können nur dafür sorgen, dass sie sicher und einigermassen geborgen in ihrem System sind, und das ist oft nicht fehlerfrei.

      • Hans Hintermeier sagt:

        Ich empfinde den Bericht auch als schwierig. Es gibt ja verschiedene Graustufen der Verantwortungsübernahme, den Partner vor die Türe stellen ist sicherlich die ultima ratio. Ich habe B. S. beim erstmaligen Lesen auch nicht so verstanden. Aber warum ihn nicht mal verschlafen lassen, anstatt ihn zu wecken, nicht für ihn lügen… Warum nicht mal eine Trennung andeuten? Evtl. kommt er so in Zugzwang und übernimmt wieder selber Verantwortung und meldet sich bei einer Fachstelle. Wichtig ist, dass man den Beyroffenen nicht vor allen Folgen seines Tuns schützen will, so dass er nichts verändern muss.

      • tina sagt:

        genau. danke carolina 🙂

      • mila sagt:

        Man zeige mir mal ein Familiensystem, das fehlerfrei ist… Menschen, die nicht irren. Die nicht zig Umwege – in der einen oder anderen Form – laufen, sich vielleicht auch mitunter ganz ver-irren. Ich jedenfalls kenne keine Menschen mit absolut geradliniger Lebensbahn. Doch eins weiss ich aus eigener Erfahrung mit Suchtproblematiken: man kommt da nicht raus, wenn das Umfeld mit-zieht. Weil es dann in der Regel einfacher ist, in der Sucht zu bleiben. Und man kann auch nie wissen, welches der eigenen Kinder später womöglich selbst zum Abhängigen oder Co-Abhängigen wird. Die Wahrscheinlichkeit ist da, und sie ist relativ hoch. Mir wäre das ein zu heisses Eisen, mit Kindern.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @tina
        @Carolina

        in einer Partnerschaft kann man sich nur dann gegenseitig helfen wenn die Ausgangslagen einigermassen, besonders was die Langfristigkeit betrifft, ausgeglichen sind.

        Sucht udn Co-Dependence schliesst dies aus, die Wenigstens schaffen es da ohne Hilfe aus dem zerstörenden Kreislauf.
        Ich wehre mich ganz entschieden FÜR die Betroffenen, dieser Art ikel klingt für mich viel zu romantisch, es sollte NIEMAND der ebenfalls betroffen ist auf die Idee kommen „ach, wenn sie das packt dann ich doch auch (ohne Hilfe)“, da die Schreibende nichts von Unterstützungsangeboten erwähnt wirkt das auf mich sehr ungut in diese Richtung.

      • tina sagt:

        mila, ich denke nicht, dass irgendjemand sich überlegt, ob er mit diesem suchtkranken da eine familie zu gründen wagen kann. in dem moment wo man es tut, sieht man die dinge nicht in dem licht.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @mila

        danke, sehe ich genauso.
        Man kann all die Lebens-Sprüche&Weisheiten auch überstrapazieren!

      • Carolina sagt:

        Mila, ich weiss das alles sehr genau, aber mir geht es hier um eine andere Sache: Auch Suchterkrankungen/chronische Krankheiten/psychische Krankheiten nehmen jeweils einen unterschiedlichen Verlauf – die Frage ist jeweils, ob das Umfeld damit leben kann, ohne in irgendeiner Form gefährdet zu sein. Und mir scheint die Frau hier – soweit man das überhaupt beurteilen kann – doch eine nachdenkliche, ehrliche und sehr menschliche Person zu sein, mit allen Fehlern behaftet, die das mit sich zieht.
        Sie belässt ja die Verantwortung dafür, aus dem A herauszukommen, bei ihrem Mann, hat aber – aus welchen Gründen auch immer und ob wir die gutheissen oder nicht, spielt keine grosse Rolle – bislang die Vorteile des jetzigen Systems als überwiegend beurteilt. Das ist ihr gutes Recht, das erst dann

      • Carolina sagt:

        /2 fragwürdig wird, wenn Aggressivität, Gewalt und untragbares Verhalten stattfinden. Die Kinder sind erwachsen und scheinen kompetent und ok zu sein – sie werden sicher durch den A ihres Vaters beeinflusst sein. Aber es könnte eben auch durchaus sein, dass sie ihrer Mutter ein Kränzchen winden, dass sie ihn nicht verlassen hat, sondern das System erhalten hat. Es gibt keine Patentrezepte, es ist tatsächlich in jedem System, in jeder Familie wieder anders.

      • Carolina sagt:

        Brunhild: klingt für mich überhaupt nicht romantisch! Sondern nachdenklich, grüblerisch, hinterfragend, gar nicht sicher, das Richtige getan zu haben, keinesfalls arrogant bzw selbstgerecht. Ich würde eher sagen, im Gegenteil, der Frau sollte mal jemand sagen, dass sie ihre Sache unter den Umständen gut gemacht hat.

    • Peter Freudig sagt:

      Die Autorin führt ja spätestens mit dem Bericht, einen psychohygienischen Prozess. So wird ihre Erfahrung zum Lerninhalt für die Gesellschaft. Diese Gesellschaft hat auch so schwer zu tragen an der Abwesenheit von Moral, Tugend und Geist (völlig fern von Unterwerfungsreligion). Da hat sogar Putin ein bisschen recht.

  • Martina Müller sagt:

    Leider gibt es in solchen Situationen nur eines „Trennung“, denn das Leben der Restfamilie leidet auch. Wenn man jahrelang kämpft und keine Bereitschaft da ist, würde ich die Konsequenzen ziehen. Es ist traurig, aber mich selbst in meinem Umfeld weiter schämen anderen Leuten etwas vorzuspielen, keine Echtheit mehr nach aussen zu verkörpern scheint mir persönlich der Preis zu hoch zu sein.

    • Carolina sagt:

      Das ist eben nicht immer der Fall, dass Trennung der einzige Weg ist. Es kommt auf die Umstände an! Ich persönlich finde, dass die A*torin sich für gar nichts schämen muss – ganz offensichtlich ist sie eine reflektierende, fürsorgliche Mutter und weiss, wie es ist, wenn man innerlich zerrissen ist.
      Der Preis, den sie für die Aufrechterhaltung ihrer Familie zahlt/bezahlt hat, scheint für sie angemessen zu sein – und nur das zählt. Sie muss sich für gar nichts schämen!

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Carolina

        für mich würde das so klingen wenn erwähnt wäre dass sie sich, mindestens für die Kinder, Hilfe organisiert hat in Form von Angehörigenbetreuung. Es gibt da ja verschiedenste Angebote.

        Aber so hinterlässt es für mich ungute Nebenwirkungen und eher in Richtung „ihr könnt das auch schaffen, irgendwie gehts schon“- das finde ich bei Sucht/Co-Dependence wirklich nur schädlich. Meist blendet man für sich ja dann auch kinderbezogen die Warnsignale aus, resp Entwicklungen zeigen sich erst wenn diese eigenen Familien haben. Das ist es doch einfach nicht wert, resp genau deshalb schreibe ich dagegen an.

      • Carolina sagt:

        Brunhild, wenn mich mein Beruf eins gelehrt hat, dann dieses (Mila hat es oben schon gesagt): wenn wir wirklich jeder Familie Angehörigenbetreuung, Hilfe a priori anbieten, die mit einem Schwerstbehinderten/Suchtkranken/chronisch psychisch oder physisch Kranken etc etc lebt, dann wäre die Betreuungsindustrie sicher sehr glücklich. Wenn man mal die Harmoniebrille ablegt, ist in fast jeder Familie irgendetwas, das das Potential hat, die einzelnen Mitglieder zu schädigen. Und sicher müssen Lehrpersonen, Nachbarn, Freunde etc die Augen aufhalten und Kindern unter Umständen Hilfe anbieten, aber hier und als Automatismus?
        Mir scheint, die Frau sollte eher gewürdigt werden für das, was sie trotz aller widrigen Umstände geschafft hat: sie hat den Kindern die Familie erhalten, unvollkommen wie

      • Carolina sagt:

        /2 sie nach auch scheinen mag. Sie hat ihre Kinder anscheinend gut ins Erwachsenenalter begleitet und gleichzeitig ist sie bei ihrem suchtkranken Mann geblieben. Das ist für meine Begriffe eine Leistung! Dabei ist sich klar darüber, dass für seine Sucht nur er allein verantwortlich ist und dass sie allein entscheiden muss, ob sie damit leben kann. Es scheint ja, wenn ich das richtig lese, sehr gut möglich zu sein, dass sie sich nicht mehr lange damit abfindet.
        Ich meine, dass in solchen Fällen, in denen Menschen mit einem kranken, pflegebedürftigen, verhaltensauffälligen Mitglied eine Familie bilden, in erster Linie eine gewisse Würdigung von aussen da sein sollte, keine Kritik. Das Wort Co-Dependency sollte ursprünglich mal keine Schuldzuweisung sein, sondern die Faktenlage beschreiben.

      • Carolina sagt:

        BS, es hängt, sorry! :-((

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Carolina

        das hab ich gemeint mit weiter oben bezüglich Lebensweisheiten überstrapazieren.
        Wir können doch Ticks und Ecken welche wir alle haben, und die einen und anderen besser-zu-ändernden Muster nicht mit der Situationen vergleichen in denen sich Alkoholismusbetroffene befinden!
        Und deshalb ja keine zu deutlichen Worten reden, weil, es geben ja alle grundsätzlich nur das Beste.

        Nein, tun sie eben nicht. Aus verschiedensten Gründen.

    • tina sagt:

      die leute stellen sich immer vor, man trennt sich vom problem und hat es somit gelöst. wenn man nicht mehr mit einem kranken menschen zusammenleben kann, zum beispiel weil man ihn nicht mehr durch co-abhängigkeit in der sucht unterstützen will, ist nicht garantiert, dass der kranke mensch es unter den erschwerten bedingungen schafft. und damit sind dann die kinder an den besuchsweekends konfrontiert und sich allein überlassen damit. sie kriegen mit, wie ihr vater es nicht schafft. man kann nicht sagen, dass eine trennung die kinder entlastet. ich bitte darum, auch mal richtig durchzudenken, was denn professionelle hilfe ausrichten kann. tag für tag damit leben müssen immer die familienmitglieder. ein eingermassen funktionierendes gefüge ist nicht wenig

  • Martin Frey sagt:

    „Noch lange war ich überzeugt, ich könne ihn heilen, umerziehen, auf einen besseren Weg bringen.“
    In meinen Augen der Schlüsselsatz der Geschichte. Ich weiss auch nicht, weshalb Millionen von Frauen das oft ein Leben lang versuchen. Und immer und immer wieder oft bar jeder objektiven Erkenntnisse Anlauf um Anlauf nehmen. Den funktionieren tut es nie, ein erwachsener Mensch ist in aller Regel in seinen Grundzügen gefestigt. Er kann sich eine Weile zusammenreissen, bestenfalls. Aber Muster sind da um zu bleiben.

    • Muttis Liebling sagt:

      Mit dem Suchtgedächtnis ist es wie mit dem Schwimmen, Velo- Fahren. Man verlernt es nie.

    • Carolina sagt:

      MF, objektive Erkenntnisse in einer angespannten Lebenssituation erst einmal zu haben und sie dann auch noch durchzusetzen, ist fast ein Widerspruch in sich. Die A*t*rin hat schön geschildert, dass Menschen sehr vieles tun/aufs Spiel setzen, um eine Familie auch nur einigermassen am Leben zu erhalten.
      In diesem Fall scheint ja die Lebenskompetenz des Mannes noch einigermassen erhalten zu sein, aber wie ist es in Fällen, in denen Gewalt im Spiel ist, in denen schon sehr kleine Kinder einen Elternteil schützen ‚müssen‘, um die von ihnen so dringend benötigte (vermeintliche) Sicherheit aufrechtzuerhalten? Es gibt unzählige Szenarien, in denen die Situation sehr viel schlimmer ist als die hier geschilderte.
      Ich bin mir gar nicht sicher, ob Aufgeben die bessere Lösung gewesen wäre.

      • Martin Frey sagt:

        „In diesem Fall scheint ja die Lebenskompetenz des Mannes noch einigermassen erhalten zu sein…“
        Zumindest scheint er im Job noch zu funktionieren und eine schöne Stange Geld nach Hause zu bringen. Zudem nach Aussen charmant, gutaussend, ein guter Smalltalker und Unterhalter (und trotzdem kein Blender 😉 ) wie sie mehr als einmal betont, da schaut man doch gerne über gewisse Dinge hinweg und verharrt im Ist-Status, quasi im Default, weil alles andere anstrengender, mühsamer, vielleicht auch riskanter wäre. Für mich kommt die (eigene) Ambivalenz, die Inkonsequenz der Protagonistin gut zum Ausdruck, vieles im Artikel ist ja nicht frei von Widersprüchen. Zum Wohl der Familie, der Kinder? Vielleicht.
        Von Gewalt schreibt sie kaum, aber sie deutet zumindest Fremdaggression an.

      • tina sagt:

        genau: alles andere wäre mindestens riskant.
        es gibt lebenslagen, die bringen diese ambivalenz nunmal mit sich. ich wünsche das niemandem. ich finds allerdings seltsam, dass menschen erwachsen werden können, und immer noch meinen, das leben liesse sich ohne ambivalenz leben wenn mans nur gut genug macht

      • tina sagt:

        solange hoffnung besteht, gibt halt nicht jeder einfach so auf. das ist doch menschlich

      • Carolina sagt:

        Das sehe ich ähnlich, tina. Es gibt nur selten Menschen, die mit solchen Situationen absolut gradlinig, stringend und klar umgehen können und sich gar nie in die Rolle des, in diesem Fall, Co-Abhängigen hineindrängen lassen…..
        Meistens wurschteln Menschen vor sich her, wenn die Vorteile die Nachteile immer noch überwiegen (oder man sich das wenigstens einreden kann), wenn man Kinder hat und auf der Beziehungsebene eigentlich keine Loslösung bzw Trennung wünscht bzw ertragen kann, dann machen sie so weiter.
        Die A*t*rin hat sehr schön die Ambivalenz erklärt, die sicher auch eine innere Zerrissenheit bedeutet.
        Ich habe gerade einen Fall von einem Mann, der, selber alt, seine Frau zu Hause pflegt, die jetzt im aggressiven Stadium von Alzheimer ist. Er bekommt von allen Seiten zu hören,

      • Carolina sagt:

        /2 er solle sie in ein Heim bringen, aber er bringt es nicht übers Herz – obwohl die Pflege zu Hause ihm schier Unmögliches abverlangt und er selber sehr angeschlagen ist. Wer sind wir, dass wir in solchen Situationen eine Beurteilung vornehmen? In jeder Familie, jedem System spielen soviele unterschiedliche Bedürftigkeiten, Bedürfnisse und Gefühle mit, dass man von aussen nur ganz selten einen authentischen Einblick haben kann – schon gar keinen objektiven!
        Es ist vielen Menschen wichtiger, die Sicherheit, das System, das sie nun mal haben, zu erhalten – der Preis, den sie dafür zahlen, wird vielleicht durch anderes (z.B. sich im Spiegel anschauen zu können) aufgewogen…… Wir wissen das nicht.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Carolina

        ich zitiere mila: „Kinder haben diese Wahl nicht. Und niemand von uns, auch die Textverfasserin nicht, kann wissen, wo die Grenzen des (noch) Zumutbaren liegen. Und wo neue Kreisläufe geprägt werden (die vielleicht erst Jahre später ersichtlich sind).“
        Das ist ein sehr hoher Preis den Sie da „wer sind wir schon dass wir beurteilen dürften“ fordern.

      • Brunhild Steiner sagt:

        2/
        kommt hinzu, selbst Sie in Ihrer Arbeit unterstützen/ermutigen aufgrund von Schlussfolgerungen/Annahmen, entweder klar kommuniziert oder mal weniger.
        Beurteilen ist nicht dasselbe wie ver-urteilen!

        Und die Tragik von pflegenden Angehörigen bis zur Erschöpfung mit jahrelangen gesundheitlichen Folgen (!) wär vielleicht auch eine kleinere wenn viel offener über dieses Thema gesprochen werden würde und von Beginn weg die verschiedensten Szenarien besprochen, resp die Bereitschaft für Unterstützung vorbereitet.

        Hier stehen nicht mal Adressen wo sich Betroffene hinwenden könnten, aber gross als Thema „leben mit einem Alkoholiker“ aufgleisen, soviel zum Mutmachen sich Hilfe zu holen….

    • Brunhild Steiner sagt:

      @MF
      gebe Ihnen insofern Recht dass ich ebenfalls auf „einmal Alkoholiker, immer Alkoholiker“ setzen würde, aber es ist doch ein himmelweiter Unterschied in den Auswirkungen ob sich ein Mensch um seine Muster kümmert, oder das Umfeld kümmern lässt.

      Von daher bleiben vielleicht die Muster,
      aber unser Umgang mit ihnen öffnet die Türe zu verschiedensten Lebenslandschaften, schönen und weniger schönen.

      • Hans Hintermeier sagt:

        Stimme B.S. zu. Was erlernt wurde (z.B. Alkohol als Entspannungsmöglichkeit), kann durch neue Strategien überschrieben werden. Werden neue Verhaltenmuster eingeübt, die auch das Bedürfnis hinter dem Trinken erfüllen, ist ein Ausstieg aus der Abhängigkeit möglich.

      • Muttis Liebling sagt:

        @Hans Hintermeier
        Das ist seit Jahrzehnten widerlegt. Sucht kann nicht überschrieben werden. Wenn man Alkoholismus als Krankheit begreift (was die meisten Suchttherapeuten aber nicht tun), dann zählt die eindeutig zu den chronisch unheilbaren.

    • tina sagt:

      mf: niemand ist fehlerfrei. sie schreibt ja, sie war naiv, ist es immer noch.
      was hätte sie tun sollen, als sie merkte, dass das so nicht läuft? sich trennen, und dann ist alles gut?

      • Martin Frey sagt:

        „was hätte sie tun sollen, als sie merkte, dass das so nicht läuft? sich trennen, und dann ist alles gut?“
        Das ist allein aufgrund des Textes von aussen schwierig, wenn nicht unmöglich zu beurteilen. Es gibt m. E. kein Patentrezept welches man solchen Familien überstülpen kann. Was aber in meinen Augen klar ist: Nicht die Ehefrau kann das Problem dieses Mannes lösen, wie sie es wohl meinte, indem sie ihn „umerzieht“. Das funktioniert nicht. Was für mich ebenfalls zum Ausdruck kommt, ist die innere Zerrissenheit, die Ambivalenz, und die (wohl teils faulen) Kompromisse.
        Wenn schon, darf man mit solchen Menschen gar keine Familie gründen, und sich dabei etwas vormachen. Aber auch das ist einfacher gesagt als getan, wie wir auch aus dem Text herauslesen können.

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