Mit diesen Kindern habe ich Mitleid

Wenn das Kind Fleisch essen will, sollte es das auch tun dürfen. Foto: iStock

Immer, wenn ihr UV-Schutz-Burka-Kinder begegnen, breche es ihr ein bisschen das Herz, schrieb vergangene Woche eine Autorin im Onlinemagazin Jetzt.de.

Im Freibad in der Nähe des Nichtschwimmerbeckens treffe man unweigerlich auf diese bemitleidenswerten Geschöpfe: «Kinder, die von ihren Eltern in Burka-ähnliche Gewänder gesteckt wurden. Nicht aus religiösen Gründen, sondern, um sie vor den bösen UV-Strahlen zu schützen, die die Sonne auf die Erde schickt.»

Kein Hütchen und Sonnenbrille, also auch nur halb so schlimm? Foto: Jed Record, Flickr.com

Die Autorin bedauert die kleinen Menschlein, die in ihren Ganzkörper-Wet-Suits steckten, in schreienden Pink- und Blautönen, auf dem Kopf eine Haube mit extra-langem Nackenschutz und auf der Nase eine Sonnenbrille. Richtig abgerundet werde ihr Outfit dann noch mit der Doppelsicherung Schwimmgürtel und Schwimmflügelchen – «und einem Liter extra-weissem Zink-Sonnenschutz, der grosszügig auf den letzten noch hervorblitzenden Resten Haut und Bekleidung verteilt wurde.»

Der Text ist zum Schmunzeln, wobei ich mich beim Lesen fragte, ob mein Bub damals tendenziell nicht auch in diese Kategorie gehörte. Als Sommersprossen-gesprenkelte Weisshaut bin ich zudem selbst Teil jener Spezies, die sich mit Hut, langer Kleidung und Sonnenschutzfaktor 50 vor jenen bösen UV-Strahlen zu schützen versucht – den so bemitleidenswerten Kindern nicht unähnlich.

Mir tun deshalb andere Kinder viel mehr leid:

  • Kinder, die im Freibad nach einer kleinen Mahlzeit mindestens eine Stunde warten müssen, bis sie wieder ins Wasser dürfen. Nach einem Braten mit Kartoffelstock, brauner Sauce und einer Cola könnte man das vielleicht noch verstehen. Aber nach 12 Pommes, zwei Apfelschnitzchen und einer Cherrytomate?
  • Der Danke-Bitte-Zwang: Kinder, die bei jeder klitzekleinen Kleinigkeit auf Teufel komm raus Danke, Bitte und Gern geschehen sagen müssen. Sie werden dabei von ihren Eltern aufs Schärfste beobachtet. Es ist ein Mini-Machtspiel im Gange, und vor allem kleine Kinder wirken in diesen Situationen wie ferngesteuert.
  • Kinder, die kein Fleisch essen dürfen: Die Eltern sind Vegetarier, also sollen auch ihre Kleinen auf Hotdog oder Hamburger verzichten müssen. Was aber, wenn das Vegi-Kind unbedingt Fleisch haben will? Es geht heimlich bei den Karnivoren-Kollegen für ein Bisschen Hotdog und Hamburger betteln. Ein bitterer Moment.
  • Kinder, die nie vom Eltern-Radar verschwinden können. Mit der installierten Ortungs-App, einer vollgestopften Agenda und Eltern, die wie Helikopter um ihre Kinder kreisen, sind unbeobachtete Momente selten. Dass sie selbst auch mal was ausprobieren können, ohne unter den Argusaugen von Mama und Papa zu stehen, ist fast unmöglich.
  • Kinder, die mit fünf Jahren schon extrem übergewichtig sind. Man fragt sich unweigerlich, welche Chance die Kinder haben, gesund zu bleiben.

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