Väter, ihr kriegt das schon gebacken!

Beim Backen hört die Gleichberechtigung auf: Auf den Buffets gibt es selten Selbstgebackenes von Papa. (Foto: iStock)

Kindergartentheater, Kita-Sommerfest, Abschiedsfeier der Klasse 6b und Saisonschluss-Bräteln mit dem Fussballverein. Es ist wieder diese Zeit im Jahr, wenn der Familienkalender vor lauter Terminen fast den Nagel aus der Küchenwand reisst. Feste soll man ja feiern, wie sie fallen. Nur fallen sie Anfang Juli irgendwie alle auf die gleiche Woche. Für Familien mit mehr als einem Kind mit mehr als einem Hobby ist das an sich schon eine logistische Herausforderung. Und dann flattern garantiert noch ein paar bunte Zettel ins Haus, man solle doch bitte etwas Feines fürs Kuchenbuffet mitbringen.

Und beim Backen hat sich nur auf den ersten Blick viel geändert seit den 80er-Jahren. Man sieht weniger Marmorgugelhopf und Zitronenrouladen. Dafür mehr Muffins und Cupcakes. Und wer hats gebacken? Die Mütter, immer noch die Mütter. Emanzipation und Gleichberechtigung enden kurz vor dem Kuchenbuffet.

Schulfestkuchen ist Müttersache

Ja ja, ich weiss. Die Väter stehen dafür am Grill. Aber das ist eine Stunde Aufwand für höchstens zwei Väter. Dagegen stürmen Heere von Müttern in die Migros, kaufen hastig Bio-Eier und Zuckerperlen, backen den schönsten nussfreien Kuchen vom Quartier und hasten mit Mehl im Haar und Torte im Tupperware zur Abschiedsfeier. Schulfestkuchen ist Müttersache. Da steckt in uns Frauen eben doch noch mehr Betty Bossi als Alice Schwarzer. Hier sieht man, wie weit wir wirklich schon sind mit der Gleichstellung in der Familie. Väter haben «Papitag» und «helfen» im Haushalt. Mütter haben alle anderen Tage und müssen irgendwie die Organisation des Familienalltags und die vielen Kuchen gebacken kriegen.

Ich möchte nicht motzen. Denn es sind ja, wie immer, nicht nur die Väter schuld. Sondern natürlich auch wir Mütter. Stichwort Maternal Gatekeeping. Oder in diesem Fall eben Maternal Bakekeeping: Wir glauben insgeheim, dass wir die veganen Mohn-Cupcakes mit Lavendelbuttercreme und handgestanzten Marzipanschmetterlingen es bitzeli besser hinbekommen als unser Mann. Deshalb backen wir lieber selber. Und jammern dann, was das wieder für ein Stress sei Anfang Juli.

Hier ein paar Tipps, wie wir zu mehr Gleichstellung auf dem Kuchenbuffet kommen:

  • Kuchenbuffet-Beiträge von Vätern werden mit «Vaterkuchen»-Fähnchen gekennzeichnet. Dies macht das Engagement der Papis sicht- und degustierbar und spornt backfaule Väter an. (Alle anderen Gebäcke, also die der Mütter, werden nicht angeschrieben. Erstens zerstört das den gewünschten Effekt. Zweitens weckt das Label «Mutterkuchen» unappetitliche Assoziationen.)
  • Väter, die einen Kuchen fürs Schulbuffet bringen, erhalten ein Freibier. Achtung: ein Bier pro Vater, nicht pro Gebäck. Sonst wird das Abschlussfest schnell zum Abschussfest, wenn jeder Papi zwölf Muffins bringt.
  • Mütter, die keinen Kuchen bringen, erhalten ein Glas Prosecco. Mütter, die mit erhobenem Haupt einen gekauften Kuchen aufs Buffet stellen, erhalten zwei Gläser Prosecco. (Falls Sie es furchtbar klischeehaft finden, dass Männer Bier erhalten und Frauen Prosecco, benutzen Sie bitte die Kommentarfunktion.)
  • Viele Väter können gar nicht backen. Das merkt man auch daran, dass Männer an ihrem Geburtstag einen Kuchen ins Büro bringen, den die Partnerin oder das Mami gebacken hat. Da der Hauswirtschaftsunterricht hier offenbar nicht greift, sollen alle Oberstufenjungs wöchentlich drei Lektionen mit Gamen verbringen. Natürlich geht es in diesem Game ums Kuchenbacken.
  • Der Vaterschaftsurlaub, zu dem die Schweiz hoffentlich Ja sagen wird, wird von 20 auf 40 Tage verdoppelt, wenn der frischgebackene Vater den Besuch eines Backkurses nachweisen kann.

Lesetipp: «So tun, als ob selbstgemacht und vegan» von Michèle Roten.