Das Babyphone reicht nicht

Hallo, wie gehts? Kein Gerät der Welt kann das ernsthaft beantworten. Foto: Anthony J (Flickr)

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es war, als mein erstes Kind zur Welt kam: anstrengend. Ja, auch herzig. Ja, auch zauberhaft. Und eben: auch anstrengend. Denn das erste Kind stellt das Paarleben so heftig – ganz neu – auf den Kopf. Da war man froh, wenn die Grosseltern abends mal zum Baby schauen konnten und man zu zweit in Ruhe essen gehen konnte.

Als Option für zwei freie Stunden drängte sich damals das allseits beliebte Babyphone auf. Dieser Babysitter-Ersatz wird von jungen Eltern nicht nur zu Hause genutzt, sondern auch unterwegs, im Hotelzimmer. Das erstaunt – gerade in einer Gesellschaft, in der Kinder überbehütet werden, in der es von «Helikoptereltern» nur so wimmeln soll.

Ein Baby allein auf einem Hotelzimmer zu lassen, überwacht bloss von einem elektronischen Gerät, ist denn auch kein risikoloses Unterfangen. Denn im Notfall ist man schlicht und einfach: nicht beim Baby.

Was «eh nie passiert»

Spontan fallen mir einige Situationen ein, die das entspannte Tête-à-tête durchkreuzen könnten – und bitte, man möge mir jetzt nicht damit kommen, dass das «eh nie passiert». Natürlich nicht.

Zum Beispiel könnte ein Feuer ausbrechen. Im Lift. Auf dem Stockwerk. Im oder um den Bungalow herum. Ein Feuer ist ein durchaus realistisches Szenario – weit realistischer als ein Terrorangriff. Der Weg zum Baby ist also versperrt. Was bringt da ein Babyphone?

Oder man stelle sich vor, jemand entführt das eigene Kind. Mit entsprechender elektronischer Ausrüstung wird die Entführung sogar gefilmt. Oder, noch schlimmer, überhaupt nicht registriert: Dann kommt man zurück und findet ein leeres Babybett vor. Worst case, klar. Aber wer Kinder hat, der sorgt sich.

Ein banales Szenario

Nehmen wir es weniger dramatisch, und konzentrieren wir uns auf ein banales Szenario: Wie oft schauen die Eltern auf das Gerät – ob Babyphone oder Handy mit entsprechender App –, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung ist? Gilt ein solches Date noch als Baby-Auszeit? Wann rückt man aus: schon beim ersten Geräusch oder erst, wenn das Baby seit fünf Minuten schreit?

Und dann diese lässige Situation, wenn die Weinflasche erst halb leer ist und der Hauptgang gerade serviert wird – und plötzlich muss ein Elternteil rauf auf das Zimmer. No thanks.

Nicht zuletzt sprechen emotionale Argumente gegen das Babyphone. Es überwacht einen ziemlich hilflosen Menschen, der schon am Anfang seines Daseins ein Alleinsein registriert. Ein Baby gehört aus diesem Grund schlicht und einfach nicht allein in ein fremdes Hotelzimmer, sondern in die Obhut eines Babysitters aus Fleisch und Blut.