Gut getarnte Zuckerbomben

Mamablog

Gerade die Frühstückscerealien, die Kinder besonders mögen, enthalten oft zu viel Zucker. Foto: gzorgz (iStock)

Ich achte darauf, dass sich meine Kinder ausgewogen ernähren. So gut es eben möglich ist. Während beide Kinder als Dreijährige von A wie Aubergine bis Z wie Zucchetti so ziemlich alles gegessen haben, sind sie mit der Zeit leider sehr wählerisch geworden. Tomaten finden Sie grusig, Krautstiele sind wäh. Und von Linsen kriegt der Sohn Brechreiz. Naja. Trotzdem gibt es bei uns nicht nur Hörnli mit Käse oder Pommes mit Ketchup: Wir kochen alles Mögliche, und die Kinder müssen immer wieder einen halben Kaffeelöffel davon probieren.

Auch Süsses gehört bei uns dazu, seit die Kinder 12 Monate alt sind: Zum Frühstück gibt es Konfi oder Honig. Nach dem Mittagessen oft eine kleine Süssigkeit, zum Beispiel ein Schöggeli oder ein Guetsli. Sirup gibt es nur, wenn Besuch da ist. Süssgetränke ausnahmsweise im Restaurant. Meine Kinder essen also nicht so viel Zucker – jedenfalls war ich davon überzeugt, bis ich auf Facebook einen Beitrag der Schweizerischen Stiftung für Konsumentenschutz sah. Auf dem Bild war ein Müesliriegel für Kinder zu sehen, den ich regelmässig kaufe. Obwohl auf der Packung «ohne Zuckerzusatz» steht, enthält ein Riegel à 23 Gramm ganze 7 Gramm Zucker. Das sind fast zwei Würfelzucker. Hoppla!

Überall hats Zucker drin

Das Problem: Zucker hat viele Namen. Und nicht alle davon sind auf Anhieb zu erkennen. Glukosesirup, Fruktose, Gerstenmalzextrakt – alles Zucker. Und auch wenn den Müesliriegeln kein Haushaltszucker beigefügt wurde, so enthalten sie eben doch viel Zucker, in diesem Fall Fruchtzucker in der Apfelpaste. Klar, Äpfel sind gesund und enthalten natürlicherweise Fruchtzucker. Aber während 100 Gramm frische Äpfel etwa 10 Gramm Zucker enthalten, sind in 100 Gramm Fruchtriegeln eben 28 Gramm Zucker.

In Grossbritannien sind Lebensmittel farblich so gekennzeichnet, dass auf den ersten Blick sichtbar ist, welche Inhaltsstoffe in kritischer Menge enthalten sind. Foto: Martin Cleaver (Keystone)

Ein Mensch in der Schweiz isst pro Jahr 40 Kilo Zucker. Das sind 110 Gramm oder 28 Würfelzucker pro Tag. Höchstens 50 Gramm, besser nur 25 Gramm, das ist die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation. Zwar wissen wir alle, dass zu viel Schokolade oder Cola (mit 15 Würfelzuckern pro PET-Flasche!) nicht gesund sind. Das Problem ist aber der versteckte Zucker, der als günstiger Rohstoff und Geschmacksträger vielen Lebensmitteln beigefügt wird. Es hat Zucker in der Bouillon, in der Fertigpizza (3 Würfelzucker), in der Salatsauce und in Chips. Und leider auch in vielen Produkten für Kinder: Im Apfelmus, im Fruchtquark (1 ½ Würfelzucker pro Becherlein), im Kakaopulver (fast 3 Würfelzucker pro Tasse), in Frühstückscerealien, Fruchtsaftgetränken und sogar im Milchpulver (37,5 Gramm Zucker in 100 Gramm Pulver).

Als Mutter und Konsumentin fühle ich mich verarscht. Denn im Gegensatz zur EU müssen die Hersteller in der Schweiz den Zuckergehalt in den Nährwertangaben nicht angeben. Wer wissen will, wo wie viel Zucker drinsteckt, muss jede Packung genau studieren. Und selbst dann ist es nicht immer einfach, die Angaben zu durchschauen. Zwar sind die Zutaten bei zusätzlich gesüssten Produkten nach Menge aufgelistet. Steht also Zucker weit oben, hat es viel davon drin. Aber weil Zucker nicht immer Zucker heisst, stehen auf der Liste weiter unten auch süsse Worte wie Oligofructose oder Maltodextrin. Das macht es schwierig, zu erkennen, wie viel Zucker insgesamt enthalten ist.

Das Gesetz schützt Produzenten statt Kinder

Buchtipp: Zucker: Weniger ist mehr. Alles über Zucker, Zuckerfallen und die besten Alternativen. Stiftung für Konsumentenschutz, 2017. Fr. 34.–

Hilfreich wäre ein Ampelsystem, das auf allen Produkten abgebildet wird. Bis 5 Gramm Zucker – etwas mehr als ein Würfel – pro 100 Gramm Produkt würde Grün bedeuten. So ziemlich alle Frühstückscerealien für Kinder müssten demnach rot markiert werden. Das wäre eine einfache Massnahme mit grosser Wirkung. Eine Massnahme, gegen die sich die Lebensmittelindustrie sträubt. Die aber meiner Meinung nach mehr bringen würde als die gut gemeinten Präventionskampagnen.

Da es das Ampelsystem noch nicht gibt und weiterhin keine Deklarationspflicht für Zucker besteht, muss ich mich als Mutter eben selbst darum kümmern, dass meine Kinder nicht zu viel Zucker essen. Hier ein paar Tipps, die ich in Zukunft beachten werde:

  • Fruchtsäfte und Süssgetränke nur selten anbieten und mit (Mineral-)Wasser verdünnen.
  • Frühstücksprodukte wie Kakao, Müesli, Konfitüre und Nutella selber herstellen.
  • Die Portionen in der Konditorei sind für Erwachsene gedacht. Also den Spitzbub kaufen, aber nur die Hälfte dem Kind geben (und den Rest selber essen).
  • Fruchtjoghurt mit Naturejoghurt und frischen Früchten selber machen. Oder gekauftes Fruchtjoghurt mit einem Becher Naturejoghurt mischen.
  • Keine Müesliriegel mehr kaufen. Stattdessen Studentinnenfutter anbieten. Das hat zwar nicht unbedingt weniger Zucker drin, aber mehr wertvolle Inhaltsstoffe.

Lesetipp: «Das arme Kind darf keinen Zucker» von Papablogger Markus Tschannen.