Die neuen Mägde

Die Bedingungen im «Arbeitsmarkt Privathaushalt» sind kaum reguliert. Foto: Franziska Kraufmann (Keystone)

Beschäftigen Sie eine Haushaltshilfe? Eine Nanny? Oder eine Pflegeperson für Ihren betagten Vater? Weil Sie für den Haushalt und die Sorge- und Betreuungsarbeit immer weniger Zeit haben?

Mit der erhöhten Erwerbsquote der Frauen und dem demografischen Wandel ist es wieder salonfähig geworden, Arbeiten an eine Putzfrau, Hausarbeiterin, Kinderbetreuerin oder Altenpflegerin zu delegieren – wenn man es sich denn leisten kann. Nach wie vor wird Fürsorge, Haus- und Betreuungsarbeit – sogenannte Care-Arbeit – offenbar als Frauensache gesehen, gesellschaftlich zwar wichtig, aber wenig wertgeschätzt. In die «Haushalts- und Sorge-Bresche» springen nämlich – statistisch gesehen – nicht etwa die Männer, sondern wiederum Frauen. Weniger privilegierte Frauen.

Unbezahlte Präsenzzeit

Die Bedingungen im «Arbeitsmarkt Privathaushalt» sind kaum reguliert und schlecht zu kontrollieren. Das birgt gleichstellungs- und gewerkschaftspolitisch, aber auch arbeitsrechtlich einigen Sprengstoff. Die neuen «Dienerinnen» verdienen oft wenig, haben befristete Arbeitsverträge, die von heute auf morgen gekündigt werden können, oft ist ein Teil ihrer Arbeits- und Präsenzzeit unbezahlt, oder sie arbeiten auf Abruf.

Und genau da kommen nun Sie ins Spiel. Denn mit der Anstellung einer Haushaltshilfe werden Sie zur Arbeitgeberin, zum Arbeitgeber in Ihren eigenen vier Wänden. Und das bringt Verantwortung mit sich. Denn auch wenn private Haushalte vom Arbeitsgesetz ausgenommen sind und damit ein grosser Graubereich entsteht, haben Haushaltshilfen Rechte. Das beginnt bei ganz banalen Fragen wie: Gibt es einen Mindestlohn? Maximale Arbeitszeiten? Auf wie viel Ferien hat die Haushaltshilfe Anrecht? Auf wie viele Pausen? Und zählt Bereitschaftsdienst eigentlich als Arbeitszeit?

Spaziergang als Arbeitszeit?

Gerade wenn Ihre Haushaltshilfe mit Ihnen im selben Haushalt wohnt, ist die Gefahr von Ausbeutung gross, weil sich Arbeit und Freizeit kaum voneinander abgrenzen lassen: Ist Fernsehen schauen mit einer zu betreuenden Person Arbeit? Oder mit ihr spazieren gehen? Das klingt kompliziert. Aber faire Arbeitsbedingungen müssen sein. Für alle.

Lesen Sie dazu auch das Posting «Wie viel ist Ihnen Kinderbetreuung wert?».

Wenn Sie sich weiter informieren möchten zum Thema: Die Stadtzürcher Fachstelle für Gleichstellung ist Hauptträgerin von www.careinfo.ch. Auf dieser Website finden Sie alle wichtigen Informationen, wenn Sie eine Haushaltshilfe beschäftigen. Diese sind auch für Frauen interessant, die selber als Haushaltshilfe arbeiten.