Der perfekte After-Baby-Body?

Diese Mutter zeigt auf Facebook ihren Körper nach zwei Kindern und beschreibt, wie sie lernt, ihn zu akzeptieren. Foto: Laura Mazza.

«Liebe Frau Braun, Sie wollen doch sicher auch einen perfekten After-Baby-Body haben», schreibt mir ein Dr. med. Chirurg aus dem «wunderschönen Allgäu». Egal ob straffer Bauch, feste Brüste, schlanke Schenkel: Der Herr Doktor will mir gerne dabei helfen – und dann auch noch «zum absoluten Schnäppchenpreis». Ach, wie aufmerksam, ein Mommy-Makeover für wenig Geld. Ich frage mich kurz, wie ein sogenannt perfekter Mutterkörper denn eigentlich auszusehen hat – und markiere den unerwünschten Newsletter gut gelaunt als Spam.

Etwas später scheint meine Frage nach dem Idealbild beantwortet zu werden: In der Inbox eine neue Mail eines anderen Chirurgen mit einem «unschlagbaren Angebot»: Die sogenannten Spuren der Schwangerschaft sollen noch im Wochenbett – also während der ersten sieben, acht Wochen – eliminiert werden. Der gute Mann verspricht, Müttern im Rahmen eines Eingriffs jenen Körper zurückzugeben, den sie vor der Schwangerschaft hatten. «Geniessen Sie Ihre Schwangerschaft, die Geburt und die Stillzeit. Machen Sie sich keine Sorgen über Körperveränderungen, die völlig natürlich sind.»

Neuer Trend: «Telfies»

Beruhigend, dass der Arzt die Körperveränderungen, die eine Schwangerschaft mit sich bringen, als natürlich bezeichnet. Immerhin hat besagter Körper auf wundersam natürliche Weise einen neuen Menschen wachsen und gedeihen lassen. Wieso aber nur schwingt dabei ein leicht bedrohlicher Unterton mit, wenn von «Machen Sie sich keine Sorgen…» die Rede ist? Weil wir uns Frauen eben doch Sorgen darüber machen und ein Problem mit unserem Körper haben, so kurz nach der Geburt?

Dem ist sicher so, das zeigt allein die Fülle an Material zum Thema. Die Mütterforen, -Blogs und -Instagram-Accounts sind täglich voll damit. Es geht um Diäten und Fitnessübungen und Promimütter mit perfekten Figuren. Oder dann aber um Mutmacher-Texte, wie man seinen neuen Mamakörper akzeptieren und lieben lernt.

Die einen Mütter posten Schwangerschafts-Selfies – und nach der Geburt «Telfies» (Tummy Selfies) –, um der Community zu präsentieren, wie wenig Bauch sie noch haben. Die anderen Mütter posten Vorher-nachher-Fotos um zu zeigen, wie viel Bauch nach einer Geburt eben noch da ist.

Entspannt und mit Humor

Wobei ich Letztere für couragiert und toll halte. Diese Frauen zeigen sich mit ihrem runden, weichen Mamakörper und machen so anderen Müttern Mut, auch dazu zu stehen. Ich selbst hätte mich so was nie getraut, dafür bin ich zu wenig narzisstisch und allzu eitel. Doch diese Frauen stehen hin, ein paar Tage, Wochen, Monate oder auch Jahre nach der Geburt und zeigen der Community und der Welt wie ein Frauenkörper nach einem oder mehreren Kindern meist eben aussieht: kein Waschbrettbauch und keine Wespentaille, sondern Fettpölsterchen, hängender Busen, ausgeleierter Bauch, verzogene, rot-weiss gestreifte Haut. Sie präsentieren die Realität; machen bewusst, wie viele Frauen mit dem neuen Körper als Mama eben auch umgehen: entspannt, selbstbewusst, mit Humor. Und das steht ihnen allesamt sehr gut.

«Machen Sie sich keine Sorgen über Körperveränderungen, die völlig natürlich sind», schrieb der Schönheitschirurg in seiner Mail. Wo er recht hat, hat er recht.

Lesen Sie dazu auch das Posting «Den Mama-Körper lieben lernen».