Taufe? Nein danke!

Bitte ohne Gott: Immer weniger Eltern lassen ihre Kinder taufen. (Bild: iStock)

Als mein Sohn einige Wochen alt war, fragte meine Mutter, ob sie ihrem Enkel ein Taufkleid kaufen dürfe. Ich verneinte. Ein Kind, das nicht getauft wird, braucht auch kein Minibrautkleid mit Schleppe. Meine Mutter reagierte erstaunt. Zumindest auf dem Papier war meine Herkunftsfamilie katholisch. Wurde ein Kind geboren, wurde es getauft. Das war nichts, was man gross hinterfragte. Taufe, weisses Kleidchen, Taufessen in einem gutbürgerlichen Restaurant. Das gehörte halt dazu.

Meine Kinder sind nicht getauft. Als der Sohn zur Welt kam, war ich gemäss Steuererklärung noch Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Da mein Mann konfessionslos ist und wir keine Verbindung zu einer Kirche haben, war es nur logisch: Der Bub wird nicht in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen. Mit der Taufe hätte ich mich als katholische Mutter dazu verpflichtet, das Kind nach meinen Möglichkeiten zum christlichen Glauben zu führen. Das konnte ich schlicht nicht bieten. Scheinfromm wäre es gewesen, wenn ich als Abtrünnige mein weiss gewandetes Kindchen von den Paten hätte zum Taufbecken tragen lassen. Wobei das sowieso ein Problem gewesen wäre: Gotti und Götti sind beide reformiert. Also keine Taufe.

Immer weniger Taufen

Mit dieser Entscheidung stehen wir nicht alleine da. In der «SonntagsZeitung» stand kürzlich, dass die Taufen bei den Reformierten in den letzten 25 Jahren um 50 Prozent zurückgingen, bei den Katholiken um 40 Prozent. Überraschend ist diese Entwicklung nicht: Die Landeskirchen verlieren seit Jahren Mitglieder. Ein Paar, das sich ein Kind wünscht, muss heute nicht mehr heiraten – schon gar nicht kirchlich. Und wenn das Kind dann da ist, wird es eben auch nicht getauft.

Die Säuglingstaufe finde ich sowieso seltsam: Ich würde mir nie anmassen, meine Kinder ungefragt in ein Glaubensbecken zu tauchen. Es steht ihnen frei, später einer Kirche beizutreten oder sich taufen zu lassen. Während wir Eltern uns zu den Agnostikern zählen, ist der Sohn ein überzeugter Atheist. Die Tochter dagegen glaubt sowohl an Feen als auch an Gott. Seit sie mit ihrem Freund, dem Sohn eines Theologen, ein Krippenspiel besuchen durfte, ist sie ein grosser Fan der Weihnachtsgeschichte – wobei in ihrer Version mitunter der Josef fehlt, dafür zwei Marien Mütter von Baby Jesus werden. Auch besichtigt sie gern Kirchen und blättert in der Kinderbibel. Was ich damit sagen will: Obwohl das Mädchen in einem ziemlich gottlosen Haushalt aufwächst, findet sie ihren eigenen Zugang zur christlichen Kultur und zum Glauben.

Verpasstes Willkommensfest

Die Kinder gehen also vorläufig ungetauft durchs Leben. Dennoch finde ich, dass so ganz ohne Taufe durchaus etwas fehlt. Rückblickend hätte ich mir ein Ritual gewünscht, um die Kinder auf der Welt, in unserer Familie und im Freundeskreis zu begrüssen. Um ihre Ankunft zu feiern und ihnen gute Wünsche mit auf den Lebensweg zu geben. Denn wenn ich auch keinen Glauben und keine Kirche brauche in meinem Leben: Die Geburt meiner Kinder war für mich eine überwältigende, fast spirituelle Erfahrung. Ein Ereignis, grösser als ich. Ein lebensverändernder Moment, den man doch irgendwie zelebrieren sollte. Dabei geht es mir um Dankbarkeit – wem oder was auch immer gegenüber, Ehrfurcht vor dem Leben und dem Wunder Mensch. Irgendwie habe ich es leider verpasst, das mal in einem grösseren Rahmen zu feiern. Schade, eigentlich.