Welches Mantra reduziert Ihren Stress?

Wird Ihnen manchmal auch alles zu viel? Organisieren Sie sich neu. Foto: Reuters

Wird Ihnen manchmal auch alles zu viel? Organisieren Sie sich neu. Foto: Reuters

Während ich (weinend) die Krankenkassenrechnungen der Familie beglich und für den Brecht einen Termin beim Augenarzt organisierte, verteilte ebendieser seine Teetassen und weiteres Spielzeug in allen Zimmern. Beim anschliessenden Aufräumen sprach die Wohnung zu mir. «Putz mich», sagte das Bad und der Wickeltisch schrie dazwischen: «Wir haben fast keine Windeln mehr!» Dabei hätte ich beinahe den Heizthermostaten überhört, der leise röchelte: «Ich fühle mich komisch, ruf besser mal einen Elektriker.»

So ist das Leben mit Kind und in unserem Fall seit kurzem mit einem geräumigen Eigenheim. Letzteres ist ja wie ein zweites Kind. Man liebt es innig, aber es will umsorgt sein, stellt logistische Ansprüche und deckt uns von morgens bis abends mit administrativem Aufwand ein.

Wie einfach war früher das kinderlose Leben in der kleinen Mietwohnung. Abende und ganze Wochenenden habe ich mit Binge Watching meiner Lieblingsserien verbracht. Heute ist stattdessen Binge Duploing und Binge Rechnungsbezahling angesagt.

Jeder murmelt ein anderes Mantra

Damit dieses Füllhorn an neuen Aufgaben nicht in einem Burn-out endet, müssen sich gewordene Eltern neu organisieren. Manch eine oder einer legt sich dabei ein Elternmantra zu und murmelt fortan unentwegt «lass dich nicht stressen» oder «gönn dir Pausen». Das mag funktionieren. Mir persönlich sind Beteuerungen an die eigene Psyche zu wenig handlungsorientiert. Die andere Hirnhälfte faucht ja doch «… aber putz endlich das Bad».

Dafür hilft mir eine Management-Weisheit, die mir mein ehemaliger Chef vor Jahren mitgegeben hat: «Erledige kleine Dinge immer sofort!» Beruflich habe ich diese Regel damals wie heute nur halbherzig befolgt, aber im Haushalt begeistert sie mich täglich von neuem.

Und so gehts

Ich will Sie nicht ohne ein paar Beispiele in die Kommentare entlassen:

  • Sobald mich Dreck in der Wohnung stört, putze ich ihn. Kleine Drecke, die weniger als 5 Minuten Aufwand verursachen, wische ich sofort weg. Grössere Putzprojekte wie das Bad erledige ich zumindest noch am selben Tag.
  • Rechnungen lege ich nach dem Öffnen gar nicht erst aus der Hand. Ich bezahle sie praktisch neben dem Briefkasten mit der Banking-App, scanne sie ein und werfe die Zettel ins Altpapier.
  • Auch beim Einkaufen unterstützt mich mein treues Smartphone: Geht die Konfitüre zur Neige, scanne ich ihren Strichcode mit der Shopping-App meines Vertrauens. Wird die Versorgungslage beim knappsten Lebensmittel dramatisch, entscheiden wir je nach Tagesform: Haben wir Zeit zum Einkaufen? Wenn ja, fahren wir in den Supermarkt, wenn nein, schicken wir die Liste ab und lassen uns die Einkäufe nach Hause liefern.
  • Immer, wenn ich einen Raum verlasse, räume ich ihn kurz auf. Meist reichen 20 Sekunden für ein zufriedenstellendes Ergebnis.

Bevor ich dann abends ins Bett gehe, erledige ich all die Dinge, die tagsüber trotz bestem Willen liegen geblieben sind. So wache ich jeden Morgen in einem ordentlichen Haushalt auf. Meine Pendenzenliste bleibt kurz und drückt mir nicht aufs Gemüt.

Bevor Sie jetzt denken, ich hätte mein Leben im Griff: Was im Haushalt perfekt funktioniert, klappt leider nicht überall. Meine Papablogs schreibe ich oft erst kurz bevor Sie sie lesen. Auch gegen kurzzeitigen Stress in hektischen Standardsituationen hilft mein Mantra nicht. Zum Beispiel wenn ich dem Brecht seine Wintersachen anziehen will und der Bus in drei Minuten kommt.

Weihnachtsstress muss ja auch nicht sein

Dafür arbeite ich aktuell daran, das Mantra auf die Weihnachtshektik anzuwenden. Wenn mir einfällt, ich könnte backen, dann mache ich das entweder sofort, oder ich verwerfe die Idee gleich wieder. Als die Frau kürzlich den Wunsch nach Dekoration äusserte, liessen wir alles liegen: Wir sammelten Äste, kauften Kugeln, suchten im Speicher nach alten Kerzen und erfreuten uns noch gleichentags an einem üppigen Gesteck. Geschenke für die Verwandtschaft könnte man natürlich auch sofort kaufen, aber wir haben bereits im November umfangreiche Nicht-Schenkungs-Pakte geschlossen. Das wäre also schon mal erledigt.

Aber genug von mir. Mit welchem Mantra kämpfen Sie gegen den Alltagsstress?