Adventskalenderwahnsinn

Mamablog

Wer wem was geschenkt hat, wird dank Whatsapp sofort öffentlich: Mädchen mit Adventskalender. Foto: CasarsaGuru (iStock)

Es ist ein absolutes Luxusproblem: Meine an vielen Ecken und Enden erweiterte und immer noch wachsende Patchworkfamilie begeistert sich besonders in der Vorweihnachtszeit für meine Kinder. Sechs bis acht Grosseltern (ich kann das schlecht erklären), diverse Onkel und Tanten, Grosscousinen etc. wollen an der Vorfreude der Kleinen teilnehmen – und das eben auch möglichst sichtbar.

Doch so grossartig ich den Umstand finde, dass meine Kinder derart eingebettet in einer über ganz Deutschland verstreuten Familie aufwachsen, so sehr trifft es zu, dass eine gewisse Konkurrenzsituation hergestellt wird. Wir können nicht nur einem Grosselternpaar erlauben, für die Adventskalender zu sorgen. Was sollen denn die anderen dazu sagen?! Zumal so etwas heutzutage sofort kommuniziert wird. Für solche und viele andere Zwecke hat meine Grosse längst eine Whatsappfamiliengruppe eingerichtet. Was dieser Opa oder jene Tante wann geschenkt hat oder welche coolen Sachen mit ihnen unternommen wurden, wird dementsprechend umgehend gepostet.

Gar nicht mal so sehr, um andere Familienmitglieder davon zu überzeugen, sich ähnlich zu verhalten, sondern einfach um die Besonderheiten des Alltags zu dokumentieren. Also nicht «Wir sitzen am Essenstisch und streiten mal wieder», sondern «Wir verreisen, verkleiden uns, bekommen etwas geschenkt». Es wird also eine Art familiäre Öffentlichkeit hergestellt, vor der man sich nicht lumpen lassen will. Die anderen Omas schauen ja zu. Und das bringt mich wieder zu den Kalendern.

Spenden statt Kalender

Denn es geht nicht nur um ein paar Adventskalender. In den letzten Jahren ging es darum, sich einer zweistelligen Zahl von Kalendern zu erwehren, die in allen Ecken der Wohnung stehen und dafür sorgen, dass die ganze Familie unter der Woche früher aufstehen muss, weil alle Türchen entsprechend gewürdigt werden wollen. Inklusive der kleinen Naschereien, von denen sich nur wenige auf den Nachmittag verschieben lassen. Mehr versteht mein Zweijähriger einfach nicht. Der sieht seine Kalender und will. das. haben.

Mittlerweile versuchen wir für dieses Überangebot Alternativen zu entwickeln. Im letzten Jahr haben wir vorsichtig damit begonnen, mit Einverständnis aller Beteiligter den Geldgegenwert der Kalender in Spenden umzuwandeln. Das klappt ganz gut und meine beiden älteren Kinder können der aktuellen Nachrichtenlage ohne Schwierigkeiten die Notwendigkeit dafür entnehmen. Aber erstens hab ich noch zwei jüngere. Und zweitens löst auch das die Problematik nicht ganz. Spenden kann man nicht anfassen.

Analog statt digital

Aber gerade das Weihnachtsfest mit und für Kinder lebt von seiner Sehnsucht nach Traditionellem. Es lebt von der Ausgestaltung eines ominösen «Damals». Früher hatten wir ja noch … gab es … hätten wir nie. Zu dem Gefühl dieses «damals» gehört es unbedingt, Geschenke in die Hand zu bekommen. Wir feiern eher analog als digital und verschenken zwar gerne Elektrogeräte, aber eben nicht deren virtuelle Inhalte. Die sind nicht heimelig genug. Daher werden es gerade für Kinder oft Bücher, CDs und Spielzeuge. Auch Gutscheine will man den Leuten nicht einfach in Form eines Kassenbons in die Hand drücken. Es soll schon etwas festlicher sein. Zum Beispiel mit Adventskalendern.

Inzwischen glaube ich weder an den Weihnachtsmann noch daran, langfristig diesem Adventskalenderwahnsinn Herr werden zu können. Die ersten Verwandten haben schon verlauten lassen, dass sie die Idee mit den Spenden zwar ganz super fänden, den Kindern aber trotzdem gerne Adventskalender schenken würden. Damit es nicht so viele werden, könnte die ganze Sache auch unter uns bleiben.

Ja genau.

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