Welches Essen macht scharf?

BILD: RAISA DURANDI, ZÜRICH, 14.10.2016 / Sexologisch, Sex-kolumne, Andrea Burri Frage Nr 24 Welches Essen macht scharf?

Wirken Austern tatsächlich als Aphrodisiakum? Foto: Raisa Durandi

Liebe Frau Burri, gibt es natürliche Lustmacher, die mein Mann und ich verwenden können? Was können Sie empfehlen?

Spätestens seit Martin Suters Roman «Der Koch» wissen wir, dass ayurvedische Menüs eine derart aphrodisierende Wirkung haben können, dass sogar anders gepolte Frauen den virilen Reizen kulinarischer Zauberer nicht zu widerstehen vermögen. Doch was ist dran am Mythos der von Mutter Natur hervorgebrachten Scharfmacher?

Der Wunsch nach liebeslust- und potenzfördernden Mitteln ist fast so alt wie die Menschheit. Und namhafte historische Persönlichkeiten machten laut zahlreichen Überlieferungen nicht halt vor dem Griff in die Lebensmittel-Trickkiste, um die Leidenschaft unter der Bettdecke zu entfachen. So schlürfte der berühmte Liebhaber Casanova zum Beispiel regelmässig Austern, um die Standhaftigkeit im Bett aufrechtzuerhalten. Die Liste überlieferter Aphrodisiaka ist lang und so findet man nebst den in unseren Breitengraden häufig benutzten Lebensmitteln wie Chili, Erdbeere, Kakao, Süssholz, Knoblauch oder Granatapfel auch exotischere und zuweilen weniger verlockend klingende Nahrungsmittel wie Bullenhoden, Geiles Ziegenkraut und Haifischflossensuppe.

Die Amerikanerinnen schwören auf Ginseng

Eine Gruppe kanadischer Forscher ging der Legende natürlicher Scharfmacher nach und untersuchte systematisch die Tauglichkeit einer Reihe von seit Jahrhunderten gerühmten Potenzmitteln. Dabei erwies sich Safran als besonders effektives Potenzmittel und verhalf Männern zu signifikanter Verbesserung ihrer Erektionsfähigkeit. Ähnlich erfolgreich präsentierte sich die Wirkung von Ginseng, welches nicht nur bei den männlichen Abnehmern, sondern bei längerem Gebrauch auch bei Frauen die sexuelle Lust zu steigern vermochte. Übrigens ist Ginseng bei der weiblichen US-Bevölkerung das meistverkaufte Aphrodisiakum.

Ebenfalls für sinnvoll in Bezug auf natürliche Potenzmittel erachteten die Forscher Yohimbin, ein Extrakt, der aus der Rinde eines westafrikanischen Baumes gewonnen wird. Der Wirkmechanismus beruht hierbei auf der intensivierten Durchblutung der Genitalien, was bei Mann und Frau die Lust ankurbeln soll. So verlockend die nachgesagten erotisierenden Wirkungen auch sein mögen, so sollte auch hier zu Vorsicht geraten werden, denn einige Substanzen – wie zum Beispiel der Stechapfel – können giftig wirken.

Es geht vor allem um Sinnlichkeit

Ob Sie sich beim Kochen nun für in Chili und Knoblauch marinierte Bullenhoden, mit schwarzem Pfeffer gespickte Schoko-Erdbeeren oder ein Dutzend Belon-Austern entscheiden, wird für den sexuellen Appetit wohl sekundär sein. Letztlich beruht die Wirkung der meisten natürlichen Lustmacher eher auf dem Placeboeffekt. So oder so: Essen ist Sinnlichkeit. Sich bewusst die Zeit mit dem Liebsten zu nehmen und ein romantisches Candle-Light-Dinner in verführerischer Atmosphäre mit einer guten Flasche Wein zu geniessen, scheint mir der Begierde einträglicher.

Sexualwissenschaftlerin Andrea Burri beantwortet einmal wöchentlich eine Leserfrage zum Thema Sexualität und Liebe. Diese wird vertraulich behandelt und ohne Namensnennung publiziert. Schreiben Sie uns auf sexologisch@tages-anzeiger.ch.

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