Kampfzone Esstisch

Mamablog

Kinder können beim Essen ganz schön schwierig tun. Foto: gpointstudio (iStock)

Meine Tochter schüttelt entschlossen den Kopf und wiederholt ihre Drohung: «Davon esse ich nichts!» Es ist ja nicht so, dass sie keinen Kartoffelstock mag – aber sie hat erkannt, dass sie uns Eltern mit der Weigerung zu essen ziemlich in die Bredouille bringt. Und so passt es ihr halt heute mal nicht, dass ich ein Saucenseeli mitten in ihrem Stock ausgehoben habe.

Was in solch misslichen Lagen hilft: Entspannt bleiben, möglichst das Thema wechseln oder wenigstens so tun, als wäre es uns Erziehungsberechtigten ziemlich egal, wenn der Kartoffelstock in der Mülltonne landet – auch wenn er zuvor liebevoll aus Kartoffeln, viel Butter, frischer Milch und mit kräftigen Oberarmen zubereitet worden ist. Ja, manchmal funktioniert das sogar, und die beste Tochter der Welt merkt gar nicht, dass sie plötzlich doch einen ersten Löffel zum Munde führt. Und den Teller bald darauf ratzfatz leermacht. Denn «mein» Stock ist, so wage ich mal zu behaupten, tatsächlich ziemlich gut.

Die Sorge darüber, dass ein Kind sich falsch ernährt, zu wenig essen könnte – sie ist schon da, kaum ist der Nachwuchs auf der Welt. Erst geht es um die Frage, ob man Muttermilch füttern will oder nicht, an der sich im Frühjahr der englische Fernsehkoch Jamie Oliver die Finger (oder sollte man sagen: die Lippen) verbrannte. Später reibt man sich an Überlegungen, wie dienlich Salamirädchen, Joujoux-Chips und Kinderschokolade für ein gesundes Heranwachsen sind.

Wie kinderfreundlich muss Essen sein?

Die Angst, Kinder könnten sich «falsch» ernähren, sie wird inzwischen auch kommerziell verwertet: Jüngstes Beispiel ist das Kochbuch «Essen wie die Tiere» von Tanja Kirschner. Darin wird unter anderem gezeigt, wie man aus roten und grünen Trauben eine «lustige Wurmkette» bastelt, damit die Kleinen auch mal Früchte essen. Oder wie man einen Quark derart mit Rosinen, Apfel- und Bananenstücken dekoriert, dass daraus ein Frosch entsteht. Äxgüsi?

Vielleicht kennen Sie ja die Geschichte von Franz Hohler, «Bedingungen für die Nahrungsaufnahme» heisst sie. Darin macht ein Elternpaar fast alles, damit das einjährige Baby seinen Brei aufisst. Erst trägt der Vater seinen Hut beim Füttern. Schon bald legt sich die Mutter auf den Schrank und schaut beim Morgenessen zu. Schliesslich wird das Kind von draussen mithilfe eines Löffels an einem Bambusstab bedient, und zwar vom Vater, der auf einer Bockleiter steht und einen Regenschirm trägt: «Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, und nur dann, dann isst das Kind», heisst es am Ende bei Hohler. Dies sollte eigentlich ausreichend erklären, weshalb ich keine Tiere aus Früchten mache.

Lassen Sie mich noch anmerken, dass das Buch von Kirschner wenigstens etwas richtig macht: Es rät den Eltern, mit den Kindern gemeinsam zu kochen, und das ist goldrichtig. Es muss ja nicht unbedingt mit den neuen Messern von Kuhn Rikon sein, die aussehen wie kleine bunte Hunde und sogar mit dem Schwanz wedeln können … Wenn Sie nämlich zusammen mit dem Nachwuchs am Herd stehen, bewahrt Sie das auch gleich vor dem nächsten Fauxpas, den man allzu schnell begeht, wenn man die Kids zum Reinschaufeln des Essens bewegen will: nämlich zu lügen, dass da in der Sauce des Seelis ganz bestimmt kein Weisswein drin ist.