Ist ein Hausfrauenlohn die Lösung?

Es sind Sommerferien, auch für unsere Autorinnen, Autoren und ihre Familien. Deshalb publizieren wir während einer Woche Beiträge, die besonders viel zu reden gaben. Dieser Beitrag von Gabriela Braun erschien erstmals am 19. April 2016.

A nine-year-old boy and his eight-year-old brother are having lunch with their mother and a 6 month old baby, during the school lunch break, captured in Daillens in the canton of Vaud, Switzerland, on November 5, 2014. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Wie viel verdient eine Köchin? Und wenn sie zusätzlich den Service übernimmt? Foto: Laurent Gillieron/Keystone

Ingrid Liedtke wünschte sich gestern im Posting «Traumjob Vollzeitmutter» dasselbe, was schon Feministinnen vor über vierzig Jahren forderten: einen Hausfrauenlohn. So erhielten Mütter, die Voll- oder Teilzeit daheimblieben und sich um Haushalt und Kinder kümmerten, die nötige Anerkennung – denn auch eine Arbeitskraft zu Hause sei etwas wert. «Geld heisst Unabhängigkeit» lautete das Manifest der Feministinnen damals, und damit haben sie nicht unrecht. Wobei interessanterweise den Begriff «Hausfrauenlohn» 1972 der Künstler Joseph Beuys erfunden haben soll: Auf der Documenta 5 forderte er die «Anerkennung der Haushaltstätigkeit als Beruf».

Was ist davon zu halten? Ist ein Hausfrauenlohn wirklich die Lösung, um den vielen Müttern daheim Anerkennung zu geben und sie freier zu machen? Helena Trachsel glaubt ja. Die Leiterin des Gleichstellungsbüros des Kantons Zürich spricht zwar nicht von einem Hausfrauenlohn, sondern von einem Gehalt einer Familienmanagerin oder eines Familienmanagers – doch gemeint ist dasselbe. «Die Person, die daheimbleibt und sich um die Familie und den Haushalt kümmert, leistet eine enorm wichtige Arbeit», sagt Trachsel. Deshalb solle diese Person auch Anspruch auf ein monatliches Gehalt, eine Sozialversicherung und berufliche Vorsorge haben. Bezahlt werden soll dies vom erwerbstätigen Elternteil, also der Partnerin oder dem Partner.

Die Gleichstellungsbeauftragte schlägt deshalb vor, dass sich ein Elternpaar zusammensetzt und eine entsprechende Vereinbarung (oder einen Vertrag) ausarbeitet wie jene Mustervereinbarung hier, die Helena Trachsel speziell für den Mamablog erstellt hat. «Auf diese Weise werden beide gezwungen, ernsthaft hinzuschauen, wie sie ihre Arbeitsteilung regeln wollen und welche Bedürfnisse jeder Einzelne hat», so Trachsel. Und so erhält auch die oder der Familienmanager eine monetäre Anerkennung. Wie viel ein solches Monatsgehalt sein soll, lässt sie bewusst offen. Je nachdem, wie gut es der Familie finanziell geht, kann dies sehr unterschiedlich sein. Einen Mindestlohnansatz jedoch sollte es geben; Helena Trachsel spricht dabei von 20 Franken brutto die Stunde, Essen und Wohnen sind dabei inbegriffen. Ein solches Gehalt sei etwa dann angebracht, wenn der Lohn des erwerbstätigen Elternteils 4500 Franken betrage. Haben Eltern Fragen dazu, so können sie sich beim Gleichstellungsbüro beraten lassen.


Klicken Sie auf das Bild um auf die Vereinbarung zu kommen.


Klingt etwas theoretisch? Das war zumindest mein erster Gedanke. Doch je mehr ich mich mit dieser Idee befasse, desto besser gefällt sie mir. Nebst der zusätzlichen Wertschätzung, die eine Hausfrau oder ein Hausmann durch Gehalt und Sozialabgaben bekommt, zwingt eine solche Vereinbarung ein Paar dazu, sich mit der gewählten Rollenverteilung auseinanderzusetzen. Sie impliziert: Es ist nicht alles in Stein gemeisselt. Allein das Aufführen der Kündigungsfrist macht das deutlich. Es ruft Eltern in Erinnerung, dass sich je nach Situation wieder ein anderes Modell der Aufteilung anbietet – und sich neu aushandeln lässt. Wieso soll nicht der Mann nach einer gewissen Zeit den Part des «erziehungs- und haushaltverantwortlichen Elternteils» übernehmen?

Die Feministinnen Alice Schwarzer und Simone de Beauvoir übrigens glaubten damals vor vierzig Jahren nicht an einen Frauenlohn. Sie wehrten sich gegen die Idee eines solchen Gehalts, denn sie fürchteten, es würde Frauen nicht befreien, sondern versklaven und sie noch mehr an Kinder und Küche ketten. Alice Schwarzer schrieb 1977 in der Zeitschrift «Emma»: «Ich höre schon förmlich den Ehemann, Arbeiter oder Unternehmer, wie er nach Hause kommt und sagt: ‹Sauwirtschaft hier! Immer noch kein Essen auf dem Tisch. Schliesslich wirst du ja dafür bezahlt.›» Derartige Befürchtungen halte ich allerdings doch für sehr überholt.

Was halten Sie von einem Hausfrauen- bwz. Hausmännerlohn? Und wie würden Sie reagieren, sollte Ihr Partner, Ihre Partnerin eine derartige Vereinbarung vorschlagen?


Frauengold statt Lohn: Ein klassischer Werbespot der 50er-Jahre. Quelle: TRO-DeutscheWerbung/Youtube

Hinweis der Redaktion: Die Mustervereinbarung wurde am 19.4.2016 um 17 Uhr aktualisiert.

90 Kommentare zu «Ist ein Hausfrauenlohn die Lösung?»

  • Widerspenstige sagt:

    Ich bleibe bei meinem Argument, egal welche Stimme pro oder contra gibt:
    ‚..Deshalb solle diese Person auch Anspruch auf ein monatliches Gehalt, eine Sozialversicherung und berufliche Vorsorge haben. Bezahlt werden soll dies vom erwerbstätigen Elternteil, also der Partnerin oder dem Partner…‘
    Ja, so eine monetäre Anerkennung wäre nicht schlecht in Form einer monatlichen Zahlung an Hausarbeit, Kindererziehung, Ausbildung etc.

    ABER: nicht länger innerhalb der vier Wände nur vom Liebsten/der Liebsten, sondern von der EO bzw. einem Grundeinkommen! Das Fitmachen eines Kindes zum gesellschaftskonformen Mitglied kostet viel Energie, bis es so weit ist. Dieser nervige Weg darf ruhig die Gesellschaft mittragen wie in Skandinavien bereits erkannt und gesetzlich verankert. So. o_o

    • Annalou sagt:

      …und was wenn Ihr Kind ein verwöhntes, egoistisches Mitglied der Gesellschaft wird, bezahlen Sie dann die monatlichen Zahlungen zurück?

      • Muttis Liebling sagt:

        Nein, politische und soziale Massnahmen sind von der Natur her statistisch angelegt und werden nicht auf das Individuum herunter gebrochen. Man versucht den individuellen Erfolg auch nicht zu messen, weil es keinen Sinn macht.

        Das ist wie beim Impfen, je nach Krankheit besteht das gesundheitspolitische Ziel in einer Durchimpfungsrate von 30…85%. Welcher Pool die Rate erreicht, ob der Urs- Maximilian dabei ist oder nicht, das spielt keine Rolle.

        So läuft dann auch die Überzeugungsarbeit. Ich agitiere nicht die Mutter von Urs- Maximilian, weil dessen Teilnahme ja gleichgültig ist, sondern Bevölkerungsteile. Würde man das so handhaben, wäre der Diskussion die unnötige Schärfe genommen.

      • Muttis Liebling sagt:

        Oder nehmen wir das Beispiel Geburtlichkeit. Will ein Volk sich selbst erhalten, sei es wegen der heiss geliebten Kultur oder weil man unter sich bleiben will, muss die Totale Fertilität sich bei 2.1 einpendeln. Aber es ist egal, ob 35% der Frauen gar nicht teilnehmen, wenn die anderen 65% 3.2 erbringen.

        In politischen oder sozialen Szenarien spielt das Individualverhalten keine Rolle, deshalb reden wir gar nicht darüber.

    • Widerspenstige sagt:

      Das ist eher eine philosophische Frage, weniger eine politische. Wir bezahlen zum Beispiel Steuern für diverse Infrastrukturen, die einzelne kaum oder nur sporadisch beanspruchen wie z.B. Wanderwege (diese sind in der Verfassung verankert, regelmässig nutzbar für Wanderer herzustellen, von der Allgemeinheit bezahlt notabene!). Es gibt keine Garantie, dass eingesetzte Steuergelder automatisch ein erfolgreiches Gesellschaftsmitglied generiert. Aber es gibt Wertschätzung für Care-Arbeiten, welche immerhin ca. 400 Milliarden Franken pro Jahr das BIP nicht erfasst. Um das geht es im Wesentlichen und dieser Missstand wird totgeschwiegen oder lächerlich gemacht. Da kann ich nur den Kopf schütteln über soviel Unwissen oder ist es eher Dummheit?

      • Carolina sagt:

        WS, in diesem Fall gebe ich Ihnen eigentlich Recht. Allerdings ist ein ein-wenig-am-System-herumbasteln fehl am Platze: wenn schon, sollten wir so ehrlich sein zuzugeben, dass das Milizsystem zu Ende geht; dass Militärdienst von Männern zugunsten eines kompletten ‚Sozialdienstes‘ für alle auf die Lebenszeit ersetzt wird; dass somit auch die Freiwilligen und Pflegeleistenden, meistens Frauen, die heute überhaupt nicht gewertschätzt werden und gar nicht in die Betrachtung einfliessen, in diesem System gewürdigt werden. Jede/r könnte sozusagen seinen Fähigkeiten und Wünschen entsprechend Dienste an der Allgemeinheit verrichten.
        Bei Hausfrauentätigkeiten sehe ich es ein wenig anders: es ist letztlich eine Privatentscheidung, wie Familien sich organisieren. Allerdings halte

      • Carolina sagt:

        /2 ich es für mehr als wünschenswert, dass in punkto Rentenabsicherung (das gilt im übrigen auch für Bauersfrauen, die z.T. überhaupt keine Ansprüche bilden) etwas geschieht – und warum sollte das nicht über die EO gehen?

      • Muttis Liebling sagt:

        Ich würde aber den umgekehrten Weg wählen und alle nicht von der Wirtschaft erbrachten Leistungen nicht im BIP ausweisen. Die grundfalsche Entscheidung, die Leistungen des Gesundheitswesens ins BIP aufzunehmen, hat zu der bekannten Mengenausweitung geführt, in dessen Gefolge die Transformation zu einer industriellen Krankheitsbewirtschaftung erfolgte.

        Die Schweizerische Eidgenossenschaft hat schon ein ziemlich perfektes Sozialsystem und das wird durch weitere Verfeinerung nicht besser. Der nächste qualitative Sprung kann nur durch eine BGE- analoges Modell erfolgen. Aber dafür fehlt derzeit die politische Reife.

      • Sportpapi sagt:

        „Der nächste qualitative Sprung kann nur durch eine BGE- analoges Modell erfolgen. Aber dafür fehlt derzeit die politische Reife.“: Lustigerweise halte ich es für politische Reife, dass dem eine Absage erteilt wurde.

      • Sportpapi sagt:

        Ein Grundeinkommen gibt Geld, aber keine Wertschätzung. Wie auch.
        Die genannten Care-Arbeiten, zumindest ausser Haus bzw. Familie, laufen üblicherweise unter Freiwilligenarbeit oder Ehrenamt. Und werden durchaus wertgeschätzt. Jedenfalls mehr als Erwerbstätigkeiten. Auch deshalb kenne ich ein paar Frauen, die sich aus der Erwerbsarbeit zurückgezogen habe, um nun beispielsweise im Kirchenumfeld aktiv zu werden – weil sie es als sinnstiftend(er) empfinden. Das muss man sich allerdings erst leisten können.
        Würde man diesen Bereich nun professionalisieren, also bezahlen, würde wohl vieles von dem verloren gehen, was in diesem Bereich besonders geschätzt wird – insbesondere auch das selbstbestimmte, freie arbeiten.

      • Muttis Liebling sagt:

        Da widersprichst Du Dir aber selbst SP. Eine BGE- analoge Lösung macht es gerade möglich, z.B. im kirchlichen Umfeld eine wichtige Arbeit zu leisten, welche kein Einkommen generiert und das aus inhaltlichen Gründen auch nie soll.

      • Carolina sagt:

        SP: Immer wieder wird hier vorgebracht, wie ungerecht es sei, dass es einen obligatorischen Militärdienst für Männer gibt – dem stimme ich zu. Ausserdem ist zunehmend zu beobachten, dass das Milizsystem krankt: es sind immer weniger Menschen dazu bereit, für Gottes Lohn ein Aemtli, eine Trainerposition, Vereinsvorstand, Kuchenbäckerin etc zu übernehmen. In der Pflege wird gar nichts wertgeschätzt: den allermeisten Menschen ist überhaupt nicht bewusst, was an Unsichtbarem – meistens von Frauen, die sich dann auch noch den Vorwurf ‚Schmarotzer‘ anhören müssen, weil sie ja ’nur‘ Hausfrauen sind – geleistet wird, ich sehe das immer und immer wieder. Wie selbstverständlich pflegen Frauen Angehörige, besuchen Alte, Kranke und Sterbende, leisten Dienst in Sozialeinrichtungen etc.

      • Carolina sagt:

        /2 WS hat Recht, es gibt nur Schätzungen, aber die bewegen sich tatsächlich im dreistelligen Mrd-Franken-Bereich.
        Warum nun nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen? Jeder Erwachsene hat eine Art Sozialkonto, das ihm bei Erfüllung eine Gutschrift auf dem Rentenkonto garantiert. Dazu braucht es kein BGE (ich lehne dieses ebenfalls ab, es ist überhaupt nicht durchdacht, niemand versteht, wie es finanzierbar sein soll und letztlich ist es die ultimative Form von staatlicher Kontrolle).

      • Sportpapi sagt:

        @ML: Ich widerspreche mir nicht: Auch heute ist es für viele Menschen möglich, sich freiwillig und ehrenamtlich zu engagieren. Daran ändert ein Grundeinkommen nichts. Und auch mit Grundeinkommen werden Leute, die eher materiell orientiert sind, sich nicht für Gratisarbeit zur Verfügung stellen.
        Meine Aussage bezog sich aber mehr auf die Wertschätzung. Eine Geldverteilung mit der Giesskanne hat mit Wertschätzung für eine individuell erbrachte Leistung gerade gar nichts zu tun. Ich bekomme das Geld ja auch, wenn ich nur faul herumliege.

      • Sportpapi sagt:

        Caro, ich möchte in drei Punkten widersprechen: 1. Ist ein obligatorischer Dienst eben gerade das Gegenteil von Freiwilligenarbeit. 2. Glaube ich nicht, dass das Milizsystem krankt. Ich glaube eher, dass heute noch viel mehr ehrenamtlich geleistet wird als früher. Allerdings gibt es auch immer mehr Aufgaben. Zumindest für den Sport ist das erwiesen. 3. Sehe ich die Wertschätzung nach wie vor, wenn auch nicht von allen Leuten. ABER: sobald auch nur eine einigermassen angemessene Entschädigung bezahlt wird, sinkt diese Wertschätzung bzw. steigen die Ansprüche.

      • Sportpapi sagt:

        Bestrebungen, die Freiwilligenarbeit besser sichtbar zu machen und zu „belohnen“ gibt es aber immer wieder. Mit Tag der Freiwilligenarbeit in den Gemeinden, an denen zum Essen geladen wird und Leute geehrt werden. Mit dem Sozialzeitausweis (der aber auch in die falsche Richtung gehen kann). Selbst einige Unis geben Punkte für ehrenamtliche Engagements.
        Die Frage ist allerdings: Was ist denn eigentlich Freiwilligenarbeit, was Care-Arbeit? Die Führung des eigenen Haushalts sicher nicht, oder?

      • Carolina sagt:

        Stellst Du die Frage mir? Habe ich doch oben gesagt, dass Arbeit im Haushalt eine private Entscheidung ist, oder? Ansonsten bleibe ich dabei: ich sehe es jede Woche, wie schwierig es geworden ist, im Alten-/Sterbe-Besuchsdienst, in der Freiwilligenarbeit wie z.B. Gemeindefahrtdienst etc neue Leute zu finden. Aeltere Hausfrauen (meistens!), die seit Jahren völlig unentgeltlich in Spitälern, Hospizabteilungen und in der privaten Pflege mitarbeiten, werden gegängelt, bemitleidet und auch noch beschimpft, weil das reguläre (bezahlte) Personal ihnen übelnimmt, dass sie überhaupt da sind. In zwei grossen Spitälern war es nicht möglich, den Freiwilligendienst so zu gestalten, dass das Personal Neuerungen zustimmen wollte – Neuerungen, die eine gewisse Würdigung bedeutet hätten.

      • Carolina sagt:

        /2 In meinem Bezirk ist es heute nicht mehr möglich, Schulpfleger, Gemeindepräsidenten etc zu finden, die nicht mit einem grosszügigen Gehalt ausgestattet werden – diese Zeiten sind endgültig vorbei.
        Mir ist überhaupt nicht klar, warum eine Art obligatorischer Sozialdienst an der Bevölkerung zu weniger Wertschätzung führen sollte – ich rede auch nicht von Bezahlung, sondern von Anrechnung auf Rente/Pension, von mir aus auch auf eine verbreitertere und durchdachtere Anwendung des Sozialausweises. Im Gegenteil, gewisse Diskussionen (Militärdienst, Benachteiligungen etc) würden sich erübrigen und jeder Bürger hätte einen Sozialauftrag – das halte ich für völlig legitim.

      • Widerspenstige sagt:

        Wer sich in Sicherheit fühlt in seinem Leben, der leistet automatisch motivierter und effizienter sein Tagewerk. Der Haken ist eigentlich der Denkfehler, dass Care-Arbeiten auf freiwilliger Basis geschehen sollen wie ein Naturphänomen, aber ‚wirtschaftlich wertvolle Arbeiten‘ (welche gehören dazu?) seien zu entlöhnen. Aber was genau ist eine Tätigkeit, welche ‚menschliche Bedürfnisse befriedigen‘ soll, wie es in jedem Lehrbuch der Ökonomie steht?

        Dazu ein Link aus einem hochinteressanten Gespräch zw. Gedächnistrainerin Martha Beéry u Theologin Ina Prätorius, die im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung dies in einem umfangreichen Essay publizierte mit dem
        Titel «Wirtschaft ist Care».
        http://www.antidotincl.ch/images/Ausgabe_12/Antidot_24.pdf – auf Seite 10.

      • Sportpapi sagt:

        Caro, die Frage ist insofern berechtigt, als es doch gröbere Abgrenzungsprobleme gibt. Also der eigene Haushalt nicht, die eigenen Kinder wohl auch nicht. Aber die pflegebedürftigen Eltern? Grosseltern? Die Tante? Oder nur wildfremde Personen?
        Zum anderen: Entweder ist der Dienst obligatorisch, wie der Militär oder Zivildienst für die Männer heute (bzw. dann die Pflichtersatzzahlung). Dann braucht es doch keine weitere Belohnung. Finde ich eigentlich sehr sinnvoll.
        Oder aber du plädierst für Belohnung, Entschädigung, Anreize. Da bin ich eher skeptisch. So oder so würde die Tätigkeit eben auch einiges verlieren, was den Reiz von Freiwilligenarbeit ausmacht oder zumindest ausmachen kann.

      • Sportpapi sagt:

        Zum Zweiten: Ich kann es mir gut vorstellen, dass es zunehmend schwierig ist, Freiwillige zu finden, gerade in so anspruchsvollen, belastenden Aufgaben. Ich würde mich da auch eher nicht engagieren wollen. Auch, weil ich Freiwilligenarbeit in einem professionell geprägten Umfeld immer kritisch sehe. Warum soll ich da gratis arbeiten, wenn die Leute daneben alle vollen Lohn haben? Warum wird das nicht ganz professionalisiert (und: natürlich kenne ich die Antworten). Dass dabei Probleme auftreten, die du ja beschreibst, ist zu erwarten. Die Profis werden immer die Führung übernehmen. Und das, obwohl gerade das selbstbestimmte, freie Arbeiten eines der Vorteile von Freiwilliegenarbeit ist.

      • Sportpapi sagt:

        Aber der Fakt, dass es schwierig ist, Leute zu finden, steht eben nicht im Widerspruch zu meiner Aussage, dass es immer mehr Freiwillige in immer mehr Freiwilligen-Jobs gibt. Ich gehe davon aus, dass auch im Senioren-/Pflegebereich der Bedarf steigt in Folge Überalterung und Sparmassnahmen. Im Sport gibt es immer neue Sportgruppen, die immer mehr und immer jüngere Kinder betreuen. Gleichzeitig steigen die Ansprüche an die Leiter enorm. Schaut man genauer hin, gibt es zunehmende Probleme, engagierte Leiter und Funktionäre zu finden, aber gleichzeitig immer mehr, die solche Tätigkeiten ausüben.
        Im Sport sind die Freiwilligen übrigens typischerweise 35-45jährige, beruflich voll belastete Männer.

      • Sportpapi sagt:

        Noch zu den politischen Milizämtern. Es gibt verschiedene Gründe, warum die zunehmend schwer zu besetzen sind bzw. mittlerweile gut bezahlt werden. Einer ist, dass viele nicht mehr im Dorf arbeiten und von den Arbeitgebern nicht mehr für solche Ämter (teilweise) freigestellt werden. Wichtiger ist aber glaube ich die enorme Steigerung der Ansprüche was Zeitaufwand (Gemeinderat in meinem Dorf 30-50%) und Professionalität (juristisch korrekte Verfahren) anbelangt. Ausserdem ist der Umgangston rauher geworden. Ausserdem wundere ich mich immer wieder, wie Frauen diese besser bezahlten, mit Prestige verbundenen Ämter meiden und lieber (wenn überhaupt) in Schulpflege oder Sozialbehörde Einsitz nehmen, und dort ganz viel Zeit investieren. Hier wäre viel Potential vorhanden.

      • Sportpapi sagt:

        @WS: Das Gespräch ist zwar interessant, in meinen Augen aber vor sehr theoretisch. Mit ist das egal, ob man die Haushaltsführung oder Care-Arbeit oder Freiwilligenarbeit als „Wirtschaft“ sieht oder nicht. Es hat auch nicht unbedingt etwas mit Wertschätzung zu tun.
        Das Wesentliche ist aber, dass Freiwilligenarbeit nun mal per Definition freiwillig ist. Wer sie nicht leisten möchte, lässt es halt. Und wenn die Arbeit wichtig ist, wird sie spätestens dann professionalisiert.
        Ich bedanke mich bei allen Frauen und Männern, die sich freiwillig und ehrenamtlich in der Gesellschaft engagieren. Sie leisten ganz wichtige Arbeiten. Und ich bedanke mich bei den Ehepartnern, die dafür Goodwill (und Einkommen) aufbringen. Aber: die Welt würde auch ohne Freiwilligenarbeit weiter drehen.

      • Sportpapi sagt:

        Und noch zum Letzten, zum „ist zu entlöhnen“. Einen Lohn gibt es immer dann, wenn man für eine meist vertraglich vereinbarte Leistung die entsprechende Entschädigung erhält.
        Ein „bedingungsloses“ Grundeinkommen ist gerade das nicht, weil es eben keinerlei Leistung voraussetzt. Wäre es gross genug, würde es allenfalls ermöglichen, ohne wirtschaftliche Not sich vermehrt seinen Hobbies zu widmen – das kann Freiwilligenarbeit, die Kunst, der Sport, usw. sein. Aber: Irgendjemand bezahlt das. Es ist nicht anzunehmen, dass nach Bezahlung von Steuern z.B. das Familieneinkommen (bzw. der finanzielle Spielraum) grösser würde als heute. Also weshalb sollte sich etwas ändern? Und vor allem: Immer noch wären verzichten die „Ehrenamtlichen“ auf Geld, das andere gleichzeitig verdienen.

    • Sabine sagt:

      Das BGE wurde von der Schweizer Bevölkerung haushoch abglehnt. Und das ist gut so.
      Die Frauen hier, die sich einen Sugardaddy wünschen, können sich einen angeln. Und sich von ihm privat finanzieren lassen.

      • Carolina sagt:

        Na, Sabine, hat es Sie erleichtert, wieder mal einen zusammenhanglosen Kommentar hinzurotzen?

      • Adina sagt:

        Sabine, wie meinen Sie das jetzt, in diesem Kontext?

      • Widerspenstige sagt:

        Sabine, das ist der offizielle Teil, der inoffizielle wäre haushoch angenommen worden. Es wurde gezielt im Vorfeld ins Lächerliche gezogen und in Grund und Boden verflucht. Wieso? Weil es 2/3 Frauen begünstigt hätte, welche vorwiegend Care-Arbeiten verrichten. An der Arena vom 27.04.2012 wurden nur Männer eingeladen und der Titel entsprechend entwertend gesetzt. Die Marketingmaschine wurde äusserst effizient angeworfen und den Initianten genügend Steine in den Weg geworfen. Es wäre eine Anpassung gewesen an eine himmelschreiende Ungerechtigkeit in Helvetien. Sind Frauen generell masochistischer eingestellt hier oder dümmer als der Rest Westeuropas? Ich glaube nicht, aber sie werden über den Tisch gezogen, damit es ganz wenigen weiterhin gut gehen soll. Aufwachen!!

      • Widerspenstige sagt:

        Wer in einem Haushalt unbezahlt
        den Haushalt macht,
        wird mit Naturalien bezahlt –
        Kost, Logis, Kleidung, Hygiene –
        artikel, Ferien. Und sie (oder
        manchmal auch er) bezahlt
        wiederum mit existenzieller
        Abhängigkeit – so wie ein
        Kind. Das ist für erwachsene
        Menschen unwürdig.

        (gez. von Louise aus der Kampagne für ein Grundeinkommen, Rubrik JEKAMI Seite 37)

      • Adina sagt:

        Liebe WS, macht also erst das Geld verdienen eine Frau zum würdigen Menschen?
        Eine Vollzeitmutter einer Nanny und einer Putzfrau und einer Prostituierten gleichstellen in dem man ihr Lohn zahlt, ist das angemessen?
        Mein Mann arbeitet auch so viel er kann im Haushalt, bekommt auch kein Geld dafür.
        Eheleute sind von einander abhängig, die Abhängigkeit ist keineswegs einseitig, und das ist so in jeder Gesellschaft dieser Welt. Das merkt mal wohl bei der Scheidung, und dass ein BGE zu einer erhöhten Scheidungsrate geführt hätte ist mMn naheliegend. Das wäre für die involvierten Kinder suboptimal.

      • Widerspenstige sagt:

        Adina, ich betone, dass Care-Arbeit wie Haushaltführung, Kindererziehung und -betreuung etc. eine äusserst wertvolle Tätigkeit darstellt und ich mehr als dankbar bin, dass diese immer noch ausgeführt wird. Vollamtlich von Frauen und wie Sie es tun, sich die Freude daran nicht nehmen wollen. Um das geht es mir weniger, sondern um die Wertschätzung in monetärer Form vom Staat via Erwerbsersatzordnungsversicherung EO. Wir leben nun mal in einem kapitalistischen Land und da wird ALLES in Zahlen/Wert/Gewinn aufgeworfen.

        Ja, tut mir leid, aber das ist Fakt: was nichts kostet, ist nichts wert. Wollen Sie nichts Wert sein in so einem Staat? Wollen Sie weniger Wert sein als eine Kuh oder ein Schaf, welches eine ‚Herdprämie‘ erhält für seine Existenz? DAS ist die Frage der Fragen, liebe Adina.

      • Sportpapi sagt:

        @WS: Du willst also, dass Frauen, die dem Mann vollzeit den Haushalt führen, von der Gesellschaft über EO finanziell entschädigt werden?
        Ich glaube, du hast dich in dem Thema vollständig verrannt. Ich bin nicht der Meinung, dass nur etwas wert ist, was bezahlt wird. Denn noch schlimmer als keine Bezahlung ist eigentlich eine tiefe Bezahlung: Du hast beim Hausfrauenlohn ja gelesen, dass es um 20 Franken pro Stunde gehen soll… Und natürlich macht man sich noch mehr abhängig, sobald eine Bezahlung ausgerichtet wird. Dann gibt es nämlich einen Auftrag, eine Arbeitszeiterfassung, womöglich noch ein Mitarbeitergespräch – und einen Chef!
        Ausser eben es handelt sich um eine Giesskannenentschädigung, bei der engagierte Menschen gleich viel bekommen wie die, die den Tag im Liegestuhl sind.

  • Loz Ärni sagt:

    Und für den Sex soll die Ehefrau dann wohl auch noch Geld kriegen?

    Ich würde mich als Ehefrau seltsam fühlen. Und überhaupt ist wirklich alles mit Geld begleichbar – und ist das wirklich der Sinn einer Familie.

  • Adina sagt:

    Ein Hausfrauenlohn ist genau so unsinnig wie die Vorstellung einer Welt ohne Geld. Also unsinnig.
    Aber es stimmt, mit Geld muss man umgehen können.
    Was abgeschafft gehört ist die dumme presence time und Versklavung Kultur (zB in der Finanzbranche) dann gäb’s mehr berufstätige Eltern sprich weniger Hausfrauen, wobei Eltern bekanntlich sehr effizient arbeiten können.
    Mein Mann behauptet dass seinen Lohn wir beide zusammen verdienen, weil ich ihm zuhause unterstütze. Diese Wertschätzung reicht mir als Lohn.

  • Annalou sagt:

    Völlig jenseits. Als Mutter (und Vater) und Hausfrau für das Wohl der Familie zu schauen ist wichtig. Aber sorry, das ist doch kein echter Job (bei weniger als 3 gesunden Kindern). Das mache ich auch einfach neben meinem 70% Job. Viele Frauen wollen sich einfach nicht den Zwängen der Wirtschaft aussetzen und hypen das Hausfrauentum total. Aber am Ende ist es einfach ein Luxusphänomen, welches dann zurecht geredet wird.

  • 13 sagt:

    Vielleicht macht mich die Hitze auch etwas weich und naiv, aber wäre es nicht sinnvoller, sich einfach mal zwischendurch beim Partner zu bedanken für das, was er für die Familie tut, sei es der Haushalt und die Kinderbetreuung, sei es die Erwerbsarbeit und daneben, das finde ich sehr wichtig, immer mal wieder zu überprüfen, ob für beide die Aufteilung so noch stimmt und halt etwas anzupassen, wenn einer unglücklich ist oder sich nicht wertgeschätzt fühlt?

    Ja, aus der Sicht der Sozialversicherungen wäre es vielleicht sinnvoll, zusätzliche Beiträge zu haben, aber die meisten Einverdienerfamilien, könnten sich das doch gar nicht leisten, sondern brauchen das Geld eher für den täglichen Bedarf brauchen. Sinnvoller wäre doch, dass Hausfrauen/-männer auch 3a-Beiträge leisten könnten.

    • Sportpapi sagt:

      „Aber wäre es nicht sinnvoller, sich einfach mal zwischendurch beim Partner zu bedanken für das, was er für die Familie tut, sei es der Haushalt und die Kinderbetreuung, sei es die Erwerbsarbeit.“ Richtig. Ich habe allerdings die Forderung nach einem Hausfrauenlohn auch noch nie von einer Hausfrau gehört. Die wissen schon, dass das gar nicht in ihrem Sinne wäre. Solches kommt immer von Aussenstehenden.

      • 13 sagt:

        Ich habe diese Forderung überhaupt noch von niemanden ernsthaft gehört.

      • Reincarnation of XY sagt:

        13 – und diese Forderung gehört nun zum „Best of Mamablog“ !

        Ich glaub, der einzige Grund warum wir hier sind, ist der, weil wir uns alle so gut mögen, inklusive ML, der uns mit seinen bereichernden Theorien immer wieder den Tag versüsst. An den Ausgangstexten kann es definitiv nicht liegen.
        Wobei, die Werbung von „Frauengold“ ist einfach nur Spitze. Vor allem der attraktive Ehemann, stellt alles in den Schatten. (Wer würde nicht für einen solchen alles geben.)

      • Franz Vontobel sagt:

        Wobei, die Werbung von „Frauengold“ ist einfach nur Spitze.

        Wow, ohne Werbeblocker auf einer Newsnet-Site unterwegs… dass sie da überhaupt die Texte noch finden…

      • 13 sagt:

        @ RoXY
        „Ich glaub, der einzige Grund warum wir hier sind, ist der, weil wir uns alle so gut mögen, inklusive ML, der uns mit seinen bereichernden Theorien immer wieder den Tag versüsst.“

        Irgendwie habe ich den Verdacht, dass Sie heute auch etwas von diesem glücklichmachenden Frauengold probiert haben….

      • Reincarnation of XY sagt:

        13 – würde ich ja – aber es ist ein „Beruhigungsmittel für Frauen“, da darf Mann leider nicht zugreifen

        aber sie haben recht: bin gesundheitlich etwas angeschlagen und stehe unter Drogen… muss wohl ähnlich wirken wie Frauengold.

        Tipp: es gibt noch weitere Clips im Netz… da sieht man dann noch die hysterische Kundin und die hysterische Sekretärin… leider geil.
        Ja, ja früher wusste man noch, warum gerade Frauen ein solches Beruhigungsmittel brauchen. (Sahen übrigens Platon und Augustin ganz ähnlich. Und seit denen hat die Menschheit ja nichts substanzielles mehr dazu gelernt.)

      • 13 sagt:

        @ RoXY
        In dem Fall wünsche ich gute Besserung.
        Und guten Entzug anschliessend 😉

  • Philipp M. Rittermann sagt:

    „Was halten Sie von einem Hausfrauen- bwz. Hausmännerlohn?“ – nichts. „Und wie würden Sie reagieren, sollte Ihr Partner, Ihre Partnerin eine derartige Vereinbarung vorschlagen?“ – austauschen.

  • Muttis Liebling sagt:

    Die Idee stammt so typisch aus einem neoliberalen Kontext, dass es nicht verwundert, von Frauen aus dem Umwelt Sartres sehr dediziert abgelehnt zu werden. Die Tendenz sollte genau in die Gegenrichtung gehen, wir versuchen immer mehr Beziehungen zwischen Menschen, auch den Tausch Waren und Dienstleistungen, ohne Einsatz des präkriminellen Elementes Geld zu regeln.

    Geld ist vor 5000 Jahren in die Welt gekommen und hatte seine Funktion. Jetzt muss es verschwinden, weil es sich verselbständigt hat, anstatt als Tauschmittel ist es selbst zur Ware geworden und verursacht aus dieser Zweckentfremdung heraus immer heftigere globale Krisen.

    So kennen wir inzwischen Tauschringe, gut geeignet für Haushaltshilfen, Genossenschaftsmodelle und open source in der Schlüsselbranche Informatik.

    • Lucrecia sagt:

      Lieber ML,
      Sehr treffend dargelegt.
      Traurig ist, wenn sogar innerhalb der Familie Leistungen gegen Geld ausgetauscht werden.
      Zur Bibel: Ich wünsche, das Thema Religion würde mal hier behandelt. Ich denke, auch ohne Glaube ist es unabdingbar, die Bibel zu kennen. Sei es nur, um Musik- und Kunstwerke, Feste und Traditionen zu verstehen, aber auch grundsätzlich, damit Kinder wissen, wo wir kulturell herkommen (Wurzeln unserer Zivilisation). Mich würde es interessieren, wie die MB-Leser dies in ihrer Familie handhaben. (Ob Taufe, wann? Ob Katechismus? Ob Oekumenismus?)

      • Franz Vontobel sagt:

        Religiöse Indoktrination von Kindern ist eine Form von Kindsmisshandlung.

      • Reincarnation of XY sagt:

        das Thema wurde hier schon behandelt Lucrecia

        zur Zeit ist Sommerpause – es werden nun die Themen hochgeladen, die seinerzeit für viele Kommentare gesorgt haben

        Grundsätzlich begrüsse ich ihre Haltung zur Religion, allerdings bin ich doch einigermassen schockiert mit welchem Unsinn unsere Kinder in der Schule konfrontiert werden – so werden sie unsere Kultur nicht besser verstehen. Märchenstunde ohne objektive Distanz. Würde es wenigstens im O-Ton vermittelt…! Aber nein, es handelt sich um politisch korrekte Neuerfindungen: alles lieb – alles „Plausch“. Mit unserer Kulturgeschichte hat das nicht das aller geringste zu tun.

        ML – sie vergassen noch Platon und das Gilgamesh Epos zu erwähnen. Dort kommt „Manager“ auch nicht vor. Oh welch Weisheit, oh welch Argument!

      • Muttis Liebling sagt:

        Danke für die Ergänzung RoXY. Man kann verallgemeinernd sagen, dass die beiden Rollen ‚Hausfrau‘ und ‚Manager‘ sich sehr ähnlich sind: Es gibt sie nur sehr kurz in der Sozialgeschichte des Menschen und an nur sehr wenigen Orten. Typische Artefakte also.

        Die Kinder der nächsten Generation werden beide Begriff nie kennenlernen, es sei denn. sie studieren später Sozialgeschichte und lächeln über die Beschränktheit ihrer Grosseltern- Generation.

      • 13 sagt:

        @ RoXY
        „das Thema wurde hier schon behandelt Lucrecia“

        Stimmt. Der letzte entsprechende Beitrag ist ja nur 4 Jahre her. 😉

      • Alpöhi sagt:

        Lucrezia, eigentlich genügt hier Jeremias Gotthelf (aka Pfarrer Albert Bitzius): „Zu Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland.“ Denn nicht beim Staat, nicht in der Schule, nicht in der Krippe, sondern zu Hause lernen die Kinder, wie man sich liebevoll kümmert und Verantwortung übernimmt (und auch mal barmherzig fünf gerade sein lässt).

        Der heute diskutierte Hausfrauenlohn ist Unfug. Und zwar, weil er die weitere zer-individualisierung fördert statt die (häusliche) Gemeinschaft, und das Problem der gesellschaftlich fehlenden Anerkennung der Familienarbeit trotzdem nicht löst.

    • Sportpapi sagt:

      Ich finde beispielsweise auch, Ärzte sollten ohne Lohn arbeiten. Nein, eigentlich ist sogar arbeiten das falsche Wort – heilen! Die Wunder, die da vollbracht werden sollten doch eigentlich Belohnung genug sein.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Ich finde man sollte einfach zurück zur guten alten 4 Säfte-Lehre. Weil seither ist ja substantiell nichts neues mehr dazu gekommen. Auch Karl Marx ist letztlich nur ein Neuanwendung der 4 Säfte-Lehre. Oder eher … die Dreiteilung der Gesellschaft – inklusive geistiger Zensur? Das ist ja sowieso das Intelligenteste, was Menschen punkto Staatswesen je theoretisiert haben. Neben dem alles weitere nur „Fussnoten“ oder eitles Geschwätz ist.
        So sieht profunde Wissenschaft aus.

      • Muttis Liebling sagt:

        Die meisten Ärzte arbeiten auch nicht für Lohn, sondern für ein Gehalt. Gäbe es das BGE, wäre auch das nicht notwendig. Das Gehalt, nicht der Lohn, ist derzeit das beste Substitut für die bessere Lösung BGE und kann demnächst dann tatsächlich verschwinden. Nicht nur für Ärzte. Den Lohn aber wird es noch eine Weile länger geben.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Den meisten Ärzten ist es egal ob sie Lohn oder Gehalt bekommen, nicht egal ist ihnen lediglich die Höhe.
        In sozialistischen Ländern, in denen ihr Gehalt tendenziell eher tief ist, floriert sodann auch die Praxis, dass der Patient, dem Arzt noch ein „Kuvert“ mitbringt. Darin ist !!!! Geld !!!! enthalten. Die Höhe des Betrags variiert je nach Eingriff. Weltweite Realität die sich schon längst vor dem „Neo-Liberalismus“ etabliert hat. (Kommt dieses Wort eigentlich in der Bibel oder bei Platon vor? Ich frage nur, weil sie es erwähnen. Heute wird dieses Wort ja von Ungebildeten inflationär als Grund jeglichen Übels genannt. )

      • Sportpapi sagt:

        Ich möchte ja die Ärzte sehen, die mit dem Grundeinkommen zufrieden wären. Warum streiten die denn ständig wegen Geld, obwohl doch alle mehr als genug (zum Leben) bekommen? Für mich tönt das nach „über Geld spricht man nicht, das hat man…“

      • Muttis Liebling sagt:

        Da die Berufsgruppe der Ärzte derzeit nicht zum moralisch wertvollen Teil der Bevölkerung gehört, ist den meisten tatsächlich egal, ob Lohn oder Gehalt, Hauptsache es ist viel. Das BGE gehört nicht in den Kreis des Erstrebenswerten.

        Gesundheitspolitisch aber ist es wünschenswert, dass Ärzte und med. Einrichtungen niemals entlohnt, sondern immer nur leistungsunabhängig fix vergütet werden und dies so gering, dass am Ende nichts zum Sparen übrig bleibt.

        Mit anderen Worten, wer mit Lohn reich werden will, sollte in die Wirtschaft gehen, wer moralisch handelnd sein Leben verbringen will, darf nicht reich werden (wollen) und arbeitet fix und knapp vergütet im hoheitlichen Sektor.

        Das ist meine gesellschaftliche Wunschvorstellung.

      • Franz Vontobel sagt:

        Ach, zum Glück hat ihre „gesellschaftliche Wunschvorstellung“ nichts mit ihrer Realität zu tun – gemäss eigenen Aussagen sind sie ja bloss hier in der Schweiz (wo’s ja sooooo furchbar ist), weil’s hier mehr Kohle abzuschöpfen gibt als anderswo…

        Schon praktisch, diese strikte Trennung zwischen virtueller Persona und realem Abzocker. Man könnt’s auch Geheuchel nennen…

      • Sportpapi sagt:

        Tatsächlich werden immer wieder mal Jobs, die mal als „Berufung“ versteht, schlecht entlöhnt. Und zunehmend nur von Frauen ausgeübt… Ob das allerdings ein wirksames Rezept ist. Ärztemangel, Lehrermangel, Mangel beim Pflegepersonal etc. sprechen eine andere Sprache.

      • Katharina sagt:

        ‚wer mit Lohn reich werden will, sollte in die Wirtschaft gehen‘

        es gibt tatsächlich noch Leute, die daran glauben als Salaryman bzw -woman reich zu werden.

      • Katharina sagt:

        ‚Und zunehmend nur von Frauen ausgeübt‘

        Evidenz oder Quelle für solche misogyne Aussagen?

      • Sportpapi sagt:

        Katharina: Man lese bei bewegten Frauen nach. Die angeführten Tätigkeitsfelder Schule, Medizin, Pflege kannst du selber nachvollziehen. Und mysogyn ist hier gar nichts. Es beschreibt nur die Realität.

  • Lucrecia sagt:

    „Manager“ finden nur Ehrgeizlose sexy. 😉
    Wer zählt, versteht, was ich meine.

    • Muttis Liebling sagt:

      Allein der Begriff ‚Manager‘ in einer Stellenbeschreibung wäre mir Grund genug, ob dieser nur die Nase zu rümpfen. Eine Frau, welche sich ‚Managerin‘ nennt, hätte auch keine Chance an meiner Seite, privat genau so wenig wie im Beruf.

      In der richtigen Welt braucht man keine Manager, in der Bibel gibt es das Wort nicht, bei Karl Marx auch nicht.

      • Sportpapi sagt:

        Vermutlich gibt es noch viele Berufsbezeichnungen, die nicht in der Bibel stehen, oder die vor 150 Jahren noch unbekannt waren. Und umgekehrt. Relevant ist das allerdings nicht.

      • Muttis Liebling sagt:

        ‚Manager‘ ist keine Berufs-, sondern eine Jobbezeichnung. Bei Berufen handelt es sich im Regelfall um Arbeitstätigkeit, während Manager meist eine Erwerbstätigkeit ohne Arbeit verrichten.

      • Sportpapi sagt:

        @ML: Auf Ihre spezielle Definition von Arbeit bin ich dann mal gespannt. Braucht es dazu Schweiss und Anstrengung? Kein Steuern, lenken, leiten, organisieren?

      • Muttis Liebling sagt:

        @SP, das hatten wir schon öfter. Arbeit ist zielgerichtete menschliche Tätigkeit, welche den Grad der Organisiertheit im Umfeld des Arbeitenden erhöht, mit materieller Wertschöpfung verbunden ist.

        Haushalt und Kindererziehung sind Arbeit, ein Stück Holz schnitzen ist Arbeit. Geld verleihen, Werbung betreiben, Berufssport, Krieg führen sind keine Arbeit.

        Es gibt Erwerbstätigkeit mit und ohne Arbeit, wobei ohne Arbeit tendenziell besser verdient und Arbeit mit und ohne Erwerb. Erwerbstätigkeit und Arbeit sind zwei sog. orthogonale Begriffe, d.h. vollständig unabhängig voneinander und rekombinierbar, wie auch Staat und Nation.

      • Sportpapi sagt:

        ML, da kann ich nicht folgen. Ein Stück Holz schnitzen ist in aller Regel brotlose Kunst. Eine Firma leiten, Arbeitsprozesse organisieren ist hingegen genau das: “ zielgerichtete menschliche Tätigkeit, welche den Grad der Organisiertheit im Umfeld des Arbeitenden erhöht, mit materieller Wertschöpfung verbunden ist.“

      • Markus Schneider sagt:

        „Haushalt und Kindererziehung sind Arbeit, ein Stück Holz schnitzen ist Arbeit. Geld verleihen, Werbung betreiben, Berufssport, Krieg führen sind keine Arbeit.“ Das ist vor allem eine sehr moralische Ansicht. Ich mag Geldverleiher, Werber und Sportler zwar auch nicht. Krieger nur dann, wenn sie für meine Ideale kämpfen. Aber wirklich durchdacht ist Ihre Definition leider nicht. Warum nicht einfach Wikipedia: „Arbeit im Sinne der Betriebswirtschaftslehre ist jede plan- und zweckmäßige Betätigung einer Arbeitsperson in körperlicher und geistiger Form, die dazu dient, Güter oder Dienstleistungen zu produzieren.“ Da sind auch Geldverleiher, Werber, Sportler und Krieger mitgemeint. Dienstleistungen! Arbeit klingt zu sehr nach schaffen.

  • Sportpapi sagt:

    Jawohl. Wir teilen alle Ausgaben und Aufgaben auf. Ich bin also für 50 Prozent Einkommen sowie 50 Prozent Haushalt und Kinderbetreuung zuständig. Wenn meine Frau zu Hause bleibt, bekommt sie von mir den marktüblichen Lohn für 50 Prozent Haushalt und Kinderbetreuung. Ich glaube nicht, dass das reicht, um ihren Teil (50%) des Familieneinkommens aufzubringen. Aber das kann sie ja später zurückzahlen…

    • Joerg Hanspeter sagt:

      Sie sind aber auch ein kleinlicher Rechner 🙂 Dass Frau auch für 50% der Gesamtkosten aufkommen müsste, wird jeweils elegant ausgeblendet. Man geht davon aus, wieso weiss ich nicht, dass der Frau 50 % des Einkommens des Gatten gehört. Gleichzeitig geht man dann von der Annahme aus, dass die Hausfrauenarbeit einer Arztgattin mehr wert ist, als Hausfrauenarbeit einer Arbeitergattin. Ich habe das mal mit einer Freundin durchdiskutiert. Das Ergebnis war, dass ich wahrscheinlich 100% arbeiten würde und für meine 50% Haushalt eine Haushalthilfe einstellen würde. Meine Freundin dagegen hätte dann etwa 80 % arbeiten müssen, wenn sie ihren Teil der Haushaltarbeit selber gemacht hätte, andernfalls etwa 130%.

      • Sportpapi sagt:

        Eben. Einmal durchrechnen hilft meist, um den Unsinn als solchen zu erkennen. Setzen wir doch mal die 20 Franken brutto ein, die vorgeschlagen werden.
        Ach ja, und wenn ich mit der Arbeit meiner Frau nicht zufrieden bin, kündige ich fristgerecht und vergebe den Job neu…

      • 13 sagt:

        @ Sp
        „Ach ja, und wenn ich mit der Arbeit meiner Frau nicht zufrieden bin, kündige ich fristgerecht und vergebe den Job neu…“

        Das hingegen wird schon mal gemacht, die Kündigungsfrist beträgt einfach zwei Jahre ab Freistellung….ich helfe gerne beim Kündigungsschreiben 😉

      • Sportpapi sagt:

        @13: Sie wollen doch in der hier gepflegten materialistischen Sichtweise nicht die gut funktionierende Beziehung mit der banalen Aufgabenerledigung zu Hause in Beziehung setzen…

  • Chris Stoffer sagt:

    Das Gehalt der Frau nennt sich Essen und ein Dach über dem Kopf. Frau sollte halt den Finger aus dem Arsch nehmen, dass sie sich ein Mann ergattern kann, der sämtliche finanzielle Sorgen Vergangenheit sein lässt. Ab ins Fitness statt vor dem TV chips hineinstopfen.

    • Franz Vontobel sagt:

      Lassen sie mich raten: Frauen wollen aus völlig unerklärlichen Gründen nichts mit ihnen zu tun haben, und das macht sie wütend! Oh, soooo wütend!

      • Philipp M. Rittermann sagt:

        aber ganz unrecht hat er nicht, der herr stoffer. feminismus muss man(n) sich erst leisten können.

  • sandro sagt:

    Weshalb? Meine Frau weiss, dass das Geld das ich nach Hause bringe, uns beiden gehört. Wäre doch komisch wenn ich ihr davon einen Lohn bezahlen würde? Wenn wir heiraten würden ohne die Option schich scheiden zu lassen, sondern mit der Gewissheit und dem gegenseitigen Vertrauen, dass man an der Ehe arbeitet und Lösungen zu Problemen gemeinsam sucht und findet, dann ist das doch unnötig und total merkwürdig? Dazu kommt, dass eine Frau doch einen gesunden Selbstwert an den Tag legen soll der ihr sagt, dass sie genau gleich viel Wert ist wie ein Mann, egal ob sie zu Hause oder auf der Bank arbeitet. Weshalb macht man solche Dinge so kompliziert?

    • Angelika Maus sagt:

      „Dazu kommt, dass eine Frau doch einen gesunden Selbstwert an den Tag legen soll “ – heisst: sie soll sich fühlen, wie jemand der für seine Arbeit bezahlt wird, obwohl sie es nicht wird.

      • Sportpapi sagt:

        Nö. sie soll sich fühlen wie jemand, der eine wertvolle, sinnstiftende Arbeit leistet.

      • Katharina sagt:

        richtig. Der Papst sportivus schreibt ein vatikanisches Edikt, dass Waschmaschine, Staubwedel und anderes mondän weltlich Alltägliches ‚wertvolle, sinnstiftende Arbeit‘ sei.

        Frau soll gefälligst im Kabinett neben dem Staubsauger gebenedeit sei der verstaubte Haushalt dreimal stöhnen und dann Ruhe geben.

        Mann ist ja schon am sinnieren des nächsten Ediktes am heiligen Stab.

      • Angelika Maus sagt:

        @ Sportpapi: Wenn diese Arbeit so wertvoll ist, warum wird sie dann nicht bezahlt? Wie würden Sie reagieren, wenn ihnen ihre Chefin bei der nächsten Lohnverhandlung sagt, ihre Arbeit sei so wertvoll und sinnstiftend, dass sie auf ein höhers Gehalt verzichten können?

      • Sportpapi sagt:

        Sie ist bezahlt. Oder was glaubt ihr, wovon die Hausfrauen leben?
        Katharina, bringst du wieder mal keinen verständlichen Beitrag hin? Der Sportler schreibt hier gar nichts vor. Wenn eine Frau als Hausfrau und Mutter zu Hause bleibt, dann in der Regel aus eigenem Antrieb. Und kritisiert – weil sie ja nichts Wertvolle leiste – wird sie in der Regel nicht vom Sportler, nicht von Männern, sondern von ihren bewegten Geschlechtsgenossinnen, die dann im nächsten Satz wieder darüber chlönen, dass halt diese Tätigkeiten so wenig Prestige hätten…

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