Alles Gute zum Gebärmuttertag

Mamablog

Kleine Basteleien erfreuen die Mütter, auch wenn sie nicht freiwillig entstanden sind. Foto: Tatyana Tomsickova (iStock)

Am Sonntag ist es wieder mal so weit. Dann werde ich die Kresse-Igel und Galakäsli-Schmuckschachteln mit bunt bemalten Hörnli und Glitzer drauf vermissen. Seit die Kinder in der Schule nicht mehr eifrig und freudig zwangsbasteln, ist der Muttertag zwar noch nett. Ich werde auch meine Mutter anrufen und alles. Aber das Ganze ist schon etwas flau geworden, bedeutungsarm.

Schliesslich hat mittlerweile jeder noch so winzige Vogel, jede Baumsorte und jede Krankheit ihren eigenen Tag. Der einzige Unterschied besteht darin, dass vom Muttersein mehr Menschen betroffen sind als zum Beispiel vom Überleben des Feldspatzes. Und dass die Leute für Mütter darum nennenswerte Summen ausgeben. Uns Blumen kaufen, Schöggeli, eventuell ein schickes Unterhöschen oder sogar einen Znacht in der Beiz («Damit du heute mal nicht kochen musst, wohooo!»).

Ich will ja nicht undankbar sein und zynisch auch nicht unbedingt. Aber mal Hand aufs Herz. Wenn wir schon der Mütter gedenken wollen, dann reicht ein Tag pro Jahr dafür auf keinen Fall aus. Ich spreche da nicht für mich, obwohl ich wie alle gerne Huldigungen entgegennehme. Doch bin ich weder unterdrückt, noch habe ich eine Tonne Kinder, die ich kaum zu ernähren oder medizinisch zu versorgen weiss, noch werde ich beruflich ausgebeutet beziehungsweise erledige das gleich selbst.

In Anbetracht dessen, was Mütter in der Welt leisten, bräuchte es darum mindestens folgende Tage:

Tag der Mutterhände und -arme: Sie wickeln, streicheln, putzen, schleppen und umarmen, was das Zeug hält. Sie ernten Felder ab, knüpfen Teppiche, tippen, nähen, zeichnen Pläne etc.

Tag der Mutterbrüste: Lachen Sie nicht. Dafür hätten wir mindestens eine Woche verdient. Wir locken damit immerhin den potenziellen Vater an und bringen ihn in Stimmung, die Welt aktiv zu bevölkern. Später ernähren wir damit die Früchte dieser Mühen und nehmen in Kauf, dass dieses mächtig-prächtige Geschenk der Natur als Folge in die zweite Liga absackt.

Tag der Mutterherzen: Damit lieben wir die Väter unserer Kinder leidenschaftlich und herzlich, unsere Kinder abgöttisch. Wir sorgen uns damit nächtelang, spüren, wie es sich zusammenzieht, wenn die Wohnungstür zu spät aufgeht, kein Anruf kommt oder einer, der uns sprichwörtlich das Herz bricht. Sei es, weil ein Kind gestürzt ist, Liebeskummer hat oder fremde Wohnzimmer vollgekotzt hat. (Kommt in fast jedem Alter vor…)

Tag der Gebärmutter: Da wollen Sie nicht wirklich die Details dazu, oder?

Tag des Mutterbauches: Siehe oben kombiniert mit dem letzten Satz zu den Mutterbrüsten.

Tag des Muttermundes (natürlich jenen im Gesicht): Wir Mütter sprechen damit Trost aus, erzählen Geschichten, singen Lieder und schelten, wo wir oft lieber trösten würden – weil wir erziehen müssen, damit unsere Kinder uns eines Tages verlassen können. Obwohl wir das doch eigentlich gar nicht wollen. Aber weil wir Mütterherzen haben, tun wir es dennoch.

Last but not least at all:

Tag des Mutterhirns: Damit koordinieren wir all diese Jobs unserer Körperteile und unserer Seele sowie die Socken, Hausaufgaben, Anforderungen unseres Berufs, die erschütternden Nachrichten aus aller Welt und ihre Bedeutung für unseren Nachwuchs. Wir verarbeiten damit Sorgen, Nöte, Pläne, Finanzengpässe und Wolkenschlösser der ganzen Familie.

Sie sehen: So ein einzelner Muttertag mit einer Schachtel Pralinés ist nüchtern betrachtet unanständig uns gegenüber. Aber wir sind auch fidele Opportunistinnen. Drum: weiter beschenken, bitte. Und gern auch mehr als einmal pro Jahr, am liebsten überraschend. Ist ein gutes Geschäft. Wir werden euch weiterhin täglich verwöhnen, mit oder ohne Geschenk.

Und wer jetzt sagt: Aber die Väter heute und so … ja, ja, Jungs, das stimmt schon. Aber am Sonntag ist nun mal Muttertag und nicht Vatertag, sorry.