Das braucht es, damit ich heiraten würde

Couples in the crowd during the Midsumma Festival Gay and Lesbian Commitment Ceremony in Melbourne, Australia, Sunday 15 February 2004. Midsumma Festival president Kris Darmody said that as well as expressing love, Summa Vows would be a protest to demand that gays and lesbians be given the same legal rights as heterosexual couples. It was estimated that around 300 couples participated, making it, according to organisers of the event, the world's largest commitment ceremony. (KEYSTONE/EPA/STUART MCEVOY) === AUSTRALIA OUT, NEW ZEALAND OUT ===

Lesbische Paare bei einer Commitment Ceremony in Melbourne, Australien. Foto: Stuart Gevoy (Keystone)

«Nein, wir sind tatsächlich nicht verheiratet!» Obwohl die Mutter meiner Kinder und ich seit zwei Jahrzehnten liiert sind, Leute am Telefon verwirrt reagieren, wenn ich mich mit meinem Nachnamen melde und der Nachwuchs in regelmässigen Abständen anfragt, ob wir denn nicht endlich auch mal heiraten wollen, haben wir uns bislang nicht getraut. Das heisst, trauen würden wir uns schon. Es ist auch nicht so, dass ich die Ehe grundsätzlich als spiessigen Sargnagel für jede halbwegs erfolgreiche Beziehung betrachten würde. Für mich heisst das: Du und ich, das ist der Plan. Manchmal wird er wie geschmiert laufen, und manchmal werden wir ihn für vollkommen sinnlos und gescheitert halten, aber wir tun, was wir können. Bis es nicht mehr geht oder einer umfällt. Gut, der Papierkram wegen der Kinder und die Nachfrage, ob meine Liebste sich wirklich mit «DEM da» das Sorgerecht teilen will, die ihr auf dem Jugendamt in meinem Beisein gestellt wurde, blieben mir damit auch erspart, aber ich wollte ja romantisch werden.

Ich kann mich also für die Ehe durchaus erwärmen. Bis auf weiteres wird das aber trotzdem nichts. Stattdessen warte ich auf den Tag, an dem die Ehe vollständig für Lesben und Schwule geöffnet wird. Diese Institution ist einfach um so vieles cooler, wenn sie nicht dazu instrumentalisiert wird, Menschen ihre Bürgerrechte vorzuenthalten. Denn darum geht es. Nicht etwa darum, dass irgendwelche Religionsvereine dazu genötigt werden, Menschen zu verheiraten, die nach ihrer Glaubensauffassung nicht verheiratet werden sollten. Das mag mir nicht passen und für viele Gläubige ein fatales Signal sein, muss aber toleriert werden. Der Ausschluss aus einer zivilrechtlichen Verbindung allerdings nicht.

Niemandem wird etwas weggenommen, ausser Diskriminierung geht nichts verloren. Was es jedoch trotzdem gibt sind Bauchgefühle und Unwohlsein. Der Kinder wegen.


Hat in Deutschland für Aufregung gesorgt: Angela Merkels Kommentar zur Homo-Ehe. Quelle: Youtube

Das stellt nämlich das letzte grosse Hindernis dar, welches einer völligen Gleichstellung im Wege steht: Adoptionsrecht. Die Frage, warum man dieses Recht Homosexuellen vorenthält, wird allerdings gar nicht erst mit einer konkreten Antwort gewürdigt. Stattdessen werden Bedenken getragen. Weil man mittlerweile gelernt hat, dass «Die verschwulen uns die Kinder!» und «So etwas gehört sich nicht!» argumentativ nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist, auch wenn solche Sätze noch in viel zu vielen Köpfen stecken. So als hätten heterosexuelle Paare nie homosexuelle Kinder. So als wären Liebe und Verantwortung gleichgeschlechtlich orientierter Menschen gleichsam anrüchig oder zweitklassig. Aber sei es drum:

Ohne Ehe für alle keine Ehe für mich.

whitehouse

Das Weisse Haus in Regenbogenfarben. Foto: Twitter

Das kann man übertrieben, weltfremd, dem Zeitgeist anbiedernd, gutmenschelnd oder was auch immer finden. Letztendlich möchte ich aus altruistischen wie aus egoistischen Motiven gerne in einem Land leben, in dem alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. In dem nicht wegen religiöser oder sonstiger Befindlichkeiten die Würde von Bürgerinnen und Bürgern angetatscht wird und man auch noch die Frechheit besitzt, mit dem Kindeswohl ein zu schützendes Gut herbeizuzitieren, das in homosexuellen Händen ebenso gut aufgehoben ist wie in heterosexuellen. Aber der Tag wird kommen. Die Bigotterie wird einmal nicht das letzte Wort haben. Ich und viele anderen werden landauf, landab «Ja, ich will!» sagen. Und das Bundeshaus wird in Regenbogenfarben grossartig aussehen.