Haushalt – ich liebe dich!


In meinem letzten Papablog («Der Haushalt – Endstation für Verlierer?») habe ich mich über die Geringschätzung der Hausarbeit ausgelassen. Aber ich bin ja kein Wutbürger in ständiger Jammerlaune. Deshalb hier – als positiver Teil zwei – meine 5 Gründe, weshalb ich Hausarbeit liebe.

1. Abwechslung

Das klassische Vorurteil lautet: Hausarbeit ist langweilig.

Ich sage: Der Haushalt – unendliche Weiten. Kochen, Waschen und Putzen sind nur die Spitze des Hausberges. Aber statt noch mehr Redewendungen zu verschandeln, zähle ich Ihnen lieber auf, was der Haushalt nach meiner Definition umfasst:

  • Die Klassiker: kochen, waschen, putzen, aufräumen und ihhh … Siphons leeren
  • Logistik: beschaffen, lagern und entsorgen, von Abfallsäcken bis Zahnseide
  • Kinder: Betreuung, Fütterung, Unterhaltung und Erziehung (s. Haustiere)
  • Haustiere: Betreuung, Fütterung, Unterhaltung und Erziehung (s. Kinder)
  • Gartenarbeit und Umgebungspflege: Je nach Umschwung irgendwo zwischen Parkranger und Salzteigschildli basteln für die Haustür
  • Auto: Servicetermin, Radwechsel und alle zwei Tage Brotkrümel saugen
  • Handwerk: Reparaturen und Umbauten im und ums Haus – der Baumarkt ist das zweite Zuhause der fleissigen Hausfrau und des fleissigen Hausmanns
  • Finanzen: Zahlungsverkehr und Anlage des Familienvermögens inklusive Verwaltung des Fluchkässelis
  • Ferien: Planung und Logistik – Pässe beschaffen, Koffer packen, Katze zum Nachbarn bringen, getöpferten Aschenbecher mit den Umrissen Kretas als Dankeschön für den Nachbarn kaufen

Die vollständige Liste ist lang, aber Sie verstehen das Prinzip, ja? Ansonsten fasse ich kurz zusammen: Der Haushalt bietet mehr Abwechslung als manche Erwerbsarbeit.

2. Freiheit

Vorurteil: Hausarbeit ist von Zwängen geprägt, oder «ich muss unbedingt noch Wäsche waschen!».

Natürlich wird das Kind gelegentlich seinen Hunger zur Sprache bringen. Mit den meisten Hausarbeiten kommt aber eine grosse Freiheit: Hausfrauen und Hausmänner haben keinen Chef und keine fordernden Kunden. Wohl gibt es noch andere Familienmitglieder, aber nach Artikel 1 des ungeschriebenen Haushaltgesetzes gilt: Wer etwas dringend erledigt haben möchte, macht es gefälligst selber. Ausnahmen wie blutende Kinder bestätigen die Regel.

Nicht nur in der Tagesplanung, auch in der Ausführung geniesst der Hausmensch viele Freiheiten. Er kann sich mitunter kreativ austoben, denn wer macht, der entscheidet. Das Prinzip wird in der Berufswelt regelmässig mit Füssen getreten, doch nicht so zu Hause: Wer abstaubt, der dekoriert. Wer kocht, der würzt. Wer gärtnert, bestimmt die Blumen.

3. Herausforderung

Vorurteil: Im Haushalt bin ich intellektuell unterfordert.

Wer sich für Hausarbeit zu hochbegabt fühlt, geht die Aufgabe falsch an. Man kann im Haushalt nie genug wissen: Physik, Chemie, Mechanik, Handwerk, Botanik, Betriebswirtschaft, Recht, Psychologie und Kenntnisse in vielen weiteren Disziplinen sind gefragt. Wer Essig und Chlorreiniger mischt, sollte sich vielleicht besser einen Job im Büro suchen. Oder sich weiterbilden, was der ehrgeizige Hausmann und die ehrgeizige Hausfrau sowieso ständig tun. In jüngeren Generationen gerne mit Video-Tutorials. Wer sich nebenbei ein lukratives Standbein konstruieren möchte, wird gleich selber zum Haushalts-Youtuber.

4. Lebensqualität

Vorurteil: Als Hausfrau/Hausmann verpasse ich etwas.

Im Gegenteil. Hausfrauen und Hausmänner verbringen täglich viel Zeit mit den Dingen, die sie lieben: den Kindern, dem Hund, der Wohnung und dem Auto. Sie müssen sich nicht vorwerfen, sie hätten eine wichtige Lebensphase verpasst, wenn der Hund mit 18 Jahren plötzlich von zu Hause auszieht. Und wenn Sie denken, dass Hausarbeit keine Qualitätszeit sei, dann misten Sie mal gemeinsam mit Ihrem Partner den Keller aus. Sie werden nie mehr in ein Wellnesshotel einchecken.

5. Befriedigung

Vorurteil: Die Hausarbeit ist keine wertvolle Arbeit.

Dabei ist gerade der Zweck der Hausarbeit das Befriedigendste überhaupt. Wer sich um den Haushalt kümmert, hält das Ökosystem Familie aufrecht. Der Hausmann und die Hausfrau sorgen dafür, dass sich alle bestmöglich entfalten können. Dass nichts fehlt, alles funktioniert und sauber ist. Kurz gesagt: Mit der Hausarbeit machen Sie Ihre Familie und damit sich selbst glücklich.

Jobs in Ehren, in denen man Leben rettet oder anderweitig höhere Ziele verfolgt. Aber viele von uns arbeiten dann doch eher für die Kapitalvermehrung eines Eigentümers. Das ist nicht weiter verwerflich, aber intrinsisch definitiv weniger befriedigend, als mit ehrlicher Arbeit direkt der eigenen Familie zu dienen.

Ja, man kann sich die Hausarbeit schönreden oder schlechtreden. Beides funktioniert, und deshalb empfehle ich Ersteres. Früher, zu WG-Zeiten, empfand ich den Haushalt auch als notwendiges Übel, vor allem weil der Mitbewohner dermassen die Polster vollhaarte. Doch mit der Familie hat sich alles gewandelt. Seit Brechti Geburt empfinde ich Hausarbeit als erfüllende, abwechslungsreiche Tätigkeit, bei der ich mich entfalten kann. Nicht zuletzt, weil ich die Aufgabe bewusst lustvoll angehe. Ja, ich liebe den Haushalt. Wirklich!

PS: Können wir bitte bessere Begriffe für «Hausfrau» und «Hausmann» finden? Wenns geht, auch etwas hübschere als «Heimchen» und «Familienmanagerin». Ich freue mich über Vorschläge in den Kommentaren.