Ein Tiroler Alptraum

Mamablog

Hier sind Nerven gefragt: Schlangestehen in den Skiferien. Foto: Jos Dielis/Flickr

Ich steh am Berg. Wie ein Esel. Wie ein Ochs. Tatort Talstation. Wir haben gerade das Schild «8 Minuten Wartezeit» passiert. Mit der linken Hand stemme ich den roten Bob. Modell Alpengaudi. Mit der rechten den original Davoser Schlitten. Samt Aufsatz. Und einem Fell, das ständig auf den nassen Boden zu fallen droht. Unter den Arm eingeklemmt einen Meter Kinderski (Modell Papagallo & Gollo) und ein paar Skischuhe.

Am Drehkreuz drehe ich fast durch. Mein Skipass tief in der Jackentasche gibt nicht an. Und dann, piep, dreht das Drehkreuz plötzlich doch. Der Davoser klemmt. «Papa, wo bisch?» Ich halte den Pass nochmals hin: piep, piep, piep, Doppelbenutzung. Der Ochs in mir schnaubt. Ich spiele mit dem Gedanken, ein krimineller Ausländer zu werden.

Dann sind wir drinnen in der warmen Gondel. Draussen schneit Österreich. Wir befinden uns mitten in Tirols Skidimension. Zu Haus in Serfaus. Familienurlaub vom Schönsten. Supa! Es ist die Hölle, Hölle, Hölle. Und ein Wahnsinn: 100 Prozent Schweizer. So also müssen sich Deutsche auf Mallorca fühlen.

Mein Handy summt. Der «Tages-Anzeiger» meldet, dass sich die Durchsetzungsinitiative voraussichtlich doch nicht durchsetzt. Der erste Lichtblick in diesen Skiferien. In denen ich gar nie Ski fahre. Sondern mir abwechslungsweise mit dem Davoser und dem Bob die Bandscheibe verknackse. Was für ein Alpengaudi.

Fazit nach Tag 2: Unseren ersten Skiferien mit den Kindern droht ein Fiasko. Trotz Viersternfamilienhotel. Trotz 5-Gang-Menüs. Die Dame am Empfang, die das gleiche rot-weisse Muster wie die Vorhänge trägt, hat uns in die einzige Familiensuite ohne separates Kinderzimmer gebucht. Also jeden Abend eine Lektion in Zen: mucksmäuschenstill im stockdunklen Zimmer warten, bis die Kinder (und wir mehr oder weniger auch schon) eingeschlafen sind. Ohmmmmm.

Das nächste Mal wieder Airbnb. Ein zweistöckiges Chalet. Sonst sehe ich das Weiss zwischen dem Rot nicht mehr. Obwohl, das Hallenbad mit Wasserrutsche und Aussenpool würde fehlen. Im Gegensatz zum Zimmerteppich. Damit die Kleinen nach dem Hallenbad nicht einfach den Bademantel in die Ecke schmeissen und füdliblutt darauf spielen, packe ich die Erziehungskeule aus: «Wenn ich dreimal pfeife, kommen die Käfer aus dem Teppich und marschieren direkt in euer Füdli.»

Keine Käfer, dafür Murmeltiere gibt es auf den Skipisten. Murmli, so heisst das omnipräsente Serfaus-Fiss-Ladis-Maskottchen, übernimmt in der Tiroler Skidimension, die richtigerweise Skidisneyland heissen müsste, den Job von Mickey Mouse. Auf der Kinderschneealm schallt jeden Tag das Super-Murmli-Lied aus den Lautsprechern: «Super Murmli, unser Held, der was auf die Bretter stellt!»

Wow. Die Skischule, die ist echt supa gemacht. Und jetzt, am einzigen Tag, an dem die Sonne scheint, erfasse ich langsam auch die ganze Tiroler Skidimension. Nach fünf Tagen Skischule fährt unsere ältere Tochter (5) zum Abschluss ihr erstes Skirennen. Mit leuchtenden Augen kriegt sie eine Medaille samt Murmli-Pass. Ich bin gerührt. Und während wir alle zusammen ein letztes Mal das Super-Murmli-Lied singen, überlege ich bereits, wie ich das nächste Jahr durchs Drehkreuz komme, wenn die kleine Tochter (2) auch Schi foan will.

So viel zum Thema Skiferien. Und wenn ihr am Sonntag nicht Nein stimmt, pfeife ich dreimal.


Après-Ski für die Kleinen: Pistenunterhaltung mit Super Murmli. Video: Porsche Chips/Youtube