Ist der Held das Monster der Guten?

Ein von M.C. Eschers Bild "Relativiteit" inspirierter Legobau.

Ein von M.C. Eschers Bild «Relativität» inspirierter Legobau.

Sind Kinder eigentlich in der Lage, ernsthafte philosophische Gedanken zu fassen? Nein, so herrschte lange die eiserne Lehrmeinung. Ein Kindergehirn sei für ernsthaftes Denken über das Denken kognitiv zu wenig ausgereift, hiess es. Doch nicht einmal die Philosophie bleibt vom Zeitgeist unbeleckt und so liegt die sogenannte Kinderphilosophie heute im Trend. Da gibt es kinderphilosophische Fachtagungen, Kurse, und Seminare, wo Kinder und Fachpersonen sich gemeinsam den ganz grossen Fragen stellen.

Ich kann mir vorstellen, dass viele Eltern das Angebot gerne in Anspruch nehmen, denn oftmals lässt uns das kindliche Wissensbedürfnis in seinem Totalitätsanspruch verzweifeln. Mit Kant müssen wir uns aber fragen: Was soll ich Angesichts dieser schönen neuen Möglichkeit tun? Das Philosophieren mit Kindern an die Fachstellen outsourcen? Oder in Kauf nehmen, von den Kinderfragen an die Mauern des eigenen Wissens gefahren zu werden?

Richtig ist: philosophische Fragen gehören zum Kinderalltag. Mein Sohn zum Beispiel sinniert beim Frühstück mit Blick auf einen Löffel, dass dieser eigentlich das Gefängnis der Cornflakes sei. Oder er fragt, ob im Kampf der Guten gegen die Bösen, der Held analog das Monster der Bösen sei. Und ob ein Held auch dann noch einer sei, wenn er in Schwierigkeiten gerät.

Meine achtjährige Tochter schürft schon etwas tiefer in den Fundamenten der menschlichen Existenz. Sie will etwa wissen, wie wir das Leben aushalten sollen, wenn wir doch wissen, dass wir unweigerlich sterben werden. Ich hätte natürlich mit Heidegger antworten können, dass das Dasein sich dadurch auszeichnet, dass es ihm «in seinem Sein um dieses Sein selbst geht». Was ihr natürlich nicht weitergeholfen hätte. Ich sagte ihr also: ja, es sei nun mal so, dass der Tod ein Teil des Lebens sei, dass das Leben keine Garantien gebe, aber trotzdem lebenswert sei. «Warum?», fragte sie. Eben das gelte es herauszufinden: sein Schicksal zu erfahren. Was denn ein Schicksal sei, fragte sie dann. Das wusste dann wieder der fünfjährige Rabauke: «Mein Schicksal zum Beispiel ist es, dass ich mich immer wieder verletze.» Als wir das durch hatten, hielt die Tochter bei einem Mittagessen, an einem Stück Rösti und Bratwurst kauend, plötzlich inne und erklärte, sie habe jetzt zwar keine Angst mehr, aber sie könne sich einfach nicht erklären, warum die Welt so sei, wie sie sei. Zum Glück wusste der fünfjährige Bruder eine treffende Antwort: «Also ich glaube an den Urknall.»

Sie wollte es aber genauer wissen: «Ich frage mich einfach, wie wir das alles wissen können. Können wir sicher sein, dass die ganze Welt nicht bloss ein Traum ist?»

Mein Täubchen, das wollte schon Platon wissen. Und Descartes. Den einen führte es zum Höhlengleichnis, den andern zum radikalen Zweifel und zur einzigen Gewissheit, nämlich derjenigen des Denkens. Der amerikanische Philosoph Hilary Putnam wandte die Frage dann zum Matrix-Problem: Wie wir sicher sein könnten, dass wir nicht bloss Gehirne in einem Tank sind, die uns unsere Welt nur vorgaukeln? Seine Antwort war, ziemlich vereinfacht, die, dass Gehirnen in einem Tank eben die Erfahrungen mit der Aussenwelt fehlen würden, die sie dazu bringen, sich solche Fragen zu stellen. Und das sagte ich auch meiner Tochter. Dass unsere philosophischen Probleme unsere menschliche Existenz ausmachen, dass wir zwar keine endgültigen Antworten finden, aber unsere Gattungsgeschichte eben darin besteht, dass jede Generation sich auf die Schultern der vorhergehenden stellt und von dort weiter sehen kann. Diese Erklärung gefiel wiederum meinem Sohn – vom Monsteraspekt her. Und allen dreien hätte natürlich gefallen, wenn ich mit ihnen den Film «The Matrix» geschaut hätte und wir nachher darüber hätten diskutieren können – doch das muss noch warten.

Um zur Konklusion zu kommen: die philosophischen Fragen der Kinder verlangen nicht nach den Antworten von Fachpersonen, ja nicht einmal diejenigen aus der Philosophiegeschichte, sondern aus ihrer unmittelbaren Lebenswelt, aus der sie sich das kognitive und emotionale Rüstzeug für den Eroberungsfeldzug ihres eigenen Lebens zusammenbasteln. Deshalb halte ich institutionalisierte Kinderphilosophie zwar für eine nette Idee, aber letztlich unbrauchbar.

Und nun meine Frage an Sie: Welche philosophischen Äusserungen von Kindern haben sie schon zum Nachdenken gebracht?

26 Kommentare zu «Ist der Held das Monster der Guten?»

  • Nadja Reuteler sagt:

    ah… doch… jetzt kommt mir etwas in den Sinn…

    jedoch hat es sehr wenig mit philosophie zu tun…

    Anfang dieses Jahres fand ich im ex-libris ein tolles Buch „mein erstes Wissenschaftsbuch“ für ab 4jährige.
    Dem offensichtlichem Interesse meines Sohnes folgend kaufte ich dies und er vertiefte sich sofort darin.
    Es wurde zum Bettklassiker sprich, er durchstöberte es jeden Abend…

    Einige Wochen später, ging ich zu der Tagesmutter um ihn abzuholen.
    Er kam aus der Türe und sofort fragte er mich ganz laut:
    Hey Mami, bisch bim Dokter gsii???
    Ich: hä? nei, sicher nid. Werum sötti oh, schätzeli??
    Er: dänk für Bebeli wäg mache…
    Ich: ??????????

    Rat und Sprachlos schaute ich Ursula- die Tagesmam- an, sie mich…
    Und dann fing das grübeln an…
    Warum diese Aussage? in dem Buch- erste seiten (die ich anscheinend schon vergessen hatte) war die Erklährung dabei wie ein Kind auf die Welt kommt. Kleines Bild von einem Mami mit dickem Bauch und dann so ein Zettelchen zum umdrehen wo dann das Baby im Bauch zeigt. Bild daneben, Mami mit Baby im Arm und Doktor der daneben steht…
    Meine Figur ist sehr betohnt, sprich bin mollig und da machte er sich wohl einen Reim daraus.

    Oder war’s meine Beilläufige Bermekung einige Wochen zuvor bei seiner Frage warum die Frau so nen grossen Bauch hat, dass dort ein Baby drinn ist.. er zu mir: aber warum? ich: alle Mamis mit einem grossen Bauch haben ein Baby drin…

    Oder sprach er einfach meinen grössten Wunsch in dem Moment in Worten aus, wo ich diese doch mit ihm nie besprochen hatte??

    Hat mich aber kurzerhand zu einer Diät motiviert… 🙂

  • Nadja Reuteler sagt:

    vielen Dank für diese guten Artikeln!

    ich persönlich wäre happy wenn mein 5jähriger Sohn solche Aussagen machen könnte…
    Doch leider hat er eine ca. 1jährige Sprachverzögerung und somit können wir das noch (hoffe ich!) nicht so besprechen…

    Muss gerade ehrlich sagen dass ich mich gerade – wieder einmal- frage was ich falsch gemacht habe dass es so ist…

    na ja, fertig der Melancholie…
    teile aber die Meinung dass die Eltern, oder das nahe Umfeld in der ersten Zeit / Phase die nötigsten Antworten geben kann…
    denn diese wissen um die individualität des Kindes der die Fragen stellt, und wissen somit auch wie sie spezifisch diesem Kind und nicht einem anderem antworten können / dürfen. Zudem in jener Art und Form dass es dem Kind ermöglicht später diese Fragen zu vertiefen, da es gelernt hat dass es Freude macht…

    Die institutionale Version verlangt wie bereits schon Schule und Kindergarten eine Standartisierung der Kinder.. und wehe eines fällt da raus.. dann zergeht vieleicht dessen Lust, Kreativität und sein Frust wie auch die Angst und der Glauben an das „nicht verstanden zu werden“ werden grösser.
    Und das ist doch wahrlich nicht Sinn und Zweck des ganzen…

  • ana sagt:

    wir forderten unsere tochter, 6 jahre alt, auf, uns beim abwasch zu helfen. ihr kommentar dazu: „und i ha gmeint, i sig gebore zum läbe.“

  • schrimpi sagt:

    hallo frau binswanger
    ich lese ihre texte immer öfter und mit grossem vergnügen.
    schrimpi

  • Urs sagt:

    @max: im Gegenteil, ich freue mich sehr über die niedrige Anzahl von Kommentaren – so kann ich auch alle lesen. Und die Qualität der Beiträge ist auch bemerkenswert – aus meiner Sicht.
    Lieber Tagi: wie wäre es, hier ein Forum aufzuschalten? Dieser Beitrag gehört eine Ebene tiefer, nämlich *unter* den von Max.

  • dsfrölein sagt:

    Dieser Blog ist eine Perle im Internet!

    Merci viumou, es fägt, ab und zu hie vrbi zluege

  • max sagt:

    @Michele Binswanger: Ich beziehe mich auf die Frage Ihres Mädchens, «Ich frage mich einfach, wie wir das alles wissen können. Können wir sicher sein, dass die ganze Welt nicht bloss ein Traum ist?»

    Wenn ich die Hinduisten richtig verstehe, nennen sie diesen Traum das „Maya“ und die Transzendierung würde den Zyklus der Reinkarnation unterbrechen. Ein Kind, das auf dieser Ebene nachdenkt, hat einen ziemlichen Grad an Weisheit erlangt.

    Schade, dass zu diesem friedlichen Blogeintrag soviel weniger Leserzuschriften kommen, wie zum Geschrei der Mütter vom Vortag.

  • Ernst Leuthold sagt:

    @Hobbes: na, na, Mr. Hobbes, das sollten Sie nun aber selbst besser wissen: nicht alle Philosophie ist analytisch – eben nur die analytische Philosophie. Mir scheint, Sie selbst hätten z.B. teils metaphysische Philosophie,teils moralische Philosophie betrieben…

  • Mamamia sagt:

    Kleine Geschichte:

    Die kleine Lucy 3, freundin von meinem Sohn fragte ihre mich auf englisch:
    „Warum sprichst du so komisch“ als ich meinem Kind was auf Schweizerdeutsch sagte.
    Ich antwortete ihr: “ Wir sprechen Schweizerdeutsch, weil wir aus der Schweiz sind“
    Paar tage später, kam Lucy zu uns auf ein Besuch. Als sie eintrat sagte sie:
    “ Now we are in Switzerland ! „

  • Melanie sagt:

    Nachschlag:

    Einen Freundin steht mit ihrem dreijährigen Kind an der Bsustation. Das Kind bestaunt den hochschwangeren Bauch einer Frau, die auch dort wartet. „Warum ist die Frau so dick?“ Mama: “ Da ist ein Baby drin.“ „Und werum het sis gesse?“

  • Melanie sagt:

    Philosophischer Dorfkindergarten

    Spaziergang mit den Kindergärtlern: Wir gehen gerade am Dorf-Friedhof vorbei – da findet eine Beerdigung statt. Paula fragt mich , was da abgehe. „Jemand ist gestorben, jetzt versammeln sich seine Freunde und seine Familie, um nochmals über ihn zu reden, der Pfarrer spricht auch über ihn und dann legen sie ihn in ein Grab und decken ihn mit Erde zu.“ Den Friedhof mit den Gräbern kannten die Kinder, weil wir da öfters gespielt hatten, da war eine wunderbare Wiese. „Gut, “ meint Paula. „Warum vergraben sie ihn in der Erde?“ „Weil man, wenn man tot ist, zu stinken beginnt und dann verwest und zu Knochen wird.“ Paula: “ Und was ist jetzt daran so interessant?“
    „Lasst die Toten die Toten begraben (wahrscheinlich weil es so langweilig ist…)“ steht ja schon in der Bibel…

    Spontane Diskussion im Kindergarten über Ostern. Warum feiert man Ostern? Ja, wegen dem Osterhasen natürlich! Einige Kinder wissen, dass Jesus gekreuzigt wurde und erzählen die Geschichte. Die grosse Frage: „Warum töten sie ihn, wenn er ja gar nichts Böses getan hat?“ stimmt eigentlich, ich bin gerade auch etwas ratlos. Pascal : „Jetzt weiss ich es – er wäre eben der bessere König gewesen, deshalb haben sie ihn getötet!“

    Heiratsfieber im Kindergarten – wer heiratet einmal wen? Zwei Kinder teilen die ganze Klasse in Pärchen auf. Patrick ist mit seiner zukünftigen Frau nicht einverstanden: „Nein, ich heirate meine Schwester Nadine!“ Kurze Stille. Dann ruft Alessio: „Nein, das kannst du nicht machen – dann bekommt ihr ganz gruusige Kinder!“ Und das Thema Inzest war für alle kurz und bündig verständlich geworden!

    Meine eigene Reinkarnationstheorie als kleines Mädchen: „Erst ist man ein Baby, dann wird man gross und wenn man alt ist, dann wird man wieder kleiner und kleiner, bis man wieder so klein wie ein Baby ist und dann fängt es wieder von vorne an.“

  • Mr. Hobbes sagt:

    @ Katharina:
    Schreiben Sie ein Buch … das hilft

  • Katharina sagt:

    sehr interessantes Thema.

    am Schluss steht: „aus der sie sich das kognitive …Rüstzeug“…..

    dazu ein persönliches Erlebnis und eine Überlegung.

    ich war schon in jungen Jahren (Primarschule) sehr zu Themen der Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt (es war die Zeit des Apollo Projektes) hingezogen. ich las dann schon früh über den damaligen Wissensstand und die Planeten, Monde, Sonnen und Galaxien, die – den Gesetzen der Gravitation folgend – über die Aeonen umeinander herumtanzen , expandieren und zusammenschrumpfen in ihren kosmischen Tanz.

    am anderen Massstabsende des Erkenntnisspektrums las ich in dem Zusammenhang auch über die Elementarteilchen, die umeinander herum rotieren, zusammenprallen, auseinander fallen – all die Prozesse, die Sterne zum Motor des kosmischen Tanzes machen in den ‚unendlich‘ kleinen Zeitintervallen, die die Inversion von Aeonen sind. As if the cosmic dance through the eternities of time is repeated in the frenzy of the hyperspeeds of particle interaction.

    einmal – ich glaube ich war so etwa 10 oder 12 – nickte ich wohl über den Büchern ein und entglitt in den Zustand zwischen Wach und Traum. plötzlich war ich hellwach mit der frage:
    Was, wenn der Kosmos und die Welt der Elementarteilchen – Mikrokosmos ein und dasselbe sind und wir sowohl Bewohner eines Planeten im Makrokosmos als auch als Erdbewohner auf einem Elementarteilchen sind und all die Konstellationen, Sternenhaufen und Galaxien des Makrokosmos Molekülwolken sind?

    Das Gefühl dabei war ähnlich wie das eines unendlich kleinen Embryos, das gleichzeitig in einer Fruchtblase so gross wie das Universum ist.

    Eine Überlegung zum kognitiven Rüstzeug:

    Unsere DNA ist der Konstruktionsplan unserer Körper und damit auch unseres Zentralnervensystems und Gehirns. Die Art und Weise, wie wir Informationen verarbeiten, erfolgt ähnlich wie Mustererkennung, wie etwa in der Informatik bekannt. Die Informationsübertragung und -speicherung erfolgt entlang den Mustern, die durch die in der DNA vorgegebenen Eiweissketten definiert sind.
    Unsere DNA und die anderer Organismen ist zu grossen Teilen die selbe und geht zurück bis auf das erste leben hier vor einer halben Ewigkeit. das heisst auch, dass Erinnerung (gespeicherte Information) soweit zurückgeht. Ein Konzept, das z.b. Carl Gustav Jung mit dem Begriff ‚kollektives Unbewusstes‘ vorwegnahm, bevor Biochemiker und Neurologen dem DNA-Bauplan auf die Spur kamen.

    das ‚Rüstzeug‘ ist also bei jedem Menschen da. Welche Muster durch Übereinstimmung mit aus der Umwelt wahrgenommenen Mustern aktiviert werden, ist abhängig vom individuellen Weg, den jedes durch dieses Leben geht. Umgekehrt beeinflussen die Umweltmuster die Erinnerung / das Bewusstsein (und dies wiederum wird im DNA-Bauplan fortgeschrieben? – alles ist zyklisch).

    Kinder haben weitaus weniger Interferenz von der Umwelt her als Erwachsene. Deshalb ist die Zeit , wenn eines Kindes (Selbst-) Bewusstsein erwacht, so kostbar, denn es gibt uns Einblicke in das oben gesagt.

    uff. schwierig, dies nieder zuschreiben.

    ich habe einen weisen Menschen mal folgendes sagen gehört:

    der Weg führt zum Ziel
    das Ziel ist unbekannt
    der Weg ist das Ziel

  • Urs sagt:

    Zum Thema analytisch / unverbildet logisch möchte ich noch eine Beobachtung beifügen. Alle meine drei Kinder haben, als sie zu Reden begonnen haben, auf negierte Fragen logisch richtig Antwort gegeben:
    „Möchtest Du noch Suppe?“ – „Nein.“
    „Was, möchtest Du keine mehr? “ – „Ja.“
    „Wetsch nid go poschte?“ – „Jo.“ (Sie wollen nicht.)
    Ich habe diese an sich einzig korrekte Ausdruckweise immer unterstützt, irgendwann aber kam sie ihnen abhanden. Die Kleinste ist 2 und ich schaue, wie lange sie das noch so macht.
    ich als Erwachsener mache mir ab und zu den Spass, auf eine negierte Frage so zu antworten, was selten zu mehr Klarheit beiträgt… 🙂

  • Thomas sagt:

    …sieht gott mich besser, wenn ich oben schlafe? philosophisches aus der untern hälfte des kajütenbetts führte zum rotationsprinzip.

  • Gabriela sagt:

    Die ganze Welt ist dick, auch ein Pappier ist dick. So wurde mir von der 6 Jährigen Tochter erklärt, dass alles dreidimensional ist. War intressant zuzusehen wie sie lange daran rumgeknabbert hat bis sie mir diese Erkenntniss präsentierte.

    Oder: Es gibt nur Kinder, auch die Erwachsenen sind Kinder. (Alle haben oder hatten Eltern.) Finden meine beiden momentan die beste Erkenntniss, das wird mir immer wieder erklärt.

    Und irgend was mit der Luft und Nichts wurde mir auch erklärt, aber das habe ich zu meiner Schande gerade vergessen. Muss ich mal nachfragen.

  • Thomas sagt:

    …pfosten ist auch goal – aber eben nicht ganz! (elementares zum fussball unter erstklässlern)

  • rabenmutter sagt:

    Unser Sohn ist seit einiger Zeit überzeugt, dass es Gott gibt. Und dies in einem völlig Atheistischem Zuhause. Wenn ich ihn frage, wieso er das so genau wisse, meint er sehr ernsthaft. „Ich weiss es einfach.“ Was mir wiederum zu denken gibt. Denn ich wuchs katholisch auf und wandte mich als Erwachsene von der Kirche ab. Geht mein Sohn jetzt den umgekehrten Weg? Und übrigens ist das Christkind für ihn ganz klar eine „Sie“. Was die Philosophie dahinter ist, geht über mein erwachsenes, allzu verbildetes Denken…

  • Mia sagt:

    Nach langem Grübeln: „Mami, wo bini, wenni mi verschluggt ha?“

  • Urs sagt:

    „Deshalb halte ich institutionalisierte Kinderphilosophie zwar für eine nette Idee, aber letztlich unbrauchbar.“
    Das gilt doch doch für die „Philosophie für Erwachsene“. Brauchbarkeit war noch nie ein Kriterium für die Philosophie. Als Maturand überlegte ich mir noch ernsthaft, Philosophie zu studieren, in der Annahme, da Antworten auf die brennenden Fragen des Lebens zu finden. Sehr heilsam war für mich dann ein Besuch an der Uni X. Der Dekan der Philosophischen Fakultät war ein nervliches Wrack, ein gebrochener Mann (vielleicht hatte er auch „nur“ Parkinson, aber davon wusste ich damals nichts). Seine ganze Erscheinung entlarvte für mich, was ich heute noch von der Philosophie halte: faszinierende Hirnakrobatik, null Lebenshilfe. Wenn Descartes mehr Papier gehabt hätte, hätte er geschrieben: „Ich denke, also bin ich verwirrt.“.

  • opa meier sagt:

    Guter Artikel. Auch wenn Kinder erfrischende und uns leider verloren gegangene Zugänge zur Wirklichkeit vermitteln, würde ich allgemeingültige, philosophische Erkenntnisse nicht primär von Kindern erwarten. Dass hier bereits Fachtagungen existieren sollen, passt für mich eher ins Bild einer (zu sehr) aufs Kind fixierten Gesellschaft. Erwarten wir vielleicht das verlorene Heil von Kindern? Im Prinzip müsste es ja eher umgekehrt sein: Die weisen Sprüche sollten auch lebenserfahrenere Leute von sich geben; doch zur Schande meiner eigenen Generation muss ich zugeben, dass es von diesen Leuten nicht viele gibt oder sie sich kein Gehör mehr verschaffen vermögen.

  • max sagt:

    Was mich betrifft, die ewigen Fragen: Hat das Weltall ein Ende? Kann man die Sterne zählen? Gibt es einen Menschen, der alles weiss? Was kommt über dem Himmel?

  • Mr. Hobbes sagt:

    @ Amélie: philosophisches Denken ist zwingend analytisch.

  • Hansueli sagt:

    toller Artikel. Kompliment!

  • Marc sagt:

    Danke Frau Binswanger für ihren schönen Artikel.

    „Oder er fragt, ob im Kampf der Guten gegen die Bösen, der Held analog das Monster der Bösen sei.“

    Das eigenständige Nachdenken über die Reziprozität von Gut und Böse ist eigentlich eine unglaublich geniale Leistung ihres Kindes. Solche Gedankengänge können auch gefördert werden, indem dem Kind, wie im Text erwähnt, auf eine vereinfachte Weise Theorien des Relativismus, Konstruktivismus… erklärt werden. Daran haben die dann zu knabbern.

  • Amélie sagt:

    Meine Kinder verblüffen uns eher mit analytischem Denken, weniger mit philosophischem. Natürlich haben sie Fragen zum Sinn des Lebens, zum Leben und zum Tod, zu Zusammenhängen, aber keine selbst erarbeiteten Anworten parat. Obwohl – der Junge ist ein Heimlifeiss, ein „stiller Denker“, der immer erst das Endprodukt seiner Überlegungen rausposaunt, während uns die Prinzessin an jedem ihrer Denkschritte teilhaben lässt, bis ins kleinste Detail. Wenn uns aber ein Fünfjähriger die unterschiedliche Intensität seiner Gefühle am Beispiel der Wähe erklärt, bleibt uns schon auch mal die Spucke weg.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.