Drittes Kind: Ja oder nein?

Ein Gastbeitrag von Nadia Meier*

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Die biologische Uhr tickt und drängt zu einer Entscheidung. Foto: Patrick, Flickr.com

Ich habe zwei Kinder, die aus dem Gröbsten raus sind. Wie man so schön sagt. Und ich bin in einem Alter, in dem andere Frauen nicht mehr schlafen können, weil ihre biologische Uhr so laut tickt. Ja, bald wird die Fruchtbarkeitsgöttin meine letzte Eizelle auf die Reise schicken. Danach ist fertig Baby aus Eigenproduktion. Wenn ich noch ein Nachzüglerli möchte, darf ich jetzt nicht lange fackeln.

Und überhaupt: Zwei Kinder sind doch spiessig! Mehrkindfamilien sind im Trend und bei Akademikerpaaren sogar relativ häufig. Ein drittes Kind wäre also die Krönung meines Hipstermutterdaseins. Aber will ich überhaupt ein drittes Kind? Das Herz sagt: «Na ja, wäre wohl ganz schön.» Die Gebärmutter ruft: «Ja! Ja! Jaaaaa!» Der Kopf fragt: «Spinnst du?!» Denn es sprechen tatsächlich einige Gründe dagegen. Zum Beispiel:

Geld: Ein drittes Kind kostet mich etwa eine halbe Million Franken. Kinder sind zwar unbezahlbar wertvoll, aber was mache ich bloss, wenn alle drei Kunstgeschichte studieren wollen?

Schlaf: Ich schlafe seit einem Jahr endlich durch. Acht Stunden pro Nacht. Das ist ein Luxus, den ich ungern wieder hergeben möchte.

Stillen: Ich habe meine beiden Kinder gestillt. Eines davon sogar unglaubliche 15 Monate lang. Meine Brüste singen heute noch ein Lied davon – und es ist eine Ballade. Ich habe mir geschworen, dass ich nie wieder ein Kind stillen werde.

Es muss also da draussen Mütter geben, bei denen Geld, Nachtschlaf und Brüste keine grosse Rolle spielen. Sie bekommen einfach ein drittes Kind. Wenn man mit ihnen spricht, hört man immer etwa dasselbe: Sie hätten sich noch nicht komplett gefühlt als Familie mit bloss zwei Kindern. Oder sie hatten zwei Buben und wollten noch ein Mädchen. Oder sie hätten das dritte Kind gar nicht geplant, das sei halt passiert – zum Glück.

William, multiplied by three, with family. As you can see, he is as his name says, strong willed.

Glück gehabt: Drillinge nehmen einem die Entscheidung ab. Foto: Edward Webb, Flickr.com

Nach diesen Gesprächen sind mir drei plausible Gründe in den Sinn gekommen, die auch bei mir für ein drittes Kind sprechen. Nämlich:

Schwangerschaft: Beim dritten Kind könnte ich die Schwangerschaft gaaanz bewusst geniessen. Weil es das letzte Mal wäre. Ich stelle mir das so vor: Nach dem morgendlichen Erbrechen in die Kloschüssel richte ich mich auf, streichle mein Bäuchlein und lächle mein schwangeres Spiegelbild an.

Geburt: Ich würde eine total easy Geburt haben. Mein Beckenboden würde das dritte Baby durchwinken wie ein Verkehrspolizist nach sieben Stunden Dienst.

Erfahrung: Ich werde diesmal die tiefenentspannteste Säuglingsmutter der Welt sein. Weil ich nach zwei Babys ein Profi bin. Ich kann blind wickeln, im Halbschlaf das Bio-Baumwolltuch zu einer Wickelkreuztrage binden und sogar im Gehen stillen, äh, schöppele.

Drei Gründe dafür, drei dagegen. Es steht also unentschieden, liebe Leserinnen und Leser. Helfen Sie mir auf die Eisprünge: Warum haben Sie ein drittes Kind bekommen – oder eben nicht?

SONY DSC*Nadia Meier ist Texterin und Hörspielautorin. Sie lebt mit ihrer Familie in Bern.