Zu dünn? Nein, vollkommen richtig

zuckerwatte

Gesunder Appetit: Für Kinder ist es wichtig, dass sie ein gutes Körper- und Selbstwertgefühl entwickeln. Foto: Alex Yosifov (flickr.com)

«Was tun, wenn das eigene Kind anfängt, einen Speckgürtel anzusetzen?», fragte meine Kollegin Andrea Fischer vor kurzem hier im Blog. Und plädierte dafür, das Kind nicht unüberlegt auf sein Übergewicht anzusprechen, «sonst können Sie Gift darauf nehmen, dass Ihr Kind ernsthaft anfängt, sich in seinem Körper unwohl zu fühlen».

Ich kann zum Thema dickes Kind nicht viel sagen. Beim Thema Kritik am Körpergewicht kann ich aber sehr wohl mitreden. Meine Tochter bewegt sich seit ihrer Geburt am unteren Ende der Gewichtsskala. Ich hatte mir deshalb nie Sorgen gemacht, schliesslich hatte sie immer einen gesunden Appetit, ist ein wahres Energiebündel und fast nie krank. Ausserdem bin ich selber auch schlank, weshalb es mich nicht sonderlich überrascht, dass meine Kleine, die mir auch sonst fast aufs Haar gleicht, mit derselben Statur daherkommt.

Die Elternberaterin, die ich wenige Wochen nach der Geburt besuchte, interessierte das alles jedoch nicht. Sie schlug Alarm, weil mein Baby viel zu dünn sei und deshalb dringend alle zwei Stunden aufgeweckt und quasi zwangsgestillt werden müsste. Und sie brachte mich mit ihrer Aufregung einen Moment lang so durcheinander, dass ich selber zu denken begann, ich müsse mein Kind mästen, damit es nicht verhungert.

In dem extremen Ausmass habe ich das seither zum Glück nie mehr erlebt. Doch ich treffe immer wieder einmal auf Leute, die andeuten, dass mein Mädchen sehr dünn, zu dünn sei. Etwa indem sie total erstaunt reagieren, wenn sie eine Riesenportion Spaghetti verdrückt – «dass die so essen mag, sie ist doch so dünn!».

Natürlich bekommt meine sechsjährige Tochter solche Bemerkungen mittlerweile auch mit. Und das ärgert mich, weil sie sich dadurch völlig grundlos anfängt Gedanken zu machen, ob ihr Körper in Ordnung sei. Kürzlich meinte sie sogar, sich fast dafür entschuldigen zu müssen, dass ihr beim Anprobieren alle Hosen viel zu weit waren. Ich habe ihr deshalb schon mehr als einmal erklärt, dass die Menschen von Natur aus verschieden daherkommen. Einige haben blaue Augen, andere grüne. Ein paar haben gerade Haare, andere Locken. Und einige sind eben dünner, andere dicker. Wir gehören nun mal zu den Dünneren, und das ist okay so.

Ich hoffe, ihr auf diesem Weg nicht nur ein gesundes Körper- und Selbstwertgefühl mit auf den Weg zu geben. Sondern sie auch Verständnis dafür zu lehren, dass nicht jeder Mensch dem Durchschnitt entspricht, sondern es ganz viele Variationen gibt. Zum Glück. Schliesslich wäre die Welt ein unglaublich langweiliger Ort, wenn wir alle genormt auf ihr herumlaufen würden.

106 Kommentare zu «Zu dünn? Nein, vollkommen richtig»

  • Nicole sagt:

    Schrecklich!
    Das Problem kennen wir auch. Am meisten fällt das allerdings auf, da unsere Zweijährige absolut verfressen ist. In dem Alter sind wir Vormittags natürlich noch viel auf den Spielplätzen unterwegs, meist mit anderen Müttern und Kindern aus unserer „Krabbelgruppe“.
    Wenn das Sommerkind dann zum Frühstück wieder Nichts essen wollte (weil lieber Kekse haben wollen), dann habe ich nur das Brot dabei. Oder Obst. Von den anderen Müttern wird das Kind dann oft mitleidig angeschaut. Mittlerweile geht sie leider auch zielstrebig auf bekannte Mütter zu und fordert Kekse anstatt Brot weil sie weiß, dass diese Süßes dabeihaben. Es ist ja nicht so, dass sie nie Süßes darf, aber ich möchte schon gern, dass sie erstmal etwas Richtiges isst.
    Ebenfalls auffallen tut das bei Geburtstagen etc. Ja, ich verbiete meinem Kleinkind(!) den fünften Muffin, denn sie würde auch das komplette Tablet leerräumen. Ja, mein Kind ist dünn, aber das heißt nicht, dass Süßes plötzlich gesund ist und Hauptmahlzeiten ersetzen darf.
    Während alle anderen Kinder also bereits wieder spielen nachdem sie den halben Muffin angeknabbert haben, werde ich böse angeschaut. Das Kind ist ja auch wirklich zu dünn und kriegt Zuhause bestimmt Nichts zu essen!

    Liebe Grüße
    Nicole

  • Werner sagt:

    Ich selbst war lange Zeit, bis ich mehrheitlich sitzende Jobs annahm, eher Dünn, wie mein Vater in jungen Jahren. Eben ein schlechter Futterverwerter. Ich konnte alleine ein Pack Spaghetti mit Sauce und viel Käse zum Znacht essen (Zmittag hatte ich aber auch reichlich) und nahm nie zu.
    Lange hiess es Übergewicht sei eine Weltkrankheit mit schlimmen tödlichen Folgen.
    Im Moment scheint das Pendel aber ungut zurückzuschlagen
    Die Kampagnen der oft sehr Übergewichtigen „Ich bin gut wie ich bin“ zeigt Wirkung. Nun sind plötzlich die Schlanken, welche eigentlich medizinisch ok sind, die Bösen. Es sterben doch weltweit viel mehr Menschen an Übergewichtsfolgen als an Untergewichtsfolgen
    Ich denke, an Dicken, welche ihr Essverhalten nicht im Griff haben lässt sich eben gut verdienen. Also muss man die schlanken schlecht machen.

  • Anita sagt:

    Ein sehr schöner und lesenswerter Artikel! Viele junge Mütter beschäftigen sich oft mit diesem Thema, aber dann ist es wichtig, dem Kind, so wie Sie es gemacht haben, zu sagen, dass es unterschiedliche Menschen gibt. Wo wären wir denn, wenn wir unseren Kindern das gesellschaftlichen Ideal näher bringen müssten.

  • Sarah sagt:

    Ich finde es schlimm das den Kinder oft eingeredet wird das man dünn sein muss und die Hungern sich dann so dünn.. das geht gar nicht .. :/

  • mira sagt:

    Meine Tochter (6) ist auch von der dünnen Sorte (unter den Perzentil-Linien etc). Als die Kinderärtzin uns darauf hinwies, dass sie mehr essen sollte, damit sie zunimmt, haben wir den Kinderazt gewechselt (hatte auch noch andere Gründe). Unsere Tochter ist fit und munter und ihr Körpergewicht ist bei uns nie ein Thema. Sie kommt ganz nach der geliebten Grossmutter, die war auch so.
    Angesprochen oder kommentiert hat ihr Gewicht sonst bisher noch niemand.

  • Ich finde diesen Text ja nicht schlecht, aber kurz gesagt: Sei stolz auf das was Du bist & versuch nicht das zu sein was Du nicht bist.

    Jeder Mensch ist einfach einzigartig & nur weil Models dünn sind, dann heißt das nicht das jeder das unbedingt sein muss. Jeder Mensch ist auf seine eigene Art und Weise wunderschön 😉

  • Soraya sagt:

    Was mich hier nervt ist diese Koketterie! Seien wir doch mal ehrlich. You can never be too skinny or too rich…

    • Lea sagt:

      Natürlich kann mensch zu dünn oder sogar zu reich sein. Wenn der Körper nicht mehr richtig funktioniert (Fruchtbarkeit, Genesen von Bagatellkrankheiten, Fitness…) oder man sich nicht wohl fühlt (subjektiv, vom Umfeld und Selbstvertrauen abhängig), ist man zu dünn.
      Wenn normales leben nicht mehr möglich ist (Sexuaität nomal leben, Bedrohung duch Entführung, Bewegen in der Öffentlichkeit…) oder man sich nicht wohl fühlt (subjektiv, vom Umfeld und Selbstvertrauen abhängig), ist man zu reich.
      PS: Ich bin wegen meiner Gene und meines saisonalen Jobs regelmässig zu dünn und futtere mich in den arbeitsfreien Monaten auf ein gesundes Gewicht hoch.

    • mira sagt:

      Zu dünn ist weder hübsch noch gesund, siehe Magersucht etc. Dünn aber ist einfach eine normale Abweichung vom Durchschnitt. Früher litten die Frauen darunter sehr (kein Busen, kein Hintern = Unfruchtbar und Unsexy), heute ist es eher akzeptiert.

    • zimy sagt:

      Never too rich mag sein, never too skinny aber sicher nicht. Jemand in meinem Bekanntenkreis hat sich in die Unfruchtbarkeit gehungert. Jetzt hat sie sogar kaum mehr Kontakt zu ihren Geschwistern, weil sie den Anblick glücklicher Eltern mit Kindern nicht erträgt.

  • zimy sagt:

    Mir scheint, sehr viele Menschen haben einfach gewisse Schwierigkeiten mit Abweichungen von der Norm und müssen deshalb alles Mögliche kommentieren. Abweichungen des Gewichts, in beide Richtungen, sind eine solche Sache, aber z. B. auch eine weniger gewöhnliche Haarfarbe. Als Kind habe ich von anderen Kindern wegen meiner roten Haare Spott, von Erwachsenen eher anerkennende Kommentare und dann von den Kindern dafür noch mehr Spott bekommen. Ich habe zeitweilig unter dieser besonderen Aufmerksamkeit gelitten, aber letztendlich gelernt, damit und auch mit dem Gerede umzugehen. Ich finde, das sollten wir unseren Kindern beibringen: Steh zu dir, mach dein Ding und lass sie reden.

  • Muttis Liebling sagt:

    Nur mal zum Titel: ‚Zu dünn? Nein, vollkommen richtig‘

    Der Begriff des Normalgewichtes geistert seit ca. 1890 durch die Literatur. Erfunden haben den Lebensversicherungsgesellschaften, die damit Abschätzungen zu Risikozuschlägen machen wollten. Weil es um Geld ging, hat man das Normalgewicht in seltene Bereiche verlagert, anfangs nach der Formel (Köperlänge – 100)/ * 0.9.

    Es gab dann noch viele Definitionen, heute nutzt man den BMI, aber konstitutionsbiologisch sind alle nicht haltbar, eher sind alle kulturell- ästhetisch geprägt. Die Percentilkurven der Kinderärzte sind auch nur grobe Abschätzungen, weil sie periodisch ermittelt werden und damit Effekte der Akzeleration nicht einrechnen können.

    Sehen kann man leichte bis mittelschwere Formen des Unter- Übergewichts auch nicht sicher. Ein durchtrainierter asiatischer Judoka mit Wettkampfgewicht hat bis unter 8% Körperfettanteil und wirkt dennoch
    plump. Umgekehrt kann ein schlanker Mensch auch schon mal über 30% Körperfett mit sich rumtragen.

    Die aktuelle Ästhetik bevorzugt die sehr Schlanken, aber biologisch ist das nicht zu rechtfertigen.

  • Malena sagt:

    Mein Bruder war als Kind sehr dünn und ist es immer noch. Die Mutter hat sich dafür andern Leuten gegenüber oft entschuldigt im Stil von „er ist jetzt in die Höhe gewachsen, und wird sicher bald in die Breite wachsen“. Nun, ist nicht geschehen, aber er hatte lange darunter gelitten dass etwas mit ihm nicht stimmt. Auch dünne Menschen müssen schlussendlich damit klarkommen, dass sie nicht dem Schönheitsideal entsprechen. Je nach Persönlichkeit gelingt das besser oder schlechter, und ob Kommentare anderer Leute langfristig abhärtend oder destabilisierend wirken dürfte auch recht unterschiedlich sein. Grundsätzlich finde ich: sich an den Schwachstellen anderer zu ergötzen um sich selber besser zu fühlen ist ein niederer Charakterzug den man eher zügeln als kultivieren sollte.

    • Reincarnation of XY sagt:

      Gehe völlig mit ihnen einig. Aber ging die grösste Verletzung nicht gerade von der Mutter aus, die sich für ihn „rechtfertigen“ wollte.

      Das Problem mit den Anderen, ist in erster Linie immer ein Problem, das wir mit uns selbst haben. Wenn es für uns selbst klar und gelöst ist, ist die Meinung der anderen zweitrangig.

      • Malena sagt:

        Ja absolut, die Mutter war bei „Kommentare anderer Leute“ mitgemeint. Mehr noch: Ablehnung und Kritik von den eigenen Eltern kann denke ich besonders verhehrend sein. Andererseits ist (berechtigte, ehrliche und konstruktive) Kritik durch die Eltern in vielen Bereichen auch wichtig. Und nicht immer erziehen wir rational, oft auch intuitiv aus dem Bauch, und am Ende des Tages sind wir uns selbst trotz aller Liebe und guten Vorsätzen noch näher als dem Kind.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Ja und in diesem Fall ist die Ablehnung besonders schädlich, weil sie eben nicht direkt ist, sondern im Bewusstsein der Mutter so verankert, dass sie meint, sie müsse ihn für sein Gewicht rechtfertigen, so dass er spürt, dass sie sich schämt, dass er spürt, dass es für sie ein Problem ist.
        Für die anderen Leute ist es ja gar kein Problem. (Was kratzt mich schon das Gewicht meiner Nachbarin? Das tut mir doch nicht weh.) Und deshalb sollten all die, die sich ständig über anderer Leute Worte und Blicke und und und … stören, sich endlich einmal eingestehen, dass sie selbst ein Problem mit sich selbst haben und dem mal auf den Grund gehen und daran arbeiten.

  • Tina sagt:

    Wenn man davon ausgeht, dass der Körper in der Pubertät eine wahrhafte Revolution und Riesenentwicklung durchmacht, dann müsste eigentlich klar sein, dass er auch mehr Energie braucht. Die Gewichtszunahme hat also einen Sinn. Meiner Erfahrung nach verstehen aber viele Eltern diesen Prozess nicht, weil sie nicht wissen, was im Gehirn und Körper eines Pubertierenden geschieht. Ich kenne auch persönlich niemanden, der in der Pubertät nicht ständig Hunger hatte. Und hatte jemand ein paar Kilo extra, fielen die am Ende der Pubertät von selbst ab. Wenn ich nun pubertierenden Mädchen (und mittlerweile auch Jungs) zusehe, wie sie sich von kleinen Bissen Käse, Salatblättern oder einem Joghurt pro Tag ernähren, und dann tatsächlich behaupten, sie hätten keinen Hunger, dann frage ich mich wirklich, wie gestört die Gesellschaft ist, in der wir leben. Eltern kann man nur sagen, dass sie den gesunden Menschenverstand brauchen und sich nicht auf den Hype einlassen sollen, den Medien, Profis und Life-Style-Gurus veranstalten. Aber wenn die Eltern ein seltsames Essverhalten vorleben, ob Richtung dick oder dünn ist einerlei, dann sollte es niemanden wundern, wenn die Kinder das übernehmen.

    • Hattori Hanzo sagt:

      Tina- wenn tatsächlich alle Pfunde wieder abfallen würden, würde wohl niemand ein Drama machen. Tatsache aber ist, dass die Gesellschaft immer übergewichtiger wird. (Und wir reden hier nicht von etwas mehr Molligkeit.) Diejenigen, bei denen es von selbst wieder abfällt, die haben wohl auch kein allzu grosses Problem. Aber was ist mit all denen, bei denen es eben nicht wieder abfällt?Die sich gerade eine Fettbank anfuttern, die für den Rest des Lebens gestillt werden will?
      Die Leute essen zu viel und vor allem zu viel Dinge, die nichts taugen.
      Neulich im McDonalds: junger Mann ca. 25 bestellt vier grosse Burger, zwei Pommes und 0.5 l Cola zum Mittagessen. Da ist weit mehr, als ein ganzer Tagesbedarf an Kalorien. Aber ja, er war halt immer ein kräftiger Junge und wenn er Kampfgewicht zugelegt hat, dann hat man sich gefreut, dass er so gesund und vital ist. Und er gewöhnt sich an solche Mengen, verdrückt 3000 Kalorien ohne mit der Wimper zu zucken, und ist noch stolz drauf, und mit 25 ist er immer noch kräftig. Aber in spätestens 5-10 Jahren wird er eine Wampe haben, die nicht mehr weggehen wird. Es wird ihn harte Arbeit und Frustration kosten, sein Gewicht wenigstens auf 100 kg runter zu bringen. Diese Realität findet weit öfter statt, als Jungs die Salatblättchen zählen und darob krank werden.

  • Nina sagt:

    Das mit den fremden Menschen und ihren Kommentaren ist immer dasselbe. Ich habe ein normalgewichtiges, 4 monatiges Kind. Wenn es im Tram weint, schallt es mir entgegen: es hat bestimmt Hunger!! Wenn es zufrieden am Beissring nagt: es hat bestimmt Hunger!! Die ganz Dreisten meinen dann noch: gibt dir die Mama denn nichts zu essen? Irgendwie scheint sich die ganze Welt für das Essverhalten von fremden Babies/ Kindern zu interessieren….

    • mira sagt:

      Ich glaube fast, sie nehmen sich etwas zu wichtig…. nur weil mal der eine oder der andere nachgefragt hat. Hunger ist nun mal ein Hauptbedürfnis eines Babies und damit liegt man in 50% der Fälle richtig 🙂 Anstatt die beleidigte Leberwurst zu spielen, könnten sie so eine Frage als Einstieg in einen netten kleinen Small-Talk nehmen.

      • Impala sagt:

        Nene, ich kann Nina verstehen. Jeder x-beliebige Mensch hat das Gefühl, das Kind, das ich geboren und gestillt, 24 Stunden pro Tag um mich herum habe, besser zu kennen. Tipps und Hinweise können hilfreich sein – aber nicht zu Hauf und ungefragt und von wildfremden Menschen!

      • mira sagt:

        Kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe auch zwei Kinder und fühlte mich niemals auf den Schlips getreten, nur weil jemand mal nachgefragt hat. Wollen wir denn die komplett anonyme und desinteressierte Gesellschaft, in der Null Empathie gefragt ist? Sorry, das ist nicht meine Welt.

      • Nina sagt:

        es ist eben nicht ein Einstieg in ein Gespräch, wenn das fremde Grosi mein Kleinstkind fragt, ob es denn Hunger habe. Erwartet sie, dass es ihr antwortet? Etwas anderes wäre: “ Weint ihr Kind, weil es vielleicht Hunger hat?“ Dann könnte sich eventuell ein Gespräch entwickeln.

      • mira sagt:

        Nun ja, wenn man mit einem Baby spricht, dann spielen die Worte eh keine Rolle, die versteht das Baby nicht. Es versteht aber eine sanfte, anteilnehmende Stimme. Ich plädiere nochmals für etwas mehr Offenheit für andere Menschen. Es sind nicht alle böse, nur weil sie Anteil an ihnen und ihrem Baby nehmen.

      • mila sagt:

        Ich glaube, die meisten Menschen haben sehr gute Antennen dafür, ob jemand Anteil nimmt oder sich in etwas einmischt, das ihn de facto nichts angeht. Respektive hängt die Wahrnehmung davon ab, wie die Anteilnahme geäussert wird (von Tonfall und Art der Äusserung; nur schon eine Nachfrage hört sich anders an als ein – wertender – Kommentar). Ja, es gibt empfindliche Menschen, die ggf. auch echtes Interesse prinzipiell in den falschen Hals bekommen. Oder man ist, gerade mit Babies und Kleinkindern, einfach nur gestresst und entsprechend leicht(er) genervt. Aber es gibt eben auch unsensible, ungefragte ‚Ratgeber‘, denen es mehr um die eigene ‚Rückversicherung‘ geht als, tatsächlich, um das Gegenüber. Da sollte man gelegentlich bei sich selbst über die Bücher gehen – und den Einmischern umgekehrt entschieden entgegentreten. Ob resolut, geduldig erklärend oder gelassen mit Humor, hängt bei mir von der Tagesform ab.

  • Reincarnation of XY sagt:

    Ist man vielleicht zu mimosenhaft? Dünner als unser Bub wird ihre Tochter wohl nicht sein. Dass mal jemand eine Bemerkung macht, ist völlig normal. Das haut weder ihn, noch uns vom Hocker. Bösartige Spässe hingegen sind in jeder Hinsicht nicht OK. Da ist allgemein Erziehung zu Toleranz gefragt.
    Jemand der Untergewichtig ist, oder viel kleiner oder grösser als die anderen, muss sowieso lernen zu akzeptieren, dass er anders ist, dass er auffällt. Da führt kein Weg daran vorbei. Und manchmal ist es sogar leichter, wenn man offen darauf angesprochen wird, als wenn alle nichts sagen dürfen und man nicht weiss, was sie denken oder gar hinter dem Rücken reden.

    Es ist weder jede Bemerkung bös gemeint, noch ist jede Bemerkung schädlich. Das Kind ist am entspanntesten wenn es anders sein darf. Das vermitteln wir ihm aber nur, wenn wir sein anders sein nicht leugnen und so tun als wäre es gar nicht anders.

    • Linda sagt:

      Kann sein, dass Jungs das auch besser wegstecken. Ich war und bin immer noch sehr schlank. Mich haben die Kommentare über meine Figur immer genervt und hab als Teenie ziemliche Komplexe deswegen gehabt, bin auch im Hochsommer nur mit langen Hosen und Shirts rumgelaufen. Von den Kindern wird man Aufgezogen, die Erwachsenen tuscheln was von Magersucht…. ziemlich unangebracht und daneben. Heute ist mir das egal. Mein Sohn ist auch sehr gross und dünn, dem sind die ewigen Kommentare bezüglich Grösse und Gewicht total egal. Aber Sensibelchen können da schon arg dran kauen, man muss doch nicht dauernd das Äussere der anderen kommentieren und Sachen unterstellen. Viele Mitmenschen sind extrem gedankenlos und haben überhaupt kein Taktgefühl, leider.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Linda – das mag sein. Aber zeigen sie mir mal ein Mädchen/eine Frau die nicht irgendwo Komplexe oder einen Leidensdruck bezüglich ihrer Figur hat?
        Selbst die Schönsten finden immer etwas furchtbares an sich. Die Figur ist nie richtig.
        Das liegt also nicht an den Bemerkungen. Das liegt in der Frau selbst. Denn wenn auch niemand eine Bemerkung machen würde, würde sie sich selbst verurteilen. Und eine Bemerkung schmerzt vor allem dann, wenn man sich selbst verurteilt. Wer sich selbst akzeptiert, dem gehen die Bemerkung am A vorbei.

      • tststs sagt:

        Auch hier schliesse ich mich XY an.
        Wenn es nicht Ihre dünne/schlanke Figur gewesen wäre, dann hätte man Sie an einem anderen Merkmal festgenagelt.
        Und natürlich nagt es an den einen mehr als an den anderen; hier kann man aber nur am „Opfer“ arbeiten, nicht am „Täter“, denn – wie ich schon geschrieben habe – gehört dieses „werten und kommentieren“ zum Menschsein dazu; und ich behaupte mal: Wer ohne Schuld, werfe den ersten Stein… es werden keine Steine fliegen 😉

      • Bettina Fries sagt:

        Absolut richtig, mir erscheint es oft, dass man als Frau eigentlich nur sein Aussehen ist, mehr nicht, das beginnt schon als Mädchen. Ich war immer eher robust, aber nicht dick, wurde dennoch gnadenlos gemobbt. Die „zu dünnen“ Mädels bekamen bei uns eher Anerkennung, das variert wohl von Gruppe zu Gruppe. Jedenfalls begann ich schon mit 11 meine erste Diät und wurde gelobt für die Abnahme, das fühlte sich gut an. Es folgte die Essstörung und obwohl diese besiegt ist, ich habe immer noch ein völlig verkorkstes Verhältnis zum Essen und bin jetzt definitiv zu dick (BMI 31, zu wenig Muskeln). Dennoch käme mir nie in den Sinn, dünne Menschen deswegen anders zu behandeln, ich habe eher Mühe mit jenen, die noch massiveres Übergewicht haben und damit stolz den Titel „richtige Frau“ für sich beanspruchen. Man soll sich selber mögen, klar, deswegen muss die unbestrittene Pathologie trotzdem nicht zur Norm geschönt werden. Wenn alles gut läuft esse ich übrigens relativ ausgeglichen, das Gewicht sinkt, eine Zunahme ist hingegen ein Zeichen von starkem Stress (und nicht Faulheit oder mangelnde Disziplin). Die Norm ist für mich darum einfach gesund, einigermassen fit und zufrieden mit sich selbst, dann ist die Figur anderer Leute nämlich nicht wirklich relevant.

      • mira sagt:

        Reincarnation of XY, ich habe weder Komplexe noch einen Leidensdruck mit meiner Figur. Ich fühle mich wohl in meinem Körper und möchte auch nicht anders sein, als ich bin. Sie dürfen ihre Meinung also revidieren. Meine Tochter (6) hat übrigens auch keine Komplexe. Und mein Sohn auch nicht. Und mein Mann auch nicht.

    • tststs sagt:

      In der Primar musste ich mich damit herumschlagen (sprich Häme/Kritik einstecken), dass ich grösser und intelligenter als die meisten war.
      Im Gymi waren es mein Kleidungsstil und Pubertätspfunde.
      An der Uni meine gehäuften Beiträge in den Seminaren und meine sehr bleiche Haut.
      Im Erwachsenenleben nun meine Kinderlosigkeit, meine Ernährungsweise (die Scheiss-auf-alle-Tipps-Diät)
      usw.
      etc.
      pp.
      Aber meine Eltern haben mich zu einem selbstbewussten Menschen erzogen, der sich für die Unterschiede nicht schämen muss…
      Also alles halb so schlimm, ja geradezu menschlichallzumenschlich.
      In diesem Sinne: Bin ganz bei Ihnen XY!

      • Carolina sagt:

        Ich auch! Sehe das genauso wie sie, xy und Ts. Auch wenn unsere Eltern es uns vielleicht nicht beigebracht haben: irgendwann sind wir erwachsen und dürfen den ganzen Schrott, den Leute einem so den ganzen lieben langen Tag ins Gesicht sagen, ignorieren – und vielleicht mal uns selber fragen, ob wir nicht genauso sind. Manche Zeitgenossen rennen durch die Gegend und scheinen sich auf Schritt und Tritt zu fragen, wer sie denn gerade wieder beleidigt hätte – könnte ja sein, dass wir selber auch mal die Auslöser sind. Uebrigens: es ist unglaublich, wie schnell sich solche Leute zurücknehmen, wenn sie auf Gelassenheit und Humor stossen – das geht zwar nicht immer, aber immer öfter!

  • Saskia sagt:

    Schön und interessant, dass das Thema aufgegriffen wird. Dass etwas dickere Menschen Kommentare hören, das ist bekannt. Und ebenso, dass Kommentare unangebracht sind. „Hast du nicht langsam mal genug gegessen?“ sollte man selbstverständlich nicht sagen – wieso denn dann: „Iss mal mehr! Du bist viel zu mager!“

    Ich selbst war als Kind immer untergewichtig und das wurde dauernd kommentiert. Das war mir ziemlich egal – nur meine (unsichere) Mutter machte das fertig. Sie kochte dauernd, ich musste immer alles aufessen und fand Essen ein leidiges Thema. Mein Gewicht variierte immer wieder während meines Erwachsenenlebens (allein schon durch die Schwangerschaften) und pendelte sich dann ungefähr inzwischen da ein, wo ich mit Zwanzig gewichtsmäßig mal war. Damit fühle ich mich sehr wohl. Mein Körper kennt alles zwischen 59 und 89 Kilo. In übergewichtig habe ich mich niemals wohlgefühlt. Irgendwie quoll alles und wurde irgendwie gequetscht und ich fand das überhaupt nicht schön – habe immer zugesehen, dass ich die Kilos wieder abwerfe.

    Meine älteste Tochter war auch immer dünn – wir nannten sie zärtlich „Spargelchen“ und natürlich wurden wir auch auf sie angesprochen. Fremde gaben ihr auch „Kosenamen“, die sich auf das Gewicht bezogen.

    Vor einer Weile begann sie zuzunehmen – das war zu Beginn der physischen Pubertät – und auch ihre jüngere Schwester bekam ein Bäuchlein. Sie futterten maßlos und waren darin kaum zu bremsen. Natürlich habe ich sie darauf hingewiesen, dass es immer schwieriger wird, Hosen zu finden, die sie nicht einquetschen würden – sie fühlten sich in solche nämlich nicht besonders wohl. In den Umkleiden kam Frust auf und sie fühlten sich nicht gut damit.

    Da ich weiß, dass man alle Fettzellen, die man während der Kindheit aufbaut, ein Leben lang behält und fortan immer auf das Gewicht achten müsste, wenn man schlank sein wollte, sah ich meine Verantwortung da, ihnen zu helfen, ein bisschen abzuspecken, um das im gesunden Rahmen zu halten.

    Danach passten die Klamöttchen wieder und sie waren selbst sehr zufrieden. Sich Speckröllchen in die Hose zu quetschen, die dann wieder herausquellen sorgt nämlich nicht für Wohlbefinden – und das liegt ganz sicher nicht nur am viel genannten gesellschaftlichen Feedback oder dem Körperbewusstsein, das gern als „Magerwahn“ abgestempelt wird. Die Mehrheit ist übergewichtig und es sterben inzwischen weltweit auch mehr Menschen an Über- als an Untergewicht. Da möchte ich nicht negativ kommentiert werden, weil ich schlank bin. Und meine Kinder auch nicht. Das wird schon okay so sein, wenn man sich aktiv und wohl fühlt. Und die ketzerische Frage ist manchmal auch: Wer kommentiert Schlankheit denn negativ? Schlanke oder eben nicht-schlanke Mitmenschen?

    Der Leitsatz „Die Welt ist bunt, jeder ist okay so, wie er ist“ ist ganz sympathisch und erst einmal richtig.
    Aber wenn man einen Angehörigen hat, der immer mehr zunimmt, dann ist es eine Frage des Interesses, darauf irgendwie einzugehen. Es ist bekanntlich schädlich für den Körper und belastet einen Menschen auf viele Arten, wenn er zu viel wiegt.
    Da dann mit einem Toleranzsatz zu kommen ist etwas wenig, finde ich.

    Eine andere Frage ist es, ob Fremde es kommentieren oder sogar beleidigend werden. Das halte ich für unangebracht, da es meist ja keine ehrliche Sorge ist, sondern eher aus projizierten Gefühlen heraus passiert.

    Ich höre zum Beispiel immer nur von etwas gewichtigeren Frauen: „Du bist ja so schlank! Jetzt hörst du aber mit Diäten auf, oder?“ Erstens mache ich keine Diäten und zweitens: Warum sagt jemand so etwas? Doch nicht wegen mir – sondern eher aus eigenen Gefühlen heraus. Das soll doch nicht mir helfen, sondern meiner Meinung nach eine schlanke Person als ungesund etikettieren, damit man sich selber wohler fühlt. Das darf man gedanklich auch gerne tun, aber man muss vielleicht nicht immer etwas sagen.

    • Jane Bissig sagt:

      Also, wenn die Speckröllchen über die Jeans quillen, kann das auch an den Jeans liegen. Man könnte sie ja auch einfach eine Grösse grösser kaufen…

      • Kathy sagt:

        1. Weltweit leiden über 1 Milliarde Menschen an Hunger
        2. Weder ist 59 KG (egal bei welcher Grösse) extrem schlank, noch sind 89kg wirklich dick
        3. Wer zu dünn ist, der leidet darunter und hat meist auch kein Problem, offen darüber zu sprechen, da diese Personen sehr oft und kalorienreich essen müssen. Eine Freundin von mir muss bei jeder Magen-Darm-Verstimmung hospitalisiert werden, weil sie keine Reserven hat. Das ist schlimmer, als ein Speckröllchen zuviel.

    • Carolina sagt:

      Ja, was denn nun, S? Ihre auf den ersten Blick so vernünftig klingenden Ausführungen sind widersprüchlich und hören sich für mich so an: bei ‚gewichtigeren‘ darf und soll man intervenieren, bei den ganz Dünnen auf keinen Fall?
      Ich habe einige Jahre mit essgestörten Jugendlichen gearbeitet und, wenn es überhaupt einen roten Faden gab, dann den: das gestörte Körpergefühl bzw ein gutes Körpergefühl, das ja immer auch etwas damit zu tun hat, dass man Selbstwert hat und erfährt, wird in einer ganz heiklen Phase (mitaus-)gebildet, in der die meisten Kinder und Jugendlichen sowieso grossen Stimmungsschwankungen ausgesetzt sind und auf Sinnsuche sind. Eltern, die ihren Kindern das Gefühl geben können, dass sie sie vorbehaltlos akzeptieren (ohne immer wieder kleine Pfeile loszulassen, die signalisieren, sie hätten sie schon gern schlanker/fülliger etc), tragen viel dazu bei, dass Kinder lernen, dass andere Menschen nun mal gern ihre eigenen Unsicherheiten und Aengste an anderen ablassen, sie also die meisten Bemerkungen an sich abgleiten lassen können. Die Anzahl von Müttern in unserer Praxis (ja, leider waren es vor allem Mütter), die – ohne sich dessen immer bewusst zu sein – dem Thema Gewicht einen riesigen Stellenwert in ihrem Leben und damit auch dem ihrer Kinder geben, ist Legende.

  • Früher war dünn normal. Heute ist dick normal; aber die Dicken wissen dass sie zu fett sind und haben mit sich selber Probleme. Also gehen sie den Normalen – den Dünnen – auf den Sack und sagen ihnen, sie seien zu dünn. So erlebe ich das als Normaler.

    • Muttis Liebling sagt:

      Wenn heute dick normal ist und Sie normal sind, sind Sie also dick. Oder was soll nun ’normal‘ sein?

    • Roman Rebitz sagt:

      Dann kommen Sie mal nach Zürich und schauen sich die Kinder zwischen ca. 9-13 an, das ist nicht mehr dünn sondern doch öfters nur noch Knochen. Aber es stimmt früher waren bei uns in der Klasse auch nur 2 Personen leicht pummelig, 1 sehr dünn und die restlichen 20 eher schlank und ich kannte nur 1 Kind im gesamten Schulhaus welches dick war . Heute gibt es mehr extreme aber auf beide Seiten.

      • tststs sagt:

        „…sondern doch öfters nur noch Knochen…“
        Ja hei, ist da die nächste Generation von Flitzern unterwegs?! Oder woher wissen Sie, dass da nur noch Haut und Knochen ist 😉

    • adam gretener sagt:

      So einen wie Sie es sind, sollte man man etwas zu fest herzen. Als Erwachsener einfach mal dümmlich zu provozieren, sollte sich doch ausgewachsen haben. Auch mit 50 noch nichts gelernt?

  • Reto sagt:

    Das ist alles gut und recht.

    Aber was, wenn ein Kind zu dünn ist, weil es eben nichts isst?
    Nicht wegen Magersucht, Bulimie oder sonst was, sondern weil es einfach nichts mag und keinen Hunger hat? Da kann man als Eltern schon auch manchmal an Grenzen kommen, wenn man sieht, dass das eigene Kind keinerlei „Reserven“ hat.

    Dass Aussenstehende aber so oder so immer meinen, ihren Senf zu allem möglichen dazu geben zu müssen, damit muss man einfach umgehen können. Wäre eigentlich ein Thema für sich, egal, worauf sich diese „Sorgen“ dann jeweils beziehen.

    • Stranger sagt:

      Naja, Gelassenheit im Umgang mit den Einlassungen der Anderen kommt aus der Gewissheit, dass es diese Anderen meist nicht wirklich besser wissen oder können sondern dass die meisten Ratschläge dumm sind. Sie kommen nur im intelligenten Gewand daher.

  • Sportpapi sagt:

    Wir müssen uns einfach langsam entscheiden, ob wir wollen, dass „das ganze Dorf erzieht“, oder ob jede/r stur für sich selber schauen sollte. Wir haben jedenfalls im Sport und im Unterrichtsumfeld schon manche Diskussion geführt, in denen es gerade darum geht, wann jemand auf sein Gewicht angesprochen werden soll. Und wie.

    • Jeanette Kuster sagt:

      @Sportpapi, das finde ich auch gut und wichtig. Aber wieso muss man bei einem ganz offensichtlich gesunden, sechsjährigen Kind solche Bemerkungen machen? Das ist ja nicht dasselbe wie ein Teenie, der plötzlich abmagert.

    • Carolina sagt:

      Müssen wir das wirklich, SP? Meine Töchter haben völlig unterschiedliche Entwicklungen durchgemacht: die eine war immer am unteren Gewichtsrand, die andere hat schon früh ‚Babyspeck‘ angesetzt und den auch bis Mitte Pubertät behalten. Ein Sportlehrer, der unbedingt der jeweils ganzen Klasse seine Erkenntnisse überstülpen wollte, also keinerlei Rücksicht auf individuelle Umstände machte, hat bei der älteren durch seine (öffentlichen) Wiegeaktionen bei der einen Tochter wirklich einiges angestiftet – sie, die bis dato ein fröhliches, sehr bewegungsfreudiges Kind war, fing plötzlich an, sich selber sehr kritisch zu betrachten. Das habe ich damals thematisiert und dem Sportlehrer wurde dieses untersagt. Ich halte diese frühen Messungen, die ja immer auch Beurteilungen sind, für sehr schwierig. In sehr schweren Fällen (z.B. hat mein Sohn Zwillinge aus dem asiatischen Raum in der Klasse, die wirklich fast schon grotesk übergewichtig sind) halte ich eine Intervention von seiten des Sportlehrers/der Schule bei den Eltern und unbedingt im privaten Rahmen für angesagt, aber nie, nie, nie vor der gesamten Klasse – das wird in fast allen Fällen als Erniedrigung empfunden.

      • Martin Frey sagt:

        Völlig einverstanden, Carolina. Wie ich schon vor einigen Tagen bei einem anderen Thema versuchte habe zu thematisieren: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Lehrkräfte können und sollen sich einbringen, sie müssen aber auch ihre Grenzen kennen und sich immer bewusst sein, wo ihre Kernkompetenzen liegen. Das bedingt, dass sie wissen, wie sie alters-, sach- und kindsgerecht vorgehen sollen wenn ihnen was auffällt. Denn Schaden ist schnell angerichtet, für den die meisten Verursacher dann die Verantwortung nur ungern übernehmen möchten.

      • Sportpapi sagt:

        @Caro: Ich wüsste nicht, weshalb ein Sportlehrer öffentlich wägen sollte. Die wesentlichen Probleme sieht man von Auge, zumal meist auch noch Probleme bei den Füssen dazukommen. Und die meisten Sportlehrer sind sich einig, dass motorische Fähigkeiten/Teilnahme am Sport (=“schwitzen“) viel relevanter sind als ein paar Pfunde zu viel.
        Aber bei massivem Übergewicht und vor allem motorischen Problemen ist ein Gespräch mit den Eltern angesagt (bei Kindern). Die Diskussionen hatten wir aber vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die deutlich und krankhaft übergewichtig waren, keine Kraft und Energie (mehr) hatten, aber sich immer wieder intensivsten Belastungen aussetzten, da sie ja meist sehr ehrgeizig sind.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Wer ist denn Ihrer Meinung nach befugt, über das Gewicht mit Kindern und Eltern zu sprechen? Und weshalb soll es der Sportlehrer nicht sein?

      • Martin Frey sagt:

        @Sportpapi: Der Kinderarzt? Oder der Schularzt, wie in der Stadt Zürich immer noch üblich?
        Im Ernst, Lehrkräfte können derartige Themen selbstverständlich schon auch ansprechen, wie ich bereits erwähnte. Die Frage stellt sich immer, WIE, und in welchem Rahmen wir das tun. Lesen Sie dazu Carolinas Beispiel nochmals.

      • Carolina sagt:

        Ja danke, MF, wollte ich SP auch grad empfehlen….

      • mila sagt:

        Na ja, ich kann mich noch gut an kollektives (und öffentlich verkündetes) Körperfettmessen erinnern im Turnunterricht… Eine wirklich grandiose Idee bei ca. 15-jährigen, das. 😉 Ich hoffe doch sehr, dass das nicht mehr gängige Praxis ist.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Caros Beispiel ist eher absurd. Macht ja nun wirklich wenig Sinn, dass der Sportlehrer einfach so das Gewicht misst. Andererseits misst er ja z.B. auch die Leistung im 12min-Lauf.
        Andererseits ist der Sportlehrer Spezialist für Körper und Training, insbesondere von gesunden Kindern. Künftig hat der ETH-Sportlehrer einen Master in Gesundheitswissenschaften und ist DER Spezialist für das Thema. Zum Kinderarzt geht man, wenn man schon ein Problem entdeckt hat. Oder der Schularzt kommt alle paar Jahre zum oberflächlichen, einmaligen Besuch in die Schule. Dabei kann er wirklich nur Gewicht messen, weiss aber zum Beispiel überhaupt nicht, was das für das einzelne Kind bedeutet, wie es sozial eingebetet ist, wie gerne und wie gut es Sport treibt, usw. Da weiss der Sportlehrer doch einiges mehr. Nur: Es gibt ja gar keine Sportlehrer mehr an der Volksschule (Stadt Zürich muss seine Bemühungen hier auch zurückschrauben).

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Die ausführliche Antwort wartet. Aber kurz: Der Sportlehrer (den man gar nicht mehr will an der Volksschule) ist Spezialist für Körper und Training. Und er sieht die Kinder regelmässig, weiss was sie im Sport leisten, wie sie in der Klasse eingebettet sind, usw. Auf der anderen Seite haben wir den Arzt, der alle paar Jahre einmal für den Reihenuntersuch in die Schule kommt und eine kurze, oberflächliche Untersuchung vornimmt.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Und wenn wir gerade so dabei sind, aus einzelnen Negativbeispielen auf das grosse Ganze zu schliessen. Lesen Sie oben mal die Rückmeldung von mira zu ihrer Kinderärztin.

      • Martin Frey sagt:

        @Sportpapi: Ich wollte die Verdienste und auch den Wert der Sportlehrer nicht schmälern, auch nicht deren Ausbildung geringschätzen, im Gegenteil. Auch teile ich Ihre Vorbehalte, wenn der Sportunterricht (gerade an der Volksschule) derart entwertet wird wie Sie das sagen. Nur sind die Bsp. von Carolina (und mila) ja offenbar auch nicht ganz aus der Luft gegriffen. Ich denke, dass auch Sie dieses beschriebene Vorgehen für wenig sinnvoll und kindsgerecht halten, oder nicht?
        Selber ist mir so etwas glücklicherweise nicht widerfahren, höre aber doch immer wieder Feedbacks von (sagen wir mal) seltsam anmutenden Vorgehensweisen aus der Lehrerschaft. Darum ging es mir. Denn offenbar sind die Vorgehensweisen und auch die Standards bei den Lehrpersonen sehr heterogen, bei verschiedenen Themen notabene. Körperfettmessungen sind nur ein Beispiel davon.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Der Kanton Zürich und die EDK möchten im Fach Sport keine Fachlehrer in der Volksschule, und haben die „Kantonalisierung“ nun dazu genutzt, dies auch umzusetzen. Man möchte mehr Allround-Pädagogen, und weniger Fachleute (was auch eine Folge der verschiedenen Schulreformen ist, die immer mehr Bezugspersonen pro Klasse geschaffen haben – die Sportlehrer sind nun einfache Opfer). Primarlehrer haben minimal 4-6 Ects-Punkte Sportpraxis und eine breite Lehrerausbildung, Sportlehrer mindestens 50 Punkte sowie eine relativ schmale Lehrerausbildung plus das wissenschaftliche Studium.
        Sie haben recht: Schuster bleib bei deinen Leisten. Das gilt für manche Lehrperson, aber nach meiner Erfahrung auch für manchen Arzt.

      • Martin Frey sagt:

        @Sportpapi: „Lesen Sie oben mal die Rückmeldung von mira zu ihrer Kinderärztin.“
        Was wollen Sie damit aussagen? Der Post von mira ist nicht mehr als eine persönliche Anmerkung, in der Sache aber derart inhaltslos und ohne Aussagekraft, dass man (ohne weitere Hintergründe und Details zu wissen) dazu schlicht gar keine seriöse Aussage machen kann.
        Ihre Anspielung ist daher für mich eine Argumentation der Sorte „ich nöd er au“ um zu vermeiden, sich inhaltlich mit den Aussagen auseinanderzusetzen die hier im Raum stehen. Zudem hat das mit dem Thema, welches wir abgehandelt haben, rein gar nichts zu tun.
        Habe aber nicht zum ersten Mal den Eindruck, dass Sie immer wieder grundsätzliche Mühe haben mit Eindrücken, Ereignissen oder Umständen die von anderen geschildert werden, wenn Sie den Sachverhalt nicht aus eigener Erfahrung kennen. Täuscht der Eindruck?

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Wir haben auf der einen Seite Geschichten aus dem Sportunterricht, die für mich „in der Sache aber derart inhaltslos und ohne Aussagekraft sind, dass man (ohne weitere Hintergründe und Details zu wissen) dazu schlicht gar keine seriöse Aussage machen kann.“
        Und Sie haben recht: „immer wieder grundsätzliche Mühe haben mit Eindrücken, Ereignissen oder Umständen die von anderen geschildert werden, wenn Sie den Sachverhalt nicht aus eigener Erfahrung kennen.“ Zumindest dann, wenn ich sehr genau weiss, was in diesen Bereichen in etwa abläuft, ich also genau da vertiefte eigene, gegensätzliche Erfahrungen habe. Wie Sie sicherlich Einzelfallschilderungen von inkompetenten Ärzten auch nicht als allgemeine Erfahrung akzeptieren würden, oder?

      • Sportpapi sagt:

        Aussedem war die Aussage oben nicht ganz inhaltsleer. Ein Kind fit und munter (was dem Kinderarzt vermutlich weniger auffällt als dem Sportlehrer, wie schon einmal ausgeführt). Aber halt nach Perzentil unter Norm, weshalb es nun mehr essen und zunehmen soll. Ob er wohl weiss, wie viel das Kind isst?

      • Martin Frey sagt:

        Sie verrennen sich, SP, und drehen mir wieder mal das Wort im Mund herum, was ich etwas bemühend finde.
        Die „Aussagekraft“ bezieht sich auf miras Geschichte und nicht auf den Sportunterricht, also schauen wir das mal an:
        Was bedeutet „…dünnen Sorte (unter den Perzentil-Linien etc)“? Nada.
        „Als die Kinderärztin uns darauf hinwies, dass sie mehr essen sollte, damit sie zunimmt, haben wir den Kinderazt gewechselt.“ Vielleicht hatte die Aerztin ihre guten Gründe. Kennen wir ihre Argumentation? Wissen wir die Ueberlegungen dahinter, wissen Sie die? Nein. Gibt mira uns Antworten darauf? Nein.
        „…ihr Körpergewicht ist bei uns nie ein Thema. Sie kommt ganz nach der geliebten Grossmutter, die war auch so.“ Schön, nur ist das medizinisch kein Argument.
        Ob ein „Ein Kind fit und munter“ ist kann ein Kinderarzt sehr wohl beurteilen. Die Beurteilung der Essgewohnheiten gehören dabei zu den Standards der EWK. Ich bezweifle jedoch dass es beim Turnen dazu gehört…
        Und wieder kommen Sie mit den Aerzten. Sie haben recht, von Einzelfallschilderungen sollte man nicht auf alle schliessen. Aber wo habe ich das bitteschön getan, dass Sie mir das so repetitiv um die Ohren schlackern? Ich habe Sie einzig darum gebeten, sich auf die Niederungen von Einzelfallschilderungen (Carolina, mila) hinunterzulassen, und sich damit inhaltlich auseinanderzusetzen. Soweit man das in dem Rahmen kann. Das tun Sie aber nicht.
        Da Sie auf mich zielen: Ich hätte keine Probleme damit, auf Einzelfallschilderungen einzugehen, wenn es mein Fach betrifft (tut es hier aber nicht) und falls nötig Kritik zu üben. Sie können mich gerne ein ander Mal darauf behaften.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Das ist offenbar eine Antwort von mir verloren gegangen. Also kurz noch einmal: Ich wundere mich einfach über den unterschiedlichen Massstab, den Sie anlegen. Bei den Beispielen von Caro (wiegen) und mila (Körperfettmessung!) wissen wir gerade gar nichts, in welchem Rahmen das passiert ist, mit welchem Zweck, was der Sportlehrer beabsichtigte. Und was gemeint ist mit öffentlich. Wurden die Daten an die Wandtafel geschrieben? Wurden die halbnackten Mädchen vor versammelter Klasse ausgemessen? Und trotzdem möchten Sie von mir eine Stellungnahme dazu, die ich ja sogar längst geliefert habe. Nein, das gehört normalerweise nicht zum Sportunterricht.
        Auf der anderen Seite die Kinderarztgeschichte. Da legen Sie dann besonderen Wert darauf, zu wenig zu wissen. Obwohl der Gedanke wohl nicht abwägig ist, dass die einen oder anderen Ärzte ihre Empfehlungen bezüglich Gewicht in erster Linie aufgrund der Perzentilwerte treffen.
        Darüber würde ich gerne mehr erfahren: „Ob ein „Ein Kind fit und munter“ ist kann ein Kinderarzt sehr wohl beurteilen. Die Beurteilung der Essgewohnheiten gehören dabei zu den Standards der EWK. Ich bezweifle jedoch dass es beim Turnen dazu gehört…“ Die Essgewohnheiten werden dann zu einem Thema, wenn etwas auffällig ist, und der (Sport-) Lehrer deshalb vielleicht einmal das Gespräch mit dem Jugendlichen oder den Eltern sucht.

      • Martin Frey sagt:

        Sowohl Carolina als auch mila reden von öffentlichen respektive öffentlich verkündeten Aktionen, SP. Für mich tönt das unmissverständlich, auch wenn nicht mehr Details bekannt sind. Denn derartige Dinge gehören meines Erachtens nicht vor ein Plenum. Natürlich wissen wir auch nicht mehr über die Gedankengänge und Ueberlegungen der Lehrpersonen, aber ich bin mit Ihnen gleicher Meinung dass dies nicht zum Sportunterricht gehört. Mehr kann und will ich dazu auch gar nicht sagen, aber um das (und nur das) zu beurteilen muss man nicht mehr Details wissen, meine ich. Ganz im Gegensatz zu mira’s Geschichte. Die Geschichten sind einfach verschieden (nicht mein Massstab) und daher nicht vergleichbar.

      • mila sagt:

        Ich gebe Martin Frey recht, SP: Sie verrennen sich (in letzter Zeit etwas gehäuft). Aber da Sie nach Details fragen, nachdem Sie erstmal stur und ja, durchaus respektlos, auf Abrede schalteten – (je)der Einzelfall scheint für Sie irgendwie immer vernachlässigbar -, hier der Kontext: die Körperfettmessung fand im Rahmen des normalen schulischen Turnunterrichts statt. Ob das damals kantonaler Lehrplanusus war, weiss ich nicht. Und ich unterstelle der Lehrerin noch nicht einmal, dass sie damit ‚Böses‘ oder Abqualifizierendes im Schilde führte; für sie war das normale, abgespulte Routine. Aber in meinen Augen geht es keinen (Sport-)Lehrer (noch die versammelte Klassengemeinschaft) etwas an, was für ein Gewicht oder, in diesem Fall, was für einen Körperfettanteil ein Kind oder Teenager hat. Wie Sie selbst sagen, sieht man relativ gut von Auge bzw. von der Leistung, ob ein Kind übergewichtig und/oder unfit ist – für die Schule muss das reichen. Messungen gehören, bei Bedarf, in den medizinischen Abklärungsbereich (Schularzt) oder ins Private (Interessierte können ihr Körperfett in jedem Fitnessstudio bestimmen lassen).

        Angesichts Ihres Auftretens der letzten Zeit frage ich mich nun aber doch, weshalb gerade Sie auf Freundlichkeit im gegenseitigen Umgang miteinander pochen…

      • Martin Frey sagt:

        Danke für den Support, mila, und die Ausführungen die erwartungsgemäss keine Fragen mehr offen lassen. Ich frage mich höchstens, ob SP darauf nochmals einzugehen gedenkt… 🙂

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Wenn hier jeweils mehrere Personen mir gleiche Rückmeldungen geben, dann kann es tatsächlich an meinen Aussagen liegen. Muss es aber nicht. Ich wiederhole mich gerne: Ich finde Einzelfälle interessant, allgemeine Aussagen lassen sich daraus aber nicht ableiten – und genau das passiert hier aber häufig.
        Das „stur“ nehme ich als Kompliment, auch wenn ich es anders bezeichnen würde – aber sind Sie, Martin Frey oder Caro diesbezüglich anders? Abrede, respektlos, das lasse ich aber so nicht stehen. Zeigen Sie mir den Ort, wo ich Ihre Aussage angezweifelt habe. Oder sonst irgendwie respektlos zu Ihnen war.

      • mila sagt:

        SP, Äusserungen wie „Caros Beispiel ist eher absurd. Macht ja nun wirklich wenig Sinn, dass der Sportlehrer einfach so das Gewicht misst. Andererseits misst er ja z.B. auch die Leistung im 12min-Lauf.“ und „Wurden die halbnackten Mädchen vor versammelter Klasse ausgemessen?“ empfinde ich als respektlos und auch widersprüchlich. Mit der zweiten Aussage steigerten Sie noch zusätzlich die vorgebliche ‚Absurdität‘, und zwar, wie gesagt, ohne jede vorherige direkte Nachfrage. Gibt es denn für Sie eine ‚kontextuelle‘ Rechtfertigung für derartige Messungen innerhalb des Schulunterrichts? Wir anderen sind uns jedenfalls sehr einig, dass es eine solche nicht gibt. Aber so ähnlich läuft es in den letzten Wochen häufiger mit Ihnen, in Ihren ‚kritisch-objektivierenden‘ Anmerkungen betreiben Sie eher unproduktive Haarspaltereien, bis hin eben zu Überspitzungen (Übertreibungen), die Sie selbst ja eigentlich für unzulässig erachten.

        Zum übrigen: Natürlich vertrete ich (m)eine jeweils aktuelle Meinung zu einem Thema sehr entschieden. Nur hat die Erfahrung über die Jahre durchaus gezeigt, dass diese revisionsfähig ist – entsprechend würde ich mich selbst nicht als ’stur‘ bezeichnen, noch eine derartige Fremdbezeichnung in irgendeiner Weise als Kompliment erachten. Und dass meine Meinung wandelbar ist, muss ich noch nicht einmal ‚insgeheim‘ verstecken, im Gegenteil: ich stehe sehr offen dazu. (Für Sie wiederum wäre das wohl eine Beleidigung: wenn jemand Ihnen Wandelbarkeit, respektive geistige Flexibilität, attestieren würde.)

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Ja, absurd, weil selbstverständlich in keinem Lehrplan, in keinem Berufsauftrag vorgesehen. Darauf weist ja der Rest des Satzes hin. Also klar, im Normalfall absolut unzulässig. Das absurd bezieht sich also logischerweise nicht auf die Aussage, sondern den Vorgang.
        Das zweite Zitat ist tatsächlich eine (Nach-)Frage. Denn für Gewicht und Körperfettmessungen ist man üblicherweise nun mal leicht bekleidet. Deshalb macht man das normalerweise in einem eigenen Raum, hinter Sichtschutz. Was daran respektlos oder gar widersprüchlich sein soll entgeht mir ganz.
        Zum anderen: Die Diskussion, in deren Verlauf Sie Ihre Meinung geändert haben, müssen Sie mir erst zeigen. Das würde ja heissen, dass es entweder sehr gute neue Argumente gegeben hat, oder ihre Meinung noch nicht gefestigt war. Ich für meinen Teil halte mich für „ge istig flexibel genug“, um offen auf neue Argumente reagieren zu können. Aber nicht auf (Gruppen-) Druckversuche, die hier immer wieder stattfinden. Das ist das, war mir hier immer wieder auffällt, dieses sich gegenseitig versichern, auf der richtigen Seite zu stehen. Damit wird kein Argument besser.

      • mila sagt:

        Noch eins, auch wenn es für Sie allenfalls nicht relevant ist: würde ich Sie nicht prinzipiell als Mit-Diskutanten schätzen – was ich punktuell immer wieder zum Ausdruck gebracht habe, ungeachtet aller inhaltlichen Meinungsdifferenzen -, würde ich mir einen Kommentar wie den obigen sparen. Nur bemerke ich zwischenzeitlich zunehmend, dass ich mich des Öfteren weder bemüssigt fühle, noch irgendwie Lust dazu habe, auf (Rück-)Meldungen von Ihnen näher einzugehen. Und ja, das hat mit Ihrer gegenwärtigen ‚Diskussionskultur‘ zu tun. Und ebenfalls ja, eigentlich finde ich das schade.

      • Martin Frey sagt:

        Zur Sturheit noch kurz, Sportpapi: Was Sie meinen ist Entschiedenheit, eine gewisse Beharrlichkeit und Ueberzeugung in der eigenen Haltung. Dagegen wäre prinzipiell nichts einzuwenden. Sturheit hat aber für die meisten Leute eine definitiv negative Konnotation, im Sinne von Eigensinn, Rechthaberei, ja bis hin zu Selbstgerechtigkeit. Ein sturer Mensch ist für mein Verständnis grundsätzlich nicht offen für andere Argumente, was er nicht kennt, das existiert nicht.
        Mag sein, dass Sie sich da wiedererkennen, ich für meinen Teil möchte nicht „stur“ sein (hoffe es zumindest) und sehe dies wie auch mila unter keinen Umständen als Kompliment.

      • mira sagt:

        Da sich hier ne längere Diskussion um meinen Post entwickelt hat: Die Gründe, warum wir den KiA gewechselt haben, lagen bei der Spezialisierung des Arztes. Unsere Tochter hat Allergien/Asthma und da haben wir zu einem Spezialisten gewechselt. Der hat ihr Gewicht ihren Krankheiten entsprechend eingeordnet. Nachdem wir das mit Medis/Verhalten größtenteils im Griff haben, hat sie übrigens auch etwas zugenommen. Sie ist immer noch sehr schlank, aber jetzt klar über der 3% Linie.

      • Martin Frey sagt:

        … und schon tönt das Ganze etwas anders und nachvollziehbarer, nicht wahr Sportpapi?
        Danke, mira, für die Ergänzungen. Ihnen und Ihrer Tochter alles Gute.

      • mila sagt:

        SP, ganz offensichtlich sind Sie sich nicht der Art und Weise bewusst, wie Ihre in Ihren Augen vermutlich ’sachlichen‘ Äusserungen und ‚Nachfragen‘ rüberkommen. Nehmen Sie doch einfach zur Kenntnis, dass sie es augenscheinlich nicht auf Ihre intendierte Art und Weise tun.

        Und, ernsthaft, Gruppendruck? Sehe ich überhaupt nicht. MF und ich hatten schon unsere Differenzen, Carolina und ich auch, so wie Sie und ich auch schon Momente eines inhaltlichen Schulterschlusses hatten. So what? Darum geht es hier überhaupt nicht. Sie verweigern sich einfach standhaft der (Selbst-)Wahrnehmung, dass es im Austausch mit Ihnen oft nicht um inhaltliche ‚Probleme‘ geht, sondern um kommunikative. Letzthin, als Sie mich zum Abschluss meiner Auseinandersetzung mit HH ‚rügten‘, dachte ich mir nur einmal mehr: wieder einmal hat er nicht verstanden, was ich tatsächlich geschrieben habe, sondern daran vorbei gelesen bzw. interpretiert. Und offenbar war er aus irgendeinem Grund zudem noch persönlich betupft. Ergo habe ich es – nun zum wiederholten Mal – unterlassen, das Gespräch weiterzuführen. Weil es meiner aktuelleren Erfahrung nach nichts bringt – wenigstens mir nicht.

      • mila sagt:

        Ein letztes PS: Diese Art der Miss-Verständigung kenne ich hier zur Zeit nur mit Ihnen (und früher mit Gabi). Selbst mit HH unterläuft mir das nicht, auch wenn ich die von ihm bewusst propagierte Einseitigkeit für intellektuell unredlich wie auch unsäglich langweilig halte – wobei er, wie er unter anderem heute beweist, durchaus (teils unvermutete) Glanzphasen hat.

        Gerne können mir andere Rückmeldung dazu geben, falls ich mich irren sollte: aber normalerweise habe ich keine Mühe damit, mich selbst bei inhaltlich konträren Meinungen basal zu verständigen (wobei insbesondere mitgemeint ist, dass ich mich wohl-verstanden fühle). Aber mit Ihnen will das bei allem redlichen und teils zuvor sehr ausführlichem (um nicht zu sagen ausuferndem) Bemühen von meiner Seite nicht klappen. Ich sehe deshalb dieses Verständigungs-Problem mit Ihnen eher nicht auf meiner Seite.

      • mila sagt:

        Grmpf, doch noch ein zweites PS, damit Sie mir nicht unterstellen, ich würde Ihnen inhaltlich ausweichen: ich würde sagen, dass sich meine Haltung zur, sagen wir mal pauschal, Gleichberechtigungs- oder Gleichstellungsfrage gerade in den letzten zwei, drei Jahren merklich gewandelt hat. Dies betrifft Frauen- wie Männer-, und dabei insbesondere Unterhalts- und Väterrechte. Das hat sicherlich zu einem guten Teil mit den vorgebrachten Argumenten anderer zu tun (denen ich aufmerksam zugehört habe), aber auch damit, dass meine Meinungen niemals derart gefestigt sind, dass sie besagten guten (neuen) Argumenten gegenüber nicht offen wären.

        Was gefestigt ist, ist allein die dahinterstehende (Wert-)Haltung, verbunden mit (m)einer persönlichen ethischen Einstellung. Wenn ich merke (mitunter durch den nicht immer schmerzfreien Spiegel meiner Um-Welt), dass ein Argument oder ein bestimmtes Handeln meinerseits dem zuwiderläuft, stelle ich mich auf den Prüfstand. Ich wiederhole deshalb auch immer wieder unermüdlich, dass ein hochgehaltener Über-‚Wert‘ wie zum Beispiel Liberalismus nichts wert ist, wenn man ihn nicht immer wieder in bestimmten gegebenen Situationen auf seinen Kern hin abklopft. Da bin ich, zugegeben, sehr ‚foucaultianisch‘ geprägt: ein grosser Begriff ist (und bleibt) im Grunde inhalts- und damit blutleer (also ein reines Lippenbekenntnis), wenn er nicht in einem spezifischen Kontext näher gefasst wird. Aber dass Sie diese mehrfachen Erörterungen meinerseits, ebenso wie die erwähnten Um-Positionierungen, entweder nie richtig registriert, oder aber ausgeblendet haben, spricht in meinen Augen Bände. Dazu passt ebenfalls , dass Sie berechtigter- wie unberechtigerweise immer mal wieder auch gerne mit irgendwelchen Beispielen kommen, die Jahre zurück liegen. Umgekehrt dürften Sie jedoch bemerkt haben, dass ich das Ihnen gegenüber nicht so halte – ich ziehe immer mal wieder einen Neustrich unter eine Auseinandersetzung. Ab dann hört man von mir keine ‚alten‘ Vorwürfe mehr, sondern nur noch Beispiele, die sich auf die letzten Wochen und allenfalls Monate beziehen. Der einzige Punkt, für den das nicht gilt, ist das hier thematisierte Kommunikationsproblem: das besteht seit langem, und scheint mir auch zunehmend problematischer zu werden.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @mila

        …und Gong zur Runde achthundertfünfundsiebzig oder so ähnlich…, naja, dass ich nicht die Einzige bin welche es sich zunehmend zweimal überlegt ob eine Antwort/Erwiderung/Nachhaken noch Sinn macht, und die „Konversation“ auch mal entgegen eigener Wertansprüche kommentarlos verlässt ist irgendwie beruhigend im Sinne von „geht nicht nur mir so“. Da fühlt man sich ja gleich bisschen weniger exotisch 😉

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Schade dass Sie mit keinem Wort auf mein 11:14 eingehen. Obwohl Sie mir doch „respektlos und widersprüchlich“ vorgeworfen haben, was ganz offensichtlich ein Missverständnis ist. So viel zum Thema Verständigungsprobleme. Ich denken allerdings nicht, dass dies nur an mir liegt, habe ich doch eigentlich sonst mit Verstehen und mich präzis ausdrücken nicht so Schwierigkeiten. Und ich nehme auch durchaus die vielen feinen Spitzen war, die Sie in schönster Sprache vorbringen können, wie etwas 13:36, wenn ich auch dieses Mal nicht betroffen war.
        Und Sie haben recht, Sie haben ihre Einstellungen gerade bezüglich der Unterhalts- und Väterrechte gewandelt und sich diesbezüglich verschiedentlich erfreulich klar geäussert.
        Üblicherweise bringe ich auch keine Beispiele, die Jahre zurück liegen, sondern setze mich im Gegenteil dafür ein, das Argument unabhängig von der Person zu würdigen, die es vorbringt. Ich habe mit Ihnen jederzeit diskutiert, von gelegentlichen Ausrutschern mal abgesehen ohne Sie als Person anzugreifen. Ich für meinen Teil werde es auch weiterhin so halten.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: „Was Sie meinen ist Entschiedenheit, eine gewisse Beharrlichkeit und Ueberzeugung in der eigenen Haltung.“ Natürlich. Deshalb schrieb ich ja „auch wenn ich es anders bezeichnen würde.“

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: „… und schon tönt das Ganze etwas anders und nachvollziehbarer, nicht wahr Sportpapi?“
        Wieso meinen Sie? Weil jetzt klar wurde, dass der Kinderarzt offensichtlich mit seiner oberflächlichen Diagnose (zu leicht, mehr essen) falsch lag? Hoffentlich hat er das Kind wenigstens selber an den Spezialisten überwiesen.
        Weshalb die Lehrer bei Caro und mila Gewicht bzw. Körperfett gemessen haben, wissen wir aber immer noch nicht. Vielleicht gibt es ja auch dafür eine vernünftige Erklärung. Aber achtung, erneute Deklaration: Nein, ich finde das im normalen Sportunterricht nicht angemessen. Und nein, die Ergebnisse gehören nicht in die Öffentlichkeit.
        Für mich bleibt jedenfalls unter dem Aspekt „Schuster bleib bei deinen Leisten“ die Parallele bestehen. Weshalb es Ihnen aber so wichtig ist, diese zu bestreiten, weiss ich allerdings nicht.

      • Sportpapi sagt:

        @Brunhild Steiner. Man kann eine Diskussion auch mal mit der Erkenntnis beenden, dass man unterschiedlicher Meinung ist, und man das Gegenüber trotz vermeintlich einleuchtend schlagenden Argumenten nicht überzeugen kann. Das gelingt aber nicht nur mir schlecht.

      • mila sagt:

        Wenn man eine Diskussion in der Erkenntnis beendet, dass die Gegensätze unversöhnlich sind, dann gehört in meinen Augen dazu, dass man den Standpunkt des anderen zumindest als solchen anerkennt. Und nicht (weiterhin) zu seinen Gunsten umdeutet. Wenn ich ein Gespräch hingegen im Verlauf abbreche, dann ist die Haltung eine andere, nämlich die: jetzt ist es mir nun wirklich wurscht, ob der andere verstanden hat, worum es mir ging.

        Ihren Kommentar habe ich zur Kenntnis genommen, aber um ehrlich zu sein: weshalb drücken Sie sich dann nicht von Beginn weg un-missverständlich aus? Das traue ich Ihnen nämlich durchaus zu (im Gegensatz dazu, meinen argumentativen Gedankengängen adäquat zu folgen). Mich beschlich zuletzt der Eindruck, dass Sie unterschwellig genervt sind (wovon auch immer; ich glaube nur nicht, dass es ausschliesslich mit dem MB zu tun hat), und deshalb vermehrt bewusst platzierte Brandsätzchen legten. Mag sein, dass ich mich darin täusche: aber es kam mir in der Tat genau so vor.

        Für eine Körperfettmessung musste ich mich übrigens noch nie leicht bekleidet präsentieren, weder damals in der Schule, noch später vor dem Personal Trainer.

        Und zuletzt: ja, meine Spitzen sind fein – aber dennoch immer klar erkenntlich. Ich agiere nicht aus dem Hinterhalt, und spiele auch selten direkt auf den Mann. Das würde ich tun, wenn ich Sie z.B. als groben, begriffsstutzigen Klotz bezeichnen würde – was ich notabene nicht tue. Vielmehr lege ich meine Meinung – denn darum handelt es sich ja – in aller Regel basierend einer bestimmten beobachteten Verhaltens- bzw. Diskussionsweise dar. Dass ich damit bisweilen daneben greife, liegt in der Natur der Sache: es fehlen hier durchaus wichtige Kommunikationsaspekte, die in einer vis-à-vis Begegnung vorliegen und so manchem Miss-Verstehen vorbeugen. Aber eben: das ändert nichts daran, dass ich gemäss eigenem Empfinden den nachhaltig geprägten Eindruck habe, Sie würden sich meine (und nicht nur meine) Äusserungen etwas gar zu beliebig zugunsten der eigenen Meinungserhaltung zurechtbeugen.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Sportpapi

        meine Rückzüge/Nicht-mehr-Züge Ihnen gegenüber haben ihren Grund aber eher in der Erkenntnis welche mir die angesammelten „Schlaufenerfahrungen“ verschafft haben.

      • mila sagt:

        Das kann ich mittlerweile (leider) wie gesagt bestätigen, Brunhild. Und ja, ich bin auch ‚froh‘, dass es nicht nur mir so geht.

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Das ware meine Aussagen: „Ich wüsste nicht, weshalb ein Sportlehrer öffentlich wägen sollte.“ Und „Caros Beispiel ist eher absurd. Macht ja nun wirklich wenig Sinn, dass der Sportlehrer einfach so das Gewicht misst. “ Ich weiss nun wirklich nicht, ob ich bei so klaren Stellungnahmen wirklich damit rechnen muss, dass das „absurd“ falsch gedeutet wird, im Sinne von unglaubwürdig statt tatsächlich kritisch. Ich bin nicht einmal auf die Idee gekommen.
        Ansonsten habe ich noch einmal nachgelesen, was hier abgelaufen ist. Sie haben recht, in der Sache bin ich genervt, weil ich aktuell gerade einiges erlebe, wo es direkt um die Kompetenz von Sportlehrern geht. Ich wiederhole gerne: die haben heute einen Master, vielfach im Bewegungs- und Gesundheitsbereich, haben eine Masterarbeit geschreiben und dort in der Regel schon einmal mit einer Ethik-Kommission zu tun gehabt. Vielfach sind sie im Bereich Übergewicht, Ernährung und Training DIE Fachleute, zumal sie die Schüler eben regelmässig sehen. Ja, da reagiere ich genervt, wenn ein Arzt zum wiederholten Mal darauf hinweist, dass Lehrer im Gesundheitsbereich ihre Kompetenzen überschreiten. Dass es das gibt, ist klar. Wie überall wo ganz unterschiedliche Menschen arbeiten.

      • Martin Frey sagt:

        Jetzt haben Sie es wieder getan, Sportpapi! Offenbar können Sie momentan einfach nicht anders. Denn mit Ihrem „…Kinderarzt offensichtlich mit seiner oberflächlichen Diagnose (zu leicht, mehr essen) falsch lag? Hoffentlich hat er das Kind wenigstens selber an den Spezialisten überwiesen.“ haben Sie wieder jegliche Sachlichkeit hinter sich gelassen zugunsten tendenziöser Unterstellungen und giftelnder Anmassungen ohne besseres Wissen.
        Eigentlich wollte ich mich wie versprochen behaften lassen und Ihnen etwas über Perzentilen und EWK erzählen, da sich mira’s Fall Ihren Kenntnissen offenbar nicht so offenbart wie er es sollte. Wenn ich ehrlich sein will ist mir das aber nun, mit Verlaub, zu blöd. Denn wie aus Ihrem Post von 20:58 herauslesbar ist, reagieren Sie nun doch ein Stück weit hier einen Frust ab, anstatt sich inhaltlich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen wie es wünschenswert wäre, und wie es ansonsten Ihr Stil nach meinem Dafürhalten immer gewesen ist. Sie geben hiermit allen Kritiken recht, deren Anmerkungen zu den beobachteten Veränderungen Ihres Kommunikationsstil an Ihnen ebenso abzuprallen scheinen wie Wasser auf einem Regenschirm. Was der Sportlehrer nicht kennt, das existiert nicht, das ist mein ernüchtertes Fazit eines für meinen Teil frustrierenden Threads.
        Einzig eine Frage sei mir zum Schluss gestattet: Wie glauben Sie, hätte ein Sportlehrer mit all seinen Körperfettmessungen und Belastungstests das Problem bei mira’s Kind erkennen können? Sie können mir gerne eine Antwort darauf geben wenn Sie Ihre Contenance wieder haben, ich für meinen Teil ziehe mich zurück und wünsche Ihnen einen schönen Abend.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Ich lese gerne von Ihnen etwas über Perzentile und EWK (was immer sich hinter dieser Abkürzung verbirgt). Denn vom (schul-) ärztlichen Umgang damit weiss ich wenig (von anderer Seite durchaus). Und nein, das Problem hätten selbstverständlich die Sportlehrer auch nicht erkannt. DAS ist dann definitiv nicht mehr ihre Aufgabe. Deshalb verweisen sie ja, wie alle Lehrer, auffällige Kinder zur Abklärung an die Spezialisten.

      • mila sagt:

        Ja, SP, diesen Frust kann ich sogar sehr gut nachvollziehen – den kennt jeder, der Experte auf einem bestimmten Gebiet ist, und dessen Expertise – individuell oder als Berufsstand – in Frage gestellt wird, unter teils zweifelhaften oder auch schlicht uninformierten Begründungen. Aber damit muss man umgehen lernen, denn nicht jede Kritik eines ‚Laien‘ ist zwangsläufig unberechtigt, selbst wenn es nur um einen thematisierten Einzelfall handelt. Entsprechend ernst sollte man sie (zur Kenntnis) nehmen, und nicht reflexartig als wahlweise substanzlos, verallgemeinernd, respektive ‚im Grossen und Ganzen‘ vernachlässigbar von sich weisen. So versuche ich es zumindest zu halten (es gelingt mir auch nicht immer gleich gut), wenn ich auf Akademikerskepsis im Allgemeinen und Geisteswissenschaftenskepsis im Besonderen stosse. Denn auch wir ‚Geisteswissenschaftler‘ sind ausgewiesene Experten: für wahlweise Text-, Diskurs-, Kultur-, Medien- und Gesellschaftsanalysen (die Liste wäre selbstredend weiterzuführen). Und wir arbeiten in aller Regel genauso akribisch, methodisch-systematisch und sorgfältig wie alle anderen ‚exakten‘ Wissenschaftler. Wenngleich mit anderen Instrumentarien, die ihre eigene qualitative (und mithin durchaus auch quantitative) Berechtigung haben.

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Wir haben festgestellt, dass ich deutlich gesagt habe, dass Wägen und Körperfettmessen üblicherweise nicht teil des Sportunterrichts ist. Und dass dies sicher nicht öffentlich passieren sollte. Und dass das „absurd“ fehlinterpretiert wurde, weil ich sicher nicht die zwei Beispiele anzweifeln wollte. Und jetzt kommen Sie wieder mit „nicht reflexartig als wahlweise substanzlos, verallgemeinernd, respektive ‚im Grossen und Ganzen‘ vernachlässigbar von sich weisen“.
        Wobei mich schon wunder nimmt, was Sie aus diesen beiden Beispielen herauslesen möchten. Dass es unter 40 000 Sportunterrichtenden Lehrpersonen solche gibt (gab), die sich nicht an die Regeln halten? Die trotz umfassender pädagogisch-didaktischer Ausbildung im Umgang mit Kindern und Jugendlichen danebengreifen? Das ist zweifellos so, wer sollte das bestreiten.

      • Carolina sagt:

        Bin ein bisschen spät dran mit dieser Stellungnahme, weil ich tatsächlich wegen der fehlenden letzten Kommentare diese Diskussion hier verpasst habe.
        Auch wenn es Dich nicht begeistern wird, SP, aber ich schliesse mich vorbehaltlos MF, BS und natürlich mila an, die in viel besseren Worten als ich das ausdrücken, was mich nicht erst seit Monaten umtreibt. Ich drücke es mal einfacher aus:
        Verstehst Du tatsächlich nicht, was Deine beiden Sätze, nochmals von Dir zitiert 30/9, 20:58, in dieser Form aussagen? Muss man Dir das wirklich erklären? Sie bedeuten für mich: an den Haaren herbeigezogen, wenn nicht sogar erfunden, kann ja gar nicht sein….
        Und so ist es fast immer, wenn es um ein Thema geht, das aus irgendwelchen Gründen ausserhalb Deines Erfahrungsbereichtes liegt bzw in Deiner Einschätzung irrelevant zu sein hat nach dem Motto ‚was nicht sein darf, das nicht sein kann’….. Dann über dutzendfache Spitzfindigkeiten, Voltes und Differenzierungsversuche die üblichen Diskussionsversuche, die, wie man hier deutlich wieder sieht, in einer Sackgasse landen, weil sie nur dem einen Ziel zu dienen scheinen: des Beweises, dass Du mal wieder Recht hattest – immer implizierend, dass scheinbar alle anderen Falschfahrer sind und Du der einzige, der die richtige Spur hat
        Das nehme ich mittlerweile persönlich und mache mir oft nicht einmal mehr die Mühe, Dir zu antworten, weil ich die Vorboten schon kenne.

        Schade, SP. Denn niemand wird bestreiten, dass Du ein informierter, intelligenter und interesssierter Zeitgenosse bist – aber leider werden diese Teufelskreise des sich-ständig-erklären-müssens, um dann doch immer wieder am Ausgangspunkt anzukommen, immer mühsamer.

      • Carolina sagt:

        Und der guten Ordnung halber noch dieses: natürlich hat es diesen Vorfall in der Klasse meiner Tochter gegeben! Oeffentlich hiess in diesem Fall vor der gesamten Klasse, was ich und viele andere Eltern für unmöglich hielten. Dieser Sportlehrer, der heute noch ‚wirkt‘, musste noch in anderen Dingen zurückgepfiffen werden: er zeichnet sich durch (mMn überspitzten) Ehrgeiz, Halbwissen (er ist Experte in Extremsportarten, wenn überhaupt) und mangelndes Sozialverhalten aus – trotzdem liess ihm die Schule freien Lauf, das neue Schuljahr mit einer Wiegeaktion zu beginnen (angezogen, da Dir das so wichtig erscheint) – jedes Kind musste vor den anderen auf die Waage. Sein Plan war Gewichtsabnahme zum Ende des Halbjahres bzw zunehmende Fitness, zu messen in Gewicht.
        Was das mit 10 oder 11-jährigen Kindern, vor allem Mädchen, anrichten kann, müsstest Du eigentlich verstehen – vor allem, da in diesem Alter die Körperform noch keineswegs gefestigt ist.
        Von mir aus kann man das als Einzelfall abtun (bei meinen anderen Kindern habe ich das nie erlebt, auf der anderen Seite weiss ich von einigen anderen Beispielen und Milas Bericht) – wichtig ist einfach für mich, dass man in diesem Bereich, wenn es um Kinder und Jugendliche geht, ein hohes Mass an Sozialkompetenz haben sollte, Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit, über das eigene Fach hinausschauen zu können. Es steht wirklich manchmal sehr viel auf dem Spiel.
        Und nochmal: in wirklichen Extremfällen, bei sehr auffallendem Ueber- oder Untergewicht ist es natürlich wichtig, dass die Schule/der Schularzt mit den Eltern in Verbindung setzt. Zu beachten ist aber immer, dass immer mehr ‚Fälle‘ heute als extrem eingestuft werden, die noch vor kurzer Zeit als normal oder als entwicklungsbedingt angesehen wurden. Für meine Begriffe sind viele dieser immer rigoroser werdenden Grenzwerte ein Unsinn, der mehr schadet als nutzt.

      • Sportpapi sagt:

        @Caro: Offensichtlich seid ihr euch einig, was meine Sätze aussagen. Trotz der sehr deutlichen Worte daneben. Und ihr bleibt dabei, obwohl ich mich dazu nun schon x-fach erklärt habe. Ich halte das nicht gerade für wohlwollend. Gerade weil auf dieser Fehlinterpretation all das abgeleitet wird, was ihr mir sonst noch so anhängen möchtet.
        Und zum anderen. Ausgangspunkt war die Forderung: „Schuster bleib bei denen Leisten. Jetzt erklärst du (eine Haltung, die ich natürlich teile): „wichtig ist einfach für mich, dass man in diesem Bereich, wenn es um Kinder und Jugendliche geht, ein hohes Mass an Sozialkompetenz haben sollte, Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit, über das eigene Fach hinausschauen zu können.“ Meinst du nicht, dass dies gerade das Anforderungsprofil, die Kernkompetenz einer Lehrperson sein sollte? Insofern ist doch das Problem bei deinem Beispiel eben nicht, dass der Lehrer Gewicht misst. Sondern wie er in seinem ureigenen Gebiet völlig versagt.

      • Sportpapi sagt:

        @Caro: Noch ein Nachtrag: Wie kommst du eigentlich zu verschrärften Grenzwerten? Wo soll da in den letzten Jahren irgendeine Anpassung vorgenommen worden sein? Aber wenn ein Erstklässler im Schnitt 24Kg schwer ist. Wo würdest du dann eine Grenze ziehen? Bei 30Kg? (+20%) Bei 40? Die schwersten sind über 60kg… Dasselbe beim Untergewicht. Und wie begründet man die Grenzwerte?
        Und natürlich finden Vorsorgeuntersuchungen leicht bekleidet bis sogar teilweise nackt statt (Entwicklungskontrolle). google doch mal, weil das gerade in der von dir beschriebenen Altersstufe mancherorts für heftigen Protest sorgt. Obwohl sie natürlich eben nicht vor der ganzen Klasse stattfinden.

      • Sportpapi sagt:

        Ah, und noch einmal etwas zu Grenzwerten: Gerade wurden die Bewegungsempfehlunge angepasst. Statt täglich eine halbe Stunde (regelmässig!) wird nun doch wieder nur der Gesamtumfang vorgegeben (also 1-2 längere Trainings pro Woche reichen auch). Das führt zu vielen Protesten bei „Fachleuten“, weil nun plötzlich sehr viel weniger Menschen in der Schweiz sich statistisch zu wenig bewegen…

  • Hering sagt:

    Und das gibt es auch bei Jungs. Wenn man versucht, passende Kleider für dünne Heringe zu finden, muss eine wahre Spürnase sein. Die meisten Hosen sind so weit geschnitten, dass sie selbst mit Gurt nur noch blöd aussehen. Ab einem gewissen Alter legt sich das Problem hoffentlich von selbst, wenn alles danach strebt, schlank zu sein.

  • Nora sagt:

    Es kamen meistens dicke Frauen, mittleren Alters, auf meine Tochter zu und haben sie auf unhöflichste Art und Weise gefragt ob sie Magersüchtig sei, oder vielleicht unter Bulemie leidet. Für meine Tochter, die wirklich dünn war, ( nicht magersuchtig ) war es ein Qual. Ich habe sie vorgeschlagen solche Frauen ganz höflich zu fragen ob sie selber Fresssuchtig wären………. und dass hat sie dann getan. Normalerweise fragen wir Übergewichtige Leute nicht warum sie so dick seien, umgekehrt aber, scheinen wenige Hemmungen vorhanden zu sein.

    • tststs sagt:

      Oje, jetzt wird sich schon darüber beschwert, dass sich Mitmenschen um einander sorgen machen.
      Nicht falsch verstehen, natürlich ist es für die Tochter ermüdend (eine meiner Schulkameradinen musste durch denselben Spiessrutenlauf), aber was wäre denn die Alternative?!?
      Und dass man auf Magersucht schon bedeutend mehr achtet als auf Adipositas sollte in Ihnen auch eher Mitleid mit Übergewichtigen hervorrufen, als noch zusätzlich mit dem Finger drauf zu zeigen…

    • Sportpapi sagt:

      Ganz höflich?

    • maia sagt:

      „Normalerweise fragen wir Übergewichtige Leute nicht warum sie so dick seien,…“ ich möchte fast sagen, leider fragt das niemand. Es wird nämlich einfach unterstellt, dass übergewichtige Leute undiszipliniert seien und zuviel Essen. Sie müssten nur weniger futtern und mehr Bewegung und dann wäre alles gleich in Ordnung. Sie wissen gar nicht, wie oft ich gehört habe: „Du musst nur aufhören zwischen den Mahlzeiten zu essen, keine Gipfeli, Chips, Schoggi.. mehr und etwas mehr Bewegung und dann ist alles ok“. Ich habe noch nie zwischen den Mahlzeiten gegessen, Gipfeli, Chips etc mag ich gar nicht und ich mache täglich mindestens 1 Stunden Ausdauersport. Leider, leider bin ich doch schlicht und einfach DICK und das hat mindestens zum Teil mit der Schilddrüse zu tun. – Ich wäre also sehr froh, die Leute würden mich fragen, warum ich rundlich bin.

  • tststs sagt:

    „Natürlich bekommt meine sechsjährige Tochter solche Bemerkungen mittlerweile auch mit. Und das ärgert mich, ….“
    Wieso? Hat man dieselben Befürchtungen, wenn jemand das Kind auf seine blonden Locken aufmerksam macht, oder es gar lobt für die schönen braunen Augen? Wohl kaum…
    Ein Kind macht sich NICHT „völlig grundlos …Gedanken…, ob ihr Körper in Ordnung sei“, weil es NICHT mit solchen Aussagen konfrontiert ist, sondern weil es lernt/gelernt hat, solche Aussagen angemessen zu gewichten!

    • adam gretener sagt:

      Ein Freund hat sich vor lauter Kummer und Sorgen etwas Speck angefressen. Er hat mir unter Tränen erzählt, wie sogar das einäugige bucklige Hinkebein sich plötzlich dazu befähigt fühlen, ihn auf die 20 Kilo zu viel anzusprechen.

      • tststs sagt:

        Aber jetzt mal ernsthaft: Hat er im Grunde wegen der 20 Kilos zu viel geweint oder wegen der Bemerkung dazu?!?
        (Gott, bin ich heute morgen gemein… bitte nicht falsch verstehen, natürlich wünschte ich mir auch eine Menschheit, die nicht auf Äusserlichkeiten achtet, die nicht schubladisiert, die nicht über andere richtet… aber das ist der Mensch nun mal nicht…)

    • Jeanette Kuster sagt:

      @tststs, mMn kommen diese «Hei mag die esse, däbi isch sie so dünn»-Sätze schon etwas anders daher als ein simples Kompliment à la «Oh, häsch du schöni Locke!». Aber bis zu einem gewissen Grad gebe ich Ihnen schon recht. Mir ist z.B. aufgefallen, dass meine Tochter erst genauer über das Thema nachdenkt, seit sie im Kindergarten ist. Und da ist das Gewicht offenbar bereits ein Thema unter den Kindern. (Eins der Mädchen hat mir tatsächlich einmal gesagt, wenn sie gross sei, wolle sie so schlank sein wie ich. Ich kann mich nicht erinnern, mir je solche Gedanken gemacht zu haben als kleines Kind.)

      • tststs sagt:

        Auch hier muss ich wieder fragen: Was ist so schlimm daran?
        Wenn ein Kind sagt, dass es eine Journalistin wie Sie werden will, dann spricht doch auch nichts dagegen. Natürlich ist mir an dieser Stelle bewusst, das hier ein Qualitätsunterschied („durch eigene Leistung erbracht“ vs. „so geboren“) angemerkt werden könnte.
        Das Problem entsteht doch erst, wenn mit einem bestimmten Körperbild eine gewisse Wertigkeit einhergeht!
        Aber auch hier gäbe es das passende Gegenstück, nämlich dann, wenn z.B. Eltern nicht wollen, dass ihr Kind „NUR“ eine handwerkliche Ausbildung macht…

  • Schlanke Mama sagt:

    Es erging mir sehr ähnlich wie der Schreiberin.Meine Tochter lag und liegt immer bei der unteren Gewichtsklasse.Der erfahrene und kurz vor der Pensionierung stehende Kinderarzt sagte bei der ersten Untersuchung zu mir:das wird einmal eine grosse und sehr schlanke Frau.Was musste ich mir von Familienmitgliedern und besorgten Kindergartenmamis für wohlgemeinte manchmal freche Ratschläge anhören…meine Tochter ass alles,manchmal weniger manchmal mehr…heute sind die Mamis verstummt,dafür geben die Teenie-Mitschülerinnen mit den üppigeren Figuren fiese Komentare ab.Ich habe meiner Tochter gelernt:schlag mit den gleichen Waffen zurück…nur so verstummen sie ….ich war genau gleich ,musste mir dasselbe anhören….alles was nicht in die Norm passt wird kritisch beäugt und mit Ratschlägen eingedeckt-ob dick oder dünn….zu gross oder zu klein…die Natur sucht sich ihren Weg und deshalb sind nicht alle gleich und das ist gut so.

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