Schluss mit Jammern

Besser sogar als Bier: Ein schlafendes Kind.

Schlägt alles: Ein schlafendes Kind.

Kinder haben heisst: spazieren gehen. Ziellos und an den unmöglichsten Orten. Also stiess ich neulich meinen Buggy die Zürcher Bahnhofstrasse hinunter. Es war Feierabend und in den Bars hingen Banker an Mojitos. Leiser Frust überkam mich. Die kosten bestimmt 20 Franken! Unbezahlbar für einen Familienvater! Überhaupt: Wann hatte ich zum letzten Mal ein Feierabendbier?

Während ich diesen düsteren Gedanken nachhing, tauchten auf einmal ein paar Bekannte auf. Ob ich heute Abend auch Fussball schauen komme? Nonchalant lehnte ich ab – doch sie gaben sich hartnäckig: Warum ich nie mehr im Stadion sei? Ich dachte: Ja, warum eigentlich? Dann murmelte ich etwas von «viel los im Büro» und machte mich davon.

Wenige Meter weiter erwartete mich ein neuer Tiefschlag. In der Badi am Fluss sass eine Gruppe wunderbarer Geschöpfe, wie sie nur Zürich hervorzubringen vermag. Umhängetasche, Turnschuhe, freier Bauch – früher wäre das genau meine Kragenweite gewesen. Früher! Trotzdem lächelte ich hinüber. Just in diesem Moment standen die Frauen auf und zogen hüfteschwingend davon. Deprimiert reichte ich meinem Kind den Schoppen. Jetzt gab es nur noch einen Ort für mich: Das Gemeinschaftszentrum.

Kaum dort, verliebte sich mein Sohn auf der Rutschbahn in ein gleichaltriges Mädchen. Also musste ich meinerseits mit ihren Eltern smalltalken. Während ich mir anhörte, was für tolle Fortschritte die Kleine neulich alles hingelegt hatte, musterte ich meine Gesprächspartner. Beide waren in meinem Alter. Allerdings hat er sich besser gehalten als ich – mit dem Nachwuchs kam bei mir auch die Wampe. Plötzlich Geschrei. Mein Sohn hatte das Mädchen von der Rutschbahn gestossen. Mir blieb heute nichts erspart!

Ich beschloss, nach Hause zu gehen. Es war zwar erst sieben, doch mit ein bisschen Glück würde der Kleine heute schon früh schlafen. Dann könnte ich die Tagesschau wieder einmal um halb acht gucken. Wie alle anderen. Und danach noch ein paar Mails verschicken. Also putzte ich meinem Sohn im Eiltempo die Zähne, steckte ihn ins Bett und trällerte ein Gutenachtlied, worauf er auch prompmt wegschlummerte. Schon wollte ich mich triumphierend aufrichten, als mein Blick auf das schlafende Kind fiel. Die Augen waren zart geschlossen und der Mund von einem unbekannten Vergnügen umsäuselt. Es träumte und war gleichzeitig ganz nahe bei mir. Dann lächelte es und erglühte dabei so wunderbar, dass ich mich für mein Gejammer schämte.

zweifelPhilippe Zweifel, 36, ist Kulturredaktor bei Newsnetz und Vater eines Sohnes. Er lebt mit seiner Familie in Zürich.

78 Kommentare zu «Schluss mit Jammern»

  • Maren sagt:

    1. frage: ist der mann verheiratet..so von wegen mit dem kind spazieren gehen und irgendwelche „schönen geschöpfe“ anflirten..naja^^
    2.ansonsten schön=)

  • tanschi sagt:

    hübsch! wobei ich nicht wirklich glauben kann, dass es ganz ohne fussball und feierabendbier geht. sonst wird das also endlich wieder mal zeit!

  • Mueller Philipp sagt:

    wirklich ein super beitrag! vielen dank.

  • Christian sagt:

    Wow, ich hatte gerade ein Déja-vue… Danke!

  • maia sagt:

    @Laura: schade, dass Sie erst arm werden mussten, um die wichtigen Werte im Leben zu erkennen….. Wie Mira schon erwähnte, es gibt auch Leute die nicht so arm sind und dies trotzdem erkennen.

  • M. Aleteis sagt:

    @KA: so ist es
    Kinder habe ist hart. Es braucht Disziplin, Verzicht, Kraft, psychische Belastbarkeit and eine Menge unangenehmer „Tugenden“ mehr. Wer das nicht bringt, kriegt Riesenprobleme. Frust und Depression. Leute, die während sie am Zusammenbruch wandeln noch erzählen, wie toll es ihnen geht, sind zu bedauern.

    Kinder haben ist nichts für jeden in unserer Gesellschaft und wer nicht genug Risikobereitschaft, Ausdauer, Power und Mut hat , sollte besser Gummis kaufen. Es ist wie mit dem Hochgebirgsbergsteigen: Einem Flachlandtiroler kann man nicht erklären, warum sich das doch lohnt – und rät ihm doch besser unten zu bleiben.

  • marc sagt:

    …man o man, war gestern ein bier trinken, ohne kinder, kam gut. heute wieder alltag. kinder ziellos durch die gegend karren, am abend mit etwas glück noch eine dvd. viel spass…..

  • rena sagt:

    @Ka: Ich kann Ihre Ausführungen nachvollziehen, wenn auch nicht mit solchem Nachdruck. Ja, auch mich packt manchmal ein Gefühl des stillen Missgönnens, wenn ich einem ach so tollen Anlass nicht beiwohnen kann, weil ich keinen Babysitter habe. Und vielleicht mag ein einzelnes Lächeln nicht ganz einen noch so versch* Tag unvergessen zu machen, aber es relativiert einen solchen 100%ig.

    Im übrigen, in meiner Wahrnehmung gibt es auch bei ganz vielen kinderlosen Personen eine extrem grosse Diskrepanz zwischen den dargestellten Bildern gegen aussen (öffentlich) und innen (privates Umfeld). Ich übertreibe nun vielleicht etwas, aber grundsätzlich ist es doch so: alle Singels, beispielsweise, finden ihr Leben sowas von super und toll – man kann selbst bestimmen, keiner redet drein, blabla – aber eigentlich wünschen sich doch (fast) alle einfach etwas Liebe und Geborgenheit. Tja… wie man’s als Kind schon hatte, man hätte eigentlich im Moment immer lieber das, das die Anderen gerade haben…

    Nun denn, aber grundsätzlich sehe ich dieses „Gejammer“ in diesem Blog sowieso nicht ein. Mit etwas Organisationsgeschick bringt man doch so einiges unter einen Hut, mitsamt Kind. Und wenn’s dann eben wirklich mal wieder diese hippe Bar sein soll, tja, dann brauchts halt mal einen Babysitter. Ach ja , und womit wir wieder bei anderen Blog-Themen wären, ein bis zwei Tage arbeiten pro Woche hemmt den Hausfrauen-Frust ungemein und meinen Kindern gefällts erst noch ausserordentlich in der Krippe…

  • Brunhild Steiner sagt:

    @Laura: das finde ich echt super und merci für die Info! Ich (und einige andere wohl ebenso) habe mir wirklich Sorgen gemacht, ich wünsch Dir ganz gute Nachrichten, viel Kraft, Mut und Glück!
    🙂

  • Laura sagt:

    @Brunhild
    deine „Angriffe“ haben mich zum Nachdenken angeregt und ich wollte dir nur schnell mitteilen, dass ich heute beim Arzt war.

  • Katharina sagt:

    @mira: danke für die Antwort. So hatte ich das noch nicht betrachtet. Finde aber, dass der Faden in die Richtung gesponnen vom Thema wegkommt.

    Sonja sagt: „Was wohl die Gattin davon hält, dass er das Kind als Flirtmethode vorschützt..“ Ein bekannter Trick. Man bemühe Two and a Half Men. in der Episode mit Charlie und Jake im Supermarket. Aber man kann ja alles moralisieren.

  • gargamel sagt:

    @sonja: in der heutigen jugendfixierten welt kann die beschreibung dieser „wunderbaren geschöpfe“ gut und gerne auch auf 30+ hindeuten… der autor lebt in zürich…

  • Sonja sagt:

    hm.. wunderbare Geschöpfe, die bestimmt noch nicht aus dem Schutzalter raus waren – der Autor behält seine Augen besser bei sich. Was wohl die Gattin davon hält, dass er das Kind als Flirtmethode vorschützt..

  • Luise sagt:

    Ich war erst 24 beim 1. Kind, freute mich, hatte romantische Vorstellungen und keine Ahnung wir hart es ist, Kinder zu haben…

    Heute wird das Kinderhaben ja viel mehr geplant – einfach ist deshalb nicht geworden.

  • Marcel sagt:

    @Laura: Ich war zu Beginn der Neunzigerjahre eineinhalb Jahre arbeitslos- ohne Arbeitslosenversicherung hätte ich diese Zeit niemals überwunden.

    Nehmen Sie die Hilfe des Sozialamtes ins Anspruch- und Ergänzungsleistungen können Sie, wenn’s nicht reicht, noch zusätzlich beantragen.

    Ihre Haltung in Ehren- aber Hilfe in Anspruch nehmen ist heutzutage, wo immer mehr Menschen mit Erwerbs- und Biografiebrüchen konfrontiert werden, beileibe nichts besonderes mehr. Es ist kaum vorstellbar, dass es heute noch Menschen gibt, die das noch nicht begriffen haben- niemand wird mit dem Finger auf Sie zeigen.

  • Brunhild Steiner sagt:

    @Laura: das Einzige was ich Ihnen „ankreide“ ist die Verweigerung aus finanziellen Überlegungen medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. (Falls Sie diese Hürde inzwischen genommen haben, ist diese Post gegenstandslos). Wenn Sie schon so stolz auf die beigebrachte Verantwortung Ihren Kindern gegenüber sind, dann sollten Sie diesen wichtigen Bereich nicht davon ausklammern. Sie lehren Ihre Kinder was ganz Destruktives, die Grenzen nicht rechtzeitig erkennen kann böse ins Auge gehen- und spätestens dann sind Sie (und Ihre Kinder) hochgradig gestresst und unglücklich noch dazu.
    Ich finde es toll wie Sie standhaft bei Ihren Überzeugungen bleiben, aber eben, zum Beweis dass Sie das alles ganz genau nehmen, müssen Sie sich ja nicht gleich auf den Opfertisch werfen, oder?
    Also nochmals, wir alle wünschen Ihnen viel Mut- und packen Sie es endlich an! Im Moment lese ich Ihre Beiträge mit sehr gemischten Gefühlen…
    🙂

  • mira sagt:

    @Laura
    ja, da kann ich auch unterschreiben. wobei wir wohl eine unterschiedliche auffassung von „wenig“ haben… 🙂

  • Thomas sagt:

    …24h präsenz, aufgefressen, ihr schafft das! – welcher begriff passt da nicht?

  • Laura sagt:

    @mira
    stimmt, aber wenn man wenig hat ist man auch nicht automatisch unglücklich, neidisch, gestresster als andere.

  • gargamel sagt:

    @luise: „Kinder haben bedeutet 24-Std-Präsenz“.

    das stimmt imho nur für einen beschränkten zeitraum. zudem: war ihnen das nicht bewusst, bevor sie kinder hatten? ich hatte da nie wirklich illusionen… there is no such thing as a free lunch…

  • mira sagt:

    @Laura
    Die menschlichen Werte die Du zu vermitteln versuchst, verstehe ich sehr wohl und da bin ich auch sehr einig mit Dir. Ich finde es jedoch nicht richtig, menschliche Werte gegen Geld auszuspielen. Wer mit wenig Geld auskommen muss(will), ist nicht automatisch „natürlicher“, „menschlicher“, „sozialer“ oder so. Dazu gibt es genügend Gegenbeispiele (z.B. in meiner angeheirateten Verwandtschaft). Ethische Werte existieren unabhängig vom Einkommensgrad.

  • Laura sagt:

    @mira
    ich glaube, du kannst das nicht verstehen, aber macht nichts, hätte ich früher auch nicht gekonnt.

    @Luise
    da hast du es wohl früher verpasst deinen Kinder aufzuzeigen, dass du auch ein Mensch mit eigenen Bedürfnissen bist und dass sie das auch respektieren müssen. Meine haben mir schon als Kleinkinder meinen Raum gelassen, weil ich schon da manchmal gesagt habe, dass ich jetzt mal Pause habe und nicht gestört werden will.

  • Luise sagt:

    @ alle

    „Ich fühlte mich als Individuum durch Euch Kinder oft stark eingeschränkt, ja aufgefressen. Mir fehlte der Freiraum. Ich brauche viel Zeit für mich allein. Kinder haben bedeutet 24-Std-Präsenz“ schrieb ich kürzlich an meine 30-jährige Tochter. Sie fand, gerade diese Ehrlichkeit zeichne mich als „gute Mutter“ aus.

    Es ist eine Gratwanderung. Man ist als Mutter/Vater oft frustriert und sehnt sich nach ein bisschen Freiraum. Dann wiederum sind unsere Kinder das tollste, was uns im Leben passiert ist.

    Ihr schafft das!

  • mira sagt:

    @Laura
    All das, was Du schreibst, geht auch mit einem normalen Einkommen. Um diese Dinge zu erreichen muss man nicht arm sein. Armut bedeutet auch immer Stress, und die Energie, die in die Bewältigung dieses Stresses geht, fehlt dann in anderen Dingen.

    Was mich noch wundernehmen würde: Wenn Deine subventionierten Krankenkassenbeiträge 25% Deines Einkommens ausmachen, dann musst Du ja praktisch „nichts“ verdienen. Ich frage mich, in welchem Beruf (mit wieviel %) man so wenig verdient? (Sorry, wenn diese Frage zu persönlich ist. Musst nicht unbedingt antworten). Denn das Einkommen muss meiner Schätzung nach bei etwa CHF 2000.- liegen… Und das ist deutlich zu wenig für eine 3-köpfige Familie!

  • Laura sagt:

    @mira
    Ich finde es etwas vermessen, wie du über andere urteilst, deren Leben du gar nicht kennst. Ich kann dir versichern, ich hatte auch mal ein ganz „gewöhnliches Leben“ mit Haus und Garten, Hund, Zweitauto, Ferien, Teilzeitjob und Mann, aber dahin möchte ich unter keinen Umständen mehr zurück. Jetzt hab ich wenig Geld, (ich weiss, ich könnte jederzeit beim Sozialamt mehr kriegen) aber dafür hab ich heute innere Ruhe, Ausgeglichenheit, brauche nicht mehr dem Luxus hinterher zu jagen. Es braucht eine gewisse Zeit, bis man das eingesehen hat aber danach findet man die Oberflächlichkeit, die Jagd nach immer mehr einfach nur noch langweilig und sinnlos. Als die Kinder noch kleiner war, da war es manchmal schon hart, das geb ich zu, da war eine Umarmung oder ein Lächeln des Kindes oft der einzige Trost für die Plagerei, aber heute sind die Kinder gerade daran gewachsen und wissen was wichtig ist in ihrem Leben und das ist sicher nicht das Geld, vielmehr die Beziehungen zu anderen Menschen, die Liebe und die Nähe zulassen können und die sich nicht mit Luxus ablenken müssen. Ich habe das geschafft, dass aus meinen Kindern veranzwortungsvolle Jugendliche geworden sind und jede Diskussion, jedes Gespräch mit ihnen erfüllt mich mit Stolz. Das entschädigt für alle Entbehrungen für jeden schlechten Tag für all die Mühe die man sich gibt und die man hat.

  • Marcel sagt:

    @gargamel: Erwachsen werden ja! Wenn ich da so die ewigen Exemplare vor und hinter dem Tresen sehe- diese Berufsteenager weiblichen und männlichen Geschlechts, da sind mittlerweile beide Seiten gleich stark geworden… irgendwie schon speziell, oder? Am Arm dann noch n‘ neues Tattoo, mit fünfundvierzig, hm. Total Subkultur, ey! Und an jeder Hundsverlochete dabei, schon fast zwanghaft: Nein danke!

    @Papa: Die Liste war natürlich optimistischweise unvollständig. Negatives wäre zum Beispiel der Kontostand am Ende des Monats, der zum Teil bedenklich ausfällt (schon mal bemerkt? Wenn in der ganzen Nation die Löhne auf den fünfundzwanzigsten ausbezahlt worden sind, sind die Warteschlangen vor den Bancomaten in diesen Tagen immer am Längsten! Wir sind also nicht alleine..), Sauordung im Wohnzimmer, da die Tochter nebst dem eigenen Zimmer, dass sie bereits erfolgreich vollständig verwüstet hat, auch noch das Wohnzimmer annektiert. Oder wenn man eigentlich ausgehen möchte, brauchen Tochter und Frau meistens die doppelte Zeit, um angezogen vor der Türe zu stehen, obwohl man saumässig pressieren muss…

    Alles so kleine (und manchmal grössere) Sachen: Nichts besonderes also.

  • gargamel sagt:

    @marcel: ist glaub‘ ich normal, dass es einem so geht, man nennt das erwachsen werden… 8)

  • Alexandra A. sagt:

    @Marcel – super Beitrag! Gefällt mir sehr, geht mir/uns auch so.

  • habakuk sagt:

    „schulterklopf, schulterklopf*

  • Papa sagt:

    @ 13. Oktober 2009 um 20:05: Super. Und um den Bogen zurück zu anderen Aussagen zu schliessen: Ich bin davon überzeugt, dass Du – gleich wie andere Eltern – als Vater immer und immer wieder Frust erlebst, Dich über Dich selbst ärgerst und bisweilen wahrscheinlich auch hinterfragst. Aber was solls? Es ist es wert. Jeden Tag von neuem.

  • Marcel sagt:

    @mira: Aha.

    Alles hat seine Zeit- damals wäre ich mit dem Heutigen nie glücklich geworden (WAS? Kinder und Famile? Aaaaaaaaaaaaaargh!) und umgekehrt: OH GOTT, NEIN, NICHT SCHON WIEDER SO TUN ALS OB… Aaaaaaaaaaaaaaargh!

    😉

  • mira sagt:

    @Marcel
    nein, eine ehemals ruhelos umhersteunende mietzekatze 🙂

  • Marcel sagt:

    @mira: Danke, bist Du auch ein Kater..?

    😉

  • mira sagt:

    @Katharina
    Es gibt Dinge, die sind so schrecklich, dass man nicht mit ihnen leben möchte. Man denke an Kriegsopfer, oder noch extremer, an Kriegstäter. Eine Lebenslüge ist in einem solchem Fall eine Strategie der Natur, um weiter zu machen. Um nicht aufzugeben. Und den Zeitpunkt abzuwarten, bis man zur Verarbeitung des Geschehenen bereit ist. Das ist natürlich ein extremes Beispiel, in milderer Form jedoch auch auf andere Situationen anzuwenden: Eine Laura z.B. muss sich ihr Leben „schön-reden“, anders würde sie ihre ganzen Entbehrungen gar nicht aushalten. Und das ist jetzt nicht negativ gemeint!

  • mira sagt:

    @Marcel
    Wunderschön geschrieben! Genau so geht es mir auch

  • Marcel sagt:

    Jetzt mal ehrlich, Herr Zweifel (und dieses Mal aus meiner Warte): Ich will gar nicht mehr auf meine ehemalige Harley, Bj. 1964, steigen und eine halbe Stunde lang antrampen, bis der Vergaser brennt, sie aber immer noch nicht läuft. Ich will gar nicht mehr den Obercoolen raushängen, der möglichst viele Frauen rumkriegt. Ich will gar nicht mehr im Konvoi unterwegs sein (das war nach der Harley, die Zylinderzahl stieg auf acht, Baujahr 1971) um mich und mein Auto in den Schaufensterscheiben jeweils stolz vorübergleiten zu sehen. Ich will gar nicht mehr am Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntags nur noch den halben Tag lang (Kater) nicht wissen, wohin ich gehen soll, um ja keine Äktschn‘ zu verpassen. Ich will gar nicht mehr an irgendeinem Tresen herumlungern und wie eine räudiger Kater wirken. Ich will gar nicht mehr die neuesten In-Läden in Zürich kennen. Ich will gar kein weiteres Tattoo mehr. Ich will gar nicht mehr mit Kollegen abmachen, die heroisch ihr Single-Dasein mit sich herumtragen, als wär’s ein Prädikat für besonders Freiheitsliebend. Ich will gar nicht mehr die neuesten Sounds im CD-Regal (und heute auf MP3) haben. Ich wil mir nicht mehr an irgendeiner tollen, untouristischen Beach (Achtung: G.e.h.e.i.m.t.i.p.!) in einem südostasiatischen Land beweisen müssen, dass ich eigentlich ein toller Traveller bin- und dabei Lonesome Traveller von Jack Kerouac lesen. Ich will das alles gar nicht mehr.

    Ich bin heute genauso glücklich und zufrieden, wenn ich meiner Tochter bereits schon am frühen Sonntagmorgen in der Sihl zeigen kann, dass man sich Stromschnellen nicht schwimmend nähern sollte, um danach prompt in einer zu verschwinden. Ich bin heute genauso glücklich und zufrieden, wenn ich mit meiner Familie zuerst im bluetige Tuume in Zürich Znacht essen gehen kann und anschliessend mit allen zusammen im Kino einen Film schauen gehe- nur meine Familie und ich mit ganz, ganz viel Popcorn! Ich bin heute genau so glücklich und zufrieden, wenn ich meiner Tochter auf dem Turnplatz die Längenmasse auf der 100-Meter-Bahn zeigen kann, weil’s ihr im Papierformat nicht so ganz rein will. Ich bin heute genauso glücklich und zufrieden, wenn ich meiner Tochter den Geburtstagskuchen gleich selber backen kann, anstatt ihn zu kaufen- und zwar im Geheimen bei meinen Eltern zuhaus‘, damit sie davon nichts mit bekommt. Ich bin heute genauso glücklich und zufrieden, wenn ich nach dem Schreiben dieses Textleins mit meiner Tochter Scrabble spielen kann…

    …und nicht zu meinen coolen Kollegen in die Bar um’s Eck gehen muss, um mich nicht alleine zu fühlen.

    Sie nicht?

    P.S. Ich bin aber auch glücklich und zufrieden, wenn mich meine Familie abends, wenn ich müde vonne Arbeit nachhause komme, manchmal in Ruhe lässt. Und meine Frau ist manchmal auch zufrieden, wenn wir sie nach einem anstrengenden Arbeitstag in Ruhe lassen.

  • gargamel sagt:

    @kaa: ihre realitätswahrnehmung scheint mir mehr als nur getrübt zu sein, meine liebe. oder können sie mir aufzeigen, welcher meiner sätze jetzt gerade in die kategorie „empathielose statements“ fällt? bzw. „aggressiv“ ist? oder „beleidigend“?

    und wie würden sie folgende sätze beurteilen:

    „Aber dieser Artikel und die gleichlautenden Aussagen sind ein einziges Klischee.“ (ein wahrhaft konstruktiver einstieg in die diskussion, momoll…)

    „Wenn nicht, dann wäre Ihrem Ansehen mehr gedient, wenn Sie einfach schweigen würden, als Ihren Mangel an Empathie, Ihren Mangel an Tiefsinn dermassen offenkundig zur Schau zu stellen.“ (eine adäquate reaktion auf die frage, ob sie selber kinder haben…).

  • Brunhild Steiner sagt:

    @Ka: ich versteh immer noch nicht ganz, auf was Sie Ihre Wahrnehmung stützen-, hier drin können Sie sich jedenfalls genug Klagen über die Widrigkeiten, die Kinderhaben mit sich bringt, zusammensuchen… . 😉
    Wer betreibt denn da Augenwischerei?
    Kennen Sie wirklich soviele Eltern, die Ihnen hinter vorgehaltener Hand AUSSCHLIESSLICH NUR UND IMMER von den Belastungen ihrer Familiensituation erzählen? Und erleben diese wirklich alles vorallem negativ, oder wollen sie einfach bloss Ballast abwerfen und kommen gar nicht auf die Idee, Ihnen auch von den schönen Seiten zu erzählen?
    Eltern die zu Fachpersonen gehen und dort klagen, würde ich nicht inselben Topf werfen. Die gehen Hilfe holen weil sie ua wohl auch daran glauben, dass Familiesein schöner/erfüllender/bereichernder sein könnte als sie es im Moment erleben, und da wollen sie offensichtlich auch hin, sonst würden sie ihre Zeit nicht beim Sozialarbeiter oder Psychologen verbringen.

  • orla sagt:

    Das ist ja wohl das was einem antreibt, oder? Ansonsten wuerde ja kein normaler Mensch ein Kind in die Welt setzen. Keine andere Lebensform investiert soviel Engergie und Zeit in die Aufzucht des Nachwuchses wie der Mensch und da wir uns von dem Rest der Natur durch unser ‚Bewusstsein‘ unterscheiden, ist eben der Lohn, das Laecheln eines Kindes am Abend eines anstrengenden und gleichzeitig sogar langweiligen Tages.
    Und nein, ich bin keine Predigerin 🙂

  • Ka sagt:

    @ opa meier: Haben Sie vielen Dank für Ihre Ausführungen.
    Zur Präzisierung: Ich rede hier nicht von mir, ich bin auch nicht frustriert, denn ich habe diese Sorgen nicht.

    Es ist mir auch nicht ganz klar, weshalb gargamel und andere dermassen aggressiv auf meinen Kommentar reagieren. Ohne Beleidigungen und Unterstellungen geht es bei denen wohl nicht.

    In meiner Wahrnehmung gibt es bei vielen Müttern und Vätern eine extrem grosse Diskrepanz zwischen dem Bild, das sie gegen Aussen darstellen, und denjenigem Bild, das sie ihren engsten Freunden oder auch Fachpersonen (Sozialarbeitern, Schulpsychologen, Psychologen, etc). anvertrauen.

    Wenn ich solche empathielose Statements lese, wie das von Gargamel, dann wundert es mich allerdings auch nicht, dass manche Mütter und Väter gegen Aussen die Fassade bewahren. Denn wer sich eine Blösse gibt, wird gleich niedergemacht.

    Es geht doch auch nicht um Hippness und um das Stadion. Es geht darum, dass man sich vielleicht ausgeschlossen fühlt oder einsam oder im falschen Film.

    Aber offensichtlich schreiben hier nur Leute, die im Tageslicht leben, für die immer alles total klar ist, die all ihre Probleme lösen können. Find ich super! So viele glückliche und zufriedene Menschen! Wunderbar!

  • Katharina sagt:

    mira sagt: „Lebenslügen trifft man an. Sie sind menschlich und abgesehen davon wahrscheinlich nötig, um überhaupt zu überleben.“ Das ist ehrlich gesagt das erste mal, dass ich jemanden das allen ernstes sagen höre. Ich finde die Aussage erschreckend aufschreckend.

    Der Blogeintrag hat den falschen Titel „Schluss mit Jammern“, denn es wird dann 5 Abschnitte lang gejammert. Die allerletzten 4 Sätze haben dann eine schone poetische Magie. Fast schon suggestiv.

  • mira sagt:

    @Ka
    Lebenslügen trifft man in allen Gesellschaftsschichten und Familienmodellen an. Sie sind menschlich und abgesehen davon wahrscheinlich nötig, um überhaupt zu überleben.

    Irgendwie kann ich ihnen nachfühlen: Es tönt wirklich komisch, wenn jemand schreibt „der ganze Tag war Scheisse“ und dann kommt „ein kleines Lächeln“ und alles ist wieder ok. Für die betreffenden Personen mag das zutreffen, mir wäre es jedenfalls auch zu wenig… Mir gefällt meine Rolle als Mutter.

  • paperon de paperoni sagt:

    hahahaha……nix da mit religion…..Die Liebe war zuerst da…..der Giorgio kam denn auch viel viel später….

  • habakuk sagt:

    @paperon de paperoni : nur nicht wieder religiös werden. sonst legt der giorgio wieder los.

  • paperon de paperoni sagt:

    Die bedinungslose Liebe ist die Motorik des Glück`s….Unser Wissen, basiert sich auf Wissen….jedoch nicht aus der Wahrheit….

    Wahrheit ist das gefühl das man hat…wenn etwas geschieht was Glücksgefühle entfacht….zB: Wenn Du dein Kind in die Arme nimmst, und es in die Augen schaust. In diesem Augenblick, verstehst Du was bedinungslose Liebe ist.

    Willst Du wissen was Wahrheit ist? Höre Deinem Herzen zu…denn dies kennt die Lügen nicht.

    Liebe ist Wahrheit…..Die Liebe zu Deinem Kind kann Berge versetzen. Alles andere sind Ausreden.

  • cilia fehlbaum sagt:

    schlicht und einfach nur schoen. vor allem die letzten vier zeilen brachten mich fast zum weinen.

  • Laura sagt:

    kann doch auch sein, dass einige einfach ihre Grenzen weiter gesteckt haben, dass die nicht leiden, wenn sie nicht mehr mit Freunden abhängen können, dass die weder das Feierabendbier noch das Stadion vermissen, dass die sich ganz bewusst für Familie entschieden haben und dann auch in dieser Rolle aufgehen.

  • Patrizia sagt:

    Liebes Mama-Papa-Blog-Team. Als Mami von einem zweijährigem Mädchen und einem zweimonatigem Sohn wollte ich Euch schon lange sagen, dass ihr für mich und die gesamte Familie sehr wichtig seid! Besser wahrscheinlich als jede Familientherapie! Ihr schreibt mir sooft aus dem Herzen!! Tausend Dank!

  • opa meier sagt:

    Vielen Dank, @Ka, für den bereichernden Kommentar. Ja, diese Momente gibt es und wenn ich ehrlich bin, war ich wohl auch schon über einige Strecken frustriert – allerdings wohl nicht ganz so tief wie Sie, wie mir scheint.

    Was macht man da? Zuerst hilft mir immer wieder die Erkenntnis, dass das von mir erträumte Gras jenseits des Zauns bei näherem Hinschauen auch nicht ganz so grün ist. Gebe gerne zu, dass ein Elternabend nicht so sexy ist wie Diskussionen über neuste Elektronik o.ä., aber mit dem Alter ändert sich möglicherweise auch die Perspektive: Das ach so hippe Leben anderer wäre mir heute schlichtweg zu sinnlos. Dann: Sind meine Anforderungen zu hoch oder brennen momentan die Gefühle wieder durch? Das wäre dann meine Hausaufgabe. Dann (wenn anderes nichts nützt): Ich wollte das (und will es im Prinzip immer noch?), also muss ich nun da nun durch, bin schliesslich erwachsen und kann Verantwortung tragen. Uebrigens: Unerfüllte Träume kann man auch auf die Aera danach aufschieben. Vielleicht gibt’s noch ein paar Tipps von anderen – würde mich auch interessieren.

    Nebenbei: Ein erklärendes Gespräch mit der Partnerin hilft sehr – wenn’s im Vorfeld geschieht! Sie hat möglicherweise ähnliche „Aussetzer“ und Entlastungen sind möglich. Zu guter Letzt darf ich sagen, dass im Rückblick all diese Momente vergessen werden (selektives Gedächtnis wohl) und sich das ganze Kinderprojekt mehr als gelohnt hat. Gerade auch im Hinblick auf meine Partnerschaft.

  • Martin sagt:

    Ein schöner Artikel, der, zumindest was mich betrifft, den Nagel auf den Kopf trifft! Könnte mir vorstellen, dass der Verfasser gar noch einige Minuten der Tagesschau verpasste, während er sein schlafendes Kind anschaute. Er hat jedoch damit nur gewonnen und ziemlich sicher überhaupt nichts verpasst.

  • gargamel sagt:

    liebe kaa, was genau möchten sie denn von uns in unseren lebenslügen gefangenen eltern hören? dass es ein irrtum war, kinder auf die welt zu setzen? dass wir nur so tun, als ob sie uns glücklich machen können? eine bestätigung dafür, dass sie nichts verpassen, indem sie kinderlos bleiben?

    sorry, damit kann zumindest ich ihnen nicht dienen. klar ist die aufzucht und hege von nachwuchs nicht nur eitel sonnenschein (aber was im leben ist das schon). aber das glücksgefühl, dass einem ergreift, wenn einem z.b. die knirpse entgegenspurten und sich einem in die arme werfen, wenn man nach hause kommt (oder die leise enttäuschung, wenn sie einem komplett ignorieren, weil sie gerade so ins spiel vertieft sind) ist schon etwas einmaliges. vielleicht tönt das in ihren ohren klischiert, es ist es aber nicht.

    und noch was: bevor sie sich hier künstlich entrüsten darüber, dass sie etwas hart angefasst werden, sollten sie sich vielleicht bei der eigenen nase nehmen und zum beispiel nicht gleich allen eltern, die sich an ihren kindern freuen vorwerfen, sie lebten in einer lebenslüge… wie man in den wald ruft…

  • Brunhild Steiner sagt:

    @Ka: tja, schwierig…, werden die Probleme aufgezählt (lesen Sie mal ein bisschen in den anderen Blogs) taucht über kurz oder lang ein Post mit „warum beklagt Ihr Euch eigentlich, das habt Ihr alles selber gewählt!“ auf, tut man’s ausnahmsweise nicht und beschränkt sich auf die tollen Seiten, heisst’s im Post „Ihr seid Meister im Ignorieren, ein Kinderlächeln und alles ist vergessen, jetzt hol ich Euch mal runter auf den harten Boden der Realität…“
    Ich glaub nicht dass hier alle in den rosa Wolken schweben. Die einen erleben die Einschränkungen massiver, die anderen weniger. Kommt auch immer sehr auf das vorhandene/nicht vorhandene Unterstützungsumfeld an. Musste früher auch ein Kind für ein paar Tage weggeben, weil ich’s total nicht mehr gepackt habe. Aber selbst im „fühl mich als Regenwurm, und zwar als überfahrener“-Stadium hab ich es nie ernsthaft/nachhaltig bereut mich für Familie entschieden zu haben. Und ein Lächeln oder sonstige Geste kann, so kitschig es auch klingt, wirklich einiges bewirken. Plus immer wieder neues Anpassen an die aktuelle Lage/Bedürfnisse aller Beteiligter, und der weiteren Weltumsegelung steht nichts mehr im Weg… 🙂

    @Jürgen: danke für die Ehrlichkeit, aber im Ernst, der Kleine 2 Jahre alt und der Gedanke ans fehlende Kribbelgefühl so präsent dass er gepostet wird? Nicht gerade günstig für die kommende Zeit mit 2 Kleinkindern und evtl. viel Stress… . Organisieren Sie sich besser jetzt kleine Auszeiten alleine und mit Partnerin, füttern Sie sich (und Partnerin) mit anderen Sachen als bloss familieninternas, dann schaffen Sie auch die nächsten 20 Jahre ohne dicken Trauerrand über alles Verpasste.

  • Alex sagt:

    @Ka: Sie werfen mir fehlende Sachlichkeit vor und sagen gleichzeitig, ich hätte nichts Intelligentes zu sagen, verfüge über mangelnde Empathie und Tiefsinn? Interessant. Und gleichzeitig beantworten Sie die Frage nicht. Und mein Ansehen können Sie ruhig mein Problem sein lassen. Aber herzlichen Dank, dass Sie sich Sorgen darum machen.

    Aber dennoch: Burnout und Enttäuschung habe ich noch nicht verspürt (vielleicht kommt’s noch, wer weiss?), Überforderung nur situativ als mittelfristig. Aber vielleicht kann Ihnen jemand anderes das sagen, was Sie hören möchten.

  • Papa sagt:

    @ Ka: Nun, aus Ihrer Optik haben Sie natürlich vollkommen recht. Das Problem ist, dass man es als Eltern, und besonders als Vater niemandem recht machen kann. Markiert man den „harten Siech“ hört man den Vorwurf, man lasse seine Kinder verwahrlosen. Spielt man mit den Kindern (und hat noch Spass dabei) ist man ein Weichei. Hilft man nicht im Haushalt, gilt man als Chauvi, hilft man doch, ist man ein Softie. Aber das hatten wir eigentlich alles schon.

    Das alles ändert nichts daran, dass es eben genau diese kleinen Freuden sind, die einen innehalten und staunen lassen. Das ist der Gegenwert für die Nerven die man braucht, die Geduld, die einem bisweilen ausgeht und das Geld, das man investiert. Und ob Sies glauben oder nicht: Es wiegt alles auf.

    Ich bin echt kein Weichei, aber wenn ich abends nach der Arbeit heimkomme und es irgendwo in der Wohnung ruft „HAAAALLOOO PAAAPAAA!“, geht mir das Herz auf.

  • Ka sagt:

    @ Alex und @ R. Hotzenplotz: Vielleicht möchten Sie ja noch sachlich auf meinen Kommentar eingehen. Auf das Thema Lebenslügen, auf das Thema Burnout, auf das Thema Überforderung, auf das Thema Ent-Täuschung. Haben Sie etwas Intelligentes dazu zu sagen, das für die Leser hier eine Bereicherung darstellt?

    Wenn nicht, dann wäre Ihrem Ansehen mehr gedient, wenn Sie einfach schweigen würden, als Ihren Mangel an Empathie, Ihren Mangel an Tiefsinn dermassen offenkundig zur Schau zu stellen.

    Wenn Ihnen die von mir geschilderten Probleme nicht bekannt sind, dann liegt es mit Sicherheit daran, dass Sie keine Freunde haben, die Ihnen Vertrauen, die Sie in die Tiefe Ihrer Seele blicken lassen.

    @ Michèle Binswanger: Den Artikel über den Superernäher habe ich sehr wohl gelesen. Und ich fand ihn ausgesprochen gut. Aber lesen Sie mal die Kommentare darunter. Sie bestätigen jedes Klischee, dass man sich als Vater ja keine existenziellen Fragen stellen darf, ansonsten man als Jammerlappen verschrien wird.

  • R. Hotzenplotz sagt:

    Ich sekundiere Alex‘ Frage an Ka: Haben Sie Kinder? Falls Nein zeugt Ihr Kommentar nur von Unwissenheit. Falls Ja von einem Problem, das Sie mit professioneller Hilfe angehen sollten. Oder aber Sie sind einfach ein Troll.

  • Alex sagt:

    @Ka: Haben Sie Kinder? Und falls Sie welche haben, hätten Sie lieber keine?

  • Marvin sagt:

    Bis anhin dachte ich als 100% Hausmann und demzufolge Hausfrauen besonders ausgesetzt, dass viele Hausfrauen schudderhafte Jammertanten seien. Das ständige Geplärre über die verpassten Chancen, das Gewicht, die Nerven und Sterss und alleine gelassen werden und dies und das und jenes, ich kann es nicht mehr hören! Doch seit dem Geschlechterwechsel auf dem Mamablog werde ich eines besseren belehrt. Mann-oh-Mann! Ich kann es kaum glauben. Was für Waschlappen sich hier ihr Leid von der Seele schreiben. Leid tun sie mir nicht, höchstens ihre Kinder, die solchen Frusthäufen ausgesetzt sind.

  • Jürgen sagt:

    Es ist aber wirklich eine Krux: Ja, auf der einen Seite möchte auch ich meinen kleinen Sohn (und demnächst voraussichtlich ein zusätzliches kleines Mädchen) mit seinen 2 Jahren auf keinen Fall missen. Es ist schon unschlagbar, wenn man nach Hause kommt und er strahlend ‚Jahhhh, Papa‘ ruft. Ich erspare mir die Beschreibung weiterer lichter Momente im Vater-Dasein.
    Andererseits: Mir fehlt schon extrem die Freiheit von früher. Na klar, immer nur im Ausgang ist auch keine Erfüllung, die heutige weibliche ältere Jugend kann auch ganz schön nerven etc. pp. Aber ich habe schon immer Angst, dass da so gar keine Zeit und keine Kopf mehr für was anderes bleibt: mal ein paar Stunden Musik hören, mal wieder ausschlafen, mal wieder auf ein Konzert gehen, mal spontan am Wochenende einen Tag wandern gehen und… ja, sich auch mal wieder verlieben. Es ist ja nicht so, dass man das alles nicht könnte… aber die Folgen sind immer negativ: geht man abends mal länger weg, rächt es sich am nächsten morgen… verliebt man sich neu (noch nicht probiert), setzt man die ganze Familie aufs Spiel. Egal ob kleine oder große Konsequenz: alles nicht sehr angenehm.

  • Ka sagt:

    Entschuldigen Sie bitte, wenn ich hier als Spielverderberin auftrete. Aber dieser Artikel und die gleichlautenden Aussagen sind ein einziges Klischee. Den ganzen Tag erleben Sie Frust und dann – ein Kinderlächeln, und schon geht es Ihnen wieder gut. Eltern müssen wohl so reden in der Öffentlichkeit. Es ist offenbar ein Tabu, einfach mal zu sagen: Doch, mich langweilt dieses Familienleben. Ich komme mir als Mann bescheuert vor, wenn ich mit dem Kinderwagen rumlaufe. Ich beneide meine kinderlosen Freundinnen, weil sie ein viel interessanteres Leben führen als ich. Ich komme mir vor wie ein Hamster im Rad. Ich bin viel lieber auf der Arbeit als Zuhause.

    So viel Ehrlichkeit hört man nur in ganz intimen Momenten zwischen Freunden. Wenn man Freunde hat. Ansonsten konstruiert man sich halt seine Lebenslügen.

  • 夢寧 sagt:

    Sie haben mir aus dem Herzen geschrieben! 🙂 Genauso geht es mir jeden Tag.

  • Jotoxo sagt:

    Wir finden wohl immer atraktiv was wir nicht haben. Aber sei deiner Nervensäge dank, dass sie dich von den ewig gleich langweiligen mojitos und ilusionären Badi-kurven etc. bewahrt. Ich finds was absolut spannendes sich zusammen mit Kindern zu entwickeln und mit jedem Alter der Kinder das Leben nochmals aus einer anderen Perspektive sehen. Da kommt kein Stadion, kein Fest und keine Bar dagegen auf. Beruflich und (folglich) finanziell kann ich als Hauptzeit-Mutter nicht mit meinen karrierebewussten und kinderlosen Freundinnen konkurrenzieren. Aber ich bin immer überzeugt, denen fehlt ein paar Klassen Lebensschule. Kinder in diese Welt zu setzen ist eine so grosse Verantwortung und Herausforderung wie jedes Top-management.

  • Papa sagt:

    Genau: Schlafende Kinder sind heilig.

  • Dick Mo sagt:

    Mein Sohn hängt mit seinen 8 Monaten regelmässig bereits um fünf Uhr an der Gitterumrandung seines Betts und tanzt und lacht und schreit und tut absichtlich so, als würde er ersticken, nur damit jemand aufwacht und mitspielt. Beat this, Philippe Zweifel.

  • Monti sagt:

    gröhl! hammermässiger eintrag, lieber philippe. vielleicht ist der eintrag ja so schön, weil man sich ständig darin wiederentdeckt. ja herrgott, wann war eigentlich ich zum letzten mal im stadion? ach ja, YB-bilbao. ist schon ewigkeiten her. und warum gehe ich nicht häufiger hin? ein kleiner trost für dich, philippe: auch bei mir kam mit dem nachwuchs die wampe. bislang habe ich einigermassen tapfer dagegen angekämpft, aber mit dem zweiten sohnemann ging auch dieser kampf flöten. jetzt kämpfe ich gegen die schlafgewohnheiten des kleinen wonneproppens und ja, ergötze mich immer wieder an seinem gesicht – wenn er denn endlich schläft!!
    weiter so, liebe papas. und natürlich auch weiter so liebe mamas. euch lese ich auch gerne.

  • Mia sagt:

    @thomas

    Tja, das kannst Du, vermutlich, einfach nicht beurteilen! Das Kind, das Du nicht hast, kennst Du nämlich nicht, und deshalb weisst Du auch nicht, wie sich das anfühlen würde. Wie will man einem Blinden Farben erklären?

  • Patric S. sagt:

    Ja ja, dass waren noch Zeiten, abends gemütlich mit Freunden in Bars abhängen, den hüben Mädels hinterher pfeifen… einfach die Unbeschwertheit des Seins geniessen. Ohne grosse Gedanken wie wird das Morgen sein. Da läuft doch öfters ein Song am Radio „ … es war eine geile Zeit…“ der Name der Interpretin fällt mir gerade nicht ein, aber ein Song der es wirklich auf dem Punkt bringt. Mit der Familiengründung (ich stolzer Papa von zwei Jungs 4 & 2 Jahre) ist man schonungslos in der Realität des Lebens angekommen aus der es, so sehr man sich dies auch manchmal wünschen mag, kein zurück mehr gibt.
    Wären da nicht immer wieder die Momente des unbeschreiblichen Glücks, dass letzte mal bei mir heute morgen ca. 04.00h. Mein Kleinster muss etwas geträumt haben und ist weinend aufgewacht. Ich mit schweren Beinen aus dem Bett gekrochen, mein Kleiner aus dem Bettchen gehievt, die Tränchen abgewischt, ein paar tröstende Worte gesäuselt, ihn fest in den Armen gehalten …dann plötzlich ein kleiner Schluchzer in meinem Ohr und das erhoffte Eintreten eines ruhigen gleichmässigen Atmens…. der Kleine hat sich wieder in den Tiefschlaf verabschiedet….. ein Moment des Glück und der inneren Zufriedenheit für welchen ich um nichts in der Welt die Vergangenheit zurückholen möchte….

  • mira sagt:

    @Barbara
    So geht es mir auch. Viele Dinge, die mir früher Spass gemacht haben, geben mir heute einfach nicht mehr so viel. Die Ansprüche sind auf eine gewisse Art gewachsen und seichte Unterhaltung ist es nicht mehr wert.
    An alle Nicht-Eltern: Natürlich kann ein solcher Prozess auch ohne Kinder stattfinden… Es fällt halt einfach mehr auf, wenn es nicht der Fall ist.

  • Thomas sagt:

    @ omlin o.

    …diesen satz kann man drehen und wenden, wie man will – es wird nichts positives draus.

  • Barbara sagt:

    Ich stimme Daddy-O bei was die letzten Sätze betrifft. Auch mein Kind ist jetzt in einem Alter, welches mir wieder Freiheiten erlaubt. Nur musste ich feststellen, dass mir der Mojito unterdessen gar nicht mehr schmeckt :-). Man wird durch kleine Kinder ja nicht nur gebremst oder eingeschränkt, man wächst auch mit der Aufgabe als Mutter/Vater und Prioritäten und Vorlieben ändern sich. Ich bin gespannt und neugierig, auf was da noch kommen mag…

  • Omlin O. sagt:

    Viel schlimmer als Kinder zu haben, ist keine Kinder zu haben….

  • Alex sagt:

    Haha, ich (Vater von 2-jährigem Sohnemann) lese euer Blog bereits seit Monaten und muss immer wieder über viele „Déjà-vu’s“ lachen. Dass auch der Papablog amüsant ist, wurde heute wieder einmal bewiesen und daher muss ich zum ersten Mal auch einen Kommentar abdrücken. „(…) der Mund von einem unbekannten Vergnügen umsäuselt“ ist eindeutig die Formulierung des Tages. 🙂 Vielen Dank für all die wahrhaften Zeilen, die sowohl ihr Papas als auch die Mamas uns immer wieder bescheren. Weiter so! 😀

  • opa meier sagt:

    Sie sind auf dem richtigen Weg, Philippe Zweifel. Zum Trost: Viel Sinnvolles haben Sie mit den Bankern oder den bauchnabelfreien Girls nicht verpasst. Und diese Zeit wird auch wieder kommen. Also: Geniessen sie die Zeit mit Ihrer Familie!

  • Alexandra A. sagt:

    Guter Beitrag – und so wahr! Passiert mir auch öfters, und dann lächelt mich meine Tochter an oder gibt mir einen Kuss oder eine Umarmung voller Freude (sie ist 17 Monate alt) und das Leben ist wieder wunderbar! 😀

  • Daddy-O sagt:

    Die letzten vier Sätze: Grosses Tennis! Dies sind mitunter die erhabensten Momente, die zu Erleben sich die „Mühe“ lohnt. Meine Kinder sind jetzt in einem Alter, wo ich mir als Vater die Zeit wieder selbstbestimmter einteilen kann. Events, wie die lange vermissten Fussballspiele oder das Bierchen mit Kollegen, finden nun wieder regelmässiger statt. Alles hat seine Zeit.

  • Raphi sagt:

    Haha, schön geschrieben! 🙂

  • rabenmutter sagt:

    Es ist immer dasselbe. Der Tag kann so mühsam, laut und hektisch sein wie er will. Sobald die kleinen Nervensägen wegschlummern, werden sie zu süssen Engeln. Und am nächsten morgen geht es von vorne los. Damit können weder Mojitos, Umhängetaschen, Fussballspiele noch Badis konkurrieren…

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