Abgetakelter Superernährer

Nichts ist dem neuen Vater peinlich, ausser: Eingestehen, dass man kein Superheld ist.

Nichts ist dem neuen Vater peinlich, ausser: Eingestehen, dass man kein Superheld ist.

Wenn ich abends nach Hause komme, sagt meine Freundin nicht unbedingt «Hallo». Auch nicht «Wie wars im Büro?». Sie sagt: «Hier». Dann drückt sie mir den Kleinen in die Arme. Das ist okay, sie darf das. Immerhin hat sie ihn zehn Stunden unterhalten/gefüttert/geputzt. Jetzt ist sie Rocky nach der 15. Runde gegen Apollo Creed. Sie kann nicht mehr, will nur noch allein sein.

Doch halt! Auch ich habe im Büro schwere Tage. Nur, weil mein Computer keine Trotzanfälle hat, bedeutet das nicht, dass ich mich bei der Arbeit erhole. Schliesslich gibts dort einen Chef. Und vor allem: Verantwortung. Denn an die Arbeit gekoppelt, ist die Existenz meiner Familie. Man darf das nicht unterschätzen. Vor der Geburt unseres Sohns wusste ich nicht, was ein Albtraum ist. Heute träume ich regelmässig, wie ich gleichzeitig Job und Wohnung verliere. Dazu kommen Angst vor Krankheiten und ein melodramatisches Gefühl von drohendem Unheil, wenn ich ein Flugzeug besteige.

Allein, die wahre Last des Ernährers spielt sich im Kopf ab und ist schwer vermittelbar. So schluckt man seinen Protest herunter und dreht abends noch eine Runde mit dem Kinderwagen. Am Wochenende gehts dann mit dem ersten Hahnenschrei ins Naherholungsgebiet. Schliesslich ist jetzt Vaterzeit. Nicht, dass diese Ausflüge keinen Spass machen. Sehr sogar. Man ist stolz, erfüllt, von Liebe durchflutet. Ein zahnlückiges Lächeln des Kleinen – und die Batterien sind wieder aufgeladen.

Wäre da nicht diese fiese kleine Stimme in meinem Kopf. «Du wirst über den Tisch gezogen», sagt sie. Und schon bin ich ganz aufgeregt.  Man denkt: Wo bleibt die Anerkennung für die Arbeit im Stollen? Der nötige Respekt für den Jäger, der mit stolzgeschwellter Brust das Essen nach Hause bringt? Ist nur ein richtiger Vater, wer den Feierabend im Sandkasten verbringt?

Damit es klar ist: Ich will nicht die Errungenschaften der Emanzipation schmähen. Frauen sollen arbeiten dürfen, so viel sie wollen, natürlich. Was mich beschäftigt, ist die Bewertung der Arbeit. Mit dem Aufstieg der neuen Väter, scheint mir, wurde nebenbei die Arbeit des Ernährers entwertet. Ein Vater auf dem Spielplatz ist: ein Held. Einer der arbeitet: eine Selbstverständlichkeit. Einer, der abends länger im Büro bleibt: eine Zumutung (lastet er seiner Frau doch Überstunden Babydienst auf).

Ja, wir modernen Eltern spotten über die klassische Rollenaufteilung, nennen sie archaisch oder hinterwäldlerisch. Mütter stürzen sich deshalb in eine Teilzeitarbeit und wir Vollzeit-Väter (Teilzeit arbeiten ist nach wie vor ein Privileg!) rennen jede freie Minute auf den Spielplatz, wo wir uns an einem Bier festhalten und uns gegenseitig zu unserer Fortschrittlichkeit gratulieren. Wo wir über Windeln und Kinderwagen fachsimpeln. Nichts ist dem neuen Vater peinlich, ausser: Eingestehen, dass man am Anschlag ist. Zugeben, dass man kein Superheld ist. Obwohl ich mir manchmal wie einer vorkomme. Einer von der abgetakelten Sorte. Mit Alkoholproblem und abgenutztem Kostüm, auf dem eine blasse Aufschrift steht: der Superernährer.

Was ist zu tun? Ich weiss es nicht. Sucht man nach Lösungen, landet man in der konservativen Ecke. Also weiterstrampeln. Oder?

zweifelPhilippe Zweifel, 36, ist Kulturredaktor bei Newsnetz und Vater eines Sohnes. Er lebt mit seiner Familie in Zürich.

64 Kommentare zu «Abgetakelter Superernährer»

  • Wolfgang Biggel sagt:

    Die wahre Macht zeigt sich nicht im Besonderen der Spitzenpositionen sondern im Alltäglichen. Hier zeigt sich, wer sein Leben so gestalten kann wie er will (=Macht) oder Zwängen folgen muss. Schon heute verwaltet die Frau 80 Prozent aller Kaufkraft, vom Einkauf bis zum Hauskauf.
    Weiter hat Frau die Macht zu wählen zwischen Vollzeitberufsttätigkeit, Nurhausfrau, Teilzeit mit Kindern oder Vollzeit mit Kindern bei Fremdbetreuung. Ein Mann hat die Wahl zwischen Vollzeitberuf, Vollzeitberuf und Hartz IV. Sollte ein Mann auf den Gedanken kommen, zu hause zu bleiben und die Kinder großzuziehen, wird er entdecken, dass keine Frau seinen Lebensplan mitmacht und ihn solange ernährt.

    Noch krasser wird es, wenn der Trennungsfall eintritt. Keine Frau, die die Kinder dem Vater überlässt und arbeiten geht. Stattdessen nur Frauen, die darum kämpfen die Kinder zu behalten und solange wie möglich zu Hause bleiben dürfen – und auch können.

    Die Selbstmordrate unter Trennungsvätern springt auf das sechsfache, die Hälfte der männlichen Obdachlosen sind deswegen obdachlos, weil sie eine schlecht verlaufende Scheidung hinter sich haben…

    … weil sie die Macht haben?

    • „… weil sie die Macht haben?“

      Selbstverständlich: Dieses Phänomen nennt sich bis heute Patriarchat.

      Und zum ersten Abschnitt: Kennen Sie „der dressierte Mann“ von Esther Villar?

    • Ein kritische Stimme hat einmal angemerkt, dass das weitaus intelligenteste Manöver der Frauen darin bestanden hat, den Männern weiszumachen, dass sie das stärkere Geschlecht seien…

      Seither laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen die Männer bis an ihr Lebensende.

      Nein, zuviel Ideologie. Aber irgendwie hat’s eben trotzdem was…

  • Sperber sagt:

    Grundsätzlich hängt es doch davon ab ob Mann und Frau überhaupt die Wahl haben ihre Aufgaben aufzuteilen. In vielen Arbeitsstellen kann man nicht einfach sein Arbeitspensum herunterschrauben (Dennoch gibt es solche Arbeitgeber vermehrt: http://familienleben.ch/beruf/familienfreundliche-arbeitgeber-die-besten). Ich denke hier muss noch einiges von Seiten der Arbeitgeber getan werden. Mehr Teilzeitstellen würden hier einiges dazu beitragen, dass Familien ihre Work-Life-Balance verbessern könnten. Am Ende des Monats zählt schliesslich nur wie viel Geld man verdient hat, ob es nun von einem oder von beiden gemeinsam erarbeitet wurde. Ich denke, dass viele hier nicht eine grosse Auswahl haben.

  • Alexandra A. sagt:

    @Gabriela_W – Ich bin ganz deiner Meinung, obwohl wir immer noch den Fernseher haben und zuviel Blödsinn schauen… muss mich einfach richtig überwinden etwas anderes zu machen…
    The Contented Little Baby Book ist einfach super, habe ich auch bei meiner Tochter gebraucht und es klappt prima. Würde ich auch wärmstens empfehlen. Unter der Woche geht meine Tochter so gegen 19.30 Uhr ins Bett und ich muss sie meistens wecken um 7.00 Uhr (ich verlasse das Haus mir ihr so gegen 7.30 Uhr zur Krippe und dann zur Arbeit). Am Freitag und Samstag geht sie eher gegen 20.00 Uhr ins Bett, so dass wir ein bisschen länger morgens ausschlafen können. Klappt prima! Einem Kind kann man (fast) alles beibringen.
    Ich arbeite 80% und mein Mann 100% zur Info.
    Gruss
    Alex A.

  • Thomas sagt:

    Gratuliere zur gelungenen Zusammenfassung – irgendwie liest es sich lustiger als es manchmal erlebt wird. In Australien lebend kann ich Dir versichern dass es auch Downunder nicht anders herum ist. Trotzdem wollen wir es nicht anders …

  • opa meier sagt:

    @Dani Kobler: Bei mir war Sonntag der Tag, wo für die ganze Familie auch Fleisch auf den Tisch kam. Unter der Woche gab’s das nur für den Vater, oder für uns mal eine Bratwurst. 🙂

  • Dani Kobler sagt:

    @ Marcel: Dein Beispiel mit dem Lastwagenfahrer und der Migros Verkäuferin zeig wieder nur die Einnahmen Seite des Budgets.
    Was ist mit der Ausgabenseite?
    Wieso sollte es mit diesem Budget nicht möglich sein Teilzeit zu arbeiten.
    Du wirst immer jemanden finden der mit noch weninger Einkommen oder mit einem Kind mehr auch über die Runden kommt.

    Dein Beispiel kommt mir übrigens bekannt vor, meine Mutter war tatsächlich Verkäuferin bei der Migros. Nicht 60, dafür 100%.
    Den Lastwagenfahrer gabs dafür nicht, der hat sich vorher aus dem Staub gemacht.
    Und dennoch blieb sogar Geld übrige fürs Sparkonto. Zauberei?

    Ich fasse meine Punkte zur Ausgabenseite nochmals zusammen:
    – Auto ist Luxus und Luxus ist nicht gratis
    – Kinder bis 10 Jahre können sich problemlos ein Zimmer teilen
    – bei Ricardo lässt sich leicht Geld sparen. Sachen, kaum gebraucht zum halben Preis
    – Grosseltern mal fragen wie oft bei ihnen in der Kindheit pro Woche Fleisch auf dem Tisch kam
    – Ferien am Meer oder in der örtlichen Badi? Den Kindern ists egal, hauptsache es hat genug andere Kids
    – Kaputte Sachen lassen sich reparieren. Leim, Klebeband, und eine Nähmaschine ist leichter zu bedienen als ein Compi
    – in der Zeit vor den Kindern schon Geld beiseite legen
    – sofern man kein Profibergsteiger ist braucht man auch keine Profibergsteiger Windjacke. Die aus dem Migros genügt vollends
    – nur weil man sich etwas leisten kann, ist das kein Grund sich dieses etwas auch zu kaufen
    – Shopping ist kein Hobby sondern ein Laster

    Und nein, das ist nicht der blanke Hohn. Ich verhalte mich so, und wie ein Narr fühl ich mich nicht.

  • Papa sagt:

    Die ganze Diskussion zeigt einmal mehr auf, wie sehr sämtliche Rollen in der Familie neu definiert werden. Das gilt für Mann und Frau genauso wie für die Kinder und die Grosseltern. Und ich sehe es ähnlich wie einige andere hier. Genauso wie die Heirat aus Liebe wird auch das Familienleben, die Erziehung der Kinder und die Arbeitsteilung häufig von „romantischen“ Vorstellungen diktiert, die erst durch einen mehr oder weniger grossen Wohlstand möglich sind. Ich sehe es gleich wie Marcel: Für Leute, aus den unteren Einkommensschichten dürften sich einige Posts hier lesen wie der blanke Hohn.

  • maia sagt:

    @Katharina: Das sagt ja Marcel eigentlich: davon kann man kaum als Familie leben und dann ist dazu noch zu sagen, das ist das Durchschnittseinkommen. Es gibt also viele, die von weniger leben (müssen). Ich find schon lange, dass hier vor allem von Menschen diskutiert wird, die das Leben des grössten Teiles der Bevölkerung nicht kennen und einfach nur froh und dankbar sein sollten, dass sie sich solche Luxusprobleme leisten können.

  • Manfred Meier sagt:

    Ja, lieber Herr Zweifel, Ihr Gefühl täuscht Sie nicht: Sie werden über den Tisch gezogen, und zwar big time. Erwachsene Menschen müssen arbeiten, und zwar 100%, ist doch klar. Ob Erwerbsarbeit oder Hausarbeit, ist eigentlich egal. Wie diese aufgeteilt wird ist natürlich Abmachungssache. Ich plädiere dafür, die beiden Bereiche im umgekehrten Verhältnis zueinander aufzuteilen. Also z. B. Erwerbsarbeit Er 100% Sie 0% dann Hausarbeit Er 0% Sie 100%. Oder bei je 50% Erwerbsarbeit wird natürlich auch die Hausarbeit hälftig geteilt. Wenn sie 50% Erwerbsarbeit leistet und er 100% muss man ein paar Nanosekunden rechnen und teilt die Hausarbeit dann 2/3 zu 1/3 – you get the picture. Also, wenn sie das nächste mal einfach „hier“ sagt, sagen Sie „nein“, das hat auch vier Buchstaben. Und wenn ihr das nicht passt ist sie vermutlich darauf aus, die höchste gesellschaftliche Stufe zu erlangen, die in ihrer Reichweite liegt: Alleinerziehende Mutter.

  • Katharina sagt:

    @Marcel: Ich wäre froh, ein Jobpensum von nur 100% zu haben……… at-will-employment heisst das hier so schön. Und eben Sollstunden… what is THAT? Arbeitsvertrag – Are you a commie?

    aber recht hast du schon. und ich behaupte, dass die Teilzeit Pensen zwar 50-75% sagen und zahlen, aber in Wirklichkeit höher sind.

    kann man in Zürich mit 5700 netto leben? das war schon in den Jahren, als ich noch in CH lebte, eigentlich nicht so.

  • Marcel sagt:

    ..und wenn wir schon von Teilzeit / Teilzeit-Paarmodellen sprechen: Mich nähme mal wunder, zu wievielen Prozent da jeweils gearbeitet wird: Wetten, dass der Mann im allgemeinen das höhere Pensum arbeitet (bezahlte Erwerbsarbeit notabene)…

    Wetten?

  • Marcel sagt:

    @Mira: Da fällt mich noch ein: Das durchschnittliche Monatseinkommen beträgt in der Schweiz z. Z. gerade 5’670 Franken brutto, das durchschnittliche Haushaltseinkommen brutto ca. 8’500 Franken, nicht nach Geschlechtern gewichtet.

    Nun nehmen wir mal den Mann, den Lastwagenfahrer: Brutto 5’500 Franken

    Und jetzt die Frau, Teilzeit (60 Prozent) bei der Migros: 2’000 brutto

    Er arbeitet jetzt nur noch 80 Prozent = 4’400 Franken
    Sie weiterhin 60 Prozent = 2’000 Franken
    Macht zusammen 6’400 Franken ZUSAMMEN! Netto wären das dann etwa 5’700 Franken.
    Sie leben beide im Grossraum Zürich… die Wohnungsmieten sind in den letzten fünf Jahren alleine um 25 Prozent gestiegen.

    Noch Fragen? Ich mag ja den Idealismus vieler gut bis sehr gut gebildeter und verdienender KommentatorInnen hier drinnen irgedwie ganz gut- aber diesen Aspekt vergessen sie bei der Debatte um die Gleichberechtigung regelmässig. Trotz guter Bildung.

    Das finde ich doch etwas seltsam.

  • Alain sagt:

    Hoi Philipp,
    verstehe dich gut, es ist wirklich ein krampf…
    Ich bin jetzt grad in Ganzhou China und besuche meine Schwiegereltern 🙂
    hier ist es einfach: Mann und Frau arbeitet und die Kinder bleiben bei den Grosseltern!
    Ich bin eigentlich froh das ich die unabhaengigkeit Zuhause habe, ohne das meine Eltern
    dauern da sind.
    Aber eigentlich muss man vorher nicht zuviel Wissen ueber das Kind kriegen sonst
    tut dies niemand freiwillig… weiter kommt dann der Wunsch nach mehr Kindern da
    es fast nicht meher stressiger werden kann?!
    gruss aus dem Osten

  • Marcel sagt:

    @Dani Kobler: Weniger ist eindeutig mehr, das stimmt! Da bin ich mit ihnen völlig einig. Und das „Wenige“ das man hat (wieviel ist wenig?) sollte erste Qualität sein. Wenn man sich das leisten kann im Billig-Zeitalter, in dem wirklich billig produziert wird, aber nur selten langfristig haltebares. Billige Menschen können sich nur billige Waren leisten, wie Wirtschaftsnobelpreisträger Paul A. Samuelson kürzlich richtig festegestellt hat. Da kann weniger in der heutigen Zeit aber teuer kommen. Das weiss der Lastwagenfahrer und seine Frau, die Teilzeit in der Migros arbeitet.

    Da ich aber kein Lastwagenfahrer bin, leiste ich mir „teure“ Sachen in wichtigen Fällen: Meine Tochter kriegt Qualitätsschuhe- und nicht irgendwelches Billizeugs von Aldi, meine Wenigkeit ebenfalls, und da ich auch noch ausgewachsen bin (im Gegensatz zu meiner Tochter), leiste ich mir auch sonst Hochwertiges, was Kleider anbelangt. Dito in vielen anderen Bereichen des Lebens: Qualitativ hochwertiges only, auch bei der Wohnungseinrichtung (einmal gekauft, hält’s mindestens 30 Jahre lang): Weniger ist mehr, wirkt aber auf den ersten Blick sauteuer, so teuer, dass der Lastwagenfahrer und seine Frau, die Teilzeit in der Migros arbeitet, das billige Zeugs kaufen müssen, wie Samuelson richtig gesagt hat. Und es immer wieder ersetzen müssen- dem neoliberalen Wirtschaftsmodell sei dank, dessen Ziel u. a. ein möglichst hoher Güterumschlag pro Haushalt ist.

    Ja, eindeutig: Weniger ist mehr. Die Frage ist einfach, ob es weniger sein muss (existentielle Gründe, zuwenig Geld da) oder darf. Mit vollem Magen lässt sich leicht vom Fasten schwärmen.

  • Dani Kobler sagt:

    @ Marcel: Irgendwie fühl ich mich angesprochen, einer der lustigen Kommentatoren zu sein.
    Dein Beispiel mit dem Lastwagenfahrer und der Migros Mitarbeiterin in Ehren, aber ich sehe Problem das Teilzeit nicht möglich sein soll, nicht auf der Einnahmen Seite des Budgets, sondern auf der Ausgabenseite.

    Und wie wärs mit folgendem:
    In der prä-goofen ära (danke gargamel für dieses Wort), wo er und sie schon zusammen wohnen, beide noch Vollzeit arbeiten, wird das Familienbudget eben nicht so ausgelegt das es grad mit einer scharzen Null endet.

    Die Zeit zwischen 25 und 30, vor der Heirat und den Kindern, ist genau die Zeit wo man mehr verdient als man brauchen würde.
    Es gibt kein Gesetz das einem zwingt den ganzen Monatslohn wieder zu verputzen.
    Ja klar, Sparen ist nicht so sexy wie eine neues Auto, Ferien in Südamerika, neues Handy, Flat TV, usw, aber es hilft in vielerlei hinsicht.
    1. du hast ein finanzielles Poster und eine unerwartete Ausgabe bringt dich nicht um den Schlaf
    2. man gewöhnst sich nicht an einen Standart den man in der Zeit wo die Kinder dann da sind eh nicht halten kann
    3. die Zinsen sind die Belohnung dafür
    4. es erlaubt der Familie, während einer gewissen Zeit (z.b. verlängerter Mutterschaftsurlaub) über dem Budget zu leben.

    Jeder Franken der nicht ausgegeben wird muss nicht als Familieneinkommen verdient werden!
    Wenn ich mal an einem Samstag in der Stadt bin und sehe das es wohl tatsächlich viele Leute gibt (und zu allem Übel auch noch sehr viel Kids) die als Hobby wohl Shopping haben, dann könnte ich ko**en. Einkaufen aus Langeweile. Das dürfte dann der Preis sein warum Papi nicht reduzieren kann.

    Nochmals, Teilzeit ist nicht ein Privileg, sondern muss sich erkauft werden. Der Preis ist Einschränkung, manchmal auch Verzicht.
    Hilfreich ist vielleicht mal zu überlegen wo man selber herkommt und aufgewachsen ist.
    – Braucht wirklich jedes Kind ein eigenes Zimmer. Braucht es ein Arbeitszimmer für Papi. Oder tuts auch eine kleine Wohung.
    – Braucht die Familie wirklich 2 Autos. Braucht sie wirklich auch das erste.
    – Müssen es wirklich 3 Wochen Ferien in Übersee sein, geht nicht auch Italien oder Frankreich. Oder mal die Sommerferien in der örtlichen Badi verbringen.
    Also, weniger auf die Müllers (haben grad ein neues Auto), Meiers (sind grad am Bauen) und Hubers (grad zurück aus den Ferien) schielen dafür mal die Eltern und Grosseltern fragen wieviel Kinder in einem Zimmer geschlafen haben, wo sie in den Ferien waren, …

    Aber das oben geschriebene bedingt natürlich das man damit anfängt beofr die Kinder da sind.
    In guter Startpunkt ist das Studium, Diese Zeit ist ja bekannt das man mit wenig Geld über die Runden kommen muss, und wenns noch knapper wird, wird eher noch mehr einschränken als einen Semesterjob annehmen.

  • mira sagt:

    @Marcel
    Natürlich nicht. Es ist ein Punkt unter vielen. Jedoch einer, der nicht unterschätzt werden sollte, wie die Diskussionen hier immer wieder zeigen.
    Die Mehrheit der Völker kennt übrigens die Liebesehe nicht. Ob sie wohl glücklicher sind als wir?

  • Marcel sagt:

    @mira: „Manchmal frage ich mich wirklich, ob die Liebesehe wirklich eine Verbesserung bedeutete…“ Diese Form der ehelichen Beziehung ist bestenfalls 150 Jahre alt und, wie so vieles andere auch, eigentlich ein Produkt der Industrialisierung: Dort war sie allerdings zuerst in der neu entstandenen bürgerlichen Gesellschaft en vogue. Aus verschiedenen Gründen, zumindest gegen Ende des 19. Jahrhunderts, war sie in unteren Schichten nicht möglich.

    Zum Thema gut- bis sehr git verdienende Frauen als Selektionsmerkmal: Von Frauen in MINT-Berufen gibt es viel zu wenige…

    Und nur die Ökonomie sollte ja auch nicht das einzige Kriterium sein, hoffe ich, oder?

  • mira sagt:

    @Marcel
    Sie haben es richtig erfasst. Die meisten Männer drängen sich in die Haupternährerrolle, oder lassen sich von ihren Frauen drängen. Die Wahl der Partners (und damit auch des potentiellen Partnereinkommens) ist ein erster Schritt dabei. Wir hatten hier mal die Diskussion, dass sehr gut verdienende Frauen es eher schwierig haben, einen Mann zu finden. Wenn es wirklich genügend Männer gäbe, welche gerne Teilzeit arbeiten würden, dann gäbe es diese Situation so nicht!

    Die Finanzen sind (leider) ein wichtiger Punkt in vielen Entscheidungen. Sucht sich ein Mann eine schlechtverdienende Frau aus, dann muss er auch mit den Konsequenzen leben, der Hauptverdiener zu sein. Oder halt seinen Standard runterschrauben (auch das ist möglich!!). Auch hier gilt, wie bei so vielen Dingen: Zuerst denken und dann handeln. Und sich nicht später beklagen, wenn man den ersten Schritt ausgelassen hat!!

    Die Liebesehe ist sicherlich etwas wunderbares. Man sollte aber nicht vergessen, dass eine glückliche Ehe noch an sehr sehr vielen anderen Dingen hängt. Und diese lassen sich einfach mal rational viel besser erfassen. Manchmal frage ich mich wirklich, ob die Liebesehe wirklich eine Verbesserung bedeutete…

  • christoph sagt:

    Also mein Computer hat des öfteren Trotzanfälle…

  • Pu sagt:

    Mich beschleicht der Verdacht, dass das Problem des Autors etwas damit zu tun hat, dass sich manche heutige Eltern als Alleinunterhalter ihrer Kinder verstehen. Kein Wunder, wird die Kinderbetreuung zur anstrengenderen Arbeit als ein Bürojob. Die Generation unser Eltern wäre übrigens kaum auf diese Idee gekommen.

  • Marcel sagt:

    Und auch ganz lustig die Kommentare hier von offenbar gut bis sehr gut verdienenden Männern und Frauen, die in einer Paarbeziehung leben: Wenn der Lastwagenfahrer, dessen Frau Teilzeit bei der Migros arbeitet, plötzlich ebenfalls nur noch Teilzeit arbeiten würde- aus Solidaritätsgründen, versteht sich, die Gleichbeechtigung will ja schliesslich gelebt werden- dann ist ganz schnell zappenduster in der Haushaltskasse!

    Akademikerpaare machen in der Bundesrepublick übrigens gerade mal 6 Prozent aller Paare aus- nicht gerade eine mehrheitsfähige Perspektive, würde ich sagen. Und das sage ich ganz ohne Neid- materiell geht es mir bestens.

    Zur Information: Haushalte mit umgekehrter Rollenteilung (sie Vollzeit, er Hausmann), machen hierzulande etwas mehr als ein einziges Prozent aus. Und zwei Teilzeitpensen innerhalb eines gemeinsamen Haushaltes mit Kindern liegen hierzulande bei weit unter fünf Prozent. Sie Vollzeit, er Teilzeit erfreut sich auch nicht gerade allzugrösster Beliebtheit: 2 Prozent sind’s dann. Das Umgekehrte, sie Teilzeit, er Vollzeit, ist hingegen äusserst beliebt: Fast jede zweite Familie lebt das Haupternährermodell. Und das liegt beileibe nicht nur an den Männern, die nicht wollen- vielmehr sind es die knappen Einkommen, die der gleichberechtigten Rollenteilung im Wege stehen, meine verehrten Damen und Herren AkademikerInnen, das bitte einfach nie vergessen, ok?!

    Die Fortschritte bei der Gleichberechtigung der Geschlechter aus Perspektive der Erwerbsarbeit fallen also bei weitem nicht so spektkulär aus, wie immer wieder behauptet wird- sondern genau genommen ziemlich ernüchternd.

    Aber das will ja niemand hören- oder nur ganz wenige.

  • Marcel sagt:

    „Was mich beschäftigt, ist die Bewertung der Arbeit. Mit dem Aufstieg der neuen Väter, scheint mir, wurde nebenbei die Arbeit des Ernährers entwertet.“

    Haben Sie das von mir abgeschrieben, Herr Zweifel? Das scheint nicht nur so zu sein, es ist auch so: Eerwrbsarbeit ist heute de facto völlig wertlos, sowohl in den Sozialwissenschaften als auch im Mainstream! Den Grad der Gleichberechtigung liest man eben bevorzugt an der jeweiligen Beteiligung bei der Haushaltsarbeit ab- und da ist mittlerweile alles erforscht, bis hin zur durchschnittlichen Zeit, die Mann oder Frau fürs Geschirrspülen, Wäsche waschen, Essen kochen und Reparaturen im Haus / in der Wohnung aufwenden (Allbus 2000 / Scheller 2005)! Wieviele Male habe ich das hier drinnen schon geschrieben? In „Die Saubermännchen“ zum Beispiel? Oder hier, bei „Frauen an den Herd, die Debatte“:

    „Doch glücklicherweise sind wir Frauen ja nicht allein, sondern auch aus männiglich Ecken tönt der Ruf nach Gleichberechtigung, etwa bei Marcel: «Ich will kein alleinernährender Familienvater mehr sein!! 80 Prozent aller in dieser Krise bisher verloren gegangenen Jobs waren Männerjobs – in der Bundesrepublik, in Kanada und den USA!!»“

    Guten morgen Herr Zweifel, auch schon erwacht?

  • Thomas sagt:

    …der unterton war unüberhörbar.

  • rena sagt:

    @Thomas

    …woher kennen Sie den meinen Unterton…? Zynisch hat schon seine Richtigkeit – aber man kann’s auch ironisch nehmen… 😉

  • sab sagt:

    Würde Ihnen ohne Vollzeitjob nicht etwas fehlen? Wenn Ihnen die Familie und der Job zu stressig sind, warum verabschieden Sie sich nicht von der Haupternäherrolle und übertragen Ihrer Frau die finanzielle Verantwortung? Dann hört vielleicht die ewige Nörgelei auf, wenn beide Seiten der Medaille von Mann und Frau akzeptiert werden.

  • Claudine sagt:

    Ein wenig mehr gegenseitiges Verständnis zwischen den Eltern würde schon viel bringen.
    Was habe ich mich früher beklagt dass unser Ernährer tagsüber nie anrief…und jetzt sitze ich den ganzen Tag im Büro und komme kaum dazu meine Teenies tagsüber anzurufen (sie haben gerade Ferien und ich nicht).
    Dafür ärgere ich meinen Mann mit etwas was mich immer ärgerte….ich vergesse private Termine die er mir abends beiläufig erwähnt…früher fand ich es unglaublich dass er so etwas vergessen konnte.
    Und die letzte gute Nachricht ist wirklich, die Biester werden schnell gross und der Kinderstress nimmt mit den Jahren sehr schnell ab.

  • Thomas sagt:

    @ rena

    ihr unterton war nur ironisch, nicht zynisch.

  • rena sagt:

    @Sarah
    Nanana, ich hoffe doch schwer, dass Dein Mann seine Arbeit gerne macht – ansonsten müsste er da vielleicht mal ansetzen…
    Du hast Recht, ich bin auch der Meinung, dass ein Arbeitstag im Büro (oder auch sonstwo) sicher genauso „anstrengend“ ist, wie zu den Kindern zu schauen. Ja, auch die Männer haben Anspruch auf abendliche Erholung. Nur – hat man gemeinsame Kinder, muss man da wohl auch gemeinsam Konsequenzen tragen…

    @alle
    Des Autors Darstellung dünkt mich denn doch etwas übertrieben bzw. seine Frau ist da wohl etwas sehr egoistisch. Aber eine „gerechtere“ Aufteilung der Abend-Betreuung, also beispielsweise ein oder zwei Papi-Abende und gemeinsames Wochenende (Mami + Papi) wären da vielleicht angebracht. Natürlich darf es auch mal Ausnahmen geben.

    Im übrigen denke ich, dass zwischendurch Windeln wechseln weder den erholungsbedürftigen Mann noch die ebenso angeschlagene Frau (ich bitte, meinen leicht zynischen Unterton zu entschuldigen) wesentlich von der ihm/ihr zustehenden Erholung abhalten. Kinder betreuen ist Arbeit – JA – und bringt einem manchmal an die Grenzen – JA – dennoch, es ist und bleibt das Schönste auf der Welt (das sagt übrigens eine Frau, die ebenfalls 50% arbeitet und ihren Job ebenfalls sehr gerne macht).

    übrigens, @Leonidas
    vielleicht müsste sich der Autor diese Frage, warum man(n + Frau) überhaupt Kinder wollten, auch sich selbst stellen, nicht einfach nur auf die Mutter abschieben. Bekanntlich gehören immer zwei dazu…

    @gargamel
    Jawohl, genau getroffen, das können (wollen) wohl einfach viele nicht verstehen, schade…

  • Susanna sagt:

    @Pascal Sutter: Und wer schaut zu den Kindern, wenn beide Eltern arbeiten? Jeden Abend Babysitter? Sorry, aber dieser Vorschlag ist echt nicht durchgedacht.

  • 8monatePapa sagt:

    Ja, weiterstrampeln. Ich bin in derselben Situation. Bei uns ist immerhin klar, dass ich durchschlafen darf, damit ich tagsüber im Büro nicht einschlafe. Aber ansonsten ist die Erwartungshaltung meiner Frau genau so: komme ich nach Hause, will sie „endlich auch was schaffen“ und das Kind wird bei Papa abgegeben. Und zwar egal wie mein Tag war und egal ob mann erstmal Luft holen muss.

    So ist das, wenn Frau sich eben mehr vornimmt als nur das Kind zu bespassen. Wenn der Tag dann nicht ideal läuft, dann ist sie frustriert, dass sie „nichts geschafft“ hat. Dabei ist das völlig absurd: sie hat doch den ganzen Tag das Kind betreut. Aber irgendwie sieht sie das nicht als Leistung an und weil sie das nicht tut, hat sie halt „nix geschafft“. Keine Ahnung, ob ich das noch ändern kann.

    Mein „Jammern“ ist auf extrem hohen Niveau, wir haben kein Schreikind, mein Kind hat eine funktionierende Vater-bindung und viel ist vergessen, wenn es sich so freut, dass Papa wieder da ist. Aber in Deinem Beitrag steckt viel Wahres.

  • Thomas sagt:

    …grosseltern sind auch unbegrenzt belastbar.

  • Michael sagt:

    Wenn die Kinder so viel Stress verursachen, dass Frau bis zum Abend hin völlig durch den Wind ist, dann würde ich dringlichst zum Überdenken der Erziehungsmethoden raten. Ich beobachte z.B. immer mal wieder wie meine Frau gleich losläuft wenn der Kleinste anfängt, sich lauthals zu beschweren. Manchmal kann man ihn auch einfach erst mal nicht beachten und erst eingreifen, wenn er nach einer ganzen Weile sich noch immer nicht beruhigt hat. Oftmals findet er dann plötzlich eine Ablenkung, und das Problem löst sich von selbst. Ich weiss wie nervzerreissend es sein kann, Kindergebrüll auch nur ein paar Minuten ertragen zu müssen, aber die Mühen zahlen sich relativ schnell aus wenn die Kleinen erst mal kapiert haben, dass Mami und Papi nicht bei jedem Mucks gleich losrennen. Die Älteren beiden wissen mittlerweile, dass sie mit Gezwängel und Gebrüll nichts erreichen, sondern anständig mit uns reden müssen (auch wenn sie hin und wieder daran erinnert werden müssen). Es gilt auch hier die Devise, nichts wird so heiss gegessen wie’s gekocht wird. Der unerträgliche Kinderstress wird letztlich nicht von den Kindern selbst, sondern von den Eltern verursacht.

  • Gabriela_W sagt:

    @Peters
    Ja, wie bringt man jemandem Punkt 2 bei der das so anders sieht? Für mich hat’s halt wirklich nichts mit „Scheitern“ zu tun, sondern mit einer Restportion gesundem Egoismus. Das dürfen sich Eltern ruhig rausnehmen. Ich bin überzeugt, dass ich eine „bessere“ Mutter bin, wenn ich glücklich und ausgeglichen bin. Und eine wichtige Lektion für die Kinder ist doch zu lernen, dass andere Menschen auch Bedürfnisse haben; sogar auch Mami und Papi. Ich hab’s hier schon mal geschrieben. Als unsere ältere Tochter 11 Wochen alt war, da sind mein Mann und ich 2 Wochen in Tauchurlaub gefahren – ohne sie. Uns hat es super gut getan, und ihr hat es meiner Überzeugung nach nicht geschadet. Wenn Oma und Opa sich liebevollst um ein Kind kümmern, dann ist das nicht weniger gut als wenn das Mami persönlich macht.

    @Stefan W
    Ich gebe Dir recht. Beim Schlafbedürfnis gibt es sicher Unterschiede, und wir erachten uns als sehr glücklich, so wie es bei uns klappt. Ich habe vor der Geburt nur ein einziges Buch gelesen, nämlich dieses Schlafbuch (für alle die’s interessiert, leider nur in Englisch erhältlich: http://www.amazon.com/New-Contented-Little-Baby-Book/dp/0091912695/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1254834395&sr=1-1). Als es beim ersten Kind so gut geklappt hat, da dachten wir noch, vielleicht haben wir ja einfach Glück gehabt, mal abwarten, wie’s beim Zweiten geht. Doch wenn’s beim Zweiten dann auch so prima klappt, dann glaubt man nicht mehr so ganz an einen Zufall. Wie gesagt, der Schlafbedarf variert sicherlich, aber allein schon das problemlose Schlafenlegen, einfache Einschlafen und gute Durchschlafen ist für Eltern halt ein Segen. Ich weiss nicht, wie ich überhaupt noch funktionieren würde, wenn ich monatelang nachts aufstehen müsste, vielleicht sogar mehrmals. Das kennen wir schlichtweg nicht. Und ein wieterer Punkt ist doch, dass wenn’s mit dem Schlafen so gut klappt, es halt auch einfach ist die Kinder mal über Nacht den Grosseltern zu geben, weil man dann weiss, dass man denen jetzt nicht eine Nachtschicht aufbrummt. Womit wir wieder bei Punkt 2 wären.
    Also allen, denen die Geburt noch bevorsteht kann ich das Buch wirklich nur wärmstens empfehlen! Viel Glück.

  • Leonidas sagt:

    @juni: stimme dir völlig zu, dass elternschaft zwar keine ferienreise aber deswegen nicht die verlängerung der arbeitszeit bedeutet. ebenso bin ich deiner meinung, dass viele eltern sich und den kindern eine gehörige portion extra-stress und verkrampftheit durch ihre perfektionistischen ansprüche aufhalsen. aber wieso diese ketzerischen fragen mit vorwurfsvollem unterton nur an die adresse unseres armen phillipes? schliesslich ist es offensichtlich die mutter, welche das kind als belastung empfindet und es schnellstmöglichst loswerden will, sobald phillipe die türschwelle überschritten hat. jedermann/jederfrau von säugling bis greise lechzt nach anerkennung, da ist phillipe, seine partnerin und bestimmt auch du, keine ausnahmen. der ton macht die musik und ein trockenes „jetzt bis du dran“ ist bestimmt kein optimaler anfang für eine harmonische symphonie.

  • Stefan W sagt:

    @Gabriela_W: Gratuliere zu den 19 Uhr Kindern. So eins haben wir auch. Leider noch zwei andere. Wenn man die mit 3 Jahren um 19 Uhr ins Bett gebracht hat, dann waren sie zwischen 4 und 5 Uhr morgens putzmunter bei uns auf der Matte 😉 Das Schlafbedürfnis ist individuell verschieden und man kann Kinder genausowenig zu mehr Schlaf „zwingen“, wie Erwachsene.
    Zum Kinderbetreuungsstress: Dass man sie dauernd hundertprozentig überwachen muss, ist ja nur für eine relativ kurze Zeit der Fall. Sobald man ihnen zutrauen kann, auch mal alleine spielen zu gehen, geht die abendliche Erschöpfung durchaus zurück.

  • Tamara sagt:

    @zysi: Das war aber nicht sehr konstruktiv.

  • zysi sagt:

    die reife der eltern erkennt man an der einstellung zu erziehung und rollenteilung

    wer stets das rad neu erfindet ist selber schuld, wenn’s dann holpert und irgendwann mal kracht (scheidungrate ?)!

  • mira sagt:

    Ich kann die Liste von Gabriela_W. ebenfalls nur unterschreiben. Ein Leben ohne Fernseher bringt eigentlich nur Vorteile. Und, wer die Kinder zu stark an sich bindet, der ist selber schuld, wenn sie dann an einem kleben!

    Wenn ich abends vom Büro nach Hause komme, dann freue ich mich auf unsere Tochter und verbringe gerne Zeit mit ihr. Natürlich bin ich manchmal sehr müde, aber irgendwie ist mir das egal. Ich sehe das nicht als Arbeit an, sondern als wertvolle Zeit, die viel zu schnell vorbei geht.

    Wir arbeiten beide, wobei die Hauptlast bei mir (w) liegt. Ich fühle mich dadurch jedoch nicht gestresst, sondern geehrt. Allerdings würde ich es nicht wollen, dass mein Mann aufhört zu arbeiten. Das wäre weder kurz- noch langfristig sinnvoll: Kleineres Einkommen, fehlende Pensionskassenbeiträge, fehlende gesellschaftliche Anerkennung, schwieriger Wiedereinstieg, etc. etc.

  • Papa1 sagt:

    Ich kann Juhee nur beipflichten. Geteiltes Teilzeiten von Mann und Frau fördert das gegenseitige Verständnis massiv und führt zur Win-Win-Situation für alle Beteiligten (Frau, Mann, Kinder). Wir Männer müssen Teilzeit einfordern und nicht lasche Ausreden bringen warum man eben nicht teilzeit arbeiten könne…auch wenn er diese Argumente von seinem Chef zu hören bekommt…Jeder, der schon seinen Wunsch nach Teilzeit im eigenen Betrieb geäussert hat, kann ein Lied davon singen wie dagegen argumentiert wird! Dies gilt auch für Betriebe, die sich gerne „modern“, „dynamisch“ und ach so „aufgeschlossen“ schreien…

  • Obelix sagt:

    @Peters: …und 40% Einkommen. Und somit nicht machbar, gerade in meinem Fall. Da ich nun mal die Hochschule abgeschlossen hab und meine Frau (noch) nicht, mss ich jagen gehen und nicht sie. Unser masterplan sieht vor, dass sie ihre Hochschulbildung nachholt, sobald unser Jüngster im kindergarten ist, aber bis dahin kann nur ich Mammuts jagen. Das Zauberwort ist Kommunikation. Niemand kann sich vorstellen, wie das Leben mit Kindern sein wird. Jeder fühlt sich manchmal überlastet. REDET DOCH DARÜBER! Und hört zu. Männer können entgegen der Vorstellung vieler Frauen keine Gedanken lesen. Sagt ihnen, wenn es heute zuviel war. Und umgekehrt auch. Meine liebe Frau sagt immer: „Wir beide haben schon mit allem aufgehört, was wichtig ist, Ehe, Kinder usw. Nur niemals gleichzeitig.“ Einer hat immer mehr Kraft als der andere und kann helfen, die Last zu tragen. Das ist das Geheimnis der Teamarbeit.

  • juni sagt:

    Wann ist eigentlich das Zusammenleben mit Kindern zu einer Verlängerung von Arbeit geworden? Die Runde abends mit dem Kinderwagen, der sonntägliche Ausflug ins Naherholungsgebiet ein „über-den-Tisch-ziehen“, ein Entzug von wohlverdienter Freizeit? Eigenartig. Auf die Idee bin ich (w, Vollzeit, ein Kind) gar noch nicht gekommen. Anstrengend und manchmal sehr erschöpfend, klar – Elternschaft ist keine Ferienreise, sondern Elternschaft. (Und ein bisschen weniger anstrengend, wenn man von all den streberhaften Perfektionsansprüchen runter kommt, die wir mittelständischen Familien fast noch lieber pflegen als unsere Kinder. Und von der Vorstellung, dass wir als Familie alles alleine schaffen müssen.) Wie sähe denn der „nötige Respekt für den Jäger“ aus, Philippe Zweifel? Verschont werden von den Kindern beim Nachhausekommen und am Wochenende? Und das wünschen Sie sich wirklich? Wirklich? Ganz im Ernst? Oder geht es doch vielleicht einfach nur um Schmeicheleinheiten? Ein bisschen Bewunderung, ein bisschen Lob, ein bisschen das Jäger-Ego gekrault kriegen? Weil es nicht mehr so per se im Mittelpunkt steht?

  • Peters sagt:

    @Gabriela_W.
    Schöne Liste, würde ich sofort unterschreiben. NUR, was macht Familie, wenn die Mama Punkt 2 auf keinen Fall annehmen will, weil wir das doch alleine können müssen? Sprich wie bringt man/frau die übersteigerte Erwartungshaltung der Superfrau/des Superpapas in Einklang mit diesem Punkt? Denn das würde ja als erstes mal das Eingeständnis bedeuten, dass man dieser eigenen Erwartung nicht genügen kann, sprich überfordert ist.
    Meine Erfahrung zeigt, dass das Scheitern meistens da beginnt (auf beiden Seiten)

    Und an die Teilzeitfanatiker im Blog:
    Ich habe immer die teilzeitarbeitenden Väter geliebt, die ihren freien Tag bei den anderen Hausfrauen auf Kaffeekränzchentour verbracht haben, sich von aller Welt auf die Schulter klopfen liessen aber den Rest der Woche nicht 5 Minuten beim Spielen mit ihren Kindern gesehen wurden. Und für Wäsche und Putzdienst waren dann die Omas zuständig.
    Leider die Mehrzahl der Fälle, die ich kenne:-((
    Und was oft vergessen geht, 60% Arbeitszeit heisst bei vielen Jobs 80% Arbeitslast. Das trifft dann beide Seiten im extremfall!

  • gargamel sagt:

    die ganze geschichte hat eigentlich gar nichts mit dem ganzen gender-zeugs zu tun, imho.

    das problem ist, dass nach dem einfall der kleinen hunnen in’s leben seiner erzeuger am feierabend eben nicht mehr feierabend ist. jeder der beiden elternteile hat dann nämlich seinen arbeitstag hinter sich (ob zu hause mit den kindern oder im geschäft) und langsam das bedürfnis nach füsse hochlagern und ruhe… so wie’s halt in der prä-goofen ära möglich war.

    und das ist halt nun nicht mehr so…

  • Leonidas sagt:

    mein aufrichtiges mitleid philippe! würde bei solchen begrüssungsritualen über längere zeit hinweg an deiner stelle den, offensichtlich überforderten, elternteil mal fragen, wieso sie überhaupt kinder auf die welt setzen wollte. weil das dazugehört und trendy ist? verstehe gut, dass die kleinen fordernd sein können und ihre begleitung den ganzen tag über schwerstarbeit sein kann (aber auch ganz entspannend, je nach verfassung, charakter, lebensphase etc. des kindes) aber das kind mit solchen oder ähnlichen kommentaren dem partner unmittelbar nach der heimkehr in die hände zu drücken als wäre es etwas, das erduldet werden muss, empfinde ich als respektlos gegenüber kind und partner. mir wird übel, ob solcher kleinlichen, trotzigen haltung: „ich habe jetzt dies und das gemacht und jetzt bist du dran!“ ok, bei einem nichtsnutz als partner, der den ganzen tag rumlümmelt, sich betrinkt, das geld verspielt etc. noch verständlich. ansonsten gibt’s nur eine antwort darauf: „scher dich zum teufel!“ solange beide gemeinsam am strick ziehen und ihr bestes für die familie geben, ist es doch zweitrangig wer was wie oft macht. zusammen ist das zauberwort: jede/r macht das was er/sie am besten kann und am sinnvollsten für die alltagsbewältigung und existenzsicherung ist und erhält dafür anerkennung und wertschätzung. und all diejenigen die jetzt pauschal rufen, „teilzeitarbeit natürlich! jobsharing!“ gebe ich zu bedenken, dass diese möglichkeit von mehr faktoren abhängt, als von der penetranz des mannes gegenüber seinem chef. da spielt der finanzielle aspekt mitunter eine wichtige rolle. es fällt aber in vielen kommentaren auf (darunter auch von sog. männern, zumindest dem namen nach), dass die verantwortung dafür zum grossen teil dem mann in die schuhe geschoben wird, der einmal mehr alles sein muss: ernährer, beschützer, versteher, haushälter, kinderhunterhalter, frauenunterhalter, jobsharer uvm. und sich dabei nicht einmal beklagen darf. und bitte jetzt keine mitleidsbekundungen auf meinen beitrag hin, richtet die bitte direkt an philippe zweifel. ich bin glücklich mit meinem familienleben und meiner partnerin, mal mehr, mal weniger aber grundlegend sehr zufrieden und dankbar.

  • papasepp sagt:

    Erfrischend, dass mal einer den Mut aufbringt, zu gestehen, dass man(n) auch überfordert sein kann – und darf. Und ja: Nicht jeder kann Teilzeit arbeiten. Nicht weil er heimlich nicht mag, wie jemand in diesem Blog schreibt. Sondern weil es finanziell nicht drinliegt. Mit drei Kindern sowieso nicht.

  • Sarah sagt:

    Ich muss für den Autoren eine Lanze brechen, weil ich mich ertappt fühle. Viele Frauen, ich inklusive, haben heute doch das Gefühl, dass sie ach so viel geleistet haben wenn sie den tag durch zu den Kindern geschaut haben. Das ist bestimmt wahr, aber Muttersein ist eine schöne Aufgabe. Eine Aufgabe, die man freiwillig macht. Im gegensatz zum Mann, der im Büro schmort (meistens unfreiwillig). Ein bisschen mehr Anerkennung für die Ernährerarbeit ist durchaus am Platz.

  • Thomas sagt:

    @ philippe zweifel

    …hang in there superman. ein neues kostüm, ein letzter Schluck Bier und weiter gehts. superhelden sind unbegrenzt belastbar.

  • Patrick Keller sagt:

    Pff… Jammeri… Wer sich als Ernährer versteht und damit bereitwillig das Ich-trage-die-ganze Verantwortung-Gedöns mit sich rum schleppt, ist schlicht selber schuld. Idealerweise arbeiten beide Partner ZU GLEICHEN TEILEN weniger, also z.B. 70:70, 80:80, alles andere ist reine Augenwischerei und läuft letztlich nach wie vor auf das traditionelle Abhängigkeitsmodell hinaus, Mami ist mehr oder weniger zuhause und betreut die Kindlein, der arme Papa muss sich auswärts abrackern. Der Papi, der „nicht reduzieren kann“, ist entweder klammheimlich froh darüber oder hat den falschen Arbeitgeber.

  • Honigtiger sagt:

    Tja, Alter, dann schau mal zu, dass Du Dir die Privilegien besorgst, die Du verdienst – falls Du sie wirklich willst bzw. ihr sie wirklich wollt. Wir leben im 3. Jahrtausend, die alten patriarchalischen Rollenbilder haben ausgedient und die Kinder sind glücklich, wenn der Papi nicht immer nur abends und / oder am Wochenende für sie da ist.

  • Dani Kobler sagt:

    Verantwortung für die Familie kann man auch Teilen, das Werkzeug dazu heiss Teilzeit, für Beide.
    >>(Teilzeit arbeiten ist nach wie vor ein Privileg!)
    Nein ist es nicht. Mit solchen Sprüchen hilft man aber das es eines wird.
    Oder wieso können Frauen Teilzeit arbeit und Männer nicht?
    Weil sie unersetzbar sind, weil es sonst keinen gibt der den Job machen könnte? Das trifft wohl nur zu wenn man Roger Federer heisst.
    Alle anderen haben es einfach nicht ERNSTHAFT probiert.
    Ist ja klar das der Chef beim ersten Fragen nach Teilzeit mit NEIN antwortet.
    Er sagt aber auch NEIN zu der Gehaltserhöhung, NEIN zu den 3 Monate unberzahlter Urlaubt zwecks Weltreise, NEIN zum grösseren Frimenauto.
    Und was tut Mann nach diesen ersten Neins. ERNSTHAFT dranbleiben, Nachfragen, Argumente zusammenstellen, Kompromisse vorschlagen.
    Und dann, oh Wunder, kann Mann plötzlich die 3 Monate nach Australien, dann halt nicht nur zum surfen sondern auch zum Englisch lernen.
    In meinem Fall hat es knapp ein Jahr gedauert vom ersten Wunsch nach Teilzeit bis es dann auch so im Vertrag stand.
    Der Vorteil von Teilzeit: Verantwortung ist geteilt, beide kennen beide Seiten, das Kinderbetreuung mal schön ist und mal anstrengend, das der Bürojob mal befriedigend ist und mal stressig, was wohl eine Voraussetzung fürs gegenseitige Verständnis ist.
    Und dann gibts auch keine Diskussionen wieso das Nachtessen diesesmal um 19 Uhr nicht auf dem Tisch ist oder wieso man gerade heute mal wieder länger im Büro arbeiten musste.
    Und dann muss man auch nicht mehr am Samstag am Sandkasten sitzen, sondern ist einmal unter der Woche auf dem Spielplatz, im Tierpark, … und wird feststellen — huch — da gibts noch eine andere Welt als die Arbeitswelt, und die dreht sich absolut nicht um Bit und Bits, Java, Obligationen, Nockenwelle, Zementmischer, Ampere, Blutplasma, … (hier einen Begriff aus deiner Branche einfügen)
    Und ein weiterer Vorteil von Teilzeit. Wenn dann nach 15 Jahren die kleinene dann mal ausfliegen stellt sich die Frage auch nicht was nun.
    Wer nie wirklich Weg war vom Fenster braucht auch keinen Wiedereinstieg.

  • Gabriela_W sagt:

    Auf die leidige Gender-Frage muss ich nicht eingehen. Wir haben Rollentausch: ich arbeite 100% , mein Mann Teilzeit. Und ja, wir beide sind müde am Abend. Man kann es sich getrost sparen sich gegenseitig aufzurechnen, was jetzt anstrengender ist, Haushalt und Kinder, oder Büro. Fakt ist: am Abend ist man müde. Aber ganz generell kommen mir da spontan 3 Dinge in den Sinn, welche die oben genannte Situation entschärfen können:
    1. Schlafzeiten/Rhythmus
    2. Hilfe
    3. TV-Entsorgung
    Zu 1: Eine ganz wichtige Frage ist doch, wann die Kinder ins Bett gehen. Je nachdem wie die Antwort ausfällt, bleibt einem dann nämlich noch was vom Rest de Abends, oder eben nicht. Und entsprechend lang oder eben kurz fällt die „Kinder-Bespassungszeit“ nach Feierabend aus. Wir haben unsere beiden vom ersten Tag an in einen ganz bestimmten Schlafrhythmus eingewöhnt. Bettgehzeit war von Anfang an 19 Uhr – im eigenen Zimmer. Und noch heute, wo sie 2 resp. 3 Jahre alt sind, ist um 19 Uhr Feierabend – und das ohne Theater und Tantrum. Den Rest des Abends geniessen mein Mann und ich dann als Paar. Jeder kann werkeln was er will, oder wir setzen uns auch mal einfach zusammen auf’s Sofa mit einem Glas Wein und reden. Ein weiterer Pluspunkt des Ganzen ist, dass Kinder, die genügend Schlaf bekommen, tagsüber auch viel weniger „anstrengend“ sind. Hat also nur Positives.
    Zu 2: Es fällt einem kein Zacken aus der Krone, wenn man sich ab und zu mal Hilfe organisiert. Grosseltern hüten doch die Kleinen meist gern. Und es gibt nette Kinder in der Nachbarschaft, die mit auf den Spielplatz gehen. Ich beobachte, dass viele Eltern halt Probleme haben loszulassen, meinen, sie seien die einzigen, die richtig auf Nachwuchs aufpassen können und förmlich an ihren Kindern kleben. Dann darf man sich aber auch nicht beklagen, wenn’s auf Dauer sehr anstrengend wird.
    Zu 3: Ich kenne so viele Leute, die sich dauern über Stress beklagen, müde und übernächtigt sind, aber haufenweise Zeit haben um sich am TV irgendwelchen Blödsinn anzukucken. Also: Fernseher weggeben. Wir leben seit Jahren ohne – und was haben wir für Zeit! Ausserdem gehen wir früher ins Bett als der Durchschnitt unserer Freunde, kriegen somit mehr Schlaf und packen den Tag dadurch besser. Und ich mein‘ das nicht besserwisserisch, sondern wirklich aus Erfahrung ehrlich gemeint.
    Und dann noch etwas tröstliches für alle, die grad mitten in der Bespassungs-Phase sind: sie geht vorüber. Unsere 2 spielen jetzt schon ganz schön zusammen, ohne dass es uns dauernd braucht. Ich würde behaupten, dass die ca. ersten 2.5 Jahre bespassugnsmässig die ansstrengendsten sind.

  • Daniel sagt:

    Die Diskussion hat etwas sehr klischiertes und ist ab und an auch ziemblich selbstmitleidig. Kinder zu bekommen ist in keinem Fall ein Sonntagsspaziergang. Das müssen sich Frau und Mann bewusst sein. Die Arbeit, der Stress und die Mehrfachbelastung sind oder werden Realität. Man entwickelt sich zu einem (hoffentlich) hocheffizienten Team und die Kinderversorgung nimmt manchmal fast industrielle Dimensionen an (ich hatte damals drei Kinder davon ein Zwillingspärli). Man steht mitten im Leben und hat Beruf, Ausbildung, Familie und die Partnerschaft unter einen Hut zu bringen. Einfach? Nein, sicher nicht. Aber ewiges Herumlamentieren hilft da nicht und wo der Superhero Papa anfängt oder wo die Grenze zum Weichei endet, soll dabei nicht im Zentrum stehen. Man(n) kann sehr viel, wenn der Wille und auch das Verantwortungsgefühl da ist. Frau sicherlich auch. Das wichtigste Element ist aber die gegenseitige Wertschätzung für das, was man tut. Und die bleibt oft auf der Strecke und in meiner Erlebniswelt waren es meistens die Frauen, die an ihre Grenzen stiessen, diese nicht akzeptieren wollten und dann mit dem emotionalen und rhetorischen Zweihänder solange den Partner traktierten, bis er auch in die Knie ging. Ob dieses Verhalten dem fragilen Gebilde einer jungen Familie etwas dient und die Partnerschaft auf die Zeit danach vorbereitet (denn auch die intensivste Kleinkinderzeit geht vorüber – das ist die tröstliche Botschaft) möchte ich ganz mächtig anzweifeln.

  • @Obelix
    Gratuliere. So ists richtig.

  • Obelix sagt:

    Man muss wissen, was man will. Als meine Töchter 2 und 0 Jahre alt waren, habe ich eine 5-Jährige Fachhochschulausbildung begonnen. 16 Lektionen wöchentlich, Prüfungsvorbereitung und Diplo nicht eingerechnet. 80% Arbeitspensum im Bür dazu. Weil ich das Geld für die Schule brauchte, haben wir eine Hauswartstelle aufgenommen für zwei Blocks mit 22 Parteien. Am Wochendende Treppenhäuser putzen und Waschküchenschlüssel-Kämpfe überwachen. Da stellt sich die Frage gar nicht, wer was macht. Meine Frau hatte die Innenministerin-Stelle inne und ich ging jagen. Es wurde getan, was getan werden musste, von dem, der gerade konnte. Was ich damit sagen will: Anschlag und Überforderung sind Ansichtssache. Und ja, die obenerwähnte Situation kenne ich auch. Aber wie opa meier schon sagte, es geht um gegenseitige Kommunikation und Achtung und mit der Zeit spielt man sich ein. Auch der Streit wird kultivierter. Bei uns endet jeder wüste Streit meistens im Bett.

  • Pascal Sutter sagt:

    Solange man als Teilzeit-Arbeitender auf Arbeit immer das 5te Rad am Wagen ist wenn es um tolle Projekte geht kann ich es gut verstehen, dass mann es sich 2mal überlegt. Hier geht es nicht ums Geschlecht sondern um die vorsintflutliche Einstellung unserer Arbeitgeber. „Was macht DeineFrau denn Wichtiges, dass sie auch Arbeiten muss?“
    Wenn eine Familie entscheidet, dass Vater 100% arbeitet hat er meines Erachtens auch seine Ruhepause am Abend verdient. Arbeitende Mütter übrigens auch.

  • Mike sagt:

    Kommt mir irgendwie bekannt vor. Bei uns hat das auch schon zu Spannungen geführt. Mit einem Racker geht das ganz gut, aber ich kann mir vorstellen, dass dies mit zwei (oder noch mehr) Kindern weiter zunimmt. Ich weiss ehrlich gesagt auch nicht so recht wie man dem langfristig begegnen will, denn beide Seiten haben am Ende des Tages gearbeitet und gleichermassen eine Pause verdient.

  • opa meier sagt:

    zurück zum Thema.

    Guter Text, verstehe den Frust. Kommt da Büroärger und anderer Stress zusammen, ergibt das eine explosive Formel. Zaubertricks gibt’s leider nicht. Was meine Partnerin und mich betrifft: Wir haben (nach einer gewissen Lernzeit) versucht, Anforderungen und Geschwindigkeit rauszunehmen zugunsten von Zeit. Den/die Kleinen hatten wir frühzeitig ans Laufgitter gewöhnt, die konnten auch mal 1/2 Stunde selber vor sich hinwerkeln, später dann in ihrem Zimmer. Zugunsten einer halben Stunde, die ich mit meiner Frau verbringen konnte: Das gemeinsame Gespräch war uns ziemlich wichtig. Dann verstand ich, worüber sie frustriert war und sie, weshalb ich mit einem dicken Kopf nach Hause kam. Superhelden oder jene, die „alles unter einen Hut brächten“ sind mir seit jeher suspekt.

  • Abgetakelter Papi zum Zweiten sagt:

    Aus dem Herzen geschrieben. Hat gut getan!

  • Es gibt in George Orwells „animal farm“ die tolle Figur des Pferdes, das sich für die Revolution zu Tode rackert, während die Schweine „immer gleicher werden“. Jede Revolution lebt von „nützlichen Idtioten“: auch die Geschlechterrevolution. Erfrischend ehrlich war da die Freundin von Frau Althaus, die Zugab, eigentlich finanziere ihr Gatte ich Hobby.

  • Na, viel Spass mit dem Thread. Männer, die Klönen sind einfach nie sexy, auch im „mama-blog“ nicht. Dies ist eine anthropologische Konstante. Die Natur ist hier leicer schonungslos konservativ 😉

  • Ines sagt:

    Wenn beide arbeiten, sollen sich beide auch um den Nachwuchs kümmern. Wenn Mann nur arbeitet sollte Frau das zu 90% alleine übernehmen. Ich schicke den Vater meiner Kinder keinesfalls nach der Arbeit zur Kinderbespaßung auf den Spielplatz, weiß ich doch ganz genau wie man sich nach einem vollen Arbeitstag fühlt.
    Warum lassen sich Männer in diese Rolle pressen? Warum ist es Zwang das Er mit zur Geburt muß? Gesellschaftliche Zwänge die keiner braucht. Und ehrlich gesagt klingt es Männern die sich intensivst um den Nachwuchs kümmern nach ein Weichei zu sein – zu Recht??

  • Juhee sagt:

    Teilzeiten, DÄNK!!! Ja, es ist ein Privileg… eins das erst bröckelt, wenn’s auch eingefordert wird, und zwar von euch Männern! Wie viele sind um die bekömmliche Ausrede froh, dass es eben in ihrem Job, mit ihrem Chef, in ihrer Branche halt einfach nicht gehe… schnarch!
    Und beim Teilen, teilen sich auch die Albträume – das ist dann wirklich geschlechterdemokratisch, und, aus meiner Erfahrung (90w /60m) SEHR erstrebenswert!

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.