Eine gefährliche Leere – trotz Kind

mutter

Das Buch «Lasse» ist eine bitter-scharfe Parodie auf den Wahn, eine perfekte Mutter zu sein. Bild: Anjan Chatterjee, Flickr.com

Sie ist schön. Sie lebt irgendwo in einem Berlin, das so ist, wie man sich diese Stadt eben gern vorstellt: ein bisschen Wohngemeinschaft, lockere Nachbarn, Kiffen und Altbau. Und sie ist leer. Die Rede ist von Nina, der Protagonistin von «Lasse», dem Erstling der deutschen Journalistin und Psychologin Verena Hasel, die das Buch in ihrer zweiten Babypause begonnen und inzwischen ihr drittes Kind bekommen hat. (Das Buch erscheint im August im Ullstein Verlag.)

Darin schildert die Autorin unaufgeregt, wie eine junge Studentin, Nina, sich aus ihrer Sinnleere vögeln lässt, weil ihre Schönheit, die Bücher ihrer abwesenden Mutter und ihr Studium die Leere in ihr nicht ausfüllen. Zeitgleich bricht ihre familiäre Wohngemeinschaft auseinander, da das Haus verkauft und luxussaniert werden soll.

So steigert sich Nina in eine eher zufällige Besessenheit für jenen Arzt hinein, der sie am Blinddarm operiert hat. Ohne, dass man es ganz versteht – er hat dicke weisse Beine, keinen Humor und Zeit schon gar nicht – verbeisst sie sich in ihn, Lennart. Er allerdings kommt aus einem Paralleluniversum und findet die junge Frau rasch unheimlich, die sich wie eine parasitische Wurzel auf der Suche nach Wasser in sein Leben gezwängt hat. Er liebt eine andere, eine Unkomplizierte.

So weit, so gut. Doch Nina wird schwanger von Lennart und ist nicht willens, das Kind herzugeben, egal, was Lennart unternimmt. Denn sie hat ihre Obsession für ihn längst auf das Wesen übertragen, das sie nun ausfüllt, nicht nur mit Fleisch, sondern endlich auch mit dem Sinn, den sie so lange vermisst hat. Dass das krankhaft sein könnte, weist sie von sich und ackert sich mit übersteigerter Gier und Buchstabengläubigkeit durch jeden Ratgeber, der ein glückliches Baby verspricht, besucht jeden Kurs von Hypnobirthing über Pränatalyoga, den man sich antun kann, und ist so verklärt schwanger, wie Frau es nur sein kann.

Die Passagen über diese Ingwertee-getränkte Schwangerschaftshysterie und die anderen werdenden Mütter und Väter in den Kursen sind wie die WG-Szenen etwas gar klischiert und könnten aus einem Matthias-Schweighöfer-Film stammen. Aber dennoch steckt darin ein wahrer Kern, der wie ein Kiesel im Schuh drückt: Die Tatsache, dass viele Mütter durch das Überangebot von Ratgebern, Seminaren und Profimutterkühen in völlig übersteigerte Erwartungen geraten, was die Heiligkeit von Schwanger- und Mutterschaft anbelangt. Vor lauter Natur geht jegliches Natürliche verloren. Statt Instinkte zu wecken, verunsichert es die Mütter, die jedoch alle brav schweigen wie das Volk und der Adel in «Des Kaisers neue Kleider». Man könnte sich ja sonst verraten, unzulänglich sein, das Göttliche hinterfragen. Schade und verhängnisvoll, dass kaum einer es tut.

Denn irgendwann hat jede Schwangerschaft ein Ende, hier gesetzt durch eine Geburt, die Verena Hasel als so unappetitlich und grausam beschreibt, dass man den Roman gut als Verhütungsmittel empfehlen könnte. Der Kontrast ist natürlich gewollt. Aus der geschönten Schwangerschaft wird Realität – ein Kind, das keinen Vater hat, das Nina zu dick erscheint, nicht in den Strampler passt und auch nicht in das Bild, das sie sich von ihm gemacht hat. Er schreit, er schimpft, er ist ihr fremd, dieser Klumpen Mensch, der sie nun nicht mehr ausfüllt. Mittlerweile ist nicht nur Lennart weg, sondern auch die Wohngemeinschaft hat sich aufgelöst. Nina sitzt im Nichts.

Beklemmend beschreibt die Autorin Ninas zunehmende Einsamkeit und Weltabgewandtheit und ihre wiederholten Versuche, «es» doch richtig zu machen, so wie in den Büchern eben oder wie die Mütter in den alternativen Cafés im Quartier. Doch aus dem Idealkind Lasse ist längst Felix-Otto geworden, das fremde Kind mit all den Bedürfnissen, die Nina ganz alleine stillen soll, ohne zu wissen, wie das geht. Und ohne Hilfe von aussen. Denn keiner sieht oder will sehen, was hier wirklich abgeht. Das, worauf man schon bald zu warten beginnt, tritt ein: Nina tötet Lasse. Nicht vorsätzlich. Sie schüttelt bloss das Schreien aus ihm heraus und überschreitet damit die Grenze. Ab sofort gehört sie nicht mehr zu dieser Welt. Zu den Müttern, die immer alles richtig machen. Doch wie alles andere, was sie nicht erfassen kann, blendet sie auch diese Tatsache aus und geht weiterhin mit ihm spazieren.

Das Buch ist streckenweise eine bitter-scharfe Parodie auf unseren Wahn, perfekte Mütter zu sein und eine glänzende Untersuchung dessen, was geschieht, wenn es eben anders kommt. Man versteht Nina und verurteilt sie nicht. Das ist die Stärke des Buches. Aber ausser eigene Erinnerungen an durchwachte Nächte und einsame Schreitage weckt es dennoch nicht genug. Nina bleibt fern und man kann sich getrost weiterhin sagen, so was würde einem nie passieren – man ist ja weder superschön, noch besessen noch so leer und einsam wie Nina. Erleichtert legt man es weg.

Schade. Denn das Buch ist wirklich gut. Und wichtig. Und ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle wesentlich näher an der dunklen Seite des Lebens stehen, als wir es gern wahrhaben möchten. Der Rest ist Wille, Glück und vor allem Aufmerksamkeit und Liebe von Dritten zur rechten Zeit.

Darum: lesen!

83 Kommentare zu «Eine gefährliche Leere – trotz Kind»

  • Amy Berger sagt:

    Die Buchkritik hat ihren Zweck insofern erfüllt, als dass sie mir das Buch hundertprozentig abspenstig gemacht hat. In dem Sinn Danke, son Sch* brauch ich nicht zum Glücklichsein und verbringe anstatt dieses Buch zu lesen lieber ein paar Stunden mehr mit meinen unperfekten Kids.

  • Nik sagt:

    Hatte meinen Bauch gerne! Die Geburt war Katastrophe. Die meisten Besuche auch. Dss plötzliche Versorgen und Sorgen um einen kleinen Mensch ganz einfach eine Überforderung. Schön war nur das Baby.
    Habe alle Erziehungsbücher und Erziehungskurse besucht und kamen zum Schluss, wie seien die besten Eltern der Welt!
    Ja bis zu jenem Tag, als ich unser Kind schlug. Einfach so, die Nerven lagen blank, die Enttäuschung und Einsamkeit zu gross.
    Heute ist das Kind in der Pubertät, jugendlich, frech und schlägt mich! Ich kann, ausser ein paar schöne Momente, an einem Kind nichts reizvolles mehr erkennen.

    • Muttis Liebling sagt:

      Das hätte sich durch Ratgeber- Absenz und Einbezug Ihrer Mutter vielleicht etwas relativieren lassen. Aber eine Bankrotterklärung ist es noch lange nicht. Meine inzwischen erwachsenen Kinder, selbst Eltern, klagen mich immer noch gelegentlicher Klapse hinter den Ohren an. Inzwischen mehr rhetorisch, wenn ich mich in ihre Erziehungsmethoden (Stichwort Familienbett) grobklotzig einmischen will.

      Den einzigen Menschen, den ich nach 12 Monate militärischen Trainings mal richtig verprügelt habe, war mein Vater. Auch kein Drama, meine Mutter wusste es im Nachhinein zu schätzen.

      Nicht aufgeben!

    • Widerspenstige sagt:

      Nik, auch diese Phase geht vorbei u da hilft eigentlich am Besten, wenn man das Ganze humorvoll würzt. Anders geht man an den Rand eines Nervenzusammenbruchs u tobt sich gegenseitig an. Wenn es ganz krass war mit meiner rebellischen Tochter in der Pupertät, dann ging ich einfach aus dem Zimmer u schlug die Türe hinter mir zu! Das musste einfach sein nach der Aufforderung, das Zimmer mal aufzuräumen, nicht einfach eine Horde Freunde nach Hause zu nehmen unangemeldet, die sich dann im Wohnzimmer breit machten etc. Dann aber wieder entspannter werden u darin Humorvolles sehen mit entspr. Sitcoms

    • Momo sagt:

      @Nik
      Holen sie sich Hilfe! Familienberatung oder ähnliches. Ich weiss, dass man hier im Mamablog das Gefühl bekommen kann, Familie sei ein Hort der Glücksligkeit.. Zweifeln sie daran. Ich tue es auch. Besser also ein Problem zu erkennen und anzugehen als es schön zu reden bzw zu verschweigen.

  • Corinne sagt:

    Was für ein schöner letzter Satz und wie wahr!

  • mmx sagt:

    Ein gutes Beispiel dafür, dass das Leben tödlich ist. Keine Garantie, keine Sicherheit, ungeschönt und hässlich. Auch wenn es sich um einen Roman handelt und das Ende extrem ist, sowas kommt vor. Die Wahrheit ist, die Sonne geht morgen trotzdem auf. Erhelle die Finsternis, doch trotzdem wird diese sehr oft siegen. Leider eine Tasache, an der auch das intensivste und inbrüstigste Festhalten am Guten nie etwas ändern wird, leider. Applaus für die Autorin, die sich traut, die Schatten der Welt vor Augen zu führen.

  • Dolce sagt:

    Nun ja, als ich mit 38 Mutter wurde kannte ich keine Kinder. Ich hatte im Alter von 17 mal ein Baby im Arm gehalten, ansonsten war mein Kontakt mit Kindern gleich null. Mir hat’s geholfen, dass ich ungewollt schwanger wurde. Ich hatte keine Erwartungen an das Kind und konnte annehmen, was da vor mir lag. Genossen habe ich es nicht, aber überlebt haben wir es zum Glück beide erfolgreich und wir haben ein gutes und enges Verhältnis. Ich weiss auch, dass ich keine weiteren Kinder mehr will, eben weil das erfolgreiche Aufziehen eines Kindes mehr Ressourcen verbraucht, als ich bereit bin auszugeben

    • Dolce sagt:

      Ich finde es traurig, wie blauäugig viele Frauen Kinder auf die Welt setzen, nur um sich und ihre Kinder dann zwischen Frühförderung und Sorgerechtsstreit aufzureiben. Ein Kind löst keine Probleme, es schafft nur tausend neue. Wer nicht bereit ist, sich diesen tausend neuen Problemen (weniger Geld, weniger Zeit, weniger Energie, weniger Lust, weniger Sport, weniger Reisen etc.) zu stellen, sollte vielleicht lieber auf Kinder verzichten. Es sei denn man will von sich aus Sozialhilfe beantragen und seine Kinder verwahrlost aufwachsen lassen oder ist reich genug für mehrere geförderte Elite-Kids.

    • Muttis Liebling sagt:

      Falsch ist nur, keine Kinder, oder die zu spät in die Welt zu setzen. Falsch ist, Begriffe wie ‚Frühförderung‘ oder ‚Sorgerechtsstreit‘ auch nur zu kennen. Falsch ist es, dem Kinder bekommen einen höheren Stellenwert wie Leben und Atmen einzuräumen.

      Falsch ist es auch, dass es den Mama Blog überhaupt gibt. Richtig nur ist es, 2-3 mal im Leben zu gebären und sich dadurch nicht vom Rest des Lebens ablenken zu lassen.

      • ka sagt:

        es gibt weder richtig noch falsch und der Rest des Lebens, wie auch das Kinderkriegen, ist gar nicht so gross und wichtig. Wichtig sind die Kleinigkeiten: Morgentau in den Wimpern, der Geruch der Rosen, die Stille über dem See, ja auch das Quietschen des glücklichen Babys und die tröstende Hand des Partners.

      • Christoph Bögli sagt:

        In der heutigen Zeit ist es in vielen Fällen überaus richtig, keine Kinder in die Welt zu setzen. Vielmehr ist es eher bei so einigen falsch, dies zu tun, wie man dann auch am Resultat sehen kann..

      • Stranger sagt:

        Falsch ist es, Sachen als „Falsch“ zu betiteln.

        YMMV sollte Ihnen als Leitlinie dienen, mein lieber Liebling.

      • Muttis Liebling sagt:

        YMMV? Was ist das?

      • Widerspenstige sagt:

        Das heisst glaube ich YMMV = Your Mind May Vary oder so ähnlich….Stranger kommt immer mal wieder mit solchen Abkürzungen, die ich kaum verwende, ML.

      • tina sagt:

        doof wie ich bin, habe ich google gefragt:
        YMMV

        Your Mileage May Vary. Der Satz ist in den USA bei Verbrauchsangaben für Autos gebräuchlich und bedeutet, dass der Verbrauch je nach Strecke und Fahrweise anders ausfallen kann als die Werksangabe.

        Im Usenet ist damit allgemein gemeint: „Unter anderen Umständen kann man natürlich auch zu ganz anderen Ergebnissen/Ansichten kommen“.

  • Heidi K. sagt:

    Ich werde dieses Buch bestimmt nicht lesen und nein, ich kann eine Mutter, die ihr Kind tötet nicht verstehen. Kinder haben ist halt nicht immer schön. Wenn man als Mutter den Sinn des Lebens immer noch nicht gecheckt hat, dann kann niemand mehr helfen. Darum ist es besser, man überlegt es sich vorher, ob man Eltern werden will oder es doch nicht lieber sein lässt. Ich finde es unakzeptabel, dass für Kindsmörder noch Verständnis aufgebracht werden soll. Komischer Artikel, komisches Buch. Hab mich jetzt echt nur darüber geärgert.

    • Kathy sagt:

      Das sagt schlussendlich mehr aus über dich Heidi, als über das Buch.

      Es geht eben nicht um eine „Kindsmörderin“, das würde einen Vorsatz implizieren, der laut der Autorin eben nicht gegebn ist.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Amen – und es wirft kein gutes Licht auf Sie, Heidi.
        Wenn die Gesellschaft kein Verständnis erlangt, wird es nie besser werden. Je mehr wir solche Vorgänge lernen zu verstehen, umso eher sind wir in der Lage sie zu verhindern.
        Aber den Selbstgerechten geht es ja nie, um das Wohl der anderen. Sondern nur darum sich in der eigenen Selbstgerechtigkeit zu wiegen.

      • Muttis Liebling sagt:

        ‚Je mehr wir solche Vorgänge lernen zu verstehen, umso eher sind wir in der Lage sie zu verhindern.‘

        Klingt edel, ist aber falsch. Es gibt keinen Grund, Singularitäten zu verhindern. Schon weil man es nicht kann. An den Rändern des Menschlichen rauscht es und Rauschen sind Zufallssignale, systematisch kann man das nicht beeinflussen.

    • Emx sagt:

      XY, wollte gerade etwas Ähnliches antworten. In Gesellschaften, in denen für Täter kein Verständnis aufgebracht werden kann, können eigtl nur noch Gefängnisse ausgebaut werden. Es waren sicher z.B. auch traurige Vorkommnisse, die dazu führten, dass man heute das Krankenhaus nach der Geburt nicht ohne mehrfache Aufklärung und Tel-Nr für den Fall einer postnatalen Depression verlässt, und man sich immer wieder nach dem Befinden der Mutter erkundigt. Ich bin sicher, dass damit manches verhindert wird. Das hätten wir nicht, wenn nie Verständnis für die Täterinnen aufgebracht worden wäre.

    • Valeria sagt:

      @ Heidi:
      So wie ich die Buchreplik verstanden habe, hat Nina ihr Kind nicht ermordet. Sie hat es aus Verzweiflung geschüttelt und so seinen Tod in Kauf genommen. Das ist ein Unterschied, das ist Flaach vs. Locarno. Und aus psychologischer Sicht, Frau K., erzählt Ihr Post mehr über Sie als über die Geschichte per se. Wir alle haben nämlich Angst, dass uns die Kontrolle entgleitet, dass wir das Kind im Auto vergessen. Oder es schütteln. Diese Handlungen komplett von sich zu weisen, ist eine Möglichkeit, dem Unvorstellbaren auszuweichen. Oder anders: Wir lehnen nur ab, was wir kennen.

  • coco sagt:

    „Journalistin und Psychologin Verena Hasel, die das Buch in ihrer zweiten Babypause begonnen und inzwischen ihr drittes Kind bekommen hat.“ Natürlich. Da musste sich Frau Hasel wohl einiges vom Herzen schreiben (der Schatten…), was nicht PC gewesen wäre, hätte sie es als Privatperson geäussert. Klingt alles etwas arg konstruiert und macht keine Lust zum lesen. In Wirklichkeit finden Frauen in Ninas Lage meist Leute, die sie unterstützen, sei es der Kindsvater, Familie, Freunde, Sozial- und Gemeindehelfer. Die Gesellschaft besteht ja nicht nur aus herzlosen Egoisten.

    • Muttis Liebling sagt:

      Nur ist Nina kein Mensch, keine Frau, nur eine literarische Figur.

      • Momo sagt:

        Ist sie denn nicht das sprechende Tier in dem Roman? 😉

      • Muttis Liebling sagt:

        Nina ist ein Backrezept. Man gibt 30% Menschlichkeit, 10% Berechnung und 60% Unberechenbarkeit in einen Topf, rührt um und erhält Nina.
        Nina ist kein sprechendes Tier, weil sie nicht mal die Qualifikation eines Lebewesen hat. Nina ist ausgedacht. Der Trick jeder Kunst besteht darin, darin, das erzeugte Bilder wieder rückzureflektieren. Erst im Kopf des Lesers wird Nina Mensch.

      • Momo sagt:

        Oh, ich habe mich ungenau ausgedrückt – Entschuldigung: Ich meinte kein echtes sprechendes Tier. Ich meinte natürlich ein ausgedachtes sprechendes Tier, das dann eigentlich auch nur im Leserkopf als solches vorkommt.
        Nicht böse sein ML 😉

  • extraterrestre sagt:

    1/ ich habe das buch selber nicht gelesen, aber aus A.F.’s beschreibung lese ich folgendes heraus: die übertriebenen ansprüche an das perfekte muttersein ist nicht das eigentliche hauptthema des buches, sondern die gründe, die dazu geführt haben: einsamkeit, schon vor der schwschaft, leere, keinen „sinn“ im leben haben, … das „projekt kind“ (hätte auch sonst ein „projekt“ sein können – beziehung, arbeit, etc.) musste all diese mängel ausgleichen,da ist klar, dass es nicht gut kommt.die „take-home-message“ ist vielleicht eher nicht unbedingt, dass wir nicht versuchen sollten, perfekte mütter

    • extraterrestre sagt:

      2/ zu sein, sondern uns selber zu fragen (bevor das kind da ist, oder vielleicht auch, wenn kind(er) schon da sind), wie es mit unserem eigenen leben aussieht: sind wir generell zufrieden, fehlt uns etwas (partner, liebe, geborgenheit, erfüllung, arbeit, etc….), und wenn ja, können wir gut damit umgehen oder eher nicht? was nach aussen hin geschieht ist letztendlich nur eine prjektion dessen, was im inneren abgeht, und führt uns immer auf uns selber und unsere eigene geschichte zurück und man wird dies höchstwahrsch. zu einem gew. grad aufs kind übertragen, ob man will oder nicht.

      • Reincarnation of XY sagt:

        gut gesprochen – das hab ich mir auch gedacht.
        Es geht um einen Menschen, der seiner Leere mit steter Flucht, Verdrängung, Verlagerung begegnet. Das mag eine Weile gut gehen, endet aber in einer – am Ende unrettbaren – Tragödie.
        Wer einen Roman schreibt, wählt meist eine Thematik, mit der er selbst vertraut ist. in diesem Falle ist es Schwangerschaft und Muttersein. Das psychologische Problem hat aber nicht den geringsten Ursprung in diesen Dingen und schon gar nicht von einem „Druck“, eine perfekte Mutter sein zu müssen, etc.

      • Muttis Liebling sagt:

        So ist es. Wenn ich im Spiegel einen Pickel in meinem Gesicht sehe, versuche ich den nicht im Spiegel auszudrücken, sondern im Gesicht. Was auch ohne Spiegel geht, nur etwas schwieriger.

      • mila sagt:

        Gerade darum könnte das Buch doch spannend zu lesen sein. Weil es ein allgemeines Problem in einem spezifischen Setting schildert. Wenn Menschen derart in die ‚Irre‘ laufen, hat das einen Grund. Ob man sie deswegen als ‚Irre‘ bezeichnen sollte (siehe HH weiter oben), ist eine andere Frage. Mich interessieren eher die Umstände, weshalb sie sich ‚verirren‘ – und das kann vielen von uns auf unterschiedliche Weise passieren, wenngleich nicht immer in extrem(st)er Form. Frau F. hat diesbezüglich nicht ganz unrecht. Und Literatur arbeitet oft mit Alltagsübertreibungen zu Veranschaulichungszwecken.

  • Widerspenstige sagt:

    Ein gefährliches Buch über obsessive Muttergefühle in Zeiten von Flaachdramen. Vielleicht hätte man dieses äusserst heikle Thema etwas weniger bizarr angehen können? Ich hätte eher über Hilfe von Dritten mehr geschrieben u damit das Umfeld vermehrt in solche obsessive Gefühlswelt von Mitmenschen miteinbezogen. Wie können solche Menschen unter uns betreut werden, ohne dass wir als Dritte zu persönliche Grenzen überschreiten? Nur Wegsehen u so tun, als ginge es einen nichts an, ist ja wohl zu einfache Lösung. Aber genau das wird dauernd gemacht, um ja nichts falsch zu machen. Wegsehen…

    • Sportpapi sagt:

      Hinsehen? Wesehen? Hier kommt ja praktisch jede Woche ein Beitrag, der genau das Gegenteil von dem verlangt, was in der vergangenen Woche propagiert wurde. Logischerweise, weil man eben froh wäre, immer das richtige zu tun, aber sich ständig für eine Seite entscheiden muss.

    • Muttis Liebling sagt:

      Ein Roman ist keine Gebrauchsanweisung. Wenn man die 6- monatige Flaach- Tragödie in Deinem Sinn aufarbeiten würde, wäre das Publizistik, im besten Fall ein Essay, aber kein Roman.
      Ausserdem wissen wir doch sehr genau, wie Flaach ausgehen wird. Niemand hat etwas falsch gemacht, das konnte keiner ahnen, usw. usf.. Die Frau ist randständige Einzeltäterin, eine Verrückte, gegen die ist kein Kraut gewachsen.
      Selbst plumpe Fehler, eine Suizidale wird 1 (in Worten eine) h/ Woche psychiatrisch betreut, was einem nicht CH- Psychologen die Kinnlade runterklappen lässt, ist verfahrenstechnisch gedeckt.

    • Christoph Bögli sagt:

      Das Buch ist ein Roman, also eine fiktionale Geschichte. Kein Sachbuch oder gar Ratgeber. Die Autorin will also primär eine interessante Geschichte erzählen und allenfalls ein paar Denkanstösse geben. Was man da als Leser genau mitnimmt liegt aber letztlich, wie immer, im eigenen Ermessen. Das als „gefährlich“ zu bezeichnen ist darum so absurd, wie in Goethe’s Faust eine Anleitung zum Satanismus zu sehen oder Tarantino-Filme als verantwortlich für Amokläufe. Denn: Psychisch gestörte Gewalttäter brauchen definitiv keine ironischen Allerweltsromane um ihren Kindern oder sonst wem Gewalt anzutun.

      • Muttis Liebling sagt:

        Fast. Ein Roman erzählt eine Fabel und verpackt die in eine Geschichte. Das Besprochene ist ein Roman über die erfolglose Sinnsuche und verpackt die in die für sich ganz bedeutungslose Geschichte eines Kindsmordes. Die Autorin hätte auch einen Amoklauf oder Suizid als Verpackungsmaterial benutzen können. Aber da sie während des Schreibens schwanger war. lag der Kindsmord näher.

      • Franz Vontobel sagt:

        „Ein Roman erzählt eine Fabel…“ – Ach? Tatsächlich? So also ist die literarische Gattung „Roman“ definiert? Was sie nicht alles wissen, ML!

      • Muttis Liebling sagt:

        Der Satz “Ein Roman erzählt eine Fabel…” hat keinen Definitionscharakter.

      • Widerspenstige sagt:

        Christian, da bin ich dezidiert anderer Meinung inzwischen, was der Vorbildcharakter von Gewaltexzessen in Bildsprache anbelangt. Woher kommen denn so plötzlich diese Amokläufe? Woher kommen Wahnsinnige wie in Norwegen geschehen? Woher beziehen Barbaren wie eine IS-Truppe ihre Mustervorlagen? Ach so, das sind alles randständige Verrückte…!!

      • Franz Vontobel sagt:

        ML: Ja was denn nun? Keine Definition? Aber auf den besprochenen Roman kann sich der Satz ja auch nicht beziehen, denn der erzählt auch keine Fabel…

      • Franz Vontobel sagt:

        Ja genau, Widerständige, und das dritte Reich entstand wegen der brutalen Video-Spiele! Heilige Einfalt, lass es Hirn regnen für die Zombiefrau!

      • Christoph Bögli sagt:

        @Widerspenstige: Verwechseln Sie nicht das Vorkommen mit etwas mit Ihrer Wahrnehmung davon. Nicht die Gewalt hat zugenommen, sondern nur die mediale „News“-Aufbereitung und offenbar Ihr Konsum davon. Darum meinen auch viele, Verbrechen nähmen zu, obwohl die Straftaten in Wahrheit sinken.
        So oder so, die traurige Wahrheit ist ganz einfach: (Extreme) Gewalttaten gab es natürlich schon immer. Oder wollen Sie den 1. und 2.Weltkrieg, Auschwitz, den 30jährigen Krieg, die Hexenverfolgung, den Genozid an amerikanischen Ureinwohnern, usw. auch mit dem damaligen Medienkonsum erklären..?

      • Widerspenstige sagt:

        Ach, wie konnte ich das vergessen gleichzeitig zu erwähnen, dass das Böse im Menschen schon immer existierte u Kriege deshalb unumgänglich sind. Dann lassen wir es also weiterhin zu u senden ungepremst Bilder von bestialischen Morden über die Bildschirme und Kinoleinwände in der unbedarften Annahme, dass das ja nur Fiktion ist. Wegsehen also weiterhin und sich dem Drei-Affen-Prinzip hingeben…

        P.S. Sorry, Sie heissen Christoph u nicht Christian! Mir war einfach zu heiss – themenmässig u auch sonst geriet mein Blut in Wallung…hihi.

    • Widerspenstige sagt:

      ML ‚..Selbst plumpe Fehler, eine Suizidale wird 1 (in Worten eine) h/ Woche psychiatrisch betreut, was einem nicht CH- Psychologen die Kinnlade runterklappen lässt, ist verfahrenstechnisch gedeckt…‘ Das ist ja der Skandal am ganzen Geschehen diesbezüglich! Wieso wurde diese völlig überforderte Frau nicht besser betreut? Wieso war sie überhaupt sich selber überlassen mit ihren Kindern über die Weihnachtstage? Wozu haben wir eine ganze Armada von Psychologen u Psychiatern an der Uni ausbilden lassen, um genau solche Fälle präventiv erkennen zu können? Diese Frau wurde im Stich gelassen!!

      • Momo sagt:

        Hinsehen hat eben selten zur Folge, dass man sogleich sieht, was wirklich ist. Das gilt vor allem für komplexe (psychische) Sachverhalte und Systeme jeglicher Art (Familiensystem, Rechtsystem, Wirtschaftsystem etc.)
        Insofern sollte man mit Schuldzuweisungen und endgültigen Schlussfolgerungen vorsichtig sein.

      • Muttis Liebling sagt:

        WS, da steckt ein Kompetenz- und Regulationsverständnis hinter, welches ja unlängst auch ein Präventionsgesetz verhindert hat. Regelungen werden so weich formuliert, dass kaum jemand dagegen verstossen kann. Auf dem Höhepunkt der Fukujima- Katastrophe sagte BR Fr. L., man solle doch erst abwarten, wie das ausgeht. Bis dahin müsse man nicht reagieren.
        In der Pro- Argumentation Natalie K. wurde ins Feld geführt, die Frau wäre ja sozialtherapeutisch überwacht worden. Tatsächlich ist es in CH Psychiatrien so, das Sozialtherapeuten die Teamleiter sind und Psychiater nur konsiliarisch tätig werden.

      • Muttis Liebling sagt:

        Es ist ein System, das grundsätzlich nicht vorausschauend, sondern nachlaufend reguliert. Es müssen erst ein paar Fälle aus dem Ruder laufen, bevor nachjustiert wird. Erst nach humanen Katastrophen wird reagiert. Verhindern darf man die ersten nicht, weil sonst der Mechanismus nicht anspringt.

        Die Idee der KESB ist grundsätzlich gut, aber die legislative Umsetzung ist mangelhaft. Erschwert wird es dadurch, dass populistische Kreise den Volkszorn auf die Struktur und nicht auf deren fehlerhafte Gestaltung lenken. So musste Natalie K. sterben, damit ihre Nachfolgerin vielleicht überlebt.

      • Franz Vontobel sagt:

        Wenn die Frau ein Mann wäre (der Vater): würden sie dann auch so absolut unkritisch Partei ergreifen, WS..?

      • Carolina sagt:

        WS: Ich kann einfach nicht begreifen, wie man (also Sie) sich anhand dessen, was an die Oeffentlichkeit gedrungen ist, was wir überhaupt nicht einordnen können, ein so klares Urteil erlauben können. Wurde diese Frau wirklich im Stich gelassen? Oder haben sich womöglich doch sehr viele Aemter, Verwandte, Sozialarbeiter etc gekümmert, konnten aber die Tat selber nicht verhindern? ich warne davor, hier und in anderen Extremfällen einfach ein monokausales Urteil zu fällen – die Dinge sind in Wirklichkeit meistens viel komplizierter und man tut niemandem einen Gefallen mit diesen Vorverurteilungen.

      • Sportpapi sagt:

        @WS: Du hast recht, man hätte der Frau die Kinder nie mehr überlassen dürfen. Aber was hätte das für ein Geschrei gegeben, auch von dir? Aber offenbar hat man die Gefahr unterschätzt.
        Und nun, was hätte man denn mit der Frau anfangen sollen? Sie rund um die Uhr bewachen? Hat sie nicht auch ein Recht, über ihr Leben selber zu entscheiden? Oder soll sie quasi zur Strafe weiterleben müssen?

      • Carolina sagt:

        ML, das System, das Ihnen anscheinend vorschwebt, das nämlich wegen einzelner (zugegeben dramatischer) Fälle alle und jede unter Generalverdacht stellt, ein engmaschiges Kontrollnetz übers Land zieht und letztlich zum Verlust persönlicher Freiheiten aller führt, hatten wir doch schon mal – ist aber sang- und klanglos untergegangen, allerdings mit ‚Kollateralschäden, die noch einige Generationen betreffen.

      • Muttis Liebling sagt:

        Carolina, das System, welches ich beschreibe, vorgängiges statt nachlaufendem Verhalten, nennt man Prävention. Das ist selbst in der rückwärtsgewandten Schweiz nicht zur Gänze unbekannt.

      • Carolina sagt:

        Wenn Sie integer und authentisch sind, dann müssen Sie selber sagen, dass hundertprozentige Prävention ein Ding der Unmöglichkeit ist!

      • Muttis Liebling sagt:

        Das ist ja nun eine Trivialaussage. Prävention gebe ich 40% Realisierungsgrad. Und was unser zwischenmenschliches Verhältnis betrifft. Ich will weder integer noch authentisch sein. ML ist eine Rolle, eher mit der Figur eines Computerspiels oder einer Romanfigur vergleichbar, als mit einem Menschen. So wie Nina im Roman. Nina ist kein Mensch und ML auch keiner.
        Wir repräsentieren das das, was biologisch und sozial gar nicht geht. Aus dem Mittelwert der Merkmale wird der Mittelwert der Merkmalsträger. Alles Kunst, manchmal Spiegel vom Spiegel, aber nie das vor dem Spiegel.

      • ka sagt:

        @ ML: ihre Kunstfigur schätze ich sehr. Gerade in ihrer Widersprüchlichkeit und Radikalität regt sie zum nachdenken und hinterfragten an. Die Reaktionen auf ihre Aussagen sind ihre Vervielfachung und machen diesen Blog so interessant.

      • Carolina sagt:

        Naja, ganz so unterentwickelt scheint Ihr Sendungsbewusstsein ja denn doch nicht zu sein – wozu sonst hätten Sie Ihren ‚richtigen‘ Namen und biografische Details hier bekanntgegeben?
        Und was genau ist interessant daran, dass pseudo-soziologisches Gequatsche kurz danach immer wieder relativiert bzw noch weiter zugemüllt wird? Ich finde es eher mühsam….. Having said that: der ML, der zwischendurch mal zum Vorschein kommt, der deutsch spricht, politischen Korrektheitswahn benennt und kontrovers ist, ohne Allgemeinplätze und seine CH-Hassliebe auskommt, den finde ich sehr lesenswert.

      • Stranger sagt:

        Naja, ka, stimmt, nur denke ich, dass es sich hier nicht um eine sonderlich stark konstruierte Kunstfigur handelt. ML: Kennen Sie die Fernsehserie Deutschland 83? Spielt im Umfeld von HVA, BND, Bundeswehr und Nato 1983. Sehr gut gemacht. Die HVAler sind nicht als Unmenschen porträtiert, die Bundeswehrleute nicht als leuchtende Helden.

      • Widerspenstige sagt:

        ML, Du umschreibst es mit treffenden Worten u deshalb kocht in mir die Wut hoch bei diesem Fall! Ich hatte mehrmals mit verzweifelten Frauen zu tun hautnah u kann es gut nachvollziehen, was da abgelaufen sein kann. Dazu braucht man nicht in PC-Starre zu verfallen, Caro. Gerade Sie müssten doch mehr Verständnis für die Lage dieser Frau aufbringen können u nein, ich bin vorsichtig mit Pauschalurteilen u wäge ab. Da fahren Sie doch eher rigoroser mit Ihrer Meinung dazwischen u massregeln gerne andere Mitbloggende. Es ist immer eine Gratwanderung, welche Grenzen man gerade überschritten hat…

      • Widerspenstige sagt:

        Franz, wenn die Frau ein Mann wäre, dann würde ich selbstverständlich genau gleich argumentieren. Für wen halten Sie sich eigentlich, mir so eine Frage zu stellen? Eine Mutter wird aber mehr verurteilt, wenn sie ihr eigenes Kind tötet als wenn ein Vater es tut. Das Unverständnis ist weit tiefer angelegt in uns Menschen, als man es wahrhaben möchte. Ich urteile keineswegs unkritisch u habe grosse Mühe, diesen Fall einfach ad acta zu legen u verstehe die Strafanzeige der Eltern.

      • Muttis Liebling sagt:

        Carolina und Stranger, die Kunstfigur ML ist bewusst nicht stark konstruiert und soll nach dem schon öfter benannten Regelwerk zu 40% auf den Regisseur zurück reflektieren.

        Geschichten sind dazu da, etwas zu beleuchten, nicht plumpe Beschreibung der Realität zu sein. Das man Kinder im Wald ausgesetzt hat, war Usus im späten Mittelalter. Für Alte sogar bis in Naturvölker zurück verfolgbar. Deren Beschreibung allein wäre trivial. Literatur wird es, wenn die Kinder auf die irreale Hexe treffen und die besiegen.

      • Momo sagt:

        @Widerspenstige
        Ich kennen den Fall nur aus den Medien. Mir ist aber schnell einmal die Widersprüchlichkeit der Verlautbarungen aufgefallen. Und das macht micht skeptisch. Ausserdem, wenn ich mich einmal entschieden habe, hinzuschauen, dann möchte ich doch möglichst alles in den Blick bekommen und nicht nur den Teil, der mich sehr, sehr betroffen macht. Andernfalls fände ich ganzes Wegschauen keine so schlechte Alternative zum halben Hinschauen…

  • Muttis Liebling sagt:

    Es ist nicht die Zeit für Sinnsucher und schon gar nicht die für sinnsuchende Literatur. Es fällt auf, das Autoren, welche immer noch einen grossen moralischen Roman schreiben wollen, in fiktive Welten ausweichen, z.B. ‚Unterwerfung‘, ‚Telluria‘. Es gibt auch immer mehr Gesellschafts- Sachbücher, welche unsere Zeit nur noch rückblickend betrachten.
    Intellektuell ist unsere Zeit ausgepresst und sinnbefreit, wie eine vertrocknete Zitrone.
    Die Dame scheint ja etwas vom Romane schreiben zu verstehen, was man an der gelungenen rhetorischen Klammer der ‚weissen dicken Beine‘ bemerken darf.

    • Muttis Liebling sagt:

      2/ Aber was nützt handwerkliche Fähigkeit, wenn die keine Leser findet. Falls dieser Blog überhaupt hinreichend Kommentare generiert, wird kaum einer an der Substanz kratzen, die rhetorische Klammer z.B. als solche erkennen und die statt dessen als dann nur hässliches Handlungselement betrachten.
      Selbstverständlich ist die Protagonistin des Romans keine Irre, weil sie ein Fiktion ist, welche von einer Autorin als Handlungsträgerin aufgebaut wurde, also keine Entsprechung in der Realität und keine realen Eigenschaften hat. Man muss das Buch dazu nicht lesen, dass sind die Regeln der Literatur.

    • Muttis Liebling sagt:

      3/ Der Gesellschaftsroman wird wieder zu dem, was er zu Balzacs Zeiten war. Eine Promille- schreibt für eine 3%- Minderheit. (Promille- Minderheit ist auch eine schöne Metapher).
      Kindstötungen, zum Inhalt kommend, sind auch nicht so selten, dass man die nur als Randproblem von gar Kriminellen verstehen kann. Das Fast- Mitte- Milieu der Protagonistin beleuchtet das auf dem ersten Blick ganz gut.
      Ich werde das Buch nicht lesen, weil mich individuelle Probleme grundsätzlich nicht interessieren, aber nach der kurzen Rezension scheint es ein gelungenes Werk zu sein.

  • Hattori Hanzo sagt:

    Für eine Buchbesprechung verraten sie wirklich etwas zu viel.
    Ihre Beschwerde am Schluss kann ich nicht ganz nachvollziehen. Das Buch beleuchtet, hmm, eine „Irre“: Leer, Obsession für einen unschönen Arzt, völlige realferne Fixierungen, bis hin, dass sie ein totes Baby spazieren fährt. Und dann beschweren Sie sich, dass es zu weit weg ist vom Leser, aber dennoch „gut“ und „wichtig“.
    Ja, aber so eine Extremfigur ist (RealitätseiDank) immer zu weit weg. Deswegen bringen die allermeisten Leute eben auch nicht ihre Kinder um. Weil wir trotz aller Dunkelheit u Abgründe, eben nicht völlig Irre sind

  • toni sagt:

    Sehr guter Artikel mit interesssantem Schluss Frau Fischer. Leider wird die grosse Mehrheit ihre 2 letzten Abschnitte leugnen oder sie nicht verstehen. Dies ist in Zeiten von „political correctness“ & „perfektem Leben“ schlicht unmöglich – wie Sie übrigens selber schreiben (Des Kaisers neue Kleider).

  • Susi sagt:

    „Darum: lesen!“

    Bei aller Liebe, A.F., da haben Sie nun wirklich zu viel gespoilert, als das ich noch Lust auf dieses Buch hätte; kann mich ja nicht mal mehr von den dicken, weissen Arztbeinen überraschen lassen!

  • Lisa sagt:

    „Vor lauter Natur geht jegliches Natürliche verloren“ – Seit ich wieder auf dem Land und nicht mehr in den urbanen Gefilden lebe, darf ich meine Tochter auch wieder ungeniert 2 Stunden am Stück Laura’s Stern und Peppa Wutz gaffen lassen, ab und zu mal Friteusen-Pommes, Cervelat und viel Ketchup mampfen und die Kinder draussen spielen lassen und selber Klatsch-Heftli lesen. Solche gelegentlichen Erziehungssünden wären ja in der Concious-Vegan-Hipster-Umgebung mit tödlichen Kritiken bestraft worden. Seit ich nicht mehr perfekt erziehe, ist meine Tochter viel entspannter und kreativer geworden.

    • Franziska sagt:

      Danke, du hast mir von der Seele gesprochen Auch ich lebe auf dem Land und geniesse es die Kiddies so herzerfrischend normal aufwachsen zu lassen. Lieber Pippi, Ronja und wie sie alle heissen, statt ein geformtes Designer, Hipsterkind.
      Zudem sind auch die Mütter entspannter, weil wir nicht dauernd unter dem „es gut machen Druck“ stehen und unsere kleinen Sünden auch leben dürfen.

      • Sakko sagt:

        In der Tat sehe ich es auch so. Jedoch weiss ich aus eigener Erfahrung, dass Kinder manchmal ein wenig Nachdruck benötigen. Dies hat nicht mal unbedingt damit zu tun, dass wir sie nach unseren Wünschen formen möchten, sondern, dass Kinder die Zusammenhänge im späteren Leben nicht erfassen können. Das fängt z.B. schon beim Anstand an mit „Bitte“ und „Danke“. Ist aber meiner Meinung nach wichitg und da beharre ich auch drauf. Fällt das aber schon unter „mein Kind muss sein wie ich es will“ ?? Oder erleichtern wir ihm damit den Weg im Leben?

    • plop sagt:

      Wo haben Sie denn gelebt, dass das so schlimm war? Ich seh in Zürich einfach immer die grosse Dichte an stylishen Kinderplunderläden, aber schlussendlich scheinen mir die Zürchereltern die ich kenne nicht viel anders als die Leute hier in Biel… Ein fröhlicher Misch zwischen vegan und Disney…

      • Emx sagt:

        Ja, das hab ich mich auch gefragt, wo die Kommentatorinnen das so erlebt haben. Ich treffe hier in Zürich auf Spielplätzen etc immer wieder sehr nette Mütter und Väter. Habe gerade in der letzten etwas strengen Zeit mit Kleinkind in Trotzphase plus Säugling auch immer wieder Hilfe bekommen von Unbekannten, oft mit einem aufmunternden „ich weiß, es ist streng“ oder „es wird einfacher“. Auch in der Stadt gibts nicht nur Hipster und auch nicht alle Hipster sind einfach nur doof

      • Stranger sagt:

        Doch, wir Hipster haben den Anspruch an uns selbst, doof zu sein, entschuldigt bitte.

    • mama vo4 sagt:

      ja da bin ich auch froh drum. vorallem wenn mal wieder meine kollegin mit ihren kids, die in der stadt wohnen, da war. so zu leben (unter den adleraugen der angeblich perfekten stadtmütter-tussis)wäre mir echt zu anstrengend.

    • tststs sagt:

      Oje, Klischeekiste…heute der Griff nach Stadt-Land-Gefälle… nur dumm, dass Untersuchungen zeigen, dass z.B. der Bewegungsradius von Stadtkindern grösser als derjenige von Landkindern ist… aber ja…

      • Muttis Liebling sagt:

        Zumal es in CH gar keine Städte und nur wenig richtige Dörfer und damit kaum ein nennenswertes Stadt- Land- Gefälle gibt. Müsste die Autorin des oben besprochenen Buches dessen Handlungsort nach Zürich verlegen, müssten sicher grosse Teile umgeschrieben werden. Auch in den anderen deutschen Grossstädten gibt es kein Pendant zur Berliner Kiez- Kultur, was in etwa der Übertragung einer dörflichen Struktur in eine Stadt bedeutet.
        Ich bin mir auch recht sicher, in welchem Stadtbezirk der Roman spielt. Was ich unten als ‚Fast- Mitte- Milieu‘ benannte, gibt es nur in einer Gegend.

  • mila sagt:

    Mir scheint tatsächlich, dass nicht wenige Frauen (und Männer) von einem Kind nichts weniger erwarten als den totalen (eigenen) Lebenssinn. Und dann überrascht sind, wenn sich dieser trotz Kind partout nicht einstellen will. Denn ja, Kinder sind Sinngeschöpfe – aber eben erst mal für sich selbst. Sie als Schlüssel zum eigenen Glück zu vereinnahmen, stellt für mich insofern eine Form von missbräuchlicher Liebe dar. Daraus entstehen gerne auch die ganzen ganzen elterlichen Vorwürfe, die kein Kind hören will, und die alle im Grunde auf eines hinauslaufen: warum bist Du nicht so,

    • mila sagt:

      wie ich Dich haben will? Statt das Kind in seinem ureigenen Sein zu belassen (nein, das ist übrigens kein Plädoyer gegen Erziehung im Sinne von Anleitung zur Welt hin – aber definitiv gegen Formungsversuche).

      Nun ja – ich schätze, mitreden kann man hier tatsächlich erst, wenn man ein Kind in seiner Entwicklung begleitet. Dennoch fällt einem von aussen einiges auf, dass man so nicht handhaben möchte. Und, Frau F.: Danke für den Tipp, aber mir hat erst mal die ‚hausfrau‘ von Essbaum gereicht. Es wäre insofern nett, wenn Sie uns demnächst auch etwas ‚Lichtes‘ zum Thema empfehlen könnten. 😉

  • Iris Lennert sagt:

    Lieber nicht, danke.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.