Nach der Tobsucht folgt die Wehmut

Ein Gastbeitrag von Nadia Meier*

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Was, schon vier Jahre her?! Der Blick ins Familienalbum stimmt wehmütig. Tipp: Man beachte auch die Augenringe der Mutter, das hilft. Foto: Nadia Meier

Vor nicht allzu langer Zeit stand ich auf einem Trottoir und gab mir Mühe, dass meine Tränen nicht über die blaugelbgrauen Augenringe liefen. Mein fast zweijähriger Sohn lag brüllend («Nutti! Chuuum, Nutti!») und strampelnd auf dem Boden. Er bereute bitter, dass er Minuten zuvor seinen Nuggi durch das Loch im Dolendeckel gedrückt hatte («Tsüss, Nutti!»).

Ich war müde, dass es wehtat. Meine sechs Wochen alte Tochter im Tragetuch – sechs Wochen! Schreiphasenhöhepunkt! Remo Largo, kennsch? – schmetterte eine Babyarie in Tönen, die mein von schlaflosen Nächten matschig gewordenes Hirn durchbohrten wie Dartpfeile. Sie schrie, er brüllte, ich wollte aus meiner Haut schlüpfen und in einem Paralleluniversum ohne Kinder ein Cüpli bestellen. Aber das ging nicht. Also stand ich da auf dem Trottoir, die Augensackrand-Dämme brachen, und ich sagte: «Scheisse, Scheisse, Scheisse!»

Und der Sohn sagte: «Seisse»

Da lief eine Frau im Alter, in dem man schon lange Kosmetik für reife Haut benutzt, vorbei und meinte: «Oje.» Sie reichte mir ein Taschentuch mit Kamillenduft und tätschelte meine Schulter. Ich beruhigte mich. Die Tochter schlief ein. Der Sohn ass zufrieden den Inhalt seiner Nasenlöcher. Die Frau sagte: «Es ist eine strenge Zeit, gälled Sie.» Ich nickte. «Aber wissen Sie, es geht sooo schnell vorbei. Aber das merkt man erst, wenn es zu spät ist. Geniessen sie es!» Dann ging sie ihres Weges. Ich seufzte.

Die strenge Zeit nahm ihren Lauf. Ich genoss manche Tage, verfluchte andere schon morgens um 5.34 Uhr. Und irgendwann kam der Moment, als mir bewusst wurde, dass eine neue Ära angebrochen war. Mein Sohn war 6 Jahre alt und spielte Fussball auf dem Schulhausplatz. Die Tochter war 4 Jahre alt und arbeitete seit einer Stunde im Würmerspital hinter dem Haus. Ich war allein zu Hause. Ich war ausgeschlafen. Ich konnte jederzeit ohne Zuschauer aufs Klo gehen. Wenn ich wollte sogar mit Cüpli.

Wir waren keine Familie mehr mit kleinen Kindern. Bei uns gab es keine Nuggis mehr, keine Windeln, keinen Kinderwagen. Keine Nächte mehr, in denen alle 45 Minuten ein Kind schrie. Keine Babys, die mich in die Brustwarze bissen. Keine Minimenschen mehr, die Hilfe beim Anziehen, beim Essen und beim Füdliputzen brauchten. Yes! Yes! Yes!

Bei uns gab es nun aber auch keine Babys mehr, deren Köpfchen nach Nidletäfeli und Vanille dufteten. Keine tapsenden Einjährigen, die mich mit ihren Ärmchen aus Zopfteig umarmen kamen. Keine warmen Kindchen mit kalten Füsschen, die nachts in unser Bett krochen. Es war vorbei. Die Taschentuchfrau hatte recht gehabt.

Die Kinder werden wirklich so schnell gross! Jedenfalls schneller, als mir lieb ist. Ich fragte mich: Habe ich meine Babys zu wenig genossen? Hätte ich weniger arbeiten sollen? Mehr im Moment leben, anstatt ungeduldig den nächsten Entwicklungsschritt herbeisehnen, den ersten Zahn, den zweiten Geburtstag, den dritten Tag ohne Windeln? Vielleicht, ja. Aber immer, wenn ich wehmütig werde, kommt mir wieder in den Sinn, wie extrem anstrengend das alles war an manchen Tagen – und in vielen Nächten.

Irgendwo im Internet las ich über das Leben mit kleinen Kindern: «The days are long, but the years are short.» Das stimmt leider, ist aber vielen jungen Eltern nicht bewusst. Und deshalb habe ich nun immer ein Päckchen Taschentücher mit Kamillenduft in der Handtasche. Ich werde sie eines Tages weiterreichen an eine erschöpfte Mutter mit kleinen Kindern, die mich nicht um meinen Rat gebeten hat. Oder ich benutze sie selber, wenn der nächste Wehmutsanfall kommt. Spätestens dann, wenn meine Kinder ausziehen.

SONY DSC*Nadia Meier ist Texterin und Hörspielautorin. Sie lebt mit ihrer Familie in Bern.

75 Kommentare zu «Nach der Tobsucht folgt die Wehmut»

  • Hannes sagt:

    Danke. Sie bringen meine Gedanken auf den Punkt. Unser Kleinstes ist zwei und wir genießen es schnell noch, so sehr es auch nerven kann!

  • Silvia sagt:

    Herzlichen Dank, dieser ehrlichgefühlsvolle Schreibstil gefällt mir ausgezeichnet! Weiter so und viel POWER zum GENIESSEN!!
    Herzliche Grüsse Sile

  • Corina sagt:

    Danke für den wundervollen Text, es ist wirklich eine zauberhafte Zeit, wenn man mit Kleinkind(ern) lebt. Jeden Tag. Und fast jede Nacht.

    Was ist denn ihre Meinung, wär’s einfacher gewesen die Kinder weiter auseinander zu haben? Oder nur am Anfang, da sie danach besser den Draht zueinander finden, wenn der Altersunterschied nicht zu groß ist? Ist es beruflich einfacher, möglichst kompakt vorzugehen? Oder wird man dem einzelnen Kind besser gerecht, wenn man sich mehr Zeit lässt?

  • Anja sagt:

    Herrlich! So erniedrigend und schweisstreibend manch groteske Situation mit meinen damals noch kleinen Kindern auch war, so schauerlich habe ich mit Gleichgesinnten dann darüber lachen müssen (mal mit, mal ohne Cüpli)… und heute wieder lache ich zusammen mit meinen bald Teenagern über diese Situationskomik. Auch wenn sie eigentlich so unangenehm und unspektakulär waren, vergessen wollen wir diese Episödchen aber nicht;-)

  • Mirjam sagt:

    Ich habe diesen Blog gleich mehrmals gelesen. Einfach weil er so schön, so treffend und berührend geschrieben ist. DANKE!

  • Flo sagt:

    da ich als alleinerziehende für unser Lebensbedarf zuständig war, musste ich Vollzeit (mit einer sehr liebevollen Tagesmutter) arbeiten habe ich sehr viel von Aufwachsen meines Sohnen leider verpasst – eine Zeit die ich leider nie mehr nachholen konnte.

    • Muttis Liebling sagt:

      Wenn man anfängt, der Vergangenheit nachzutrauern, fängt man an, alt zu werden. Wenn man in der Vergangenheit Unwiederholbares meint zu lokalisieren, ist es Zeit zu sterben.

      Alles, was man an seinen Kindern verpasst, kann man bei den Enkeln weit entspannter nachholen. Und wenn man es bei denen auch verpasst, dann eben bei den Urenkeln. Die Biographie aller Dinge, auch die der Menschen ist eine Spirale. Nach einem Zyklus (20 Jahre beim Menschen?) steht man mit genau der selben Sicht auf die Sonne und die Dinge da, nur eine Etage höher.

      • Simone sagt:

        @muttis Liebling: danke!
        meine Kinder sind jetzt 13 und 11 und schön darf ich sie JETZT begleiten.
        und wir können den Vanille-Duft von Babys gemeinsam geniessen und zusammen berührt sein von den vielen kleinen Geschöpfen und immer noch zusammen abends im Bett kuscheln und es zusammen schön finden, dass jetzt jetzt ist….

    • Stranger sagt:

      Du bist Dir aber schon bewusst, Flo, dass es traditionell sehr, sehr vielen Vätern so geht? Man verpasst Zeit, die man nicht nachholen kann. Die Tatsache, dass das viele Väter nicht schlimm finden, ändert nichts am Befund.

  • Flo sagt:

    Eine ältere, „nette* Frau ging zu ihm hin und tröstete ihn mit den Worten; gells s Mami wott eifach nöd, arms Buebeli!
    Das brachte mich an den Rand des Wahnsinn weil er darauf hin noch lauter kreischte und Strampelte. Weil ich so schnell als möglich nach Hause wollte, nahm ich an der Bahnhofstrasse ein Taxi. Während der ganzen Zeit schrie, stramplete und biss mich mein sohn – zu Hause angelangt sagte der Taxichauffeur zu mir- sie sind mir nichts sculdig, sie haben ja ihren Teil schon abbekommen! Noch nie habe ich mich so geschämt.
    Uebrigens täubelte mein Sohn zu Hause noch eine Stunde weiter!

  • Flo sagt:

    Wie gestern erinnere ich mich an den grausigsten Tobsuchtsanfall meinen damals ca. 3 jähr. sohnes am Rennweg/Bahnhofstrasse. wir sind am damaligen Geschäft von Mothercare vorbei gelaufen und im Schaufenmster hat er einen roten Plastiktraktor gesehen. Da aber der „Osterhase“ bereits ein rotes Wisa gloria Dreiradvelo vorbereitet hatte versuchte ich ihm diesem Wunsch zuerst ganz sanft, dann mit mehr energie diesen Wunsch auszureden – vergeblich. Er warf sich auf den Boden kreischte,strampelte und weinte.

  • Susanne Meier sagt:

    Sie haben mir aus dem Herzen geschrieben. Mir geht es genau gleich. Die Frage: Hätte ich weniger arbeiten sollen, weil die Zeit so schnell vergeht? Omnipräsent.

    Danke für den tollen Text.

  • Johannes sagt:

    Traurig aber wahr….dicker Kuss
    Johannes

  • Patricia sagt:

    Toller Text !
    Meine Jungs (3 und 6 Jahre) spielen seit etwa 6 Monaten über lange Zeit zusammen in ihrem Zimmer (oder überall in der Wohnung). Seither ist es ein zuvor unbekannter Luxus mal am Tag Zeitung zu lesen oder zu bügeln und nicht schlafen zu wollen wenn es mal ruhig ist. Auch mit ihnen unterwegs zu sein ohne Kinderwagen und Wickeltasche ist eine Freude. Ich geniesse es jetzt so viel ich kann und vermisse nichts.

  • laura sagt:

    Ich weiss noch ganz genau wie meine Freundinnen und ich in der 2. Klasse gespielt haben, dass wir bereits in der 6. Klasse sind (das war wirklich alt!).
    Und auch später haben wir uns öfters gewünscht und vorgestellt wie wir bereits älter und natürlich viel cooler sind.
    Selbst mit 25 Jahren denkt man an die Zukunft und all die Pläne die man hat.
    Nur manchmal merke ich, wie ich schon etwas wehmütig bin. Die Zeit geht immer viel zu schnell. Im Hier und Jetzt anzukommen ist meiner Meinung nach eine Kunst. Aber jeder Tag bietet die Möglichkeit die Gegenwart zu geniessen!

  • adi keller sagt:

    Ganz toll!!!
    Auch als mann nachvollziebar.
    Guter Text… selten in diesem Blog

  • Sweet sagt:

    P.S. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass es weniger schnell vorbei ist und man mehr vom Leben hat wenn man die erste zeit weniger arbeitet.
    Auf der Arbeit ist es immer etwa das Gleiche. Mit einem Kind ist jeder Tag ein Abenteuer voller kleiner Abenteuer- wenn man sich darauf einlässt (mal 3 Minuten stehen zu bleiben und dem insekt auf der Strasse zuzuschauen etc) Drumm wenn Ihr könnt und es geniessen und später weniger bereuen wollt- arbeitet so wenig wie nötig oder für 2-3 Jahre mal nicht-so wie früher oft in Deutschland. Nehmt ein Sabbatical der ganz besonderen Art, Ihr lernt sooo viel dabei

  • Sweet sagt:

    Süss – und herrlich geschrieben.

    Vielleicht geniesst man es zu wenig, wenn man die Kinder in kurzen Abständen hat, wie heute glaub oft der Fall? Ich sehe viele, die das zweite Kind schon bekommen, wenn das erste noch Windeln trägt und eben auch noch oft getragen oder irgendwo hochgehoben werden muss.

    Eine Freundin meinte kürzlich – ich möchte erst das zweite wenn das erste 4 oder 5 ist oder älter. Da hat man als Frau einfach mehr davon. Und wenn man selbst mehr davon hat, hat man auch mehr Zeit für jedes einzelne Kind. Vielleicht müsste man das den jungen Frauen erzählen….

    • Papperlapapi sagt:

      oh ja, es war im Rückblick schön. Aber jede Zeit hat ihr Gutes. Mit den Kindern schwimmen gehen, Velo fahren, durch den Wald schlendern, die Piste hinunterflitzen ist doch auch toll und das ware als Familie schwierig, wenn das eine noch Windeln trägt und das andere schon zur Schule geht. Und bald warden wir uns sehnsüchtig an diese Zeit zurückerinnern, wenn man im 2. Glied steht, hinter den Freundinnen und Kollegen…..

  • 13 sagt:

    Schöner Text, den ich, nachdem ich nach einer schlaflosen und durchgestillten Nacht meines jüngsten Kindes, mein ältestes in die Schule bringen musste, gleich doppelt nachvollziehen konnte. 😉

  • Sybille sagt:

    So wahr und so wundervoll geschrieben. Mir liefen nur noch die Tränen runter. Mehr solche Texte bitte !!!

  • Carlita sagt:

    Danke für den treffenden Text. Mir geht es genau so, habe glatt grad ein Tränchen verdrückt.

  • Benjamin sagt:

    Wie ich mich (manchmal)zurücksehne nach diesem lieblichen Kleinkinderduft, dem unwiderstehlichem Lachen und dem so innigen kuschelen meiner schon lange erwachsenen Kindern. Etwas Nachholbedarf durfte ich stillen mit meinem ersten Enkelkind, dass seit sie fünf Mt alt ist, zwei Tg/Wo bei mir ist, aber eben, durfte denn sie geht jetzt in die erste Klase. Und sie sitzt jetzt nicht mehr auf meinem Schoss zum Büechli erzählen, sondern auf ihrem Hocker neben mir und kuschelen… Na ja, vielleicht gibt es bald (hoffentlich) mehr Enkelkinder.

  • Ava sagt:

    Tausend dank für den tollen Text! Ich bin voll mittendrin und könnte vor Erschöpfung nur weinen. Nun versuche ich den Moment besser zu „geniessen“

  • Lux sagt:

    ein wunderbarer Text, zum Lachen und Weinen. Dickes Kompliment!

  • Widerspenstige sagt:

    Oh ja, den Duft eines Kleinkindes möchte ich wieder mal riechen u es zeichnet sich etwas in dieser Richtung am Horizont ab… Nicht dass jetzt jemand denkt, ich werde in meinem hohen (ähm…) Alter nochmals schwanger. Nee, das wurde gleich nach dem dritten Kind unterbunden.Wörtlich. Nur würde ich es nicht sofort nach der Geburt vornehmen lassen, wenn es nicht ein Kaiserschntt ist. Ich wäre fast nicht mehr zurück ins Leben gekommen im Wochenbett…zurück zum Duft: ich werde es geniessen mit meinem ersten Enkelkind, das sich am Horizont bald abzeichnen dürfte (meine Kinder, macht mal vorwärts)..

    • Hans Hintermeier sagt:

      @W: Zu ihrem hohen Alter: Meine Vater hat bei der Geburt/Kleinkindalter unserer Kinder eine zweite Jugend erlebt! Er hat am lustigsten und wildesten mit den Kindern am Boden gespielt. Er war die unumstrittene Nr. 1 bei den Kindern, wenn er auf Besuch kam, waren wir alle anderen praktisch Luft! Grosseltern sein, kann also ein wahrer Jungbrunnen sein. Grosseltern sein, hat viele Privilegien… In diesem Sinne wünsche ich ihnen eine wunderschöne Zeit mit ihrem 1. Enkelkind und natürlich vielen weiteren 🙂

  • Stefan H. sagt:

    Schön wenn man sich bereits in diesen noch jungen Altersgruppen der Kids zurücklehnen kann. Ich meinerseits befürchte das unsere Jungs noch weit länger kleine Tyrannen sein warden. So lieb sie in der einen Minute sind so einschneidend gemein kommt der Satz des älteren 3.5 jährigen nur Minuten später laut und deutlich daher „Las mi in rue“ oder „Du bisch böse Wolf“ (wobei letzters noch harmlos ist. >> abwarten und Ruhe bewahren ist vor allem im öffentlichen Raum dann nicht das leichteste.

  • mira sagt:

    Hm, ich denke gerne an die Babyzeit zurück, trotzdem bin ich froh, dass meine Kinder jetzt grösser sind: die Spiele sind interessanter, die Gespräche anspruchsvoller, die Gefühle gefestigter. In der Baby-Zeit, vorallem als erst ein Kind da war, habe ich mich manchmal gelangweilt, das Arbeiten war da eine willkommene Abwechslung. Ich glaube nicht, dass ich mehr „Geniessen“ hätte können, dafür hatte ich damals einfach noch zuviel Energie und Drang in mir. Ich könnte mir aber vorstellen, dass wenn ich ein Baby mit 40+ hätte, dann würde ich auch mehr geniessen :).

    • Muttis Liebling sagt:

      Der entscheidende Vorzug der unreifen Mutter besteht darin, dass sie mit ihrem Kind reift. Moden (nicht nur textile) haben bekanntlich eine mittlere Zykluslänge von 20 Jahren. Wenn der zeitliche Abstand zwischen Mutter und Erstgeborenem eben so lang ist, stellt das sicher, dass beide immer die gleichen Themen haben. Mama aber immer etwas reifer.

      Die 30- jährige Mutter ist immer asynchron zu ihrem Kind und muss viel mehr Arbeit leisten, um Synchronizität herzustellen. Damit wird das Prädiktiv des Alterns, die Vergangenheit zu verherrlichen, statt in der Gegenwart zu empfinden, wahrscheinlicher

      • mira sagt:

        Ich habe eine viel einfachere Erklärung: Ich habe einen sehr hohen Energie-Level und kann und möchte mehr leisten, als es mit einem einzigen Baby angesagt ist. Ist ne Typfrage und nicht Zyklus-abhängig 🙂 Und genau deshalb verherrliche ich die Vergangenheit nicht, da ich die Gegenwart als viel schöner empfinde.

      • Muttis Liebling sagt:

        Alle Wege, die nach Rom führen, sind gleichwertig. Man muss nur anfangen, von vorn nach hinten statt umgekehrt zu denken, dann wird alles viel einfacher. Nur die Wege, die nicht nach Rom finden, taugen nichts. Das weiss man aber erst, wenn man nicht ankommt.

        Wir meinen das gleiche, mira. An dem Tag, an welchem man die Vergangenheit besser als die Zukunft findet, ist es an der Zeit, den Sargtischler zu bestellen. Auch wenn man dann noch lange vegetiert.

      • mira sagt:

        Haben Sie heute Ihren Kaffee schon gehabt? 😉

      • Momo sagt:

        @ML
        Ihre Welt ist tatsächlich noch linerar?

      • Widerspenstige sagt:

        Du meine Güte! Dann muss ich mich beeilen mit Vorbereitungen, denn immer wenn ich einen besonderen Song aus vergangenen Zeiten höre, erfasst mich Melancholie und je nach Intensität des Gemützustandes zu jener Songzeit auch Gänsehautfeeling. Auch beim Betrachten von alten Fotos ergeht es mir ähnlich, nur sehe ich mich darauf um ein paar Kleidergrössen schmaler und mein Gemütszustand steht etwas auf der Kippe. Der Griff in den Schoggischrank ist dann reine Reflexhandlung, der Genuss auf der Zunge um ein Vielfaches gesteigert.

      • Muttis Liebling sagt:

        WS, es gibt eine Sendung im DLF, heisst ‚Klassik, Pop, etc.‘. Da stellen mehr oder weniger bekannte Leute ihre Lieblingsmusiken vor. Nach einem atypischen, weil sentimentalen Lied von Mettalica, sagte so ein Schauspieler, dieser Titel hätte sein Leben verändert und nach dem Hören will er sich immer ein Bier aufmachen und eine Zigarette rauchen, Bis ihm, Jahrgang 1966 einfällt, dass er beides nie wieder tut.

        Ich bin etwas älter als Jahrgang 1966 und trinke statt Bier vor dem ersten Aufjauchzer 13 Tassen Kaffee, damit ich für alle Zeit vom linearen Denken befreit bleibe.

  • plop sagt:

    Ehrlich gesagt, hab ich momentan die grosse Krise mit einem 6- und 3- Jährigen… Vielleicht sind aber auch nur die langen Sommerferien das Problem… (Ich grüsse Dich übrigens, Nadia, ich bin die Praktikantin vom Herbst 2006… schön, schreibst Du hier ab und zu!)

  • Sakko sagt:

    Ja ja die liebe Zeit, ist eben relativ. Nimm schöne Momente und sie vergehen wie im Flug. Nimm unangenehme Situationen und sie scheinen ewig zu dauern. Unsere Tochter ist mittlerweile 6 1/2 Jahre alt und wir schwelgen oft in der Vergangenheit. Heute erscheint es mir auch, dass die Zeit zu schnell verging. Wichtig ist, dass man die tollen Momente und seien sie noch so kurz, entsprechend geniesst und wieder daran erinnert. Kinder bleiben Kinder, ein Leben lang. Auch als Erwachsene werden sie uns noch um Rat fragen oder um Hilfe bitten. Das Verhältnis verändert sich nicht, nur die Bedürfnisse.

  • Rita Späni sagt:

    Danke Frau Meier für diesen wunderbaren Beitrag. Sie könnten mir nicht mehr aus dem Herzen sprechen!

  • Sylvie sagt:

    Danke für diesen tollen, ehrlichen Text! Wir haben erst 1 Kind im Alter von 17 Monaten und ich staune immer wieder, wie schnell sich alles verändert! Auch ich verliere manchmal die Nerven, wenn sie brüllt und ich keine Ahnung habe wieso oder wenn die Küche wie ein Schlachtfeld aussieht… Habe danach immer ein schlechtes Gewissen und versuche auch das als Entwicklung zu sehen! Und am Abend gehe ich oft ins Zimmer und schaue ihr beim Schlafen zu 🙂 das werde ich wohl auch irgendwann nicht mehr können… Zum Glück planen wir noch weiter Kinder 😀

  • Mutter von 2 3/4 Kindern sagt:

    Ich kann diese Zeilen so gut nachvollziehen. Aus diesem Grund haben wir uns – nachdem wir wieder etwas Kraft getankt haben – nach einem Abstand zu den grossen Geschwistern von 8 und 6 Jahren zu einem dritten Kind entschieden 🙂 und ich freue mich riiiesig darauf, alles (inkl. diese Kleinkindphasen) nochmals erleben zu dürfen. Und nein, ich habe die Zeit nicht verpasst mit meinen „grossen“ Kindern.. auch diese sind noch längst nicht erwachsen und brauchen und fordern uns nach wie vor… einfach etwas anders.

  • extraterrestre sagt:

    was für ein schôner text! ich bin auch noch mittendrin – 2 jungs,fast 2 und fast 5 jahre alt- es war sehr anstrengend,wird langam, langsam stabiler und leichter,wenigstens phasenweise,whs ist gerade die beste zeit,sie brauchen nicht mehr alle 3 stunden ein fläschchen und ich kann meistens gut schlafen,und doch sind sie immer noch in ihrer kindlichen welt,grosse,staunende augen,unschuld,2 weisse blätter papier,und das leben schreibt dort nun seine geschichte,und ich ein bisschen mit.ich hoffe, ich mache es richtig,und ich hoffe,ich geniesse es genug,ich werde die zeit auf jeden fall vermissen!

  • Stella3 sagt:

    Ja, sehr schöner Text. Eigentlich höre ich fast nie auf Ratschläge. Aber den Ratschlag, man solle die Zeit mit den (kleinen) Kinder geniessen, es gehe schnell vorbei, habe ich mir zu Herzen genommen. Damals ging ich überhaupt nicht arbeiten( was ein Luxus ist, ich weiss) sondern war voll Hausfrau und Mutter und es war schön und streng( auch ohne zusätzliche Arbeit) und ich habe meine 3 Jungs genossen! Vielleicht auch ein wenig mehr als andere, weil ich immer dachte, dass Jungs später eher mit der Zukünftigen/ Zukünftiger zur Schwiegermutter gehen:)

  • Sportpapi sagt:

    Ach, ich warte ja darauf, endlich den Wickeltisch wortwörtlich zum Fenster hinaus schmeissen zu dürfen…

    • Ruedi Freiaemter sagt:

      Haha passen Sie bloss auf, dass es Ihnen nicht so ergeht wie mir. Nachdem ich nach 2 supertollen Kinder endlich den Wickeltisch wegschmeissen konnte, den Kinderwagen auf Ricardo versteigert hatte, auf was ich mich genauso gefreut habe wie sie, hat mich meine Frau davon überzeugt doch noch ein Drittes zu machen. Da man ja so schnell vergisst wie streng alles war war diese Überzeugungsarbeit im wahrsten Sinne des Wortes kein grosser Akt. Naja jetzt kaufen wir halt alles wieder neu und sehnen uns in ein paar Monaten wieder darauf, den Wickeltisch endlich zum Fenster raus zu schmeissen!!!!

  • Achtr sagt:

    Ach ja, der Babyduft – da hat sich die Natur echt was Tolles einfallen lassen, dass wir bei unseren kleinen Scheissern (im wahrsten Sinne des Wortes) trotzdem denken, sie seien Ballen von Glück, das direkt aus dem Himmel geflogen kam (sofern ein Klapperstorch involviert war). Man sollte diesen Duft in Dosen abfüllen und jederzeit mal dran schnuppern können.

    P.S.: Ich liege auch heute noch manchmal heulend auf der Strasse und schreie „Nutti! Chumm, Nutti!“ Das hat dann aber einen anderen Kontext und mein Geld ist meistens schon weg.

    • Muttis Liebling sagt:

      Nur wird Ihr Heulen anders reflektiert und verwirrt die herbei geholten Helfer in Uniform so stark, dass die nächste Nacht gelaufen ist und Sie sich die nächsten Mahlzeiten nicht selbst kaufen müssen.

  • Dani sagt:

    Bei dem Text frage ich mich, warum es überhaupt den Blogg gibt. Weil wenn ich das so hier lese, dann ist es Jammern auf hohem Niveau. Vielleicht verging die Babyzeit aber auch so schnell weil man das Kind fast jede Minute in einer Kinderkrippe parkiert hat? Ich weiss es nicht, aber es zeigt einmal mehr, dass man es den Menschen nicht recht machen kann. Haben sie keine Kinder, wollen sie welche. Sind sie zu klein, sollen sie grössern sein, sind sie zu gross, sollen sie wieder kleiner sein. Arme Menschheit, die nur zur Fortpflanzung angetrieben wird: Schlimmer als jeder Parasit ;o))

    • Jonas Schneider sagt:

      @dani: sie scheinen mir ziemlich frustriert dass sie solche dinge schreiben müssen. offenbar haben sie nicht verstanden was dieser blog ausmacht und was die menschen bewegt. sie scheinen ziemlich „einfach“ gewickelt zu sein. armseelig…

  • Ana sagt:

    Wunderbarer Text, spricht mir aus der Seele. Auch meine Babies sind bald keine mehr, ach Wehmut!

  • Muttis Liebling sagt:

    Obwohl der Liebe da oben mich mit mehr weiblichen als männlichen Eigenschaften ausgestattet hat, bin ich doch ganz froh, noch die Kurve in die komplexere Form geschafft zu haben. Eine Schwangerschaft würde ich nie und nimmer überleben, von der Geburt ganz abgesehen.

    Aber die grösste Geisel der Weiblichkeit ist das kleine Schwesternvolk der Fruchtbarkeit und wird mit PMS abgekürzt. Der Literaturkritiker Ebel machte uns kürzlich deutlich, wie sehr vom Mann geschaffenes Schrifttum vom Alkohol getränkt ist. Auf der Gegenseite tropft das Östrogen nur so aus den Zeilen.

    • tina sagt:

      pms, geiles zeugs ;-). was ist an einer schwangerschaft so lebensbedrohlich? manche geburten schmerzen weniger als sich den kleinen zeh heftig anzustossen (wobei ich mit letzterem etwa 1mio mal mehr erfahrung habe)

      • Muttis Liebling sagt:

        Wenn alle 7 Jahre mir meine Konstitution einen Streich spielt und ohne die geringste Veränderung der Umgebungsvariablen mir alle Hosen zu eng werden, mindert das meine Lebensqualität stärker als jeder berufliche oder soziale Misserfolg, dass ich auch zu 10 Tage Heilfasten bereit bin.

        Auch die Schmerzen kann ich mir nicht vorstellen, habe die ja bei den paar Geburten, die ich in meiner Notarztzeit notfallmässig machen musste, gesehen und gehört. Selber spritze ich mir schon Lidocain, wenn ich nur einen Pickel im Gesicht natürlich nicht ausdrücke, sondern ordentlich mit dem Skalpell spalte.

      • Muttis Liebling sagt:

        2/ Ohne den Hormonrausch wären Schwangerschaft und Geburt nicht zu ertragen und deshalb können wir Jungs uns das nicht richtig vorstellen.

        Ohne den Hormonrausch und der notwendigen Konsequenz PMS, um beim Thema zu bleiben, hätte die unlängst verstorbene Frau U. Danella nicht 43 Romane nach dem gleichen Strickmuster schreiben können und liessen sich viele der Blog- Themen und noch mehr der Kommentare nicht verstehen.

        Uns Männern bleibt zur Simulation nur der Alkohol und deswegen sind Hemingway und Dylan Thomas nicht so alt wie U. Danella geworden.

      • tina sagt:

        ich glaube es ist auch eine frage davon, wie man sich darauf einstellt. ich so als bekennende freundin von stimmungsschwankungen habe gelernt die hormonwelle zu nehmen wie surfer das tun. also versuchen. mir gefällt das, ich möchte es nicht anders haben.
        es kann doch nicht sein, dass ich die einzige weit und breit bin, deren geburten ruckzuck gingen und kaum schmerzhaft waren, oder? ist das so selten? (ich möchte damit übriens auf keinen fall herunterspielen was andere frauen dabei mitmachen! und natürlich weiss ich auch, dass geburt und schwangerschaft tatsächlich ein grosses risiko sind)

    • Widerspenstige sagt:

      ‚wie sehr vom Mann geschaffenes Schrifttum vom Alkohol getränkt ist. Auf der Gegenseite tropft das Östrogen nur so aus den Zeilen….‘ Ich muss sagen, Du hast Deine emotionale Phase etwas ausser Kontrolle grad und diese schwebt bedenklich im luftleeren Raum hier. Da kommt mir eine Anekdote von einst in den Sinn: Sagte ich zu meinem Chef in der Grundlagenentwicklung eines Techkonzerns nach seinen Ferien: ‚Sie sehen aus wie Hemingway mit diesem weissen Vollbart, Herr Professor!‘ Er konterte: ‚Bloss nicht, der alte Säufer! Mit dem möchte ich nicht verglichen werden.‘ Ich schluckte, er grinste.

      • tina sagt:

        gäll 🙂 also ich erkenne starke hormonelle stimmungsschwankungen bei MLs texten 🙂 echt

      • tina sagt:

        manchmal kommts mir sogar so vor alsob wir die selbe welle surfen hihi

      • Stranger sagt:

        Man sagt ja, dass langes Zusammensein zur Synchronisierung der Mens führe…

      • Muttis Liebling sagt:

        Das männliche Klimakterium haben ich doch erst unlängst thematisiert.

        Zu Hemingway, WS. Ich habe mal längere Zeit mit einer bekannten Literaturkritikerin korrespondiert. Diese Berufsgruppe zeichnet sich bekanntlich dadurch aus, Literatur zu vollständig zu verstehen, nur selbst nicht schreiben zu können. Ich habe Ihr deshalb geraten, es mal mit exzessiven Alkohol zu versuchen. Sie sagte, dass hätte sich längst probiert, aber es klappt nur bei Männern.

        Umgekehrt hat sich ja auch Herr Pilcher in Schmonzette versucht, mangels Östrogenschwankungen allerdings, wie bekannt, nur mit mässigen Erfolg.

    • Bada sagt:

      Mehr Komplexe zu haben heisst nicht unbedingt eine komplexere Lebensform zu sein, werter Herr Liebling 😉

  • Eveline sagt:

    Wunderschön, vielen Dank für den Text! 🙂

  • Joshua Santi sagt:

    Super Artikel, aber wieso kann man es nicht einfach Teilen? Wo sind die Knopfen für Email, facebook, Twitter und co.? Finde schade

  • Susanna sagt:

    Haha… ich bin mitten drin. Zwei Buben. Einer drei, einer eins. Es ist manchmal ein absoluter Wahnsinn. Aber ich liebe sie beide auch wie wahnsinnig. Danke für den schönen Beitrag.

  • Carolina sagt:

    /2 es so gut wie möglich gemacht habe, noch mache und dass ja Grosseltern immer sagen, dass sie ihre Enkel viel mehr geniessen können als die eigenen Kinder. Also alles ganz normal.

    Und es sollte natürlich ’schön, Frau M‘ heissen, sorry ;-))

  • Carolina sagt:

    Schän, Frau M! Vor allem Ihr Vorsatz! Versuche ich auch zu machen! Statt dumme Ratschläge zu erteilen, wenn wieder einmal eine Mutter fast weinend vor ihrem tobenden Kind steht, ihr einfach einen lieben Satz sagen – wirkt Wunder. Uebrigens auch bei Nicht-Müttern und manchmal sogar in Zürich: sagen Sie mal einer alten Frau, dass sie eine tolle Handtasche hat und sie wird sich (meistens jedenfalls) den ganzen Tag freuen. Um seine Kinder wirklich geniessen zu können, muss man die Fähigkeit besitzen, für den Tag zu leben – ich konnte das nie und habe es lange bereut. Heute denke ich mir, dass ich

    • Susi sagt:

      „wenn wieder einmal eine Mutter fast weinend vor ihrem tobenden Kind steht, ihr einfach einen lieben Satz sagen“

      Ich denke dann immer an die exzessiven Tobsuchtanfälle meiner Tochter (z.B. im vollgestopften Buss. Im akustisch mitschwingenden Treppenhaus. Am Katzensee während des lauschigen Sonnenuntergangs.) und an die vielen mitfühlenden Blicke, die ich von anderen bekommen habe (ja, in Zürich). Das mache ich jetzt auch immer, die Mütter nett anschauen und vielleicht angrinsen. Sagen „jaja, das ist nur eine Phase“. Die sind dann meistens gleich entspannter.

  • Monika sagt:

    Ein sehr, sehr berührender witzig geschriebener und wahrer Text!

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