Weiterbildung, das Geschäft der Mütter

Yoga

Wie wärs mit einer Weiterbildung in Yoga? Am Ende besteht die Chance, selbst Kurse zu geben. Foto: subtleyogacharlotte.com

Maja ist seit sechs Monaten diplomierte Lebensberaterin, bezeichnet sich jedoch lieber als «ausgebildeten Coach». Sie hat erst eine Kundin; eine enge Bekannte. Doch jetzt sollte sie sich endlich mal einen Schubs geben und mit der Akquise beginnen, sagt sie.

Caro bildet sich gerade zum Hypnose-Coach aus, 5500 Franken hat sie für den zwei Semester dauernden Lehrgang gezahlt. Und Simone macht seit vier Semestern ein Fernstudium in Tourismuswirtschaft. Sie hat zwar keine Matur, doch das ist bei diesem Studium offenbar nicht nötig: Bei gewissen Anbietern von Onlinelehrgängen etwa gehts auch ohne. Simone glaubt, «noch drei, vier Semester zu brauchen», dann sei sie fertig. Was danach kommt, weiss die gelernte Kinderkrankenschwester nicht. Sie sagt, das Wichtigste sei jetzt einfach, dass sie einen guten Abschluss hinlege, um beruflich weiterzukommen.

Die drei Frauen sind Anfang und Mitte vierzig, haben Kinder und arbeiten ein paar Stunden die Woche in Büros und als Betreuerin in einem Kinderhort. Mit ihren Ausbildungen, für die sie abends und an Wochenenden büffeln, erhoffen sie sich neue Perspektiven.

Erzählen die Frauen von ihren Weiterbildungen und beruflichen Plänen, freue ich mich mit ihnen. Ob ihr Traum einer eigenen kleinen Praxis in Erfüllung gehen wird? Sie selbstbewusst genug sind, sich als Coach selbstständig zu machen oder eine passende Stelle zu ergattern? Werden sie damit auch ausreichend Geld verdienen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten? Ich ziehe den Hut vor allen Frauen und Männern, die sich zusätzlich engagieren und nebst Familie, Arbeitspensum und chronischer Übermüdung eine Weiterbildung durchziehen. Das ist wahrlich kein Klacks.

Gleichzeitig bin ich in Bezug auf die Weiterbildungsbranche etwas skeptisch. Das hat zum einen mit dem kaum überblickbaren Angebot zu tun, das einem Dschungel gleicht: Die vielen Kurse und Nachdiplom-Studiengänge weisen grosse Unterschiede in Qualität und Kosten auf, die richtige Wahl kann schnell überfordern. Zum anderen hat meine Skepsis mit der von mir oft beobachteten merkwürdigen Wahl der Weiterbildung vieler Familienfrauen zu tun. Sie entscheiden sich häufig rein nach Interesse für eine Schule oder einen Studiengang und bilden sich in einem Gebiet weiter, das nicht viel mit ihrem ursprünglich erlernten Beruf zu tun hat. Sie wünschen sich, sich zu verändern, sich nach den Jahren als Hausfrau oft ein Stück weit auch selbst zu verwirklichen.

Das ist schön, kann bereichernd, sinnvoll und auch mutig sein – keine Frage. Doch will eine Frau die neue Tätigkeit nicht nur zum Zeitvertreib und Hobby haben, sondern damit auch Geld verdienen oder beruflich vorankommen, so sollte sie realistisch bleiben und besser nicht jenen Lehrgang wählen, bei dem am Ende nur ein Diplom der betreffenden Schule winkt, das sonst nirgends anerkannt ist. Oder auf eine Ausbildung setzen, die mehrere Tausend Franken kostet, bei der es aber schon von Anfang an klar ist, dass die Chance, die neue Tätigkeit auch wirklich auszuüben, danach äusserst klein ist.

Was soll also eine Mutter (oder ein Vater) nach einigen Jahren Job-Absenz bei einem Wiedereinstieg beachten? Und was ist bei der Wahl einer Weiterbildung wichtig? Ich sprach darüber mit Marco Graf, Berufs-, Studien- und Laufbahnberater beim Berufsinformationszentrum Zürich (BIZ). Er betont als Erstes, wie elementar es sei, dass man schon vor dem Ausstieg aus dem Erwerbsleben wisse, «was es bedeutet, wenn man ein, zwei oder fünf Jahre weg vom Beruf ein wird. Was also die Konsequenzen sein könnten.» In technologischen Berufen sei der Zug nach spätestens fünf Jahren Pause abgefahren, «in sozialen Berufen ist ein längeres Wegbleiben kein Problem», sagt Graf. Bei einer Scheidungsrate von 50 Prozent sei es zwingend, sich mit solchen Fragen auseinanderzusetzen.

Der Laufbahnberater spricht deshalb vom Netzwerken, das auch während der Zeit als Vollzeitmutter angesagt sei. Das heisst etwa, den Kontakt zu den ehemaligen Kollegen und Vorgesetzten zu pflegen und Weiterbildungen zu besuchen. «Es gilt, mit einem Fuss in der Arbeitswelt drin zu bleiben.» Das sei bei heutigen Müttern allerdings bereits relativ häufig der Fall. Es existierten deshalb auch weniger Kurse für Wiedereinsteigerinnen als noch vor zwanzig Jahren.

In Bezug auf einen Wiedereinstieg oder eine Weiterbildung rät Marco Graf, das Angebot sorgfältig abzuklären und mit Schulabgängern zu reden. Soll die Ausbildung oder der Kurs dem Berufsleben dienen und nicht dem eigenen Interesse, so gilt herauszufinden: Was ist das Diplom wert? Und wie kann man danach die fehlende Berufserfahrung wettmachen? Eine Hürde kann danach der Mangel an Teilzeitstellen mit Pensen von 40 bis 50 Prozent darstellen. Die grösste Hürde habe allerdings oft mit der Lebenssituation zu tun, in der Frauen steckten. Am schwersten haben es laut Marco Graf erfahrungsgemäss die Alleinerziehenden: «Zeit und Geld sind knapp, doch vor allem fehlt ihnen dazu die Energie.»

Haben Sie sich umgeschult oder weitergebildet, und was ist Ihre Erfahrung damit? Diskutieren Sie mit.

Hier finden Sie Infos zu Weiterbildungen und Umschulungen:
Berufsberatung: Die Datenbank aller Weiterbildungsangebote WAB hält Informationen zu weit über 30’000 Kursen und Lehrgängen bereit: von der beruflichen Weiterbildung über Hochschul­angebote bis zur allgemeinen Erwachsenenbildung.
EB Zürich: Kantonale Berufsschule für Weiterbildung. Die EB Zürich bietet zahlreiche Kurse und Weiterbildungsmöglichkeiten für Frauen an.
«Frau Arbeit Weiterbildung», die Fachstelle für Frauen (Fraw) rund um das Thema Berufs- und Laufbahngestaltung in Bern, bietet neben Einzelcoachings auch verschiedene Gruppenkurse an.
– Die Klubschule Migros bietet neben vielen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten auch den Lehrgang «Familienfrau – auf zu Neuem» an, in welchem die Teilnehmerinnen verschiedene Pläne für die Zukunft schmieden.
«Women Back to Business» ist ein Management-Weiterbildungsprogramm der Uni St. Gallen für Wiedereinsteigerinnen und Umsteigerinnen. Zielpublikum sind Frauen mit Uni- oder Fachhochschulabschluss, die seit einigen Jahren nicht mehr berufstätig sind oder einer Tätigkeit unter ihrem Potenzial nachgehen.
Eduqua: Schulen, die bei Eduqua zertifiziert sind, gelten als seriös.
Wefa ist das Kompetenzzentrum für arbeitsmarktorientierte Weiterbildungen. Es fördert Erwachsene und ganz speziell Frauen in ihren beruflichen Möglichkeiten mit dem Ziel einer selbstständigen Berufsplanung.