Jeder ein kleiner Fussballstar

Bitte lächeln: Teenager auf dem Fussballplatz. Foto: ·tlc∙ (Flickr)

Gute Miene zu bösem Spiel: Beobachtete Teenager auf dem Fussballplatz. Foto: ·tlc∙ (Flickr)

Nando hat schon wieder den Ball an den aufsässigen Kleinen mit der Nummer 3 verloren. «NANDOOO!» Nandos Miene bleibt unbewegt. Die Gegner sind stark, die meisten schneller oder grösser als er. Nando kämpft um den Ball, doch die anderen Spieler ziehen an ihm vorbei. Nandos Kopf ist rot. «Nandooo! Jetzt SETZ dich mal ein. Du musst kämpfen. KÄMPFEN musst du!»

Den nächsten Ball, eine halbe Minute später, wird er mit dem Fuss runterholen, kontrollieren, mit dem linken und dem rechten Schuh kurz streicheln und weiterpassen. «JA! Du kannst es doch! Zeig es ihnen, Nando! So, und jetzt keine halben Sachen mehr!» Der Mann neben mir verwirft seine Hände in Richtung Spielfeld, seine Stimme ist bereits etwas heiser.

Neben ihm stehen fünf, sechs andere Männer, alles Väter von Jungen aus unserer Mannschaft. Es ist Samstagmorgen, neun Uhr. Ein Auswärtsspiel in der Gegend, aber Feindesland. Der Gegner ist unsympathisch; in der Vorrunde hatten ein paar seiner Spieler unsere Jungs auf dem Platz beleidigt. Jetzt erst recht, haben sich die zwölfjährigen Buben und ihre Väter vor dem Spiel gesagt. «Kämpft um den Ball, aber bleibt cool. Lasst euch nicht schon wieder provozieren. Verstanden?!»

Daddy weiss, wies geht: Vater und Sohn am Spielfeldrand. Foto: popofatticus (Flickr)

Daddy weiss, wies geht: Vater und Sohn am Spielfeldrand. Foto: popofatticus (Flickr)

Aber das Team kommt nicht in die Gänge, und die Väter an der Seite schreien sich die Stimme aus dem Leib: «Abgeben, Nico!», gellt es über den Platz. Dann «Max! Schiess doch endlich! MAAAX!!» oder «Leonardo! Mehr bewegen! Beweg dich!». Bei einer gelungenen Aktion seiner Brut ruft Leonardos Vater «Jaaa!» und klatscht in die Hände. Anders Julian senior: «Über die Seite, spiel endlich mal über die Seite. Mann, Julian, du gehörst auf die Seite!» Jeder Vater feuert seinen Sohn an.

Irgendwann der Abpfiff. Unser Team hat verloren. Der Trainer reiht die Spieler um sich, schaut jeden einzeln an, um sogleich von der Mannschaftsleistung zu sprechen. Von der elenden Eigenbrötlerei jedes einzelnen, dem fehlenden Zusammenspiel und einem mangelnden Mannschaftsgeist. «Einer für alle, alle für einen, versteht ihr? Ihr spielt miteinander und müsst zusammenhalten. Ihr seid eine Mannschaft. So muss es sein. Aber ihr verhält euch, als wäre jeder von euch allein auf dem Platz. Ihr macht hier nicht euer Ego-Ding, klar? Wir spielen Fussball. Das ist ein Mannschaftssport.»

Die Jungs lassen den Kopf hängen, stehen auf. Jene, die ihren Vater am Spielrand stehen haben, gehen zu ihm. Die Väter klatschen mit ihren Buben ab und drücken ihnen ein isotonisches Getränk in die Hand. «Hast du gut gemacht, mein Lieber, war doch gar nicht so schlecht», sagt der Papa zu Max. «Nächstes Mal spielst du noch etwas besser, gell. So wie der Messi. Und dann gewinnst du, ist doch klar.»


«Was hast du dir dabei gedacht?» Nicht nur Väter, sondern auch Soccer-Moms können laut werden. Video: Jim Haskins (Youtube)


«Sie sind schlecht erzogen worden»: Toughe Schiedsrichterin gibt einem schwierigen Vater einen Platzverweis. Video: Rafal Wlazlo (Youtube)