Gebären, ohne dass der Arzt dreinredet

Mamablog

Eine Spitalgeburt ist nicht immer eine schöne Erfahrung: Katherine Heigl im Film «Beim ersten Mal». Foto: PD

Die letzten Jahre war es stets die steigende Kaiserschnittrate, die Schlagzeilen machte. Und nun das: Die «Welt» und «20 Minuten» schreiben, dass immer mehr Mütter alleine gebären würden. Sprich: Nicht nur abseits des Spitals, begleitet von Hebamme oder Doula. Sondern zu Hause, ganz auf sich gestellt.

Beide Zeitungen lassen Mütter erzählen, die mehrere Alleingeburten erlebt haben. Die Grundmotivation ist bei beiden dieselbe: Es geht den Frauen darum, selbstbestimmt zu gebären. Auf den eigenen Körper hören zu dürfen, anstatt während der Geburt zu etwas gedrängt zu werden.

Dieses Gefühl, zu etwas überredet oder gar gezwungen worden zu sein, nicht die Geburt erlebt zu haben, die man erleben wollte, ist es denn auch, das werdende Mütter zum Alleingang motiviert. «Die Frauen, die sich für eine solche Geburt entscheiden, haben oft schlechte Erfahrungen mit dem Gesundheitswesen gemacht», sagt Barbara Stocker, Präsidentin des Schweizerischen Hebammenverbands, «entweder ganz generell oder bei einer früheren Geburt.»

Im Gegensatz zu den Anhängern der Alleingeburt, die von einer «exponentiellen Zunahme» reden, bezweifelt Stocker allerdings, dass die Zahl der Alleingebärenden in der Schweiz tatsächlich so stark ansteigt. «Das Thema betrifft nach wie vor nur eine kleine Anzahl Frauen.» Sie räumt jedoch ein, dass diese Geburten statistisch nicht erfasst werden.

Was aber auf jeden Fall zunimmt, ist das Interesse an alternativen Geburtsorten und Gebärmethoden. Immer wieder wird der Ruf nach mehr Selbstbestimmung und mehr Natur laut, so etwa auch auf der vor wenigen Tagen lancierten Website Flowbirthing.de, die «alle Ansätze, Angebote und Menschen, die im Sinne einer bewussten, selbstbestimmten, natürlichen Geburt wirken», miteinander vernetzen will. Und deren Macher die Vision haben, «dass sich Frauen wieder voller Selbstvertrauen und Freude auf den Weg zu einer selbstbestimmten und natürlichen Geburt aufmachen».

All das sollte uns zu denken geben. Beziehungsweise dazu führen, dass wir das aktuelle Vorgehen in den Geburtsabteilungen überdenken. Die heutigen medizinischen Möglichkeiten sind ein Segen, sie dürfen aber nicht dazu führen, dass jede Gebärende als Patientin angesehen wird, die zwingend mit Medikamenten und Eingriffen behandelt werden muss. Läuft alles rund, merkt die Frau selber sehr genau, was ihr guttut und was nicht. Also sollte auch sie diejenige sein, die bestimmt, wie die Geburt abläuft.

Und auch wenn eine Notsituation eintritt und die Mediziner das Kommando übernehmen müssen, darf die Mutter dabei nicht vergessen gehen. «Gerade ungeplante, notfallmässige Kaiserschnitte werden manchmal als traumatisch erlebt», sagt auch Barbara Stocker. In Notfallsituationen fehle schlicht die Zeit, umfassend zu erklären, was passiere. «Wichtig ist bei solchen Geburten, dass Frauen im Nachhinein das Gespräch mit den beteiligten Fachpersonen suchen. Damit sie verstehen, wie die Situation aussah und weshalb schnell gehandelt werden musste.» Womöglich sollten aber auch die Fachpersonen konsequenter von sich aus das Gespräch anbieten, um der Mutter zu helfen, ein mögliches Trauma zu verarbeiten.

Deshalb glaube ich den Alleingebärerinnen zwar, dass sie frei und selbstbestimmt sein wollen und sich auch so fühlen. Ich glaube jedoch auch, dass einige dieser Frauen sich zum Alleingang gezwungen fühlen. Weil sie von einer früheren Spitalgeburt traumatisiert sind. Oder sich nicht mehr «zum Gebären anleiten» lassen wollen, wie eine Mutter gegenüber «20 Minuten» sagt, und deshalb vorsorglich nicht nur auf den Arzt verzichten, sondern auch gleich auf die Hebamme.

Das kann gut gehen und für die Mutter eine ganz wunderbare Erfahrung werden. Es kann aber auch schieflaufen, wenn es während der Geburt zu einer Notsituation kommt, und im schlimmsten Fall mit dem Tod des Babys oder der Mutter enden. Mediziner sind deshalb entsetzt über die Idee der Alleingeburt und das enorme Risiko, das die Mütter dabei in Kauf nehmen. Stocker formuliert ihre Meinung zurückhaltender: «Ich als Hebamme würde keiner Frau empfehlen, alleine zu gebären. Vermutlich sprechen die betroffenen Mütter aber sowieso mit keiner Fachperson über das Thema, weil sie sich nicht umstimmen lassen wollen.»

TV-Reportage: Warum sich Frauen für die eine oder andere Geburtsvariante entscheiden. Video: DW/Youtube

79 Kommentare zu «Gebären, ohne dass der Arzt dreinredet»

  • aemimiller sagt:

    schaetzen wir doch einfach dass wir in der schweiz die moeglichkeit haben unsere kinder „gesund“ auf die welt zu bringen.Mit unterstuetzung von Aerzten, Hebammen im Spital.Ich glaube zu behaupten dass die meisten frauen nach eventuell stunden in den schmerzen liegend einfach froh sind wenn das baby geboren ist. Und sich waehrend dieser schmerzhaften phase die Musik, Geschmack von raucherstaebchen, licht und so keine rolle mehr spielt. (persoenliche und professionelle erfahrungen).

  • Miguel De Antoni y Maura sagt:

    Ehefrau in den Wehen. Ich bei ihr. Yoga-ieren, Spürmich-ieren, und v.a. von Hebammen (die 3, die wir durchgespult haben…) das Geburtsglück-Zelebrieren hinter uns. Spitalgeburt, schönes Entbindungszimmer, von meiner Frau gewählte Musik im Hintergrund, ihr Arzt, eine Hebamme und ich. Keine Stunde vergangen, Sohnemann wollte raus. Hurra! Ein Dreh in letzter Sekunde und er blieb stecken. Herztöne wurden schwächer, bei Mutter & Kind. Hebamme wollte etwas anderes versuchen. Arzt & Vater entschieden sich dagegen. Notkaiserschnitt! Rettung in letzter Minute. Eindeutige Fehleinschätzung der Hebamme.

  • Samao sagt:

    Vielen Dank für den Artikel Thema Geburt in Bezug auf die Hilfestellung durch einen Arzt. Mir persönlich wäre es lieber, wenn ein Arzt oder zumindest eine Hebamme unterstützend zur Seite stehen. Gehen da die Meinungen auseinander?

  • 13 sagt:

    Wieviele Alleingeburten, Hausgeburten oder Geburtshaus Geburten in der Schweiz , sagen wir in den letzten 10 Jahren, führten denn zum Tod der Mutter oder des Babys oder zu einer Schädigung des Kindes? Oder was berechtigt zur Annahme, es sei ein sooo großes Risiko, wie es einige darstellen? Keine Frau entscheidet sich für eine Alleingeburt, wenn etwas nicht i.O. ist oder ruft da nicht den Notarzt. Und auch keine Hebamme. Im Gegenteil sollte man sich fragen, warum es bei diesen Geburten weniger Komplikationen gibt? Aber irgendwie scheint mir das ein Fall von „was der Bauer nicht kennt…“!

  • Die Kommentare zeigen, wie tief die Verunsicherung über den natürlichsten Vorgang der Welt ist. Es handelt sich bei dem Ruf nach einer selbstbestimmten Geburt nicht um einen Trend, sondern um die Rückbesinnung auf den Ursprung. Jede gesunde Frau mit einem sich gesund entwickelnden Baby im Bauch hat die Fähigkeit ihrem Kind das Leben zu schenken. Dass vielen Frauen dieses Vertrauen in ihre urweibliche Fähigkeit verloren gegangen ist, das ist der Skandal und er geht Hand in Hand mit der allerorten zu beobachtenden Ausbeutung von Natur. Das Wohl von Mutter und Kind zu trennen, zeigt den Irrsinn.

    • Katja sagt:

      „Jede gesunde Frau mit einem sich gesund entwickelnden Baby im Bauch hat die Fähigkeit ihrem Kind das Leben zu schenken“. Sorry, aber das ist schlicht und ergreifend falsch. Haben Sie schon einmal den Ausspruch „unvorhersehbare Komplikationen“ gehört? Es gibt mit Sicherheit mindestens 100 Arten, wie Mutter und Kind bei einer ach so tollen Alleingeburt wo ja alles so gut geplant war, trotzdem ableben können. ICH würde so etwas niemals meinem ungeborenen Kind gegenüber verantworten wollen!

    • Sibylle sagt:

      „Jede gesunde Frau mit einem sich gesund entwickelnden Baby im Bauch hat die Fähigkeit ihrem Kind das Leben zu sehnekn.“ FALSCH!
      Ich bin eine absolut gesunde Frau und meine Tochter hat sich total gesund entwickelt und trotzdem: Am Schluss brauchte es einen Kaiserschnitt da nämlich mein Becken nicht breit genug ist (nein, das ist keine Krankheit…). Zum Glück kann ich nur sagen. Nicht nur, dass ich das (eher kleine) Kind gar nicht durchs Becken gebracht hätte, sie hatte zu allem Überfluss auch noch die Nabelschnur um den Hals gewickelt (und auch das ist keine Krankheit…).

    • mimi sagt:

      Ich war auch der Meinung, dass ich die Geburt easy auch im Geburtshaus oder so hätte machen können. War auch so, Geburt alles natürlich, ohne Arzt dafür mit Hebamme; Kind gesund, keine Verletzungen usw… nur leider kam die Plazenta nicht raus, egal was die Hebamme versucht hat. Dass ich im Spital geboren habe, war mein Glück. Denn die Not-OP hat mich vor dem Verbluten bewahrt. So und deshalb würde ich es NIE ganz alleine machen. Denn ich hätte in dem Moment keine Ahnung gehabt, dass so etwas kritisch werden kann.
      Zum Glück haben wir diese Möglichkeiten. die haben viele nicht auf dieser Welt.

  • Amy Berger sagt:

    Meine Güte, ich checke das einfach nicht und möchte hier nun konkret von einer Verfechterin einer Alleingeburt wissen: ihr stellt tatsächlich den Wert eures Geburtserbnisses über den Wert der Gesundheit eures Kindes (von eurer eigenen mal abgsesehen), ist das wirklich so? Ihr denkt wirklich, dass euch schon nichts passiert, ihr habt ja schliesslich dieses Urvertrauen und so, und dass ihr auch im Notfall besser entscheiden könnt als ausgebildete und erfahrene Fachleute? Wie überheblich und unverständlich, kann es nicht anders sagen. Gruss von einer dankbaren und glücklichen Kaiserschnitt-Mutter

  • Oswald sagt:

    Ich verstehe den Ausdruck selbstbestimmend in diesem Zusammenhang nicht ganz; bestimmt die Gebärende, dass auf keinen Fall medizinisches Personal anwesend sein darf oder darf der Doktor oder die Hebamme eingreifen, wenn es klemmt? Und wer bestimmt in diesem Fall, dass es klemmt? Ich bewundere selbstbestimmende Frauen auf jeden Fall! Aber bitte dann auch hier mit jeder Konsequenz! Ansonsten der Ausdruck hier missbräuchlich verwendet würde.

  • Sportpapi sagt:

    Da wird offensichtlich wieder einmal mit der Lupe ein Trend gesucht. Erstaunlich finde ich ja, wie alle, die möchten, irgendwie zu ihrem Kaiserschnitt kommen, alle anderen sich aber irgendwie gedrängt vorkommen. Andererseits: wofür haben wir Fachleute?

  • zimy sagt:

    Mich nervt die mystifizierende Überhöhung der Geburt, und das Ärzte-Bashing in diesem Zusammenhang. Ich habe im Spital geboren, und es war gut so, denn ohne medizinische Hilfe wäre es nicht gut gegangen. Meine erfahrene Frauenärztin hat dies auch schon vor Einsetzen der Wehen vorausgesehen. Klar habe ich mich vor der Geburt informiert und mir grundsätzlich überlegt, was ich in welcher Situation machen würde. War aber am Ende obsolet, denn bei der Geburt kommt es eben so wie es kommt. Sie ist nach wie vor nicht planbar. Zu irgendwas „gedrängt“ wurde ich aber in keinster Weise.

    • Hans Koller sagt:

      Sie sagen es, worin ist der Sinn dieses Themas? Unsere Tochter war eine Frühgeburt und wäre knapp behindert gewesen ohne das eingreifen der Ärzte wäre sie heute geistig behindert oder Tod. Es ist doch nicht unsere Aufgabe gelernte Menschen zu beurteilen die ihr bestes für die Kinder geben, aber klar auch die machen Fehler. Was wohl Frauen machen wenn ihr Kind im Geburtskanal stecken bleibt und sie im Wald ohne Handyempfang sind? Auf der anderen Seite, was hat eine Frau davon wenn sie die Geburtsschmerzen erlebt hat? Was hat eine Frau davon wenn sie ihr Kind im Wald gebärt?

  • Papperlapapi sagt:

    Ich durfte bei der Geburt unserer 2 Kinder im Kantonsspital dabei sein. Bei der ersten Geburt war schlagartig ärztiche Unterstützung nötig, um das Kind zügig zur Welt zu bringen. Plötzlich standen eine Assistenzärztin, eine Hebamme, zwei Pflegefachfrauen, ein Oberarzt, ein Kinderarzt mit Begleiterin (Pflegende? Assistenzärztin?) im Zimmer, die sich um Frau und Kind gekümmert haben. Das 2. Kind kam ohne Arzt zur Welt. Die ruhige Hebamme hat gemeinsam mit meiner Frau in entspannter Athmosphäre dem Kind auf die Welt geholfen. Der Arzt kam erst nach der Geburt zum Gratulieren….

    • Glückliche sagt:

      Genau so soll es sein – wenn medizinische Hilfe nötig ist, ist sofort ein Team zur Stelle, und wenn alles gut läuft, führt die Hebamme die Geburt ruhig und unterstützend.
      Ich habe mich für die Geburt im Spital entschieden, nachdem eine Kollegin von mir bei einer massiven Blutung nach Geburt schon im Spital nur mit Mühe gerettet werden konnte – in einem Geburtshaus hätte sie keine Chance gehabt. Und ich hatte eine perfekte, angenehme Unterstützung durch die Hebamme und eine tolle Geburt.
      Die Zukunft sollte genau das werden: Hebammengeleitete Geburten im Spital, wo im Notfall Hilfe vor Ort ist

  • Hanna sagt:

    Wir leben in einer solchen Bubble in der Schweiz. So viel Zeit verbringen wir damit, alles zu thematisieren und von „Traumata“ zu berichten. Mein Gott, gebärt doch diese Babies einfach irgendwie. In der Schweiz kann man zwischen 1001 Methoden auswählen. Wählt doch einfach aus und lasst die Mitteilungsfreudigkeit bleiben. Keine Gebärende auf diesem Planeten wird so sehr umsorgt wie in der Schweiz (falls sie dies wünscht), wenn sie ihr Kind im Sihlwald auf die Welt bringen möchte, ist dies auch ok. Aber lasst bitte die Frauen in Afghanistan von Geburtstraumata berichten…..

  • Jana sagt:

    Ich habe im Geburtshaus geboren, und das war gut. Die meisten Geburtshäuser stehen auf der Spitalliste und dort Gebären wird von der Krankenkasse bezahlt.

  • tststs sagt:

    Hüstelhüstel, was ist eigentlich das Problem mit diesem „Dreinreden“?!?
    Ich mein, ich weiss schon, was hier gemeint ist, aber mal ein wenig überspitzt gesagt: Es gibt einen Grund, weshalb die eine Hälfte im Gebärsaal für den ganzen Prozess bezahlt wird. Es gibt einen Grund, weshalb es diese Hälfte besser weiss… Wenn der Arzt/die Hebamme zB meint, dieses oder jene Stellung sei jetzt besser, dann tun sie dies sicherlich nicht, um der werdenden Mutter zu schaden…

    Oder, wer hat mehr Ahnung vom BBQ: Der Metzger oder die Kuh? 😉

    • Lichtblau sagt:

      Team tststs – aber sowas von.
      Wir bezahlen horrende KK-Prämien – und ausgerechnet bei einer Geburt sollen wir auf ärztlichen Beistand verzichten? Ich empfand das ganze Drum und Dran in der damaligen Pflegerinnenschule als genau angemessen. Erst war eine resolute Hebamme da, dann eine freundliche Ärztin. „Reingeredet“ hat niemand. Der Vater konnte, trotz 2-Betten-Grundversicherungs-Zimmer, jederzeit bei uns sein. Sogar das Essen war ausgezeichnet. Aber ich bin auch der Typ, der im Supermarkt Selfscanning meidet und bediente Kassen vorzieht.

  • Christoph Bögli sagt:

    Paradox ist ja, dass zwar immer von „Natur“ und „Selbstbestimmung“ geredet wird, andererseits aber die natürlichen Risiken und die Verantwortung, die sich aus Selbstbestimmung ergibt, ausgeblendet werden. Das ist ja nicht nur beim Thema Geburt so. Die Haltung findet man ja auch z.B. bei den Impfgegnern wieder, bei denen auch alles ganz „natürlich“ ablaufen soll und die sich bloss nicht von den ach so geldgeilen Ärzten dreinreden lassen wollen. Wenn die potentiell tödliche Infektionskrankheit oder die Geburt dann aber – ganz natürlich! – wieder tödlich verlaufen, ist das Drama plötzlich gross..

  • Widerspenstige sagt:

    Der Begriff ’selbstbestimmt‘ wird bei einer Geburt wohl etwas überhöht interpretiert und das Urgefühl des Urweibes in jeder Frau aufs intensivste angesprochen. Es lässt Spielraum für den eigenen Weg von der Metamorphose von der Frau zur Mutter mit Kind(ern). Ein wundervoller Weg. Selbstbestimmt sein eigen Fleisch und Blut in sich zu spüren während der Schwangerschaft und es dann durch eigene Urkraft von sich lösend zu erleben ist schon eine brachiale Urgewalt. Neues Leben entsteht und dieser Augenblick will mehr spirituell erlebbar gemacht werden durch die entsprechende Geburtszeremonie.

    • Widerspenstige sagt:

      Selbstbestimmt heisst aber auch, sich nicht nur mit der eigenen Intuition an diese Urgewalt einer Geburt zu nähern, sondern die Errungenschaften der modernen Medizin SITUATIV anwenden zu dürfen/wollen/müssen! Also Wehenmittel zu erhalten, wenn die Schmerzen unerträglich stark u lange anhalten. Frauen haben nicht umsonst dafür gekämpft, dass genau diese Freiheit und Selbstbestimmung zu Gebären wie es ihrem Bedürfnis entspricht auch umgesetzt werden kann ganz individuell MIT unterstützender Fachbegleitung. DAS ist Selbstbestimmung sich auch mit der Vernunft damit einzugeben u alles zu brauchen!

  • Sascha Bolliger sagt:

    Ich habe übrigens meine beiden Kinder daheim mit kompetenter Unterstützung einer (bzw zweien) Hebamme bekommen. Ohne Räucherstäbchen und so.

    Eine Alleingeburt finde ich persönlich verantwortungslos, es gibt meiner Meinung nach kein einzig gutes Argument dafür.

    Eine Hausgeburt und Alleingeburt soll und darf nicht vermischt werden, die Statistiken zu Hausgeburten (od Geburtshausgeburten) sind 1a, wen es interessiert, kann das gerne nachlesen.

  • Sascha Bolliger sagt:

    Hier wird einiges vermischt. Dass in Deutschland die Zahl der Alleingebärerinnen steigt, ist kein Wunder. In Deutschland kann sich heutzutage nämlich kaum eine ausserklinische Hebamme mehr die Versicherungsprämien leisten und die meisten müssen das Handtuch werfen.

    In der Schweiz würde es mich doch sehr wundern, wenn die Zahl der Alleingeburten „stark“ anstiegen. Im 20min Artikel heisst es: „im Jahr 2013 rund 850 Hausgeburten stattgefunden haben. Alleingeburten werden nicht erfasst und dürften selten vorkommen“.

    Nur, damit hier alle auf dem Teppich bleiben.

  • Valeria sagt:

    Wer mit dem stark erhöhten Risiko von Tod/Behinderung des Kindes und der Möglichkeit des eigenen Ablebens leben kann, braucht weder Arzt noch Hebamme. Keiner wird zu irgendwas gezwungen, jeder kann sich einer medizinischen Behandlung entziehen.

    Aber dann einfach nicht heulen, wenn’s in die Hose geht… *kopfschüttel*

    • Manuela sagt:

      Doch, heulen dürfen die Leute schon, wenn ein Kind stirbt. Aber tragen müssen sie ihr Päckchen eben selbst. Das Problem ist doch, dass man manchmal gar nicht vorher abschätzen kann, wie schwer das Päckchen wird.

      • Valeria sagt:

        Genau deswegen sollte man auf Leute hören, die das gelernt haben. Ärzte und Hebammen, die schon viele Menschen in solchen Situation begleitet haben, und auch manche, die danach ihr „Päckchen“ zu tragen hatten. Und ich kann Ihnen sagen, dass dieses Päckchen schon schwer genug ist, wenn das Schicksal unabwendbar und die Katastrophe nicht zu verhindern war (ja, auch im Spital bei bester Betreuung sterben Kinder).

        Wer das eigenen Risiko nicht abschätzen kann, soll das Leuten überlassen, die es können.

    • Manuela sagt:

      Ein weiteres Problem ist ja, dass man irgendwie unter Wehen nicht immer besonders rational ist. Und da funktioniert das mit der Risikoeinschätzung eben nicht ganz so gut. Mein Mann kann das in dem Moment sehr viel besser. Darum verstehe ich auch das ‚Selbstbestimmtheits-Argument‘ nicht ganz. Vielmehr sollte man die Geburt nicht als den Höhepunkt, sondern als Teilschritt sehen. Also mir wär’s lieber gewesen, ich könnt auf die Geburt verzichten…

      • Katja sagt:

        Danke Manuela, für Ihre ehrliche und realistische Meinung. Ich hätte ebenfalls voll und ganz drauf verzichten können. Für mich ist eine Geburt „das Mittel zum Zweck“. Darin etwas Tolles zu sehen, kann ich persönlich nun gar nicht nachvollziehen. Wer etwas „tolles geleistet“ haben will, sollte dies in meinen Augen eher in seinem Job, in seiner Familie oder der Gesellschaft tun. Der Akt der Geburt zählt für mich nicht unter „Leistung“. Schade, dass manche Frauen scheinbar sich wirklich nur darauf reduzieren lassen wollen ….

  • Manuela sagt:

    Soll jede machen, wie sie mag. Wer allerdings ins KH geht muss schon damit rechnen, dass ein Arzt kommt und seine Meinung abgibt. Aber auch dort MUSS man nix machen. Wenn ein Kaiserschnitt empfohlen wird und man den nicht will, dann muss man den auch nicht machen lassen. Man muss auch keine PDA machen lassen, noch nicht mal einen Zugang. Man muss dann nur unterschreiben, dass man die Verantwortung selber trägt. Das ist so. Im KH wird niemand gegen seinen Willen behandelt. Frau geht aber doch ins KH, um ärztliche Kontrolle zu haben, oder? Wo ist dann das Problem?

  • Pocoloco sagt:

    Vielleicht sollte jede Alleingebärende auch mal bedenken, dass es nicht nur um sie und ihre Selbstbestimmung geht. Ein unbehandelter kindlicher Sauerstoffmangel kann katastrophale Langzeitfolgen wie eine Cerebralparese haben. In einem solchen Fall ist der Preis einfach zu hoch. Insbesondere, da er vom Kind bezahlt werden muss, obwohl es nicht die geringste Möglichkeit hat sich zu äussern. Das bedeutet aber nicht, dass die medizinischen Sachverständigen der (werdenden) Mutter immer überall dreinreden müssen.

    • Manuela sagt:

      Tja, vielleicht liegt es eben genau daran, dass die Frauen sich von Beginn der SS selbst zurück nehmen und immerzu das Kind in den Vordergrund stellen. Das funktioniert natürlich nur, solange sich Kind und alles im Großen und Ganzen nach den Wünschen der Frau richtet. Klar, dass das Pendel dann von der einen Extremsituation und die andere schwingt. Die Realität ist doch aber, dass die Menschen vom Kinderkriegen total überfordert sind, weil sie so viel hineinprojizieren und dieses einmalige Erlebnis perfekt sein soll. Nur dass Biologie nicht nach ‚perfekt-Masstäben‘ funktioniert.

  • Heidi K. sagt:

    Dies ist ein gefährlicher Trend und klare Zeichen der Dekadenz. Hoffe nur, dass sich die Frauen bewusst sind, dass sie damit nicht nur ihr eigenes Leben sondern auch das ihrer Kinder bewusst gefährden. Geht das nicht schon in Richtung Körperverletzung? Es ist noch nicht so lange her, dass viele Kinder und Frauen bei der Geburt gestorben sind. Die heutige medizinische Versorgung ist ein Paradies, diese Flucht zurück ins Mittelalter ist schwer verständlich. Ich kann nur gutes über die Geburten meiner Kinder berichten. Ein Segen die Schweiz.

    • Manuela sagt:

      Naja, die Frau hat doch die Verantwortung. Wenn jemand stirbt oder krank wird, dann trägt die Frau eben recht schwer daran. Drücken kann sie sich davor nunmal nicht, denn das Kind ist eben in ihr drin. Frau kann auch die Verantwortung nicht auf Ärzte schieben. Auch im KH kann sie Behandlungen ablehnen. Kinder haben ist mit dem Risiko der körperlichen und/oder emotionalen Verletzung verbunden. Das muss man halt mal einsehen. Das kann man keinem anderen in die Schuhe schieben.

  • Heidi Happy sagt:

    Zwei mal problemlos geboren, keine Verletzungen, grosse und gesunde Kinder. Eigentlich ideal ums beim nächsten Mal alleine zu machen. Oder mit Räucherstäbli im Geburtshaus. NIE im Leben würde ich ausserhalb von einem Spital gebären. Triemli Stadtspital, riesen Maschine und bööööses Spital: Ich war von A bis Z der alleinige Chef über meine Geburt, wurde hofiert und unterstützt. Keine Massnahmen, die ich nicht wollte. Jederzeit im Hintergrund die ganze Ausstattung für jeden erdenklichen Notfall. Was will man mehr? Ich würd mich auch beim dritten Mal NIEMALS darauf verlassen, dass es gut geht.

  • angelina sagt:

    ich werde ich knapp 2 monaten unser 4 kind gebären und bin froh gibt es die ärzte und haben wir eine so gute versorgung in der schweiz. nie im leben käme mir in den sinn unser kind allein zu gebären. man weiss nie wie eine geburt verläuft. wenn alles gut geht ist das bestimmt eine schöne erfahrung aber was wenn nicht?! das risiko möchte ich schon allein für mein kind nicht eingehen.
    was ich allerdings wieder vorhabe ist gleich nach der geburt nach hause zu gehen, wenn alles in ordnung ist. zu hause kann ich mich am besten erholen und machen wie ich will.

    • angelina sagt:

      im krankenhaus wurde mir immer grade von seiten der hebammen immer dreingeredet. grade wenns ums stillen ging. ( ich hatte bei allen kindern keine milch, auch nach tagen nicht)

      • Katja sagt:

        @angelina: das war bei mir genau das Gleiche. Da half nur eine sehr klare Ansage, dass ich für meinen Sohn JETZT einen Schoppen haben will. Danach gab es nie wieder eine Diskussion. Mein Rat an alle Mütter: getraut Euch durchaus klar und deutlich zu sagen, was ihr wollt und was nicht. Das macht 90% der hier angeführten Diskussion komplett überflüssig.

    • Heidi Happy sagt:

      Sehe ich genauso. Falls keine Probleme vorliegen sind „Drive-In-Geburten“ grossartig!

      • angelina sagt:

        @heidi happy

        hahahaha! „drive-in-geburten“. toller ausdruck, den muss ich mir merken 😉

  • Katja sagt:

    Hätte ich mich vor 1 Jahr für eine Alleingeburt entschieden (was für mich eh nie zur Debatte stand) wären mein Sohn und ich jetzt tot. So einfach ist das.

    • Tomas sagt:

      Ich habe zwei gesunde und wunderbare Kinder. Beim ersten würde das Kind beim „natürlichen gebären“ überleben, die Mutter ohne sofortige ärztliche Hilfe nicht. Beim zweiten würden ohne ärztliche Assistenz beide sterben.

      Aber jede soll doch selber schauen, was sie will. Es ist ihr Leben und das ihres Kindes, auf das sie wettet. Und wofür, eigentlich?

  • Andreas Müller sagt:

    Wer sich mittelalterlich verhält, hat auch mittelalterliche Probleme.

    • Synn sagt:

      Hahaha! You made my day!

    • Martin Frey sagt:

      Im Mittelalter gab es bereits eine Art Geburtshilfe, wenn auch auf primitivstem Niveau. Wir sollten also eher von steinzeitlichen Bestrebungen sprechen. Auch wenn ich persönlich nicht an einen echten Trend glaube.

  • susi meier sagt:

    Wieso das Eine gegen das Andere ausspielen? Ich kenne Beides, Spitalgeburt und Alleingeburt, mit meinem Mann notabene, sage jetzt nicht welche mir besser zusagte. Aber die Gesundheitspolitik gibt mir schon sehr zu denken. Gute Geburtsabteilungen werden geschlossen, trotz vielen Gegenstimmen von Frauen, Geburtshäuser gibt es wenige, (ist eine finanzielle Angelegenheit). Und die Kosten im Gesundheitswesen steigen und steigen…. sicher nicht wegen den Hausgeburten! Nur schon deswegen würde sich ein Umdenken lohnen!

    • Rahel S sagt:

      Genau- ein Ausspielen nuetzt niemandem. Gibt es Komplikationen, sind wir alle Froh um medizinische Hilfe. Es kann nicht sein, dass Geburtsabteilungen geschlossen werden- gerade in laendlichen Regionen ist die Anreise dann ploetzlich sehr lange. Geburtshaeuser sind eine tolle Alternative- kamen fuer mich aber finanziell nie in Frage. Bei Hausgeburten muss sich jeder/ jede dem Risiko bewusst sein. Steht eine erfahrene Hebamme zur Seite, sehe ich aber nicht wirklich ein Problem. Ich hatte drei Mal eine Doula im Spital dabei und empfand dies als sehr guter Weg.

    • Manuela sagt:

      Ein gutes Argument. Die Gesellschaft finanziert so vieles. Und Geburten in erhöhtem Maße, wenn man den kostenintsiven Hochsicherheitsapparat wählt. Warum nicht auch einen Ort, wo unkomplizierte Geburten unkompliziert stattfinden können? Mit Geburten kann man nunmal kein Geld machen, braucht aber doch eine medizinische Betreuung durch Hebamme und evtl. Arzt. Geburten kosten, obwohl sie keine Krankheiten sind. Das ist eben so. Weil es sich nicht rechnet kann man sie aber nicht abschaffen. So funktioniert das ja nun auch nicht.

  • Mascha sagt:

    Anstatt sich in Dankbarkeit und Demut gegenüber unserer hervorragendenen medizinischen Versorgung zu üben, riskieren diese Frauen die Gesundheit ihres Kindes (und sich selber), im Namen von irgendwelchen Ideologien aus dem pseudomedizinschen Gruselkabinett. Wieviele Frauen auf der Welt wären dankbar, wenn sie ihre Kinder in einem öffentlichen CH Spital entbinden dürften. Selbstverwirklichung der übelsten Sorte, das eigene „Geburtserlebnis“ über die Gesundheit des Kindes zu stellen.

    • caro sagt:

      Finde ich auch. Wir sollten dankbar sein für die moderne Geburtshilfe, dank der manches Kind überlebt oder nicht behindert zur Welt kommt. An einer Spitalgeburt mag vieles nicht ideal sein, aber wenigstens besteht die Sicherheit, dass im Notfall rechtzeitig eingegriffen werden kann. Allein gebären würde ich höchstens einer jungen, fitten Frau, die den ganzen Tag draussen arbeitet, empfehlen. Angesichts des sedentären Lebens und des immer höheren Alters bei der ersten Geburt ist die „Naturvölkergeburt“ wohl eher ein Wunschgedanke verwöhnter Frauen, die sich nach Natürlichkeit sehnen.

  • @MamiHaus sagt:

    Unverantwortlich!
    Mütter, geht ins Spital, bringt Euer Kind zur Welt und geht wieder nach Hause, ganz einfach.
    Dieses ganze Drama um “ gedrängt worden sein „, „traumatisierendes Erlebnis“ und keine Selbstbestimmung ist doch jammern auf sehr hohem Niveau!
    Es ist eine Geburt, nicht mehr und nicht weniger!

    Ich finde diese Einstellung unverantwortlich!
    Warum müssen sich Kind und Mutter so einer unberechenbar en Gefahr aussetzen?
    Stellen sie sich vor, ein Pilot, eine Atomphysikerin, ein Tierpfleger, eine KiTa-Frau, ein Ingenieur, handeln nach dem eigenen „Gutdünken“.

    Frauen, geht in ein Spital!

    • Gundel sagt:

      Echt cool ist ja, dass von einem Notfall-Kaiserschnitt gesprochen wird, wegen allfälliger „Traumatisierungen“.
      Da gebärt frau zu Hause und dann muss man einen Notfall-Kaiserschnitt einleiten… dann wird’s richtig romantisch.
      Eine Freundin wollte auch natürlich gebären im Frauenhaus… und dann musste sie ins Spital überführt werden, wegen Komplikationen.

      Also: wenns keine Komplikationen gibt, werden die Ärzte auch nicht zu irgendwas drängen. Gibt es hingegen Komplikationen… ist es dann ziemlicher Stress – Horror, wenn man ein Feld-Wald und Wiesengeburt zelebriert.

    • Franka Winter sagt:

      Hier pauschalisieren und vorgeben, die einzig richtige Wahrheit über das Erlebnis einer Geburt zu kennen, ist ignorant von Ihnen. Jede Frau erlebt das doch anders. Und wenn sich eine gedrängt gefühlt hat, hat sie sich gedrängt gefühlt. Gefühle anderer können Sie denen nicht absprechen!

      • Manuela sagt:

        Nein, aber Frau muss auch mit Kind im Bauch eine mündige Patientin sein, wenn sie ein Krankenhaus betritt. Und dort drinnen muss sie auch weiterhin alle Entscheidungen betreffend ihres Körpers selbst treffen. Gibt sie die Verantwortung ab und lässt dem Arzt freien Lauf, finde ich es befremdlich hinterher zu sagen: Ich wollte nicht selbst entscheiden, aber der Arzt hat nicht das gemacht, was ich wollte. So funktioniert Erwachsensein einfach nicht. Man trägt die Konsequenzen für sein Handeln oder Nichthandeln IMMER selbst.

  • Malena Garcia sagt:

    Bewusst, selbstbestimmt, natürlich – das sind schöne Ideale, ich mag es jeder Mutter gönnen, die sie so gebären kann. Gleichzeitig finde ich es heikel, wenn daraus Druck auf die Frauen entsteht, es ‚richtig‘ machen zu müssen. Wenn über ‚dreinredende Ärzte‘ gelästert, über Frauen die im Spital gebären getuschelt wird, und Mütter die einen Kaiserschnitt brauchten mitleidige blicke kriegen. Und wenn sich Frauen dann als Versagerinnen fühlen wenn sie medizinische Hilfe benötigen. Ganz allgemein: weshalb haben es so viele ‚Selbstbestimmte‘ nötig, überheblich auf andere runterzuschauen?

    • Martin Frey sagt:

      Ganz einfach darum, weil viele dieser Frauen oft auch aus sekteriererisch-religiösen Gründen handeln und demzufolge mit den entsprechenden Sendungsbewusstsein ausgerüstet sind. Und sich allzu oft danach bei den Hardcoreimpfgegnern tummeln und dabei die Welt ebenso missionarisch von ihrem Glück überzeugen wollen.

  • Muttis Liebling sagt:

    Medizin ist Heilkunde und eine normale Schwangerschaft ist keine Krankheit. Folglich gehört die normale Geburt nicht in den Zuständigkeitsbereich der Medizin, da keine therapeutische Massnahme.
    Historisch hat es sich das Gebären unter ärztlicher Assistenz erst sehr spät (Anfang 19. Jhd.) ergeben, wohl wegen der möglichen und damals häufigen Komplikationen, vor allem dem Kindbettfieber. Vor Semmelweiss endete jede 5. Schwangerschaft mit dem Tod der Gebärenden.
    Insofern ist die Enthospitalisierung der normalen Schwangerschaft zu begrüssen. Risikoschwangerschaften kann man vorher aussortieren.

    • Muttis Liebling sagt:

      2/ Völlig ohne Assistenz, auch ohne Hebamme dürften 95% aller Geburten kein Problem darstellen. Aber Verluste gibt es dabei natürlich. Bekanntlich hat die Anatomie des Menschen gegenüber der der Tiere den gravierenden Nachteil der Möglichmachung des aufrechten Ganges, was für den Geburtskanal problematisch ist. Die sich daraus herleitenden möglichen Komplikationen lassen sich nicht immer vorhersehen.
      Fraglich erscheint mir aber vor allem die psychische Verfasstheit der potentiellen Eltern. Das aktuelle 150%- ige Sicherheitsbedürfnis muss man sich natürlich abschminken.

    • Muttis Liebling sagt:

      3/ Sollte dieser Trend anhalten, wird es die Spitäler freuen. Seit der Fallpauschale sind nur noch Frühgeburten finanziell lukrativ, normale Geburten hingegen sind defizitär. Besonders kleine Häuser würden gern die Gebärstationen schliessen und in selbstständige Geburtshäuser überführen. Das hätte den Vorteil, dass der Gyn- OP trotzdem in Reichweite ist und stellt ökonomisch und medizinisch deshalb die beste Lösung dar.

    • Muttis Liebling sagt:

      4/ Die beiden Links, auf welche der Blog erweist legen allerdings nahe, dass es sich um einen kommerziell getriggerten Nischentrend in der gleichen Zielgruppe handelt, in welcher sich z.B. auch die Impfgegner finden.

      • Jane Bissig sagt:

        @ML: Und wer näht dann einen Dammriss? Kein Problem ist doch auch relativ. Nicht lebensbedrohlich sind die 95% vielleicht schon. Aber so eine Fachperson dabei haben, so dass ich mich aufs Gebären konzentrieren konnte und nicht z.B. über das Wohlergehen des Babys nachdenken musste, fand ich eigentlich noch gut.

      • Muttis Liebling sagt:

        Wer näht den Dammriss bei der Hausgeburt? Der hinzugezogene Notarzt. Im Gebärhaus der Bereitschaftsarzt des assoziierten Spitals.
        Ich nehme sowieso an, dass es die zur Diskussion stehenden alleingebärenden Frauen vor allem in Gegenden gibt, in welcher der Notarztwagen in 15 min vor Ort ist, wie es z.B. bei Schlaganfall oder Herzinfarkt gefordert ist.

        Mit der Null- Fehler- Einstellung kann man gar kein Betreuungsregime installieren. Dann muss man auch das Nägelschneiden ins Spital verlegen, weil es zu Verletzungen des Nagelbetts kommen kann, welche zu tödlicher Sepsis führen können.

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Muttis Liebling

      „Völlig ohne Assistenz, auch ohne Hebamme dürften 95% aller Geburten kein Problem darstellen.“

      95% der Geburten in hochzivilisierten Ländern oder weltweit?
      Und auch nur in „hochzivilisiert“ wär ich mir da nicht so sicher.
      Zumal wir zwar Semmelweiss hatten, dafür aber oft sozial eher kleinräumig leben, hätt mir grad noch gefehlt mich auch noch ums ver bl utete Bettzeug etc kümmern zu müssen…

      • Muttis Liebling sagt:

        Die 95% betreffen hiesige Verhältnisse mit engmaschiger pränataler Betreuung. Risiken werden da im Regelfall ausreichend früh rausgefiltert. Allerdings gibt es keinen Grund, bei einer Hausgeburt auf die Hebamme zu verzichten. Aber man kann es und das mittlere Risiko bleibt unter 5%, wahrscheinlich sogar 3%.
        Sonst müsste man zum angeschnittenen Thema eine rigoros ablehnende Haltung einnehmen, was aber nicht zwingend notwendig ist. Ausser man ist Null- Risiko- Fanatiker, aber die haben genauso Pech wie alle anderen.

      • Muttis Liebling sagt:

        Die 95% betreffen hiesige Verhältnisse mit engmaschiger pränataler Betreuung. Risiken werden da im Regelfall ausreichend früh rausgefiltert. Allerdings gibt es keinen Grund, bei einer Hausgeburt auf die Hebamme zu verzichten. Aber man kann es und das mittlere Risiko bleibt unter 5%, wahrscheinlich sogar 3%.
        Sonst müsste man zum angeschnittenen Thema eine rigoros ablehnende Haltung einnehmen, was aber nicht zwingend notwendig ist. Ausser man ist Null- Risiko- Fanatiker, aber die haben genauso Pech wie alle anderen.

    • David Stoop sagt:

      Ich verstehe Ihre Argumente nicht. Einerseits verweisen Sie auf die früher hohe Sterblichkeit für Mutter und Kind, welche man mit der Hospitalisierung effektiv zum Verschwinden brachte, andererseits wollen Sie keine Hospitalisierung, weil das früher nicht so war. D.h. doch übersetzt, dass Sie früher als schlecht betrachten, es aber trotzdem wieder so haben wollen. Ist das nicht ein absoluter Widerspruch?
      Was ist mit den Risiken, die man vorab unterschätzt oder nicht erkennt? Das Leben und die Geburt sind nicht vorab zu 100% planbar.

      • Gundel sagt:

        Danke Herr Stoop. Dieser argumentarische Nonsense ist mir auch aufgefallen: Der grosse Schnitt bei Geburtensterblichkeit kam, als sie unter ärztlicher Assistenz durchgeführt wurde. Das sollte eigentlich jegliche Diskussion erübrigen.
        Dass es heute auch so gut ohne Arzt geht, liegt nur daran, dass man im Notfall sofort mit Blaulicht ins Spital fahren kann.

      • Muttis Liebling sagt:

        Die 20% Müttersterblichkeit vor 1860-70 gingen auf Kosten des Kindbettfiebers, also der mangelnden Hygiene. Das hat sich ein für allemal erledigt. Risiken allerdings gibt es immer und 100% Sicherheit gibt es (zum Glück) keine.
        Wenn man mit 3-5% Sterblichkeitsrisiko für Mutter und/oder Kind leben kann, darf man beliebig gebären, von mir aus im Wald oder zu Hause in der Badewanne.
        Wer mehr Sicherheit sucht, findet die im Geburtenhaus. Nur eine Minderheit von geschätzt <=3% der Gebärenden muss das unter ärztlicher Aufsicht im Spital tun. Im allgemeinen ist das Spital eine Nummer zu hoch dafür.

      • Gundel sagt:

        5% gleich jede 20. Geburt – es gibt Leute unter uns, die finden ein Leben so kostbar (erst recht das eigene oder das des eigenen Kindes), dass sie es nicht 1:20 riskieren wollen, nur wegen ein paar mimosenhafter Befindlichkeiten – oder einem Statistiker, dem jeder humane Gedanke abhanden gekommen ist.

      • Manuela sagt:

        Ich muss ML recht geben. wer das Risiko tragen kann, der soll das tun. Wahrscheinlich kann man aber das Risiko nicht immer richtig abschätzen als Gebärende. Unter Wehen funktioniert nicht jedes Hirn ausreichend rational. Da liegt vielleicht ein großes Problem. Die Frauen beschäftigen sich zu wenig mit Interventionen solange sie noch klar im Kopf sind. Unter Wehen dann mal kurz alles umzuplanen dürfte fast alle Frauen überfordern. Darum auch hinterher die Verwirrung… Man muss sich mit Risiken beizeiten auseinander setzen.

      • Widerspenstige sagt:

        ML, das ist schon eine verrückte Entwicklung, wenn man es aus der anthropologischen Perspektive betrachtet: ‚Seit der Fallpauschale sind nur noch Frühgeburten finanziell lukrativ, normale Geburten hingegen sind defizitär…‘ Es geht beim Krankenwesen um Profit und immer weniger um den Ursprung des Menschseins wie zB eine Geburt mit allem drum und dran! Wofür unterhalten wir Spitäler, wenn der Grundgedanke – Leben erhalten u dazu gehört zuoberst eine Geburt! – als defizitärer ‚Balast‘ ins Geburtshaus abgeschoben wird? Darf dort auch eine PDA von der Hebamme gemacht werden?

      • Muttis Liebling sagt:

        WS, die Schweizer Spitäler sind Therapiekaufhäuser, die entlang einer 1000- seitigen Preisliste entsprechende Leistungen möglichst profitabel verkaufen. Die Weichen dafür wurden 1996 mit dem KVG gestellt und das kluge Volk hat es wohl versäumt, sein Veto einzulegen, was ja zu Beginn locker möglich gewesen wäre.
        Nun kostet eine normale Entbindung laut Liste um 4.200 Franken und dafür kann man die notwendige Infrastruktur bis hin zur OP- Bereitschaft nicht finanzieren. Manchmal sitzen die Hebammen auch mal die ganze Schicht Däumchen drehend, müssen aber dennoch bezahlt werden.

      • Muttis Liebling sagt:

        2/ Der humanistische Grundgedanke und die ärztliche Ethik wurden, wie gesagt unter aller Augen, mehrstufig beerdigt und die Beerdigung hält an. Aktuell, indem Spitäler privatisiert werden. Aber wie bemerkt, es ist das Land der direkten Demokratie und wenn das keinen stört und keine gegensteuert muss es wohl richtig sein.
        Die Hebamme darf natürlich keine PDA einleiten, bekommt aber 97-99% der Entbindungen auch ohne invasive Eingriffe hin. Das Gebärhaus funktioniert, wenn es räumlich in oder am Spital mit Gynäkologie beheimatet ist.
        Auch ohne Hebamme ist das Risiko überschaubar, nur warum?.

  • Schlumpfine sagt:

    Von Hebammenseite wird es oft so dargestellt, als würden Frauen ausschliesslich von der Ärzteschaft um des Geldes willen unter Druck gesetzt, sich dieser oder jener Behandlung zu unterziehen. Selbstbestimmung bedeutet aus ihrer Sicht, medizinische Massnahmen zugunsten einer natürlichen Geburt abzulehnen. Meine und die Erfahrung anderer Mütter in meinem Umfeld sehen da etwas anders aus. Während sich viele von ihrer Gynäkologin vorbehaltlos in ihren Entscheidungen unterstützt fühlten, wurde gerade von Hebammenseite mitunter ein latenter Druck ausgeübt, natürlich gebären zu müssen.

    • Paul Jenni sagt:

      Wir haben das ähnlich erlebt. Unsere Tochter wurde aus Steisslage geboren. Während uns die Ärztinnen sachlich und neutral beraten haben (natürliche Geburt, Kaiserschnitt), hat die Hebamme meine Frau geradezu zu einer natürlichen Geburt zu drängen versucht, notabene in einer speziellen Klinik, rund zwei Autostunden entfernt und auf der anderen Seite des Gubrist. Unsere Tochter wurde dann bei uns im Kantonsspital natürlich geboren, alles ging gut und das Team (inkl. Spitalhebammen) war super.
      Für Vorbereitung und Nachbetreuung der nächsten Geburt werden wir uns aber eine andere Hebamme suchen.

      • Lara Müller sagt:

        Wir hatten von beginn weg das OK des Frauenarztes für einen Kaiserschnitt, wurden aber mit vielen Argumenten für das Uni-Spital ausgerüstet weil dort anscheinend gegen den KS gesprochen würde. Das haben wir aber nicht so empfunden. Im Gegenteil wurde unserem Wunsch kommentarlos mit entsprechenden Aufklärung über Risiken entsprochen. Die Hebamme konnte es sich dann aber nicht verkneifen ihre Meinung kund zu tun uns sie konnte sich auch ihre Genugtuung ab meinen Schmerzen an der Narbe nicht verkneifen. Den Kollegenkreis haben wir weitgehend belogen – weil wir einfach keine Lust auf Diskussionen

      • Martin Frey sagt:

        Leider betrachtet ein wenn auch kleinerer Teil der Hebammen die Geburt als ideologischen Kampfplatz mit der Ärzteschaft, der nur zu oft auf dem Buckel der Gebärenden sowie des Ungeborenen ausgetragen wird.
        Hier gilt das gleiche wie bei den Ärzten und anderen Berufsgruppen. Man soll den Mut haben sich von der Person zu trennen und jemand anders zu wählen . Nicht nur vor der Geburt sondern auch unter der Geburt. Wenn es nicht auszuhalten ist verlangen Sie rechtzeitig ein Gespräch mit einem kaderarzt

      • Jane Bissig sagt:

        Bei mir hat zwar die Ärtztin auch etwas Stress gemacht, da sie aber noch vieles anderes zu tun hatte, konnen wir, die Hebammen und ich, sie weitgehend ignorieren. Was mich aber immer noch manchmalj unangenehm verfolgt ist der Stimmungsumschwung der jungen Hebamme, als ich eine PDA verlangte. Hatte sie vorher noch meine Selbstbestimmtheit gelobt, dass ich mitredete und nicht einfach gehorchte, war sie danach nur noch halb so herzlich.

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