Mein Baby fällt mir bestimmt nicht runter

Ein Papablog von Markus Tschannen*

Holding Life

Gefährlich wirds, wenn Babys plötzlich «der Schwerkraft anheim fallen». Foto: Achim Schrepfer, Flickr

Heute hauen wir mal nicht Forenmuttis oder Herrn Pickert in die Pfanne, sondern mich. Das wird ein Fest.

Die Geschichte beginnt mit einer grossen Portion Überheblichkeit. Beim ersten Untersuchungstermin des Babys drückte mir der Kinderarzt einen Faltprospekt in die Hand. Bestimmt stand darauf so etwas wie: «Ratgeber Kindergesundheit – Unfälle vermeiden!». In meiner Erinnerung jedoch lautet der Titel eher: «Ey du Depp, pass mal auf, dass dir dein Kind nicht vom Wickeltisch fällt!». Mein Blick war unmissverständlich: «Äh hallo, ich bin doch nicht dumm. Ich kann zwar keinen Ball fangen, aber bestimmt ein Kind festhalten.»

Der Kinderarzt erkannte diesen Blick natürlich sofort und fügte mit ernstem Gesicht an: «Es passiert leider immer noch viel zu oft, dass Babys vom Mobiliar fallen.» Ich bestätigte mit: «Aha, jaja.»

Wir spulen sieben Monate vor: Das Baby befindet sich gerade im freien Fall vom Sofa auf den Parkettboden. (Eigentlich Laminat, wir sind arme Leute.) Was war passiert? Die Frau und ich sassen auf dem Sofa, das Baby scheinbar wohlbehütet dazwischen. Plötzlich streckte es seine Arme zur Sofakante und zog sich mit einem Ruck darüber. Während wir in Zeitlupe «Naaaaaaain!» schreien und nach dem Baby greifen, beschleunigt es auf knapp Schallgeschwindigkeit. Wir kriegen es tatsächlich zu fassen, kurz NACHDEM seine Stirn auf dem Boden aufgeschlagen hat.

Es folgen die üblichen Schritte:

1) Weinen: «Wuääääähähäwäää!»
2) Trösten: «Ohh … armes Baby … pschsch … alles wird gut.»
3) Alles ist wieder gut: «Siehst du?»
4) Beule beobachten: «Schon ein bisschen rot, aber könnte schlimmer sein.»
5) Gewissensberuhigung: «War ja nicht so hoch. Das billige Laminat dämpft bestimmt! Zum Glück haben wir nicht Parkett.»
6) Unsicherheit: «Hm, komisch, hat sich der Schädel schon immer so angefühlt? War da nicht mal die Fontanelle? Hier müsste doch …»
7) Der unvermeidbare Entscheid: «Ja, du hast recht, wir fahren besser.»

Natürlich ist es schon spät am Abend. Wir fahren also in den Kindernotfall. Immerhin: Ich kann endlich das Kurvenlicht am neuen Auto testen. Es funktioniert bestens. Die Ärztin findet am Baby auch keine Auffälligkeiten, und unsere Beschreibung klinge zwar blumig, aber nicht dramatisch. Wir erwähnen zur Sicherheit noch, dass das Baby im Wartezimmer gespuckt hat, aber das sei bestimmt kein Grund zur Sor…
Die Ärztin unterbricht: «Gespuckt oder erbrochen?»

Eltern: «Puh, schwer zu sagen, es hat noch nie richtig gekötzelt. Es war schon nicht wenig …»
Ärztin: «Einen Moment bitte.»

Ärztin nach einer Besprechung mit anderen Ärzten: «Erbrechen kann Zeichen einer Gehirnerschütterung sein. Wir würden Ihr Kind gerne über Nacht beobachten

Eltern: «Ja äh … wenn Sie meinen.»

Ärztin: «Leider haben wir keinen Platz. Aber ich habe bereits das Spital in der nächsten Stadt informiert. Sie werden dort erwartet.»

Man kann in so einer Situation ja nicht mehr zurückrudern. Fünf Minuten später sind wir in besagter Stadt (dafür muss man das Ruhrgebiet lieben) und quartieren uns für die Nacht ein. Es sollte eine schlimme Nacht werden. Bettnachbar ist der kleine Ömir. Ein sehr niedliches Baby, aber in ihm steckt ein dunkles Geheimnis. Seit der Darmoperation am Vortag kann er zum ersten Mal seit sechs Monaten gross. Ömir drückt die ganze Nacht.

Am nächsten Tag meint die Ärztin, dass nichts auffällig sei. Abgesehen natürlich von Ömirs Windel. Sie würde unser Baby aber gerne 48 Stunden überwachen. Sicher ist sicher. (Nei würklech?) Leider müssten wir dazu in ein Zimmer ohne Bad wechseln.

«Immerhin sind wir im neuen Zimmer allein», denken wir, kurz BEVOR eine fünfköpfige Familie mit gebatikten Kleidern den Raum betritt. Sie sind da, weil Krishna, der älteste Sohn … äh, keine Ahnung, was er hatte. Als seine Mutter der Schwester vordiktiert, wie Krishnas Speisen zubereitet werden müssen, rufen wir die Ärztin. Wir entlasten sie mit zig Unterschriften von jeder Verantwortung und verlassen das Spital fluchtartig.

Das Erlebte war eine gerechte Strafe für unsere Unachtsamkeit. Ich habe mir zwar kaum Sorgen um das Baby gemacht, schliesslich wussten wir, dass die Wahrscheinlichkeit einer ernsten Verletzung klein war. Aber wir wollten auch kein Risiko eingehen, denn mit Hirnblutung und -erschütterung ist nicht zu spassen. (Wirklich, null Humor die beiden.) Unter dem Strich bleibt uns ein unangenehmer Spitalaufenthalt in Erinnerung.

Diese Geschichte endet mit etwas mehr Bescheidenheit. Ich habe nämlich zwei Dinge gelernt:
1) Nur weil ich früher dachte, ich werde mal der beste Vater sein, bin ich es noch nicht automatisch. Eine Erkenntnis, die mir fast täglich dämmert.
2) Es stimmt tatsächlich, was in diesen Faltprospekten steht: Kinder können ohne Vorwarnung plötzlich unglaublich gefährliche Kunststücke wie «sich bewegen» oder «der Schwerkraft anheimfallen». Wenn man ihnen nicht dauernd einen Schritt voraus ist, pflanzen sie irgendwann ihr Gesicht aufs Laminat.

Zum Glück bin ich unglaublich lernfähig. Und überzeugt, dass mir mein Baby jetzt nie mehr irgendwo runterfällt.

tschannen*Markus Tschannen lebt mit Frau und Baby wochenweise in Bern und Bochum. Unter dem Pseudonym @souslik nötigt er auf Twitter rund 8000 Follower, an seinem Leben teilzuhaben.

63 Kommentare zu «Mein Baby fällt mir bestimmt nicht runter»

  • Andrea sagt:

    Danke Herr Tschannen für Ihre humorvollen Texte. Sie sind eine unglaubliche Bereicherung für den Mamablog, und ich freue mich bereits auf Ihren nächsten Beitrag.

  • Cybot sagt:

    Schöner Artikel. Jetzt frag ich mich grad, ob ich über meinen schönen Steinboden im Wohnzimmer nicht vielleicht doch für ein paar Jahre ein etwas weicheres Laminat (am besten mit viel Weichmachern drin…) legen sollte. Oder vielleicht doch gleich die Gummizellen-Ausstattung…

  • Mimame sagt:

    die Stürze auf den Kopf sind vor allem schrecklich für Eltern und da ist es nur verständlich sich bei Fachpersonal abzusichern und Gewissheit zu bekommen, dass alles in Ordnung ist.
    Im Anschluss empfiehlt sich vor allem eine ostheopatische Behandlung, um kleinste Veränderungen/Verschiebungen der Knochen und Nerven für das weitere enorme Wachsen wieder zu berichtigen.

  • Manuela sagt:

    Das Problem ist, das man als Eltern zwar Gefahren erkennen muss und die Kinder auch vor einigen schützen, dass man aber vor Allem mit den Kindern trainieren muss.Sie sollen z.B. keine Angst vor Höhe haben, denn dann werden sie unsicher und fallen ganz gewiss. Man sollte sie tatsächlich schon früh auf jede Klettermöglichkeit rausjagen, damit sie begleitet lernen, wie man rauf und auch wieder heil runter kommt. Und damit sie trainieren und lernen, was sie sich schon zumuten können, ohne die leichte Selbstüberschätzung, die’s braucht, zu verlieren. Besser wild als ängstlich, dann passiert weniger

  • Teilzeitpapi sagt:

    „Zum Glück bin ich unglaublich lernfähig. Und überzeugt, dass mir mein Baby jetzt nie mehr irgendwo runterfällt.“ Früher oder später müssen Sie entscheiden, wo Sie sich positionieren, wie sie mit telefonbuchdicken Auflagen für Kinderspielplätze (die Sie vielleicht nie selbst lesen, aber die in solchen Phänomenen erscheinende Haltung treffen Sie überall an) umgehen. Und egal, was Sie unternehmen, auch Ihr Kind kann invalide werden oder sogar sterben, auch wenn heutzutage beide Risiken minimiert sind.

    • Teilzeitpapi sagt:

      Jedes Mal, wenn wir mit den Kindern im Spital waren wurde mir wieder bewusst, wie verletzlich wir Menschen sind. Dass das Leben etwas Wunderbares ist. Dass unsere Top-Notfallmedizin ein grosses Geschenk ist, ohne die viele nicht mehr oder schlechter leben würden. Danke, liebe Ärztinnen, Ärzte, RettungssanitäterInnen, Pflegefachleute da draussen! Gleichzeitig gilt es, nach solchen Inanspruchnahmen nicht ängstlich zu werden. Die meisten Ursachen, wegen denen Kinder früher starben, sind besiegt.

    • Teilzeitpapi sagt:

      Bei den Gefahren gilt es zu unterscheiden in natürliche, mit denen Kindern seit zig Tausenden von Jahren gross wurden (meist in Kindergruppen ohne oder nur wenigen Erwachsenen, die anderweitig beschäftigt waren), und solchen, mit denen sie erst seit kurzem in der Menschheitsgeschichte konfrontiert sind. Sie von den natürlichen Gefahren fernzuhalten bedeutet, ihnen Training zu versagen (Kinder suchen sich da meist Herausforderungen, die sie gerade noch schaffen). Sie den anderen, neueren Gefahren auszusetzen ist hingegen fahrlässig (Steckdosen, Wickeltische, etc.).

    • Teilzeitpapi sagt:

      Wer sich mit seiner Gefahreneinschätzung und den effektiven Gefahren auseinandersetzen will: http://www.gdv.de/wp-content/uploads/2012/08/Studie-Kinderunfaelle-Schmidt_GfK.pdf Der Verkehr wird überschätzt, das Zuhause und insbesondere Stürze unterschätzt. Wobei ein Sturz auf den Parkett- ,Laminat- oder Asphaltboden etwas anderes ist als ein Sturz auf den Waldboden. Der menschliche Körper ist nach wie vor auf das Überleben in der Natur ausgerichtet.

    • Teilzeitpapi sagt:

      Und die wahrscheinlich grössten Risiken, die vermutlich von vielen Eltern kaum gesehen werden (da die Folgen erst längerfristig auftreten und nicht mehr direkt den Ursachen zugeordnet werden können) sind Lebensstilgefahren. Daran gewöhnt sein, überall hingefahren zu werden (Knochendichte, Muskelaufbau, usw.). Gewöhnt sein, dass alles süss schmecken muss (es gibt nicht nur Dicke, sondern auch TOFIs). Gewöhnt sein, drinnen zu sein. Gewöhnt sein, die Welt und Natur durch Glas wahrzunehmen (Fensterscheiben, Bildschirme). Weil z.B. Hautkrebs die grössere Gefahr als Vitamin D-Mangel ist.

  • Teilzeitpapi sagt:

    „Nur weil ich früher dachte, ich werde mal der beste Vater sein, bin ich es noch nicht automatisch.“ Für Ihr Kind werden Sie lange Zeit der beste Vater sein. Geniessen Sie das. Ansonsten geben Sie wie wahrscheinlich die allermeisten Väter Ihr Bestes für Ihr Kind. Mehr können Sie nicht und Vergleiche sind immer relativ und haben meist viel mit (Selbst)Erwartungen zu tun.

    • Teilzeitpapi sagt:

      Manchmal muss man vielleicht auch ehrlich sein und sich sagen, dass man einfach Glück hatte und dankbar dafür sein. Ein Kinderarzt erzählte mal, dass es Kinder gibt, die vom Bett fallen und tot sind. Andere fallen mehrere Stockwerke hinunter (wenn ich mich richtig erinnere) und überleben. Wir sind verletzlich und robust zugleich und manchmal ist es Glück, was überwiegt. Wir können nicht alles kontrollieren und jedes Risiko ausschalten, auch wenn wir das gerne würden.

  • Michael Stocker sagt:

    Huch, beim Lesen Ihres Artikels erkenne ich mich wieder…
    Nach den ersten zwei Wochen hypervorsichtiges Handling der Kleinen bin ich nun in Wochen 3 und 4 sehr wahrscheinlich schon etwas zu relaxed am Werk. Besten Dank für das anschauliche Beispiel, ich werde in Zukunft wieder besser Acht geben.

  • Manuela sagt:

    Ha, warten Sie’s ab, nach dem 3. Kind zucken Sie nur noch mit den Schultern bei so einem Fall. Mein Tipp: Gehen sie mit eine/r befreundeten (Not)Arzt/Ärztin auf den Spielplatz und fragen Sie bei jedem Sturz eines Kindes: Wie Schlimm war das?
    Sie werden sich schnell wundern, wenn der/die sagt: Die 3 Meter runter in den Sand? Das ist nix Neurologisches… Dann steht das Kind auf und geht Schluchzend zur Mutter. Sie ahnen ja gar nicht, wo die Kinder alles runterfallen, wenn man sie lässt.

    Aber so ist das mit dem ersten Baby. Die wirklich kniffligen Dinge kommen noch…

    • Zugegeben, ich würde beim gleichen Sturz nicht mehr ins Spital fahren. Wir wollten ja auch erst nicht und haben das Spital dann auf eigenen Wunsch verlassen. Trotzdem hätte ich wieder ein mulmiges Gefühl, wenn das Kind irgendwo runterfällt und im Kopfstand landet.

      • Lala sagt:

        Solange ein Kind nicht erbricht und zwar nicht nur es bizzeli und mit den Augen auf Bewegung reagiert ist alles im grünen Bereich. In der Nacht 3-4 Mal ins Kinderzimmer und mit einer Taschenlampe die Reaktion der Pupillen überwachen. Taschenlampe ins Auge zünden, zieht sich die Pupille zusammen ist alles ok. Im Spital wird auch so überwacht.

      • Das dachte ich eigentlich auch und rechnete damit, dass wir wieder nach Hause geschickt werden. In den Kindernotfall fuhren wir nur, weil wir unsicher waren, ob die grosse Fontanelle nicht geschwollen ist. Die insgesamt drei behandelnden Ärzte schlossen das zum Glück aus. Trotzdem wollten sie das Baby 48 Stunden stationär überwachen (ohne schwallartiges Erbrechen und trotz Pupillenreaktion). Begründet haben sie es mit dem niedrigen Alter. Im Spital wurde das Kind übrigens an eine Überwachungsmaschine angeschlossen.

      • ka sagt:

        Mein mittleres Kind fiel unzählige Male auf den Hinterkopf, sie wollte mit 7 Montan schon unbedingt laufen, hat sich dann überall raufgezogen. Der schwere Kopf zog nach hinten und sie schlug jedes Mal mit dem Kopf auf den Parkett. (konnten uns einen teuren Parkett leisten:), zum Glück aber keine Bodenplatten). Einmal zwängte sie sich aus dem Trip Trap (Haltebügel und Tisch vorhanden) und viel rückwärts über die Lehne und schlug zuerst mit dem Kopf auf. Nach heftigem Weinen schlief sie dann immer ein. Ich bin nie ins Spital gefahren, die machen einem da nur Angst. Gutes Beobachten genügt

      • Susi sagt:

        @Lala: „In der Nacht 3-4 Mal ins Kinderzimmer und mit einer Taschenlampe die Reaktion der Pupillen überwachen. Taschenlampe ins Auge zünden, zieht sich die Pupille zusammen ist alles ok. Im Spital wird auch so überwacht.“

        Das Problem ist einfach, dass es sehr schnell gehen muss, falls sich dann eine Pupille nicht mehr zusammenzieht. Darum blieb ich mit meiner Tochter nach einem Sturz mit kurzer Bewusstlosigkeit im letzten Herbst auch über Nacht im Spital, obwohl man mich eigentlich vor die Wahl gestellt hatte. Ich könnte mir nie verzeihen, wenn ihr durch meine Sorglosigkeit etwas geschähe.

      • Martin Frey sagt:

        Entschuldigung, aber ganz so einfach ist das alles nicht, auch die sog. Commotio-Ueberwachung nicht. Es braucht schon etwas Erfahrung damit. Und gerade weil die Spitäler mit der Heimüberwachung durch die Eltern nicht so gute Erfahrung gemacht haben, behalten sie die Kinder im Zweifelsfall lieber mal im Spital.
        @ka: Das Angstmachen ist keineswegs ein Hobby der Aerzte, auch wenn Sie bis jetzt immer Glück gehabt haben. Man kann aber durchaus einmal Pech haben, und dann braucht es keine 3m Sturzhöhe.

    • Teilzeitpapi sagt:

      Ein Arzt (nicht Kinderarzt), den wir mal mit dem Kind aufsuchten, sagte mir, dass er nicht Kinderarzt sein möchte. Weil es sehr knifflig ist, unter den vielen Fällen von Kindern, bei denen alles normal ist, von alleine heilt, sich auswächst, usw. diejenigen Fälle herauszuerkennen, bei denen gehandelt werden muss. Das nächste Mal geht dann Herr Tschannen nicht mit dem Kind zum Arzt und Jahre später wird dann ein verschobener Wirbel als Ursache für irgendwelche Probleme festgestellt. Knifflig…

      • Valeria sagt:

        Naja, ohne entsprechendes Trauma (da brauchts dann schon etwas mehr), wird man auch auf der Notfalstation definitiv nicht nach einem verschobenen Wirbel suchen. Stellen Sie sich die Strahlenbelastung vor, wenn man da jedes mal ein Röntgen oder CT machen würde…

    • Lala sagt:

      @Susi ganz klar, sobald Bewusstlosigkeit im Spiel war, auch nur kurz, sieht das Ganze wieder anders aus, ich ging von Situationen aus wo das Kind nach dem Sturz sofort reagiert. Übrigens ist auch das reflexartige Hochheben von uns Eltern, aus Ärztesicht nicht zu empfehlen. Obwohl uns dies sehr schwer fällt. Will man doch sofort trösten. Im Prinzip wird empfohlen einen kurzen Moment Inne zu halten um die Situation einschätzen zu können. Übrigens finde ich einen Nothelferkurs für Säuglinge und Kleinkinder eine gute Sache.

  • angelina sagt:

    also vom wickeltisch ist mir noch keine gefallen und ich habe 4 da oben gehabt. sobald sie krabbeln konnten gabs natürlich die ersten unfälle. beim sofa hatten wir immer einen sturzabfänger am boden zwischen sofatisch und sofa und das war meine fitnessmatte die ziemlich dick ist. was bei uns am schlimmsten ist, wir feuern mit holz in einem alten ofen (wie bei „unsere kleine farm“) die wärme geht in den sitzofen und zu den oberen räumen gelangen die kinder via loch über dem sitzofen, welches ziemlich gross ist damit auch wir da durch kommen. jedenfalls sind sie auch schon von oben herab

    • angelina sagt:

      dort runtergefallen. komischerweise nie auf den kopf. entweder schlugen sie das rad oder sie landeten auf dem allerwertesten. hatten immer einen glücksengel dabei den der sitzofen besteht aus kacheln und die sitzfläche aus stein also ziemlich hart. am ofen haben sie sich auch schon die finger verbrannt. allerdings pro kind nur ein mal , dann wussten sie es.

  • Priska sagt:

    Ich widerspreche ihrer Idee von „gute Eltee sein“ und behaupte gar, ein Kind hat ein recht darauf, hinzufallen und sich zu verletzen. Mir tun Kinder leid, welche derart überbehütet und in Watte gepackt aufwachsen, dass sie nie hinfallen dürfen. Wie sollen sie so die Welt frei entdecken können und lernen mit Risiken, Frust und Schmerz umzugehen? Natürlich, als Mami habe ich auch die Verantwortung, das Kund vor größeren Unfällen und Verletzungen zu schützen. Aber kleine Unfälle gehören zum Leben!

    • Ich würde da unterscheiden zwischen Stürzen aus der Höhe, insbesondere bei Babys, und Kopf stossen bzw. hinfallen. Ich werde sicher nicht auf dem Spielplatz unter dem Klettergerüst stehen (höchstens mitklettern), habe aber schon den Anspruch, dass mein 7-monatiges Baby nicht vom Wickeltisch fällt.

      • Thomas sagt:

        Natürlich sollte ein Kleinkind nicht überbehütet aufwachsen, aber es hat auch ein Recht darauf, vor gewissen Gefahren bewahrt zu werden. Das „Recht“, sich den Arm oder was anderes zu brechen, kann das Kind auch noch wahrnehmen, wenn es das Risikos selber einschätzen kann, was die ganz kleinen jedenfalls noch nicht können und auch nicht tun. Ich bin jedenfalls ab einer gewissen Fallhöhe immer unter dem Klettergerüst gestanden, als meine noch klein waren.

    • Martin Frey sagt:

      Ein Sturz vom Wickeltisch gehört definitiv nicht zum Leben sondern ist vielmehr brandgefährlich, Priska. Auch es wenn glücklicherweise selten tragische Folgen nach sich zieht, passiert es doch immer wieder. Hier gibt es nichts schönzureden mit irgendwelchen „ein Recht auf Schrammen“-Argumenten.

    • Susi sagt:

      @Priska: „und behaupte gar, ein Kind hat ein recht darauf, hinzufallen und sich zu verletzen.“

      Ja, genau, Babies, fight for the right to fall off the Wickeltisch and to vertätsch the Kopf…

      • Stranger sagt:

        Unsere Kleine fiel aus dem Kindersitz in der Küche auf den Boden. Das war ihr erster Knochenbruch, das linke Schlüsselbein (und die Diagnose ist nicht leicht, wenn das Kind nicht zeigen kann, wo es weh tut…)

    • Hattori Hanzo sagt:

      Jetzt nehmen sie den Mund schon wieder voll, Herr Tschannen.
      Natürlich werden sie unter dem Klettergerüst stehen, wenn ihr zartes Kindlein erste Versuche auf dem Klettergerüst unternimmt, so wie sie es bei ersten Gehversuchen an der Hand halten.
      Mitklettern kommt in einem späteren Stadium, wenn das Kind bereits so viel Kletterfähigkeiten entwickelt hat, dass es alleine Klettern kann.

      • Hattori Hanzo sagt:

        Nur nicht so viel Angst – vor dem Etikett „überbehütender Vater/Mutter“.
        Darauf achten dass ein Baby nicht vom Wickeltisch fällt, ist keine Überbehütung. Denn das Baby kann aus unserer Unachtsamkeit nichts positives lernen. Das Kleinkind, das nicht vor der Strasse geschützt wird, entwickelt keine Fähigkeiten, wenn es vors Auto rennt.
        Erst das Schulkind, das gelernt hat, die Strasse zu überqueren, wird selbständiger, wenn man ihm, das dann auch zutraut, alleine zu tun. (Das als Beispiel)
        Wir müssen behüten und schrittweise Verantwortung übergeben. Dazu brauchen Gspüri, wann es an der Zeit ist.

      • Susi sagt:

        Beim Klettergerüst zu stehen, nützt meistens sowieso nichts. Die beiden Male, wo meine Tochter etwas ernsthafter vom Gerüst / von der Mauer fiel, stand ich direkt daneben, konnte aber nicht so schnell reagieren. Man überschätzt die Möglichkeit, ein Kind vor einem Sturz zu bewahren.

      • Susi sagt:

        Wickeltisch ist eine andere Geschichte. Man darf sich einfach nie, nie, niemals entfernen, und sei das auch nur einen Meter, so wie ich es tat, um den neuen Body schnell aus dem Schrank zu nehmen. Mein Kind drehte sich blitzschnell auf den Bauch und rutschte rückwärts, weil sie runter wollte. Fiel zuerst aufs Füdli, aber ich hatte einen halben Herzinfarkt.
        Mir ist auch ein Fall bekannt, wo ein Kind wegen eines Sturzes vom Wickeltisch starb.

      • Hattori Hanzo sagt:

        Ich dachte an ein Gerüst auf 2 Meter Höhe, wo mein Kleiner voller Angst Schritt für Schritt rüber wackelte. Ich konnte ihn jederzeit halten, falls er gefallen wäre. Das gab ihm erst die Sicherheit es überhaupt zu wagen.
        Mit zunehmender Sicherheit kann er jetzt alleine klettern. So wie radfahren, schwimmen, etc.
        Ich denke, alle Eltern handhaben das so.

        Überbehütung ist dort, wo ich ihn gar nicht klettern lasse, bzw. ich auf Schwimmflügel bestehe, obwohl es doch an der Zeit wäre, einige erste Schwimmzüge im tiefen Wasser zu versuchen. (Ich stehe natürlich behütend daneben.)

      • Susi sagt:

        @HH: „. Ich konnte ihn jederzeit halten, falls er gefallen wäre.“
        Das dachte ich eben auch. Das Gefühl kann aber täuschen.

    • Martin sagt:

      Ich schaetze einen Fall von einem Meter hohem Tisch ist sehr gefaehlich ein. Hingegen habe ich darauf verzichtet alle Kanten in den Raeumen abzutapen.

  • Sandro sagt:

    „Wir sind arm“ – aber ein Auto mit Kurvenlicht…

  • Heidi sagt:

    Ist sicher besser, wenn die ganz Kleinen noch nicht runterfallen. Etwas später tun sie es ja dann dauernd. Und jahrelang. Ich könnte bei „Wetten dass..?“ 100 Bodenbeläge am Aufschlaggeräusch eines Kinderkopfes blind erkennen.

    (Lustig auch, dass der Blog unter diesem hier „Sprung vom Kilimandscharo“ heisst. Perfekt. Wingsuit statt Body?)

  • Susi sagt:

    @Markus Tschannen: Hätte ich doch wie Sie diese Broschüre bekommen! Ich bin nämlich Ärzten gegenüber sehr autoritätsgläubig und vielleicht wäre unser Kind dann nicht vom Elternbett, vom Stuhl, vom Bein der Schwiegermutter, vom Wickeltisch hinuntergefallen…

    Schreiben Sie demnächst über das toxikologische Institut? Von denen habe ich erfahren, dass es nicht so schlimm ist, wenn ein Baby Wurzeln der Pflanze „Fensterblatt“ isst und es erst nach zwei ganzen Zigaretten gefährlich wird…

    • Mein Baby raucht maximal eine Zigarette am Tag. Dafür kratzt es die Rauhfasertapete von der Wand und isst sie. Keine Ahnung, ob ich damit zum toxikologischen Institut soll oder in den Baumarkt.

      • Susi sagt:

        Ich würde den Joker „toxikologisches Institut“ noch nicht wegen einer Rauhfasertapete ausspielen, ich glaube, die erstellen dort für Nummern, von denen ständig angerufen wird, eine Blacklist; man bekommt dann nämlich einen Einzahlungsschein für eine „freiwillige Spende“…

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Markus Tschannen

        rauchen ist wohl weniger schädlich als fertiggerauchte Kippen essen-
        was unbeaufsichtigten Krabbelkindern mit seltsamen Geschmacksverständnis
        je nach Umgebung dann durchaus mal passieren könnte,
        viel Spielraum gibts da nicht…

      • Susi sagt:

        @Brunhild: Ein 18 Monate altes Kind kann anscheinend 6 Kippen essen (oder eben zwei ganze Zigaretten), bevor es kritisch wird. Die im tox. Inst. sagten mir, das würde oft falsch eingeschätzt, weil eigentlich kein Kind auf die Idee kommt, 6 Kippen oder zwei ganze Zigis zu essen. Oder es sicher vorher erbricht, da Nikotin ein starker Reizstoff ist.

      • Susi sagt:

        Korrigendum: Meine Tochter war noch nicht jährig, als sie einen Biss (1cm) von einer Zigi ass und die Auskunft bezog sich auf jenes Alter (schätzungsweise 8-9 Monate)

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Susi

        danke für die exakten Infos

    • Sisifee sagt:

      Ah ja. Das mit dem Essen ist auch so eine Sache. Unsere Tochter steckt alles in den Mund. Wir haben da schon Schnecken, tote Fliegen und Steine rausgeholt. Vor zwei Tagen waren es rote Beeren, zum Glück die Hagenbutten vom Rosenstrauch.

      • Sisifee sagt:

        Ach ja, und eine FI-Schaltung kann ich auch wärmstens empfehlen. Unsere Söhne haben gerne in den Steckdosen geguselt, mit Nadeln, Kugelschreiber und allem möglichen. Trotz aller Verbote und Warnungen.

      • Stranger sagt:

        Also mir hat es eine gewischt, als ich ein kleiner Bub war. Tat weh, FI gab’s dort nicht, aber ich habe es überlebt.

  • Nina sagt:

    Mein Kind ist mir weder vom Wickeltisch noch vom Sofa oder Bett gefallen … ABER … ich hatte es locker auf meinem Arm, ohne den Baby-Oberkörper zu schützen. Das war so wochenlang problemlos gut gegangen. Bis zu diesem einen Abend, als mein Baby sich plötzlich im Oberkörper verdrehte, das Gleichgewicht verlor und dann einfach (immer noch auf meinem Arm sitzend) seitlich mit Schwung überkippt und mit dem Kopf auf das Stein-Fensterbrett knallte. Ergab zwei heftige Beulen, sehr viel Geschrei und ebenfalls einen Besuch im Krankenhaus. Shit happens – zum Glück nur einmal.

  • Romea sagt:

    Wie schön, dass ich frühmorgens schon so etwas lustiges zu lesen bekomme, herzlichen Dank Herr Tschannen für diesen Beitrag!
    Uns ist es auch so ergangen, der Fall vom hohen Ross ereilt wohl alle „perfekten“ Eltern früher oder später.

  • Ewen sagt:

    Wie kommt eigentlich jemand auf die Idee, dass ihm etwas niemals passieren könnte? Und das obschon es doch fast allen Eltern passiert? Wieso haben heutige Eltern ständig das Gefühl, sie seien die Besten, wo wir doch von allen anderen Eltern, die es uns zig Tausende von Jahren vorgemacht haben, wissen, dass jedes Elternteil ziemlich rasch auf die Welt kommt, wenn das Baby da ist, und erkennt, dass einem zu wenige Augen und Arme gewachsen sind, um es rund um die Uhr auffangen zu können? Wieso wollen heutige Eltern nicht einfach nur gute Eltern sein, statt die Besten?

    • Etwas Ehrgeiz ist ja nicht schlecht. Erstaunlich finde ich, dass Eltern auch denken, sie könnten es schaffen, perfekt zu sein. Glücklicherweise werden sie ja schnell eines Besseren belehrt.

      • angelina sagt:

        perfekt, kannst du vergessen. ist nicht möglich. jeder macht fehler. wir sind alles menschen. ausserdem find ichs nicht gut wenn der nachwuchs ständig überwacht wird (helikoptereltern). sie müssen fehler machen dürfen und auch mal hinfallen damit sie daraus lernen.

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Ewen
      @angelina

      kommt aufs Gebiet an, einen sicheren (perfekten) Umgang/Aufbewahrung von bspw Putzmitteln, Farben/Lacken und Medikamenten (etc) hake ich unter „Selbstverständlichkeit“ und nicht „Perfektionsanspruch“ ab.
      Klar, ab einem gewissen Altern kann so ein Kind entweder mit Hilfsmitteln oder alleine an das Zeug rankommen,
      doch grundlegende Sicherheitsmassnahmen sind einfach basics.
      Und haben nichts mit „lasst doch mal und entspannt euch, perfekt ist eh kein Mensch“ zu tun.

      • angelina sagt:

        @brunhild steiner.
        Also das gehört für mich ebenfalls zur selbdtverständlichkeit das man putzmittel, lacke und medis etc. Usw. Usf. Sicher verwahrt. Sowas gehört für mich nicht zum perfektionismus dazu und ist logisch.

  • Jana sagt:

    Hat doch nichts damit zu tun, ob man ein schlechter Vater ist. Ist halt eben ein Unfall, und kann passieren – nicht wie Schütteln etc. Von daher, klar kriegt man die Panik. Zum Glück ist nichts passiert. Aber warten Sie es nur ab, Herr Tschannen: bald kann die/der Kleine nämlich krabbeln, dann laufen und klettern – da sucht sie/er sich die Möbelstücke, von denen runtergefallen werden soll, bald selber aus.

    • Müsste ich „gute Eltern“ definieren, würde neben vielen anderen Punkten auch dazu gehören, dass sie Gefahrensituationen erkennen und vermeiden. Natürlich ohne das Kind durch übermässiges Beschützen einzuschränken. Gelingen dürfte das nur perfekten Eltern, also niemandem. Als naiver Mensch dachte ich aber früher tatsächlich, ich würde einmal der perfekte Vater sein. Heute lache und blogge ich drüber.

      • Sisifee sagt:

        Sie sind ein grossartiger Aufpasser, denn Ihr Baby ist nur vom Sofa gefallen. Unsere Tochter ist mit 9 Monaten die ganze Kellertreppe heruntergestürzt. Wir waren beide daheim, wohlgemerkt, es ist unser drittes Kind, nach 2 Jungs, ebenfalls mit sepktakulären Treppenstürzen, wohlgemerkt. Was habe ich mich geschämt im Spital, die Situation nicht besser antizipiert zu haben. Dass ich in den besagten 30 Sekunden unaufmerksam war, weil ich ein sms beantwortet habe. Passiert ist nichts ausser einer Beule. Wir haben dann einen Türschliesser angebracht, worauf hin die Katze sich eingeklemmt hat.

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