Weihnachtsstress? So ein Quatsch!

Children Prepare Christmas Cookies

Was gibt es Schöneres? Zwei Kinder freuen sich über die selbstgemachten Geuetzlis. Foto: Getty Images

Geschenkestress, Bastelstress, Backstress. Stress, wohin man schaut. Letzte Woche beklagte sich ein Freund schon mal vorsorglich über den anstehenden Stress an Heiligabend, wenn er zu seinem Vater «am Ende der Welt» fahren müsse, heute lese ich in einem Magazin, dass es doch immer das Gleiche sei, «der Vorweihnachtsstress treibt uns bis kurz vor den heiligen Tagen an». Und in einem Online-Interview erklärt mir ein Berater, dass Weihnachten purer Stress ist. «Für die Mutter, weil auf ihr die ganzen Vorbereitungen lasten. Und die Kinder sind durch den Wind, weil sie schon tagelang auf die Bescherung warten.»

Auf das Klischee «Mutter steht in der Küche, Vater hockt faul rum» will ich gar nicht näher eingehen. Auf die Stressklagen hingegen schon. Denn ich frage mich, ob wirklich alle so gestresst sind während der Vorweihnachtszeit, oder ob es einfach dazugehört, ein bisschen über den Weihnachtsstress zu jammern?

Hört man sich um, scheint es das Zuviel von allem zu sein, das die Menschen belastet. Zu viele Weihnachtsapéros, zu viele Geschenke, die man besorgen oder basteln muss, zu viele Familienbesuche. Oder andersherum: zu wenig Zeit für alles. Aber ist es nicht gerade dieser Punkt, der Weihnachten so besonders macht? Dass man sich bewusst Zeit nimmt? Fünf Geschäfte abklappert, bis man genau das Geschenk findet, das man sich vorgestellt hat. Wieder mal zwei Stunden mit dem Auto fährt, um die Eltern zu besuchen. Oder mit den Kindern einen ganzen Nachmittag lang bastelt, bis die Präsente für die ganze Verwandtschaft fertig sind.

Man schenkt sozusagen Zeit, auch wenn man das nicht so explizit sagt.

Ich schenke mir diese Zeit gleichzeitig auch selber, weil ich das Weihnachtstrara (im Gegensatz zur Mehrheit offenbar) in vollen Zügen geniesse. Die Adventsnachmittage mit den Kindern zum Beispiel, an denen man sich voll und ganz dem Basteln oder «Guezle» hingeben kann. Mir gefällt aber auch die Stimmung vor Weihnachten in der Stadt, wenn alles mit Lichtern dekoriert ist und in den Läden Wham und Bing Crosby ihre Weihnachtshits trällern. Viel Kitsch zur Ankurbelung der Verkäufe, ich weiss. Trotzdem war es wunderbar, mit meinen staunenden Kindern einen Ausflug zur Weihnachtsbeleuchtung Lucy zu machen und im Sihlcity im Einkaufsgetümmel mit meiner Tochter zu tanzen, als ein Entertainer Weihnachtssongs zum Besten gegeben hat.

Einschalten der Weihnachtsbeleuchtung Lucy mit Gospelchor. (Quelle: Youtube)

Aber natürlich gibt es nicht nur die lustigen Ausflüge und gemütlichen Bastelstunden. Die Weihnachten bedeuten auch ganz viel Organisation, gerade für Familien. Wir haben zum Beispiel viel mehr Termine über die Festtage als früher, weil Grosseltern, Gottis und Göttis die Kinder sehen wollen. Und anders als zu kinderlosen Zeiten sind wir nicht mehr eingeladen an Heiligabend, sondern laden selber ein. Stress total? Nicht wirklich, weil meine Mutter zum Beispiel den Apéro mitbringt an Heiligabend und uns damit entlastet und die Besucher an den folgenden Tagen auch mit Kaffee und Weihnachtsguezli zufrieden sind.

Zudem darf man sich bei uns auch mal ausklinken, wenn einem die ganzen Festivitäten zu viel werden. Mein Mann, selber nicht so ein extremer Weihnachtsfan wie ich, bleibt am 25. Dezember jeweils ganz gemütlich zu Hause, während ich mit den Kindern den zweiten Teil meiner Verwandtschaft besuche und dort nochmals feiere. Er hatte das vor ein paar Jahren ausnahmsweise mal so gemacht und Gefallen daran gefunden, so dass sein freier Nachmittag am Weihnachtstag mittlerweile fast schon zur Tradition gehört.

Was löst Weihnachten bei Ihnen aus, grossen Stress oder grosse Freude? Feiern Sie mit der ganzen Verwandtschaft und über mehrere Tage, oder verkriechen Sie sich zu Hause? Und wie hat sich das Weihnachtsfest bei Ihnen verändert, seit Sie Kinder haben?