Achtung, Kinder im Netz!

Ein Gastbeitrag von Martin Hermida*

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Gerade bei jüngeren Kindern sollten die Inhalte beschränkt werden: Drei Mädchen, die sich in den Ferien mit dem Smartphone und dem iPad beschäftigen. Foto: iStock

Die Welt von Kindern verändert sich entscheidend, wenn sie ein internetfähiges Gerät bekommen. Sie können Websites zu jedem erdenklichen Thema besuchen, das gesamte Wissen der Menschheit auf Wikipedia abrufen, online Programme zum Spielen oder Kreativsein nutzen und auf Foren, Blogs und in Chats zu allen möglichen Themen mitreden.

Im Internet gibt es kaum Beschränkungen. Alterskontrollen können mit einem Klick umgangen werden, Videoportale stellen alle möglichen Filme zur Verfügung und durch Web-TV können Kinder auch am Nachmittag die Filme des Spätprogramms schauen. Darüber hinaus können sie mit Menschen in Kontakt treten, die mit ihrem Offline-Leben gar nichts zu tun haben. Unsere Untersuchungen zeigen, dass Kinder bereits ab 10 Jahren beginnen, sich mit fremden Personen im Internet zu unterhalten.

Was also soll man als Eltern tun? Bei jüngeren Kindern ist es sinnvoll, eine Auswahl an Internetseiten zu treffen, die das Kind besuchen darf. Bei Smartphones und Tablets können zudem einzelne Funktionen, wie In-App-Käufe, das Herunterladen bestimmter Inhalte oder die Kamera, gesperrt werden (Links für iOS-Geräte und für Android). Dennoch sollten Eltern auch jüngere Kinder darauf hinweisen, dass man nie mit letzter Sicherheit weiss, wer sich hinter einem Online-Kontakt verbirgt.

Bei Jugendlichen von 15 oder 16 Jahren bringen Verbote weniger, doch wie bei jedem Schritt in die Selbständigkeit lohnt es sich, die neu gewonnene Freiheit mit den Jugendlichen zu besprechen. Gerade wenn es ums Internet geht, lassen sich viele Eltern vom technischen Wissen ihrer Kinder entmutigen. Doch das ist falsch, Eltern können bei wichtigen Aspekten des Internets sehr wohl mitreden. Für ein Gespräch eignen sich diese Fragen, die sich Jugendliche kaum von selbst stellen:

  • Wer steckt hinter den eigenen Lieblings-Internetseiten? Ein Einzelner? Ein Konzern?
  • Warum ist eine bestimmte Seite im Internet? Als Geschenk an die Nutzer? Oder muss sie dem Besitzer Geld einbringen? Wie bringt sie dem Besitzer Geld ein?
  • Mit wem hat man dank des Smartphones mehr Kontakt? Mit wem weniger?
  • Was gefällt einem an Facebook und Whatsapp? Und was stresst?
  • Was wäre mühsam, wenn man einen Tag kein Internet hätte? Was würde man in dieser Zeit machen? Gäbe es auch angenehme Seiten eines Offline-Tages?
  • Was ist das lustigste eigene Erlebnis im Zusammenhang mit dem Internet? Und was das schlimmste?

Unabhängig vom Alter ist es wichtig, Kindern zu erklären, dass sie sich bei unangenehmen Erlebnissen immer an die Eltern wenden können. Das tönt trivial, aber unsere Forschung zeigt, dass über die Hälfte der Eltern nichts von den schlechten Internet-Erfahrungen ihrer Kinder weiss (Lesen Sie dazu das Interview im Mamablog: Internet-Bekanntschaften: «Eltern wähnen sich in falscher Sicherheit»). Kinder beschäftigen dabei auch Dinge, die wir nicht unmittelbar mit dem Internet verknüpfen. Wenn sie in sozialen Netzwerken oder auf Nachrichtenportalen Bilder aus Kriegsgebieten sehen, zum Beispiel. Oder etwas über einen angeblichen Weltuntergang lesen.

Herminada_Martin_150* Martin Hermida arbeitet am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich (IPMZ). Er forscht und lehrt zum Einfluss neuer Medien auf die Gesellschaft. www.eukidsonline.ch