Tantra kann Sexleben retten

Ein Gastbeitrag von Martina Marti*

Sexualität ist eine grosse Ressource für eine Beziehung. «Sie schafft sowohl physisch als auch emotional viel Nähe und Verbundenheit, sagte vor wenigen Tagen die Psychologin Valentina Anderegg in einem Interview. Der «Tages-Anzeiger» berichtete über die Studie «Paare werden Eltern», die gemäss den Studienleitern das übergeordnete Ziel hat, herauszufinden, wie ein Paar erfüllt und glücklich bleibt – auch mit Kind. Dabei geht es um die Kommunikation von Paaren, um Überforderung, aber auch um Zusammenhalt. Mit der Studie wollen sie herausfinden, wie die Paarkompetenzen von werdenden Eltern so weit gestärkt werden können, dass die Zufriedenheit in der Partnerschaft auf einem stabilen Niveau gehalten oder sogar verbessert werden kann.

Eine Frau, die dies für sich persönlich bereits herausgefunden hat, ist Rahel, Tantra-Masseurin und Mutter dreier Kinder. Rahel B.** ist 45 Jahre alt, seit 26 Jahren verheiratet – und sie sagt, sie habe den besten Sex ihres Lebens. Mit ihrem eigenen Ehemann, wohl verstanden. Ihr Geheimnis: Tantra-Massagen. Gewürzt mit einigen Lebenserkenntnissen. Grund genug, sich mit Rahel zu unterhalten.

26 Ehejahre und drei Kinder. Das sind nicht unbedingt die Sex-Boosters, wie man weiss…
Stimmt, der Elternalltag ist der pure Lustkiller. Wir rasen von einem Termin zum nächsten und versuchen ständig, alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Was leider oft zu kurz kommt, ist die Paarzeit. Oder man ist für alles einfach zu müde. Das ging mir nicht anders…

Bis…?
Nach der Kleinkindphase fand bei mir eine grosse Selbstfindung statt. Übrigens scheint es vielen Frauen an diesem Punkt so zu gehen. Sie fragen sich: War das in sexueller Hinsicht jetzt wirklich schon alles? Kommt da nichts mehr? Durch Zufall bin ich dann auf Tantra-Massagen gestossen. Und habe den Versuch gewagt.

Ohne Ihren Ehemann?
Ich habe mir gewünscht – oder wünsche es mir noch immer – dass mein Mann mitzieht. Doch hat jeder seine ganz eigene, individuelle Entwicklung. Wir haben stets ganz offene Gespräche über meine Erfahrungen geführt. Und unsere Sexualität hat sich auch durch meinen Alleingang und die tief gehenden Erfahrungen total gewandelt, vertieft und wurde auf eine total neue Ebene gebracht, was auch ihn beglückt (schmunzelt).

Allein durch Ihre Entwicklung?
Die Frau ist ein komplexeres Wesen. Männer erleben Sexualität einfacher, klarer und sind in der Regel schneller zufrieden. Frauen berühren sich seltener selber, kennen dadurch ihre sexuellen Vorlieben nicht und können sie dadurch nicht mitteilen. Bereits eine einmalige Tantra-Massage sprengt sämtliche bisherigen Grenzen und zeigt einen völlig neuen Berührungsweg auf, der Frauen erstmals überhaupt zum Erwachen bringt. Dass so viel Befriedigung so einfach möglich ist, wissen die wenigsten Frauen. Absolut natürlich, dass die neu entdeckte Erfüllung in der Sexualität automatisch auf die Paarbeziehung übergeht.

Mittlerweile sind Sie selbst Tantra-Masseurin. Kann eine Tantra-Behandlung Ehen retten?
Retten, wenn sie am Ende ist, wohl kaum. Da kommen offene Gespräche an erster Stelle: Wer nicht offen über Frust und Lust reden kann, hats schwer. Da empfiehlt sich eher eine Paartherapie. Das Sexualleben retten kann eine Tantra-Massage aber definitiv.

Auf was muss sich ein Paar einstellen?
Dass ihre Bedürfnisse und Grenzen in allen Belangen bei uns stets oberste Priorität haben. Wir möchten Menschen einladen, neue, tief gehende Erfahrungen zu machen, die sie bisher nicht erlebt haben. Mit sinnlichen Berührungen über die Haut die Seele erreichen.

Wie oft ist Eifersucht Thema? Immerhin sind andere Menschen mit im Spiel…
Meiner Meinung nach stellt Eifersucht einen persönlichen Mangel dar. Vielleicht hilft die Vorstellung, dass es zum Tennisspielen auch erst einen Lehrer braucht.

Haben Sie für die Festtage einen ultimativen Paartipp parat?
Oft herrscht die Dynamik «Er sexuell frustriert, sie fühlt sich bedrängt». Der Teufelskreis läuft. Redet über euren Frust, so plump das klingen mag. Es ist unglaublich schwer, offen zu seinen Wünschen zu stehen. Schon das allein bewirkt viel. Und natürlich gemeinsame Räume schaffen. Tun, was man früher gerne zusammen gemacht hat, Spass haben, vielleicht auch mal mit dem Abkommen «Ohne Sex». Das ist Beziehungsarbeit.

Das, was viele umgehen möchten…
Exakt. Für die Karriere muss man krampfen, Kinder erziehen kostet Energie, Freundschaften müssen gepflegt werden – doch in der Partnerschaft soll einem alles ohne Zutun in den Schoss fallen. So geht das leider nicht.

** Rahel B. möchte nicht mit vollem Namen auftreten. Sie sagt, Tantra-Massagen geniessen noch nicht überall den Ruf, den sie verdienen würden. Ihre Identität bleibt deshalb zum Wohl ihrer Kinder verborgen.

bild_martina_marti* Martina Marti ist freie Journalistin und Psychosoziale Beraterin in eigener Praxis für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, www.martinamarti.ch. Sie lebt mit ihrem Mann und den gemeinsamen Kindern (Jg. 06 und 09) in der Nähe von Zürich.