Darum haben wir Kinder

Ein Papablog von Nils Pickert*

Vater und Tochter auf dem Velo in Honolulu. Foto: Chris Hunkeler (Flickr)

Eine der persönlichsten Entscheidungen, die Menschen treffen können: Vater und Tochter auf dem Velo in Honolulu. Foto: Chris Hunkeler (Flickr)

Man kann aus mehreren Gründen darüber nachdenken, warum Menschen überhaupt Kinder bekommen. Ecopop ist zum Beispiel so ein Anlass. Immerhin heisst die dafür verantwortliche Volksinitiative, welche die Zuwanderung in der Schweiz begrenzen will, «Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen» und hat sich auf die Fahnen geschrieben, mit externer (oder wie ich sie nenne: realitätsfern-paternalistischer) Familienpolitik Flüchtlingsströme zu begrenzen.

Wobei man fair bleiben muss: Angesichts der fortschreitenden Überpopulation unseres Planeten und der begrenzten Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, kann man schon fragen, ob wir uns nicht mit anderen Dingen als Fortpflanzung beschäftigen sollten. Weltfrieden, Marsbesiedelung, Trinkwasserqualität – es steht schon genug an, ohne dass wir unsere kurzen Aufmerksamkeitsspannen an unseren Nachwuchs hängen.

Man kann aber auch die eigene Situation reflektieren, um sich der Frage zu nähern: Wie kommen wir eigentlich dazu, (noch) Kinder in diese Welt zu setzen? Kultur-Redaktor Philippe Zweifel ist in einem Essay beiden Ansätzen gefolgt und hat einige interessante Punkte für und gegen Kinder aufgezeigt.

Ich möchte diese Punkte gern um einige persönliche Überlegungen ergänzen. Und zwar ausschliesslich persönliche, denn ich bin davon überzeugt, dass man mit der Zitierung von gesellschaftspolitisch motivierten Gründen zur Kinderzeugung am Thema vorbeiredet. Kinder für den Führer, den real existierenden Sozialismus oder die völkischen Ideale der seltsamen Damen und Herren von der AFD erzählen Ihnen genauso wenig wie Chinas Ein-Kind-Politik von den wirklichen Motiven der Menschen, Kinder zu bekommen. Schlimmer noch: In der entsprechenden Gesellschaft delegitimieren solche Gründe den jeweils nicht opportunen Wunsch von Menschen, Kinder oder eben bewusst keine Kinder zu haben, obwohl beidem die gleiche Bedeutung zukommt. Denn Kinder in die Welt zu setzen, macht erst einmal gar nichts besser. Und keine Kinder zu haben, ist auch keine Lösung. Stattdessen markiert beides eine der persönlichsten Entscheidungen, die Menschen treffen können, und sollte dementsprechend behandelt werden. Nicht mit staatstragender Übergriffigkeit, sondern mit Interesse und Respekt.

Warum also bekommen Menschen Kinder, wenn nicht für Volk und Vaterland? Es gibt unzählige Gründe. Aus Langeweile zum Beispiel. Oder weil man beim Vögeln so schön den Kopf ausschalten kann, und «es dann passiert». Manche bekommen Kinder, weil sie ihre kaputten Familienerfahrungen mit eigenen positiv besetzen wollen. Um es einfach besser zu machen. Einige bekommen Kinder, weil sie sich nach bedingungsloser Liebe und einer Aufgabe sehnen. Andere vertiefen oder flicken damit ihre Beziehung. (Vielleicht kennen Sie ja folgenden Satz oder haben ihn sogar schon einmal selbst gebraucht: «Entweder trennen wir uns jetzt, oder wir bekommen ein Kind!») Manch einer zeugt sogenannte Rettungsgeschwisterkinder, deren Organe dann für ein bereits vorhandenes Kind gespendet werden sollen.

Wieder andere fühlen sich nur mit eigenen Kindern vollständig und empfinden durch ihren Nachwuchs eine Verbindung zu einer Zukunft, in der sie nicht mehr stattfinden werden. Ich zähle mich ein bisschen zu Letzteren – als Vater dreier Kinder bin ich Wiederholungstäter und erlebe an mir auch diesen (un-)heimlichen Versuch, die Begrenztheit meines eigenen Lebens in meinen Kindern zu überwinden. Wir können uns für unsterblich halten oder Bücher schreiben und sie wie Schiffe auf den Ozean der Zeit setzen, um fortzudauern – nichts davon lässt sich für mich mit dem Zusammenleben und der Verantwortung für Kinder vergleichen, an deren völlig fremder Art, die Welt zu sehen, man teilhaben darf. Denn auch wenn Erziehung eigentlich das Bemühen von Erwachsenen beschreibt, Kindern die Welt und deren Regeln begreiflich zu machen, sind es doch sie, die uns darin erziehen, die Welt neu und mit ihren Augen zu sehen. Und deshalb fühlt es sich nicht nur unsäglich schmerzvoll und traurig an, ein Kind zu verlieren, sondern immer auch falsch. Selbst mir als Atheisten geht es so. Es ist einfach nicht richtig, seine Kinder zu überleben.

Ich habe allerdings noch aus einem anderen Grund Kinder bekommen. Und zwar weil ich mich damit auch dafür entschieden habe, Vater zu sein. Das mag spitzfindig wirken, macht aber einen grossen Unterschied. Das eine beschreibt eine Entscheidung für jemand anderen. Das andere ist eine Entscheidung für sich selbst. Vatersein heisst für mich, bedingungslos Verantwortung für einen anderen Menschen zu übernehmen, hinter die ich nicht zurücktrete. Nicht wenn wir getrennt sind, es mir schlecht geht oder es mir leichter fallen würde, entweder gar keine oder für andere Verantwortung zu übernehmen. Mein drittes Kind ist jetzt 3 Wochen alt. Und wenn es 85 Jahre alt ist und ich stolze 120, wird es immer noch genau das sein: mein drittes Kind.

Ich will und wollte genau diese Verantwortung. Eine, die mich nachts nicht schlafen lässt, mich sorgt und ängstigt. Eine, die meine jugendlichen Mutproben mühelos in den Schatten stellt. Eine, bei der es nicht hauptsächlich darum geht, ohne Vorbehalte und mit aller Konsequenz geliebt zu werden, sondern genauso zu lieben. Egal, was kommt. Wieder und wieder und wieder. Das machen Kinder mit einem. Als meine Tochter sieben Jahre alt war, wurde sie vor einer Urlaubsreise nach Italien von einem sehr unfreundlichen Verwandten gefragt, ob sie denn keine Angst vor dem Fliegen hätte. «Nein!», meinte meine Tochter. «Meine Familie fliegt ja mit mir. Wenn das Flugzeug abstürzt, sterben wir alle gemeinsam.»

Dass ich es nicht so hätte formulieren können, wäre schon ein guter Grund für mich, Kinder in die Welt zu setzen. Dass ich es wegen meiner Tochter so empfinden kann, wie sie es gesagt hat, ist ein noch besserer.

pickert150x150*Nils Pickert lebt mit seiner Familie in Süddeutschland. Er hat eine monatliche Kolumne auf Standard.at, in der er sich mit den männlichen Seiten der weiblichen Emanzipation beschäftigt.

122 Kommentare zu «Darum haben wir Kinder»

  • Hans Weder sagt:

    Wir sprechen hier in der Konsequenz von Menschen, über deren Leben (auch lange nach der Aufzucht) die Eltern massgeblich mit Ihrem Wirken Einfluss nehmen. Bewusst oder nicht, mit Absicht oder schlicht fahrlässig. Das bringt, wie von Herrn Pickert beschrieben, individuelle Verantwortung – aber eben auch erhebliche externe Effekte mit sich. Mit Kindern kommt gesellschaftliche Verantwortung, was romantisch kurzsichtig gerne übersehen wird. Darum: Reproduktion sollte nur dort stattfinden, wo negative Externalitäten weniger wahrscheinlich und aktiv reduzierbar sind – das stellt alle besser.

  • Walter Bernstein sagt:

    Heutzutage sollte man fragen:
    Warum wollen die Leute keine Kinder mehr bekommen?
    Denn seit dem Entstehen der Menschheit sind Familien mit Kindern der Normalfall gewesen.
    Nur heute nicht mehr.
    Liegt es am strengen Unterhaltsrecht? Am Hedonismus? An den vielen Freizeitangeboten? An den langen Arbeitszeiten?
    An den hohen Kosten für die (externe) Kinderbetreuung?
    Die Frage müsste eigentlich lauten: Warum bekommen die Menschen denn trotz allem immer noch Kinder?

    • Anna K. sagt:

      Vieleicht weil man sieht, dass Beruf&Familie schwer zu vereinbaren sind. Für mich war weder die Option 100%Hausfrau, noch die Version Teilzeit plus den ganzen Haushalt und das Familienleben managen, und schon gar nicht das Outsourcen der Kinder eine für mich stimmige Lösung. Mir war klar, ich habe nur Kinder,wenn ich mich einmal in einen Mann verliebe, der Hausmann/Teilzeithausmann sein will. Bin heute glücklich mit so einem Mann zusammen. Beide arbeiten weiter im Beruf, beide geniessen ihre Tage mit dem Kind, und das Kind hat vorallem in den ersten wichtigen Jahren seine Eltern. Aber nicht..

      • Anna K. sagt:

        nicht alle Eltern haben das Glück und können von nur einem Lohn leben, so wie wir (respektive von 2x 50%). Und den Stress, sein Kind einmal schon im Säuglingsalter morgens früh wecken,anziehen,parat machen und in eine Kita bringen zu müssen, ist eben auch nicht allen geheuer.
        Zeit für eine richtige ELTERNZEIT!
        So kann man die ersten wichtigen und sensiblen 2-3 Jahre voll für das Kind da sein anstatt einen Spagat um den nächsten machen zu müssen! Diese Perspektive von einem humanen, entspannten Start ins Leben (für Babies wie für Eltern) würde vielleicht wieder Lust auf (mehr) Kinder machen 🙂

  • Hanspeter Niederer sagt:

    Der Kinderwunsch ist ganz klar die Mutter aller Ego-Projekte. Es ist aber auch immer wieder schön zu sehen, wenn daraus echte Liebe und Fürsorglichkeit erwachsen für die Früchte dieser primären Selbstverliebtheit. Schlussfolgerung: Kinder in die Welt zu stellen ist der Versuch, die schmerzhaft empfundenen Mauern des eigenen Egos niederzureissen und in der „vereinfachten“ Liebe zum eigenen Kind Erlösung zu finden. Eltern lieben ihre Kinder eben nicht nur so sehr, weil es Kinder sind, sondern weil es die eigenen Kinder sind. Der Narzissmus als wichtigster Motor. Echte Liebe?

    • Maier Tom sagt:

      offensichtlich haben Sie noch nie in Kinderaugen geschaut, lieber Herr Niederer, ich garantiere Ihnen es gibt keine vorbehaltlosere und ehrlichere Liebe als die von Kindern. Aber man muss sie verdienen, und davor scheuen halt viele zurück, ich meine vom Satzteil „verdienen müssen“..

    • Nina sagt:

      Hm. Ich mochte Kinder schon immer. Aber seit ich Mutter bin, mag ich sie erst recht. Noch viel mehr. Und das gilt für alle, nicht nur für meine eigenen. Wenn mir fremde Kinder über den Weg laufen, spüre ich einen Anflug von Zuneigung und Verantwortungsgefühl, auch wenn es nicht meine sind. Einfach, weil es Kinder sind. Und wenn die in dem Moment Hilfe brauchen, wo ich vorbeikomme, dann können sie auf mich zählen. Woran liegt das nun? An meinem selbstherrlichen, egoistisch-narzissistischen Motor?

  • don bosso sagt:

    Eine ziemlich verklärte Sichtweise! Meist kommt der Kinderwunsch von der Frau und sie „überzeugt“ ihren Partner davon (der Satz «Entweder trennen wir uns jetzt, oder wir bekommen ein Kind!» sagt bereits alles). Sie stellt fest, dass 1) ihre biologische Uhr tickt 2) potentielle Partner ziehen allmählich jüngere Frauen vor 3) Männer viel einfacher ins Bett zu kriegen sind als sie Väter werden wollen. Falls die Zeit drängt wird sie alle Register ziehen, auch der obige Erpressungssatz. Angesichts der Scheidungsrate und frauenfreundlichen Gesetze ist „keine Kinder“ sehr wohl eine Option!

    • Manni Mann sagt:

      Ich kann nicht beurteilen ob Leute ihres Schlags die Mehrheit aller Männer bilden. Aber klar ist: don bosso, sie sind so, denken so und natürlich auch die Mehrheit ihres Umfelds.
      Nun gibt es aber Männer wie Pickert oder mich, oder wie viele andere in meinem Umfeld, die eben auch plötzlich den extrem starken Wunsch verspüren VATER zu werden, Verantwortung zu übernehmen, eine Liebe zu leben und weiterzugeben, die für Menschen ihres Schlages schlichtweg unbegreifbar bleiben muss.
      Vl. sollten sie das einfach mal zur Kenntnis nehmen: es gibt Männer, die ticken anders als ich und meine Kumpels.

  • Papi sagt:

    ich wollte zuerst auch keine Kinder in diese Welt setzen, kam aber dann zum Schluss: Wer, ausser meine eigenen Kinder, könnten/sollen diese Welt (zum Besseren) verändern? Heute bin ich Papi von zwei Söhnen (20 & 10) und sie machen mich ausserordentlich stolz und ich glaube sie sind dieser Aufgabe gewachsen 😉

  • Nina sagt:

    Herr Pickert, mir gefällt Ihre Themenwahl und die Art, wie die diese abhandeln, sehr! Unabhängig davon, ob ich gleicher Meinung bin oder nicht.

  • marianne reifers sagt:

    ich muss mich noch einmal melden, um die Dinge ins Licht zu rücken:
    ja, für mich war die Welt in Ordnung und ich wollte auch keine anderen Kinder haben! Sie sind in Ordnung. Aber ich musste mich trennen, um zu überleben und den Kindern ein Leben zu ermöglichen. Manchmal geschehen Dinge, die niemand voraussehen kann. Der Vater hat nicht viel aufbringen müssen, das habe ich geschafft. Er konnte sein Leben zu Ende leben, wie er es wollte. Und unsere Kinder sind schon längst erwachsen, sie lieben ihren verstorbenen Vater auf ihre Weise und verstehen unsere damalige Notlage. Es war unser Leben.

  • Peter Steiner sagt:

    Vorbemerkung: Den echten Sinn für sein Leben findet man am besten mit möglichst wenig Gepäck auf dem Rücken, d.h. auch ohne Kinder.

    Die Suche nach echter Verantwortung ehrt zwar den Autor. Er wird aber spätestens dann daran zerbrechen, wenn die Ehe in die Brüche geht und er sein Kind kaum mehr sieht.

    • Muttis Liebling sagt:

      Den Sinn des Lebens findet man nur Kommunikation und Arbeit, nicht durch Wohlstand, Spass, und was es noch so gibt.

  • Katharina sagt:

    Zum Glück haben Sie sich kein Zertifikat für ‚Gemeinwohltauglichkeit‘ Ihres Kindeswunsches ausstellen lassen, sondern stellen sich dem Lebensweg, den Sie und Ihre Partnerin gewählt haben, mit Poesie und Vertrauen. Und ab und zu geben Sie uns Einblicke, in fein poliertem Wortschmiedetum. Dafür mein Dank.

    • Katharina sagt:

      „Ozean der Zeit“ könnte von mir sein.

      Wir alle werden in dieses wunderschöne Mysterium geboren, mit hellen Augen der kindlichen Neugier.
      Wenn wir das Geschenk eines Kindes annehmen, so fällt ein neuer Stein bei seiner Geburt in den Teich der Zeit.

      Immerfort Wellen werfend, hin und zurück.
      Und die Herzen der Eltern berührend.

      Bis ein neuer Stein ankommt, im Ozean der Zeit.
      Und das Gewebe des Lebens immerfort neu schreibt, singt und lacht.

    • Katharina sagt:

      Aber Sie können das Gewebe von Zeit und Leben auch als Atem der Liebe sehen. Und das Kind als eine Turbulenz des Aushauchens, wenn Sie meiner Bildsprache folgen wollen.

      Deshalb möchte ich Ihnen dies widmen. Ein kleines Gedicht in Englisch, das ich einmal schrieb:

    • Katharina sagt:

      „your love is a bell’s chime.

      let it ring into the pond of time
      and let it’s flat stone dance on the surface of the water.
      it’s waves will emanate the sound across the entire pond
      to the end of the universe and back.

      the wave-sound of love will arrive back at your soul’s shore in resonance.

      upon which you drop the next stone.
      thus you create the sonata of your soul’s love.“

  • mooth sagt:

    Der Author hat das endlich mal sehr gut erklärt, so, dass es auch ein bewusst Kinderloser verstehen und respektieren kann. Zustimmen kann er natürlich nicht, weil aus dem Text auch klar hervorgeht, dass persönliche interessen höher gewertet werden als das Gemeinwohl, das an der weiter wachsenden Weltbevölkerung zu scheitern droht. Verkürzt kann man immerhin sagen, dass es mit Blick auf die Umwelt nicht schlimmer ist, ein Kind zu zeugen als einen Ferrari zu kaufen.

    • Mia sagt:

      Es haben aber leider sehr viel mehr Menschen Kinder als Ferraris. Und leider auch sehr viele Menschen, die keine Kinder haben sollten. Der Ferrari bekommt nur eine Beule, ein Kind trägt unter seelischer und körperlicher Grausamkeit grossen Schaden davon.

    • Muttis Liebling sagt:

      Immer dieses fehlerhafte Ding mit der Weltbevölkerung. Die ist erstens noch lange nicht zu gross (12 Mrd. sind locker möglich) und zweitens wächst die Weltbevölkerung nicht mehr wegen der Geburtlichkeit, sondern nur noch wegen der steigenden Lebenserwartung. Und das hält noch so 50 Jahre an. Dann stagniert es bei 9 Mrd. Alles andere als kritisch, das ist die Erde noch eher dünn besiedelt. Nur eins ist klar, Wohlstand und Ressourcenverschwendung müssen auch ein Ende finden.
      Wer das Bevölkerungswachstum stoppen will, muss die Sterblichkeit erhöhen.

      • Christoph Bögli sagt:

        Zwar ist es richtig, dass die (Über-)Bevölkerungsthematik nicht losgelöst vom Pro-Kopf-Ressourcenbedarf betrachten darf. Aber gerade diese Perspektive macht das Problem nicht besser, sondern zeigt es in vollem Ausmass. Denn in den Industrieländern ist der Ressourcenverbrauch pro Person nach wie vor viel zu hoch während dieser in den Schwellenländern massiv steigt – angesichts der heutigen, nach wie vor wachsenden Bevölkerungsgrösse fatal. Und da sich daran so schnell nichts ändern wird ist es durchaus zentral, auch das Bevölkerungswachstum (weiter) so stark wie möglich abzubremsen.

      • Christoph Bögli sagt:

        „Die Sterblichkeit erhöhen“ ist hingegen ein absurder Ansatz – oder was genau stellen Sie sich da für Massnahmen vor? Zumal Sterbe- und Geburtenrate zwei Seiten der gleichen Medaille sind, insofern ist es allemal naheliegender und humaner, ein Nullwachstum oder gar eine Abnahme der Weltbevölkerung über weniger Geburten zu erreichen.

      • Katharina sagt:

        Zur ‚Bevölkerungsexplosion‘ hat ML leider recht. die ist inexistent, wie dieser Statistiker (aus Schweden (!) ,-) ) eindrücklich darlegt:

        http://www.youtube.com/watch?v=Wd7K4cgrjng

      • Muttis Liebling sagt:

        Wieso leider, Katharina?

      • Muttis Liebling sagt:

        @Bögli, wen wollen sie denn hindern zu bekommen? Soll die 3. Welt für die degenerierten Schweizer ihre eigenen Werte nicht leben dürfen? Das ist ziemlich arrogant. Zumal es in diesen Ländern dann zu weitere soziale Folgekatastrophen auslösen würde. Natürlich erst nach 40-50 Jahren Zeitverzögerung, welche die verantwortungslosen Verursacher aus dem reichen Norden nicht miterleben müssen. In China beginnt das gerade.
        Wenn Sie das Thema interessiert, belesen Sie sich wenigstens oberflächlich. Da reichen Wikipedia und ein paar Skripts der Deutschen Gesellschaft für Demographie aus dem Netz.

      • Christoph Bögli sagt:

        @ML: Wo lesen Sie denn so etwas rein? Am effektivsten ist es natürlich, dort Ressourcenverbrauch und Bevölkerungsgrösse zu reduzieren, wo ersterer am grössten ist, also hier. Für den Rest der Welt darf man glücklicherweise davon ausgehen, dass die Geburtenraten mit steigendem Wohlstand weiter in den Keller geht. Kritisch wird es bloss, wenn die zunehmende Zerstörung von natürlichen Ressourcen die Zunahme des Wohlstands untergräbt, von da her bleibt zu hoffen, dass global mehr Nachhaltigkeit und weniger Umweltzerstörung angestrebt wird. Aber primär müssen wir selber anfangen.

      • Christoph Bögli sagt:

        @Katharina: Dass die Weltbevölkerung nicht „explodiert“, wie ein gängiger Mythos besagt, ist sicherlich richtig. Aus dem Schneider sind wir deswegen noch lange nicht, da auch sinkendes Wachstum vorderhand ein Wachstum bedeutet. Was umso problematischer ist, dass wie erwähnt weltweit der Ressourcenverbrauch pro Kopf auch steigt, was keine gute Kombination ist. Alles in allem gibts weder Anlass für Weltuntergangsstimmung noch naiven Optimismus..

  • Mike sagt:

    … Und weil keine Kinder haben jung hält, weil man viel mehr Zeit hat um fit zu bleiben, sich mit Freunden zu treffen, sich schön zu kleiden, schön zu wohnen, mehr reisen zu können und deshalb auch relaxter leben zu können. Die meisten (vor allem jungen) Eltern sehen ja immer so Müde aus und eben nicht mehr so jung :o)

    • Mark Altheer sagt:

      @Mike: Ich finde es interessant dass Du so konträr schreibst zu einem Thema dass Dir ja am A… vorbeigehen könnte. Könnte es sein dass Du selber keine Kinder hast weil Du keine bekommen kannst mit der aktuellen Partnerin? 😉

      • marielle sagt:

        Lieber Mark, findest du es nicht gelinde gesagt eine Unverschämtheit, dass du Mike hier unterstellst, er könne keine Kinder kriegen, nur weil er in seinem Leben andere Prioritäten setzt als du? Fändest du das lustig, wenn ich dir hier unterstelle, dass du es nur nötig hast, deine Freude an deinen Kindern hier so zur Schau zu stellen, weil du von deinem Leben mit Kindern doch nicht so begeistert bist? Ich denke nein. Und ich frage mich, weshalb es manchen Menschen so verdammt schwer fällt zu akzeptieren, dass jmd absolut keinen Kinderwunsch hegt und ein erfülltest Leben lebt.

    • Hermann sagt:

      Mike hat recht. Für viele Eltern sind die Kinder eine Belastung, die neben Beruf und allem gerade das ist, was zuviel ist. Kinder sind nicht nur positiv für eine eheliche Beziehung. Und anzutönen, Mike habe wohl Probleme Kinder zu zeugen, ist ganz einfach dumm.

      • fgee sagt:

        Logisch sind kleine Kinder eine Belastung! Wir hatten die ersten zwei nah aufeinander. Da sind wir beide nur noch „gsecklet“, in der Volkszählung gab ich damals 2x 70h Arbeit pro Woche an, davon 1x 40h bezahlt.

        Ja und? Das geht vorbei. Wir retteten uns durch diese Zeit mit einem „Eheabend“ pro Woche und einem „Eheweekend“ pro Jahr. Das gab uns Zeit, das Gemeinsame trotz kleiner Kinder zu pflegen. Das ist jetzt 14 Jahre her. Wir sind jetzt 18 Jahre zusammen und es ist immer noch schön.

    • Susi sagt:

      Mike hat insofern Recht, als dass jedes Lebensmodell Vor- und Nachteile hat.

      Ich frage mich aber ab solchen Kommentaren doch immer mal wieder, was denn so jemand im Mamablog macht, wenn ihn das Thema angeblich derart kalt lässt. Ich käme doch nie auf die Idee, im „Never mind the Markets“ Blog zu posten, dass ich froh bin, kein Geld in Aktien angelegt zu haben.
      Auch wenn es Mike mehr als frei steht, hier zu posten, bleibt doch irgendwie die Frage nach dem Warum, und somit kann ich auch Mark seine (absolut grenzüberschreitende!) Frechheit nicht nur verübeln.

  • Kinda sagt:

    Warum sind die Damen und Herren von der AfD seltsam? Weil die eine andere Meinung als Sie vertreten? Verstehe..

    • Christoph Bögli sagt:

      Nein, weil manche von der AfD anscheinend am liebsten den Deutschen eine Fortpflanzungspflicht diktieren würden. Diese eher seltsamen Volkserhaltungsideen, falls nötig mit Druck und Zwang, sind nicht nur fragwürdig, sondern erst noch ein furchtbar schlechter Grund, um Kinder zu haben. Worum es letztlich in dem Artikel auch geht. Wer die Entscheidung für oder gegen Kinder ernsthaft aus ideologischen Gründen trifft, kann effektiv als seltsam bezeichnet werden.

  • Mark Altheer sagt:

    Ich habe Kinder und bin Papi weil:
    … Babys süss sind.
    … das Leben einen „echten“ Sinn bekommt.
    … Weil man seine Werte und Ueberzeugungen weitergeben kann (bis sie selbstständig denken 😉
    … Weil es unschätzbar schön ist zu sehen wie sich die Kinder zu Erwachsenen entwickeln
    … Weil man sich so herrlich mit anderen Eltern austauschen kann über Dinge die fast alle so oder ähnlich erleben.
    … Weil Kinder jung halten.
    usw.

    • Mike sagt:

      Ich habe keine Kinder und bin kein Papi weil:
      … Babys zwar süss sind, ich mich aber nicht Tag und Nacht mit denen beschäftigen möchte
      … das Leben einen echten Sinn bekommt wenn man so viel Zeit hat für Freunde, Freizeitgestaltung, Hobbies und Arbeit
      … weil man seine Werte und Überzeugungen bis tief in die Nacht mit einigen guten Flaschen Wein mit Familie und Freunde ausführlich diskutieren kann
      … Weil es schön ist zu sehen wie Kinder von Familie und Freunde zu Erwachsenen entwickeln
      … Weil man sich mit anderen Kinderfreien herrlich austauschen kann über das „freie“ Leben

      • Mark Altheer sagt:

        Tja lieber Mike, das ist der Unterschied zwischen uns. Ich beschäftige mich gerne mit den Kindern. Aber sicher nicht jeden Tag 24h. 😉 Du bringst Freiheitsverlust und Kinder in direkten Zusammenhang. Ich empfinde es eher so dass meine Freiheit bereichert wurde da ich durch die Kinder auch neue Freiheiten kennenlernen durfte. Das zu erklären würde wohl zu weit führen. Ich gebe Dir aber insofern Recht dass Freiheiten wie Freizeitplanung tatsächlich eingeschränkt werden. Auch finanzielle Freiheit ist nicht mehr dieselbe wie vorher. Ist für mich aber nicht aufzuwiegen. 🙂

    • Chris sagt:

      Babys bleiben ja nicht für immer Babys und die meisten Eltern sehen leider gar nicht mehr „jung“ aus, seit die Kinder da sind. Warten sie mal Mark, bis sie geschieden sind und nur noch für die Rechnungen ihrer Ex krampfen. Dann können sie sich herrlich mit anderen Zahlvätern austauschen. Eine 50%ige Wahrscheinlichkeit ist da.

  • Manni Mann sagt:

    Ein ehrlicher Ansatz. In 99% aller Fälle hat das Kinder haben oder nicht persönliche Gründe. Alle „über-Gründe“ sind reine Selbstbeweihräucherung. (Ausser man hat tatsächlich einen Knall).
    Der zweite ehrliche Ansatz, falls man gewollt Kinder hat oder Kinderlos ist, sind die Gründe sind Selbstbezogen. Auch wenn Selbstbezogen nicht „egoistisch“ im negativen Sinn bedeuten muss.
    Insofern: Applaus, Applaus für diesen Beitrag.

  • tststs sagt:

    Hmmm, ist es nicht so, dass Herr Pickert hier eher schildert, weshalb wir Kinder WOLLEN. In der heutigen Zeit, in unseren Breitengraden HABEN wir Kinder eigentlich nur aus einem Grund: weil wir uns gegen Verhütung entscheiden (resp. diese stümperhaft ausführen). 😉

  • marianne reifers sagt:

    @Susi
    ich habe mich auch vom Vater meiner Kinder trennen müssen und ich weiss, dass ich von einem Ideal rede. Ideale helfen uns, Entscheidungen zu treffen oder einfach auch, das Leben anzupacken. Meine beiden Töcher wissen, dass ich sie mit diesem Ideal im Hintergrund ausgetragen habe und das hilft ihnen, ihren Wert zu erkennen. Wir leben auf der Erde und da sind Ideale immer nur Hilfestellungen. Wer glaubt, sie erfüllen zu müssen, geht daran zu Grund. Aber die Liebe, die Kinder will, macht keinen einzigen Abstrich, sie wagt den Sprung und das finde ich trotz allem immer noch umwerfend.

    • Susi sagt:

      Sehr schön gesagt, Marianne, das hat mich jetzt grad berührt. Und wenn man es als Idealvorstellung sieht, stimme ich vollumfänglich zu.

    • Felix Stern sagt:

      Das ist süss! Aus „Überschüssiger Kraft der Liebe zwischen Mann und Frau“ soll man das Abenteuer Kinder wagen. Dann – Oops – kommt es ganz anders und man trennt sich vom Vater. Aber egal, es geht ja um die Ideale und nicht darum, wie die Dinge sich entwicklen – und man kann ja immer noch den Kindern die Ideale vorschwärmen. Das einzige, was an dann aus dem Blick gerät: es gibt einen finanziell ruinierten Vater, den man „aus Überschuss an Kraft der Liebe“ in dieses Abenteuer gelockt hat. Und wenn sich der Idiot beklagt, hört er ein „Selber schuld!“.

      • 13 sagt:

        @ Herr Stern
        „den man “aus Überschuss an Kraft der Liebe” in dieses Abenteuer gelockt hat.“

        Selber schuld oder nicht, das ist ein etwas merkwürdiges Männerbild (und auch Frauenbild). Ich kenne keinen Mann, der bei der Gründung der Familie nicht beteiligt war und auch keinen, der durch einen sexuellen Übergriff der Frau auf ihn Vater wurde.

      • Mia sagt:

        Viele Frauen haben auch Kinder weil: A Job nicht mehr gefällt……B: Finanziell ausgesorgt (nicht in allen Fällen).

      • Felix Stern sagt:

        @13: Was ich an marianne’s Geschichte so merkwürdig fand, ist die Tatsache, dass sie den Kinderwunsch aus „dem Überschuss der Kraft der Liebe“ heraus hegte. Das legt doch Nahe, dass die Beziehung zu dem Zeitpunkt völlig in Takt war und alles toll war. Auch Tina gibt weiter oben zu Protokoll, dass sie zu dem Zeitpunkt, als der Entscheid für die Kinder gefällt wurde, glaubte, dass sie bis an ihr Lebensende mit dem Vater ihrer Kinder zusammen sein werde. Die Welt war also in Ordnung. Soweit so gut.

      • Felix Stern sagt:

        Dann entwickelten sich die Dinge plötzlich ganz anders und es kam zur Trennung und wohl auch zur Scheidung. Was resultiert daraus bekanntlich? Ein finanziell ruinierter Vater dieser Kinder. Wenn man nun die Situation der finanziell ruinierten Männer in unserem Eherecht beklagt, dann bekommt man immer zu hören: diese Ehemänner sind an ihrem Schicksal selber Schuld und deshalb ist es kein Problem, wenn ihnen Unrecht widerfährt. Sie sind ja dabei gewesen, als es um den Kinderwunsch ging und es gilt halt: „Drüm prüfe, wer sich ewgig bindet…“

      • Felix Stern sagt:

        Das Argument „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ kann also nicht gebracht werden. Wenn für Tina und marianne zum Zeitpunkt des Kinderwunsches die Welt in Ordnung war, kann man den Vätern ihrer Kinder nicht unterstellen nicht ausreichend hinterfragt zu haben, ob die Sache gut gehen würde. Ja, sie haben sich auf die Vaterschaft eingelassen, aber es scheint keinen Anlass gegeben zu haben, an einer weiterbestehenden Beziehung zu zweifeln – und trotzdem hat es nicht geklappt. Finanziell ruiniert ist in unserem System aber nur der Vater.

      • 13 sagt:

        @ F.S.
        Ich werfe das den Männern doch nicht vor. Aber wie Sie richtig gesagt haben: Für die Frauen hier, wie wohl für die meisten, war die Beziehung zu diesem Zeitpunkt völlig in Ordnung. Wenn ich aber lese „die Frau hat den Mann in dieses Abenteuer gelockt“, dann tönt das für mich eher nach einer kaltblutigen Berechnung seitens der Frauen, die das Ende von Anfang an kannten. Das trifft es nicht zu. BEIDE haben das Kind gewollt und BEIDE haben die Konsequenzen zu tragen, auch wenn diese gemäss dem Eherecht leider nicht immer gleich verteilt sind. Nicht die Frau ist schuld daran.

      • 13 sagt:

        Auch stimmt es nicht, dass nur der Vater finanziell ruiniert ist. All die alleinerziehenden Mütter, die beim Sozialamt sitzen, werden sich irgendwann, wenn sie wieder (voll) arbeiten können Tausende von Franken Schulden zurückzubezahlen, während der Mann zu diesem Zeitpunkt zwar auf Null, aber nicht im Minus sein wird. Wenn er danach seinen Lohn steigert, darf er den Überschuss behalten, sie gibt ihn ab. Meistens lebenslang. Schliessen Sie also nicht von sich auf andere (auch wenn ich das Eherecht teilweise sehr männerfeindlich finde).

      • Felix Stern sagt:

        @13: Sie werfen den Männern das „Drum prüfe…“ nicht vor? Das stimmt. Leider tun das aber die meisten Foristen (witzigerweise vor allem die Männer, die die männerfeindlichkeit unseres Eherechtes verteidigen). Ich gehe mit Ihnen auch einig, dass es eben durchaus Situationen geben kann, wo die Welt in Ordnung war, als man Kinder bekam. Beide wollten diese Kinder und beide sollen die Konsequenzen tragen.

      • Felix Stern sagt:

        Es gibt sicherlich Fälle, bei denen nach einer Scheidung nicht nur der Vater sondern auch die Mutter finanziell ruiniert sind. Sobald man aber von einem mittleren bis oberen Einkommen spricht, ist die Mutter finanziell saniert und der Vater ist ruiniert. Da ist es auch selbstverständlich, dass sollte der Vater über die Jahre Gehaltserhöhungen bekommen, damit zuerst die Ansprüche der Ex-Frau und der Kinder bedient werden müssen. Unser Eherecht kennt hier leider keine Grenzen, die den Vater vor Ausbeutung wirksam beschützen würden. Und das ist schlicht und ergreifend unfair und unrecht.

      • Bernhard sagt:

        @Felix Stern: Ich glaube, das Hauptproblem liegt daran, dass heute ein Versprechen oftmals keinen Wert mehr hat, bzw. die Worte von gestern heute keine Gültigkeit mehr haben! Wenn sich also die beiden Partner auf etwas verlassen, was sich später als doch nicht vereinbar entpuppt. Dann gibts zumindest von einer Seite her nur noch die Trennung.

        Bsp.:
        – Es macht mir nichts aus, wenn du 12-14 Stunden am Tag arbeitest, damit ich zu Hause blieben kann. Kein Problem!
        – Ich werde immer zu dir stehen, auch wenn du wegen der Geburten massiv an Gewicht zugelegt und keine Lust mehr auf S.x hast!

        usw.

      • Katharina sagt:

        Dies ist einer der Dialoge, weshalb ich mich immer mehr von hier fernhalte. Kleinlich, sowas. sorry. Leute, die mMn Prinzipielles nie verstehen wollen.

      • Bernhard sagt:

        Man kann da niemandem wirklich böse sein. Im Moment, in dem diese Beteuerungen gemacht wurden, war es ja auch tatsächlich so gemeint! Nur hat man später feststellen müssen, dass man doch nicht damit klar kommt. Für die Person, die sich auf die Worte verlassen hat und der/die Geprellte ist, ist das natürlich kein wirklicher Trost…Ich kann meine Partnerin noch so gewissenhaft aussuchen und durch diverse Assessments jagen. Wenn sie sich selber (oder mir) was vormacht oder ihr Wesen durch die Jahre ändert (nicht negativ, sondern einfach anders als bei den „Abmachungen“), dann wirds schwierig!

      • Felix Stern sagt:

        @Bernhard: Das ist richtig. Alte Versprechen gelten mit er Zeit vielleicht nichts mehr. Vielleicht verändern sich auch andere Dinge. Es gibt gute Gründe, sich zu trennen – selbst wenn Kinder im Spiel sind. Die Frage ist nur: Haben eigentlich beide Seiten die gleiche Möglichkeiten, eine Trennung anzustreben? Die Frage ist doch: wie geht es dann weiter? Kann ich mir das leisten? In der Schweiz lautet die Antwort bei Müttern meist: ja, das kann man sich leisten, man ist saniert. Als Vater ist man ruiniert. Das gehört korrigiert.

      • Bernhard sagt:

        @F.S.: Natürlich stimmt das, was Sie sagen. Aber wir können daran auf die Schnelle nichts ändern. Und würden wir es so ändern, dass es für uns Männer stimmt, wären die Frauen wieder die Geprellten. Es gibt hier immer einen Verlierer. Win-win ist m.M.n. vollkommen ausgeschlossen! Was jeder Einzelne aber von sich aus tun kann: Entweder nicht zu heiraten (oder nur mit Ehevertrag), oder dann die Frau zu überzeugen, weiterhin arbeiten zu gehen und dafür das eigene Pensum deutlich zu reduzieren. Andere Lösungen sehe ich auf die Schnelle leider nicht…

      • Felix Stern sagt:

        @Bernhard: Auf die schnelle ändern wir nichts. Das heisst nicht, dass man nie etwas ändern kann. Wenn eine Sache ungerecht gelöst ist, dann muss man sie korrigieren. Es stimmt leider auch, dass man hier kaum eine win-win-Situation finden kann. Wenn wir die Sache zu Gunsten der Männer verändern, verlieren die geschiedenen Frauen. Nur ist die Situation heute derart zu Ungunsten der Männer gelöst, dass man hier auch eine Korrektur einfordern kann, selbst wenn diese zu Ungunsten der Frauen geht. In einer Welt, wo uns an Gleichberechtigung gelegen ist, darf das nicht unmöglich sein.

  • Manuel sagt:

    Man könnte Ihren Artikel kritisch so zusammenfassen: Sie haben Kinder vorwiegend wegen Ihnen selbst. Sie fühlen sich erst vollständig mit Kindern und wollen die Begrenztheit des eignen Lebens mit Hilfe ihrer Kinder überwinden, Sie wollen von ihren Kindern erzogen werden und eine neue Weltsicht erhalten, Sie wollen Vater sein, Sie wollen Verantwortung übernehmen. Mit anderen Worten Sie benützen Ihre Kinder um sich persönlich weiterzuentwickeln. Kann das die richtige Einstellung sein?

    • mila sagt:

      @Manuel: Wenn das die (anscheinend) ‚falschen‘ Gründe sind, Kinder zu bekommen, was wären dann die ‚richtigen‘?

      Natürlich kann man sich – wie ich meine mit Fug und Recht – sagen, dass man keine Kinder haben muss, um sich vollständig zu fühlen, (stetig) neue (Lebens-)Einsichten zu gewinnen, bedingungslos zu lieben. Mir persönlich sagt auch der Gedanke, die Begrenztheit des eigenen Lebens durch genetische Fortpflanzung zu überwinden, rein gar nichts. Dennoch frage ich mich, was so furchtbar verkehrt daran sein soll. Es handelt sich dabei um tiefmenschliche Bedürfnisse, und die Art und Weise, /

      • Manni Mann sagt:

        vielleicht meint er es nicht in diesem Sinne mila
        sondern eher so: mit Kindern hat die Zukunft stets eine andere Perspektive. Ohne Kinder ist meine einzige Perspektive Altern und Sterben. Mit Kindern ist da stets auch noch eine Perspektive von Wachstum, neuem Leben etc., man nimmt persönlich weiter Teil am Kreis des Lebens.
        Ansonsten völlige Übereinstimmung. Die meisten Menschen erkennen einfach nicht, dass alle Handlungen Selbstbezogen sind. Auch die „Guten“.

    • tina sagt:

      warum nicht, manuel?

    • mila sagt:

      wie der Autor darüber schreibt, erweckt zumindest bei mir nicht den Eindruck, dass er seine Kinder für die Befriedigung von Egobedürfnissen ‚instrumentalisiert‘, wie Sie das ziemlich unverhohlen insinuieren. Überhaupt, wenn man das so sehen wollte, würden wir alle unsere Familie, Freunde und Bekannten be-nutzen, denn ja, nur durch soziale Interaktion vervollständigt sich der Mensch, entwickelt Horizonte, übernimmt Verantwortung. Er ist nun mal ein zoon politikon, keine Insel.

      • Muttis Liebling sagt:

        Den Menschen selber gibt es nicht, er erscheint nur in Beziehungen. Die wichtigste Beziehung ist die Familie und zu der gehören konstitutiv Kinder. Dann gibt es noch die Kontexte Arbeitsplatz, Wohngebiet, Verein usw.
        Man braucht keine Gründe für Kinder, die gehören zum Leben wie der Arbeitsplatz und der Freundeskreis. Man braucht nur Gründe gegen Kinder und die entspringen, wie ich oben schrieb immer sozial grenzwertigen Verhalten und Normen.

      • Teilzeitpapi sagt:

        In einer rationalen verkopften Gesellschaft braucht man für alles Gründe, so auch warum man Kinder hat oder nicht. Einfach sein, einfach tun, das geht natürlich nicht.

      • mila sagt:

        Ja und nein. Es stimmt, der Mensch als soziales Wesen existiert nur in und durch Beziehungen, respektive Verhältnissen. Ein Individuum als solches ist jedoch eine spezifische Schnittstelle von Erfahrungen im Kontext der Um-Welt. Dieses nennt sich dann (zumindest in diesem virtuellen Raum) Muttis Liebling, oder mila, und denkt, fühlt, agiert auf je eigene Weise. Wäre es anders, wären wir identisch, und unsere Erfahrungshorizonte deckungsgleich. Sie sind es augenfälligerweise nicht. 😉

      • Muttis Liebling sagt:

        @mila, es gibt direkt menschliche und indirekte Kommunikation, die mit seiner Zeit und Umwelt und eine biographische. Letztere spielt in der Tendenz eine Rolle, dass immer mehr Männer gar nicht erwachsen und damit auch nicht Väter werden. Der Rest wird spät erwachen und entsprechend spät reif für Familie.
        Die Umgebungskomponente besteht in der Dominanz der Wirtschaft über allem, auch dem Staat und die Wirtschaft backt sich Menschen nach ihren, nicht nach menschlichen Werten. Die Wirtschaft braucht dissoziale Menschen, für die Geld und Individualität religiösen Charakter angenommen haben.

      • Martin Frey sagt:

        Personen mit dissozialen Persönlichkeitsstörungen sind in keinerlei wirtschaftliche Prozesse langfristig integrierbar und daher aus ökonomischer Sicht genau das Gegenteil von dem, was Sie ML, hier skizzieren.
        Vielmehr sind Menschen mit dieser schweren, an sich nicht behandelbaren Störung in aller Regel früher oder später nicht mehr in Freiheit anzutreffen, vom Arbeitsprozess sowieso ganz zu schweigen.

      • mila sagt:

        Ich persönlich pflege zwischen (forciertem) Individualismus und (echter) Individualität zu unterscheiden. Zudem habe ich mit dem ‚Erwachsenwerden‘ im üblich verstandenen Sinn selbst wenig am Hut, gehöre also sicherlich in der einen oder anderen Form zu den von Ihnen regelmässig gescholtenen Dissozialen (als Geburtsverweigerin sowieso).

      • fgee sagt:

        @Muttis Liebling
        „Die Wirtschaft braucht (dissoziale) Individuen“ – hat Gotthelf schon vor 150 Jahren gesagt! Gotthelfs „Heilmittel“ gegen den Kapitalismus war deshalb nicht der Sozialismus (Marxismus), sondern die Familie. Gotthelf sagte: „Es ist nicht der Staat, nicht die Schule, noch irgend etwas anderes des Lebens Fundament, sondern das Haus (also die häuslich-familiäre Gemeinschaft) ist es… Das häusliche Leben ist die Wurzel von allem, und je nach dem die Wurzel ist, gestaltet sich alles andere.“

      • Muttis Liebling sagt:

        @fgee, das kannte ich nicht, aber es gefällt mir. Karl Marx und Friedrich Engels, dessen Financier haben genau das gleiche 1845 in ‚Die Heilige Familie …‘ geschrieben. Das kommt zeitlich hin.
        Die Familie ist das Atom der Gesellschaft, an der muss alles ansetzen, während das Individuum bedeutungslos ist.

      • Muttis Liebling sagt:

        @Martin Frey, da muss ich Ihnen wieder einmal grundsätzlich widersprechen. Dissozialität wird in dieser Branche nur unter anderen Bergriffen getarnt, wie Kunden- und Dienstleistungsorientierung, Flexibilität, …
        Aber das führt im MB zu weit.

      • mila sagt:

        Auch hier muss ich Ihnen dezidiert widersprechen, @ML: es ist das Wechselspiel zwischen Gemeinschaft und Individuum, das den Fortgang der Geschichte schreibt. Denken Sie an die grossen Künstler-, Wissenschaftler- und auch Politiker-Biografien: nicht wenige der jeweils zeit-prägenden und takt-gebenden Figuren über alle Epochen waren keine Familienmenschen in dem von Ihnen gemeinten Sinn. Sondern (teils höchst verschrobene) Einzelgänger. Neue Impulse für Fort-Schritt, scheints, kommen häufig nicht aus der gesellschaftlichen Mitte – sondern von deren Rändern.

      • mila sagt:

        Aber was rede ich Ihnen gegenüber auch von Fort-Schritt… 😉

    • mila sagt:

      So wie ich das sehe, bilden Kinder in diesem menschlichen Beziehungsgeflecht eine (besondere) Facette. Man kann sie haben oder nicht, aber in jedem Fall werden sie das eigene Leben mit-prägen und dadurch verändern.

      Ich bin insofern sehr gespannt auf Ihre Darlegung ‚besserer‘ Gründe, um Kinder zu haben.

    • Stefan Moser sagt:

      Manuel, ich vermute, dass Du selbst keine Kinder hast. Ich dachte vor dem Vaterwerden genau gleich. Mittlerweile weiss ich, dass nur das die richtige Einstellung sein kann. Wenn Du als Vater nicht bereit bist, die eigenen Grenzen zu überwinden, indem Du über die Grenze geschubst wirst, kann das Vatersein kaum funktionieren. Man kann dem Schubs übrigens auch ausweichen.
      Schlussendlich führt uns aber diese Frage zur Grundsatzfrage: Gibt es Altruismus und damit die selbstlose Aufopferung oder hat alles Gemeinnützige und Gute, das wir tun, den Zweck uns selbst besser zu fühlen? Ist doch egal.

      • Mike sagt:

        @ ML (10:35):
        „Man braucht keine Gründe für Kinder“. Meinen Sie für Aussenstehende, oder innerhalb der Beziehung? Mit Letzterem wäre ich nicht einverstanden, weil die Entscheidung Kinder zu nehmen grosse Änderungen mit sich bringt für Beziehung, Finanzen, Umfeld, etc. und deshalb sicherlich sehr wohl überlegt getroffen werden sollte. Und dass Gründe gegen Kinder nur „immer sozial grenzwertigen Verhalten und Normen entspringen“ möchte ich auch widersprechen. Ich zB hatte einfach nie das Bedürfnis Kinder zu erzeugen (und meine Frau zum Glück auch nicht), weil mir/uns nie etwas gefehlt hat.

      • Muttis Liebling sagt:

        @Mike, der Einzelne kann da machen, was er Lust, das spielt keine Rolle. Interessant ist die Geburtlichkeit nur auf der kollektiven Ebene. Bei Persistenz der aktuellen Situation gibt es in 33 Generationen keine Mitteleuropäer mehr. Das schadet der Welt nicht. Aber schon in 50 Jahren wird es hier unangenehm, weil die Zahl der Pensionäre sich dann verdoppelt hat, die ehemalige Bevölkerungspyramide wie ein Blumenvase aussieht.
        Wenn sich in einer Population eine Kultur der Geburtlichkeitsverweigerung konsolidiert, ist das Schicksal der Population besiegelt.

    • Patrick sagt:

      Kann es richtig sein zu behaupten „weil ich einem Wesen die Chance geben will das Leben zu erfahren“?
      Klingt vielleicht nett, ist aber wohl genauso Unsinn.
      Ich habe Kinder weil ich Kinder erleben wollte. Ich will weitergeben, was ich von meiner Familie erhalten habe.
      Insbesondere bevor wir Kinder haben, tun wir eigentlich fast alles wegen und für uns selbst.
      Das ändert sich erst mit den Kindern. Deshalb sollte man sie wollen.

    • Hannes Müller sagt:

      Da machen Sie seine ganz gesunde Einstellung, Vater sein zu wollen, einfach madig. Tönt ein bisschen nach Betschwester. (Selber bin ich übrigens nicht Vater und wollte das auch nie sein)

    • Sama sagt:

      Kinder sind immer eine rein egoistische Entscheidung. Das liegt tief im Menschen verankert, denn wie sonst könnte jemand einen Menschen ungefragt ins Leben stossen und ihn zum Leben zwingen? So viele Menschen „schleppen sich durchs Leben, weil sie halt nun mal leben“ – ist es wirklich dass, was wir für unsere Kinder wollen? wer Kinder hat, setzt diese Kinder Leid, Krankheit und Tod aus – zu 100%.
      Der Mensch ist das einzige Lebewesen, welches sich bewusst gegen Kinder entscheiden kann – und er macht es dennoch so selten – weil der Egoismus logischerweise einen evolutionären Vorteil bietet.

      • Nina sagt:

        Keine Kinder zu kriegen ist eine ebenso egoistische Entscheidung. Die bewusste Entscheidung für oder gegen Kinder ist in jedem Fall per definitionem egoistisch und selbstherrlich, was auch immer die Gründe und Überlegungen. Das gehört zum Menschsein und seiner Beschränktheit, er handelt immer als Subjekt. Stehen wir doch mal dazu.

      • fgee sagt:

        Oh, es gibt ein Leben vor dem Tod! Nur haben dies nicht alle gemerkt.

  • Lia sagt:

    sehr schön formuliert – aber als Randnotiz: wenn sich eine Bevölkerungsgruppe mit Kinderkriegen zurücknehmen sollte, sind es wir, nicht die Westafrikaner. Eine Familie hier mit 2 Kindern verbraucht ein Vielfaches der Ressourcen, die eine afrikanische Familie mit 9 Kindern verbraucht. Wer nichts hat, verbraucht nichts.

    • fgee sagt:

      Wenn eine Bevölkerungsgruppe keine Lust mehr hat aufs Kinderkriegen, wie das jetzt beim „hochentwickelten“, „hochzivilisierten“ Homo Westeuropäicus der Fall ist, dann stirbt diese Bevölkerungsgruppe halt aus. Die Evolution richtet es so ein, dass nur überlebt, wer Kinder kriegt.

      Jeder wie er mag – ist ja nicht schlimm…

    • fgee sagt:

      /2
      Und damit landen wir stracks beim Sinn des Lebens: Der Sinn des Lebens ist das Leben selber. Bzw, dafür sorgen, dass es weitergeht. Genpool weitergeben. Tönt jetzt furchtbar trocken, aber ist es nicht. Im Gegenteil: Es ist die familiäre Gemeinschaft, die mich „ganz“ macht. Wer keine Familie hat, braucht das Aufgehobensein in sonst einer Gemeinschaft. Sonst wird man mit der Zeit sonderbar.

    • mila sagt:

      Und was ist so schlimm daran, wenn man ’sonderbar‘ ist/wird – gesetzt den Fall, man fühlt sich selbst dabei (pudel-)wohl? Es gibt und gab immer Menschen, die sich am Rande gesellschaftlicher Normen bewegt haben und dabei einen teils unschätzbaren Beitrag geleistet haben: insbesondere zur Kultur(-Geschichte). Ein Buch, das mich früher immer wieder zum Lachen gebracht hat: das Lexikon der Exzentriker.

      Und nein, damit meine ich nicht die (gesellschafts-)schädigenden, kriminellen Elemente. Ich verstehe nur nicht, weshalb man besondere Menschen nicht so sein lassen kann, wie sie nun mal sind.

      • fgee sagt:

        Ja klar, für den Sonderling ist es nicht schlimm, da er sich als „normal“ betrachtet. Geht doch uns allen so: Merkwürdig sind immer die anderen 😉

        Und die Umwelt? Der Vollzeit-Hauswart einer grossen Siedlung sagte mir mal: „In jedem Block hat es eine Partie, mit der hast du andauernd Zoff.“ Und eben, das waren eher nicht die Familien mit Kindern.

      • Muttis Liebling sagt:

        ‚Ich verstehe nur nicht, weshalb man besondere Menschen nicht so sein lassen kann, wie sie nun mal sind.‘

        Weil der Normalo sich vom Sonderling bedroht fühlt. Wenn man z.B. an einer wissenschaftlichen Tagung ist, lernt die sich selbst- und genseitig bestätigende Gruppe der Unbegabten kennen. Die bilden immer die Mehrheit beklatschen sich einander, unabhängig vom Wert. Wenn dann einer kommt und etwas Neues sagt, ist die Bedrohung im Raum. Deshalb gibt es weder Applaus noch Diskussion.
        Der Normalo duldet nur die unter sich, auf die er herabschauen kann und 1-2 Nichtsonderlinge über sich.

    • Widerspenstige sagt:

      Es waren die Sonderlinge, die visionäre ‚Dummheiten‘ wie das Fliegen, den Strom und all die nützlichen Dinge unseres heutigen Alltagslebens erfunden haben. Das waren nicht die Mainstreamer und Lemminge. So gesehen lassen wir doch die Familienmenschen so sein, wie sie nur damit glücklich werden können. Und diejenigen, die auch ohne enge Familientraditionen glücklich werden. Nur wäre es wünschenswert, wenn Familien bessere Unterstützung und Solidarität erfahren u nicht gar angefeindet werden im Alltag. Daran darf in Helvetien noch gearbeitet werden meiner Meinung nach.

      • Muttis Liebling sagt:

        ‚Nur wäre es wünschenswert, wenn Familien bessere Unterstützung und Solidarität erfahren…‘

        @WS, den Tag erleben wir nicht. Das Wesen der Schweizer besteht u.a. im unbedingten Glauben an die Eigenverantwortung, aus der logisch folgt, die Gescheiterten zu verachten. Siehe die aktuelle Diskussion um die Sozialhilfe. Das wäre nicht mal durch und durch egomanen Deutschland möglich.

  • Lea sagt:

    Danke für den wunderbaren Text- einer der besten die ich bisher in diesem Blog gelesen habe.

  • Dani sagt:

    Seit langem einer der besten Texte in dem Blog hier. Davon können sich die „Hauptschreiberinnen“ eine Scheibe abschneiden. Danke für die Gedanken zu dem Thema. Nicht alles trifft meine Einstellung, aber im Grunde liegt wohl bei jedem Mann der Wunsch nach Unsterblichkeit (in den Genen) an erster Stelle, auch wenn das enorm simpel klingt.

    • Mike sagt:

      @ Dani
      Das kann ich so nicht bestätigen. Und von „meiner Sorte“ gibt es wahrscheinlich viel mehr als Sie denken (zwei meiner besten Freunde gehören dazu). Die von Ihnen erwähnte „Unsterblichkeit“ ist ja ein Mythos weil jedes Leben nun mal (zu schnell) endet und Sie diese Unsterblichkeit die Sie sgn. mit den Genen weitergeben, ja gar nicht miterleben können. Aber ich verstehe schon, dass viele Menschen das so sehen, weil die Endlichkeit für viele nicht zu ertragen ist. Für Menschen wie mich die diese Tatsache aber akzeptieren, liegt diese Sache (wie viele andere) aber wesentlich anders.

    • Hannes Müller sagt:

      Unsterblichkeit? Nein danke.

    • Mia sagt:

      Aber zur „Unsterblichkeit“ müsste die Fortpflanzungskette immer weiter gehen. Evt. hat das eigene Kind aber selber gar keine Kinder??? So schnell kann den eigenen Genen das Aus blühen!

  • marianne reifers sagt:

    mir fehlt noch ein Argument: Kinder haben, weil die Liebe zwischen Mann und Frau überschüssige Kraft hat! Ich möchte mit dir ein Kind, weil unsere Liebe dafür Platz gibt und weil sie sich stark genug wähnt, das grosse Abenteuer Kind zusammen anzugehen. Wir werden einander in dieser Aufgabe nie im Stich lassen – und das nennen wir eine Familie.

    • Henri sagt:

      Das ist so was von wahr! Das wussten schon die alten Griechen, bevor die christliche Kirche mit staatlichen Aufgaben beladen wurde und die Ehe bzw. Familie zu einem Ideal formte, das einzig Ordnungs- und Unterwerfungszwecken gehorcht. Es ist immer wieder erschreckend zu sehen, wie aufgeklärte Leute in unserer aufgeklärten Gesellschaft noch denselben Mythen aufsitzen. Ich finde, wir sollten dieses alte Ideal der Zeugung aus Kräfteüberschuss wiederbeleben und der institutionalisierten Familie scharf entgegensetzen. Das wäre für KInder und Eltern allemal das Beste.

    • Susi sagt:

      Dieser Kommentar ist zwar schön, nimmt aber irgendwie paradoxe Züge an, wenn man bedenkt, wie viele Beziehungen eben gerade durch die Belastung, die Kinder mit sich bringen, zerbrechen…

      • tina sagt:

        susi, ich habe das auch mal so gesehen und war mir ganz sicher, dass ich mit dem damals noch zukünftigen vater meiner kinder alt werden will und alles, so wie marianne reifers das schrieb. es kam dann eben anders. paradox ist das nicht, so läufts eben manchmal im leben

      • Susi sagt:

        @tina: Aber dass es so läuft, ist ja häufig nicht ein Zufall, sondern hat eben genau mit den Kindern zu tun, darum finde ich etwas Paradoxes darin. Man sieht die Kinder quasi als Krönung der Liebe zum Partner und dann geht genau dadurch die Beziehung/Liebe kaputt. So nehme ich es zumindest wahr in meinem Umfeld.

        Hatte deine Trennung nicht hauptsächlich mit dem Kinderstress, der sich auf die Beziehung auswirkte, zu tun? (Sorry, falls die Frage zu persönlich ist, dann einfach ignorieren, gell)

      • tina sagt:

        in meinem fall nicht wirklich susi. ich hätte vielleicht später den schlussstrich gezogen, wären da keine kinder gewesen, da ich die lage länger ausgehalten hätte und es nicht so prekär geworden wäre. ich musste aus verantwortung die entscheidung fällen.
        ok, so betrachtet: das leben verläuft nicht selten paradox, das stimmt. aber siehe marianne reifers antwort an dich unten

      • tina sagt:

        wobei, mir geht es dabei weniger um ein ideal. sondern manchmal ist man sich sicher, bei dem weg den man einschlägt, und trotzdem kommts anders.

      • Susi sagt:

        ja, und wenn man sich zum Zeitpunkt, wo man den jeweiligen Weg einschlägt, sicher ist, kann er auch nicht falsch sein.

      • tina sagt:

        ich mag gar nicht in diesen richtig/falsch kategorien denken wenns ums leben geht. man entscheidet eben, nicht selten aus guten gründen. und wenns unplanmässig läuft, schaut man eben, wie man sich neu damit arrangiert. wie wir alle vermutlich mit spätestens 30 feststellen mussten, hält sich das leben gelegentlich nicht an unsere pläne. trotzdem macht man pläne, das geht gar nicht anders.

      • tina sagt:

        immer auf der sicheren seite zu sein kann man sich abschminken. mindestens könnte man es nicht leben nennen. wenn das ein paradox ist, bezieht es sich aufs ganze leben und nicht auf trennungsquoten.

      • Susi sagt:

        ich finde schon, dass es richtig und falsch gibt, und hätte ich meinem Instinkt getraut, hätte ich vielleicht gewisse Dinge anders bzw. „richtig“ gemacht oder anders gehandelt. Aber natürlich gibt es unendlich viele Grauzonen, meistens bewegt man sich weder in Weiss- noch in Schwarzbereichen.

      • mila sagt:

        Was tina hier meint ist, dass das Leben das ist, was passiert, während wir eifrig dabei sind, Pläne zu machen… Dazu kann ich nur ja und amen sagen. Natürlich kann man sich rückblickend die berühmten Was-wäre-gewesen-wenn-Fragen stellen, und man kann sich in Zukunft anders – z.B. für den Instinkt statt den Kopf – entscheiden. Dennoch sind alle Entscheide und Erfahrungen in sich stimmig, insofern sie einen in der Summe an den Punkt gebracht haben, an dem man jeweils im Leben steht. Auch wenn dies manchmal kein guter ist.

      • tina sagt:

        ja ok, nur aus dem bauch heraus sollte man meiner ansicht nach wichtige entscheidungen echt nicht treffen. darum schrieb ich oben auch „gute gründe“

      • tina sagt:

        genau mila. schön wärs ja, man könnte vor- und zurückspulen und dementsprechend entscheiden. habe ich gerade gestern meinen kindern auch so gesagt, weil eben mütter auch nicht wirklich wissen können, was das beste fürs kind ist.

      • Susi sagt:

        ich hab etwas anderes gemeint, aber es ist zu schwierig, das hier genau erklären zu können, ich hab mich oben zu einseitig ausgedrückt.

    • fgee sagt:

      Oh ja, das gefällt mir! Man könnte also auch sagen: Unsere Kinder sind unsere Fleisch gewordene Liebe.

  • Muttis Liebling sagt:

    Sinnvoll ist nur die Erörterung des Thema, ‚Warum lebe ich, will aber das nach Essen, Trinken, Schlafen und Atmen Wichtigste: ein Kind‘.
    Die Pseudoursachen sind hier und anderorts so oft genannt worden, dass man die einmal auf eine Liste setzen sollte und damit war es. Allgemein kann man sagen, es handelt sich um eine komplexe, frühzeitig anerzogene soziale Persönlickeitsstörung, die einerseits zum wirtschaftkompatiblen Menschen führen soll und gerade deshalb die Rolle von Familie u. Kind masslos idealisiert und so schwierig darstellt Beides ist falsch.

    • Muttis Liebling sagt:

      Korrektur: Es fehlt das Wort ’nicht‘ zwischen ‚Wichtigste‘ und dem ‚:‘ in der 2. Zeile.

    • Nina sagt:

      Wir sind also sozialisiert darauf, Kinder kriegen zu wollen? Glaube ich nicht, ich denke, die Motivation ist schlicht und einfach biologischer Natur. Und wie immer kann „der Mensch“ entscheiden, inwieweit er dem Trieb nachgeben will oder nicht, falls er ihn denn überhaupt verspürt, was bei der Mehrheit ja der Fall ist. Und ebenfalls typisch Mensch suchen wir dann nach den rationalen und philosophischen Gründen, um unsere Wahl zu erklären.

      • Muttis Liebling sagt:

        Dem kann ich nicht folgen, Nina. Kinder in die Welt zu setzen, war für mich genau so selbstverständlich wie Studieren oder der Morgenkaffee. Da gab es keine Sinnfrage. Allerdings die nach dem Sinn des Lebens, zu diesem gehören Kinder für mich zwingend, kommen noch knapp vor dem erfüllten Berufsleben, nicht mit Karriere oder Gelderwerb zu verwechseln.
        Mit Trieb hat das erst recht nichts zu tun. Sexualität und Schwangerschaft sind inzwischen ja in beiden Richtungen entkoppelt.

  • Maier Tom sagt:

    vielen Dank, das war sehr schön geschrieben und trifft die tieferen Gründe Vater zu sein recht gut.

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