Kinderhaltung in fünf Schritten

Alles im Griff, liebe Eltern? Kind an der Leine. Foto:  Eric E Castro (Flickr)

Eltern könnten es leichter haben: Kind an der Leine. Foto: Eric E. Castro (Flickr)

«Youtube war mein Trainer», sagte der Schwinger vor seinem ersten Gang vor Publikum. Dieses quittierte das Geständnis mit schallendem Gelächter um das Sägemehl in einer modernen Graubündner Zweitwohnungssiedlung. Als der untersetzte Überraschungsgast dann Mal für Mal auf dem Rücken landete, lachte niemand mehr. Schliesslich wurde da gerade Youtubes Ruf in der Schwingszene aufs Kreuz gelegt.

Dabei kann man durchaus von Youtube lernen. Im grössten Videoportal im Internet findet man alles, was sich filmen lässt – auch Tipps für die Erziehung von Kindern. Die folgende Auswahl zeigt, wie leicht es Eltern haben könnten. Drücken Sie ein Auge zu und verfolgen Sie fünf nicht nur ernst gemeinte Schritte durch den Alltag mit Kindern:

1. Kinder wecken
Zugegeben, normalerweise geschieht das im Kinderzimmer, nicht im Auto. Aber Musik hilft eigentlich überall. Esteban Reyes greift bei der folgenden Demonstration an seinem dreijährigen Halbbruder zu «Breed» von Nirvana, und das mit erstaunlicher Wirkung.

2. Kinder anziehen
Wer sich bei Youtube als HilariousHouseWife registriert, muss etwas auf dem Kasten haben. Etwas, um das man sie beneidet. Weil es einem täglich viel Zeit sparen würde. Oder kennen Sie jemanden, der drei Kinder in zehn Minuten aus dem Bett holt und in Kleider steckt?

3. Kinder füttern
Warum einfach, wenn es kompliziert geht? Spaghetti und Wienerli können kreativ kombiniert werden. Das sieht gut aus und ist angeblich «das beste Kinderessen der Welt» – mit drei Ausrufezeichen.

4. Kinder begeistern
Damit Lernen kein Muss, sondern ein Spass ist, greife man zu einprägsamem, wenn auch zweifelhaftem Liedgut. Das gezeigte Beispiel aus dem frühenglischen Sprachraum bringt diese pädagogische Geheimwaffe wunderbar auf den Punkt.

5. Kinder einspannen
Will Reid, den wir an anderer Stelle schon vorgestellt haben, erklärt seinen Kindern mit einfachen Videos die Welt des Haushaltens. Nach dem Ersetzen der WC-Rolle folgt hier sein zweites «Teenage Instructional Video»: das Befüllen der Geschirrwaschmaschine.

An diesem Punkt dürfte es für manche Eltern erst richtig interessant werden. Wir hören aber hier nicht auf, weil es am schönsten ist, sondern weil wir gespannt sind, welche Youtube-Videos Ihnen bei der Erziehung geholfen bzw. gerade noch gefehlt haben oder Aspekte der Kinderhaltung besonders eindrücklich hervorheben. Für einmal lassen wir in den Kommentaren also auch Links auf das Video Ihres Vertrauens gelten – solange es mit dem Thema zu tun hat. Denn: Youtube macht vielleicht (noch) keinen Schwingerkönig, aber laufend bessere Eltern.

Raphael DiethelmRaphael Diethelm (*1978) ist seit Mai 2011 Produzent bei Tagesanzeiger.ch/Newsnet. In seiner Freizeit nutzt er Youtube auch, allerdings eher zur Unterhaltung («Also gut, noch zwei Folgen ‹Shaun the Sheep›») und Weiterbildung («Das ist ein Luftkissenboot!») seiner beiden älteren Kinder.

47 Kommentare zu «Kinderhaltung in fünf Schritten»

  • tststs sagt:

    Mir gefällt Video 2 besonders gut. Die Dame macht IMHO vorallem eines genau richtig: Sie macht einfach!!! Sie sagt zB dem Ältesten nicht hundertmal: „So, wird endlich wach“ „Zieh an“ „Steh auf“.
    Auch im gestrigen SRF-Dok „Im Land des Vergessens“ ist mir aufgefallen, dass sehr viel Konfliktpotenzial von Seiten der Pfleger gar nicht entstehen kann, weil sie nicht jeden Deut‘ kommentieren und diskutieren müssen.
    Sehr viel Stress der Kinder-Haltung/Kind-Erhaltung ist IMHO hausgemacht…

    • Widerspenstige sagt:

      Gefällt mir auch am Besten, tststs, und habe ich ähnlich gehandhabt. Mit einem Lächeln und mit Musik(!) geht das Anziehen viel besser, statt mit ständiger Ermahnung.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Eigentlich richtig, aber ich finde die Mutter in Video 2 sehr lieblos gegenüber ihren Kindern. Die zerrt und rupft an den Kindern und spricht nicht ein Wort zu ihnen.

        Um was für eine Dok hat es sich gehandelt, wurde da über Demenz berichtet? Wenn ja, muss man bedenken, dass es sich dabei um erwachsenen Menschen handelt, deren Selbstbestimmung und Würde möglichst wenig eingeschränkt werden darf.

  • Jonny sagt:

    Hahah die Kommentare hier sind herrlich: „Hilfe, dass Kind ist nicht richtig angeschnallt und wird gleich sterben“, „meine Kinder kriegen nur gesunde Fenchelsuppe“ und „meines läuft immer am Gstältli sonst geht es noch verloren“ usw. beim nächsten Blog über Helikoptereltern, die vor lauter Sicherheits- und gesundheitsbedenken ihre Kinder dauernd tyrannisieren, sind es dann wieder die gleichen Leute, die empört sind…merkt ihr was?

    • Susi sagt:

      Ja, oder über diejenigen, die sich über Helikoptereltern empören und Ironie nicht verstehen können…

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Jonny

        Sie gehören auch bestimmt zu der Sorte, denen das Auto wichtiger ist als das Kind. Das Auto muss man halt kaufen, aber ein neues Kind kommt gratis, gell?

      • jonny sagt:

        gilt es hier im Mamablog nicht als ungeschriebene Regel, dass *Ironie* mit entsprechenden Zeichen markiert wird? Ich bin der Meinung, dass ironie beim Thema kindererziehung nichts zu suchen hat, dass ist eine viel zu ernste Sache! Fast so ernst wie Autos und da hört der Spass dann endgültig auf! Und falsch angegurtete Kinder erst recht…eine Vollbremsung und das lustige Nirvanaweckvideo wird zum IS-Propagandastück oder so

      • Susi sagt:

        Ok, ab sofort keine ungekennzeichnete Ironie in diesem Forum mehr, bitte. Sie haben’s wohl auch vergessen, Jonny, meimei.

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Das Kind 1 ist völlig idiotisch angeschnallt: eine Vollbremsung und das Kind wird stranguliert. Wieder eimal typisch: für ein Auto ink Soundanlage hat man Geld, aber für den Kindersitz reicht es nicht 🙁

    Warum muss man diese Eltern noch für ihr verantwortungslose Verhalten belohnen, in dem man sie via Videoveröffentlichung “ berühmt“ macht? Kindesentzug wäre angebrachter.

    • Kamatua sagt:

      Wieviel Kinder würden hierzulandein einen Kindersitz setzen, wenn es nicht Pflicht wäre? Eben…kaum welche…

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Nur Rabeneltern sichern ihre Kinder nicht genügend in einem Auto, unabhängig wie arm man ist und wie viel ein Kindersitz kostet.

  • Pierre sagt:

    Wienerwürstchen mit eingesteckten Spaghetti als Kinderessen?! Das ist Junkfood, und wenn man die „Köchin“ sieht, ahnt man, dass die nichts Andereres kochen kann als solches. Ich habe nichts gegen wertloses Essen, wenn es seltens auftragen wird, aber dass das als Kinderessen propagiert wirst, ist nicht korrekt.

    • Myrta sagt:

      Gemüse rüsten und zubereiten scheint eben aufwändiger. Da gehen viele den bequemen Weg. Und da die Kinder als Resultat so aussehen wie sie, merken sie nicht, dass sie es falsch machen.

      • Olga sagt:

        Wissen Sie, Carolina, die Dame im Video hat keinen Scherz gemacht, und viele werden es nicht als Scherz auffassen, und wenn ich in unserem reichen Land, in dem nun buchstäblich alle Nahrungsmittel erhältlich sind und dies meist zu annehmbaren Preisen, schlecht ernährte Kinder sehe, kann ich weder ein Auge zudrücken, noch Spass machen…

      • Carolina sagt:

        Wissen Sie, Olga, wenn hier, wie Mittwochs oft, in einem expressiv verbis ironisch gemeinten Beitrag dann jemand mit der Moralkeule kommt, nervt es mich einfach. Ich bin umgeben von Leuten, die bei jeder Gelegenheit meinen, ihre moralische Ueberlegenheit auf jeder Ebene demonstrieren zu müssen, also erlaube ich mir hier, das schriftlich zu hinterlegen: Sie dürfen der Mehrheit der MB-Leserinnen vertrauen, die höchstwahrscheinlich nicht routinemässig Wienerli mit Spaghetti für ein wertvolles Essenserlebnis halten.
        Wenn Sie sich unbedingt beschweren müssen, tun Sie das doch mal bei Leuten wie

      • Carolina sagt:

        /2 Susi oben, die doch tatsächlich ihr Kind in einem Gschtältli hält und herumschwingt! Finden Sie das nicht auch ganz empörend 😉 (Sorry, Susi, musste jetzt sein:-)

      • Susi sagt:

        Da halte ich doch gerne hin, Carolina!

      • Susi sagt:

        @Olga: Leute, die sich und ihre Kinder sonst gesund ernähren, werden aufgrund dieses Videos wohl kaum plötzlich die Ernährung umstellen, im Gegenteil, so wie die Köchin aussieht, wirkt es wohl eher abschreckend.

        Ich zum Beispiel musste nach dem Schauen gleich eine frische Fenchelsuppe kochen…

      • Carolina sagt:

        Und ich dachte, heute mal Wienerli mit Spaghetti 🙂

      • Susi sagt:

        Danke für den Laut-Rauslacher

    • Carolina sagt:

      Sie oben meinen Kommentar zu Urs……

    • Jonny sagt:

      Als durchaus ambitionierter Hobbykoch ud regelmässige geniesser von gehobener gastronomie muss ich Ihnen vehement widersprechen. Wienerli (gekauft beim Metzger meines vertrauens) sind keineswegs Junkfood, sondern äusserst schmackhafte Wurst. Nur ahnunglose Menschen verachten Wurstwaren! Und gegen eine fantasievolle Zubereitung spricht rein gar nichts.

    • Bruno Menzi sagt:

      „…aber dass das als Kinderessen propagiert wirst, ist nicht korrekt. …“ Ebenso wie Ihre Schreibweise (nicht ganz korrekt ;o) ). Ansonsten gehe ich mit Ihnen einig: Ganze Spaghetti (nicht entzweigebrochene, welch kulinarischer Greuel !) würden das Gericht ausgewogener machen in Sachen Fett/Kohlenhydrate…und „nur“ Vitamine und Wasser (= Gemüse) genügen halt auch nicht ganz für körperliches Wachstum.

  • Joerg Hanspeter sagt:

    Mit meinem Arbeitskollegen hatten wir mal die Idee, in Kinderjacken einen Henkel zu integrieren, so wie die Kapuze im Kragen, analog zur Bergungsschlinge im Kampfanzug 🙂

  • Maja sagt:

    Schade, wird das „Gstältli“ nicht besprochen, mit dem das Kind auf dem obersten Bild geführt wird. Das erleichtert Leuten, die die Obhut über Kinder haben, das Leben ungemein: Die Kleinen gehen so nicht verloren und fühlen sich sicher. Zudem: Wenn ich jeweils krumm laufende Menschen sehe, die seitwärts gebückt ihre Kleinen an der Hand führe und die armen Kleinen, die mühsam ihren Arm in die Höhe strecken, frage ich mich, warum nicht mehr Leute diese clevere Lösung einsetzen. Wahrscheinlich, weil die Angst haben, die KESB würde rumschreien…

    • Brunhild Steiner sagt:

      … oder weil man keine Lust auf Bemerkungen wie „ach das Arme! Ist doch kein Hund mit Leinenzwang!“ und ähnlich Schlaues hat? Brauchte auch mich ein bisschen Überwindung, aber die Vorteile haben deutlich überwogen, eben, Beide können aufrecht gehen und die Grosse vom Gespann hat genug Kapazitäten für die anderen Familienmitgliedern, welche zu schieben/beobachten/etc sind…

      • Marianne sagt:

        Meine hat sich im Gschtältli schreiend auf den Boden geworfen. Sobald es wieder weg war, rannte sie los…gottlob ist diese Zeit vorbei.

      • Maja sagt:

        Dumme Leute reden eben dumm. Das hat mich noch nie abgehalten, etwas zu tun, das die Dummen nicht begreifen. :- )

      • Susi sagt:

        Meine war bei Grossanlässen immer an der Leine, sonst ging sie in 30 Sekunden verloren. Sehr praktisch, wenn eine Treppe kommt, kann man das Kind hinten am Gschtältli kurz hochheben, hahaha!

      • Carolina sagt:

        Haha, Susi, so gut! Sie Sklavenhalterin, Sie! 🙂

      • Susi sagt:

        Manchmal gab’s also schon ein paar irritierte Blicke. Wahrscheinlich von Leuten, die nicht erfahren waren mit Weglauf-Kindern.
        😉

      • Sportpapi sagt:

        Jetzt weiss ich endlich, was das für Eltern sind, die ihren Kindern ein Gestältli anlegen. Ich finde das unmöglich.

      • Susi sagt:

        SP, verbringen Sie mal einen Tag mit einem 18 Monate alten Kind, das die Neugierde in Person ist und sich in Luft auflöst, wenn man mal 15 Sekunden lang ein Nastuch in der Tasche sucht. Am Knabenschiessen, zum Beispiel, oder am Zürifest. Dann kriegt Ihr Begriff „unmöglich“ ein neues Gesicht… 😛

      • Susi sagt:

        SP, ernsthaft, haben Sie vergessen, *Ironie* zu schreiben? schon, oder? ähm…

    • Martin sagt:

      Alleine die Existenz solcher Kinderleinen ist pädagogisch wertvoll.
      Der Spruch: „Wenn ihr nicht brav neben Papi geht, kaufe ich auch so eine Kinderleine“ hat eine grosse Wirkung.

  • Urs sagt:

    Ad „3. Kinder füttern – Spaghetti und Wienerli“. Ist ja wohl nicht ernst gemeint, diese Empfehlung?! Dieses „Kinderessen“ ist kein Essen, sondern ein schlechter Frass und höchstens als einsame Seltenheit auf dem Speizezettel duldbar.

    • Carolina sagt:

      Ich zitiere den Ausgangstext: ‚Drücken Sie ein Auge zu und verfolgen Sie fünf nicht nur ernst gemeinte Schritte durch den Alltag mit Kindern….‘

      • tina sagt:

        …..und überhaupt, das arme kind im auto: bei einem unfall wäre es geköpft! möchte sich gar niemand darüber aufregen?

      • 13 sagt:

        Um ehrlich gesagt, Tina, ist mir der schlichtweg ungenügende Kindersitz als erstes aufgefallen (ich nehme von der Höhe her an, dass es so ein Böckli hat), aber aufregen habe ich aufgegeben. Es gibt einfach zuviele Leute, denen es schlicht egal ist, ob ihr Kind gut gesichert ist. V.a. wenn die Mutter so fährt, dass sie lieber in die Kamera als auf die Strasse guckt. Wer braucht schon Sicherheit, wenn er ein cooles YouTube-Video haben kann?

      • Sama sagt:

        Das Video wurde wohl in einem Land gedreht, in dem Kindersitze nicht Vorschrift sind – wären sie es hier nicht, würde die Mehrheit der Schweizer auch keinen Kindersitz benutzen…

    • Lukas Aeschbacher sagt:

      Meine Kinder würden das vermutlich nicht essen. Dem gezeigten Menü fehlt nämlich noch das entscheidende Finish: Ketch-Up! Erst wenn diese Wurst-Spaghetti-Teile in Ketch-Up getränkt sind, würden sie es essen. 😉

    • alieno sagt:

      Was ist schlecht an Spaghetti? Wir reden hier von einem nationalen, Müll, internationalen Kulturgut.

    • Carlita sagt:

      Nö Spaghetti mit Würstcgen nacgen wir oft und ferne, am Besten mit Spiegelei!

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