Ebola und Enthauptungen am Familientisch

Ein Kind betrachtet einen an Ebola erkrankten Mann in Monrivoa, Liberia. Foto: Abbas Dulleh (Keystone)

Die Perspektive ist entscheidend: Ein Kind betrachtet einen an Ebola erkrankten Mann in Monrovia, Liberia. Foto: Abbas Dulleh (Keystone)

Ebola, Enthauptungen, Erdgasengpässe von Putins Gnaden und Kinder, die als Selbstmordattentäter angeheuert werden. Mal ehrlich, wer hat irgendwas davon nicht mitgekriegt? Und mal noch ehrlicher, wer muss nicht dagegen ankämpfen, von einer Woge von Ebola-Kinderattentäter-Kampfjets-Panik erfasst zu werden? Unsere behagliche Existenz wird pausenlos gepiesackt von Nachrichten jeglichen Grässlichkeitsgrades.

Gut, es stimmt. So schnell wie diese Panikwellen heranrollen, so rasch ebben sie wieder ab. Dann nämlich, wenn das reale Jetzt unsere Aufmerksamkeit fordert. Eine leere Flasche Milch, eine Mathenote oder eine Blase am Zeh sind durch ihre grosse Nähe perspektivisch nun mal grösser als eine Kriegsflotte.

Dennoch ist unser Alltag geprägt von einer überfordernden Dichte und Härte von Nachrichten. Es ist schlicht unmöglich zu erfassen, was sie bedeuten. Damit müssen wir fertig werden. Etwas anderes gibt es nicht.

Nicht nur für Kinder unerklärbar: Der Brite David Haines (l.) kurz vor seiner Enthauptung durch die Hand des Islamischen Staates. Foto: Keystone

Nicht nur für Kinder schwer verständlich: Der Brite David Haines (l.) kurz vor seiner Enthauptung im Namen des Islamischen Staates. Foto: Keystone

Als Kinder durften wir die «Tagesschau» nicht sehen, und schon waren wir in Watte gepackt und hatten Kapazität, uns mit unseren eigenen Alltagssorgen herumzuschlagen. Damit waren wir voll und ganz beschäftigt. Als Teenies haben wir dann gegen die US-Atomwaffen in Europa protestiert und gegen das Waldsterben. Aber auch das war überschaubar. Beziehungsweise glaubten wird das damals.

Das mit der «Tagesschau» ist längst zur herzigen Anekdote geworden. Wir haben keine Chance mehr, unseren Kindern die Vorgänge in der Welt vorzuenthalten. Sie wissen, dass wieder einer geköpft wurde und dass die WHO Ebola für «ausser Kontrolle» erklärt. Und zwar schon mit acht, neun Jahren. Trotzdem sind diese Tatsachen für sie so abstrakt, dass sie diese vor allem für Gesprächsstoff halten. Letzthin kam ich an einem Notarztwagen vorbei, der vor einem Haus stand. Die zwei Teenies vor mir sagten mit einem Seitenblick: «Oh, Ebola. Haha.» Damit hatte es sich. Und im Schulhort ist aus Ebly halt Ebola geworden. Logisch. Denn mehr können die Kids damit nicht anfangen. Und ich bin froh.

Letztlich kann ja auch ich nichts von dem wirklich erfassen, was ich da täglich erfahre. Ich kann Hunderte von Petitionen auf Facebook unterschreiben, ich könnte mir sogar irgendwas über den Kopf schütten — mein Unvermögen zu begreifen, was alles wirklich und tatsächlich geschieht auf dieser Welt, bleibt. Dennoch muss ich Bescheid wissen, und sei es nur, weil meine Kinder es eben auch tun.

Aber ich gebe zu: Ich stehe oft wie der Esel am Berg. Ich kann die schlechten News weder schönreden noch wegmachen. Also muss ich versuchen, meinen Kindern vorzuleben, dass man nicht gelähmt, nicht panisch und aber eben auch nicht gleichgültig werden soll. Und dass sie täglich im Kleinen entscheiden sollen, wo und wie sie selber die Welt ein Krümelchen besser machen könnten, auch wenn sie kaum Einfluss auf furzende Kühe und versinkende Südseeinseln haben. Ich will, dass sie wissen, wie wichtig es ist, die Mechanismen hinter Diktatoren, Wirtschaftsmultis und Castingshows verstehen zu können. Und seis nur in den Grundzügen.

Allen, die jetzt hämisch lachen ob meines naiven Glaubens an den Versuch, ein Gutmensch zu sein – nur zu, lassen Sies raus, bloss keine falschen Hemmungen. Weder Sie noch ich werden den Lauf der Welt ändern.

Dennoch: Ich persönlich ziehe den Glauben an das Kleine der Resignation und dem Zynismus vor. Das mag blauäugig und durchaus ein wenig selbstgerecht sein. Aber es ist das, was ich meinen Kindern mitgeben will. Und kann. Etwas anderes habe ich der Flut von Nachrichten und Katastrophen nämlich nicht entgegenzusetzen.

Und wie gehen Sie und Ihre Familie mit der täglichen News-Lawine um?

88 Kommentare zu «Ebola und Enthauptungen am Familientisch»

  • Barbara S sagt:

    Schmeisst endlich den Fernseher aus der Wohnung. Das schaft viel mehr Lebensqualität, mehr Zeit, weniger Beelendung durch all diese Bilder. Informieren kann man sich trotzdem, Internet sei dank. Mein Leben hat sich zum positiven verändert, seit wir keine Flimmerkiste mehr haben.

    • Felix Stern sagt:

      Grundsätzlich einverstanden und trotzdem gibt es einen Grund, warum der Fernseher unersetzlich ist: Fussball. Natürlich kann man dazu auch in die Kneipe gehen, dann kommt aber noch mindestens ein Bier dazu.

    • Sportpapi sagt:

      Ja, man kann auch über Internet fernsehen…

  • Martin Johansson sagt:

    Ich empfinde es zunehmend als Belastung, wie wir durch die vernetzte Berichterstattung permanent mit Problemen bombardiert werden, die weit weg von uns stattfinden und uns direkt (und meistens auch indirekt) kaum betreffen. Und das immer rascher, detaillierter und eingehender. Schon früher wurden uns andauernd existenzielle Ängste untergejubelt, die Welt gehe bald zugrunde durch Atomkrieg, Wirtschaftskrisen, Ozonloch, Polschmelze oder Waldsterben. Krisen und Kriege allüberall und immer wieder. Es zieht einem nur die Stimmung hinunter, und zwar ohne dass ich damit irdendetwas zu tun hätte

    • Martin Johansson sagt:

      oder irgendetwas daran ändern könnte. Wozu muss ich täglich wissen, wieviele Zivilisten und Soldaten im Land XY dem Krieg zum Opfer fielen? Wieviele Menschen an der Seuche YZ in Afrika oder Südostasien starben? Ob Flüchtlingsboote im Meer kenterten oder von Piraten versenkt wurden? Ich finde wir haben selber bei uns genug Probleme zu lösen und brauchen die Berieselung mit Problemen aus der Ferne nicht zusätzlich. Wen’s interessiert kann sich heutzutage gezielt selber informieren und dann auch engagieren. Hintergrundwissen ist gut, Engagement für eine bessere Welt auch. Ohne Panikmacherei.

    • Widerspenstige sagt:

      ‚..und zwar ohne, dass ich damit irgendetwas zu tun hätte oder irgendetwas daran ändern könnte..‘. Das ist ja der fatale Irrtum, dass man damit nichts zu tun hätte! Wir leben sehr gut mit deren Ressourcenreichtum und nehmen sie aus wie Weihnachtsgänse. Damit wir schön warm haben in den Stuben, damit wir billige Kleider einkaufen können….somit könn(t)en wir sehr wohl etwas tun. Umdenken u sich selber kritisieren ist schwer. Ich weiss es aus eigenem Unvermögen, nur noch mit Holzofen, wie meine Vorfahren, zu heizen. Das Holzhacken liegt mir einfach nicht so sehr…

      • maja sagt:

        Antworten

        Widerspenstige
        Die Kleiderindustrie ist von sich aus in die Billiglohnländer abgewandert um die Gewinne zu erhöhen und ganz bestimmt nicht wegen mir. Auch die teuren Marken Kleider werden dort hergestellt. Es macht keinen Sinn wenn sie die Schuld uns allen zuschieben und die wahren Verantwortlichen so davon kommen. Denen ist es nämlich total egal, die lachen sich noch krumm wenn sich der normale Bürger schuldig fühlt

      • Widerspenstige sagt:

        Weil die Kleiderindustrie durch die Globalisierung massiv Konkurrenz aus dem Ausland erhalten hat. Diese haben die einheimische teure Produktion kaputt gemacht. Es war klar abzusehen, dass Billigketten mehr Käufer finden, denn das Gewissen wird via Portemonnaie käuflich. Du kaufst doch hoffentlich freiwillig Deine Kleider und bestimmst somit selber, woran Blut hängt beim Produzent und wo nicht! Also faule Ausreden wie Deine gelten nicht, maia.

  • Felix Stern sagt:

    „Ich will, dass sie wissen, wie wichtig es ist, die Mechanismen hinter Diktatoren, Wirtschaftsmultis und Castingshows verstehen zu können. Und seis nur in den Grundzügen.“ Wenn Sie das wollen, sollten Sie sich bemühen, dass sich Ihre Kinder mit Geschichte, Ökonomie und Psychologie auseinander setzen. Der Konsum von News führt nicht zur Einsicht, wie die Mechanismen funktionieren. Sie führen oft genug zu Fehleinschätzungen. Wir werden von Nachrichten überschwemmt. Der Wettbewerb unter den Medien führt dazu, dass Sensation vor Wahrheit kommt.

    • markus müller sagt:

      absolut einverstanden.

    • plop sagt:

      Naja, hat man als Eltern eine gute „Diskussionskultur“ mit den Kindern, kommt man von News schon mal zu geschichtlichem/psychologischem/ökonomischem, hoffentlich…

    • Felix Stern sagt:

      Plop, natürlich kommt man von News auf Geschichte / Ökonomie / Psychologie. Nur, will ich die Mechanismen verstehen, dann muss ich mich mit den Wissensgebieten auseinandersetzen und nicht mit den News. Bildung führt dazu, dass man Hintergründe versteht. News ersetzen keine Bildung und damit News überhaupt zur Bildung beitragen muss man schon ganz schön tief graben. Auf der anderen Seite überschätzt man sich sehr gerne, die News und erst recht die Hintergründe verstanden zu haben.

  • Carlotta sagt:

    Ist euch Eltern denn manchmal bang, ob dieser Welt?

    • plop sagt:

      Ja…

      Habe so chli das Gefühl, dass die fetten Jahre vorbei sind. Vom Prinzip Bewegung-Gegenbewegung-Bewegung-gegenbewegung her eigentlich logisch, aber es verunsichert mich schon. Besonders auch im Bezug auf die Kinder. Obs die mit 30 auch so easy haben wie wir ist fraglich…

    • Felix Stern sagt:

      nein

    • 13 sagt:

      Nein, nicht unbedingt. Und zwar, weil ich nicht glaube, dass sie früher besser war, nur weil wir weniger informiert waren. Und letzlich ist es so, wie die Autorin sagt: Es ist für uns nicht wirklich Realität. Da machen mir als Mutter eines in der Schweiz lebenden Kindes andere Sachen mehr Angst: Gewalt auf dem Schulweg, Rassismus in der Schule und bei der Lehrstellensuche, anzügliche Bilder von Minderjährigen im Internet, Raser unter Alkoholeinfluss etc. Nicht, weil das schlimmer wäre, aber eben realer.

      • tina sagt:

        13, wenn ich mir all die vielen depressiven menschen um mich anschaue, denke ich oft, was leute ohne depressionen von leuten mit depressionen unterscheidet, scheint eine gewisse fähigkeit zur ignoranz zu sein. all die schlimmen dinge sind realität, einfach weit weg von deinem und meinem leben. darum können wir sie ignorieren, in den hintergrund und aus unserem bewusstsein verdrängen. wenn man aber am morgen früh schon 60 schlimme news konsumiert (4zeiler ohne hintergrundinfos), dann ist doch das wie wenn ich mir 60 mal am frühen morgen sage: die welt ist schlecht weil menschen gewalttätig sind

      • tina sagt:

        ich möchte auch nicht einem 4jährigen die hintergründe der bilder in der zeitung schon am morgen früh erklären müssen. wenn man sich auch mit positiven sätzen ermutigt (oder sein kind), im sinne von „das ist ein guter tag“, oder „du schaffst das“, oder vielleicht etwas selbstmanipulativ „ich bin ganz ruhig und gelassen“, dann muss einem doch einleuchten, dass der konsum von schlimmen news, die nicht den lauf der geschichte beeinflussen (vergewaltigungen in indien? tödlicher unfall auf irgendeiner autobahn?) nur gerade unseren eigenen tag beeinflussen. und zwar negativ.

      • tina sagt:

        wenn ich also frühmorgens schon über kriege, unfälle und katastrophen lese, dann ist das meine realität. und so eine welt macht mir schon angst. ohne dass ich denken würde, dass es früher besser war.
        darum wäre mir lieber, ich hätte eine wochenzeitung, die die wichtigen ereignisse behandelt, und gar keinen platz hat für 7 tage a 20 schlimmen 4zeilern ohne hintergrund infos.
        über themen informieren kann ich mich prima durch netzt. auch über abstimmungen. dann habe ich auch wieder das gefühl, es ist mein leben und ich habe einflussmöglichkeiten.

  • blub sagt:

    Jööööö…..

  • Hermann sagt:

    Für unseren Teenager kommen Enthauptungen gelegen, nun sind seine Video Games nicht mehr das Schlimmste.

    • Hermann sagt:

      Wir reden aber auch über den Iraq Krieg, die Katastrophen im Mittelmeer und diskutieren die Russland/Iran Allianz in Syrien. Kein Grund, die Kinder nicht in die Diskussion einzubeziehen, je mehr sie die Hintergründe kennen, umso realistischer gehen sie mit den schlimmen Nachrichten um, die sie so oder so zu hören bekommen. Dass unsere Regierung (USA) viel Schuld daran hat, dürfen sie jetzt schon wissen.

  • Widerspenstige sagt:

    Man kann sich diesen Greueltaten schlecht entziehen, denn sie werden auf allen Kanälen gebracht. Die Reizüberflutung ist ein Problem der heutigen Zeit, sich abgrenzen zu können ein Selbstschutz besonderer Lebenskunst. Ich hinterfrage bei solchen bad news mit Vorliebe die Motive, kulturellen Hintergründe etc mit meinen Familienmitgliedern. Gerade bei den Greueltaten der IS habe ich mit meinem jüngsten Sohn eine heftige Diskussion geführt, woher diese IS so junge Männer anziehen. Dabei habe ich die Gamewelt angesprochen u deren fatale Wirkung. Vielleicht wäre das ein Blogthema demnächst…

    • Peter sagt:

      Den Zusammenhang zwischen Spielen und den Taten des IS müssten sie dann aber zuerst auch einmal belegen.

    • Widerspenstige sagt:

      Mit Belegen ist es immer so eine Sache, Peter, wie mit den Beweisen zur Klimaänderung. Erst wenn es zu spät ist und uns das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals steigt, werden auch jene Stimmen laut, etwas dagegen zu tun, welche einen Supergau vehement bestritten u ins Lächerliche gezogen haben. Ich bin für Prävention in jeglicher Hinsicht.
      Also sollen Games näher unter die Lupe genommen werden u deren Abstumpfung Greueltaten gegenüber. Es gibt übrigens kritische Stimmen aus den USA diesbezüglich vorallem wegen den technisch versierten PR Videos der IS aus Games!

      • Franz Vontobel sagt:

        Genau, WS! Die Games sind schuld! Zeigt bereits die Mutter aller Killerspiele, der MS Flugsimulator, der 9/11 auf dem Gewissen hat.

        Sie allerdings sollten weniger mit der iDampfplauderer App spielen. 😀

      • Sportpapi sagt:

        „Also sollen Games näher unter die Lupe genommen werden u deren Abstumpfung Greueltaten gegenüber.“ Das hat man doch gemacht. Aber das Resultat gefällt dir nicht, WS. Eben, mit Belegen ist es so eine Sache.

      • Franz Vontobel sagt:

        Belege & Beweise sind eh überbewertet, SP. Eine mit gesundem (beser noch, übersteigertem) Selbstbewusstsein vorgetragene Behauptung gibt doch viel mehr her!

      • Widerspenstige sagt:

        Das mit dem übersteigerten Selbstbewusstsein müsste grad Ihnen nicht unbekannt sein, Franz….oder soll ich sagen – Gabi? 😀

      • Franz Vontobel sagt:

        Hihi, genau das meine ich, WS: Zwei und zwei zusammenzählen und das Resultat, sieben, mit Inbrunst verkünden.
        Niemand kann das so wie Sie, das muss ich neidlos anerkennen…
        😀

  • Jana sagt:

    Ich sehe das so: man kann grundsätzlich über jedes Thema mit jedem Kind sprechen, sofern es Fragen dazu hat. Terrorismus, Ebola, der Holocaust, Sex, Scheidung, Geld… egal, für alles kann man kindgerechte Worte finden. Es gibt auch Nachrichtensendungen für Kinder im Fernsehen, und interessante Magazine für Kinder, die sich auch mit anderen Themen ausser Pferden und Comics beschäftigen. Das heisst manchmal, dass man sich auch selbst ganz neu mit diesen Themen befassen muss, um die Fragen zu beantworten. Und ja, auf manche Fragen gibt es auch keine zufriedenstellenden Antworten, das gehört dazu

    • Jana sagt:

      Gerade die Frage nach dem „Warum?“ lässt sich meist nicht beantworten. Man kann da Vorschläge machen, aber es ist auch ok, wenn das Kind sich eine eigene Meinung bildet. Gerade jüngere Kinder sehen die Welt noch sehr schwarz-weiss, es gibt die Guten und die Bösen. Sobald sie älter werden, verstehen sie aber, dass die Guten und die Bösen teilweise auch böse bzw gute Dinge tun, und später merken sie, dass die Aufteilung in Gut und Böse nicht mehr viel Sinn ergibt. Sie finden ihre eigenen Antworten, und die sind für ihr Alter sehr angemessen.
      Das ändert sich dann etwas in der Pubertät

    • Jana sagt:

      Teenies provozieren gerne mit allem Möglichen, und in dem Alter ist eine gewisse Faszination für das morbide durchaus nicht ungewöhnlich. Auch viele von uns haben sich in dem Alter Bilder von Toten angeschaut, dabei ging es auch darum, zu wissen, wo die eigenen Grenzen liegen, wie viel man selbst davon verträgt. Das hört dann auch wieder auf, sobald man es rausgefunden hat, aber die blöden Witze („ebola, haha“), haben da auch ihren Platz. Humor ist ein Weg, mit Dingen umzugehen, die sehr schlimm sind, und die unser Verstand nicht neutral erfassen kann oder möchte.

  • Pascal Sutter sagt:

    Es gibt Probleme die die Welt bewegen und Probleme die die Medien uns weissmachen wollen, sie seien Systemrelevant… wenn man das Interesse hat irgendetwas an der Situation zu ändern sollte man aufhören zweiteres in die Welt hinauszuhupen. Das würde uns Eltern und Kindern das leben sehr viel einfacher machen.

  • 13 sagt:

    Schön geschrieben. Und ja, das Kleine tut es manchmal auch. Wenn mein Kind einem anderen Kind, welches ausgegrenzt wird, hilft, dann verhindert es damit keinen Krieg, aber diesem Kind geht es an dem Tag besser.

    Als ich ein Kind war, konnten wir auch nicht vor den Kriegsnachrichten flüchten. Auch wenn es meine Eltern versucht haben, uns fernzuhalten. Wenn es im eigenen Land passiert, man die Gegenden kennt, die bombardiert werden und bei einem Besuch ehemalige Spielkameraden von Luftschutzkellern berichten, wird man reingezogen. Und wenn Dir Leute auf der Strasse angesichts der

    • 13 sagt:

      Flüchtlingsströme plötzlich anders begegnen und Dich Grundschullehrer zu deiner politischen Gesinnung befragen, dann bist Du auch mitten drin. Ich habe damals versucht, in meiner kindlichen Naivität den Menschen meine alte Heimat zu erklären, wie ich sie erlebt habe. Ihnen die Chance zu geben, uns kennenlernen und damit vielleicht das eine oder andere Vorurteil abzubauen. Die Geschehnisse hat das nicht rückgängig gemacht und doch hoffe ich sehr, dass die Gespräche und Begegnung mit mir, den einen oder anderen zum Nachdenken gebracht hat. Wer weiss.

  • zweistein sagt:

    Ich sage meinen Kindern gar nichts. Ausser sie fragen. Ich murre was Unverständliches, sie geben es auf. Bis sie wieder fragen. Dann poltere ich los, dass ihnen schwindlig wird und sie sich denken, „ist Papa Zweistein endgültig durchgedreht?“
    „Darum“ sage ich ihnen, und senke die Stimme, „darum hört immer auf euer Herz.“ Irritiertes Schweigen, fragende Blicke.
    „Das Herz weiss immer was richtig ist. Das Herz macht NIE Fehler. Dem Herz könnt ihr IMMER trauen!“ Ich lächle, sie hüpfen. Sie denken, „Mann, der spinnt!“ Aber ihre Augen funkeln. Ich weiss: alles ist gut.

  • Franz Pfister sagt:

    Weiter so! Ein hoch auf die Gutmenschen die nicht aufgeben. Sie sind nicht blauäugig oder selbstgerecht, sie sind die einzigen die nicht wie die Wutbürger den kleinsten Nachbarschaftsstreit eskalieren lassen oder ab der schlechten, zugrunde gehenden Welt irgendwann in eine Depression verfallen.

    • Franz Pfister sagt:

      „oder ab der schlechten, zugrunde gehenden Welt“ sollte natürlich in Anführungszeichen stehen um die Wutbürger-Ansicht zu verdeutlichen!

      • Martin Frey sagt:

        Meinen Sie nicht, es gibt nicht noch was dazwischen, Hr Pfister? So neben all den Gutmenschen und Wutbürgern?

      • Franz Pfister sagt:

        Natürlich steht es jedem jeden Tag frei zu wählen wie man heute „sein“ will. Generell gesprochen aber bin ich der Meinung dass man diese duale Unterscheidung betr. Persönlichkeit eines Menschen durchaus machen kann.
        Nicht umsonst haben wir die Worte Optimist und Pessimist erfunden.

      • Martin Frey sagt:

        Das nennt man dann wohl ein duales Weltbild. In Schwarz und Weiss.

      • Franz Pfister sagt:

        Werter Herr Frey, jetzt machen Sie es sich zu „dual“.
        Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass auch nicht auch ein Wutbürger (Pessimist, Miesepeter, schlecht-gelaunter – nennen Sie ihn wie sie wollen) eine differenzierte Überlegung anstellen und sich bewusst für ein Verhalten entscheiden KANN. Genauso wie der Gutmensch das auch KANN.
        Mir geht es um die Grundhaltung die gezeigt wird wenn neue Informationen verarbeitet werden.
        Dual und sehr vereinfacht ausgedrückt: Der absolute Gutmensch würde nie jmd. im Affekt töten. Der absolute Wutbürger immer jeden.

  • markus müller sagt:

    ich verstehe nicht ganz wo das problem ist. machen sie doch aus der not eine tugend. wenn von enthauptungen die rede ist, dann kann man über den unsinn von religion sprechen. wenn von naturkatastrophen die rede ist dann kann man über physik sprechen. wenn über kinderattentäter gesprochen wird, dann kann man über medienkritik oder intelligenz oder auch über mitgefühl sprechen. alles böse hat auch sein gutes, vergessen sie das nie! und vieles böse führt zu gutem. genau wie auch umgekehrt. man muss die kinder vor verblendung und ihren folgen warnen. man muss ehrlich zu ihnen sein und aufrichig.

    • markus müller sagt:

      mehr kann man nicht und mehr muss man auch nicht. ein offener geist kann mit den schrecken dieser welt umgehen. es ist ja nicht so dass wir das alles am eigenen leib erfahren. das wäre natürlich noch etwas ganz anderes.

      wenn ich mir jedoch anschaue wieviele verblendete und wieviele wegseher und schönredner, wieviele gutmenschliche frömmler und brandstifter unter uns selber weilen, so finde ich, wird in bezug auf das ehrlich sein mit kindern viel zu wenig wert gelegt! einem kind gehört die welt erklärt. mit all ihren schönheiten und schrecken. nur dann entwickelt sich ein gesunder geist.

  • Martin Frey sagt:

    Ein sehr schöner, authentischer Beitrag von Fr. Fischer. Ich verstehe einfach nicht ganz weshalb sie am Ende sich Asche aufs Haupt streut und sich selber als „Gutmensch“ abtituliert. Klar ist es mit der medialen Informationsflut nicht einfach, selber ein möglichst frohes und glückliches Leben zu leben, ohne gleichzeitig gleichgültig oder zynisch zu werden. Diese Balance hat nichts mit Gutmenschentum zu tun. Ein Gutmensch ist nicht objektiv, dafür einseitig beschönigend, hat fixe Weltanschauungen und versucht die bittere Realität dem anzupassen. Sie Fr. Fischer, sind m. E. nichts von alledem.

    • Sportpapi sagt:

      Interessant, wie Sie hier den vor einiger Zeit in politischer Propaganda geprägten Begriff „Gutmensch“ definieren. Für mich ist das einfach ein Unwort. Was ist denn eigentlich die Alternative? Ein Schlechtmensch?

      • Martin Frey sagt:

        Ich finde den Begriff Gutmensch auch nicht gut gewählt, brauche ihn selber eigentlich nie. Es war Fr. Fischer die sich hier unter diesen „Generalverdacht“ gestellt hat, nur um ein Bonmot der letzten Tage zu verwenden. Wobei ich zu verstehen glaube was unter „Gutmensch“ zu verstehen ist, Unwort hin oder her.
        Und was sind die Alternativen? Gute Frage. Wahrscheinlich müsste man sie „Realos“ nennen. Dies weil sie im Ggs. zum Gutmenschen die Welt zu sehen versuchen wie sie ist, und nicht wie sie es gerne hätten.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Und Sie meinen, die Leute, die Sie „Realos“ nennen, sehen die Welt realistischer? Und vor allem: Ihre Lösungsvorschläge seien irgendwie realistischer? Ich weiss nicht, ob Ihre Wertung da stimmt. Um bei Ihren Begriffen zu bleiben: Ich würde mich dann irgendwie als realistischer Gutmensch bezeichnen.

      • Martin Frey sagt:

        @Sportpapi: Vielleicht bin ich sogar selber in der Hinsicht ein Gutmensch, wenn ich daran glaube, dass es nebst den Gutmenschen und Wutbürgern (Zitat Hr. Pfister von weiter unten) noch eine breite, mehr oder weniger differenzierte Masse Menschen gibt. Zumindest hoffe ich darauf und möchte daran glauben. Und ja, ich denke tatsächlich, wenn man versucht, objektiv zu bleiben und zu differenzieren, sieht man die Welt realistischer als der klassische „Gutmensch“.

      • Ich bin ein Schlechtmensch. Das ist eine geniale Worterfindung, um mich zu definieren.

  • Stephan sagt:

    Die Kinder schauen „Logo“, die Kindertagesschau auf dem KiKa, naturgemäss deutschlastig, dafür sind die Themen kindgerecht erklärt, (was manchmal auch meinem Verständis hilft).
    Selbst schaue ich meist nur noch die Schlagzeilen der Tagesschau, wenns nur so Gruselzeugs ist wie Enthauptungen und Ebola, schalte ich dann weiter (auf irgendeine Sitcom). Ich mag das nicht sehen und nicht hören.

  • Brunhild Steiner sagt:

    „Und dass sie täglich im Kleinen entscheiden sollen,
    wo und wie sie selber die Welt ein Krümelchen besser machen könnten“
    macht für mich den entscheidenden Unterschied.
    Über Bekannte/Freunde haben wir Einblick ins Elend der verschiedensten Weltgegenden u Möglichkeit „vor Ort“ Unterstützung zu leisten. Für den einzelnen Menschen dort wird seine Welt dann eben doch um vieles besser, das dürfen wir nicht übersehen, auch wenn wir an Schlechtem überflutet werden,- wir hätten ganz viele Möglichkeiten! (die wir vermutlich immer noch zu wenig nutzen…)

    • Brunhild Steiner sagt:

      2/ ich versuche nicht nur unsere Kinder zu schützen, sondern auch mich selber. Mache mir auch immer wieder bewusst dass es „früher“ bezüglich Gewalt und Widerwärtigem nicht um Welten besser war- die Welten waren einfach noch nicht in Sekunden darüber informiert. Was mir besonders Mühe macht, dass es meist 2,3 Dinge sind die es schaffen wochenlang zuoberst zu stehen, und alles andere an Schrecklichem rückt darüber ins Vergessen. Auch die Balance finden zwischen Misständen in CH u was tun dagegen versus Misstände ausserhalb, wo es meist um einschneidendere Dimensionen geht, finde ich schwierig.

  • tina sagt:

    finde ich auch extrem wichtig, und glaube dass das einer der hauptfaktoren ist, die einem depressionen vom leibe halten: die grundhaltung, dass man in seinem eigenen winzigen unbedeutenden umfeld jeden tag die wahl hat, etwas zur verbesserung oder verschlechterung beizutragen. mit gutmenschtum hat das nichts zutun, sondern mit selbstwirksamkeit.
    mit news weiss ich nicht wie umgehen, ich versuche mir news vom leibe zu halten. meine kinder handhaben das ähnlich. ich glaube nicht, dass es wichtig ist, 20minuten artikelchen zu lesen. mir fehlt etwas wie eine schlaue wochenzeitung

    • Susi sagt:

      Stimme zu, 20minuten ist übel und noch schlimmer ist es, dass eine solche Zeitung von Jung und Alt gelesen wird.

      • Sportpapi sagt:

        Schlimm ist es eigentlich nur, wenn man meint, nach 20minuten eine Zeitung gelesen zu haben. Ich weiss gerade nur nicht, ob gar keine Zeitung lesen wirklich schlauer ist. Verschiedene Zeitungen zu lesen halte ich für sinnvoller und in einem demokratischen Land eigentlich Pflicht.

      • tina sagt:

        wir sprechen in diesem thema hier aber von kindern und news. und kinder lesen selten die nzz komplett am morgen, dazu noch den tagi und vielleicht die woz.

      • Sportpapi sagt:

        @tina: Kinder lesen das, was auf dem Frühstückstisch liegt. Da gehört 20min nicht dazu. Mein Sohn vergleicht im Moment schon einmal die zwei verschiedenen Wetterberichte und fragt nach dem Hintergrund zu einzelnen Bildern.

      • tina sagt:

        ah, SO funktionieren kinder also 😀 danke für die bedienungsanleitung. ich frage mich was das ist, was da an meinem frühstückstisch sitzt 😉 kinder könnens also nicht sein

      • tina sagt:

        das was ich bisher meine kinder nannte, kommt vom pausenplatz mit news heim. gelesen oder beiträge online oder im tv geschaut wird erst nach der schule. wer hat denn zeit täglich mehrere zeitungen zu lesen, und wenn eine zeitung der anderen abschreibt, fragt man sich, ob das viel bringt

      • Felix Stern sagt:

        „ich versuche mir news vom leibe zu halten. “ ist ein vernünftiger Ansatz. Natürlich ist es löblich NZZ, Tagi und WOZ zu lesen und ggf. zu vergleichen. Wenn die Zeit fehlt, ist die Distanz zum heutigen Jounralismus besser. Unser problem sind nicht die Krisen dieser Welt sondern der Tsunami an schlechten NAchrichten, der uns vermittelt, die Welt gehe unter. Das Gegenteil ist der Fall. Im Irak werden Geiseln geköpft? Schlimm genug, aber früher war das auch bei uns an der Tagesordnung und nicht nur das: es war eine Belustigung.

      • adlerauge sagt:

        Das Problem mit dem News-Müll à la 20 min oder Blick am Abend (noch tiefer nivellieren geht fast nicht mehr) ist, dass dieser heute im öffentlichen Raum ubiquitär ist, man sich dem schon recht aktiv entziehen muss. Sich jegliche News vom Leibe zu halten, ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Als mündige Bürger und Bürgerinnen sollten wir schon ein bisschen informiert sein. Und zwar nicht nur aus dem Fernsehen, auch wenn dies durchaus zu einem gesunden Mix dazugehören darf. Und Kindern darf man auch schon vermitteln, dass es eine Welt jenseits der Gratisblätter gibt.

      • ka sagt:

        @sportpapi: Kinder lesen auf dem Handy am morgen 20min News, da nütz es gar nichts, das ich die NZZ auf dem Tisch liegen habe.

      • Sportpapi sagt:

        @ka: Meine Kinder haben noch keine Handys. Und ich hoffe, sie machen das einmal anders.

      • tina sagt:

        ja genau, kinder müssen unbedingt lernen news- und anderen informations-müll (eigentliche desinformation) zu unterscheiden von fundierten informationen, und wissen, wie man an einigermassen fundierte information kommt. ich nenne news eben das was in 4zeilen daher kommt und null fundiert ist. fundiertere informationen sind nachrichten.
        zunehmend sagen erwachsene, news-müll zu konsumieren tut ihnen nicht gut, reisst sie runter. ich selber hatte lange einfach keine zeit zum zeitung lesen, und stellte fest, dass ich trotzdem informiert bin, weil ich mit erwachsenen spreche

      • Sportpapi sagt:

        „Ich selber hatte lange einfach keine zeit zum zeitung lesen, und stellte fest, dass ich trotzdem informiert bin, weil ich mit erwachsenen spreche.“ Aha. Hoffentlich waren es die richtigen Erwachsenen. Du würdest in der Situation allerdings auch gar nicht merken, wenn du nicht informiert wärst, oder?

      • Felix Stern sagt:

        SP: Wenn man sich über seine Mitmenschen informiert und dabei von irgendeinem Hype nichts mitbekommen sollte, hat man dann wirklich etwas verpasst? Dass man dank News Konsum informiert ist, ist gefährlich. Man wird mit viel Müll versorgt.

      • Sportpapi sagt:

        @Felix Stern: Wer nur über Kollegen informiert ist, hat eine sehr eingeschränkte Informationsbasis. Ausserdem geht es nicht nur um News, sondern auch um Hintergründe und Zusammenhänge. Ich hoffe ja nur, dass Leute, die keine Lust auf Informationen haben, dann auch an Abstimmungen nicht teilnehmen. Dort ist die persönliche, breit abgestützte Information nämlich Pflicht.

      • tina sagt:

        so ich finde es reicht langsam SP. ich sprach von news müll, den ich vermeide. nicht nachrichten. und man muss auch nicht zwingend zeitung lesen, schon vom internet gehört? mit menschen sprechen heisst ja nicht, dass ich nur mit meinem freundeskreis spreche, ich habe ein arbeitsumfeld (übrigens akademiker ,-))

      • Felix Stern sagt:

        @SP: Wer sich über Kollegen informiert, der hat wenigstens einen Filter und jemanden, der (hoffentlich) die dinge reflektiert bevor er sie widergibt. Etwas zu erklären verlangt ja, übder den Sachverhalt zu reflektieren. Aber das wissen Sie als Lehrer sicher bestens. Noch etwas: sich von News fern halten heisst nicht, sich nicht zu informieren. Wenn ich abstimmen gehe, dann informiere ich mich durchaus aber weder im Blick noch bei 20 Minuten. Um ganz offen zu sein, die Informationen, die bei den Wahlunterlagen beiliegen sind gar nicht einmal so schlecht. Die lese ich jedenfalls.

      • fgee sagt:

        @Sportpapi
        Die pseudoseriöse linkslastige Boulevardzeitung von der Werdstrasse ist aber auch keine Alternative.

      • Franz Vontobel sagt:

        Naja, immer noch besser als das Toilettenpapier, das wöchentlich an der Förrlibuckstrasse bedruckt wird, nicht? 😀

    • markus müller sagt:

      es gibt news und news. also gute und schlechte. umfassend recherchierte und boulvardeske. viel wichiger als das lesen der einen oder anderen ist zuallererst mal das wissen um ihre verschiedenheit. diese kann man kindern wohl noch beibringen. eine kritische haltung zu entwickeln ist wichtig. man kann dann mit dieser kritischen haltung täglich blick lesen und verdummt trotzdem nicht. jedoch kann man unkritisch täglich tagi lesen und verblödet daran. es ist also nicht so sehr die news an sich, sondern die eigene haltung dazu. zudem sind bücher wichtiger als tägliche news.

    • fgee sagt:

      Den Ansatz von Felix Stern finde ich gut. Denn eigentlich ist es doch so: Erst wenn auf allen drei Plakätli am Zeitungsautomaten das Gleiche steht, ist wirklich etwas Wichtiges passiert 😉 und dann kann man sich immer noch informieren.

  • Meier Pirmin sagt:

    Enthauptungen waren für Kinder noch vor 300 Jahren in der Stadt Baden normal, habe im Auftrag des Stadtammanns am 1. August über öffentliche Hinrichtungen dort gesprochen. Der junge Albrecht von Haller, Sohn des bernischen Landvogts, nahm an einer Diebes-Enthauptung als 8-Jähriger teil. Er erklärte bzw. bekam erklärt, das sei nicht schlimmer als wenn man ein Huhn köpfe, im Gegenteil, das Huhn sei unschuldig. Die Kinder bekamen in Baden bei Enthauptungen regelmässig ein Brötli, später Spanisch-Brötli genannt, weswegen gerade die Ärmeren nie eine Hinrichtung verpassten.

    • Martin Frey sagt:

      Dies scheint eine Badener Tradition bis zum heutigen Tag zu sein. Denn auch der aktuelle Stadtammann hat ja irgendwie scheinbar ein Flair für „Enthaupter“ und fühlt sich selber grad öffentlich hingerichtet. Zumindest wenn man ihm so zuhört…

      • Sportpapi sagt:

        Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen…

      • Widerspenstige sagt:

        Er fühlt sich nicht öffentlich hingerichtet, er wurde vom Pöbel öffentlich hingerichtet. Eine Schande der besonderen Art in der heutigen sooo aufgeklärten Zeit. Ich möchte gar nie wissen, was Menschen in ihrem Privatleben so treiben. Da bin ich anscheinend eine Ausserirdische und fühle mich wohl dabei.

        Und Sportpaps: wer hier den Schaden hat, liegt im Auge des Betrachters. Armselige Häme.

      • Sportpapi sagt:

        @WS: Wenn du noch einmal darüber nachdenkst, wirst du vielleicht merken, dass ich für einmal ganz auf deiner Linie bin.

      • Martin Frey sagt:

        Ich glaube, Hinrichtung ist was anderes, WS. Ansonsten werfen Sie nochmals einen Blick auf das Photo im Artikel.

      • alias sagt:

        WS, Du hättest nur den Post vom Sportpapi genau lesen sollen, um zu merken, dass Ihr hier wohl gleicher Meinung seid. Ich übrigens auch. In dieser Affäre sind alle schlechter herausgekommen ausser denen die in der Mitte der Affäre waren, also Geri und seine Leute.

    • Meier Pirmin sagt:

      Danke für die gute Diskussion. Klar ist die publizistische Hinrichtung nicht mit der realen Hinrichtung zu verwechseln, da besteht die Gefahr des Zynismus. Aber Fertigmacherei sollte man nicht unterschätzen. Ich fand es aber ungeheuer symbolisch, zweieinhalb Wochen vor der Affäre Geri Müller über öffentliche Hinrichtungen in Baden gesprochen zu haben.

      • Martin Frey sagt:

        Bei Müller von Hinrichtung zu sprechen wie WS das tut halte ich gerade in dem Kontext für mehr als pietätlos. Man kann vom aktuellen Stadtammann halten was man will, Fakt ist dass er sich seine Suppe weitgehend selber eingebrockt hat. Und seinen Kopf noch hat. Was man von Haines wohl nicht behaupten kann. Hier derartige zynische Vergleiche zu tätigen ist nur noch menschenverachtend. Oder man hat keine Ahnung wovon man spricht.

      • alias sagt:

        Naja, ein gewisses Gespür für Symbolik ist nicht daneben hier. Ich finde die Parallelität auch recht auffällig.

      • Widerspenstige sagt:

        Sehe das ebenso, Pirmin Meier, und es war mehr als symbolträchtig. Man könnte fast von Vorsehung sprechen.
        Beruhigen Sie sich, Martin, und betreiben Sie mit solchen Greueltaten keine Wortklauberei wie in Ihrem post vom 09.31! Nachher entsprechende Kommentare mit Entsetzen quittieren scheint doch ziemlich verwerflicher als mein Vergleich. Aber ich hätte das Wort ‚mediale‘ zufügen können. Auch ich bin nicht perfekt.
        Alias, das war nicht sooo klar, aber Sportpaps mag’s so formulieren…

    • fgee sagt:

      Der Unterschied ist: Früher ging es nach der Enthauptung weiter mit dem Leben nach dem Tod. Die Todesstrafe war also nicht endgültig. Heute glauben wir dank dem aufgeklärten postmodernen Nihilismus nichts mehr, auch nicht an ein Leben nach dem Tod. Und trauen uns deshalb nicht mehr, die Schwerverbrecher aus der Gesellschaft zu entfernen.

      Das ist kein Zynismus, sondern einfach eine Frage der Sichtweise.

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