Der Mythos der Akademiker-Hausfrauen

Mamablog

Viele junge Mütter schaffen den Sprung von der Uni ins Berufsleben nicht: Hochschulabsolventin mit Baby. Foto: Carl Wilke (bigcheesedad.com)

Über fünf Milliarden Franken sind quasi in den Sand gesetzt worden, weil rund 50’000 Frauen zwar fleissig studiert haben, dann aber Kinder in die Welt gesetzt und auf einen Job verzichtet haben (laut Bundesamt für Statistik). Das ist bitter. Aber dieses Lamento kommt reichlich spät. Beziehungsweise ist schon abgestanden und nun einfach und Gott sei Dank ein bisschen lauter geworden, da das Thema akuter wird.

Wer es hören will, weiss schon lange, dass in der Schweiz enorm viel Know-how brachliegt und nicht zugunsten des Bruttosozialprodukts arbeitet. Vor allem weil Frauen sich erstklassiges Wissen aneignen und es dann sozusagen in den Backofen und die Kloschüssel stecken. Nur: Solange es so schwierig ist, mit Vätern den Job zu teilen, weil sie entweder wirklich, wirklich nicht können oder weil sie heimlich saufroh sind, dass sie nicht müssen, wird es nicht besser.

Und auch nicht, bevor nicht jeder Betrieb begriffen hat, dass die Vereinbarkeit von Kind und Beruf nicht einfach Privatsache ist. Die Integration der weiblichen Bildung klappt nämlich nur, wenn alle am gleichen Strick ziehen. Bis dahin bleibt das Jammern gepflegter Small Talk. Man könnte sich genauso gut über das Wetter unterhalten. Wobei sich Letzteres nicht ändern lässt – ganz im Gegensatz zum Problem der Bildung, die ungenutzt in Windelbergen versickert.

Darum finde ich Statements «Meine Kinder profitieren von meiner Bildung», wie man sie in der Zeitung «20 Minuten» lesen konnte, zwar nett, aber kontraproduktiv, an der Sache vorbeiargumentiert. Und auch Nationalrat Hans Fehr bläst gern munter ins gleiche, schon spuckefeuchte Horn, wenn er behauptet, er fände, dass Akademikerinnen ihren Kindern mehr Bildung mitgäben und das darum gut sei für den Staat. Ich bitte Sie, das ist ein Faustschlag ins Gesicht aller nicht akademischen Mütter und in dasjenige der akademischen gleich dazu.

Ja, natürlich, es ist schön, wenn Kinder eine Mutter haben, der die Bildung ihrer Kinder am Herzen liegt und die viele Fragen beantworten kann oder zumindest weiss, wie und wo man Antworten bekommt. Aber dazu braucht es keine akademische Bildung. Ich habe selbst eine – und ausser bei ein paar wenigen Fragen rund um Zoologie oder Naturwissenschaften im Allgemeinen hat es mir kaum je so viel genützt, dass ich dafür sechs Jahre lang hätte büffeln müssen.

Ich weiss nämlich noch immer nicht, warum der liebe Gott Kriege zulässt, warum wir sterben müssen und wo die Schere schon wieder hingekommen ist, um nur drei der abertausend Fragen zu nennen, die wir als Mütter beantworten müssen. Zudem muss ich ja auch keine Bäckerinnenlehre machen, um mit meinen Kindern Kuchen zu backen, oder ein Kindergärtnerinnenseminar absolvieren, um mit ihnen zu basteln.

Solange Frauen nicht wirklich die freie Wahl haben zwischen Job und Kinderzimmer, bleibt die ganze Argumentation pro Akademiker-Mütter drum nichts als Schönschwätzerei. Bitte hört auf damit und konzentriert euch auf bessere Möglichkeiten, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren! Frau dankt. Und hilft gern mit.