Best of: Mütter aller Trotzkinder, vereinigt Euch!

Es sind Sommerferien, auch für unsere Autorinnen und ihre Familien. Deshalb publizieren wir während zweier Wochen einige Beiträge, die besonders viel zu reden gaben. Dieser Beitrag von Andrea Fischer erschien erstmals am 12. Dezember 2013.

Trotzkind

Ruhe, bitte: Mutter mit Kind beim Einkaufen in Zürich. (Bild: CT Zan/Wordpress)

Eine wahre Geschichte, (Migros-Limmatplatz, Vorweihnachtszeit, überheizt, Neonbeleuchtung): Das Kind hat einen eigenen kleinen Einkaufswagen. Der hat oben ein Fähnchen drauf, damit man ihn sieht zwischen all den grossen Wagen. Gerade eben kurvt das Kind damit konzentriert zur Kasse, da wird es von einer auf Kinderhöhe ausgelegten Gummibärensammlung aufgehalten. Die Mutter sagt «so, komm jetzt!» und zieht ein wenig vorne am Wägeli des Kindes. Damit hat das Kind nicht gerechnet. Es verliert das Gleichgewicht und landet mit einem saftigen «Bonk» auf dem Hinterkopf. Dickschädel gegen Steinboden. Nichts passiert.

Sofort wird die ganze Trotzmaschinerie angeworfen mit allem Komparsen: innkindlichen, innerfamiliären und ausserfamiliären. Das Kind brüllt, als werde es bei lebendigem Leib geröstet, die Mutter schwitzt Blut und Wasser, sagt Nettes und Gehässiges ohne Punkt und Komma. Entnervte Teenies mit einem Pack Eistee unter dem Arm verduften an die entfernteste Kasse, die Kassiererin signalisiert gelangweilt: «Hach, wenn Sie wüssten, was ich hier alles schon gesehenen habe.» Und sieben (als Ziffer: 7) Frauen, darunter statistisch gesehen mindestens eine Mehrfachmutter und eine Grossmutter, benehmen sich, als wäre die Mutter des Trotzkopfs ein asoziales, unfähiges Miststück. Sie rollen mit den Augen, machen laut «tztztz» und eine sagt sogar: «Die Mutter soll das arme Kind doch mal in den Arm nehmen.»

Trotzkind

Auf den Boden liegen und mitheulen: Der Traum einer geplagten Mutter mit Trotzkind.

Die Mutter kniet inzwischen rot neben dem Kleinen, der noch immer völlig aus der Fassung ist ob dem Leben im Allgemeinen und dem «Bonk» im Besonderen. Ein klassischer Trotzanfall schüttelt ihn, und bis der abgeklungen ist, kann ihm nichts und niemand helfen. Nur Zeit und Gelassenheit – aber woher nehmen und nicht stehlen, unter den Augen dieser Aasgeierinnen?

Eine, zwei Seiten von Remo Largo würden genügen, um zu wissen, dass man da durch muss als Mutter, egal was. Im Kopf des Kindes läuft nun mal das Programm «Trotz». Und das surrt stur von A bis Z weiter. Und alles, was man als Mutter tun kann und soll, egal was einem die wohlmeinenden Damen weismachen wollen, ist geduldig warten und sich weder vertreiben noch erpressen lassen.

Dabei ist natürlich genau das das Schwierigste. Ich erinnere mich gut daran, dass ich mich manchmal gefühlt habe, als stünde ich nackt am Pranger eines mittelalterlichen Kaffs, wenn eines meiner Kinder am Boden rumtobte. Ich war bachnass und am liebsten hätte ich so getan, als kenne ich dieses brüllende Bündel Mensch nicht und wäre gegangen. Oder ich träumte davon, mich einfach neben mein Kind auf den Boden zu legen und mitzuheulen.

Was ich aber ganz sicher nicht wollte, war, dass lauter selbstgerechte Tanten mit verkniffenen Mündern Ratschläge zischten von wegen «verzogener Gof, mal ein Satz warme Ohren würd helfen» oder «jetzt kaufen Sie ihm doch umshimmelswillen diese Gummibärli, kosten ja nicht alle Welt und für Ihren Lippenstift haben Sie ja auch genug im Portemonnaie, so wies aussieht» und «seien Sie mal ein bisschen lieb zu dem armen Kindchen, kein Wunder, muss das so weinen bei so einem Mami.»

Dabei stört es solche Hexen von Schweizwick jeweils kein bisschen, dass sie sich allesamt widersprechen, und damit genau das illustrieren, was Sache ist: Dieses Problem kennt keine simple Lösung. Es muss ausgestanden werden.

Darum, liebe Frauen, die ihr selbst schon kleine Kinder hattet und offenbar vergessen habt, wie es euch damals ging: Nehmt gefälligst den Amnesie-Schalter aus eurem Hirn! Wisst ihr wirklich nicht mehr, wie es war, selbst als Mutter dort zu stehen? Und falls ja: Warum eigentlich? Wenn ihr es so sehr im Griff hattet, dann ist es doch sicher eine schöne Erinnerung und es wäre jammerschade, wenn sie verloren ginge.

Habt Mitleid! Mit den Müttern! Nicht mit den Kindern, die werden dann schon von ihren Müttern getröstet, wenn der Spuk vorüber ist. Fragt, ob ihr helfen könnt oder lächelt ihnen wenigstens mit aufrichtigem Mitgefühl kurz zu. Egal was, aber hört auf, den armen Müttern auch noch eines auf den Deckel zu geben.

Übrigens: Vor ein paar Tagen habe ich eine Bekannte getroffen, die mit zehn Jahren Abstand ein Nesthäkchen aufzieht, und das mit einer filmreifen Gelassenheit. Als ich ihr erzählte, dass ich einen Blog zum Thema Solidarität mit Müttern von trotzenden Kindern schreibe, meinte sie: «Oh ja, ich erinnere mich gut, wie es mit den ersten beiden war, grässlich! Weisst du, jetzt mache ich es ganz anders. Wenn die Kleine loslegt, ignoriere ich das einfach und packe in Ruhe weiter meine Sachen ein. Es gibt ja immer genügend Gutmütter in der Nähe, die sich um sie kümmern.» Dann lachte sie schallend. «Mensch, dir hätte ich vor zehn Jahren begegnen sollen», denke ich.

Und gleich noch ein Nachtrag: Die einzigen, die meiner Meinung nach von Natur aus dazu berechtigt sind, genervt, fies oder anderswie unpassend auf eine Mutter mit Trotzkind zu reagieren, sind Menschen ohne eigene Kinder. Das ist ein Sicherheitssystem der Natur zur Erhaltung der Spezies Mensch. Solange man keine Kinder hat, soll man sich nämlich in Ruhe einbilden, dass man es dann später besser macht. Wäre dem nicht so, würde sich kein Mensch mehr fortpflanzen.

73 Kommentare zu «Best of: Mütter aller Trotzkinder, vereinigt Euch!»

  • Vanille sagt:

    Mein kleiner hat das mit mir auch schon mehrmals getestet. Ich hab es nicht weiter beachtet.. Die mitleidigen Blicke der gerade Anwesenden habe ich nicht wahrgenommen. Er hat es gelernt, dass es nichts für ihn gibt beim Einkaufen.

  • Kathi sagt:

    Ich finde den Gedanken sich daneben zu legen und zu heulen eine sehr interessante Idee ^^

  • aemi sagt:

    zum glueck bin ich von natur aus eine sehr gelassene mutter und grosmutter. schon mit meinen eigenen kindern habe ich einfach gewarted bis der trotzanfall vorueber war. kinder haben keinen abstellknopf so wartete ich bis die baterie „flat“ war. gereded habe ich nicht da meine stimm volumen schon in einer ruhigen umgebung kaum zu hoeren ist. was um mich herum geschah was ich gehoert habe, habe ich einfach ignoriert. das gleiche verhalten mit meinen grosskindern. habs voll ueberlebt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  • Andrea Mordasini, Bern sagt:

    Ein anderes Mal spielten meine beiden friedlich in der Stadt und sprangen Stufen rauf und runter, ohne wirklich zu stören. Da kam uns eine ältere Frau entgegen, die verächtlich mit dem „Gring“ schüttelte und noch verächtlicher mit der Zunge schnalzte. Mein „nid zfescht waggele, är chönt nech abgheie“ war da auch sehr hilfreich… ;). Warum sich als Mutter/Vater immer alles stillschweigend bieten und gefallen lassen? Wir und unsere Kinder haben auch eine Existenzberechtigung! Eltern, wehrt euch gegen diese kinderfeindlichen Mitmenschen, gerade und vor allem für und wegen Euren Kindern!

    • Claudia sagt:

      Genau so haben jedoch auch andere Menschen ihre Bedürfnisse und Existenzberechtigung. Dann dürfen sie sich auch nicht ab doofen Sprüchen zurück beklagen.

      • Andrea Mordasini, Bern sagt:

        Nach Ihnen soll ich mir also als Mutter tatsächlich alles bieten und gefallen lassen? Nein danke, sorry, kein Bock drauf! Ich greife ja nicht an, sondern wehre mich ausschliesslich für uns und allenfalls andere, die zu Unrecht „angegriffen“ werden. Ich bin also nicht in der Offensive, sondern Defensive. Warum soll ich als Mutter huschelimässig kuschen? Was für ein schlechtes Vorbild wäre ich da für meine Kinder! Wir Mütter und unsere Kinder sind doch nicht weniger Wert als die anderen Mitmenschen. Auch Kinderlose wehren sich doch in der Regel, wenn sie angemotzt werden, oder. Eben, na also ;)!

  • Andrea Mordasini, Bern sagt:

    Das Beste und Effizienteste ist immer noch, den Motzern und Besserwissern mit einem träfen, witzigen, aber nicht primitiven, niveaulosen Konterspruch den Wind aus den Segeln zu nehmen und sie mit den eigenen Waffen zu schlagen ;). Vor Jahren an der Coopkasse zwängte und brüllte meine damals 2,5jährige Tochter wie am Spiess. Ich konnte sie weder beruhigen noch ablenken. Eine Frau konnte es nicht lassen, 3 Mal hässig nach hinten zu blicken. Beim 4. Mal sagte ich: „längt nech zuelose nid, dass dir no geng müesst luege?“ :D. Es klappte, die Dame liess die Gafferei sein ;).

  • Hermann sagt:

    Wir flogen letzte Woche von Zürich nach San Francisco mit Zwischenhalt in Washington. Unser müder Kleiner wurde wütend beim Besteigen des zweiten Flugzeugs in Washington, da es nur Filme gegen Bezahlung hatte, und sein Lego Filmchen nicht abrufbar war. Er begann zu toben wie noch nie. Er war bereits sehr müde vom langen Flug vorher und brauchte nun alle Schimpfwörter, welche in der englischen Sprache vorkommen. Total peinlich, denn die Leute starrten uns Eltern an, von wo konnte er diese Sprache nur haben. Wir liessen ihn austoben und ausfluchen, bis er erschöpft auf Mammas Schoss einschlief.

  • Jürg Diener sagt:

    Sicher gibt es nicht nur Mütter, sonder auch Väter, die sich unverhofft in solchen Situationen wiederfinden. Väterberatung und Coaching Schweiz berät Väter in schwierigen Situationen. Jürg Diener

  • Georg sagt:

    Ich hab‘ mal… Ich erzähle jetzt auch eine Geschichte, die ich erlebt habe. Ich sah (und hörte) mal in einem Gang zwischen zwei Regalen in einem Grossverteiler eine kleine Blage, die alleine, verrotzt und brüllend mit den Fäustchen auf den Boden hieb. Auf einmal hielt sie inne, blickte um sich, sah erstaunt, dass die Mutter nicht da war, stand auf und ging sie still suchen. Diese war einen Gang weiter, ungerührt. Die Frau hatte offenbar gesunden Menschenverstand, etwas, das vielen vernünftigen, gut ausgebildeten Frauen zum Zeitpunkt des Gebärens abhandenkommt, wie ich im Alltag feststelle.

    • Georg sagt:

      (Forts.) Brüllende Blagen sind zwar eine Plage, aber die brüllen ja in der Regel, wenn sie gesund sind, nicht lange, und sie treten nicht in Horden auf. Es lässt sich also in normaler Umgebung aushalten. Oft kaum aushalten hingegen lassen sich ihre „Mamis“, die unter Beobachtung jede nur erdenkliche Torheit begehen. Für die Hundehaltung (auch für Chihuahuas) braucht es einen Kurs. Zu dem wird man gezwungen. Eltern dürfen ihre Kinder einfach so „halten“, egal, welche Belästigung sie für die Umwelt darstellen oder welchen Schaden die Kinder dabei nehmen. Das ist ein Mangel.

  • Martin Johansson sagt:

    Wenn sich Ihr Kind brüllend und trötzelnd in der Öffentlichkeit auf dem Boden wälzt ist das der falsche Moment für Verständnishudelei oder für endlose Benimmerklärungen. Es ist schlichtweg ein bewusster fieser Erpressungsversuch des Kindes mit dem Ziel, den eigenen Willen durchzusetzen. Und so etwas darf nicht geduldet und muss dem kleinen Fiesling abgewöhnt werden, und zwar bereits beim allerersten Mal! Besonders hier heisst es konsequent zu sein. Hey Leute, Kinder sind clever und nicht immer lieb, sie begreifen schon sehr früh, wie sie ihr Umfeld, v.a. die Eltern, manipulieren können.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Trotzanfälle sind in der Regel Ausdruck von Hilflosigkeit und werden erst dann manipulativ, wenn man nachgibt.

      Mein Grosser hatte sehr früh Anfälle, wo er einfach nicht mehr ansprechbar war. Diese Anfälle waren selten, aber dauerten jeweils bis über 1 Stunde und bis zur totalen Erschöpfung.

    • Andrea Mordasini, Bern sagt:

      Traurig, dass Sie Kleinkinder als Fieslinge bezeichnen :(. Das sind sie definitiv nicht, sondern ganz einfach kleine Menschen, die zuerst lernen müssen mit Frust umzugehen. Kleinkinder sind bis zu einem gewissen Alter vom Kognitiven her noch gar nicht in der Lage, vernetzt zu denken und bewusst zu manipulieren. Sie schreien und zwängen aus Frust und das ist auch normal und darf auch sein. Ihm Verständnis für seinen Frust entgegenzubringen nützt mehr als es zu ignorieren oder gar anzuschreien. Das heisst aber nicht, dass man nachgibt, im Gegenteil. Konsequent kann man auch mit Verständnis sein!

  • Apu Nahasapeemapetilon sagt:

    Scheint ein Problem der luxus Konsumgesellschaft zu sein. Im mausarmen, indischen Dorf, wo ich herkomme, kleben die Kleinen an dem Rücken der Mütter und lugen freundlich mit grossen Kulleraugen in die Welt. Trotz-Anfälle sind unbekannt.

    • Susi sagt:

      Die Zwei- bis Dreijährigen kleben den Müttern noch am Rücken?

    • irgendwer sagt:

      ja, dort ist alles besser. die mädchen werden bei der geburt eh ausgesiebt, und das patriarchat in indien kommt ja garnicht von der erziehung, nee, gell? immer dieser mythos, dass es in naturvölkern besser zuginge, oder in grossfamilien, während der durchschnittlich gebildete zivilist in europa lebensmässig total degeneriert sei. wk1, wk2 gab es trotz grossfamilien, industrialisierung undmproletariat wegen der grossfamilien, es ist doch gut, dass wir uns weiterentwickelt haben, keine alten mehr reinreden lassen, keine 12 kinder in die welt setzen, deren erziehung wir nicht gewährleisten können

    • Muttis Liebling sagt:

      Auch ADHS, Borderline, Burn Out, alle diese Soziopathien sind in weiten Teilen der Welt unbekannt.

      • Emx sagt:

        Hm, da wär ich gar nicht so sicher, es wird einfach nicht so benannt …

      • Susi sagt:

        Nein, man nennt es dann einfach „Dämon“ und geht zum Schamanen…

        😉

      • Muttis Liebling sagt:

        @Emx, Sie dürfen sicher sein. Mit Beginn der industriellen Revolution gab es den Zappelphilipp (ADHS), den Suppenkasper (Anorexie), Max und Moritz (Trotzkinder).
        In Grimms Märchen, dem Sittengemälde der vorindustriellen Zeit, gab es die nicht. Da gab es andere, typische Figuren der Zeit. Die ausgesetzten Kinder (Hänsel und Gretel), die böse Stiefmutter (Schneewittchen), Normalfall bei einer Müttersterblichkeit von 20%, welche Erstgeborene praktisch nie mit der leiblichen Mutter aufwachsen liessen.
        Die Märchen erzählen uns viel, auch dass es Soziopathien eben nicht gab.

      • Susi sagt:

        @ML: Und Sie würden also die Hexe bei „Hänsel und Gretel“ (alte Frau, die kleine Kinder ins Haus lockt, sie in einen Käfig sperrt und backen/essen will) und die Stiefmutter in „Schneewittchen“ (Auftragsmord an den Jäger, Mordversuch mit vergiftetem Apfel) nicht als Soziopathinnen bezeichen?

      • irgendwer sagt:

        früher sang man ja auch anders: der jäger aus kurpfalz, der reitet durch den grünen wald und macht die häschen kalt, der försterin gefallts …

      • Muttis Liebling sagt:

        @Susi, die Hexe ist eine Symbolfigur, die steht für das Böse und die Stiefmutter ist überzeichnete Realität. Sie war der Normalfall und das Zuwendungsgefälle zwischen den eigenen und den Kindern der Vorgängerin gibt es heute noch. Das würde ich nicht Soziopathie nennen.
        Aber eigentlich geht’s mir um die Kinder, die immer sehr reralitätsnah gezeichnet sind. Da beginnen die heute fälschlicherweise als Krankheit benannten Phänomene erst ab dem Struwwelpeter. Kriterium für eine Krankheit aber ist, dass diese zeit- und ortsabhängig auftreten.

      • Muttis Liebling sagt:

        @irgendwer, ich weiss nicht, ob der Liedtext so wirklich mal so war, es könnte sein. Inzwischen kann man Originalmärchen ohne die Grimm’schen Bearbeitungen, sprich Verharmlosungen lesen. Da wird vergewaltigt und gemordet und was der Prinz wirklich mit Rapunzel macht, so dass ihr bald kein Kleid mehr passt, wird auch sehr deutlich beschrieben.

      • Susi sagt:

        @ML: Was Sie schreiben, tönt zwar interessant, ich bin aber nicht ganz einverstanden.

        Schauen wir doch vom Standpunkt der Märchenepoche „Romantik“ mal knapp 200 Jahre zurück ins Zeitalter der Aufklärung. Plötzlich sollte das gottesgläubige Volk den Verstand benutzen und alles in Frage stellen. Natürlich war dieses intensive Rationalisieren irgendwann überstrapaziert, man forderte wieder mehr Gefühl und schrieb Texte wie „Die Leiden des jungen Werther“. Die unbändige Wildheit und Hitzköpfigkeit der „Sturm und Drang“-Epoche wurde irgendwann auch wieder zu viel, man wollte mehr Struktur, mehr alte, „antike“ Werte und befand sich in der Klassik. Die Romantik folgte dann auf die etwas spröde Klassikzeit, Sehnsucht war wieder angesagt, Nacht, Natur. Und hier schrieben die Gebrüder Grimm die gesammelten Märchen nieder, natürlich erst, nachdem sie viele Inhalte durch den Filter der romantischen Verklärung verfremdet hatten. Es gibt aber auch unbekanntere grimmsche Märchen, die möchte man keinem Kind zumuten, glauben Sie mir. (Und ja, es wurde vergewaltigt, gequält und gemordet, Werke von Soziopathen, oder?)

        Was ich mit der langen Rede sagen will: Die Literatur der jeweiligen Epoche spiegelt nicht einfach nur die gesellschaftlichen Verhältnisse wider, sondern war auch wesentlich beeinflusst von vorangehenden Geistesströmungen.

        Nur, weil etwas in der Literatur nicht dargestellt wird, heisst es nicht, dass es damals nicht existierte; es standen einfach andere Probleme im Zentrum. Im 18.Jh war Armut und Tod dermassen dominant („Sterntaler“: Ein verwaistes Kind geht allein in den Wald, zieht sich aus und bekommt dafür Geld…), dass ein ADHS wohl einfach nicht auffiel oder nicht als Problem wahrgenommen wurde…

  • Meier Roger sagt:

    Meine Frau hat in der Vergangenheit eine ähnliche Situation folgendermassen gemeistert. Auf einen dummen Kommentar einer Person, ( weiblich ) hat meine Frau gesagt, wenn sie wolle könne sie das Kind behalten. Es sei gratis abzugeben. Das entsetzte Gesicht der Person hätte man sehen sollen. Als man es mir erzählte habe ich mich gekringelt vor Lachen.

    • Andrea Mordasini, Bern sagt:

      Apropos weiblich: Die allermeisten dummen, unpassenden, besserwisserischen Kommentare, Augenroller und verächtlichen Zungenschnalzer kamen bis anhin von Frauen… :roll:. Die Männer hingegen blieben in solchen Situationen cool. Die haben es scheinbar nicht nötig, sich in den bereits genannten Trotzanfall-Situationen auf Kosten anderer zu profilieren. Merci viumau :D!

  • clara müller sagt:

    ich schliesse mich susi an: mir ist grad in der migi (hallo, wengihof!) vor allem mitgefühl von anderen kunden und mitarbeiter/innen entgegengebracht worden in solchen situationen. nicht unverständis und besserwisserei.

  • Martin sagt:

    den Teil mit den Aasgeierinnen finde ich cool!

  • Orsa sagt:

    Nachdem mein Älterer eine ganze Busfahrt trotzschreiend verbracht hat, kommt eine mir unbekannte Passagierin auf mich zu und meint: Ich solle das jetzt noch geniessen, die Kinder sind dann so schnell gross. Ich fand die Reaktion so was von erfrischend!

  • Susi sagt:

    Zur Reaktion anderer Leute: Ich hatte mal so eine Situation, als meine Tochter, sie war etwas 2,5 Jahre alt und im schlimmsten Trotzalter, beim abendlichen Baden im See irgendwann raus musste, weil ihre Lippen schon fast blau waren vom langen Drinbleiben.
    Man stelle sich vor: Sonnenuntergangstimmung am stillen See, Idylle pur, und dann ein Goof, der sich schreiend am Boden wälzt und nicht mehr ansprechbar ist. Ich konnte sie nicht mal anziehen, weil sie, sobald ich sie berührte, den Rücken durchdrückte und strampelte.
    Ich schämte mich wie ein Hund, aber niemand reklamierte, es gab nicht mal böse Blicke, nur bemitleidende.
    Eine ältere Frau sagte zu meiner Tochter mit wissendem Blick: „Ja, das nützt der jetzt au nüt!“

    • Sportpapi sagt:

      🙂
      So ist es. Je düm mer meine Kinder tun, desto weniger erreichen sie ihr Ziel. Und langsam haben sie es auch gemerkt…

      • Lukas O. Bendel sagt:

        Ich sagte/sage meinen Kindern immer: Wenn Du schreist, um etwas von mir zu bekommen, dann erhältst Du es garantiert nicht – denn nur wenn Du mir ruhig zeigst/ sagst, was du willst (bzw. später „darum bittest“), dann will ich und können wir gemeinsam eine Lösung suchen und finden.
        Auch der gesunde Menschenverstand lehrt: Erreicht ein Kind mit Schreien, was es will (Süssigkeit / Aufmerksamkeit), dann wird es das nächste Mal wieder schreien, da diese Strategie ja zum Erfolg führte – und Kinder lernen zur Sicherung des eigenen Überlebenssolche solche Wenn-Dann-Verhaltensmuster sehr schnell!

      • Susi sagt:

        Genau so ist es, die wenn-dann-Muster. Basisregeln der Verhaltenspsychologie.

      • irgendwer sagt:

        ja, für uns sieht das „dumm“ aus, aber das sollten wir dem kind nicht sagen. vielleicht wäre es besser, zu fragen, warum es sich jetzt so fühlt, wie es fühlt ( wenn noch ansprechbar), und ihm dann erklären, dass man dieses gefühl respektiert, dass man aber keinesegs nachgibt, und dass das kind nun halt mit dem gefühl des frustes alleine klarzukommen lernen muss, ohne dass man als elternteil den respekt verlirt. man kann das kind ja dann abends explizit dafür loben, dass es sich dann irgendwann in den griff gekriegt hat. odr soll man das nicht?

      • Susi sagt:

        Erklären, warum es sich jetzt so fühlt? „Ah, du bisch jetzt hässig, will du nöd die dräckigä Sockä nomal aleggä dörfsch… Chani ja verstah.“

        Also, wenn ich sowas bei meiner Kleinen versucht habe, dann hörte ich leider meine eigenen Worte nicht mal wirklich.
        Wie Remo Largo sagt: Die Intensität der Anfälle ist abhängig vom Temperament und nicht beeinflussbar, nur die Häufigkeit. Und zum Glück war die Anfall-Frequenz bei ihr durchaus im Rahmen.

      • irgendwer sagt:

        @susi: nö, das meine ich nicht so, sondern anders: mein kind dreht durch. meist kann man da nichts machen, aber etwas später gehts wieder, und dann redet man drüber, macht klar, dass nicht verhandelt wird, dass aber die frustration des kindes erkannt und respektiert wird. idealerweise lernt das kind dann, dass es wut haben kann & darf, dass die gewaltsame, energische durchsetzung mit hilfe einer solchen nötigung des elternteiles, (was anderes ist die situation im supermarkt ja nicht) eben ein nogo ist und zu keinem erfolg führt. wenn es das erkennt, wasman durch punktuelles lob akzentuiert …

      • Alice sagt:

        @irgendwer: Ein ca 2-3jähriges Kind, das evt. noch nicht mal eine ICH-Erkenntnis besitzt zu fragen „was fühlsch jetzt grad“ ist wirklich (noch) nicht hilfreich. Das würde ja reflektiertes Denken voraussetzen, das ein Kind in diesem Alter nun mal einfach noch nicht hat. Trotzanfälle eines Kleinkindes müssen einem nicht peinlich sein. Das eigene Verhalten darauf aber schon. Ich störe mich überhaupt nicht ab Geschrei wenn ich sehe, dass die Mutter/Vater den Anfall mit stoischer Ruhe ignoriert und dem Kind zu verstehen gibt, dass es überhaupt nichts nützt zu schreien. Das ist Erziehung.

  • Susi sagt:

    „Eine, zwei Seiten von Remo Largo würden genügen, um zu wissen, dass man da durch muss als Mutter, egal was.“

    Stimmt nicht ganz. Largo sagt ganz klar, dass man zwar die Intensität solcher Anfälle nicht beeinflussen kann, weil die Temperamentabhängig ist, die Häufigkeit hingegen sehr wohl.

    Meine Tochter hatte so krasse Trotzanfälle, dass sie vor Schreien jeweils patschnass geschwitzt war. Allerdings geschah das nicht so häufig und schon gar nicht in der Migros an der Kasse, wo die Süssigkeiten sind. Ich habe ihr dort noch nie etwas gekauft, bis heute nicht, und sie geht an diesen Gestellen vorbei, als wären die gar nicht dort.

    Wenn ein Kind durch einen Tobsuchtanfall nichts erreicht, dann kommen diese Anfälle tatsächlich weniger häufig vor.
    Die Binsenwahrheit: Gift ist, in so einem Moment nachzugeben. Wenn ich eine Mutter sagen höre: „Aber ich musste ihm das Feuerwehrauto kaufen, weil er sich auf den Boden geschmissen hatte und schrie!“ denke ich mir auch, dass diese Art von Anfällen hausgemacht sind.

    • Susi sagt:

      Die Kinder können diese Anfälle, je nach Betreuungsperson, sogar sehr selektiv einsetzen, das habe ich in meinem Au Pair Jahr gesehen. Während die Kleinen bei ihrem Vater noch stets ihr Ziel erreichten, indem sie sich schreiend am Boden herumwälzten, bis er ihnen XY kaufte oder tat. Als ich neu ankam, versuchten sie das bei mir in den ersten zwei Wochen auch. Ich war damals erst 23 und fand es recht schwierig, konsequent zu sein, blieb aber hart. Für den Rest des Jahres hatte ich diese Art von Problem nicht mehr.

    • irgendwer sagt:

      ja sicher, aber was das kind mit drei nicht lernt, das lernt es halt mit dreizehn, wenn niemand mehr mit ihm spielen will. dann passt es sich eben an und enteickelt sichnweiter. wozu muss man sich so auf den tobsuchtsanfall fixieren? ignorieren, weitergehn, nicht persönlichnnehmen, die kinder toben ja schon, wenn ein deckel nicht auf ein töpfchen passt oder ein kleidchrn nicht an die puppe.

      • Susi sagt:

        @irgendwer: Hat Ihr Kommentar mit meinem Beitrag zu tun?

        Falls ja: Sie fragen, wozu man sich so auf den Tobsuchtanfall fixieren muss. Also, das muss man ja nicht , wenn dieser kaum je stattfindet.

        Im Kommentar „fixiere“ ich mich auf das Thema „Tobsuchtanfall“, weil es im Zentrum dieses Blogs steht…

  • Andrea Mordasini, Bern sagt:

    Als Mutter zweier Kinder kenne ich so Situationen auch gut und fühle mit all den anderen Eltern und ihren Trotzkindern. Trotzanfälle gehören nun mal zur Entwicklung dazu, sind ganz normal und hat nichts mit verzogenen, schlecht erzogenen „Goofen“ und überforderten Mütter zu tun! Wer etwas anderes behauptet, hat wohl keine Kinder oder mag sich an “damals” nicht mehr erinnern… Kinderlose, die Kinder kriegen und erziehen nur vom Hören Sagen kennen und somit keine Ahnung haben, sollen in so Situationen gefälligst “Ratschläge”, Kritik und Vorurteile für sich behalten und schweigen. Dasselbe gilt übrigens auch für alle anderen die glauben, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben… Mitfühlende Worte und Gesten sowie Fragen, ob man helfen kann, sind jedoch meistens willkommen und das Beste für ein gestresstes Mami :)! Mütter, aller Trotzkinder, vereinigt Euch, genau! Wir sitzen schliesslich alle im selben Boot. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass es jeden Sturm (Trotzanfall) heil überlebt und nicht zu sinken droht statt einander unnötig runterzumachen :)!

    • Papa aus Überzeugung sagt:

      ?? Heisst das…
      Nur Mütter haben das Problem?
      Alle Mütter können erziehen (weshalb, fällt ihnen diese Kompetenz bei der Geburt des Kindes zu, und den Vätern eben nich ??)
      Alle Kinderlosen können nicht erziehen?
      Sehr interessant!

      • Andrea Mordasini, Bern sagt:

        Stimmt, es hätte Eltern heissen müssen, da haben Sie absolut recht und ist auch meine Meinung ;)! Also, ELTERN aller Trotzkinder, vereinigt euch :D!

      • Papa aus Überzeugung sagt:

        Gut, das wäre also geklärt. Es bleibt aber immer noch die Frage, woher alle Eltern die Erziehungskompetenz haben sollen. Da zweifle ich nämlich manchmal schon etwas.

      • Andrea Mordasini, Bern sagt:

        Mich nervts, wenn Kinderlose das Gefühl haben, andere Eltern in einer Stresssituation (Trotzanfall) besserwisserisch belehren, kritisieren und verurteilen zu müssen. Sorry, aber Aussenstehende können einfach nicht gleich mitreden wie direkt „Betroffene“, ist einfach so und nicht bös gemeint! Natürlich wird ein Paar mit der Geburt des Kinds nicht sofort zum Erziehungsexperten. Das ist ein fortdauernder Lernprozess, „Learning by doing“ sozusagen ;). Mir wärs als Kinderlose nie in den Sinn gekommen, andere Eltern und deren Kinder lauthals anzublaffen und zu kritisieren. Leben und leben lassen…

      • Papa aus Überzeugung sagt:

        Dann ist das Problem aber doch das Anblaffen. Auf welcher Grundlge wird gemäss Ihrem Konzept entschieden, ob aus dem Tun Gutes entstand? Reicht learnig by doing Ihrer Meinung nach tatsächlich für Expertise?
        Man kann übrigens Erziehungswissenschaften studieren. Dann gibt es noch die Lehrpersonen. Diese haben neben einer Ausbildung Erfahrungen, und vor allem wird ihr Handeln laufend überprüft.
        Was mich stört, ist das Einteilen in gute und schlechte bzw. zur Kritik berechtigte und unberechtigte Menschen.

    • Andrea Mordasini, Bern sagt:

      Na ja, ob wir Eltern auch wirklich alles richtig machen bzw dann richtig gemacht haben, wird sich erst später herausstellen, wenn die Kinder erwachsen, ausgezogen und selbständig leben. Es gibt aber weder DAS Erziehungskonzept noch DAS Kind oder DIE Situation. Was beim einen Kind funzt, funzt beim anderen schon wieder nicht. Deshalb gebührt Eltern in Stresssituationen in erster Linie Verständnis und keine zusätzlichen, unnötigen Vorwürfe. Denn schliesslich versuchen, tun und wollen wir ja in der Regel nur das Beste für unsere Kinder :).

      • irgendwer sagt:

        wir eltern machen natürlich alles richtig, weil es eben garkeinen masterplan fürs leben gibt. wir schaffen fakten, ein wenig menschenverstand, geduld und guter mut und willen tun das ihrige, dass alles wächst und gedeiht.

      • Papa aus Überzeugung sagt:

        Und dazu brauchen wir Kinder?

  • Sportpapi sagt:

    Väter haben solche Probleme natürlich nicht… Wobei: sich überlegen, wie es gerade wirkt, wenn man erzieht, das tun Männer vielleicht wirklich weniger…

    • Marco Kummer sagt:

      Super Kommentar! War als Vater auch mein erster Gedanke. Dieses Problem reduziert sich doch nicht auf Mütter!? Ich kann mit gutem Gewissen behaupten, dass ich solche Situationen voll im Griff habe. Es stört mich kein bisschen, was andere denken, wenn ich mit meiner Tochter eine peinliche / schwierige Situation erlebe. Ich blende das Umfeld einfach aus und weiss, dass die anderen es auch nicht besser können. Es lohnt sich übrigens, ein paar clevere Antworten für entnervte Zuschauer bereit zu heben (z.B.: „Sie dürfen gerne mithelfen, wenn Sie das Gefühl haben, es besser zu können“)

      • Susi sagt:

        Ich hatte mich eben jeweils schon geschämt, je nachdem, wo es passierte. Einmal im pumpenvollen Bus in der Stosszeit, und die Leute schüttelten den Kopf, einer mischte sich sogar ein, d.h. er sprach nicht mich an, sondern meine Tochter, worauf diese typischerweise noch wütender und lauter schrie, ihr Kopf noch röter wurde, ihre Haare noch schweissnasser.

        So ein Kindergeschrei ist schon unangenehm, und man hat dann das Gefühl, eine Zumutung für das Umfeld zu sein. (Warum nur musste ich grad während der Stosszeit den Bus benutzen, wenn alle müde von der Arbeit auf dem Heimweg sind…)

      • mamma sagt:

        cool, dass auch papis kommentieren, bin ganz der gleichen meinung: 1. väter erziehen ja die kids genauso und 2. was gibts denn da zum schämen, wenn ein kind mal trotzt? c’est la vie. wieso ist sowas meistens nur für männer selbstverständlich?

      • Andrea Mordasini, Bern sagt:

        @Susi/Stosszeiten: bloss kein schlechtes Gewissen deswegen, im Gegenteil! Sie hatten bestimmt ihre Gründe. Auch Eltern und ihre Kinder haben das uneingeschränkte Recht auf ÖV-Benützung, auch zu Stosszeiten, wenns sein muss. Niemand zwängt sich extra und zum Verärgern der anderen in einen überfüllten ÖV. Würde ich mich nur nach den Stosszeiten richten, käme ich nämlich nirgends hin. Zudem: auch wir arbeiten, wenn auch nicht für Geld, sind abends müde. Bloss haben wir nicht einfach so pünktlich Feierabend… Der ÖV ist für alle da, auch zu Stosszeiten, auch für Mamis/Papis und deren Kinder :D!

    • Martin sagt:

      Kann mich ebenfalls nur anschliessen.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Warum müssen Eltern Gründe haben, um während den Stosszeiten die ÖV benutzen zu dürfen? Dafür muss man sich doch nicht rechtfertigen. Es ist doch einfach so, dass die Menschen irgendwo hinfahren, weil sie dort etwas erledigen müssen, arbeiten gehen, oder sich mit Freunden zu treffen. Irgendwann einmal hat man die Dinge erledigt und man fährt wieder nach Hause, Punkt. Eltern müssen sich nicht rechtfertigen für die Benutzung von ÖV, genauso wenig wie Rentner sich nicht dafür rechtfertigen müssen an der Migroskasse auch bei Grossansturm das Münz rauszuzählen.

      • Sportpapi sagt:

        „Eltern müssen sich nicht rechtfertigen für die Benutzung von ÖV, genauso wenig wie Rentner sich nicht dafür rechtfertigen müssen an der Migroskasse auch bei Grossansturm das Münz rauszuzählen.“ Schlechter Vergleich. Mich würden diese Rentner ärgern…

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Warum?

      • Andrea Mordasini, Bern sagt:

        Danke Tamar, das sehe ich eben auch so und finde es schlimm, wenn über zu Stosszeiten ÖV-benützende Eltern hergezogen wird :(. Niemand, weder Eltern noch Rentner, müssen sich dafür rechtfertigen oder gar entschuldigen! Sportpapi, stell dir vor, sogar Rentner haben wie Mütter, Väter und 100% erwerbstätige Kinderlose Termine und Programme! Die heutigen AHVeler sind zum Glück recht fit, rüstig, noch voll im Saft und unternehmungslustig – und das ist auch gut so :D! Wie schon gesagt, der ÖV ist für alle da, auch zu Stosszeiten, wenns sein muss!

      • Sportpapi sagt:

        Weil auch ich nicht in aller Ruhe mein Münz zusammensuche, wenn hinten viele Leute anstehen. @Andrea: Ich habe nichts dagegen gesagt. Aber auch hier. Allerdings. Wer frei ist mit seiner Terminplanung, versucht vielleicht aus Eigeninteresse den grössten Pendlerströmen auszuweichen.

      • Andrea Mordasini, Bern sagt:

        Ja Sportpapi, auch mir/uns ist ein halbleeres Tram lieber als ein überfülltes. Aber manchmal gehts halt einfach nicht anders, da auch wir Programme und Termine haben und Aktivitäten und Ausflüge unternehmen. Würde ich mich ausschliesslich den Stosszeiten richten, käme ich als Nichtautofahrerin wie schon geschrieben nirgends hin. Stosszeiten überspitzt: 7-9, 11-14, 16-19, bleiben also 2 x 2 Stunden… ;). @ Münz rausklauben: ehrlich gesagt hat mich das früher auch manchmal bisschen genervt. Aber die machen das nicht extra, es geht mit den arthrose geplagten Fingern oft einfach nicht anders :(.

      • Andrea Mordasini, Bern sagt:

        Ja, und als Kinderlose, die ihre Einkäufe nur huschhusch in der Mittagspause, ev noch nach Feierabend erledigen konnte fragte ich mich manchmal schon ab den zu diesen Zeiten einkaufenden Rentnern. Ich sagte mir dann, dass es für diese Menschen nach 40 Jahren Arbeit wohl gar nicht so einfach sei, plötzlich viel mehr Zeit zur Verfügung zu haben, wir sind ja schliesslich alles Gewohnheitstiere ;). Andere Überlegung: leider gibt es auch heutzutage viele einsame Betagte. Das Beste um unter Menschen zu sein, ist, wenn viele unterwegs am Einkaufen sind: zB über Mittag… Dies als kleiner Denkanstoss.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Rentner gehen zu Stosszeiten einkaufen, weil sie unter Menschen sein wollen. Alleine sind sie Zuhause genug, da brauchen sie nicht noch eine menschenleere Migros.

      • Susi sagt:

        Für Kinder und Kinderwagen bezahlt man nichts im ÖV, also muss man zu Stosszeiten auch nicht den Bus vollstellen, wenn es irgendwie anders geht.
        Ich hab mich da auf jeden Fall dran gehalten, fuhr dann eher selten und nur wenn es nicht anders ging. (Auch im eigenen Interesse)

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Als ob man nichts besseres zu tun hätte, als sein Leben nach Stosszeiten auszurichten.

        Als ich im Verkauf in Zürich gearbeitet habe, haben mich nicht Eltern mit Kinder oder Rentner genervt, sondern Kinderlose die an innerschweizer Feiertagen nach Feierabend die Sitzplätze mit ihren Einkaufstaschen belegt haben, die man mit Nachdruck auffordern musste, die Plätze freizugeben.

      • Andrea Mordasini, Bern sagt:

        @Susi: Sorry ich war und bin nicht Autofahrerin, sondern ausschliesslich mit dem ÖV und zu Fuss unterwegs. Ich lasse mir von niemandem sagen, diktieren und vorschreiben wie und wann ich mich mit meinen 2 Kindern in öffentlichen Raum zu bewegen habe. Warum sich als Mutter/Vater unnötig einschränken und verzichten? Wir verzichten gerne für und wegen unserer Kinder auf irgendwelche Aktivitäten. Dies jedoch freiwillig und nicht wegen Aussenstehender! Eltern und Kinder, wenn auch bis 6 gratis im ÖV, sind doch nicht weniger wert als kinderlose 100% Erwerbstätige! Gleiche Rechte für alle, merci :D!

      • Andrea Mordasini, Bern sagt:

        @Susi: warum sich als Mutter ausgerechnet unter Wert verkaufen :(? Wie sollen wir Eltern uns, insbesondere wir Mütter, mehr Respekt in der Gesellschaft verschaffen, wenn sich einige Mamis selber abwerten?! Nur weil wir in der Regel weniger bis kein Geld mehr verdienen, leisten wir genau so viel wie die 100% arbeitenden Kinderlosen, einfach auf einer anderen Ebene: wir formen sozusagen die nächste Generation. Eine verantwortungsvolle Herausforderung und Aufgabe, die endlich mehr Respekt, Anerkennung, Achtung und Wertschätzung verdient! Den Anfang müssen aber die Mütter und Väter selber machen!

      • Sportpapi sagt:

        @Andrea: Das geht für mich am Thema vorbei. Hier geht es nur darum, nicht ausgerechnet dann mit dem grössten Kinderwagen und viel Bagage (hatte ich jeweils auch dabei, wenn ich mit den Kindern unterwegs war – jetzt bleibt der Wagen endlich zu Hause) ausgerechnet dann unterwegs zu sein, wenn es schon viele Leute hat. Wer flexibel ist, könnte diese Flexibilität auch sinnvoll nutzen, zum Wohle aller Beteiligten. Das gilt ebenso für Pendler auf dem Weg zur Arbeit.

      • Andrea Mordasini, Bern sagt:

        @Sportpapi: Sie haben natürlich nicht unrecht, es gibt tatsächlich Angenehmers als einen stickigen, überfüllten ÖV… Was uns eine gute platz- und nervschonende Alternative zum Kinderwagen war, war das Tragttuch bzw der Ergo. Mich nervt halt, wenn einige (zB Pendler) meinen, anderen (zB Eltern) vorschreiben zu müssen, wann diese den ÖV zu benützen haben. Und wie gesagt: ich fahre nicht Auto, bin also auf den ÖV angewiesen. Wenn ich mich als aktive und unternehmungslustige Mutter nur noch nach dem Stossverkehr richten würde, kämen wir wortwörtlich nirgends hin 😉 :lol:.

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