Der Sohn ist auch eine Comicfigur

Caspar spielt. Caspar schmollt. Caspar lacht. Er entdeckt, erschreckt, und er zerrt immer mal wieder an den Nerven seiner Eltern. Caspar ist eine Comicfigur, doch nicht nur: Caspar ist auch ein Junge von dreieinhalb, der in Zürich aufwächst. Er liefert die Inspirationen für Vaters Illustrationen. Täglich.

Seit seiner Geburt hat sein Papa, François Chalet, jeden einzelnen Tag in einem Bild festgehalten. So sind bisher 1400 Illustrationen entstanden. Ohne Worte, für sich selbst sprechend. Die Bilder zeigen den Alltag der Familie, ihre Abenteuer und Höhepunkte – aber auch die Schwierigkeiten und Hürden, die Eltern mit einem Kind durchleben. François Chalet nimmt den Betrachter dabei auf eine persönliche und berührende Reise. Man sieht die Eltern dem trotzenden Kind gegenüberstehen, beide kurz vor dem Verzweifeln. Wie sie Ängste durchstehen, ihr Bestes geben – und zu dritt die kleinen Momente geniessen.

Sind die Situationen und Gefühle noch so komplex, François Chalet schafft es, sie grafisch hervorragend umzusetzen und auf den Punkt zu bringen. Als Betrachter sieht man auf einen Blick, um was es geht. Man erkennt sich in den Illustrationen oft selbst wieder und lacht, ist gerührt, tankt auch Mut. Man merkt: Man ist nicht allein, andere Familien kämpfen genauso mit Alltäglichem.

Und genau darin liegt gemäss dem Illustrator unter anderem der Reiz, wie er mir bei einem Kaffee erzählte: «Das Leben erkennt man am Unperfekten. Dann, wenns nicht funktioniert. Das macht menschlich – und es entspannt.»

Vielleicht soll aus den Bildern mal ein Film entstehen, die ursprüngliche Idee sei es jedenfalls mal gewesen, sagt der 43-Jährige. Bis es so weit ist, führt der Illustrator, Animationsfilmer, Regisseur und visuelle Künstler weiter täglich sein Tagebuch in Bildern – also eine Art Papablog. Immer abends nach getaner Arbeit um etwa 18 Uhr setzt sich François Chalet eine halbe Stunde an den Computer, um ein weiteres Bild zu illustrieren. Eine Auswahl davon erschien kürzlich im Buch «Caspar».

Einen kleinen Film von Caspar gibt es bereits. Im Trickfilm geht es um die Liebe der beiden Eltern und die Entstehung Caspars – des realen Jungen wie auch der Comicfigur.

Le coup de foudre from François Chalet on Vimeo.

François Chalet: Caspar. 208 Seiten, durchgehend farbig illustriert. 27 Franken, www.echtzeit.ch

4 Kommentare zu «Der Sohn ist auch eine Comicfigur»

  • Christian Duerig sagt:

    Dad Drew Cool Cartoon Characters On His Son’s Lunch Bags Every Day For The Last 2 Years.
    (frei übersetzt: Während den letzten 2 Jahren zeichnete der Vater Cartoons Charaktere auf die Mittagstüten seines Sohnes)

    http://www.boredpanda.com/funny-lunch-bag-illustrations-dad-bryan-dunn/?image_id=lunch-bag-dad-funny-illustrations-bryan-dunn-1.jpg#topcategories

    Dies mag Anregung sein, selber etwas für die Liebsten zu tun. Sie haben sicher ein Talent, das andere zum Schmunzeln bringt. Denken Sie nach.

  • Widerspenstige sagt:

    Köstlich umgesetzter Familienalltag mit Kleinkind. Welche Mutter hat das bisher auch so akribisch täglich über Jahre umgesetzt (nein, ich meine damit nicht FB füttern mit Snapshots) auf so kreative Art? Diese Liebe zum Unerwarteten seines Schabernack treibenden Nachwuchses dieses Illustrators besänftigt mich jetzt doch sehr. Gewisse Väter sind doch besser als ihr Ruf, wenn man sie denn machen lässt. Die Meisten sind halt einfach grossgewachsene Jungs geblieben und mit einem Kind kann man seine kühnsten Bubenträume wieder hochleben lassen. Mütter, habt Nachsicht mit solchen Vätern. 😆

  • Susi sagt:

    Die Bilder sind wirklich toll; originell, gleichzeitig sehr schlicht und bringen gerade dadurch das Wesentliche auf den Punkt. Erstaunlich, dass Chalet jeden Tag (in einer halben Stunde??) so eins zu produzieren vermag.

    Und ein wunderbarer Animationsfilm zum Thema Liebe!

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