Das Schnäbeli in Mamis Nachttisch

MB

Während der WM bedarf es manchmal spezieller Bemühungen im Sexleben. Foto: PD

Die Frau stand neben dem TV. Sie war mit schwarzen Strichen auf weisses Papier gezeichnet und trug einen BH. Von ihrem Typen sah man nur den Hinterkopf und zwei, drei Haare, vor ihm einen TV. Da lief grad Fussball. Nichts sonst passierte. Dann kam die Frau im nächsten Bild wieder. Diesmal hatte sie ihre drallen Brüste in einen BH mit zwei Körbchen gesteckt, die die Form und das Muster von Fussbällen hatten. Der Comic ist von Peter Hürzeler. Wie er endet, weiss ich nicht mehr. Aber als Kind habe ich mich sehr gewundert, warum den alle so lustig fanden. Heut versteh ich ihn.

Grad eben war in der deutschen «Cosmopolitan» zu lesen, dass der Absatz von Sextoys mit der WM drastisch gestiegen sei, was den Erwartungen entspreche. Ich nehme schwer an, dass dahinter weder eine gesteigerte Experimentierfreude der Schenker steht noch die Glut des Südens, die sich als Klischee in seine Unterhose geschlichen hat. Sondern eine höfliche Bitte: «Schatz, bitte nöl mir nicht die Ohren voll damit, dass du vernachlässigt wirst. Ich kann auch nichts dafür, dass die Spiele ausgerechnet zur Hauptkopulationszeit stattfinden. Drum sei so gut und amüsiere dich einfach mal selber ein bisschen, ja?» Das Thema «WM kills Sex» ist also offenbar ein Dauerbrenner, sicher so alt wie die erste Radioübertragung eines Spiels.

Das mit den Sextoys ist ja eigentlich eine nette Geste. Gäng sövu. Gern möchte ich hier noch ein paar Empfehlungen für Eltern von Kindern anbringen. Es gibt da ja verschiedene Religionen bei den Sextoy-Benutzern. Die einen glauben an die naturgetreue Abbildung, da muss jedes Äderchen drauf sein, alles vielleicht um ein paar Zentimeter und rosa Töne überhöht, aber eindeutig erkennbar. Was du siehst, ist was du kriegst. Das hat den Nachteil, dass Kinder, die versehentlich so ein Ding finden, sich ernsthaft wundern könnten, was ein Schnäbeli so ganz allein in Mamas Nachttisch macht. Ich meine, stellen Sie sich das mal mit einer abgehackten Hand vor. Eben.

Und wer jetzt meint, es gebe das sichere Versteck für Schweinekram, der sei hier laut ausgelacht. Hahaha! Okay, vielleicht haben Sie hinter dem Poster mit der Skyline von Manhattan ja einen Safe mit Iriserkennung versteckt, dann nehm ich das Hahaha natürlich sofort zurück.

Vielleicht ist die Erkenntnis, dass das Ertapptwerden mit Kindern programmiert ist, ja schuld an einer anderen Glaubensrichtung. Das ist die mit den Tierchen und Gesichtchen und Teufelchen. Hauptsache herzig und nicht als das zu erkennen, was es ist. Abgesehen davon, dass sich mir nicht ganz erschliesst, was daran erotisch sein soll, sich einen Delfin vaginal einzuverleiben, ist das auch sonst tückisch: Kinder, die das Ding finden, könnten sich daran erfreuen. Sie könnten es in einen Puppen-Buggy setzen und damit in der Wohnung rumfahren und mit ihm plaudern und ihm ein herziges Deckeli geben und einen Schoppen oder vielleicht lieber ein Guetsli. Sie meinen also, das sei an den Haaren herbeigezogen? Soso. Da kann ich Ihnen nur sagen. Schön wärs! (Hab ich natürlich nicht selber erlebt, sondern eine Bekannte einer Bekannten einer Bekannten, Ehrenwort.)

Gut, bleibt noch die Glaubensrichtung der Gemüseanbeter. Überzeugt mich am meisten. Letzthin gesehen im TV, doch auch der «Spiegel» stellte die Designerin der veganen Sexlinie vor, wenn auch schon vor zwei Jahren. Die Dinger sind hübsch und vielseitig und trotzdem unverfänglich, zum Beispiel Maiskolben, Sie wissen schon, oder Nostrano-Gurken mit vielen Knubbeln.

Tja und sonst: Abwarten und Tee trinken. Auch diese WM geht vorbei.