Eltern sind die wahren Vielarbeiter

Keine Zeit zu jammern: Ein Mutter stillt beim Kochen ihren Säugling. (Flickr/texasgurl)

Keine Zeit zu jammern: Eine Mutter stillt beim Kochen ihren Säugling. (Flickr/texasgurl)

Frauen arbeiten im Haushalt nach wie vor mehr als Männer, konnten wir vor wenigen Tagen im Datenblog lesen: 27,5 Stunden Hausarbeit leisten Frauen im Durchschnitt jede Woche, die Männer bringen es gerade mal auf 17,3 Stunden. Veröffentlicht hat die Zahlen das Bundesamt für Statistik, das ungefähr alle drei Jahre eine solche Studie erstellt und damit in der Regel grosse Aufmerksamkeit erregt.

Auch bei mir, denn natürlich will ich wissen, wie es heute in der Schweiz mit der Gleichberechtigung in Sachen Haushalt aussieht. Schaut man sich die aktuellen Zahlen etwas genauer an, wird einem allerdings schnell klar, dass die Lage nicht ganz so düster ist, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte.

Zwar leisten die Frauen tatsächlich immer noch mehr im Haushalt als die Männer, auch in kinderlosen Beziehungen – wobei die Männer nach dem plötzlichen Einbruch von 2010 wieder aktiver geworden sind. Rechnet man aber unbezahlte und bezahlte Arbeitszeit zusammen, addiert also Hausarbeit und Job, kommt eine Frau aus einer kinderlosen Beziehung auf 47,2 Arbeitsstunden pro Woche, ihr Partner auf 50,4 Stunden. Die Arbeitsbelastung ist also ziemlich ausgeglichen, der Mann arbeitet sogar tendenziell mehr. Am eindrücklichsten fand ich aber folgende Zahlen: Bei Paaren mit Kindern unter 15 Jahren arbeiten die Mütter im Schnitt jede Woche 67 Stunden, die Väter 68.

Wenn also jemand deutlich mehr arbeitet, dann sind das nicht etwa die Frauen, sondern die Eltern. Logisch, die müssen sich schliesslich um ihre Kinder kümmern, mögen Sie jetzt sagen. Stimmt natürlich. Trotzdem: Hätten Sie erwartet, dass es gleich zwanzig Stunden mehr sind pro Woche?

Ich nicht. Weil es nämlich oft die Kinderlosen sind, die mir über ihren Stress den Kopf volljammern. Weil sie vor lauter Arbeit gar keine Zeit zum Fernsehen haben, jeden Abend bis 19 Uhr im Büro sitzen und dann tatsächlich auch noch an genau dem Tag die Wäsche machen müssen, an dem sie ausgehen wollten. Hach, und dann sind sie auch noch so oft herumgereist in letzter Zeit, das war wirklich anstrengend.

Tja, liebe Kinderlose, jetzt haben wir es schwarz auf weiss und von offizieller Stelle bestätigt: Wenn jemand über seine Dauerbelastung klagen darf, dann wir Eltern. Weil unsere Abendschicht erst beginnt, wenn ihr Vielarbeiter schon beim Apéro sitzt. Weil wir nicht über zu viele anstrengende Wochenendtrips nach Paris und London jammern, sondern höchstens davon träumen. Weil wir jede Woche für vier Personen die Wäsche machen und bereits wieder von vorne anfangen könnten, noch bevor die letzte Ladung im Schrank versorgt ist – und uns deshalb ernsthaft fragen, was euer Problem ist, wenn ihr mit leidendem Gesicht über euren grauenhaft anstrengenden Fünf-T-Shirts-und-zwei-Hosen-Waschtag jammert.

Fast siebzig Stunden! Woche für Woche! Zeit, den Stress und die Erschöpfung einfach mal rauszulassen. Die Kommentarspalte gehört Ihnen, jammern Sie los. Sie haben allen Grund dazu.