Job weg nach der Babypause

mamablog

Ob sie den Job nach der Babypause noch hat? Bild: Eine im neunten Monat schwangere Frau bei der Arbeit.  (Keystone, Gaetan Bally)

Liebe Männer, haben Sie schon mal erlebt, dass Sie nach einem Militär-WK, einer Krankheit oder längeren Ferien Ihren Job nicht mehr hatten? Sie zurückkamen und erstaunt feststellten, dass ein anderer an ihrem Arbeitsplatz sass, Ihre Arbeiten erledigte – und keinerlei Anstalten machte, sie Ihnen wieder abzugeben?

Ich gehe davon aus, die allermeisten von Ihnen beantworten die Frage mit «Nein». Ganz im Gegensatz zu zahlreichen Frauen, respektive Müttern: Kommen sie nach vier, fünf oder sechs Monaten Babypause an ihre Arbeitsstelle zurück, erleben sie nicht selten ihr blaues Wunder.

Die Frauen erfahren etwa, dass sie in ihrer Funktion herabgestuft wurden und aus diesem Grund andere – also einfachere – Arbeiten zu erledigen haben. Wie jene langjährige Marketingleiterin, die am ersten Tag nach dem Mutterschaftsurlaub von ihrem Chef zu hören bekam, dass sie den Arbeitsplatz im Gang mit dem Praktikanten teilen werde. Sie bearbeite mit ihrem 80-Prozent-Pensum neu die Kunden-Adresskartei und Prospekte. Für die grossen Projekte sei sie nicht mehr vorgesehen. Ein Neuer habe ihren Posten übernommen.

Doch auch anderes erfahren Mütter in der ersten Woche nach dem Mutterschutz: Ihre Kündigung. Das geschieht per eingeschriebenem Brief oder mittels massivem persönlichen Druck: indem der Neo-Mutter – die schon mehrere Jahre Mitinhaberin einer Werbeagentur ist – von ihren Partnern nahegelegt wird, sich doch bitte baldmöglichst den eigenen Anteil auszahlen zu lassen und dann zu gehen. Sie als Mutter sei für die kleine Werbeagentur eine zu grosse Belastung. Denn jetzt – das verstehe sie wohl selbst am Besten – könne sie kaum mehr ihren Tätigkeiten als Mitinhaberin und Co-Geschäftsführerin nachgehen.

Diese Beispiele stammen alle aus meinem Bekanntenkreis. Ich kenne ungefähr ein Dutzend solcher Geschichten. So unterschiedlich die Jobs und die Bereiche sind, in welchen die Frauen bis zu ihrem ersten Kind gearbeitet haben, so ähnlich sind die Begründungen ihrer Vorgesetzten. Die Frau könne als Mutter wegen des kleineren Arbeitspensums die bisherigen Aufgaben nicht mehr erfüllen, heisst es zum einen. Mit Kindern sei man nicht mehr so flexibel und einsatzfähig, zum anderen. Was für die betroffenen Frauen so viel bedeutet wie: Das trauen wir dir nicht mehr zu, liebe Frau. Jetzt, da du nebst Sitzungen auch für die Sättigung und Säuberung eines kleinen Schreihalses zuständig bist, bist du garantiert nicht mehr so belastbar. Je mehr Kinder man hat, desto ausgeprägter bekämen sie dies zu spüren, versichern mir Freundinnen.

Wobei ich hier anfügen möchte, dass es auch für diese Mütter klar ist, dass sie bei einem Teilzeitpensum von 50 Prozent nicht davon ausgehen können, exakt dasselbe zu tun, wie mit einem Vollzeitjob. Sie rechnen damit, auf gewisse Kompetenzen verzichten zu müssen. Um das geht es also nicht. Was den Frauen vielmehr sauer aufstösst, ist, dass bis zu ihrem Wiedereinstieg nach der Babypause offensichtlich rumgemauschelt wurde. Das Unausgesprochene ist das Problem, und dass die Firmen ihre Arbeitsstelle während ihrer Abwesenheit klammheimlich neu organisieren – ohne mit ihnen geredet zu haben. So wird der berufliche Wiedereinstieg nach der Babypause für zahlreiche Mütter zu einer herben Enttäuschung und Demütigung.

Dies beobachtet auch Susy Stauber-Moser, Vorsitzende der Zürcher Schlichtungsbehörde nach Gleichstellungsgesetz. Gemäss ihr kommunizierten Firmen im Vorfeld des Mutterschaftsurlaubs zum Teil nicht ausreichend transparent: «Die Frauen werden lange im Ungewissen gelassen, ob und wie sie nach der Babypause wieder arbeiten können.» Wie das veränderte Jobprofil aussehen könnte, bleibe ungeklärt. Diskriminierung im Zusammenhang mit Mutterschaft sei denn auch oft Thema bei den Beratungen der Behörde, sagt die Juristin und Mediatorin. Wandten sich Frauen vor wenigen Jahren noch vorwiegend wegen Lohnungleichheit an die Behörde, seien es heute vielfach Anliegen, die den Wiedereinstieg nach dem Mutterschaftsurlaub betreffen.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht beim Wiedereinstieg?