Brauchts all die Tests in der Schwangerschaft?

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Risiko Schwangerschaft: Elf Frauen in anderen Umständen. (Bild: Flickr/trocaire)

Welche Untersuchungen braucht eine schwangere Frau? Was für vorgeburtliche Tests sind notwendig – und was ist blosse Geldmacherei seitens der Ärzte? Eine Leserin schrieb mir kürzlich eine Mail zum Thema und drückte darin ihren Ärger aus über die herrschende «Hysterie und Geschäftemacherei» auf dem Gebiet.

Die schwangere Frau, nennen wir sie Doris Wanner, wehrt sich derzeit vehement gegen eine von der Frauenärztin verschriebene Diabetes- und Ernährungsberatung und zusätzliche Untersuchungen. Weil die Ärztin bei ihr eine Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert habe, müsse sie nun den Blutzucker messen (mit einem Gerät, für das sie selbst bezahlte), sowie alle drei Wochen in die Praxis für einen Ultraschalluntersuch gehen. Dies, obwohl ihre Werte seit dem ersten etwas erhöhten Blutzuckerwert regelmässig und grundsätzlich unauffällig seien. Ihre Schwangerschaft verlaufe absolut problemlos.

Doris Wanner ist deshalb überzeugt, die von der Ärztin verschriebenen Behandlungen seien unnötig. Im Übrigen ernähre sie sich seit Jahren sehr gesund und betreibe – auch in der Schwangerschaft – zwei- bis dreimal wöchentlich Ausdauersport. Sie habe einen Body-Mass-Index von 19, wenn sie nicht schwanger sei. «Ich habe den Ärzten und Ärztinnen mehrfach deutlich gesagt, dass sie in Bezug auf meine Schwangerschaft nicht so hysterisch sein sollen, denn ich bin es ja auch nicht», schreibt Wanner. Sie ist überzeugt: Ein Grossteil des ganzen Tamtams, das allgemein um eine heutige Schwangerschaft veranstaltet werde, komme von den Ärzten aus. Habe man eine Schwangerschaft wie ihre erst einmal als sogenannte Risikoschwangerschaft klassifiziert, lasse sich mit zahlreichen Behandlungen hübsch daran verdienen.

Womit die Leserin meiner Meinung nach nicht Unrecht hat. Etliche andere Frauen erzählen mir von ähnlichen Erfahrungen während ihrer Schwangerschaft. Sie berichten von Ultraschalluntersuchungen, die ohne medizinischen Grund stattfinden, sondern nur zum Spass. Vom Druck gewisser Ärzte, nebst einem Trimestertest auch eine (nicht risikolose) Fruchtwasserpunktion durchzuführen. Und darüber, wie gewisse Ärzte mit unsensiblen Bemerkungen während eines normalen Untersuchs Ängste bei Patientinnen schürten – und so weitere Tests und Untersuche provozierten. Oder wie soll eine schwangere Frau reagieren, wenn der Arzt während des Ultraschalls plötzlich sagt: «Oh, das ist aber ein ganz grosser Kopf. Ich nehme an, es ist alles in Ordnung. Wenn Sie jedoch Gewissheit haben wollen, Frau Meier, dann könnten Sie einen weiteren Ultraschall beim Spezialisten XY des Unispitals machen. Der arbeitet mit dem neusten Gerät. Ich kann Ihnen einen Termin vereinbaren.»

Um schon gar nicht in eine solche Situation zu kommen, entschied sich eine Bekannte von mir, in der ersten Zeit der Schwangerschaft nicht zur Ärztin zu gehen. Erst im siebten Monat wackelte sie in die Praxis. Die Ärztin staunte nicht schlecht. Für die meisten Untersuchungen war es zu jenem Zeitpunkt zu spät. Als ich die Frau nach den Gründen für ihr Verhalten fragte, antwortete sie, sie war die ganze Zeit über gesund und fühlte sich wunderbar. Sie war davon überzeugt, alles sei in bester Ordnung. Das sagte ihr Bauchgefühl. Sie und ihr Mann wollten sich zudem bewusst gegen schwierige Entscheidungen schützen.

Was sind Ihre Erfahrungen? Halten Sie gewisse Untersuchungen für überflüssig?

Mehr Informationen zu vorgeburtlichen Tests beim Kind:

  • «Schwangerschaftsvorsorge: Wie gehen wir damit um?», Broschüre, kostenlos zu beziehen bei: Appella, Telefon- und Online-Beratung, Postfach 19, 8026 Zürich. www.appella.ch, Tel. 044 273 06 60.