Therapiewahn: Gebt den Kindern etwas Zeit

mamablog

Wann gilt ein Kind als zu verträumt? Staunender Lockenkopf in einer Blumenwiese. (Flickr/Fabian Bronmann)

Es ist eine Szene, die sich in mein Gedächtnis eingebrannt hat. Wie wir damals vier Wochen nach Kindergartenbeginn bei einer Bekannten am Küchentisch sassen, jede mit einer Tasse Kaffee in der Hand, und zweifelten. An uns selbst, den Lehrerinnen, den Schultherapeuten, am Schulsystem – und auch ein wenig an unseren Kindern. «Anna hatte doch bis anhin überhaupt kein Problem», klagte die eine Mutter. Ihre fünfjährige Tochter sei durchaus temperamentvoll und rede viel – bislang habe sie das immer als positiv gewertet. Dass dies nun ein Grund für eine psychomotorische Abklärung sein soll, fände sie schon allerhand. «Oder kann es sein, dass selbst ich ein falsches Bild von meiner Tochter habe?»

Daran und an den weiteren Verlauf unseres Gesprächs vor ziemlich genau sechs Jahren fühlte ich mich gestern morgen beim Lesen der Zeitung erinnert. «In die Schule, dann zur Therapie», titelte der «Tages-Anzeiger» – und vermeldete, dass über ein Viertel mehr Schulkinder heute in eine Therapie gehen, als noch vor sieben Jahren. Das zeigen die aktuellen Zahlen des Schulamtes der Stadt Zürich. Die Anzahl Logopädie-Therapien nahm um 28 Prozent zu, die Psychomotorik-Therapien gar um 35 Prozent. Mehr als zwei Drittel der Behandelten sind Knaben. Die Journalistin zitiert im Artikel Kinderärzte, die sich besorgt zeigen über die Zunahme der Therapien, denn es bestehe die Gefahr, «dass mehr Therapien verschrieben werden, als sie Kinder wirklich nötig haben».

Was mich an die Geschichte von vor sechs Jahren anknüpfen lässt. Die Diskussion damals in der Küche betraf nicht bloss die fünfjährige Anna. Auch wir anderen waren nach einem ersten kurzen Gespräch mit der Kindergärtnerin konsterniert. Die Mutter von Babette sollte sich laut Kindergartenlehrerin ernsthaft überlegen, ihr Kind einmal wöchentlich in die Logopädie zu schicken. Dass Babette den Buchstaben R noch immer mit L ausspreche, sei auffällig. Bei meinem Sohn verdächtigte sie «ein graphologisches Problem». Worauf die Kindergartenlehrerin auf mein verwirrtes Nachfragen erklärte, dass die Psychomotorik-Lehrerin in einem ersten Test eine merkwürdige Schreibhaltung beim Zeichnen festgestellt habe. Mein Sohn übe mit dem Farbstift ungleichen Druck aus. Das müsse man im Auge behalten, gerade im Hinblick auf die Schule.

Flick/David Salafia

Nur die Ruhe: Ein schreiender Junge. (Flickr/David Salafia)

An jenem Morgen diskutierten wir lange darüber, ob wir diesen vermeintlichen Defiziten nachgehen sollten und was weitere Abklärungen oder gar eine Therapie den Kindern bringen würde. Wir fragten uns, ob man – wenn ein derart reichhaltiges Therapie-Angebot schon vorhanden sei – nicht davon Gebrauch machen sollte. Die Lehrerin wolle für die Kinder sicher nur das Beste – wie wir Eltern ja auch. Wo also lag unser Problem wenn wir uns dagegen sträubten, unsere Fünfjährigen – kaum waren sie im Kindergarten – von Fachpersonen abklären zu lassen? Hatte es damit zu tun, dass wir die Kritik an unserem Kind unbewusst auch als eine Kritik an uns verstanden? Vielleicht hätte ich mit meinem Sohn mehr zeichnen sollen, dachte ich plötzlich. Auch die Mutter von Babette überkamen Zweifel: Sie korrigierte das fehlende R bei ihrer Tochter nie. Sie war davon ausgegangen, das rollende R gebe sich von alleine – und fand es süss, wenn Babette von der Laupe Nimmelsatt sprach.

Drei Kaffees später entschieden wir uns abzuwarten – und so zu tun, als sei nichts gewesen. Wir wollten nicht auf die «ersten Einschätzungen» der Kindergärtnerin eingehen. Wir wollten uns vielmehr auf unsere eigene Einschätzung verlassen. Die Kinder sollten sich im Kindergarten erst mal richtig eingewöhnen und einen Alltag entwickeln, so unsere Meinung. Wenn die Defizite in einigen Monaten noch immer Thema seien, könnten wir weiter entscheiden. Wir lagen damit richtig, wie sich zeigte: Die von der Lehrerin genannten Probleme lösten sich allesamt in Luft auf. Anna lernte nach ein paar Monaten, bei Arbeiten in der Gruppe ruhiger und konzentrierter zu werden. Babette redete im zweiten Kindergartenjahr plötzlich von der Raupe Nimmersatt – und bei meinem Sohn hatte es sich von Beginn weg um ein Missverständnis gehandelt: Die neue Psychomotorik-Lehrerin war aufgrund seiner Grösse davon ausgegangen, er sei bereits im zweiten Kindergartenjahr – und hatte ihn überschätzt.

Ich möchte mit diesen Beispielen nicht suggerieren, Abklärungen und Therapien seien allesamt überflüssig. Natürlich ist es gut, gibt es solche Angebote. Für gewisse Kinder mögen sie sinnvoll, wenn nicht gar ein Glücksfall sein. Ich bin allerdings der Meinung, die Episode vor sechs Jahren spricht für sich. Denn was die Kinder vor allem benötigen, ist Zeit. Ausreichend Zeit, um sich  zu entwickeln und zu lernen, mit einer neuen Situation umzugehen. Jedes Kind ist in seiner Entwicklung an einem anderen Punkt – ob geistig, körperlich oder emotional. Und jedes Kind geht in neuen Situation wie dem Kindergartenbeginn, vielen neuen Kindern und einer noch relativ unbekannten Lehrerin anders um. Geben wir den Kindern doch diese Zeit. Und geben wir ihnen unser Vertrauen. Gras wächst bekanntlich nicht schneller, wenn man daran zieht.

 

 

86 Kommentare zu «Therapiewahn: Gebt den Kindern etwas Zeit»

  • Kuyucu Danijela sagt:

    Ich bin erleichtert diesen Artikel gefunden zu haben. Ich dachte das mit meinem Kind etwas nicht stimmt.
    zuerst schicken Sie meinen 5 jährige Sohn in die Psychomotorik und dann noch Logopädie. Der Bericht der Logopädin (sie hatte nur 15 minuten Zeit ihn zu bewerten) ist sowas von daneben und dreist!
    ich habe richtige Bauchschmerzen!
    Die haben nichts zu tun und halten sich für sehr gut in ihrem Job! Verunsichern die Kindern und machen schon in der Entwicklungsphase die Kindern kaputt.
    Beim meinen anderen 2 Kindern werde ich alle Vorschläge für Therapien einfach ablehnen!

  • Sportpapi sagt:

    Wenn ich hier so lese, wundere ich mich nur, wer denn eigentlich all diese Therapieangebote (und um Angebote handelt es sich ja) nutzt. Erstaunlich.

  • hhmama sagt:

    sehr gut geschriebener Artikel!
    Ich finde es bedenklich, dass das Kindergarten- und Schulpersonal heute scheinbar nur noch auf Fehlersuche ist anstatt die Stärken eines Kindes zu sehen. Was ist das für eine negative Sichtweise?
    Dort müsste meiner Meinung nach angesetzt werden! Kindergärtnerinnen, die gerade von der Schule kommen, selbst nie etwas mit „wilden Jungs“ zu tun gehabt haben und dann den Eltern verklickern wollen, dass etwas mit dem Kind nicht stimmt? Vielleicht sollte man sein Werkzeug überdenken anstatt das Material auszusortieren?

  • Andrea Mordasini, Bern sagt:

    Ich bin froh, gibts heutzutage so viele Möglichkeiten, einem Kind zu helfen. Während früher Kinder, zB. Stotterer, ihrem Schicksal und Hänseleien überlassen wurden, gibts heute zum Glück dementsprechende Logopädie-Therapien. Aber eben: jedes Kind ist anders, die einen dort schneller, die anderen hier. Was bzw. wer ist denn schon normal? Wo ist die Grenze und wo besteht Handlungsbedarf? Warum nicht einfach den Mittelweg finden, den Kindern die nötige Zeit geben, sich zu entwickeln und mögliche Defizite aufzuholen und allenfalls falls doch noch nötig es dabei therapeutisch zu unterstützen?

  • Eni sagt:

    Während mein Grosser mit 1 1/2 Jahren schon ganze Sätze sprechen konnte, hat der Kleine erst mit 4 begonnen zu sprechen und auch das nur sehr dürftig. Der Kinderarzt wiegelte mich mehrmals ab, dass heutzutage erst im Kindergartenalter mit Logo begonnen wird. Nach einem Unfall mit 4j 8m war der Kleine rechtseitig gelähmt und konnte auch 3 Wochen nicht mehr sprechen, danach lallen. In der Reha wurden dann alle Hände verrührt, warum nicht schon längst mit Loge begonnen wurde. Tja, wie fühlt man sich denn da als Mutter?

  • Marianne sagt:

    All diese Therapeuten wollen ja auch beschäftigt sein….. das ist jetzt halt das Resultat unserer „überstudierten“ Gesellschaft.

  • Hans Koller sagt:

    Wir haben heute viele Studierte Menschen die brauchen Arbeit und ihre Arbeit sind unsere Kinder. Für jedes Kind das sie Therapieren bekommen sie Geld vom Staat und so ist es wie in der Gehörapparate Branche, biete allen einen Gratis Test an und dann verkaufe. So werden Kinder in sinnlose Kurse geschickt nur damit am Ende jemand Kohle bekommt. Man tut seinem Kind damit keinen Gefallen, ganz im Gegenteil es lernt das es nicht normal ist und Hilfe braucht. Die Kinder konzertieren sich dann auf diese sinnlosen Kurse um Mami und Papi einen gefallen zu tun, dabei geraten die wichtigen Fächer ins aus

    • alien sagt:

      Hm. Die Analyse stimmt wahrscheinlich. Nur, was das damit zu tun hat, dass die Leute „Studiert“ (sic!) haben, entzieht sich mir leider. Die Kindergärtnerin, die die falsche Diagnose abgeliefert hat, hat es ja vielleicht gar nicht.

      • Hans Koller sagt:

        Was es mit dem Studiert auf sich hat? Wer Psychologe studiert hat, muss ja irgendwo arbeiten und für viele dieser Leute tut sich bei unseren Kindern ein Markt auf, ohne diesen wären sie wohl ohne Job.

  • alam sagt:

    Zeit lassen für eine normale Entwicklung ist sicher wichtig, aber das ist nur ein Aspekt. Die heutigen Pädagogen sind viel besser ausgebildet als unsere Lehrer damals. Sie machen in der Regel eine sehr gute Arbeit, das muss hier auch mal wieder gesagt sein. Am besten fahren Eltern, wenn sie mit den Lehrern gut zusammenarbeiten und umgekehrt. Womit auch gleich klar wird, wo die pädagogischen Hochschulen noch Nachholbedarf haben: Die Lehrer müssen besser auf die Kommunikation mit mündigen Eltern vorbereitet werden.

  • Katharina B. sagt:

    Noch zur Ergänzung: Gewisse Diagnosen müssen bis zum 5. bzw. 9. Geburtstag stehen, damit die IV die nötigen Therapien übernimmt. Diese Diagnosen werden erst gestellt, nachdem andere Massnahmen versagt haben. Sprich: Man /muss/ so früh mit der Abklärung beginnen, um nicht später „im Seich“ zu sein!
    http://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19850317/index.html (insb. Punkte 404-406 des Anhang 1)

  • Andrej Mauster sagt:

    Wenn es überhaupt noch ein Lebensmodell gibt, das unserer gegenwärtigen Führungs- und Ausbildungsschicht entgegen treten kann, dann ist das die wirtschaftlich unabhängige, gebildete, kinderreiche, christlich orientierte Großfamilie, die ihre Kinder selbst erzieht und sich in keiner Weise von Staat und Medien hineinreden und bevormunden läßt. Das ist meine Meinung zum Thema.

    • Bin sehr nah an ihrer Meinung, Herr Mauster! Bloss das mit dem christlich orientiert ist wohl zu kompliziert, da damalig entwickelte Lebenskonzepte unmöglich über die Probleme heute etwas aussagen kann! Klar, Basics schon, jedoch genügt für diese ein gesunder Menschenverstand. Die „Nicht Basics“ wiederum, die sind christlich nicht regulierbar, da zu modern.
      Wir leben in einer extrem neuen Geschichte plötzlich! Wir sind auf menschenfremdem Territorium gelandet. Einen neuen Kompass zu finden, hilft uns das Christentum höchstens homöopathisch. Aber immerhin! Besser als GAR NICHTS…

      • Andrej Mauster sagt:

        Die Lebenskonzepte sind nicht zu komplex. Die heutige Gesellschaft hat sich nur zu weit von der biblischen Wahrheit entfernt, weil sie nach seinem Ego lebt. Und je mehr sich sich entfernt, desto schlimmer wird es. Es liegt in der Verantwortung jedes einzelnen dahin zurück zu kehren und erkennen, dass der biblische Weg der einzige ist der was taugt. Und einen gesunden Menschenverstand gibt es nicht! Der Beweis sehen sie in der Welt. Wenns eng wird schaut jeder nur für sich. Liebe Gott und deinen Nächsten. In diesen zwei Geboten regelt sich alles andere von selbst.

  • Michaela Jacqueline Genz sagt:

    Es gab schon immer unterschiedliche Entwicklungen bei den Kindern,genau wie alle Kinder unterschiedlich sind.Ich find es schon erstaunlich,wie schnell die Ddiagnose ADS angewandt wird und auch von wem:ob es die Lehrer in der Schule sind oder die Erzieher im Kindergarten.alle sind auf einmal Therapeuten und kennen sich aus.Dabei gab es schon immer stille und ruhigere Kinder,oder aufgeschlossenen ,lautere Kinder.Ich hab manchmal das Gefühl,das die Lehrer manche Kinder einfach ruhig haben wollen,auch mit Medikamenten.Aber wenn die mit aufgeweckten oder auch zappligen Kindern nicht fertig werden,dann frag ich mich,ob die nicht den verkehrten Beruf haben.Die Medis sind meistens nicht ohne Nebenwirkungen bis hin zu Depressionen…aber was solls:man hat ja schon einen Therapeuten.Lasst doch Kinder einfach mal Kinder sein;lasst sie spielen,toben und Unsinn machen,dafür sind es doch Kinder.Erwachsen werden sie von ganz allein,aber dafür brauchen sie Zeit und auch ihre Kindheit!!!

    • Darum: WALD-schulen! Wer immer nur DRIN hockt, nach vorne schauen MUSS, aufpassen wie ein Heftlimacher, der kann ja nur geistig verdorren. Erst draussen, weg von Strassen, mitten im Wald, wird Kindern bewusst, dass wir nie ALLES wissen werden. Das grosse Geheimnis, ohne das wir kaum zu Menschen werden, mit einer Prise Demut, was immer wir tun.

      Schulen sind vom ANSATZ her falsch, da sie eine Denkrichtung andeuten (nicht offen), dass ungefähr ALLES wissbar sein KANN! Diese Annahme ist Gift auf der tiefen Menschenseele, da es „das grosse Geheimnis“ bedroht. Ohne das man nie echt ein Mensch wird.

  • Mirjam sagt:

    Spricht mir so sehr aus dem Herzen. Genauso ging es uns mit beiden Töchtern im Kindergarten und dann nocheinmal in der Schule. Es entwickeln sich einfach nicht alle Kinder gleich – schliesse mich dem Appell an, gebt ihnen Zeit!

  • guk sagt:

    … ist die Zeit. Und leider haben viele Eltern oftmals nicht mehr den Mut, wenigstens den Kindern genügend Zeit einzuräumen und abzuwarten, ob sich alles (stressfrei) von selbst erledigt. Wer das tut, muss auch fähig sein, den kritischen Blicken standzuhalten. Das können nicht alle. Doch je mehr Eltern es tun, desto einfacher wird es auch für diejenigen, die eigentlich möchten, sich aber – aus welchen Gründen auch immer – nicht getrauen, auf den eigenen Instinkt zu horchen. Nichts desto trotz: Gewisse Therapien sind notwendig, und zum Glück gibt es heute die Möglichkeit, davon zu profitieren.

  • guk sagt:

    Die Hauptproblematik scheint mir darin zu liegen, dass es heute sehr schwierig geworden ist, mit einem (vermeintlichen!!) Makel zu leben. Alles kann korrigiert werden, doch auch das ist nur vermeintlich. Eltern wollen das Beste für Ihre Kinder, und Lehrer stehen unter dem Druck, nichts verpassen zu dürfen. Und der Vergleichswahnsinn ist unglaublich: „Mein Kind kann schon…!“ Aber spricht schon darüber, was das Kind noch nicht kann? All diese Faktoren generieren eine starke Verunsicherung. Ich finde Artikel wie den von Frau Braun wichtig und erfrischend. Denn das was uns allgemein fehlt, ist..

  • Tina Siegenthaler sagt:

    2/ Hoppla, da ist was verlorengegangen:
    …Das ergab zwar weniger überflüssige Therapien, aber dafür kam in manchen Fällen das Eingreifen zu spät, somit auch nicht optimal. Leider lässt sich dieses Dilemma nicht wirklich lösen, wir können nur versuchen, einen einigermassen akzeptablen Kompromiss zu finden. Dass das Pendel dabei mal mehr zur einen und dann wieder mehr zur anderen Seite ausschlägt, ist leider unausweichlich.

  • Tina Siegenthaler sagt:

    2/ … somit auch nicht optimal. Leider lässt sich dieses Dilemma nicht wirklich lösen, wir können nur versuchen, einen einigermassen akzeptablen Kompromiss zu finden. Dass das Pendel dabei mal mehr zur einen und dann wieder mehr zur anderen Seite ausschlägt, ist leider unausweichlich.

  • Tina Siegenthaler sagt:

    1/ Ich glaube, die Ursache ist viel simpler. Viele Kinder sind irgendwann „auffällig“, bei den meisten legt es sich wieder, bei einigen würde es ohne Therapie zu einem richtig grossen Problem. Dummerweise weiss man vorher nicht, bei welchen. Heutzutage stellt man sich auf den Standpunkt „Lieber eine Therapie zu viel als eine zu wenig“, Folge: überflüssige Therapien. Früher dagegen hat man wohl eher gewartet, bis sich ein Problem so richtig gezeigt hat, und erst dann mit der Therapie begonnen. …

  • Francesca sagt:

    Habe meinen (fast erwachsenen) Kindern geraten, Psychologie zu studieren, da werden sie nie arbeitslos… Spass beiseite: die Therapiegläubigkeit ist doch grotesk. Ob Kinder, Jugendlich, Straftäter oder Vergewaltiger, alle werden therapiert. Ein Hinterfragen findet nicht statt. Und wer beurteilt, ob eine Therapie nötig ist? Therapeuten. Die machen sich doch nicht selber arbeitslos… Fakt ist: eine gute Therapie ist Gold wert, WENN der Patient mitmacht, und WENN er ein Problem bei sich wahrnimmt. Bei Kindern gilt dies entsprechend für die Eltern. Ohne Problembewusstsein keine Therapie.

    • „….eine gute Therapie ist Gold wert, WENN der Patient mitmacht, und WENN er ein Problem bei sich wahrnimmt.“

      Und ein Problem HAT, nicht zu vergessen!

      Alter Spruch: Man soll nicht den Coiffeur fragen, ob einem kürzere Haare besser stehen würden…

      • Irene feldmann sagt:

        🙂

      • Francesca sagt:

        Naja, das mit dem „Problem HAT“ ist so eine Sache… was ist denn objektiv gesehen schon „ein Problem“? Relevant ist der Leidensdruck, nicht die objektive Wahrnehmung, denn die ist meist subjektiv…. Zu Ihrer Frage: NEIN, ich bin NICHT Therapeutin… ;).

  • Leo Klaus sagt:

    Naja, das allergroesste Thema hat die Autorin aber wohl nicht erwaehnt, naemlich die sehr hauefige Diagnose vom ADS im deutschsprachigen Raum und die anschliessende Ritalin-Therapie. Entweder sind Kinder im D-sprachigen Raum (wie in den USA) besonders fuer ADS anfaellig, oder die Erwachsenen in diesen Gegenden total intolerant gegenueber Kindern, was eher stimmt.

    Da regt man sich ueber die Exxx-Chemikalien im Essen, oder Phthalates in den PET-Flaschen. Das Ritalin aber gibt man bedenkenlos, obwohl es weit schlimmer ist. Schliesslich will man seine Ruhe, noch zu Lebzeiten. Amen!

    • Amen! Sie haben richtig erkannt: Den quasi religiösen Eifer, den gerade Schweizer Schulen haben, Kinder primär als zu formende Erwachsene zu sehen. Ein Ueberbleibsel kirchlicher Altstrukturen, in Wissende (Priestersvchaft) und Unwissende (Laien) zu teilen. So leben Erwachsene zwar „falsch“ (unökologisch z.Bsp.), während aber Kinder „richtig“ leben sollen. Hinstreben sollen zu den „falschen“ Werten der Erwachsenen.

      Schulen von heute vermitteln Wissen von gestern and Erwachsene von morgen. Klappt z.Teil in bäuerlichen Kulturen, aber nicht in unserer, die sich alle 10 Jahre komplett „umdreht“.

      • Mamacita sagt:

        Klar gibts Kindern, die schon von klein an Hilfe benötigen, weil sie evtl. schon mit einem „Nachteil“ auf die Welt gekommen sind oder eben von Zuhause aus keine Unterstützung bekommen. Dass ihnen eine Therapie angeboten wird finde ich sogar wünschenswert. Aber doch nicht nur weil ein Kind bisschen Lispelt oder nicht wirklich gut mit der Schere umgehen kann als 4/5jährige.Geben wir unseren Kindern LIEBE, GEBORGENHEIT und MUT, damit sie gut gedeihen können, anstatt Ritalin, um sie ruhig zustellen. Logisch ist unsere Gesellschaft kaputt!! Die Kinder von heute sind die Gesellschaft von morgen.

  • Christian 2 sagt:

    Auch ich war erstaunt ob den LogopädInnen, Fachkräften für Psychomotorik und SchulärztInnen als unser Sohn in den Kindsgi kam. Mittlerweile Erstklässler ist, gefühlt, die halbe Klasse auf irgend eine Weise abgeklärt worden….
    Ich will hier niemandem was unterstellen, aber ich denke immer wieder an den Kobra-Effekt Irgendwie muss man seinen Job ja auch rechtfertigen und gibt es da nichts abzuklären ist der schöne Job an der Schule schnell mal in weg..

    • Sportpapi sagt:

      Dass es mehr Therapien gibt, wenn es mehr Therapeuten gibt, glaube ich auch. Ebenso wie die Leute mehr zum Arzt gehen, wenn es mehr Ärzte gibt. Dass aber Therapien verschrieben werden sollen als nötig, nur um den eigenen Job zu sichern, empfinde ich als böswillige Unterstellung.

  • Wir erwachsenen schweizer machen uns zuviel in die Hosen und Röcke, benehmen uns selber wie Kinder… Eigentlich erziehen PRIMAER Kinder andere Kinder, mit was die „Schulindustrie“ fertig gemacht hat. Kinder gehören in die Hände ANDERER Kinder, älterer, oder jüngerer. Erwachsene behandeln Kinder wie „unfertige Erwachsene“, DAS ist das Problem. Spezialistentum, das gesamte Schulsystem, vormalig mit SICH SELBST beschäftigt. Regeln der Wirtschaft folgend. Auf dass gute Konsumenten entstehen – ARBEITER war früher…

    Immer bei HELFERN fragen, wer am Meisten profitiert – und Nietzsche lesen. Hilft!

  • Axel Döll sagt:

    Mutter, werde dir bewusst, dass du dich mit der
    Kindererziehung einer der größten Herausforderungen, der größten Verantwortung deines Lebens stellst.
    Es gibt kein Einheitsrezept, keine Liste, keine Ratschläge für die Erziehung eines Kindes und wird es auch nicht geben.
    Allein dein Herz und dein Verstand, deine Liebe und dein Vertrauen sind das Maß der Dinge. Ohne windige Beutelschneider, ohne Internet.Ihr könnt das auch. Die Kinder werden mindestens so gut wie ihr, wenn nicht noch besser! AD

    • alam sagt:

      Was soll diese Lobhudelei? Wir Mütter sind nun mal weder Fachleute noch Übermenschen. In meiner Kindheit liess man es einfach schleifen, deshalb gab es in jeder Klasse 1-2 Kinder die lispelten oder stotterten und dies auch als Erwachsene noch tun. Das müssen wir glücklicherweise heute unseren Kindern nicht mehr antun.

  • baur sagt:

    Wir haben bisher nur gute Erfahrungen in dem Zusammenhang gemacht. Nur bei einem unserer Kinder wurde gesagt, ev. wäre eine Psychomotorik-Therapie angesagt, da er noch nicht so gerne/flüssig/…? schreibe. Die Lehrerin hat dann zugewartet, wir auch, und er hat das selber aufgeholt.
    Bei den andern war nie etwas nötig (wir haben immerhin 4 Kinder, sicher nicht repräsentativ, aber repräsentativer als viele hier im blog). Von daher kann ich nicht zustimmen, dass das CH Schulsystem übertherapiert.

  • Christian sagt:

    Dieser Beitrag spricht mir aus dem Herzen. In Absprache mit dem Kinderarzt auch gegen jede zusätzliche Abklärung meines Kindes gesträubt, da wir der Meinung war, es entwickelt sich normal. Zudem die Heilpädagogin dieser Kindergartengruppe mir später bewundernd gratuliert hat: „dass ich Recht hatte, Vertrauen in mein Kind zu haben, dass es das schon noch bringt“ Heute bewegt es sich in den tolerierten Bahnen und bringt die geforderten Leistungen. Das grösste Problem ist, dass zum Teil die Leistungserbringer/Therapeuten selber auch abklären und dass die Bandbreite sehr schmal geworden ist…

  • Andreas D sagt:

    Mir scheint, das Selbstvertrauen vieler Eltern verträgt es nicht, dass es neben dem eigenen auch noch viele andere Blickwinkel auf das eigene Kind gibt. Wieso sich nicht auch einmal den von Fachpersonen anhören und mit dem eigenen abgleichen?
    Als ob es darum geht, was man als Elternteil alles falsch gemacht hat, und wie missraten das Kind deshalb ist! Man darf doch auch einmal ganz entspannt abwägen, ob und in welche Richtung das Kind einen Schupf vertragen könnte, *ohne* dabei zu denken, das Kind müsse dafür krank oder verkrüppelt sein.

  • Joerg Hanspeter sagt:

    Ein Stotterer würde nicht stottern, wenn er nicht wüsste, dass er Stotterer ist. Daran sollte man denken, bevor man anfängt jede Kleinigkeit zu therapieren. Man kann mit Therapie ein Problem auch schaffen. Man sollte nicht vergessen, dass wir heute eine riesige Therapeuten-Industrie haben, die will irgendwie beschäftigt sein. Andererseits verstehe ich die Kindergärtnerin, stellen Sie sich mal vor, wenn sie nicht darauf hinweisen würde. Im Nachhinein würde jeder sagen, dass man da viel früher etwas hätte machen sollen und der Kindergärtnerin die Schuld geben.

  • Marina S. sagt:

    schon lesen kann. Die meisten Eltern wünschen sich für ihr Kind einen gelungenen Schulstart und wollen sicher nicht, dass ihr Kind der Klasse hinterherhinkt. Und genau da lässt sich eben Geld mit machen. Also wird versucht, einen Fünfjährigen auf das Niveau eines Sechsjährigen hochzupushen, obwohl die Entwicklung dann sowieso von selbst kommt. Jeder Entwicklungspsychologe weiss, dass es Kinder gibt, die schneller sind, und andere, die das eben nicht sind, aber dass früher oder später ein Ausgleich stattfindet. Ganz von selbst.

  • Marina S. sagt:

    Das Problem liegt im System. An einigen Orten ist es so, dass alle Kinder aus einem Jahrgang gemeinsam den Kindergarten beginnen. Das kann dann heissen, dass der kleine Tim, der am 26.12. geboren wurde, zusammen mit der nicht mehr so kleinen Anna, die am 2. Januar geboren wurde, zusammengesteckt wird. Das ist dann quasi ein Jahr Altersunterschied. Interessiert nur keinen. Wichtig ist dann (auch vielen Eltern), dass alle Kinder zwei Jahre später „fit für die Schule“ geworden sind. Das ist für Tim, der zu Anfang noch Windeln braucht, genauso nervtötend wie für Anna, die im zweiten Kindergarten

  • Ezra Perriard sagt:

    Unsere Leistungsgesellschaft frisst ihre eigenen Kinder auf. Ich gebe einen Dreck auf die Meinung der Therapieindustrie die meint, Kinder dürfen keine Kinder mehr sein und damit ein Vermögen verdient. Ich habe die Schule gehasst, wahr nie angepasst, hatte tausend Sachen im Kopf die mich faszinierten (lernen und stillsitzen gehörten definitiv nicht dazu). Kindliche Frühförderung ist der kranke Versuch überambitionierter Eltern, die eigenen Kinder zu optimierbaren Statussymbolen heranzuzüchten. Heute habe ich meinen MBA und eine gute Stelle – ganz ohne Frühförderung, Therapie oder Angepasstsein.

  • Pieschi sagt:

    man sollte ein Kind immer dort abholen,wo es gerade steht.d.h. manche Kinder brauchen einfach Therapie,egal,ob Logo,Ergo oder Motopädie.U das die Zahl der verschriebenen Therapie zunimmt,liegt definitiv auch an unserer veränderten Gesellschaft u dem Umgang mit unseren Kindern.Ein Kind,was vor dem Fernseher aufwächst oder aus lauter Überbehütung nicht allein draußen spielen darf,neigt nunmal eher zu Sprach-u. Motorikauffälligkeiten.
    Ach ja und von einem 4 Jährigen Kind kann man schon erwarten,dass es tagsüber trocken ist!

    LG Kristin (2 Fach Mami u Ergotherapeutin in Elternzeit)

    • Eni sagt:

      …..man sollte ein Kind abholen, wo es gerade steht…..ach ja, von einem 4 jährigem Kind, kann man schon erwarten dass es tagsüber trocken ist….

      Ja, was denn nun? Soll ein Kind da abgeholt werden, wo es steht oder muss ein 4 jähriges Kind der Norm entsprechen und tagsüber trocken sein?

      Sorry, aber Sie widersprechen sich selber, ohne Luft zu holen.

      • Susann sagt:

        Ich sehe keinen Widerspruch. Abholen, wo es ist…. aber auch klar Ansprüche stellen. Und wer meint, dass Kindergärtner neben vollgeschissenen Kameraden sitzen wollen, irrt gewaltig. Die beiden Kinder, die in der Kindergartenklasse noch Windeln gebraucht haben, waren die völligen Parias.

    • Rena Haug sagt:

      Liebe Kristin,
      ja, erwarten darf man alles. Oder ist das eigentliche Problem vielleicht gerade, dass von Kindern gemäss Normentabelle alles erwartet wird?

  • Lockenkopf-Mutti sagt:

    Unsere Tochter ist 21 Monate alt und mir graut es jetzt schon beim Gedanken daran, was alles auf uns bei der Einschulung zukommen könnte. Warum dürfen Kinder heutzutage nicht eifach „Kind-sein“, warum erwarten wir, dass ein 4 jähriges Kind still ist und nicht tobt, wenn es frustiert ist, warum darf sich ein 7 jähriges Kind bei den Hausaufgaben nicht ablenken lassen oder Hausaufgaben blöd finden ohne dabei als verhaltensgestört zu gelten? Der Artikel Roboterkinder (25.8.) und das Interview von Remo Largo (4.10) könnten nicht treffender sein.

    • Susann sagt:

      Weil die Kinder graduell an die Welt, in der wir leben, herangeführt werden sollen. Kindergarten sind 3.5 Stunden am Tag. Mit Spielen und Pause und Erholung mittendrin. Das wird doch wohl zu bewältigen sein. Schulweg laufen, tut auch gut. Machen Sie sich keine Sorgen. Die Kleinen haben genug Zeit neben dem Kindergarten zu toben oder selbstverloren zu spielen.
      Wir haben aus den von Ihnen genannten Gründen übrigens auf die Musikstunden für unsere Kinder verzichtet, da sie in Ruhe Spielen sichtlich mehr geniessen.

  • Sarah sagt:

    Meine Tochter hat ganz lange die laute „s“ „sch“ „ch“ nicht richtig ausgesprochen, erst war es „das macht Fpaß (statt Spaß) und dann wurden alle Laute einfach gelispelt. Mir wurde im Kindergarten auch empfohlen zur Logopädie zu gehen. Ich hab abgewartet und nach und nach hat sie alle falsch ausgesprochenen Laute selbst korrigiert. Zuletzt das „s“, da war sie schon 7. Nun hat sie eine vollkommen normale Aussprache und niemand würde vermuten, dass sie mal einen „schwerwiegenden“ Sprachfehler hatte und das ganz ohne Logopädie.

  • Hannes Zurbuchen sagt:

    Als ich 1981 unsere Familie innerhalb der Ortschaft zügelte, musste ich einen anderen Chindsgi besuchen. Ich kam mit der Chindsgi-Lehrerin einfach nicht klar, davor hatte ich eine wunderbare Lehrerin und die aktuelle war strikt und rigide. Als es in einem „Test“ darum ging, gleichgrosse Kreise jeweils mit der identischen Farbe anzumalen, machte ich aus Trotz nicht mit. Die Folge; meine Eltern wurden einbestellt und mein Übertritt in die Unterstufe wurde in Zweifel gesetzt. Mit Mühe und Not konnte ich dann doch in die Regelschule. Heute hätte ich wohl eine Therapie erhalten.

    • Susann sagt:

      Nö, die Therapeutin hätte nach 5 Minuten erkannt, dass das Problem woanders liegt und mit Ihren Eltern darüber gesprochen. Wäre doch gut gewesen, oder?

  • Rolf Eberle sagt:

    Entspannte Eltern ist das Eine, andererseits braucht es auch einen selbstsicheren Auftritt um im richtigen Augenblick zu sagen: «Nein, Danke! Mein Kind braucht keine Abklärung irgendwelcher Art!»

    • tina sagt:

      das gemeine ist doch, dass man es nicht weiss. man weiss es nur rückblickend, ob eine therapie dem kind gut tut oder nicht, und selbst dann weiss man nicht, ob es sich nicht einfach entwickelt hat oder ob es die therapie war, die ihm gut tat

    • Susann sagt:

      Wirklich? Haben Sie einen wissenschaftlich nüchternen Blick auf Ihr Kind? Ich nicht. Meine Kinder finde ich toll. Ihre Defizite sehe ich nicht, da ich sie sehr liebe und mir auch die Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Abklärungen abzulehnen, heisst Wissen ausschlagen. Das kann doch nicht gut sein. Was man mit dem Resultat der Abklärung macht, steht jedem offen; sich aber der Meinung Anderer von vornherein derart zu verschliessen, finde ich arrogant.

  • Irene feldmann sagt:

    Zeit ist der kostbarste Faktor heute, fragt sich nur für wenn……lasst die Kinder -Kinder sein…..

  • Frank Z. Marg sagt:

    Die heutigen Schulen und die Erwartungen an diese Schulen und an die Lehrerkräfte sind nicht mehr führbar ohne diese therapeutischen Hilfen im Hintergrund. Eine Kindergärtnerin oder eine Lehrerin kann keine Klasse mehr führen, wo jedes Kind möglichst optimal-individuell geführt werden soll (Wunsch der Eltern!), wenn ein paar Schüler ständig sozial auffällig sind oder wenn spezifische Schwierigkeiten beim Kind auftauchen (beim Rechnen, Lesen, Schreiben etc.).
    Es sind unsere überzogenen Ansprüche an Schule, Lehrer etc., die dieses System nötig machen.

  • Peter Steiner sagt:

    Solange wir weiterhin die Verantwortung für unsere Kinder dem Staat und dem angeschlossen Bildungs- und Erziehungsapparat übergeben, wird sich das ganz immer nur verschärfen.

    Die ganzen Sozialwissenschaftsstudenten müssen schliesslich irgendwie beschäftigt werden.

  • markus sagt:

    Die Beobachtungen von Frau Braun sind völlig richtig. Meine Empfehlung : Sobald der Staat mit seinen Vertretern der Psychosozialindustrie unaufgefordert Euer Kind bedroht, ist es angezeigt, selber mit dem Anwalt ans Elterngespräch aufzumarschieren. Und zwar gleich beim ersten Mal, damit auch ganz schnell wieder Ruhe ist. Das ist zwar etwas unangenehm, aber es erspart nicht nur dem Kind und den Eltern viel ärger, sondern der Gesellschaft auch hohe Kosten.

    • Petter sagt:

      Es ist krankhaft, wie in der heutigen Gesellschaft die Kinder pathologisiert werden. Gewisse Erwachsene gehen davon aus, dass jedes Kind krank ist… einfach krank!
      Eltern, wehrt euch!

    • Susann sagt:

      Wow, so aggressiv. Niemand will Ihrem Kind Schlechtes. Fühlen Sie sich doch nicht so bedroht, wenn jemand sieht, dass Ihr Kind in gewissen Bereichen hinterherhinkt. Ich war froh, dass die Kindergärtnerin mich auf Defizite aufmerksam machte. Sie hat Erfahrung und weiss wie gut ein 4-jähriger Weissichnichtwas beherrschen soll. Und dann gibt es Dinge, die ein Kind einfach leichter lernt, wenn es nicht die Mutter ist, die es zu erklären versucht. Was ich mir den Mund fusselig geredet habe, geholfen hat es nicht. 2 Therapiestunden später hat es funktioniert.

  • Michael sagt:

    Je länger ich die Artikel zu dem Thema lese, desto mehr vermute ich, dass sich hier eine ganze Therapiemafia an unseren Kindern berreichert. Es gibt auch hier einfach um zuviel Geld. Stellt Euch mal vor, was alle die Logpädinen, Therapeuten usw verdienen würden wenn alle Kinder „normal“ eingestuft werden. Das Ganze nimmt ja schon groteske Züge an.
    Mein Beispiehl; unsere Tochter ist schwächer in Mathe. Sie braucht halt manchmal 2 Lektionen bis sich ihr ein neues Thema erschliesst. Die Lehrerin meinte wir sollen mal auf Rechenschwäche abklären…
    Vertraut Euren Kindern und Eurem Bauchgefühl.

    • Josef sagt:

      Je mehr Therapeutinnen verfügbar sind, umso tiefer werden die Schwellen für eine Abklärung und Betreuung gelegt. Es ist auch kein Zufall, dass massiv mehr Knaben als Mädchen in die Therapie gehen müssen: Heutige Lehrerinnen haben offenbar keine Ahnung, was bei Knaben normal ist und was nicht. Eltern werden hyperaktiv statt proaktiv auf mögliche Defizite hingewiesen, da ja alle Kinder mindestens Durchschnittlich sein müssen – ohne zu verstehen, das „Durchschnitt“ bzw. „Median“ genau bedeutet. Mehr Gelassenheit für die Eltern, und die Lehrer ruhig auch einmal laut auslachen!

      • Susann sagt:

        Mehr Knaben als Mädchen in der Therapie wird wohl auch mit der späteren Reifung der Knaben zusammenhängen. Solange Kinder gemäss Alter in eine Klasse gehen, wird von Knaben (gemäss Reife) einfach mehr verlangt. Keine Verschwörungstheorie. Einfach die Art wie sich Klassen zusammensetzen.

  • Monica sagt:

    Also ich mag mich noch an meine Schulzeit erinnern (lang ist es her)
    – Im Kindergarten wurde bei uns gar keine solche „Massnahmen“ gertroffen
    – In der 1. Klasse hatten wir ja das Alphabet schrittweise mit vielen Wiederholungen bezüglich schreiben gelernt (das war wohl ein gutes Feinmotoriktraining weil auch da: brauchte niemand ein Heilpädagoge).
    – In der 2. Klasse musste ein Schulgspändli zum Logopäde weil er immer noch stotterte – aber auch da: die Kindergärtnerin und auch die Lehererin hatten zuerst mit ihm lange geübt bevor dieser Schritt gemacht wurde.
    Kommt es mir nur so vor……

    • Monica sagt:

      ….oder werden heute alle Kinder gleich pauschal zu Problemkinder gestempelt?

      • Andreas D sagt:

        Ich meine, es kommt Dir nur so vor. „Problemkinder“ wurden schon zu meiner Chindsgizeit behandelt, es lief mangels Optionen einfach sehr schnell auf Separation hinaus, unsichtbar für den Rest der Klasse.
        Ich selbst lispelte im ersten Kindergartenjahr. Für die Diagnose wurde ich diskret aus der Klasse geschleust und musste im Gang mit einer fremden Frau sprechen. Die Therapie bestand im Herausreissen aus der KG-Klasse und der Umteilung in einen Sprachheilchindsgi. Ich wette, gegen 100% der Kinder aus der alten Klasse erinnern sich heute auch nicht an irgendwelche Massnahmen im Kindergarten…

      • Markus sagt:

        Lehrer sind auch nur Menschen, wie Sie und ich. Sehen sie diese doch bitte nicht als Feinde. Arbeiten Sie in der Wirtschaft? Nichts anderes ist es leider für den Staat zu schaffen. Auch dort muss immer effizienter gearbeitet werden. Die Lehrer bekommen nicht mehr die Zeit zuerkannt, sich um bedürftigere Kinder intensiv zu kümmern und die Eltern verlangen perfekt erzogene Kinder, da ihnen nicht bewusst ist, selbst zu versagen.

        Wenn Sie nur wüssten unter was für einem unfairen Druck Lehrer stehen…!
        Mich wundert es nicht, dass ein Kind im Zweifelsfall etwas früher mal gecheckt wird, …

      • Markus sagt:

        …, bevor der Vorwurf kommt „Warum haben Sie als Fachperson nichts unternommen?“

        Im Vorwürfe machen sind Eltern leider Weltmeister. Und kapieren nicht, dass die Lehrer doch keine Gegner sind.
        Aber solche Eltern sind genau so unbelehrbar wie Schüler denen man sagt: „geniess die sorglose Zeit, das Arbeitsleben wird hart“, wenn sie immer zu sagen, sie wollen von der Schule und lieber arbeiten. Hinterher sind sie auch schlauer. Eltern leider nicht, solange sie selbst nie vor 20-30 Kindern standen, die sie über Jahre „zähmen“ müssen, damit sie was lernen.

      • Monica sagt:

        Lieber Andreas
        Das wahr nicht pauschal gegen Lehrer (Nein, ich sehe Lehrer nicht als Feinde habe selber Lehrerpersonen in der Familie.) Gut vor 20-30 Jahren war der Lehrerjob je nach Region leichter da weniger Kinder in der Klasse (wie in meinem Fall). Der Lehrer hatte mehr Zeit sich um die einzelnen Kinder zu kümmern. Wie die Verfasserin schreibt: gebt den Kindern doch einfach ihre Zeit, vieles richtet sich von selbst.

    • Katharina B. sagt:

      Wie soll so eine Individualbetreuung aussehen mit 25 oder 30 Kindern in einer Klasse?

  • Katharina B. sagt:

    Was heisst denn 1/5 mehr in 10 Jahren? 12 Kinder statt 10. Der reine Wahnsinn. Und Schuld sind natürlich die Mütter, wahlweise weil sie ihr Kind falsch erziehen, falsch füttern, in die Krippe schicken oder eben gerade nicht in die Krippe schicken, zuviel oder zuwenig Zucker füttern, zuviel Bewegung, oder zuwenig, oder was auch immer.
    Ich bin froh, dass Kinder, die Hilfe benötigen heute auch Hilfe bekommen! Natürlich ist es wichtig, die Sache kritisch zu betrachten und Bedürfnisse gut abzuklären. Es ist aber überflüssig, das Kind gleich mit dem Bad auszuschütten!

  • Christian Roth sagt:

    Und hier der zweite Kommentarteil. Heute Nachmittag findet das Gespräch statt: 2 Kindergärtnerinnen, die obligate
    Heilpädagogin, 2 Eltern und der kleine Mittendrin.

    Inzwischen braucht er keine Windeln mehr. Unfälle können passieren. Aber die
    Drohung heilpädagogischer Massnahmen steht im Raum – und wie sie an uns
    heran getragen werden, fühlt sich wirklich als Drohung an.

    • nikkilein sagt:

      schon gehört. schrotflinte kaufen (mit grossem schrot) lauf absägen und demonstrativ auf den tisch legen.

      • Maria sagt:

        und warum bloss konnten die Eltern hier nicht dem Kind ein Jahr mehr zeit geben, damit er windelfrei den Kindergarten beginnen kann. Genau darum gehts doch auch in dem Beitrag….lasst den Kinder genügend Zeit für ihre Entwicklung. Meiner Meinung nach gehört ein kind das noch Windeln braucht nicht in den Kindergarten.

      • Irene feldmann sagt:

        🙂

      • Rena Haug sagt:

        @Maria: weil es einen Einschulungsstichtag gibt, bei Christian Roths Sohn offenbar der 31. Juli. Und daibts nun mal grosse Unterschiede in der kindlichen Entwicklung, war aber auch früher schon so.

    • Rudi Buchmann sagt:

      Vor den Herbstferien gab es ein Gespräch mit den Kindergärtnerinnen. Unser Sohn ist schon länger windelfrei, trotzdem hat er ein paar Eigenheiten, die uns befürchten liessen, dass der Vorschlag einer heilpädagogischen Behandlung an uns getragen würde. Aus diesem Grund nahmen wir Kontakt mit dem Kinderarzt auf. Er hat uns gesagt, dass die Heilpädagogin während des „Unterrichts“ kommt und ihre Arbeit sehr unauffällig verrichte. Er konnte uns sehr gut beruhigen und meinte auch, wenn wir gegen bestimmte Massnahmen wären, könnten wir das auch durchsetzen. Die Heilpädagogin war dann gar kein Thema.

    • Susann sagt:

      Nein, das ist keine Drohung, man versucht bloss etwelche Defizite, die sich nicht von selbst auflösen (denn solche gibt es halt auch) abzufangen, bevor deren Behebung eine Riesensache wird. Unser Schulsystem hat sich offensichtlich entschieden lieber einige Therapiestunden zuviel zu investieren, als Therapien die sich im Nachhinein als nötig herausgestellt hätten, nicht zu machen. Nehmen sie’s locker. Mein Sohn geniesst die Psychomotoriktherapie und ich bin froh, dass er sie bekommt.

  • Christian Roth sagt:

    Noch ein Beispiel aus der Praxis. Unser Sohn wurde im August mit 4 Jahren und 40 Tagen in den Kindergarten aufgenommen. Weit im Voraus hatten wir abgeklärt, ob es ein Problem sei, dass er noch Windeln braucht: Nein, gar kein Problem sei dies. Man solle dem Kind Zeit lassen.

    Der Start in den Kindergarten lief gut, der Kleine hat grossen Spass und wäre gerne mehr Zeit im Kindergarten. Dann der Schuss aus dem Hinterhalt: Er sei der einzige mit Windeln und der Umgang für die Kindergärtnerin sehr schwierig, wenn nicht eigentlich sogar untersagt. Im nächsten Kommtar geht’s weiter.

  • Roxxi sagt:

    Und wer bezahlt diese Therapien? Die Krankenkassen?

  • Erich Meier sagt:

    Wir haben zuwenig Ingenieure, Chemiker, Physiker usw. dafür zuviele Sozialarbeiter, Psychologen, Pädagogen usw. Der Staat will für letztere künstlich Arbeit schaffen, indem bereits die Jüngsten vom System erfasst, therapiert und umgemodelt werden sollen. Gleichzeitig schreiben immer mehr Kantone rote Zahlen, nicht zuletzt wegen solcher Speckgürtel.

  • Streit sagt:

    Das kommt nun davon, wenn Kinder keine Kinder mehr sein dürfen. Schickt sie noch früher in Spielgruppen und Kindergarten. Beginnt noch früher mit „Frühförderung“ und es gibt bald kein „normales“ Kind mehr. Lasst doch den Kindern die benötigte Zeit für ihre Entwicklung, lasst sie spielen, entdecken und neugierig sein, aber jedes nach seinem Tempo. Heute hat doch kaum mehr ein Kind Zeit genug, richtig Kind zu sein. Uebertrieben frühe Einschulungen wie sie zur Zeit im schwange sind, wirken kontraproduktiv.“Eile mit Weile“ und „Alles zu seiner Zeit“ hat auch heute noch seine Gültigkeit.

    • Rudi Buchmann sagt:

      Mein Sohn ist einmal pro Woche in die Waldspielgruppe. Er hat sich jedes Mal ganz extrem gefreut. Übrigens haben wir das selbst bezahlt. Menschen, die Dinge immer pauschalisieren müssen, nehme ich überhaupt nicht mehr ernst! Gehen Sie doch ins Altersheim!

      • Koller sagt:

        In der Spielgruppe koennen sie nicht richtig Kind sein? Es gibt uebrigens durchaus Kinder die gerne mit anderen Kindern spielen, vielleicht sogar lieber als den ganzen Tag allein oder mit Mami… Im Gegentei, gestoerte Kinder sind warsvheinlich jene die das erst mit 5 Jahren duerfen.

      • Streit sagt:

        @Buchmann: Lernen Sie erst mal lesen.Ich habe nicht geschrieben, dass ich gegen Spielgruppen und Kindergarten bin. Es geht lediglich um den, meiner Meinung nach, vielfach zu frühen Besuch dieser Einrichtungen. Im übrigen erwarte ich doch, dass Sie den freiwilligen Waldspielgruppenbesuch ihres Sohnes selbst bezahlen. Und Herr Buchmann, Menschen die die Meinung anderer nicht akzeptieren können mag ich auch nicht. In dem Sinne, werden Sie doch erst mal trocken hinter den Ohren.

  • Das ist eine sehr schöne Geschichte. Danke. Ich kann noch anfügen: Angst (dass die Kinder nicht genügen zum Beispiel) ist ein ganz schlechter Ratgeber, entspannte Eltern – entspannte Kinder. Das sehen wir auch in der Probezeit auf der Sekundarstufe.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.