Ich sags zum letzten Mal!

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Manche «Elternsätze» lassen sich fast nicht vermeiden: Ein Mädchen hört missmutig seiner Mutter zu. (Flickr/Andrew M Taylor)

Vor kurzem hab ichs tatsächlich getan: Ich habe den «Viereckige Augen»-Satz gebracht. Sie wissen schon, die «Wer zu viel fernsieht, kriegt viereckige Augen»-Mär, die Eltern ihren Kindern so gerne auftischen. Zu meiner Entschuldigung darf ich sagen, dass das nicht meine erste Antwort auf die kindliche «Warum darf ich bei den Nachbarn nicht fernsehen?»-Frage war, sondern vielmehr der leicht verzweifelte Versuch, das sich hinziehende «Aber warum»-Gespräch zu beenden.

Kaum war mir der Satz über die Lippen gekommen, fasste ich mir leicht verwirrt an den Kopf und fragte mich, wieso ich das eben gesagt hatte. Fand ich diese Viereckige-Augen-Story nicht schon als Kind doof? Doch. Und will ich meinem Kind wirklich Angst machen, es sehe bald aus wie ein kleines Monster, wenn es bei der Freundin ständig fernsehe, anstatt etwas Schlaues zu spielen? Sicher nicht. Warum also sage ich so etwas? Aus Gewohnheit, weil sich das Sätzchen irgendwann auf der Festplatte abgespeichert hat? Vermutlich ja.

Der Fernseh-Satz ist bekanntlich nicht der einzige, der über Generationen hinweg von allen Eltern immer und immer wieder hervorgeholt wird. Es gibt unzählige davon. Die Autorin Lisa Seelig hat in ihrem neuen Buch «Da wächst du schon noch rein» etliche solcher Sätze gesammelt und auf witzige Art und Weise hinterfragt. Lassen Sie es uns ihr gleichtun und darüber nachdenken, welche klassischen Elternphrasen wir so benutzen beziehungsweise GANZ SICHER NIE aussprechen werden.

Da wäre zum Beispiel das berühmte «Ich sags zum letzten Mal!». Besonders effizient, wenn man es zehnmal wiederholt, bevor man handelt. Spätestens bei der zweiten Androhung des letzten Mals weiss das Kind, dass es ruhig noch ein wenig weiter herumtrödeln / Mist bauen / Papa ignorieren kann, weil das Sätzchen ja höchstens bedeutet, dass jetzt dann bald irgendwann einmal Schluss ist damit.

Oder die Frage, ob das Kind «Kartoffeln in den Ohren» habe oder schlecht höre. Dabei hört es sehr wohl, was es hören will. Dass die Eltern das aber auch immer noch nicht begriffen haben.

Und erinnern Sie sich noch an das erpresserische «Wenn du den Teller leer isst, gibt es morgen schönes Wetter»? Hm, das Kind soll also für das Wetter verantwortlich sein. Und scheint morgen auch die Sonne, fragt sich das Kleine da, wenn ich aufesse, der Bruder aber nicht? Überhaupt: Was gibt es denn Schöneres, als mit den Gummistiefeln durch Regenpfützen zu hüpfen? Also weg mit dem Teller und her mit dem miesen Wetter!

Werden die Kinder älter, bekommen sie gerne Sätze wie «Geh doch mal an die frische Luft» zu hören. Und kaum gehen sie raus, will die Mutter genau wissen, wohin und mit wem und bis wann, und würde sie eigentlich am liebsten gleich wieder zu Hause einsperren. Da soll noch einer sagen, die Teenager seien kompliziert.

Aber sie meinen es ja nur gut, die lieben Eltern, wenn sie ihr Kind warnen, dass es «sich eine Lungentzündung holt, wenn es die Jacke nicht anzieht». Medizinisches Fachwissen brauchts für die Aussage nicht. Schliesslich haben das die eigenen Eltern und Grosseltern früher auch gesagt und die werdens ja wohl wissen. Denkt man zumindest im Nachhinein, wenn man selber in der Rolle steckt.

Denn es gibt auch die Elternsätze wie den mit der Lungenentzündung, die man aus echter Überzeugung wiederholt. Und die zu wiederholen, deshalb nicht so tragisch ist – selbst wenn sie nicht hundertprozentig stimmen, man will schliesslich nur das Beste fürs Kind und argumentiert nach bestem Wissen und Gewissen. Aber eben, leider gibt es auch die anderen, diese «Wenn du das tust, dann passiert etwas Schlimmes»-Drohungen, von denen man doch wegkommen, die man selber auf gar keinen Fall repetieren will. Und es dann gelegentlich doch tut.

Seien Sie ehrlich: Sie auch. Welches sind Ihre «Oops, I did it again»-Elternsätze?

48 Kommentare zu «Ich sags zum letzten Mal!»

  • Katharina sagt:

    „Man kriegt eben micht immer alles, was man will.“

    „Weiter in diesem Tonfall und es gibt gar nichts!“ bzw. einfach: „nicht in diesem Tonfall.“

    „Ich zähl jetzt bis 3…“

  • Orsa sagt:

    Ein tolles Kabarettstück zum Thema: Ab der 30. Minute schauen (hab leider keinen andern Mitschnitt gefunden..):
    http://www.youtube.com/watch?v=WoyKfy5rtD4

  • Luise sagt:

    Wir möchten alles besser machen als unsere Eltern, vor allem wollen wir Frauen ganz anders sein als unsere Mutter. Zum sich Aussöhnen mit unserer Mutter gehört aber auch: Akzeptieren, dass wir ihr eben auch ähnlich sind, manchmal den gleichen Tonfall haben oder etwas sagen, das sie gesagt hätte. Das ist ja keine Katastrophe. Unsere Kinder werden erwachsen, sie werfen uns Fehler vor, wollen keinesfalls so sein wie wir uns sind uns trotzdem oft sehr ähnlich. Und? Das ist ja nicht die Riesenkatastrophe. Das heisst natürlich nicht, dass wir unbesehen alles rausposaunen, was unsere Eltern sagten.

  • Jane Bissig sagt:

    Vielleicht sind enem manchmal Sätze und Wortkombinationen peinlich, weil man so ganz allgemein nicht werden möchte wie die Eltern. Manchmal sind sie aber trotzdem richtig. Sicher soll man nicht vergessen, was einen als Kind genervt hat. Aber manches ist eben anders wenn man erwachsen ist und Kinder hat. man sorgt sich um sie, denn man weiss im Unterschied zu ihnen um die Sterblichkeit. „Pass auf im Verkehr. Das heisst: blabla“… Damit zeigt man seine Sorge und Liebe. Hauptsache man lässt das Kleine dann trotzdem ziehen,

  • Dodimi sagt:

    Unser Kind ist Einfalls- und Trickreich – Wir auch! Ohne Worte, jedoch mit klarer, hartnäckiger, absolut stiller Gestik geht es – oder auch nicht! Doch gemeinsam kommen wir immer zum Ziel!

  • max sagt:

    Entscheidend ist, was nachher kommt. Der Satz geht nämlich wie folgt:

    „Ich sag’s zum letzten Mal, sonst zieh ich Dich am Grännihaar!“
    Das ist laut Blick die Gölä-Version und vermutlich dem heutzutags üblichen Sozial-Psychotanten-Quatsch noch verträglich.

    Es könnte aber auch heissen:
    „Ich sag’s zum letzten Mal, sonst gibt’s Füdlitätsch!“
    Huch, so ein Rüpel, aber konsequenter Erziehungsstil!

    „Ich sag’s zum letzten Mal, sonst kommst Du ohni Z’Nacht ins Bett!“
    Wird glaube ich immer noch praktiziert.

    Im ganzen ist wohl die konsequente Fortsetzung zur Drohung entscheidend.
    Bei mir hat alles nie genützt. Mich haben Strafen nie gehindert, zu meinen Beobachtungen und meiner Meinung zu stehen. Wie ist das mit anderen Kindern?

  • think about sagt:

    Was bei der älteren immer zieht “ In 30 minuten komme ich mit dem Sauger in dein Zimmer. Also bitte rasch aufräumen gehen. Was liegen bleibt, kommt in den Sauger resp. in den Müll“. Oft rennt sie förmlich ins Zimmer zum aufräumen 🙂 Ja, die einen oder anderen Minis müssen wohl dran glauben…kch kch kch

  • Hotel Papa sagt:

    „Solange Du die Füsse bei mir unter den Tisch streckst… !“

    Nein, ich sags nicht. Aber gedacht habe ich das schon öfter.

    • mia sagt:

      @HP: Was bitte ist daran falsch? Musst Du den Bälgern gehorchen, oder sie Dir?

      • Francesca sagt:

        Der Spruch kommt ja nicht bei kleinen Kindern, sondern eher bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen. Und da gehorcht keiner keinem mehr, sondern man stellt Regeln auf und spricht sich aus. Zwar nicht wie in einer WG, aber wie unter Erwachsenen. Und das Wort „Bälger“ ist respektlos.

      • Hotel Papa sagt:

        Bingo!

        Ich habe den Spruch auch selbst nie zu hören bekommen. Aber irgendwoher kannte man ihn halt als Jugendlicher.

        Und, ja: jetzt leben wir in so einer Art WG, mit allen Konsequenzen: „Ich habe aber letztes mal abgewaschen!“…

        Und der Mietezahler hat halt irgendwie schon das Gefühl, das müsse das eine oder andere Privileg wert sein. Ha!

  • Philipp Kästli sagt:

    Pass uuf öber d Stross!

    Das hat meine Mutter noch gesagt, als ich gegen zwanzig ging. Ich hoffe, ich kriege es selbst früher wieder weg…

  • Roberto sagt:

    Ich asse meinen Satz:“Wenn du nicht xxx, dann passiert xxx!“ Kommt mir selber aus den Ohren raus!!

  • Erika sagt:

    Gewisse dieser Sprüche brennen auch auf meiner Zunge. Ich werde sie inzwischen so los, indem ich meinen beiden Töchtern (3 1/2 und 5 Jahre) über diese Sprüche berichte (z.B.: „Meine Eltern sagten mir jeweils, ich bekäme viereckige Augen.“). Sie finden dies sehr lustig und es hat auch schon ganz interessante Gespräche ausgelöst, z.B. auch darüber, was sie ihren Kindern sagen würden, wenn sie Mutter wären und von den Kindern nicht erhört werden würden. Quintessenz: Meinte Töchter wären mit ihren Kindern sehr rigoros! Was uns alle zum Lachen bringt.

  • Monica sagt:

    Beim Essen hiess es immer: „Iss auf in Afrika währen die Kinder froh wenn sie dein Essen hätten“…ich gab immer zur Antwort: „Ok, dann senden wir doch das Essen per Post nach Afrika“! Wurde leider nie erhört…..

    • tina sagt:

      tatsache ist ja, dass die beste form des umweltschutzes (und zur umwelt gehört ja auch der lebensraum des menschen inklusive bewohner) ist weniger verbrauchen. ich bin dankbar aber schon auch erstaunt, dass man mit meinen kindern sehr wohl über diese thematik sprechen kann. weniger verbrauch heisst weniger abfall. also möglichst soviel kochen wie auch gegessen wird. dazu bin ich dankbar, wenn meine kinder ihre wünsche einbringen bei der menüplanung. was finanziell gespart wird beim einkauf, kann man auch „nach afrika“ spenden. das praktizieren wir

  • Christian Meuli sagt:

    Ich ertappe mich, dass ich manchmal die gleiche Tonart wie mein Vater anschlage. Das erschreckt mich dann selber (wie ein Echo), aber zum Glück ist das eher die Ausnahme…und ich bin stolz wie wir als Eltern es mit unsern Kinder handhaben und wie die Kids sind…

  • Robi Grimm sagt:

    „…mir sind aber nid alli Andere…“

  • säm sagt:

    «Iss doch einen Apfel!» Hilft garantiert nie bei Hunger und verleidet die Lust auf Früchte aller Art.

  • michael klein sagt:

    das ist ja eben das geniale an der Sache ! alles wiederholt sich zu 100%. als kinder waren wir genausolche kotzbrocken, haben unser zimmer nicht aufgeräumt, den ausgang überschritten oder modisch völlig unmöglich rumgelaufen. nun haben wir die rollen getauscht und unsere kinder treiben uns zum Wahnsinn. wenn wir lernfähig sind, erinnern wir uns gut an unsere zeit als kindlicher Revoluzzer.

    • tina sagt:

      ich erinnere mich schon, aber es hält mich nicht davon ab, mich als elternteil so zu verhalten, wie sich erwachsene verhielten die mich als teenie nervten 😉

  • Widerspenstige sagt:

    Je mehr ich angemahnt habe bei meinen Kindern, desto weniger wurde hingehört je älter sie wurden. Also habe ich angefangen, meine Strategie zu ändern und weniger zu mahnen, aber wenn, dann ziemlich laut und sehr bestimmt. Das hat besser gewirkt als ich es mir vorgestellt hatte. Beim Jüngsten hilft grad im Moment gar nix mehr so richtig gut. Abwarten und Tee trinken ist das Gebot der Stunde…. 🙁

  • plop sagt:

    Ich glaube, man sagt solche Dinge meist aus einer Hilflosigkeit den Kindern gegenüber… Ist wohl auch ganz normal, wär aber immer schöner wenn man die Tage ohne solchen Wortverschleiss verbringen könnte.

  • Silvia H. sagt:

    „Ich wünsche dir nichts schlimmes, aber mindestens ein Kind, das sich so benimmt wie du jetzt gerade!“ (Originalzitat übernomment von meinem Vater, sein Wunsch ist wohl in Erfüllung gegangen :-)).

  • think about sagt:

    Auf 3… EINS……ZWEI…………..ZWEI EINHALB………..DREIIIIIIIIII………………………………….:-)

    • plop sagt:

      Das wirkt bei uns leider gar nicht…

      • tina sagt:

        plop, eins der clichées, die ich im umfeld bestätigt sah, ist der wettkampfsinn von jungs: willst du dass sie endlich gas geben, sporne ihren wettbewerbsinn an: „wer ist zuerst? eeeeeeeeeeeeeeins……zweeeeeeeeeeeeeeeeei…… drei!“. funktioniert bei kleineren jungs super

      • think about sagt:

        @ Tina. Geht bei uns auch, aber nur gezielt. Unsere Jungs sind ziemlich stürmisch und neigen dazu, den Bruder zu foulen, in der Treppenkurve in die Banden zu drängen und die Ellenbogen einzusetzten. Kann sehr gefährlich werden:-).

      • tina sagt:

        hihi ja stimmt, man muss gut abwägen wo man den trick einsetzen kann und wo nicht. beim zähneputzen jedenfalls auch nicht

      • plop sagt:

        Leider fehlt meinem grösseren Bub (4einhalb) ein bisschen der Wettbewerbsgeist, das wär manchmal schampar praktisch. Auch ist es ihm ziemlich schnurz, wenn Kollege A etwas schon kann was er können sollte und ich ihn darauf hinweise (auch sowas blödes was ich immer wieder tu..)

      • Hotel Papa sagt:

        Er hat eben das „Mir sind aber nid alli andere!“ verinnerlicht 😉

      • Jane Bissig sagt:

        @Hotel Papa: Lautes Lachen!

  • Francesca sagt:

    Hm. „Weil ich es sage“, das ist der schlimmste. „Das bleibt dir noch“ beim Grimmassenschneiden/Schielen etc.. „zieh eine Jacke an“. „Lauf nicht in den Socken raus“. „Bleibt immer zu zweit“ (im Ausgang, auf dem Heimweg). ZiehdenVelohelman, machdieMP3-StöpselausdenOhrenaufderStrasse, Wannbistduwiederzuhause, RäumendlichdeinZimmerauf, WoistmeinBostich, WoistmeineSchere, IchhabedochgesterngesagtichmacheWäscheundnunistderWäschekorbschonwiedervoll… Naja, wir sind doch unglaubliche Nervensägen, wir Eltern.

    • Sportpapi sagt:

      Ich wäre ja so froh, ich müsste nicht immer das gleiche sagen…

    • Jane Bissig sagt:

      „Weil ich es sage“ find ich nicht schlimm. Ist ehrlicher als manche „Begründung“ für elterliche Wünsche an ihre Kinder.

      • Hotel Papa sagt:

        Besonders schön finde ich in diesem Zusammenhang: „Do as I say, not as I do!“ (Gibts ein Äquivalent auf Deutsch?)

        Es ist gleichzeitig ein Eingeständnis menschlicher Schwäche und sagt, dass man es eigentlich besser weiss.

        Es sollte allerdings mit einem 😉 gesagt werden.

      • Stefan sagt:

        wasser predigen, Wein trinken

  • Philipp M. Rittermann sagt:

    „du sitzt schon wieder nicht!!“

  • Maus sagt:

    „Wenns dir bi üs nöd passt, chasch zum Samichlaus go Nüssli sortiere.“

    „Anderi Chind hend nöd mol suubers Wasser zum Trinkä.“

    „Susch chunnt ds Nacht de Zahtüfel.“

  • B. Erika sagt:

    Den Satz „… denk doch mal an die hungrigen Kinder in Afrika …“ konnte ich mir eines Tages nicht verkneifen, als auf dem Teller ein paar Resten übrig blieben.
    Da war meine jüngere Tochter aber schon älter, so um die 14.
    Das ergab dann prompt spannende Diskussionen über Hunger auf der Welt und so.

  • Barbara sagt:

    hab mich selbst ertappt, Kind zum ersten Mal alleine auf dem Chindgsiweg, ich stand an der gleichen Stellle wie mein Vater damals und sagt zu ihr, pass uf em Weg in Chindergarte, sowie ich wett nid, dass det dure laufe tusch, das isch gföhrlich. Was hesch hüt im Chindgsi gmacht? Ich wiederhole die Sätze meiner Eltern, oft noch an der gleichen Stelle, den ich lebe mit meiner Famlie in meinem Elternhaus. Hier gibt es sehr viele ops I did it again, spannend wir es in 4 Jahren wenn meine Tochter das Alter hat als ich hier eingezogen bin, dann gibts noch dieser Situationen.

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