Konkubinat: Mütter zahlen drauf

Einer der beiden ist gestresst: Uma Thurman im Film «Motherhood», 2009. (Foto: John Wells Productions)

Sie sind ein Paar, schon seit Jahren. Sie leben zusammen, kaufen sich gemeinsam Möbel – und schon bald bekommen sie ein Kind. Heiraten war für die beiden bislang kein Thema. Weshalb auch, sie leben ihr Leben gut ohne Trauschein. Sie wissen auch so, dass sie zusammengehören. Er und sie stehen mit beiden Füssen auf dem Boden. Beide verdienen Geld, sind unabhängig und zufrieden, wie sie sich ihr Leben eingerichtet haben.

Ist das Kind da, wird sie ihr Arbeitspensum auf 40 Prozent reduzieren. Er wird weiterhin jeden Tag zur Arbeit fahren. Sie werden, wie die meisten befreundeten Paare auch, einen Unterhaltsvertrag aufsetzen. Zur Sicherheit; sollte ihre Beziehung wider erwarten auseinandergehen. Das gemeinsame Sorgerecht für das Kind werden sie sowieso haben. Alles scheint geregelt.

Doch das ist ein Trugschluss. Insbesondere für die Frau kann das Zusammenleben im Konkubinat zur Falle werden. Trennt sich das Paar ein paar Jahre später – dieses Risiko beträgt gemäss aktuellen Zahlen immerhin 50 Prozent -, macht sie Zweite. Die Frau hat mit erheblichen Nachteilen zu kämpfen. Dessen sind sich viele Paare mit Kind, die unverheiratet sind, häufig nicht bewusst.

Obwohl das Konkubinat eine weitverbreitete Lebensform ist, existiert für den wirtschaftlich schwächer gestellten Partner keine gesetzlich geregelte Absicherung. Dies betrifft meist die Frau, da sie sich hauptsächlich um den Nachwuchs kümmert und deshalb wenig oder kein Geld verdient. Trennt sich das Paar, hat die Frau bei der AHV eine viel schlechtere Vorsorge als der Mann, weil kein Splitting wie bei einer Scheidung durchgeführt wird. Rechtlich gesehen sind die Konkubinatspartner Einzelpersonen. Dasselbe geschieht mit dem Pensionskassenvermögen sowie den Ersparnissen: beides Vermögen, das der Mann während der Beziehung aufgrund seiner Arbeitstätigkeit anhäufen konnte. Auch sie werden – ganz anders als bei einer Scheidung von Eheleuten – bei einer Trennung des Paares nicht aufgeteilt.

Doch das ist nicht alles: Bei einer Trennung stehen der Frau, die im Konkubinat gelebt hat, keine persönlichen Unterhaltsbeiträge zu. Sie erhält lediglich Unterhaltsbeiträge für die gemeinsamen Kinder. Das kann für eine Mutter finanziell sehr einschneidend, ja geradezu dramatisch sein. Die Juristin und Präsidentin der Zürcher Frauenzentrale, Andrea Gisler, staunt denn auch, wie wenig sich werdende Mütter mit ihrer persönlichen Absicherung beschäftigen. Dabei versicherten sich die Schweizer sonst allgemein gegen so vieles und mitunter auch Unnötiges. Doch frage sie Paare danach, wie sie sich für den Fall einer Trennung absicherten, reagierten diese häufig mit Unverständnis. «Sie halten meine Frage für völlig deplatziert und unromantisch», sagt Gisler. Dabei könne für die Frau eine Trennung ein abrupter Fall in die Armut bedeuten.

Die Juristin rät deshalb Paaren, die ein Kind bekommen und nicht heiraten wollen, sich eingehend mit der rechtlichen Situation zu befassen. Eine gewisse Absicherung kann unter bestimmten Voraussetzungen bei der Pensionskasse erreicht werden. Sollte der Partner sterben, erhält der Hinterbliebene eine kleine Hinterlassenenrente. Nicht allerdings bei einer Trennung. Dann haben die zerstrittenen Lebenspartner nichts davon. Sinnvoll ist auch ein Konkubinatsvertrag, in dem das Paar Alimentenzahlungen oder Abfindungen verbindlich regelt. Dieser soll regelmässig auf dem neuesten Stand gehalten werden.

Die wohl einfachste und sicherste Lösung ist allerdings in vielen Fällen noch immer die Heirat. Dazu rät auch Andrea Gisler den meisten werdenden Eltern, die nach der Geburt das Modell mit einer nicht oder Teilzeit erwerbstätigen Mutter und einem Vollzeit erwerbstätigen Vater leben wollen. Denn, wie sagt sie so schön: «Es gibt viele Gründe zu heiraten, Liebe ist es nicht.»

Wie halten Sie es, liebe Leserinnen und Leser? Was ist Ihre Erfahrung damit?

Lesen Sie morgen: «Ja und Amen – 7 Gründe, eine Frau zu heiraten», von unserem Papablogger Rinaldo Diezinger. Garantiert romantisch.