Mama Mia – Wer heiratet meinen Sohn?

Ein Gastblog von Claudia Marinka*.

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Nicht-Loslassen-Können kann unterhaltsam sein: Mütter und Söhne der RTL-Serie «Mama Mia – Wer heiratet meinen Sohn?». (Foto: RTL/ Natasha Yasmine Malhis)

Trash, Trash und nochmals Trash. Wieder einmal werden Liebhaber dieses hochstehenden Erzeugnisses der Fernsehwelt mit einem neuen Format beglückt: In der neuen Primetime-TV-Romanze «Mama Mia – Wer heiratet meinen Sohn?», die ab nächster Woche ausgestrahlt wird, suchen Männer nach der grossen Liebe. Und wer könnte sie da besser beraten, als die bisher wichtigste Frau in ihrem Leben: ihre eigene Mutter? Die Macher verkünden vollmundig: «Die Frau, die sie am besten kennt, die genau weiss, was sie gerne essen, was sie am liebsten anziehen und welche Musik sie am liebsten hören.»

Die Namensliste der Freak-Show: Tom (26). Er sucht eine Frau, «bei der auch das Äussere stimmt. Natürlich sollte sie auch Köpfchen haben». Fabio (28) will seine Frau «mit selbst geschriebenen Songs beeindrucken». Kai-Uwe (34) wünscht sich eine attraktive und hübsche Frau. Und zu guter Letzt kommt der 22-jährige Lukas (schwul), der will «einen Partner mit starker Persönlichkeit».

Meine Güte. In Zeiten, in denen es so viele Single-Haushalte gibt wie noch nie, in denen Frauen und Männer sich frühzeitig vom Elternhaus lösen, Fremdgeh-Buden florieren, Frauen auf eigenen Beinen stehen, Männer sich starke Partnerinnen wünschen, da halten diese Bubis mit ihren Müttern Händchen und hängen an ihren Lippen wie Babys an der Flasche. Ich meine: Welcher ernstzunehmende Mann würde so etwas tun? Entweder sind die von RTL ausgesuchten Männer notgeil, dumm oder verzogene Muttersöhnchen – schlimmstenfalls alles miteinander.

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Mama weiss am besten, wer zu ihrem Sohn passt: Teilnehmer der neuen RTL-Show. (Foto: Screenshot RTL)

Für eine durchschnittliche intelligente Frau kann dies keine ernsthafte Option sein. Denn wer beim ersten Date die Meinung der Mutter einholt, der hat nichts gelernt. Nicht gelernt, dass die Mutter eine wichtige Rolle einnimmt – bis zu einem bestimmten Punkt eben. Dann fängt das an, was vielen Müttern (und demzufolge auch dem Kind) so schwer fällt: Loslassen.

Die Tatsache, dass die Mütter nur das Beste für ihre Söhne wollen, erstaunt wenig. Meiner ist zwar erst ein Jahr alt. Jedoch male ich mir schon jetzt die wildesten Geschichten aus, was das Kennenlernen des anderen Geschlechts angeht. Mein Sohn! Der hat ja so ein entzückendes Lächeln, was in einem späteren Alter als betörend ausgelegt werden muss. Frauen werden sich um ihn reissen. Und seine Augen! Was hat er doch für einen wunderschönen Blick. Sanftmütig, aber auch wild. Er wird mal ein ganzer Kerl, das weiss ich! Und selbst als halber Kerl würde er alle anderen überragen, mit seinem Witz und Charme. Natürlich müsste Einstein in die Lehre bei ihm gehen, so gescheit wird der mal!

Es drängt sich jetzt wohl eine Psychoanalyse meiner selbst auf, zumindest eine Kurzfassung davon: Werde ich meinem Sohn mit meiner unbändigen Liebe auch einmal im Wege stehen? Jedes Girl mit Argusaugen abchecken, die er mir vorstellen wird? Kann er mir überhaupt eine Frau vorstellen, ohne dass ich ihn vor ihr warnen werde? Werde ich vorbehaltlos auf potenzielle Schwiegertöchter zugehen können, ohne dass ich das Gefühl habe, sie nimmt mir meinen «kleinen grossen Mann» weg? Oder ist Mutterliebe eben doch so abstrus emotional, dass der Verstand aussetzt?

Ich hoffe nicht. Ich hoffe, ich werde jede Frau mit offenem Herzen kennenlernen wollen. Ich hoffe, mein Sohn wird mit mir frei über seine Gefühle sprechen können, ohne Angst davor zu haben, dass seine Mutter missgünstig wird. Ich hoffe, er wird einst sagen können, seine Mutter sei die Beste. Generell und als Gesprächspartnerin im Besonderen.

Ich glaube ich werde ihm die unbändige Liebe schenken können und gleichzeitig in der Lage sein, ihm mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Ich bin überzeugt, dass ich auch dann eine gute Mutter sein werde, wenn es heisst, loszulassen.

Doch jetzt noch nicht. Noch treibt mir die Vorstellung Schweissperlen auf die Stirn, ihn an eine andere Frau «zu verlieren». Aber ich arbeite daran. Naja, ich habe noch ein wenig Zeit, Zeit mich darauf vorzubereiten. Bis es so weit ist, werde ich mich ja wohl noch über die durchgeknallten Fernsehmütter aufregen dürfen.

marinka*Claudia Marinka ist Journalistin mit Schwerpunkt Gesellschaftsfragen. Die zweifache Mutter hat zuletzt beim «Der Sonntag» gearbeitet und verfolgt jetzt eigene Projekte. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Zürich.