Über die Wichtigkeit der Väter

Der Mamablog widmet der Pubertät eine Themen-Woche. Heute schreibt die Sozialwissenschafterin Diana Baumgarten über die Beziehung zwischen Vätern und ihren Kindern im Teenageralter.

Vor allem die Töchter suchen den Vater als Gesprächspartner: Vater und Tochter geniessen den Frühling am Zürichsee, April 2009. (Keystone/Walter Bieri)

Eine Carte Blanche von Diana Baumgarten*.

Die Beziehungserforschung zwischen Vätern und ihren Kindern ist – speziell im deutschsprachigen Raum – weder aus der väterlichen noch der kindlichen Perspektive besonders alt. Wenn man sich dann noch überlegt, dass es bis Mitte der 1970er-Jahre gedauert hat, bis man die Möglichkeit einräumte, es könnte auch zwischen Vätern und ihren Kindern eine emotionale Qualität geben, die untersuchenswert ist, dann versteht man vielleicht besser, wieso erst jetzt Ergebnisse und Aussagen produziert werden, die man in dieser Art von Müttern und ihren Kindern schon lange kennt.

Zwei solcher Ergebnisse, die ich durch Interviews mit Deutschschweizer Vätern und ihren Kindern im Alter von 16 bis 21 Jahren gewonnen habe, möchte ich hier kurz vorstellen.

Beziehung herstellen?

Die von mir befragten Väter lassen sich in zwei Gruppen unterscheiden: Für den einen Teil ist die Beziehung zu ihrem Kind etwas, was sie angepasst an das Alter des Kindes aktiv erarbeiten müssen. Hierfür braucht es verschiedene Rahmenbedingungen, die es den Vätern erlaubt, dies auch zu tun, zum Beispiel in Form hoher Präsenz im Alltag des Kindes. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, gemeinsame Interessen zu pflegen. Wichtig  ist, dass sich der Vater auf sein Kind als eigenständiges Gegenüber einlässt, es also mit seinen Eigenheiten und Vorlieben akzeptiert und unterstützt. Das ist nicht immer einfach, kann dies doch bedeuten, sich mit Hiphop statt mit den eigenen Hobbies beschäftigen zu «müssen» oder ins Schultheater zu gehen, anstatt auf die Töffrundfahrt. Es braucht von den Vätern also ein engagiertes, flexibles und anpassungsfähiges Verhalten, um die gewünschte Qualität der Beziehung herzustellen.

Beim anderen Teil der befragten Väter besteht keine Notwendigkeit, die Beziehung irgendwie aktiv herstellen zu müssen. Diese ist in ihren Augen «immer schon vorhanden», quasi aus dem Verhältnis Vater-Kind heraus. Insofern müssen diese Väter auch nicht speziell aktiv werden oder sich dem Alter und den Interessen ihres Kindes anpassen, weil es für sie normal und selbstverständlich ist, dass es die Beziehung gibt. Wie sich Väter in der Beziehung zu ihrem Kind verhalten, hängt also ganz wesentlich davon ab, welche Vorstellung sie davon haben, wie eine solche überhaupt entsteht.

Reden, reden, reden

Jenseits der unterschiedlichen Vorstellungen der Väter, wie eine Beziehung zum Kind entsteht, gibt es einen Punkt, den alle Väter wie Kinder besonders wichtig fanden: Die Kommunikation. Ihr wird von beiden Seiten ein hoher Stellenwert zugeschrieben. Selbstverständlich gibt es hierbei auch Schwankungen, wechseln sich «tolle Gespräche» mit «schweigsamen Miteinander» ab. Trotzdem bemessen gerade die Jugendlichen ihre Beziehung zum Vater anhand der Möglichkeit für ein lockeres, kommunikativ-aufgeschlossenes Zusammensein.

Vor allem die Töchter suchen den Vater als, neben der Mutter gleichwertigen, Gesprächspartner und unterhalten sich mit ihm über Schule, aktuelles Tagesgeschehen, die Familie, Sport, Musik oder Persönliches. Und selbst wenn sich die Themen zwischen Söhnen und Vätern auf Sport, Schule oder Politik und weniger auf Persönliches konzentrieren, so schätzen sie den Meinungsaustausch mit dem Vater als «Fachexperten». Hierin zeigt sich deutlich, dass Kommunikation für die Vater-Kind-Beziehung keineswegs marginal ist und lediglich nur innerhalb der Mutter-Kind-Beziehung eine Rolle spielt, wie oft angenommen. Insofern möchte ich alle Väter dazu ermutigen, auf ihre (Teenie-)Kinder zuzugehen und sie hin und wieder zu fragen «Wie geht’s Dir?» oder auch einfach zuzuhören, wenn diese von ihrem Leben und Alltag erzählen.

diana baumgarten*Dr. Diana Baumgarten ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum Gender Studies der Universität Basel und forscht zu Familienthemen wie z. B. der Rollenteilung in Familien, dem Familienalltag nach einer Scheidung oder den Kinderwünschen von Männern. Im Frühjahr diesen Jahres ist ihre Buch «Väter von Teenagern. Sichtweisen von Vätern und ihren jugendlichen Kindern auf ihre Beziehung.» im Budrich Unipress Verlag erschienen.