Das Junkie-Gen in unseren Kindern

Magische Anziehungskraft: Ein 10- Jähriger am Computer. (Bild: AFP)

Magische Anziehungskraft: Ein 10- Jähriger spielt am Computer. (Bild: AFP)

Ich hätte es nicht anders gemacht: Gestern im Tram sass ein erschöpft aussehender Vater vor mir, neben sich seine maulende Tochter, die unbedingt mit seinem Smartphone spielen wollte. Sie ignorierte das anfänglich noch überzeugt klingende «nöd jetzt» ihres Vaters und quengelte so lange, bis dieser kapitulierte und ihr das Smartphone genervt in die Hände drückte. Und es ward Ruhe. Amen.

Kinder und elektronische Gadgets. Für Eltern Fluch und Segen zugleich. Denn es gibt kaum andere Mittel, die Kinder so schnell und effektiv «ruhig stellen» wie TV, Internet oder Smartphone. Eltern geniessen jeweils die kurze Verschnaufpause, wenn die Kinder artig vor dem Fernseher sitzen oder sich «Angry Birds» widmen. Trotzdem ist die Freude (der Eltern) meist nicht komplett ungetrübt – denn insgeheim wissen sie, dass sie ihren Kindern mit dieser Aktion, und sei sie noch so effizient, keinen Gefallen tun. Was jetzt auch nicht heisst, dass man sich jedesmal mit einem schlechten Gewissen plagen muss, aber eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Thema wäre auf jeden Fall angebracht, wenn man bedenkt, wie gross die Auswirkungen sein können.

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Kurosch Yazdi, Facharzt für Psychiatrie und Leiter der Suchtabteilung der Linzer Landes-Nervenklinik hat ein Buch mit dem Titel «Junkies wie wir» zum Boom der Verhaltenssüchte geschrieben. Darin widmet sich der Experte unter anderem eingehend mit den Suchtmechanismen von Kindern im Zusammenhang mit Social Media und Computer- beziehungsweise Internetgames. «Kinder haben im Gegensatz zu Erwachsenen noch keine Kontrollimpulse, was sich neurobiologisch belegen lässt. Aus diesem Grund haben Kinder ein sehr grosses Suchtpotenzial», sagt Yazdi.

Er plädiert dafür, dass sich Eltern (und auch Lehrer) intensiver mit dem Multimedia- und vor allem mit dem Social-Media-Konsum der Kinder auseinandersetzen. Denn es gehe nicht darum, Kindern die Internetnutzung zu verbieten oder nur auf gewisse Stunden in der Woche zu limitieren, vielmehr müssten Eltern darauf achten, wie das Internet genutzt werde. «Wenn sich ein Kind für einen Vortrag in der Schule vorbereitet und im Internet nach Informationen sucht, ist das absolut in Ordnung», so Yazdi. Wenn es aber stundenlang Online-Games wie etwa «World of Warcraft» spiele, dann sei Vorsicht geboten, weil durch diese Art von Konsum das Belohnungszentrum im Gehirn, dass für sämtliche Süchte verantwortlich ist, stimuliert werde. Dies könne später zu einer Suchtverschiebung führen. Daher müsse man das Internet genauso als «Einstiegsdroge» wie etwa Nikotin betrachten.

Dies mag jetzt alles vielleicht etwas gar schwarzmalerisch tönen, doch die ständig wachsende Zahl der internetsüchtigen Jugendlichen zeigt, dass wir es mit einem ernstzunehmende Problem zu tun haben. So behandelt Kurosch Yazdi in den letzten Jahren immer mehr und vor allem immer jüngere Patienten in seiner Klinik. Je früher ein Kind in Berührung mit Online-Games oder auch mit Social-Media-Plattformen wie etwa Facebook in Verbindung mit kommt, desto grösser sei die Wahrscheinlichkeit, dass es eine Beziehungsunfähgikeit entwickle. Die Auswirkungen sind verherend: «Die logische Konsequenz dieser Entwicklung ist, dass viele Menschen in zwanzig Jahren gar nicht mehr wissen, was Beziehungen sind. (…) Sucht wird Bestandteil der sozialen DNA sein. Es wird immer mehr Suchtverschiebungen geben, etwa von Alkohol auf Shoppen, und von Spielen auf Drogen. Es wird normal sein, dass sich ein Mensch in seinem Leben mehreren Suchtbehandlungen unterzieht».

Kurosch Yazdi

Befasst sich mit Verhaltenssüchten: Dr. Kurosch Yazdi

Ein düsteres Szenario. Zum Glück ist aber eine der wichtigsten Gegemassnahme nicht nur vorhanden, sondern sie ist auch für jeden zugänglich und absolut kostenlos. Sie heisst: Zeit. Suchtexperte Yazdi empfiehlt Eltern, ihren Kindern mehr «Beziehungsangebote» zu machen, weil «beziehungsfähige Menschen nicht nur gegen Süchte und andere psychische Erkrankungen resistenter, sondern automatisch auch ehrgeiziger, motivierter, neugieriger, sozialer, aktiver, kritischer und optimistischer» sind. Wenn also nächstes Mal der Sohn oder die Tochter nervt, dann überlegen wir uns doch, auf welche Weise wir dem Kind Aufmerksamkeit schenken könnten. «Denn», so der Psychiater, «Provokationen sind nichts anderes als Beziehungsaufforderungen».

Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass gerade nach einem anstregenden Tag, die Verlockung gross ist, die Kinder mit DVD oder Youtube-Filmchen zu «parkieren». Doch wenn man sich überwindet, stellt man im Nachhinein meistens fest, dass die Freude über die intensiven, gemeinsamen gelebten Momente weitaus grösser ist, als die angeblich gewonnene «Ich-Zeit» – die man wahrscheinlich benötigt, um selber kurz zu checken, wer gerade was auf Facebook gepostet hat.

48 Kommentare zu «Das Junkie-Gen in unseren Kindern»

  • Eine Gotte sagt:

    Wo ich vor allem das Problem sehe: Mein Göttibueb sitzt den ganzen lieben langen Tag vor dem TV. Selbst beim gemeinsamen Nachtessen ist die Kiste an. Er wirkt hyperaktiv, kann sich auf nichts lange konzentrieren und ich habe das Gefühl, dass seine Sprache darunter leidet. Er ist 3.5 Jahre alt. Ich finde es schon sehr bedenklich, dass manche Eltern ihr Verantwortung an ein Fernsehgerät abschieben…

  • e. schneider sagt:

    ich würde den fokus mal auf wirklich gravierendes richten: http://www.freitag.de/autoren/columbus/adhs-algorithmus-bei-dem-jeder-mit-muss

    • alien sagt:

      Naja, die ziehen das Wort „Algorithmus“ in den Dreck. Als ich das gemerkt hatte, habe ich nicht weiter gelesen, auch wenn es vielleicht lesenswert wäre…

  • Auguste sagt:

    hmm…, youtube-junkies – ja gibts denn sowas? gehört es nicht zur kindheit, dass man oft nicht weiss, was noch gesundes mass und ziel ist? da kommen dann die eltern ins spiel, die das einleuchtend vermitteln können sollten. gar nicht so leicht, wenn faszinierende „welten“ nur ein paar clicks weit weg warten. nachdem ich jüngst las, was die mit 3D druckern so alles machen wollen, sollten besorgte eltern eher einschreiten, wenn ihr sprössling noch „laubsägelet“. andererseits, nichts ist so prollig wie plastik-gartenmöbel. wie man es macht,…

    youtube: tim mcgraw – things change

    • gabi sagt:

      Hihi…

      Wieso bringt mich schon nur die Erwähnung von „gesundem Mass und Ziel“ aus Ihrem Munde sowohl im Zusammenhang mit ihren Keller- als auch mit Ihren Grosswildjagd-Fantasien derart herzhaft zum Lachen, Guschti?!

      🙂
      😀
      😀
      😀
      😀
      😀
      😀

      😉

  • David sagt:

    Die Eltern sind die Vorbilder. Da muss man halt mal am Sonntag das Smartphone zu Hause lassen. Finde aber eine gesunde Annäherung an die Geräte, an die Anwendung und an die Möglichkeiten gut und fast schon ein Muss. Denn wir wissen alle, diese Geräte werden noch mehr in unser Leben eindringen. Ich fühle mich ja auf der Höhe der Zeit, ein bisschen Tumblr, mal ein Foto auf Facebook posten und ich weis sogar wie man die Dropbox verwendet. Da lacht dich der 14 Jähige aus. Unser Liebling darf nur mit Mama oder Papa das Smartphone verwenden und nur ein bestimmte Zeit.

  • Frank Baum sagt:

    Zum Teil geht man mit dem Begriff „Sucht“ etwas fahrlässig um. Wenn jemand Stundenlang vor dem TV sitzt erklärt man die Person für süchtig. Was ist, wenn diese Person Stundenlang Bahnen im Schwimmbad dreht oder Geige spielt? Wir nutzden den Begriff „Sucht“ oft, um Verhaltensweisen zu diskriminieren, die wir selber nicht schätzen. Andererseits gibt es Tätigkeiten, die einem schaden und süchtig machen. Computer- oder Internetspiele gehören da dazu. Kinder sind da besonders empfindlich und müssen geschützt werden.

    • tina sagt:

      geige spielen und schwimmen ist so viel monotoner als die atemberaubenden möglichkeiten, die selbst ein gerätchen bildet, das gute 200.00 kostet und bis vor ein paar jahren nur musik abspielen konnte…. ich traute selber meinen augen nicht, und zugegeben, ich könnte auch monate damit verbringen, damit zu spielen.

    • Reto B. sagt:

      Tja, ich denke so ist es. Der Mensch tendiert dazu, Süchten zu frönen. Der Unterschied ist wohl, welches Gefahren und Schadenpotential es birgt. Marathonläufer sind topfit, Gamejunkies sozial isoliert.

      • houdini sagt:

        „Marathonläufer sind topfit, Gamejunkies sozial isoliert.“ – ist das (v.a. der zweite teil) jetzt nicht etwas arg klischiert..?

      • Frank Baum sagt:

        Ich denke, das ist genau der Punkt: Das Schadenspotential (wobei Leistungssport auch ein Schadenspotential in sich birgt). Computerspiele und wahrscheinlich auch soziale Medien können durchaus eine Suchtwikrung entfalten bis dahin, dass sie schädlich sind. Dann muss man aber etwas unternehmen, um Kinder zu schützen. Das tun wir ja bei Zigaretten und Alkohol aus gutem Grund auch. Die Frage ist allerdings, wie man bei Computerspielen und sozialen Medien am besten vorgeht. „Darüber Reden“ scheint mir etwas wenig.

      • Reto B. sagt:

        Es gibt in meinen Augen wenige, die eine Computerspielsucht haben und noch fähig sind, normale Beziehungen zu pflegen. Habs gesehen, habs erlebt. Man hat dann zwar Freunde im Netz, aber die sind auch nur so lange da, wie man weiter im Strudel bleibt. Und nein, ich finde nicht, dass es arg klischiert ist. Wer 2-3 Stunden pro Tag spielt, dem fehlt die Zeit für anderes.

      • tina sagt:

        heute ist es eben nicht mehr so, dass der gamer von sozialen kontakten abgeschottet vor sich hin spielt.

      • tina sagt:

        reto, es ist aber die einseitigkeit des lebens, die gefährlich ist, wenn man täglich so viel zeit mit dem selben verbringt. ob jetzt geige spielen, joggen oder compi-spiele. dass ich bildschirmzeit meiner kinder begrenze hat den grund, dass ich möchte, dass sie die möglichkeiten der welt vielseitig nutzen

      • houdini sagt:

        reto b: provokative frage: was ist dann mit einem „lesejunkie“, der 2-3 stunden pro tag in bücher abtaucht? ist der nicht ebenso sozial isoliert? wer 2-3 stunden liest pro tag, dem fehlt die zeit für anderes?

      • Reto B. sagt:

        Korrekt, verstehen sie mich nicht falsch, ich will nicht gegen Gamer wettern. Allerdings macht das pseudosoziale, was Chats, Foren, MMOGs, auch Blogs ausmacht auch deren Reiz und Suchtpotential grösser. Eine gewisse Diversität ist sicher anzustreben, wie von Tina gesagt. Solange es nicht das ganze Leben negativ beeinflusst, ist ja eigentlich alles im grünen Bereich. Sobald Freunde sich von einem abwenden, die Arbeit / Schule etc. darunter leidet, wirds kritisch.

      • Frank Baum sagt:

        Es ist nicht zwingend ein Problem, wenn man 2..3 Stunden am Tag das gleiche tut – ob lesen, Geige spielen oder Schwimmen. Online-Spiele haben da aber einen anderen Charakter: Man wird da in eine Welt hineingezogen, die einen von allem anderen abhält. Möglicherweise auf lange Zeit hinaus. Ich lese selber sehr viel. Manchmal packt mich ein Buch so, dass ich es nicht zur Seite legen mag. Das dauert aber bestenfalls 2..3 Tage. Ich habe auch einmal an einem Online-Spiel teilgenommen, das einen viel mehr bindet…bis ich ausgestiegen bin, weil das verrückt ist.

      • Frank Baum sagt:

        Wenn man von einem Buch gepackt wird, kann man es dennoch weg legen und man verpasst nichts. Online Games gehen rund um die Uhr weiter – je tiefer man einsteigt, um so eher wird man von seinen Mitspielern aufgefordert, da auch Präsenz zu zeigen. Selbst Blogs haben nicht diese Sogwirkung in meinen Augen.

      • alien sagt:

        Naja, ich glaube, dass man ohne Probleme einen oder zwei Tage Mamablogpause einlegen kann.

    • Muttis Liebling sagt:

      Unter Sucht versteht man unstillbares Verlangen. Fitness- Junkies können davon genauso betroffen sein, wie Raucher. Typische sozial akzeptierte Ziele von Sucht sind Gesundheit, Anerkennung, Wohlstand, Schönheit. Deswegen ist Sucht an sich auch kein Problem, gewertet wird nicht die Sucht sondern deren Ziel. 10 h vor Exceltabellen ist Fleiss und 3 h Spiele ist krank.

      Es gibt immer mehr Zustände, welche als krank bezeichnet werden, weil sie den derzeitigen etwas eigenartigen Wertvorstellungen (fleissig, dynamisch, sittenstreng, usw.) nicht entsprechen. Krank ist das meist aber nicht.

      • indianer sagt:

        arbeitsteilung (spezialisierung) kann der gesundheit schaden. allrounder und selbstversorger leben ganzheitlicher. suchtverhalten kann man beliebig projizieren. auch autismus kann probleme machen.

      • alien sagt:

        10h Excel ist Masochismus.

    • tina sagt:

      habt ihr als kinder nicht auch zum beispiel mit der familie monopoly gespielt, stundenlang? ja, schon ein bisschen krank. heute kann man auf kleingeräten monopoly spielen, spart das geld für das brett und die kleinteile. ich sage nicht, dass das nur gut ist, aber es ist auch nicht nur schlecht

  • katy sagt:

    Früher hatten nur die Arbeiter-Schichten keine Zeit für Ihre Kinder, heute hat gar niemand mehr Zeit für seine Kinder. Da muss ein Grund für die „schlechte“ Entwicklung her. Social Media, Internet blablabla… Ist irgendwie beunruhigend, wie schnell man sich von der eigenen Verantwortung drücken will und dafür ist einem jeder Grund recht. Um Medienkompetenz früh zu erlernen, müssen sich die Eltern Zeit für ihr Kind nehmen. Um den Umgang mit dem Internet zu erlernen müssen sich die Eltern Zeit für Ihr Kind nehmen. Um die Beziehung zum Kind zu pflegen müssen sich Eltern Zeit für Ihr Kind Nehmen.

    • tina sagt:

      das ist doch quatsch. ich kenne ja eigentlich fast nur noch eltern, und sie alle haben zeit für ihre kinder, eine menge sogar, und sie nehmen sich die zeit. allerdings: selbst technisch versierte und interessierte eltern sind weniger technisch versiert mit elektronischen „spielsachen“ (= ganz grosse schublade, inklusive all den sinnvollen geräten) als ihre kinder mit 10.
      was allerdings nicht wahr ist: nur weil man damit aufgewachsen ist, hat man die bedienung nicht von geburt an eingebaut.
      ob wir erwachsenen allerdings taugen, unseren kindern den umgang damit beizubringen? ich bezweifle es…

    • alam sagt:

      @katy: „heute hat gar niemand mehr Zeit für seine Kinder“ Im Gegenteil: Ich bin überzeugt, dass keine Generation so viel Zeit für ihre Kinder hatte und so viel mit ihren Kindern unternahm wie wir. Wir dürfen nur unsere eigene Medienkompetenz nicht überschätzen und im Zweifelsfall lieber einmal zu viel nein sagen, auf die Gefahr hin, dass die Kinder erst etwas später all die Gadgets haben als die anderen. Gerade Digital Immigrants müssten eigentlich wissen, dass man Medienkompetenz mit Leichtigkeit auch als Erwachsener lernen kann.

  • Katharina sagt:

    Der Text kann auch hier angewendet werden, womit Ihr dann zu Versorgern einer Plattform mit Suchtwirkung werdet.

  • Medienkompetenz früh erlernen.
    Heutzutage sind Kinder vielen Eindrücken ausgesetzt: Smartphone, Internet, TV, Spielkonsole und mehr.
    Diese können den Spielalltag und Erlebnisdurst der Kinder ergänzen, dürfen diesen aber nicht ersetzen.
    Ein sicherer und verantwortungsvoller Umgang mit den iPhone, Tablet PC, etc. will gelernt sein. Kinder und Jugendliche brauchen für eine nachhaltige Medienbildung und -erziehung- die Unterstützung von Eltern und Lehrpersonen. Pro Juventute fördert mit ihrem Angebot Medienprofis die Medienkompetenz bei Kindern, Jugendlichen, Eltern und Lehrpersonen.

    • alam sagt:

      Das ist ja alles gut und recht, aber ich bin überzeugt, dass es für die Kinder am besten ist, die Medienkompetenz erst möglichst spät zu lernen und sie so lange wie möglich von Smartphone, Internet, TV, Spielkonsole und mehr fernzuhalten. Aber dann, wenn sie dürfen, auch wirklich dabei zu sein.

      • mia sagt:

        Es ist völlig richtig, was Sie sagen. Das Problem liegt aber oftmals auch darin, dass Eltern shlicht die nötige Intelligenz fehlt um wahrzunehmen, worauf ihre Kinder bei frühem und uneingeschränktem Konsum dieser Medien zusteuern könnten. In der Zeit, in der sie mit ihnen etwas Sinnvolles unternehmen sollten, wie z.B. in die Natur hinausgehen, sie zur Lektüre guter Bücher zu motivieren etc., machen sie es sich lieber selber vor dem Fernseher gemütlich und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein. Diese Ignoranz könnte sich dereinst tatsächlich als fatal erweisen.

      • tina sagt:

        mia, computerspielen spielen ist aber nicht das selbe wie tv konsumieren. beim spielen agiert man und muss verschiedene fertigkeiten entwickeln/anwenden.
        der mensch kann sich nicht durchgehend sinnvoll beschäftigen. dümpeln ist ungemein wichtig. manchmal glaube ich, das ist es, was zu kurz kommt heute und nicht, dass zu wenig sinnvolles gemacht wird. es wird zu wenig sinn- und zielloses gemacht

      • mia sagt:

        Ihre Sicht der Dinge, kann ich nicht nachvollziehen. Als ob es nicht genug Jugendliche gäbe, die ihre Freizeit mit sinnlosem Herumhängen und Nichtstun totschlagen.

    • Es sollte in jeder Hinsicht einen geregelten Tagesablauf geben. Kinder sollen in die Natur, aber auch mal etwas im TV sehen. Jugendliche müssen Orte wie Jugendtreffs haben wo sie sich mit Gleichaltrigen treffen können. Computerspielen soll auch seine Zeit haben, aber auch da gilt, was im realen Leben Sinn macht, soll in den Spielen wieder zu finden sein (hierzu gibt es eine spannende Seite: http://www.projuventute.ch/Gametest.1755.0.html). Beim Internet und mit Smartphones ist Medienkompetenz besonders wichtig. Das Internet ist heute alltäglich, darum soll man wissen, wie man sich darin bewegt.

  • André sagt:

    Es ist heute mit den vielen Möglichkeiten, die man so hat, ziemlich einfach, von der Norm abzuweichen. Wenn die Beziehungsfähigen Leute in der Minderheit wären, würde man sicherlich auch Beziehungen als Sucht abstempeln. Schliesslich sehe ich bei fast niemandem so krasse Entzugserscheinungen, wie bei beziehungsgewohnten Menschen, die ausnahmsweise Single sind. Und niemand ist so verräterisch. Ich mag unsere exzentrischen Zeitgenossen sehr und neige nicht dazu, abweichendes Verhalten krank zu finden, auch mein eigenes nicht.

  • marie sagt:

    „Das Wesen der Sache liegt irgendwo im Zwischenmenschlichen und der Teufel benutzt lediglich die Werkzeuge der Zeit.“ sehe ich auch so.

  • Muttis Liebling sagt:

    ‚… dann sei Vorsicht geboten.‘ Es geht doch nichts über den präzisen Rat eines Experten, der, man glaubt es nicht, darüber sogar ein Buch geschrieben hat. Wenn da auch soviel Interessantes drin steht, wie im Blogbeiitrag …
    Ich fühle mich umgeben von beziehungsgestörten bis -unfähigen überkontrollierten 30- 40 jährigen Frauen, die in iher Kindheit noch kein Internet hatten. Da muss es noch etwas anderes geben.
    Das Wesen der Sache liegt irgendwo im Zwischenmenschlichen und der Teufel benutzt lediglich die Werkzeuge der Zeit.

    • alam sagt:

      Die Frage ist doch, wer hier beziehungsunfähig ist. Seien wir doch ehrlich, wir die hier drin so fleissig posten, du ML eingeschlossen, sind blogsüchtig. Wir haben möglicherweise alle eine verschobene Wahrnehmung unserer eigenen Beziehungsfähigkeit und erst recht der der anderen.

      • gabi sagt:

        touché!

        🙂

      • Muttis Liebling sagt:

        Der Logik kann ich mich nicht entziehen, alam, und da sehe ich einen Teil der Wirkungsmechanismen.
        Ich habe mich im Kreise meiner vor allem Kolleginnen schon öfter zu der Tatsache geäussert, dass die Pausengespräche hier ausserordentlich flach sind, weil jeder Versuch thematischer Diskussion von einem Teil derer systematisch torpediert wird.
        Das wird von beiden Seiten, den Torpedieren und den Torpedierten auch so bestätigt, erstere mit der Begründung, den Betriebsfrieden damit zu fördern.
        Da weicht man (in dem Fall ich) auf andere Kommunikationskanäle aus und so machen es auch die Kinder.

      • gabi sagt:

        …Hat schon was.

        Erinnert mich (also allgemein; jetzt nicht speziell nur ML) an die überlieferten Reaktionen von Pädos, die – vor sie aufflogen – selber für andere Pädophile immer gleich Todesstrafe fordern und mit „solchen Typen müsste man…. “ kommen.
        Der Kellerverlies-Fritzel in Niederösterreich z.B. auch.

      • Muttis Liebling sagt:

        Kurz gesagt, Konfliktarmut in der Realität dämpft das Bedürfnis, in dieser zu kommunizieren und forciert entsprechend andere Kanäle.
        Wir sollte uns auch real viel mehr auseinandersetzen, in der Familie, am Arbeitsplatz, heftig, dass die Fetzen fliegen. Dann wird Facebook einfach nur langweilig.

      • Ted sagt:

        @ML
        …gerade wollte ich ihnen zum ersten Mal gratulieren, für ihr vernünftiges, beziehungsfähiges Statement 😀

        …aber dann fahren sie im letzen Satz ( Wir sollte uns auch real viel mehr auseinandersetzen, in der Familie, am Arbeitsplatz, heftig, dass die Fetzen fliegen )…. leider wieder ihrem Ossi-Kanonen-Drill-Abrieb auf 😥

      • houdini sagt:

        ML, sie tönen sehr anstrengend… hatte auch mal so einen mitarbeiter – jedes gespräch musste zu einer grossen (grundsatz)diskussion werden, einfach nur angeregt plaudern lag nicht drin – die gehetzten blicke, die nach fluchtwegen suchten, die die leute jeweils bekamen (ich inklusive), wenn er zu einem grüppchen stiess, die fielen ihm nie auf…

      • alien sagt:

        Sie sagten dann jeweils halt „hou, diniii…“

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