Baschi Dürr und die linken Neiderinnen

Zwei Sichtweisen auf drei Haushalte (v.l.): Barbara Schneider, Baschi Dürr, Eva Herzog. (Bilder: Keystone)

Zwei Sichtweisen auf drei Haushalte (v.l.): Barbara Schneider, Baschi Dürr, Eva Herzog. (Bilder: Keystone)

Der Basler FDP-Politiker Baschi Dürr hat angekündigt, auch als Regierungsrat jeweils einen halben Tag pro Woche zu Hause zu bleiben, um die Kinder zu betreuen und den Haushalt zu verrichten – und das bei vollem Lohn. Er habe es bisher so gehandhabt und sehe keinen Grund, im Fall seiner Wahl etwas daran zu ändern.

Eine Aussage, die der PR-Profi (seit 2008 ist Dürr Geschäftsführer der Basler-Zweigstelle der PR-Agentur Farner) wahrscheinlich nicht ganz ohne Hintergedanken so kurz vor den Wahlen platziert hat. Und Medienpräsenz ist wichtig, wenn man sich im Wahlkampf befindet. So glaubt die Basler Regierungsrätin Eva Herzog (SP) denn auch vor allem eine Marketingstrategie hinter seiner Forderung zu erkennen und kritisiert gegenüber der «NZZ am Sonntag», dass Dürr offensichtlich noch ein paar Stimmen von Frauen holen wolle. Sie wisse, dass dieses Modell nicht möglich sei und ärgert sich: «Wenn ich bei meiner Wahl 2005 angekündigt hätte, ich wolle zu Hause bleiben, hätten alle gesagt: ‹Ein solches Amt und kleine Kinder – es geht eben doch nicht!› Nun sagt Dürr, ein Mann, genau das und alle finden: ‹Wow, wie modern!›»

In die gleiche Kerbe schlägt auch die Basler SP-Frau Barbara Schneider. Die «Basler Zeitung» zitiert die Ex-Regierungsrätin mit folgenden Worten: «Dieses Thema wird nur bei einem Mann so hochgespielt», bei ihr sei nie jemand gekommen und habe gefragt, wie sie ihren Haushalt mache. «Es gibt da einen Unterschied in der Wahrnehmung zwischen Mann und Frau.»

Nun, die beiden SP-Politikerinnen mögen teilweise sogar Recht haben und so sind ihre Reaktionen bis zu einem gewissen Grad auch nachvollziehbar. Trotzdem: Ihre Äusserungen sind völlig deplaziert, regelrechte Fortschrittsbremsen und erinnern an die «Wir mussten auch ohne auskommen»-Argumente, die im Rahmen der Mutterschaftsversicherung vor allem von älteren Frauen gebracht wurden. Was soll das? Statt die Diskussion auf eine Genderstreitfrage zu reduzieren, sollten die beiden Frauen das Baschi-Dürr-Prinzip (ein freier Halbtag ohne Lohneinbusse!) leidenschaftlich propagieren. Denn nach wie vor sind es vor allem Frauen, die ihr Pensum der Familie zuliebe kürzen und sich mit den Tücken der Teilzeitarbeit (gleiche Arbeit bei weniger Lohn, Karriereknick, etc.) konfrontiert sehen. Aber auch Männern geht es nicht besser, ihnen bleibt die Teilzeitlösung oftmals sogar gänzlich verwehrt, zumindest wenn sie eine grosse Karriere anstreben, denn Teilzeit im Kader ist nach wie vor nur in den seltensten Fällen möglich. Dabei hat gemäss Teilzeitmann.ch eine repräsentative Untersuchung gezeigt, dass 90 Prozent der Männer ihr Arbeitspensum reduzieren möchten.

Dies zeigt, dass ein Umdenken in diese Richtung dringend nötig ist. Sollten vier Stunden Abwesenheit vom Arbeitsplatz im heutigen Digital-Zeitalter, wo man jederzeit per Smartphone erreichbar ist, nicht machbar sein? Vor allem, wenn man bedenkt, dass Überstunden mittlerweile so gut wie selbstverständlich angesehen und häufig auch nicht kompensiert werden? Dass es auch anders geht, zeigten Experten an der diesjährigen Fachtagung von Pro Familia Schweiz (PFS) zum Thema Familienzeit. Im Mittelpunkt standen die flexiblen und familienbewussten Arbeitszeitmodelle. In ihren Empfehlungen schreibt die Arbeitsgruppe Familienzeit, dass sich familienfreundliche Massnahmen für ein Unternehmen in einer höheren Arbeitszufriedenheit, in einer geringeren Fluktuation der Mitarbeiter und am Ende in tieferen Kosten ausdrückt: Gemäss einer Prognos-Studie können bis zu 8 Prozent Personalkosten gespart werden. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf müsse zur Selbstverständlichkeit werden und müsse darum thematisiert werden, heisst es in den Empfehlungen der PFS-Arbeitsgruppe Familienzeit.

Darum, liebe Baschi-Dürr-Kritiker und vor allem -Kritikerinnen, vergesst doch einfach die Person dahinter und nehmt die Sache als solches − als einen Denkanstoss zu Gunsten der Familie.