Kleine Tropen- und Strandkunde für Anfänger

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Ein Cocon aus Händen und Worten - fremd und angenehm, ob gewollt oder nicht.

Auf dem Balkon sind es im Moment 33 Grad Celsius, sagt das Thermometer. Muss ein Scherzkeks sein. Im Internet sprechen sie von gefühlten 44 Grad – ich seh schon, die verstehen was von Gefühlen, die im Internet.

Drum hier eine kleine Tropenkunde: Was ist der Unterschied zwischen einer Sauna und den Tropen?

1. In der Sauna ist es immer Dämmerung, in den Tropen nur die halbe Zeit.

2. In der Sauna hat es kaltes Wasser.

3. In der Sauna ist es ruhig, wie in einer Kirche (ausser dem PSCHHHT, wenn einer Eukalyptuswasser nachgiesst), in den Tropen, den städtischen kolumbianischen zumindest, gibt es rund um die Uhr Hupen, Reden, Schimpfen, Musik und fantasievolle Spezialgeräusche fürs Rückwärtsmanövrieren, das stets unterlegt ist mit dem Hupen der gelben Minitaxis (ca. zwei Drittel aller Autos).

4. In der Sauna hat es keine Vögel und es windet nicht.

Der Rest ist gleich.

Und nun noch ein paar Worte zum Strand:

Wer an den Strand geht, sollte eine gewisse strand-wiseness mitbringen, was wir als Newcomer natürlich nicht haben (bzw. hatten – man lernt ja dazu).

Man kann es sich etwa so vorstellen, wie eine Horde von Sunriseverkäufern. Nach einem solchen Überfall ist man um einiges leichter an Zeit und Kohle. Aber! Und das ist der Unterschied zu den Sunrisers: Du fühlst dich wenigstes wohl danach, wenn sich eine der dunklen Strandladies (viele Kolumbianer sind Nachfahren der afrikanischen Sklaven, welche in unsäglichen Mengen importiert und zum Beispiel in Cartagena an der Plaza de los Coches weiterverkauft wurden) erst langsam plaudernd und lächelnd deine Finger umfassen und ehe du dich versiehst, deinen Arm mit Aloa Vera bearbeiten, dir den Nacken kneten. Und wenn still und selbstverständlich eine zweite und eine dritte dir und deiner Familie Zöpfe ins Haar flechten und dir eine Spezialbehandlung gegen Mikroben auf deine Zehen tupfen wollen.

Dabei sind sie die ganze Zeit ausnehmend nett, vermutlich. Denn ich habe nur Wortfetzen verstanden. Es fühlt sich zumindest gut an, selbst wenn sie dich ganz klar bemitleiden für deine schreckliche Haut (erdbeereisfarben) und dein Haar (vanilleeisfarben). Aber – so wirst du getröstet – wenigstens sind ja deine Kinder schön. Denn die haben braune Augen, braune Haut und sind braun sowieso. So bist du zwar um viele Peseten leichter und etwas wacher für das nächste Mal, aber eben auch gut geknetet und zuversichtlich, was die Zukunft deiner braunen Kinder angeht. Und, wer weiss, vielleicht hast du ja tatsächlich ein paar hungrige Mäuler gestopft und se non è vero, è ben trovato.

Klarer Fall: Eins zu null Strandverkäuferinnen gegen Telefonfuzzies.

So angenehm das alles ist und so aufregend es sein mag, sich von heissem Wind an den Strand und durch die Gassen treiben zu lassen, getarnt wie ein bunter Hund (Erdbeer-Vanille eben), so sehr fängt mich dieses Land an immer mehr zu interessieren. Darum morgen: Ein kleiner Einblick in das Fleckchen Erde, dem Kolumbus seinen Namen geben durfte, ob es dies wollte, oder nicht.

13 Kommentare zu «Kleine Tropen- und Strandkunde für Anfänger»

  • Ringo sagt:

    Hi,

    schön gesagt. Jetzt weiß ich aber nicht wirklich, was besser ist. Die Heimische Sauna oder der kolumbianische Strand.

    Da ich aber nur die heimische Sauna-Landschaft kenne, würde ich aber trotzdem sagen: “Beides gut“.

  • Nobody sagt:

    Habe noch nie eine echte Liebesbeziehung gesehen, die nicht mit Kritik begonnen hätte. 🙂

  • ALUNA sagt:

    Cartagena de Indias? Da fällt mir ALUNA ein. Ein heilpädagogisches Musterprojekt, welches von der Schweiz aus unterstützt wird und über 700 Kinder und Jugendliche mit schwersten Behinderungen aus ärmsten Verhältnissen fördert und unterstützt. Eine eindrückliche Sache!

  • Juhani sagt:

    3. In der Sauna ist es ruhig, wie in einer Kirche …

    Ich weiss nicht von wo sie das haben, aber in Finnland, wo die Sauna ja wirklich so etwas wie eine Religion ist, ist es in der Sauna alles andere als ruhig. Dort geht es vielmehr eher zu wie auf dem Jahrmarkt.

  • dres sagt:

    Ich bin beruhigt und froh, dass das Gejammer im Vorfeld dieser Reise unnötig war. 😉 Geniessen Sie die spannende Zeit weiterhin, die Schweizer Routine (mit allen Vor- und Nachteilen) hat sie dann schnell wieder… 😉

    • Widerspenstige sagt:

      Das ist mE jetzt ziemlich unhöflich formuliert u war kein Gejammer, sondern echt ausgedrückte Bedenken und ja….Ängste der Autorin! Die dürfen Ernst genommen werden u nicht als Gejammer bagatelisiert. Sie hat ein nicht zu unterschätzendes Phänomen der Gegenwart in Worte gefasst u sich mitgeteilt. Es gibt nicht wenige, welche sich in ähnlichen Situationen wiederfinden dürften.

      Gerade habe ich eine aufschlussreiche Dok gesehen über ein Rennpferd, welches in Neuseeland via 3h-Flug intensivst durch einen eigenen Pferdebetreuer vom Gestüt A zu Gestüt B 24h betreut wurde…wow! 😉

  • Evelyne sagt:

    Ich habe mich auch gefragt, ob ich mir das mit den Kind antun soll – Langstreckenflug und Erlebnisse wie oben beschrieben. Jetzt gehen wir spontan ins Seelisberger Seeli im Urnerland. Exotisches Trekking- und Erlebnis- bzw. Horizont“erweiterungs“-Ferien aufs nächste Mal verschoben. Ich wünsche gute Entspannung und schöne Eindrücke! 🙂

    • Widerspenstige sagt:

      Freuen Sie sich Evelyne, denn die Gegend am Vierwaldstättersee bei Treib und Seelisberg ist mir aus meiner Kindheit noch in schönster Erinnerung geblieben! Speziell das Ertönen der Schiffshupe morgens früh beim Vorbeifahren und die idyllische Gegend so richtig suisseness-like 🙂

  • Leonidas sagt:

    na eben liebe Frau Fischer. Ist doch alles happy-hippo! die sonne scheint, die menschen sind freundlich. alle sorgen und ängste im vorfeld umsonst. machen sie sich frei von ängsten und sorgen und fangen sie an das leben zu geniessen – es ist wunderschön!!!

    • Cybot sagt:

      Die Menschen sind freundlich – ist klar, aber nur solange du ihnen Geld gibst. Das ist in der Karibik genau das gleiche. Am Anfang findet man es vielleicht noch nett, aber spätestens nach einer Woche ist es nur noch eine Plage. Und wenn du ihnen dann nichts mehr gibst, sind sie auch sehr schnell nicht mehr freundlich. Dann bleibt nur noch ignorieren und weitergehen.

      • Roman sagt:

        @Cybot: Nein, die Kolumbianer sind für schweizer Verhältnisse sehr freundlich und zuvorkommend, auch wenn Sie kein Geld erhalten! Kolumbien ist wurderschön und abwechslungsreich. Was Du beschreibst, trifft man eher in den nordafrikanischen Ländern an.

  • marie sagt:

    schwelg, schwelg, schwelg. sehnsucht, sehnsuch, sehnsucht…
    ganz liebe grüsse aus bern, ihre aufmerksame leserin
    marie
    ps: ich kenne eine kolumbianerin, die mir immer ihre fotosammlung ihres zu hause zeigt. das land ist sowas von vielfältig, wunderschön.

    • alien sagt:

      Ich kaufe immer Shakira in der Migros, das erinnert mich an Kolumbien.

      Ok, das Zeugs heisst Shakeria.

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